Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Arthur Schurig >

Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
Schließen

Navigation:

Das zweite Kapitel

Wie ich bereits vermeldet habe, war mir zur Kenntnis gekommen, daß manche der mit mir gelandeten Mannschaften zur Partei des Diego Velasquez hielten. Was ich in Eurer Kaiserlichen Majestät Namen mit Glück erobert, vermehrt und verwaltet hatte, bereitete ihnen Verdruß. Ja, etliche Leute hatten sich zusammengetan, von mir abzufallen und aus diesem Lande wieder abzuziehen. Sonderlich waren es vier Hispanier: die Soldaten Johann Escudero, Diego Ameño, Bernhard aus Coria und der Steuermann Gonzalo von Umbria, dazu etliche Matrosen, darunter die Gebrüder Peñate. Wie diese nachher von selbst bekannt haben, waren sie entschlossen, nach Ermordung des Kapitäns eine meiner Brigantinen zu nehmen, die im Hafen von Verakruz mit Brot und Pökelfleisch vor Anker lag. Auf selbiger wollten sie nach der Insel Ferdinandina (Kuba) segeln und dem Diego Velasquez vermelden, daß ich an Eure Kaiserliche Majestät ein Schiff samt einem Bericht abgesandt hatte. Auch wollten sie ihm den Weg des Schiffes verraten, damit Diego Velasquez Schiffe aussende, dem meinen aufzulauern. In der Tat ist es also geschehen. Sobald er nämlich die Sache erfuhr, hat er eine Karavelle abgefertigt, die mein Schiff einholen sollte. Selbige hat aber mein Schiff nicht erreicht, dieweil es schon zu großen Vorsprung gewonnen hatte. Weiterhin haben sie eingestanden, daß unter meinen Leuten etliche Kundschafter des Diego Velasquez waren. Diese Übeltäter hab ich daraufhin bestraft, wie es die Gerechtigkeit erfordertJuan – oder, wie Bernal Diaz angibt, Peter – Escudero soll der nämliche gewesen sein, der den Cortes auf dessen Flucht aus der Gewalt des Diego Velasquez (vgl. S. 15) wieder eingefangen hatte. Die Zeitgenossen des Eroberers haben nicht verfehlt, hier einen unedlen Racheakt zu sehen.

Escudero und Cermeño wurden gehängt; dem Gonzalo aus Umbria sollten die Füße abgehauen werden. Das Urteil ist aber nicht vollstreckt oder irgendwie gemildert worden, denn wir sehen ihn später wieder munter auf den Beinen. Piloto und Alonso Peñate erhielten jeder 200 Rutenhiebe. Ein Pater Juan, der gleichfalls bei der Meuterei beteiligt war, – Cortes verschweigt die Teilnahme eines Geistlichen! – kam mit einer Verwarnung davon. Bernal Diaz fügt seiner Erzählung des Vorfalles die Worte hinzu: »Ich werde es nie vergessen, wie Cortes im Augenblicke, da er das Urteil des Kriegsgerichts unterzeichnete, tief ergriffen war und schmerzlich bewegt ausrief: ›Glücklich wer nicht schreiben kann! Er kann auch kein Todesurteil unterzeichnen.‹«

Gonzalo hat, später in Spanien, den Generalkapitän verklagt und soll ein Jahresgeld von 1000 Piastern zugebilligt bekommen haben, dazu eine Farm in Neu-Spanlen. Aus Vorsicht und Furcht vor Cortes verblieb er aber in der Heimat.

. Überdies ordnete ich mancherlei an, was mich zu Allerhöchstero Nutzen gut dünkte. Denn außer denen, die des Diego Velasquez Freunde waren, gab es auch Leute, die ebenso danach trachteten, dies Land wieder zu verlassen, da sie erkannten, wie weit und groß das Reich ist, das ich zu erobern vorhatte. Auch bedachten sie, wie wenige Hispanier auf der einen Seite standen und wie viel feindlich Volk auf der anderen. Nach allem dem bin ich zu der Meinung gekommen: wenn ich die Schiffe hinter mir ließe, so möchten mir leicht alle die entweichen, die zum Abfall neigten und abzuziehen begehrten. Dann aber konnte die große Sache, die ich mir zur Ehre Gottes und zum ewigen Ruhme Eurer Kaiserlichen Majestät vorgenommen hatte, nimmermehr gedeihen.

Also hab ich gewagt, zu erklären, die Schiffe seien zur Seefahrt untauglich, und habe sie lassen an das Land laufen. Indem ich sie vernichtete, vereitelte ich jedwedem die Hoffnung, aus dem Lande zu entkommen. In meinem Rücken gesichert und aller Furcht ledig, trat ich nunmehr guten Mutes meinen Marsch in das unbekannte große Reich an.

 << Kapitel 4  Kapitel 6 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.