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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 46
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das vierzehnte Kapitel

In meinem Hauptquartier zu Xolok verfügte ich über 200 hispanische Fußknechte, darunter 25 Armbruster und Büchsenschützen; dazu kam die Mannschaft der Brigantinen, mehr denn 250 Mann. Ferner hatte ich einen Teil der indianischen Hilfsvölker vom Festlande herangezogen.

Jetzt, wo die Stadt völlig vom Lande abgeschnitten war, beschloß ich einen starken Angriff auf dem Süddamm zu machen, wobei mich meine Rennschiffe auf beiden Seiten begleiten sollten. Aus Kojohuakan, wo eine Abteilung von Reitern und Fußknechten verblieben war, beorderte ich noch etliche zu mir. Zehn Reiter stellte ich am Anfange des Dammes auf, ebenso das in Kojohuakan belassene Kriegsvolk. Zehn Reiter, sowie 10000 indianische Bundesgenossen sollten mir den Rücken decken, denn folgende Ortschaften am See waren auf der Seite von Temixtitan: Iztapalapan, Huizlopochko, Mexikalzinko, Huitlahuak, Mizkiz, Kolhuakan, Xochimilko.

Die Obristen Gonzalo von Sandoval und Peter von Alvarado erhielten den Befehl, am nämlichen Tage wie ich von ihren Standquartieren aus die Stadt anzugreifen.

Ich selbst rückte zu Fuß am anderen Morgen aus dem Lager auf dem Steindamm wider die Stadt. Alsbald stießen wir auf den Feind, der einen Graben quer über den Damm und dahinter einen Wall aufgeworfen hatte. Es entbrannte ein harter Kampf. Endlich aber erstürmten wir die Schanze und warfen die Mexikaner bis an das Tor der Stadt zurück. Die dortige Brücke hatte man weggerissen, und der Wassergraben war abermals durch eine dahinter aufgeworfene Schanze wohl verteidigt. Als wir hinkamen, begann von neuem die Schlacht. Dieweil wir aber zu beiden Seiten die Brigantinen hatten, gewannen wir auch diese Schanze. Ohne den Beistand der Schiffe wäre dies uns unmöglich gewesen. Als der Feind die Stellung verließ, sprangen Scharen von Tlaskalanern, Tezkukoanern und anderen unserer Indianer von Huexozinko und Chalko, insgesamt viele Tausende, aus den Rennschiffen, schwammen durch das Wasser und erklommen die Ufer vor der Stadt. Währenddem die Unsrigen mit Ziegeln und anderen Steinen den Graben vor dem Tore zuschütteten, erstürmten die Hispanier einen dritten Wall, der in der Hauptstraße von Temixtitan aufgerichtet war. Da vor diesem kein Wassergraben war, ward er leicht genommen.

Danach eilten wir den Feinden nach, bis wir auf der Hauptstraße an eine beinahe gänzlich abgerissene Brücke gelangten. Nur ein paar einzelne Balken waren davon stehen gelassen worden, auf denen sich die Fliehenden hinüberretteten. Jenseits der Brücke war abermals eine große Schanze von allerlei Steinen aufgeführt. Als wir vor dem Brückengraben ankamen, konnten wir nicht mehr hinüber, dieweil die Feinde von drüben einen Hagel von Geschossen auf uns warfen und weil auf den Häusern zu beiden Seiten der Straße unzählig Volk stand und auf uns ohne Unterlaß herabschoß. Ich ließ zwei Feldgeschütze auffahren. Mit diesen und mit unseren Armbrüsten und Büchsen taten wir ihnen einen nicht geringen Schaden an. Zwei Stunden währte der Kampf. Dann aber warfen sich etliche Hispanier in das Wasser und schwammen hinüber. Jetzt erstürmten wir den Wall. Als die Feinde dies wahrnahmen, verließen sie die Schanze und die Dächer der Häuser und gaben Fersengeld hinein in die Gassen.

In hellen Haufen drangen die Unsrigen in die Stadt. Ich ließ sofort die eroberte Schanze abtragen und den Graben davor ausfüllen. Unterdessen setzten die Hispanier und unsere Indianer die Verfolgung entlang der breiten Hauptstraße fort, bis sie, etwa zwei Armbrustschüsse weiter, wiederum an eine Brücke kamen, nahe am Hauptplatze, wo die größten Häuser und Paläste der ganzen Stadt standen. Diese Brücke war nicht abgetragen, auch war kein Wall dahinter aufgeworfen. Der Feind hatte nicht vermeint, daß wir an diesem Tage so weit vermöchten vorzudringen. Am Eingang des großen Platzes stellte ich eines meiner Feldgeschütze auf und ließ einen Schuß gegen die Feinde abfeuern. Sie standen so dicht gedrängt, daß durch den einen Schuß eine Menge Indianer fielen. Da hier keine der uns so gefährlichen Wassergräben waren, begannen wir den allgemeinen Angriff gegen den Platz, der ganz voller Menschen war. Alsbald floh die Menge hinter die Mauern der großen Moschee, die, wie ich in meinem vorigen Berichte bei Gelegenheit vermeldet habe, einen Raum umfaßt, in dem man eine kleine Stadt erbauen könnte. Auch diesen Hof erstürmten wir und kamen auf etliche Zeit sogar in den Besitz der Pyramide und der Tempel droben.

Sodann aber machten die Temixtitaner einen gewaltigen Gegenangriff. Sie vertrieben uns aus dem Tempelhof und warfen uns unter hartem Kampf bis auf den großen Platz zurück. Auch hier vermochten wir nicht lange Widerstand zu leisten und mußten schließlich bis an das Stadttor zurückweichen, wobei wir das Feldgeschütz verloren, das am Eingang des großen Platzes aufgestellt war. Die Hispanier wären in noch größere Gefahr geraten, wenn in diesem Augenblick, von Gott dem Allmächtigen geschickt, nicht drei meiner Reiter gekommen wären. Vor diesen wich der Feind unter starken Verlusten in die Stadt zurück.

Unterdessen war die Nacht angebrochen. Ich befahl daher, daß Sammeln geblasen ward, und begann den Rückzug. Alsogleich folgte uns der Feind in ungeheueren Massen, so daß wir uns ihrer kaum erwehren konnten. Ohne die Reiter aber wäre es ganz unmöglich gewesen. Zu unserem Glück hatte ich alle Gräben zuschütten lassen. Obwohl wir den Feinden großen Schaden beibrachten, warfen sie sich voller Wut immer von neuem auf uns. Trotzdem erreichten wir unser Hauptquartier. Viele Hispanier waren verwundet, aber keiner gefallen. Im Rückzuge hatten wir links und rechts der Hauptstraße eine Menge Häuser in Brand gesetzt, damit die Feinde nicht von den Dächern auf uns herabschießen könnten, wenn wir in etlichen Tagen von neuem stürmten.

Am selbigen Tage machten auch die Obristen Gonzalo von Sandoval und Peter von Alvarado, ein jeder von seinem Standort aus, einen braven Angriff gegen die Hauptstadt. Gleichwohl haben wir eine oder anderthalb Meile voneinander getrennt gekämpft. So groß und weit ist die Stadt. Beide Obristen haben sich gleich mir am Abend ohne Verluste wieder zurückgezogen.

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