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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 39
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das siebente Kapitel

Nachdem die Leute von Tlaskala – es waren die tapfersten Männer aus dem ganzen Lande – drei bis vier Tage in Tezkuko Rast gehalten hatten, hab ich mich aufgemacht mit 25 Reitern, 300 Fußknechten, 50 Armbrustern und Büchsenschützen, sowie mit 6 kleinen Feldgeschützen, und bin um die neunte Stunde des Tags aus der Stadt gezogen, ohne jemandem zu sagen, was mein Plan dabei war. Mit mir rückten aus die drei besagten indianischen Hauptleute mit insgesamt 30000 Tlaskalanern, zu Fähnlein geordnet nach indianischer Krlegssitte. Wir marschierten vier Meilen, und als es Abend ward, trafen wir auf einen starken Haufen von Feinden. Ich ritt mit meinen Reitern gegen sie an und schlug sie in die Flucht. Die Tlaskalaner, die sehr schnell zu Fuß sind, führten die Verfolgung aus und brachten viele der Feinde um.

Die Nacht darauf biwakierten wir im Feld, in Gefechtsbereitschaft und unter eifriger Wacht,und in der Morgenfrühe setzten wir den Marsch fort. Aber noch immer ließ ich keinem merken, wohin der Zug ging, und zwar deshalb, weil in meinem Gefolge auch etliche aus Tezkuko waren, denen ich nicht traute. Ich befürchtete, diese könnten meine Absicht den Mexikanern verraten, sobald sie selbige erführen.

Also kamen wir vor eine Stadt, genannt Xaltokan, die mitten in einem See liegt. Als wir uns ihr auf dem Dammwege näherten, der sie mit dem Lande verbindet, mußten wir haltmachen an einer Stelle, wo man den Damm zerstört hatte, offenbar um uns, insbesondere die Reiter, am Vormarsche zu hindern. Jenseits der breiten Lücke, hinter Bollwerken, erhoben die Feinde ein laut Geschrei und schossen auf uns mit Wurfspießen, Pfeilen und Steinen. Trotzalledem und wiewohl es ihnen schwer ankam, erstürmten die hispanischen Fußknechte die Stadt und brannten die meisten Häuser nieder.

Die Nacht verbrachten wir eine Meile weiter. Am anderen Morgen in der Frühe brachen wir wieder auf und trafen abermals auf die Feinde, die sich unter wildem Kriegsgeheul, erschrecklich anzuhören, vor uns zurückzogen. Indem wir sie verfolgten, gelangten wir an die große und schöne Stadt Quautitlan. Wir fanden sie leer und verlassen und blieben daselbst die Nacht.

Tags darauf zogen wir weiter und kamen an eine Stadt namens Tlalnepantla, ohne Hindernisse zu finden. Von da marschierten wir nach einem Ort Azkapozalko, unweit vom See gelegen. Auch hier machten wir keinen Halt, sondern eilten weiter nach Takuba, dem Nachbarort von Temixtitan. Um diese Stadt herum gehen Wassergräben, hinter denen die Bürger wohlgerüstet standen. Wir und unsere Indianer machten sofort einen Angriff, erstürmten die Stadt, erlegten viele Feinde und vertrieben die anderen. Da es Abend geworden war, taten wir nichts mehr und nahmen Quartier in einem Palast, der so groß und weit war, daß wir allesamt darin unterkamen.

Am anderen Tage, als die Sonne aufging, griff ich den Feind, der sich in der Ebene vor der Stadt aufgestellt hatte, abermals an und schlug ihn wiederum in die Flucht. Darnach fingen unsere Indianer an, die Stadt zu plündern und anzubrennen, nur unser Quartier nicht. Dies Geschäft besorgten sie so eifrig, daß sogar ein Teil unseres Palastes in Flammen aufging. Ich tat keinen Einhalt, denn ehedem auf unserem Rückzuge von Temixtitan, als wir durch Takuba zogen, hatten uns die Einwohner dieser Stadt gar heftig bekämpft und mir viele Hispanier getötet.

Von den nächsten sechs Tagen, die wir in Takuba lagen, verging keiner, an dem wir uns nicht mit den Feinden geschlagen und kleine Scharmützel mit ihnen gehabt hätten. Insbesondere bestanden die Hauptleute aus Tlaskala und ebenso ihre Krieger viele Einzelkämpfe mit den Mexikanern, wobei sie nicht nur tapfer aufeinander loshieben, sondern auch einer dem anderen Schmähworte zuwarf, was gar lustig anzuschauen war. In diesen Tagen kam mancher Feind um sein Leben, ohne daß von den Unsrigen einer fiel. Öfters sind wir bis auf den Steindamm, der vom Lande nach der Hauptstadt hinüberführt, vorgedrungen, wiewohl man uns heftigen Widerstand leistete. Oft stellten sich die Temixtitaner, als wichen sie vor uns zurück, wobei sie uns höhnten: Zieht doch ein! Ihr sollt es gut bei uns haben! – Ein andermal riefen sie: Ihr meint wohl, es gäbe hier einen zweiten Montezuma, der Euch jeden Gefallen tut?

Eines Tages kam ich auf dem Damm bis zu einer Brücke, hinter die wir sie zurückgetrieben hatten. Ich gab den Meinen ein Zeichen, stille zu sein. Als man dies drüben wahrnahm, ward man auch dort ruhig, und so rief ich ihnen zu: Was seid Ihr für Toren, daß Ihr Euch verderben und vernichten lassen wollt! Ist ein Edelmann unter Euch, so soll er vortreten! Ich will mit ihm reden. – Man antwortete mir: Wir alle hier sind Edelleute! Wenn Ihr uns etwas zu sagen habt, so bringt es vor! – Als ich darauf nichts entgegnete, warfen sie uns allerlei Schimpfworte zu. Einer von uns erwiderte: Der Hunger wird Euch schon zu paaren treiben! – Wir haben keinen Hunger! gab man ihm zur Antwort. Wenn wir welchen kriegen, dann fressen wir Tlaskalaner! – Darauf begannen sie ihr Kriegsgeheul.

Mein Marsch nach Takuba hatte vor allem den Zweck gehabt, in Unterhandlungen mit Temixtitan zu treten und zu erkunden, welchen Sinnes und welcher Absicht sie wider uns wären. Da ich dies nun nicht schaffen konnte, solang ich auch daselbst verharrte, so beschloß ich bei mir, wieder gen Tezkuko zu ziehen und meine Rennschiffe zu rüsten, um alsdann Temixtitan zu Wasser und zu Lande zu belagern.

Am ersten Tage des Rückmarsches blieben wir zur Nacht in Quautitlan. Die Feinde verfolgten uns, aber meine Reiter machten öfters kehrt, wobei jedesmal etliche der Feinde blieben. Am anderen Morgen marschierten wir weiter. Als die Feinde dies bemerkten, vermeinten sie, wir zögen aus Furcht vor ihnen ab. Alsobald ging uns ein großer Haufen nach. Ich sah dies, befahl meinen Fußknechten, weiter zu ziehen, und stellte fünf Reiter in die Nachhut. Mit den übrigen zwanzig ritt ich beiseite, machte vier kleine Züge zu sechs, sechs, fünf und drei Reitern und legte sie an verschiedenen Orten hinter Büschen in den Hinterhalt. Bei dem zu dreien blieb ich selber. Ich gab den Befehl, zu warten, bis alle Feinde vorüber wären, und wenn ich: Hie Sankt Jakob! riefe, dann sollten alle hervorbrechen und den Feinden in den Rücken fallen. Als es mir gut dünkte, brachen wir alle hervor und ritten mit den Lanzen in die Feinde. Das Feld war eben, und so jagten wir sie zwei Meilen vor uns her, was ein lustig Stücklein war. Viele von ihnen ereilten wir und stachen sie nieder. Auch unsere Indianer brachten viele um. Darauf verschwanden unsere Verfolger. Wir aber zogen unseres Weges weiter.

Die nächste Nacht verbrachten wir in Akolma, einer schönen Stadt, zwei Meilen vor Tezkuko. Am anderen Mittag erreichten wir Tezkuko, wo uns der Hauptmann Gonzalo von Sandoval, den ich zurückgelassen hatte, voller Freud empfing. Die Tlaskalaner entließ ich am Tage nach unserer Rückkehr in ihre Heimat. Fröhlich zogen sie mit ansehnlicher Kriegsbeute von dannen.

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