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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 41
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das neunte Kapitel

Immer noch wandte ich alle mögliche Mühe an, um mir die Temixtitaner in Güte wieder zu Freunden zu machen, einesteils, um sie zu schonen, fürs andere, damit wir endlich von den großen Mühseligkeiten des Krieges ausruhen könnten, insonderheit aber zu Allerhöchstdero Nutzen. Deshalb schickte ich jeglichen Einwohner von Temixtitan, der mir irgendwie in die Hände fiel, in seine Heimat zurück, um seine Landsleute zu ermuntern, sich mir willig zu ergeben. So ließ ich am Mittwoch vor Ostern, am 27. März des Jahres 1521, die vor Chalko gefangenen mexikanischen Edelleute vor mich führen und stellte die Frage an sie, ob einer von ihnen nach der Hauptstadt ziehen und in meinem Namen mit dem Herrscher daselbst reden wolle, um den Krieg zwischen mir und der Stadt zu beenden, und auf daß die Mexikaner wie ehedem fromme und getreue Lehensleute Eurer Kaiserlichen Majestät werden möchten. Mein Begehr wäre durchaus nicht, sie zu verderben, sondern vielmehr, sie zu guten Freunden zu gewinnen. Wiewohl keiner Lust verspürte, den Auftrag anzunehmen, diewell sie Furcht hatten, bei solcher Botschaft umgebracht zu werden, so entschlossen sich doch zwei von ihnen, die Sache zu machen. Sie baten aber um einen Brief von mir. Obgleich sie hispanische Schrift nicht zu lesen verstanden, so meinten sie doch, ein Schreiben von mir beglaubige ihre Botschaft. Ich setzte den Brief auf und ließ ihnen den Inhalt durch einen Dolmetsch darlegen. Darinnen stand das nämliche, was ich ihnen mündlich gesagt hatte. Also gingen sie ab, von fünf Rettern geleitet, bis sie in sicheres Gebiet kamen.

Am Ostersonnabend traf eine Meldung aus Chalko ein, die mir besagte, daß die Mexikaner abermals wider genannte Stadt anrückten. Auf einem weißen Stück Stoff, das man mir mitbrachte, waren in der Bilderschrift der Mexikaner alle Ortschaften aufgezeichnet, die wider Chalko im Anzüge waren, desgleichen die Wege, auf denen dies geschah. Man bat mich untertänigst um Beistand, worauf ich ihnen sagen ließ, meine Hilfe käme in den nächsten sechs Tagen. Wenn es aber eher sein müßte, so sollten sie mir dies bei guter Zeit vermelden, damit ich ihnen die nötige Hilfe eiliger senden könne.

Am dritten Ostertage kamen abermals Eilboten mit der Nachricht, die Feinde wären schon ganz nahe. Ich versprach, in eigener Person hinzueilen, und alsogleich gab ich den Befehl, daß sich 25 Reiter und 300 Fußknechte für den nächsten Freitag rüsten sollten.

Am Donnerstag erschienen in Tezkuko Gesandte aus den Landschaften Tizapan, Mexikalzingo und Naukalpan, sowie aus etlichen Nachbarorten davon, mir im Namen ihrer Herren kundzutun, daß selbige Eurer Kaiserlichen Majestät Lehensleute und unsere guten Freunde werden möchten. Sie hätten nie einen Hispanier umgebracht und sich nie wider Allerhöchstdero Macht aufgelehnt. Zugleich schickten sie mir als Geschenk baumwollene Stoffe. Ich dankte ihnen und verhieß ihnen Allerhöchstdero Gnade, solange sie ehrliche und treue Untertanen Eurer Kaiserlichen Majestät blieben. Mit Freuden zogen sie von hinnen.

Am Freitag, den 5. April, brach ich von Tezkuko auf mit 30 Reitern und 300 wohlgewappneten Fußknechten, wobei ich zurückließ 20 Reiter und 300 Mann zu Fuß unter dem Oberbefehl des Hauptmanns Gonzalo von Sandoval. Mit mir zogen 20000 Indianer aus Tlaskala und Tezkuko.

In der ersten Nacht nahmen wir Quartier in Tlalmanalko, einer Stadt der Grafschaft Chalko, wo wir freundlich empfangen und gut beherbergt wurden. Seitdem die von Chalko mit uns im Bunde waren, stand hier eine hispanische Besatzung, denn der Ort ist wohlbefestigt und an der Grenze des Landes Mexiko gelegen.

Anderen Tags um neun Uhr sind wir in Chalko angekommen, haben uns aber allda nicht lange aufgehalten, sondern ich hab nur mit den Herren geredet und ihnen meinen Plan dargelegt, daß ich einen Zug um den See machen wolle, und daß ich verhoffte, die Rennschiffe fertig vorzufinden, wenn ich zurückkäme, um sie darnach auf das Wasser zu setzen.

Nach der Unterredung brachen wir um die Vesperzeit wieder auf und kamen an ein Dorf, das zum Lande Chalko gehört, wo 40000 Mann Kriegsvolk meiner harrte. Die Nacht verbrachten wir daselbst. Dieweil mir nun vermeldet ward, daß die Mexikaner im ebenen Felde stünden, befahl ich, daß am nächsten Morgen, vor Sonnenaufgang, die gesamte Kriegsmacht gewappnet und in voller Rüstung bereit wäre.

Am Morgen, nach der Messe, brachen wir auf. Ich ritt in der Vorhut samt 20 Reitern; in der Nachhut ließ ich 10. Der Marsch ging in das wilde Gebirge. Gegen zwei Uhr nachmittags zogen wir an einer Höhe vorbei, auf deren Kamm eine große Menge Weiber und Kinder versammelt waren, während das streitbare Volk an den Hängen lauerte. Als man uns wahrnahm, begann ein laut Kriegsgeschrei, und viel Rauch wirbelte auf. Alsbald schossen die Feinde auf uns mit Steinen, Wurfspießen und Pfeilen, wodurch wir manchen Verlust hatten. Obgleich ich erkannte, daß sie einen Angriff auf uns niemals wagen würden, so dünkte es mich doch, daß ich nicht an ihnen vorüberziehen und meinen Weg weiter verfolgen dürfe, dieweil man das falsch gedeutet hätte. Damit die Feinde nicht vermeinten, wir unterließen einen Angriff aus Feigheit, so erkundete ich den Berg, der etwa eine Meile Umkreis hatte und von Natur durch seine Steilheit wohl verwahrt war, so daß es manchem scheinen mochte, ihn erstürmen zu wollen sei Torheit. Die Höhe aber regelrecht zu belagern, um den Feind auszuhungern, dazu hatte ich nicht die Zeit. Daher beschloß ich, gemäß meiner Erkundung, die Höhe von drei Seiten zugleich anzugreifen, und befahl dem Fähnrich Christoph Corral, den ich allweg bei mir hatte, er solle mit sechzig Fußknechten auf der steilsten Seite hinaufklimmen. Etliche Armbruster und Büchsenschützen sollten ihm unerschrocken nachfolgen. Des weiteren gab ich den Hauptleuten Hans Roderich von Villaforti und Franz Verdugo den Befehl, mit ihren Kompagnien und etlichen Armbrustern von der anderen Seite hinaufzusteigen. Von einer dritten Seite sollten die Hauptleute Peter von Ircio und Andreas von Monjaraz mit nur wenigen Armbrustern und Büchsenschützen angreifen. Auf den ersten Büchsenschuß aber, ordnete ich an, hatten alle einmütiglich anzulaufen, mit dem festen Willen, zu siegen oder zu fallen.

Auf das besagte Zeichen hin begann auf allen drei Seiten das Stürmen, aber höher denn zwei Drittel des Berges vermochten wir nicht hinaufzukommen, dieweil der Gipfel allzu steil war. Auch warf man wider uns große Felsblöcke, die im Fallen zwar zerbrachen, aber dennoch viel Schaden anrichteten. Zwei Hispanier kamen dabei um und mehr denn zwanzig wurden verwundet.

Wie ich nun sah, daß es unmöglich war, die Höhe zu gewinnen, und da mir auch gemeldet ward, daß neue Feinde in der Ebene im Anzuge seien, so gab ich den Befehl zum Rückzug. Als wir wieder unten waren, machte ich einen Angriff auf die Feinde in der Ebene, schlug sie in die Flucht und tötete ihrer viele. Die übrigen ließ ich durch die Reiter verfolgen, was anderthalb Stunde währte. Bei diesem Nachsetzen bemerkten etliche der verstreuten Reiter, daß eine Meile weiter ein anderer, nicht so hoher Berg in gleicher Weise mit Volk besetzt war und daß um ihn herum mehrere Dörfer lagen. Zwei Dinge hatten wir also dort zu erwarten, die uns hier abgingen, erstlich Wasser, fürs andere einen leichteren Angriff, dieweil jener Berg weniger hoch war.

So zogen wir ab mit großer Trauer, daß wir nichts hatten schaffen können, und blieben angesichts des anderen Berges im Felde über Nacht, ohne Wasser für uns und die Pferde. Die ganze Nacht hindurch hörten wir das Kriegsgeheul der Feinde und das Getös der Pauken, Posaunen und Hörner.

Als es Tag ward, erkundete ich mit etlichen Hauptleuten die andere Höhe. Sie dünkte mir nicht viel niedriger zu sein denn die erste. Auch hatte sie ziemlich steile Hänge und Schroffen. Immerhin war der Berg an zwei seitlichen Stellen ersteigbar, an denen starke Besatzungen lagen. Während unsere Pferde eine Meile Wegs abseits an eine Tränke geschickt waren, machte ich mit etlichen anderen Rittern und den Hauptleuten eine zweite Erkundung zu Fuß, um Gelegenheiten auszuspüren, wie wir die Höhe könnten erstürmen. Wiewohl ich dazu gar keinen Befehl gegeben hatte, folgte uns das Fußvolk. Als wir nahe vor den steilen Hängen standen, vermeinten die Feinde über uns, daß wir einen Angriff auf ihre Mitte machen wollten. Deshalb verließen die Trupps auf den beiden Seiten ihre Stellung und gesellten sich zu denen in der Mitte. Als ich diese Veränderung beim Feinde wahrnahm, kam mir der Gedanke, daß ich ein gewonnen Spiel hätte, wenn ich die eine der beiden Seitenhöhen möcht erobern. Ich gab einem der Hauptleute den Befehl, er solle mit seiner Kompagnie in aller Stille die eine unbesetzte Seite des Berges einnehmen. Ich selbst griff mit dem übrigen Volk die Höhe von vorn an, und es gefiel dem Allmächtigen, daß wir hier bis dicht an den Feind herankamen und schier in gleicher Höhe mit ihm Fuß faßten. Vordem hatte ich geglaubt, dies wäre unmöglich. Inzwischen hatte der eine Hauptmann die unbesetzte Stelle an der Seite eingenommen und begann von dort mit den Armbrüsten und Büchsen in die Feinde zu schießen. Als diese die Gefahr erkannten, zweifelten sie an ihrem Glück und warfen ihre Waffen nieder als Zeichen, daß sie sich wollten ergeben. Getreu meinem Grundsatz, mich den Indianern gütig und mild zu zeigen, auch wenn sie genugsam strafbar waren, ging ich darauf ein und empfing freundlich ihre Gesandten.

Als sie sahen, daß wir ihnen nichts zuleide taten, schickten sie Boten nach jenem anderen Berge, den wir nicht hatten erobert. Und wiewohl die dortigen Feinde gegen uns sieghaft geblieben waren, so ergaben auch sie sich Eurer Kaiserlichen Majestät und baten um Verzeihung ob ihres Widerstandes.

In einem Dorfe nahe dem Berge verblieben wir zwei Tage, worauf ich die Verwundeten nach Tezkuko sandte. Am dritten Tage rückten wir weiter und kamen um zehn Uhr in die erwähnte Stadt Huastepek, wo wir in einem Hause im Lustgarten des Landesherrn Quartier nahmen. Dieser Schloßgarten ist der größte und schönste von allen, die ich bisher hierzulande gesehen habe. Er hat einen Umfang von zwei Meilen. Ein schöner klarer Fluß fließt hindurch, und in Abständen von zwei Armbrustschußweiten stehen darin Schmuckhäuser mit gesonderten kleinen Lustgärten, gar zierlich anzusehen, voll von fruchtbaren Bäumen, herrlichen Blumen und wohlriechenden Sträuchern. Der ganze Park ist eine prächtige Augenweide.

Allda verweilten wir den Rest des Tages, und die Bewohner des Ortes taten uns alle Dienste. Am andern Tage zogen wir weiter und gelangten um acht Uhr vor die kleine Stadt Jahutepek, wo uns eine Menge feindliches Kriegsvolk erwartete. Als wir näher kamen, schien es uns, als wolle man in Frieden mit uns verhandeln, aber plötzlich flohen sie alle von dannen, sei es aus Furcht, sei es aus Hinterlist. Ich hielt mich an diesem Orte nicht lange auf, sondern verfolgte die Feinde mit 30 Reitern auf zwei Meilen Wegs, bis daß wir sie in einem Dorf namens Xilutepek umzingelten, wobei ihrer viele unter unseren Lanzen verwundet worden und viele umgekommen sind. Die Einwohner des Dorfes leisteten keinen Widerstand. Etliche stachen wir nieder, andere flohen, und viele Weiber und Kinder fielen in unsere Hände.

Hier blieben wir zwei Tage, in der Erwartung, daß der Herr des Dorfes käme, um sich Eurer Kaiserlichen Majestät zu ergeben. Da er aber nicht erschien, ließ ich das Dorf anzünden.

Als wir eben abziehen wollten, kamen zu mir Gesandte aus Jahutepek im Namen ihres Herrn, der mir vermelden ließ, ich möchte ihm gnädiglich verzeihen. Er sei willens, Eurer Kaiserlichen Majestät getreuer Lehensherr zu sein. Ich empfing die Leute freundlich, dieweil sie genugsam gestraft waren.

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