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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 34
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das zweite Kapitel

Als ich nunmehr aus dem Lande Tepeaka ziehen wollte, bekam ich die Meldung, daß zwei Grafschaften, die der Hauptstadt Temixtitan Untertan gewesen, namens Cekatamni und Xilozingo, abgefallen waren. Und dieweil die Straße von Verakruz nach Segura de la Frontera, dem Hauptort im Lande Tepeaka, durch genannte Gebiete führt, so waren daselbst etliche Hispanier ermordet worden. Auch allerlei andere böse Händel waren allda im Schwange. Um die Straße zu säubern und zu sichern und die Aufrührer zu strafen, falls sie in ihrem Aufstand beharrten, entsandte ich einen meiner Hauptleute, Gonzalo von Sandoval, mit 20 Reitern, 200 Fußknechten und einer Anzahl uns getreuer Indianer, mit dem Befehl, die Abgefallenen im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät aufzufordern, sich willig wieder zu unterwerfen. Ich ordnete an, er solle nach Möglichkeit mild verfahren, und nur, wenn sie sich feindselig zeigten, solle er sie mit dem Schwert zum Gehorsam zwingen. Nach beendetem Kriegszuge und nach Einnahme der beiden Grafschaften solle Sandoval mit seiner gesamten Streitmacht nach Tlaskala marschieren, wo ich ihn erwarten wolle. Mit diesem Auftrag ist er zu Beginn des Dezembers 1520 abgerückt. Der Weg dahin beträgt 20 Meilen.

Ich selbst bin in der Mitte des Monats Dezember desselben Jahres aus Segura de la Frontera aufgebrochen. Auf die dringliche Bitte der Bürger ließ ich allda einen Hauptmann mit 60 Mann. Das gesamte übrige Fußvolk schickte ich nach der Stadt Tlaskala, die neun oder zehn Meilen entfernt liegt. Daselbst war auf meinen Befehl der Bau von Rennschiffen begonnen worden.

Ich selbst ritt mit 20 Reitern nach Cholula, wo meine Anwesenheit heftig begehrt ward, denn es waren daselbst an den Blattern viele Würdenträger und Amtsleute gestorben. Diese Krankheit herrscht hierzulande ebenso wie auf den InselnDie Blattern waren durch einen Neger im Heere des Narvaez, also 1520, in Neu-Spanien eingeschleppt worden. Die Krankheit brach zuerst in Cempoalla aus. Die Verheerung unter den Eingeborenen war entsetzlich. Ein weiteres unheilvolles Geschenk der Spanier war die Syphilis, an der sehr viele Landsknechte litten.. Man verlangte nach mir, damit ich zusammen mit den Bürgern an Statt der Verstorbenen andere einsetzte. Bei meiner Ankunft sind wir trefflich empfangen worden.

Nachdem ich die Wünsche der Cholulaner genügend erfüllt hatte, tat ich ihnen zu wissen, daß ich dabei wäre, gegen die Stadt Temixtitan und das Reich Mexiko Krieg zu führen. Ich ermahnte sie, als Eurer Kaiserlichen Majestät Lehensleute uns Hispaniern Treue bis in den Tod zu halten, wie auch wir ihnen die Freundschaft zu wahren gewillt wären unser Leben lang. Darum sollten sie mir Kriegsvolk stellen und alle Hispanier, die durch ihre Stadt kämen, auf das beste aufnehmen. Solches versprachen sie mir immerdar zu tun.

Nach zwei oder drei Tagen verließ ich Cholula und begab mich nach Tlaskala, sechs Meilen von da, wo man ob meiner Ankunft große Freude hatte. Des anderen Tags kamen die Edelleute aus der Stadt und dem ganzen Umlande zu mir und vermeldeten mir, daß Maxixka, der Fürst von Tlaskala, an den Blattern gestorben sei. Sie wüßten, daß mir sein Tod sehr schmerzlich wäre, dieweil er mein Freund gewesen. Er habe einen Sohn von zwölf Jahren hinterlassen, und da diesem seines Vaters Herrschaft gebühre, so baten sie mich auf das untertänigste, ich solle ihn als Erben und Nachfolger einsetzen. Ich tat dies im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät und zur Zufriedenheit seiner Untertanen.

In Tlaskala fand ich die Schiffsbauer und Zimmerleute bei emsiger Arbeit. Das Werk ging trefflich vonstatten. Jeder wollte der Eifrigste sein. Ich befahl, eilends aus Verakruz hierherzuschaffen Nägel, Ruder, Segel, Takelwerk und alle anderen nötigen Dinge zum Ausbau der Schiffe. Und da es an Pech fehlte, so sorgte ich dafür, daß solches im nahen Gebirge bereitet ward. Es kam mir darauf an, die Rennschiffe sobald wie möglich fertig zu haben, um sie von Tlaskala nach Tezkuko bringen zu lassen, sobald ich samt meinem Kriegsvolk mit Gottes Hilfe selber dorthin gelangt war. In den 14 Tagen, die ich in Tlaskala verweilte, Hab ich mich keinem anderen Geschäft hingegeben als dem, die Zimmerleute anzutreiben.

Zwei Tage vor Weihnachten kam der Hauptmann Sandoval mit seinen Reitern und seinem Fußvolk zurück. Er meldete mir, daß sich die Leute von Cekatamni und Xilozingo nach kurzem Kampfe gutwillig ergeben hatten und wieder unter unser Joch gebracht worden waren. Er überantwortete mir etliche Führer des Aufstandes, die zudem schuldig waren, viele Christen umgebracht zu haben. Dieweil sie mir aber feierlich versprachen, fortan fromme und getreue Untertanen Eurer Kaiserlichen Majestät zu sein und zu bleiben, so hab ich sie in Allerhöchstdero Namen begnadigt und sie frei wieder heimziehen lassen. Durch diesen Kriegszug ist die Sicherheit der Straße von Verakruz hergestellt.

Am zweiten Weihnachtstage hab ich in Tlaskala eine Heerschau über all mein Kriegsvolk abgehalten. Ich hatte 40 Reiter, 550 Mann zu Fuß, darunter 80 Bogen- und Büchsenschützen, acht Stück Feldgeschütze und eine ziemliche Menge Schießpulver. Die Reiter teilte ich in vier Züge, jeden zu zehn Pferden, und aus den Fußknechten stellte ich neun Kompagnien auf unter neun Hauptleuten, jede 60 Mann stark.

Danach hab ich eine Ansprache an die Truppen gehalten:

Kameraden und Freunde, wir haben im Dienste Seiner Majestät unseres Kaisers und Kriegsherrn dies Land erobert, um es zu einer hispanischen Niederlassung zu machen. Die Fürsten und das Volk unseres neuen Gebietes hatten sich uns gefügt und waren als Lehensleute und Untertanen Seiner Kaiserlichen Majestät angenommen. Eine Zeitlang sind sie dies verblieben und haben uns Gutes erwiesen wie wir ihnen. Dann aber sind die Einwohner der Hauptstadt Temixtitan und aller ihnen untertänigen Städte ohn alle Ursache wider uns aufgestanden, haben Freunde, Kameraden und Bundesgenossen von uns ermordet und uns aus dem Reiche Mexiko vertrieben. Erinnert euch jener schlimmen und mühseligen Tage!

Keiner aber ist unter uns, der es nicht für die heiligste Pflicht erachtete, daß wir, die wir Diener und Mehrer der Macht Christi und unseres Kaisers sind, das Verlorene wiedergewinnen, indem wir tapfer und herzhaft kämpfen, ohne Furcht und ohne Tadel. Es geht nicht nur um unser eigenes Wohl und Wehe, sondern zudem um das unserer getreuen Bundesgenossen. Wir müssen stark sein! In diesem Sinne hab ich im Namen Seiner Kaiserlichen Majestät eine Reihe Kriegsartikel aufgestellt, die euch sollen verlesen werden. Ich ermahne euch, ihnen aufs fleißigste nachzukommen, zur Ehre Gottes des Allmächtigen und unseres Kaiserlichen Herrn.Den Wortlaut dieser Kriegsartikel (Ordenanzas) findet man bei Prescott II, S. 497-501.

Bernal Diaz bemerkt hierzu: Erstlich war es uns bei schwerer Strafe verboten, ruchlose Reden gegen Herrn Christus, gegen seine gebenedeite Mutter, gegen die heiligen Apostel und überhaupt gegen alle Helligen zu führen. Zweitens sollte sich niemand unterstehen, einen unserer Bundesgenossen zu mißhandeln oder ihm etwas abzunehmen, auch nicht feindliche Beute, Sklaven, Gold, Silber, Edelsteine und was es sein mochte. Wir sollten bedenken, daß selbige den Krieg nur unsertwegen mitmachten. Drittens sollte keiner von der Mannschaft weder bei Tag noch bei Nacht den Standort verlassen und Orte der Verbündeten aufsuchen, um Lebensmittel beizutrelben oder aus sonst welchem Grunde. Viertens sollte jeder Soldat seine Angriffs- wie Verteidigungswaffen stets im besten Zustande erhalten. Fünftens war alles Spiel um Waffen und Pferde auf das strengste verboten. Sechstens sollte sich jedermann, gleichviel von welcher Waffe, stets völlig bewaffnet und in Stiefeln schlafen legen, und nur in einzelnen Fällen sollten Schwerverwundete oder Schwerkranke von dieser Vorschrift befreit werden. Jedermann müsse jederzeit gefechtsbereit sein. Außerdem wurden die allgemeinen Kriegsgesetze aufs neue bekanntgegeben, denen gemäß es bei Todesstrafe verboten ist, auf Wachtposten zu schlafen oder den Posten zu verlassen. Die nämliche Strafe war auch jedem angedroht, der sich ohne besondere Erlaubnis seines Hauptmanns aus dem Quartier entfernte oder, seine Offiziere im Gefecht im Stiche ließ und sich zur Flucht wandte.

Einstimmig haben alle meine Leute gelobt, jedweden Befehl mit Eifer zu erfüllen und allezeit Leib und Leben für Eure Kaiserliche Majestät und unseren christlichen Glauben einzusetzen, um das Land Mexiko von neuem zu erobern und den an uns und unseren Bundesgenossen begangenen Verrat zu rächen.

Ich dankte ihnen in Allerhöchstdero Namen, und so rückten wir froh und zufrieden in unsere Quartiere.

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