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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 47
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das fünfzehnte Kapitel

Mittlerweile war Don Fernando, der Fürst von Tezkuko und des Landes Akuluakan, eifrig beschäftigt gewesen, alle seine Untertanen, sonderlich die Edelleute, für uns zu gewinnen und uns in Treue zu erhalten, denn dazumal waren sie uns noch nicht alle so freundschaftlich wie späterhin. Er hatte sieben Brüder, streitbare junge Männer, die er bat, mit dem gesamten Kriegsvolk des Landes uns zu Hilfe zu kommen. Einen von ihnen namens Ixtlilxochitl, einen tapferen und gewandten jungen Mann von ungefähr 24 Jahren, der beim Volk beliebt und angesehen war, ernannte er zum Feldhauptmann wider die Mexikaner. Mit 30000 Mann, die wohlgerüstet und geordnet waren, kam dieser zu mir in mein Hauptquartier. Je 10000 davon schickte ich in meine beiden anderen Standorte, nach Takuba und Kojohuakan. Alle hab ich freundlich empfangen und ihnen für Willen und Werk herzlich gedankt. Eure Kaiserliche Majestät können danach leicht ermessen, wie gut und nützlich uns die Freundschaft des Don Fernando gewesen ist. Die Temixtitaner aber waren arg ergrimmt, als sie ihre ehemaligen Bundesgenossen und Lehensleute, ja ihre Vettern und Schwäger auf unserer Seite erblickten.

Zwei Tage nach ihrer Ankunft fand der bereits erzählte Sturm auf Temixtitan statt. Infolge des guten Beispieles der Tezkukoaner traten nunmehr noch andere Städte und Landstriche auf unsere Seite, so die Stadt Xochimilko, auch etliche Stämme der Otomies in den Bergen südwestlich vom See. Alle schickten sie Gesandtschaften zu mir, mit dem Angebot, Eurer Kaiserlichen Majestät treue Diener und meine guten Freunde sein zu wollen. Ich empfing sie freundlich und freute mich ihrer Botschaft, dieweil ich in Sorge gewesen war, sie möchten Kojohuakan im Rücken anfallen.

Durch die Rennschiffe ließ ich die Häuser der Vorstädte niederbrennen, und als dort keine feindliche Zille mehr zu sehen war, dünkte es mich, sieben Schiffe mochten fortan genügen, unser Hauptquartier zu schützen. Deshalb entschloß ich mich, dem Obristen Gonzalo von Sandoval und dem Obristen Peter von Alvarado je drei Brigantinen abzugeben. Ich erteilte den sechs Schiffshauptleuten den Befehl, vor der Front der anderen beiden Hauptquartiere bei Tag und bei Nacht auf dem See zu kreuzen und zu verhindern, daß die Temixtitaner Mais, Früchte, Wasser und andere Zufuhr vom Festlande bezögen. Ferner sollten selbige bei jedem neuen Sturm der beiden Obristen wider die Hauptstadt den Vorstoß in der nämlichen Weise decken, wie es bei meinem Angriff auf dem Steindamme geschehen war. Mit dieser Weisung gingen die sechs Schiffe nach ihren neuen Standorten ab. Diese Maßnahme war sehr nützlich und vonnöten. Die abgefertigten Brigantinen kaperten auf ihren Fahrten bei Tag und Nacht viele Zillen der Feinde.

Nach solchen Vorbereitungen berief ich die Führer meiner indianischen Hilfsvölker zu mir und verkündete ihnen, daß ich entschlossen sei, am dritten Tage abermals die Hauptstadt zu bestürmen. Ich ermahnte sie, wohlgewappnet und pünktlich zur Stelle zu sein und sich als unsere wahrhaftigen Freunde zu erzeigen. Sie versprachen es mir. Am Tage darauf befahl ich meinem eigenen Kriegsvolk, sich zu rüsten und bereit zu halten. Zugleich schickte ich nach den beiden anderen Standorten und zu den Brigantinen eine schriftliche Weisung mit meinem Entschluß und dem gemeinsamen Angriffsbefehl.

Am anderen Tage, nachdem wir die Messe gehört, versammelte ich meine Hauptleute und unterrichtete sie über alles, was sie zu tun hatten. Darnach zog ich aus dem Lager mit meinen Reitern, 300 Hispaniern und mehreren tausend Indianern. Als wir drei Armbrustschußweiten den Steindamm hingezogen waren, trafen wir auf den Feind, der unter Kriegsgeschrei auf uns wartete. In den drei Tagen, in denen wir kein Gefecht mit ihnen gehabt, hatten die Temixtitaner die Gräben wieder aufgerissen und die Wälle von neuem errichtet. Also mußten wir sie abermals erstürmen. Wiederum standen uns die Brigantinen auf beiden Seiten des Dammes bei. Durch selbige wie durch unsere Geschütze, Armbrüste und Büchsen erlitten die Feinde starke Verluste.

Nunmehr nahmen wir den Graben und die erste Schanze und verfolgten danach den zurückgehenden Feind, der sich alsbald hinter dem zweiten Wall festsetzte. Auch diesen eroberten wir, wenn auch mit vieler Mühe und großer Gefahr. Schließlich errangen wir den großen Platz. Sodann aber befahl ich den Hispaniern, nicht weiter vorzurücken. Wir begannen nun die Gräben mit Ziegeln und Steinen zuzuschütten und die aufgeworfenen Wälle abzutragen. Obgleich tausend Indianer dabei halfen, kam doch die Nacht über uns, ehe wir unsere Arbeit vollendeten. Unterdessen bestanden etliche Hispanier und unsere Bundesgenossen weitere Scharmützel mit den Temixtitanern, von denen auch mancher durch Hinterhalt fiel. Zuletzt machte ich mit meinen Reitern einen Streifzug durch die Stadt. Insonderlich in den Gassen, wo kein Wasser ist, stachen wir mit unseren Lanzen eine Menge Mexikaner nieder, so daß am Ende niemand mehr Widerstand leistete.

Es war mir klar, daß die Feinde entschlossen waren, entweder im Kampfe wider uns bis zum Äußersten zu verharren oder ritterlich zu fallen. Es blieb mir also kaum anderes übrig als sie zu vernichten und die Stadt zu zerstören. Dies war mir arg zuwider, und dieweil ich immer noch erhoffte, daß ich einen Weg fände, sie durch Schrecken und Furcht zur Einsicht und zum Nachgeben zu bringen, so begnügte ich mich zunächst, ihre Götzentempel und die größten Häuser der Stadt zu verheeren und niederzubrennen. Also setzte ich an diesem Tage etliche Paläste, darunter den, der ehedem unser Quartier war, in Brand, ferner, so leid es mir war, alle Gebäude des Tiergartens, den ich Eurer Kaiserlichen Majestät ehedem beschrieben habe. Damit betrübte ich die Temixtitaner und ihre Bundesgenossen vom See gewaltig, denn sie hatten nimmer gedacht, daß wir so mächtig wären und so weit in die Stadt einzudringen vermöchten. Als alle diese Häuser brannten, ließ ich durch Trompeten zum Rückzug blasen. Es war bereits Abend, als mein Kriegsvolk nach dem Lager zurückging. Als die Feinde dies wahrnahmen, griffen sie unsere Nachhut in Massen an. Meine Reiter aber machten öfters kehrt und fielen in sie ein. Wiewohl dabei jedesmal viele Feinde verwundet wurden und umkamen, so drängten sie dennoch in dichten Scharen uns nach, immer unter wildem Geheul.

Insonderheit empfanden die Temixtitaner großen Schmerz darüber, daß sie so viele Indianer aus Chalko, Tezkuko, Xochilmilko und Otumba auf unserer Seite wider sie streiten sahen. Es geschah sogar, daß etliche Tlaskalaner abgerissene Glieder gefallener Temixtitaner in die Höhe hielten und den Mexikanern zuriefen: Das soll heute unser Abendbrot und morgen unser Frühstück sein!

Endlich erreichten wir das Hauptquartier und legten uns zur Ruh. Der Tag war hart gewesen. Meine sieben Brigantinen waren bis in die Wasserstraßen der Stadt eingedrungen und hatten viele Häuser in Brand gesetzt. Die Obristen der beiden anderen Standorte samt ihren sechs Rennschiffen hatten zu gleicher Zeit Angriffe unternommen. Auch sie waren am Abend ohne Verluste in ihre Quartiere zurückgekehrt.

Am anderen Tage in der Morgenfrühe bin ich nach der Messe von neuem mit allem Kriegsvolk wider die Stadt gezogen. Trotz der frühen Stunde hatten die Feinde die Gräben und die Wälle beinahe ganz wieder aufgeworfen. In mühseligem Kampfe haben wir also die volle Arbeit des vorigen Tages wiederholen müssen. Von acht Uhr morgens bis ein Uhr nachmittags währte die Schlacht, bis unsere Schützen all ihre Kugeln und Bolzen verschossen hatten. Der Sturm auf die Schanzen war nicht minder gefährlich denn an den Tagen zuvor, wiewohl die Feinde nicht mehr von den Dächern herab schießen konnten.

Eure Kaiserliche Majestät mögen überzeugt sein, daß wir für und für in großer Gefahr standen, wenn wir immer wieder die Brücken stürmten. Denn um sie zu gewinnen, mußten wir durch das Wasser schwimmen, wobei wir beinahe wehrlos waren. Die Feinde am anderen Gestade stachen mit Schwertern und Spießen auf uns ein, damit keiner hinüberkäme. Doch dieweil sie dabei keine Söller zur Seite hatten, von denen aus sie uns zusetzen könnten, und wir von unserem Ufer aus ziemlicher Nähe mit den Armbrüsten auf sie schossen, so wurden die Hispanier von Tag zu Tag beherzter und siegessicherer, zumal sie sahen, daß ich fest entschlossen war, die Stadt zu nehmen. Auch glauben Eure Kaiserliche Majestät vielleicht, daß der gänzlich wiederholte Angriff auf die Gräben und Wälle wäre zu vermeiden gewesen, wenn wir selbige nach der ersten Eroberung nicht wieder verlassen, sondern behauptet hätten. Wahrlich waren die Gefahren und Mühseligkeiten des abermaligen Eroberns erschrecklich groß; aber es hat unmöglich anders als so geschehen können, außer wenn ich mein Hauptquartier hätte in den Hof des großen Tempels verlegt, oder wenn ich die einmal gewonnenen Schanzen und Brücken für die Nacht durch genügend Kriegsvolk besetzt hätte. Aber im ersten Falle hätte uns der Feind die ganze Nacht hindurch immer wieder angefallen, und die Abwehr hätte uns keine Stunde der Ruhe vergönnt. Die Schanzen aber auch während der Nacht zu verteidigen durch Hispanier, die doch müd genug vom harten Kampfe des Tages waren, dies dünkte mich allzu gefährlich. Also mußten wir die Brücken immer wieder von neuem erstürmen.

An diesem Tage gewannen wir auch zwei Brücken einer anderen Straße, die auf Takuba zugeht, und brannten daselbst viele große und schöne Häuser nieder. Darüber war es Abend und Zeit zum Rückmarsch geworden, der jedesmal kaum minder voller Gefahren war als der Sturm auf die Brücken und Wälle. Denn wenn uns die Feinde zurückgehen sahen, mehrte sich immer ihr Mut dermaßen, daß sie fast vermeinten, sie hätten gesiegt und wir aus Not die Flucht ergriffen. Damit aber die Reiter ohne Hindernis vor und zurück reiten konnten, war es vonnöten, daß die Straßen völlig wieder geebnet und die Gräben der abgerissenen Brücken voll ausgefüllt waren. Wenn wir im Rückmarsch, von den Feinden hitzig verfolgt, eine Zeitlang uns stellten, als wären wir wirklich auf der Flucht, dann aber plötzlich mit den Reitern kehrtmachten und in die Verfolger einfielen, dann fingen wir jedesmal ein Dutzend der Verwegensten. Auf diese Weise und durch Hinterhalte brachten wir unseren Feinden große Verluste bei, und es war wahrlich tapfer von ihnen, daß sie dessenungeachtet nicht von uns abließen, sondern uns so lange nachsetzten, bis wir aus der Stadt waren und nach unserem Lager zogen.

Die Befehlshaber der beiden anderen Standorte schickten mir am Abend Meldung, daß ihnen am nämlichen Tag alle Dinge nach Wunsch gegangen wären und sie eine Menge Feinde zu Wasser und zu Land erschlagen hätten. Der Obrist Peter von Alvarado hatte drei Brücken erstürmt. Er war auf dem Steindamme vorgerückt, der von Takuba bis zum großen Platz inmitten der Hauptstadt geht, wobei ihn die drei Brigantinen, die ich ihm zugeteilt, auf der einen Seite des Dammes begleitet hatten, so daß die Gefahr geringer war als an den Tagen zuvor. Alvarado hatte mehr Gräben und Schanzen zu nehmen, war aber dafür weniger von den Dächern herab bedroht.

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