Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Arthur Schurig >

Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 43
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
Schließen

Navigation:

Das elfte Kapitel

Eure Kaiserliche Majestät wollen sich Allergnädigst erinnern, daß ich in meinem vorigen Bericht von etlichen Farmen gemeldet habe, die ich in verschiedenen Gegenden gegründet hatte. Ich hatte allda Häuser und Höfe eingerichtet, in denen Ackerbauer und Werkleute in Allerhöchstdero Nutzen allerlei betrieben, je nach der Nützlichkeit des Bodens. Nach einer von ihnen, Chinantla geheißen, hatte ich zwei Hispanler gesandt. Besagter Ort gehört nicht zum Lande Mexiko. In den übrigen Farmen aber, die im Bereich von Temixtitan liegen, hatte man, während ich in der Hauptstadt belagert wurde, alle Hispanier ermordet und unser wertvolles Hab und Gut daselbst geplündert.

Von den Hispaniern in Chinantla hatte ich ein volles Jahr nichts mehr gehört, desgleichen sie nichts von uns, dieweil das ganze Reich in Aufruhr war und die Chinantlaner, als Eurer Kaiserlichen Majestät treue Untertanen und der Mexikaner eifrige Feinde, die Unsrigen warnten, ihr sicheres Land zu verlassen.

So verblieben die beiden Hispanier in jenem Lande. Den einen von ihnen, der jung und streitbar war, wählten die Chinantlaner zu ihrem Hauptmann und zogen mit ihm öfters gegen ihre Feinde aus, wobei den Chinantlanern meistens der Sieg zufiel. Nachdem wir nun aber durch Gottes Hilfe von neuem Macht gewonnen hatten, kam es den Chinantlanern zu Gehör, daß in Tepeaka Hispanier wären. Dies zeigten sie den beiden Unsrigen an, die bei ihnen lebten, indem sie ihnen das Angebot machten, diese Nachricht durch zwei Boten auf ihre Wahrheit hin zu ergründen. Wiewohl der Weg durch feindliches Land ginge, so sollten die Boten doch bei Nacht und außerhalb der Landstraße versuchen durchzukommen.

Einer der beiden Hispanier, und zwar der gescheitere, schrieb an uns folgenden Brief:

Edle und ehrenwerte Herren! Zwei oder drei Briefe hab ich Euch bereits geschrieben, weiß aber nicht, ob sie in Eure Hände gelangt sind, denn ich hab keine Antwort empfangen. Ich hoff aber, dieses Schreiben wird Euch überantwortet. Ich tu Euch zu wissen, daß alle Mexikaner im ganzen Lande von uns abgefallen sind. Und auch uns hier haben sie oftmals angegriffen, aber Gott dem Allmächtigen sei Lob und Preis, wir haben den Sieg gewonnen, wenn wir auch noch immer mit unseren Feinden fechten müssen. Ich und Niklas leben noch in Chinantla, dem Hauptorte der hiesigen Landschaft, woselbst an die sieben Dörfer den Hispaniern treu sind verblieben. Mein Kamerad und ich, wir möchten gern wissen, wo unser Herr Generalkapitän weilt, damit wir ihm schreiben können und ihm alle Geschehnisse und Taten berichten, die sich allhier haben ereignet. Und wenn Ihr mir kundtut, wo er sich aufhält, und mir 20 oder 30 Hispanier schickt, so wollen wir beide zu ihm ziehen samt zwei Häuptlingen von hier, die den Herrn Generalkapitän zu sehen und zu begrüßen begehren. Wenn Hispanier hierher kämen, so wäre dies auch darum sehr von Nutzen, dieweil die Zeit naht, die Kakaobohnen zu sammeln, und weil die Mexikaner uns bei der Ernte wohl stören werden.

Der liebe Gott bewahr Euch immerdar! Geschrieben zu Chinantla
am soundsovielten April im Jahre des Herrn 1521.

Ferdinand aus Barriuntos.

Als die beiden Indianer mit diesem Sendbrief in Tepeaka waren angekommen, hat mir der Hauptmann, den ich samt etlichen Hispaniern daselbst zurückgelassen, besagtes Schreiben alsogleich nach Tezkuko geschickt. Es zu lesen, hat mir viel Freude bereitet, denn ich hatte Bedenken, daß die Mexikaner meine Hispanier in Chinantla umgebracht hätten, wiewohl ich die Treue und Freundschaft der Chinantlaner gar wohl kannte. Sofort habe ich nach Chinantla geschrieben und die Hispanier allda ermuntert, das Beste zu verhoffen. Denn obgleich sie zurzeit von Feinden rings umgeben wären, so sollten sie doch mit Gottes Hilfe baldigst befreit werden.

 << Kapitel 42  Kapitel 44 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.