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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 4
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das erste Kapitel

Eurer Kaiserlichen Majestät hab ich am 16. Juli im Jahre des Herrn 15l9 durch meine Hauptleute Alfons Ferdinand Puerto-Carrero und Franz von Montejo einen umständlichen und wahrhaftigen Bericht alleruntertänigst übersandt von allen den Begebnissen, die bis zu meiner Landung hier in Neu-Hispanien, am Karfreitag den 22. April ebendesselben Jahres, und bei der Gründung der Stadt Villa Rica de la Vera Cruz – der Reichen Stadt des Wahren Kreuzes – in Allerhöchstdero Namen geschehen sind. Seitdem hab ich keine Gelegenheit gehabt, Eurer Kaiserlichen Majestät Weiteres zu melden, dieweil es mir an Schiffen mangelte und weil mich die Eroberung dieses Landes allezeit beschäftigt hat. Von dem Schiffe mit meinem Schreiben und den genannten Überbringern aber ist keinerlei Kunde zu mir gekommen. Also sende ich Eurer Kaiserlichen Majestät diesen zweiten Bericht. Gott der Herr weiß, was für Mühsale ich derweil hab ertragen. Aber mein eifriger Wunsch und mein steter Wille haben sich erfüllt, meinen hohen Herrn, den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, auch den Imperator der Neuen Welt heißen zu dürfen. Und vielleicht ist diese neue Krone nicht geringer zu achten als alle die anderen, die Eure Kaiserliche Majestät durch des Allmächtigen Gnade und durch Allerhöchstdero herrliche und berühmte Taten innehaben.

Wenn ich mich nun wollte unterstehen, von diesem Lande, seinen Städten, seinen Menschen und Sitten, seinen Schätzen und Merkwürdigkeiten alles bis ins einzelne zu erzählen, so könnt ich kein Ende finden. Eure Kaiserliche Majestät wolle mir derohalben gnädiglich verzeihen, wenn mein Bericht hie und da nicht ganz so ist, wie er wohl sein sollte. Ich bin im Schreiben ungeschickt, und ich hatte in den Händeln des Krieges nicht Gelegenheit, mich darin zu üben. Gleichwohl will ich nach dem Vermögen meines Verstandes alle Geschehnisse vorbringen, die zu wissen Eurer Kaiserlichen Majestät not tut. Manche Dinge vermag ich auch darum nicht bis ins kleine zu beschreiben, dieweil mir durch ein groß Unglück, das Eurer Kaiserlichen Majestät im Laufe dieses Buches kund werden wird, neben vielen anderen Dingen alle Schriften und Aufzeichnungen, die ich gesammelt und aufgenommen hatte, verloren gegangen sind.

Die Namen aller der Städte und Dörfer, die sich bis zu genanntem Tag Eurer Kaiserlichen Majestät ergeben hatten oder von mir waren erobert worden, hab ich in meinem ersten Bericht erzählt. Auch hab ich darin bereits Kunde gegeben von einem gewaltigen König, den man MontezumaKönig Montezuma II., richtiger wohl gegen das Herkommen »Moteukzuma« (d. h. Der Edelgrimme) zu nennen, geboren 1484, also ein Altersgenosse des Eroberers, seit 1502 auf dem Throne, wird als grausamer Gewaltherrscher geschildert, gleichwohl war er ein prachtllebender, freigebiger und äußerst würdevoller Fürst. nennt, dessen Hauptstadt Temixtitan nach der Rechnung der Landesleute 90 bis 100 MeilenEine Meile oder Legua = 5,57 km, öfters auch einfach als Wegstunde bezeichnet. vom Meere und von meinem Hafen im Innern des Landes zu suchen war. Ich hatte mir vorgenommen, mit Gottes Hilfe und zu Eurer Kaiserlichen Majestät Ehr und Ruhm an den Ort vorzudringen, da dieser große Herr seinen Sitz hat. Ich erinnere mich auch gar wohl, mich unterfangen zu haben, mehr vollbringen zu wollen, als meine Kraft vermocht hat. Denn ich hatte Eurer Kaiserlichen Majestät im Vertrauen auf mich selbst verheißen, ihn entweder als Gefangenen zu bringen oder ihn seines Lebens zu berauben oder aber ihn Allerhöchstdero Macht und Gewalt zu unterwerfen.

Mit solchem Entschluß bin ich am 16. August 1519 mit 15 Reitern und 500 wohlgerüsteten Fußknechten von Cempoalla aufgebrochen, dem Hauptquartier meines bis dahin eroberten Gebietes. In Verakruz ließ ich zurück 150 Mann zu Fuß und 2 Reiter, mit dem Befehl, selbige Stadt, die ich Sevilla hatte getauft, mit einer Veste zu versehen, was unterdessen geschehen ist. Dem Obristen der zurückbleibenden Hispanier überwies ich die gesamte Landschaft Cempoalla samt dem nachbarlichen Gebirge, also an 50000 streitbare Männer in etwa fünfzig Städten und festen Orten, allesamt friedsame Menschen und treue Untertanen Eurer Kaiserlichen Majestät, damals wie noch heute. Wie man mir hat berichtet, waren sie dem Herrn Montezuma noch nicht lange gehorsam, und dies nur durch Gewalt. Sobald sie von Allerhöchstdero großmächtigem Namen Kunde erhielten, begehrten sie von Stund an, Eurer Kaiserlichen Majestät Untertanen und meine Freunde werden zu dürfen. Des weiteren baten sie mich, ich möchte sie vor besagtem Herrn Montezuma schützen, der sie knechtete und drückte, ihnen ihre Kinder raubte und selbige seinen Götzen opferte. Dies und anderes war es, was sie zu untertänigen Dienern Eurer Kaiserlichen Majestät gemacht hat, und ich glaube, sie werden solche immerdar bleiben, dieweil sie nunmehr von ihrem Zwingherrn befreit find, und fürnehmlich, dieweil ich sie bisher wohl gehalten und ihnen meine Gunst bewiesen habe.

Zum größeren Schutze derer, die ich in Verakruz zurückließ, nahm ich etliche Edelleute sowie einiges andere Volk als Geiseln mit mir ins Feld, was uns in der Folge nicht wenig zunutze gewesen ist.

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