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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 31
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das achtundzwanzigste Kapitel

Von denen, die zu Huaquechula waren gefangen worden, sonderlich von den Verwundeten, hab ich nach und nach erfahren, wie es in Temixtitan stand, und daß nach des Herrn Montezuma Tod die Herrschaft hatte übernommen ein Bruder von ihm, namens Kuitlahua, ehedem Fürst von Iztapalapan. Er war ihm im Reiche nachgefolgt, dieweil des Herrn Montezuma erstgeborener Sohn im Kampfe bei den Brücken war umgekommen; seine zwei anderen Söhne aber, die noch bei Leben, sind der Herrschaft unfähig, da der eine ein Narr, der andere gichtbrüchig ist. Dies war die eine Ursache, daß Kuitlahua an seiner Brüder Statt das Regiment bekommen, die andere aber ist, daß er war wider mich und die Hispanier zu Felde gezogen. Die Mexikaner erachten ihn für einen tapferen Helden und Feldherrn, daneben für einen klugen und weisen Mann. Also vernahm ich, daß er nicht allein die Hauptstadt, sondern auch andere Orte des Landes befestigte und um viele Städte neue Mauern und Gräben baute und überhaupt vielerlei Wehr und Waffen bereitete, unter anderem sein Kriegsvolk mit langen Piken wider unsere Rosse und Reiter ausrüstete. Mir sind etliche dieser langen Spieße, mit denen man wider uns gestritten, in Huaquechula und andernorts in die Hände gefallen.

Ich fertige nunmehro ab nach (Sankt Domingo auf) Hispaniola vier Schiffe, auf daß man uns eilends von neuem Kriegsvolk und Pferde schicke. Auch soll man auf besagter Insel noch andere vier Schiffe kaufen, die mir Pferde, Harnische, Armbrüste, Hakenbüchsen und Schießpulver besorgen. Alles dessen bedürfen wir hier vor allem, dieweil das Fußvolk, das nur mit den Schilden ist ausgerüstet, im Gefechte mit so gedrängten Massen wie in diesem Kriege nicht viel ausrichtet. Überdies gibt es hierzulande viele wohlverwahrte, große und mächtige Städte und Burgen.

Zu gleicher Zeit schreib ich an den Kaiserlichen Rat Roderich von Figueras und an andere Amtsleute Eurer Kaiserlichen Majestät zu Hispaniola, daß sie mir zu meinem Vorhaben alle Hilfe leisten, wie dies zu Allerhöchstero Nutzen, zur Erhaltung des bisher Eroberten und zum Schutz unseres Lebens und Leibes vonnöten ist. Sobald mir solche Hilfe geschickt wird, bin ich willens, wieder vor die große Stadt Temixtitan zu rücken und sie, wie ich verhoffe, mit Gottes Hilfe von neuem zu erobern. Derweil aber bau ich zwölf Rennschiffe und eine Anzahl Zillen, wie sie hierzulande üblich sind, um die Stadt auch zu Wasser anzugreifen. Wir sind bereits an der Arbeit. Ich werde die einzelnen Teile der Schiffe über Land hinführen und am See zusammenfügen lassen. Ich will nicht Ruh haben, bis ich mein vorgenommenes Werk vollende, und nimmer nachlassen, dazu alle Mittel und Wege zu erfinden, dabei nicht scheuen Gefahr, Kosten und alles andere.

Vor zwei Tagen ist mir ein Schreiben überantwortet worden von meinem Befehlshaber zu Verakruz, aus dem ich hab erfahren, daß eine Karavelle im Hafen eingelaufen ist mit insgesamt 3O Mann, die Schiffsleute eingerechnet. Sie geben an, sie wären ausgezogen, die zu suchen, die Franz von Garay – wie ich Eurer Kaiserlichen Majestät an anderer Stelle habe berichtet – vorher in dies Land geschickt hat. Des weiteren bekennen sie, sie hätten an einem solchen Mangel an Lebensmitteln gelitten, daß sie vor Hunger und Durst umgekommen wären, wenn ihnen hier nicht geholfen worden wäre.

Ich hab des weiteren von ihnen erfahren, daß sie insgesamt auf drei Schiffen an der Mündung des Panuko gewesen und 40 Tage dort verblieben waren, ohne auf dem Fluß noch am Lande Menschen zu erblicken, wonach sie angenommen hätten, jene Gegend sei nach den früheren Ereignissen von ihren Bewohnern verlassen worden. Die beiden anderen Schiffe mit Pferden und Kriegsvolk wären in der nämlichen Notlage. Derhalben gedacht ich, es sei zu Eurer Kaiserlichen Majestät Nutzen, wenn diese Schiffe und die Mannschaft darinnen nicht verlorengingen, und befahl den Leuten des Franz von Garay, sie sollen die beiden anderen Schiffe suchen und dann zusammen wieder in den Hafen von Verakruz kommen, Gott der Allmächtige füge es, daß sie selbige antreffen und zu Lande bringen.

Daß an Statt des Herrn Montezuma sein Bruder Kuitlahua Herrscher geworden, hab ich bereits berichtet. Der hat alsbald mancherlei Kriegsrüstung bereitet, auch die Hauptstadt und alle Orte am See befestigt und gerüstet. Vor wenigen Tagen ist mir nun noch hinterbracht worden, daß Kuitlahua in alle Grafschaften und Städte, die ihm Untertan, Sendboten hat ausgeschickt mit dem Aufruf, er wolle auf ein Jahr alle Steuern und Dienste, die man ihm schulde, aus Gnaden erlassen, insofern man mit aller Kraft Krieg führen wolle wider die Christen, bis sie entweder allesamt ausgerottet oder zum Lande hinausgejagt seien, ebenso wider alle Indianer, die mit uns in Freundschaft oder Bündnis stehen. Ich verhoff, es wird ihnen nicht gelingen. Allerdings möcht ich den Indianern, die uns Freunde sind, kräftiglich beistehen, denn täglich kommt aus vielen Städten und Flecken Anforderung von Hilfe wider die Mexikaner, unsere gemeinsamen Feinde. Ich vermag nicht an allen Orten zu helfen, gedenk aber, mit des Höchsten Gnade und nach Ankunft des Nachschubes aus Hispaniola zu tun, was ich kann.

Nach allem, was ich bisher gesehen und vernommen, nach aller Ähnlichkeit, die dies Land mit Hispania gemein hat an Fruchtbarkeit und Größe, Wärme und Kälte und vielen anderen Dingen, hat es mich gedeucht, man könne ihm keinen schicklicheren Namen geben, denn man es nenne das Neue Hispanien, und so hab ich im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät also getan. Ich bitte, Eure Kaiserliche Majestät wolle es Allergnädigst dabei belassen, so daß das Land fortan von jedermann Neu-Hispanien geheißen wird.

Eurer Kaiserlichen Majestät hab ich, wiewohl ohne Zier, der Wahrheit gemäß geschrieben über alles, was sich an diesen Orten hat zugetragen und was Eurer Kaiserlichen Majestät fürnehmlich zu wissen vonnöten ist. Ich füge die untertänige Bitte an, Eure Kaiserliche Majestät wolle einen glaubwürdigen Mann hierher verordnen, der über all diese Dinge einen guten Bericht abfasse.

Allerdurchlauchtigster und Großmächtigster Herr, Gott der Allmächtige möge Eurer Kaiserlichen Majestät Leben, Gewalt und Stand bewahren und fördern auf lange Zeit hin, unter Mehrung des Reiches, ganz wie es Allerhöchstdero Herz begehrt.

Geschrieben in der Stadt Segura de la Frontera im Lande Neu-Hispanien, am 30. Oktober im Jahre des Herrn 1520.

Eurer Kaiserlichen Majestät
Diener und Untertan
Ferdinand Cortes

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