Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Arthur Schurig >

Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 29
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
Schließen

Navigation:

Das sechsundzwanzigste Kapitel

Da nun meine Gefährten sahen, wie viele von uns umgekommen und wie wenige noch übrig, und wie schwach und übel zugerichtet diese waren, da begannen sie vor künftigen Gefahren und Mühsalen vorsichtig und furchtsam zu werden. Zu mehreren Malen wandten sie sich an mich, ich solle sie nach Verakruz führen und mich dort verschanzen, ehe unsere Vertreibung aus der Hauptstadt und unsere Schwäche allgemein kund werde und ehe die uns noch freundlichen Indianer ein Bündnis mit unseren Feinden machten und die Straßen und Pässe nach dem Meere besetzten, um sowohl über uns wie über die in Verakruz herzufallen. Wenn sich aber alle Hispanier vereinten und die Schiffe zur Hand seien, wären wir viel mehr in Sicherheit und könnten uns im Falle eines Angriffs so lange wehren, bis von den Inseln Hilfe herbei käme. Ich aber bedachte, wenn wir uns vor den Indianern, sonderlich vor den uns befreundeten, verdächtig zeigten, als fürchteten wir sie, so möchten wir ihnen Anlaß geben, daß sie erst recht von uns abfielen und sich wider uns auflehnten. Auch kam mir der alte Spruch ins Gedächtnis: Das Glück ist bei dem Kühnen! Und unmöglich schien es mir, daß des Allmächtigen Güte und Barmherzigkeit es geschehen lassen könne, daß wir elendlich zugrunde gingen, und daß ein so großes und so reiches Land Eurer Kaiserlichen Majestät sollte verloren gehen, ehe ich es ganz zu Allerhöchstdero friedlichem Besitz gemacht. Derhalben hab ich mir fürgenommen, in keinem Fall über die Berge zum Meere zu ziehen, und aller Gefahr und Mühsal nicht zu achten, so unsrer möchte harren. Und so erklärte ich meinen Gefährten, ich sei willens, nicht abzustehen von diesem Feldzuge. Schmach und Schande wäre es für uns alle, Raub und Verrat an Eurer Kaiserlichen Majestät. Vielmehr hätte ich mich fest entschlossen, auf welchem Wege ich es vollbrächte, von neuem dem Feind entgegenzutreten und ihm nach meinem Vermögen Schaden anzutun.

Nachdem ich zwanzig Tage daselbst gerastet hatte und doch noch nicht genugsam heil war, bin ich mit meiner schwachen Schar in die Landschaft Tepeaka marschiert, die im Bündnis stand mit unseren Feinden, den Mexikanern. Es war mir vermeldet worden, daß man daselbst hatte umgebracht zehn Hispanier, die von Verakruz nach Temixtitan waren unterwegs gewesen. Der Weg führte sie in rechter Weise nach Tepeaka, denn diese Grafschaft, die ein gar weit Land ist, stößt an die von Tlaskala und Cholula. Beim Einmarsch ist uns entgegengetreten viel Kriegsvolk, um uns den Weg mit Gewalt zu verlegen, an den stärksten Orten. Alles aber von Stück zu Stück zu erzählen, was uns in diesem Feldzuge begegnet ist, wäre zu weitläufig und mein Bericht würde zu lang. Wir mußten manches Gefecht mit den Tepeakanern bestehen. Doch mit Gottes Hilfe und Eurer Kaiserlichen Majestät Glück haben wir ihnen allerwegen große Verluste zugefügt und ihrer viele erlegt, ohne daß dabei auch nur ein einziger Hispanier verwundet worden oder geblieben wäre.

In zwanzig Tagen, so der Feldzug währte, haben wir auch eine gute Zahl von Städten und Dörfern mit friedlichen Mitteln unterworfen, deren Oberste zu mir gekommen sind, sich Eurer Kaiserlichen Majestät zu Lehensherren anzubieten. Überall vertrieb ich eine Menge Mexikaner, die anwesend waren, um die Gemüter der Eingeborenen wider mich zu entflammen und zu verhindern, daß sie freiwillig oder unfreiwillig unsere Freunde würden. Durch solche Aufwiegler ist es geschehen, daß etliche Orte immer noch nicht in Ruhe und Frieden sind, und daß der Krieg noch nicht ganz zu Ende ist. Doch verhoff ich, durch des Allmächtigen Gnade, auch diese baldigst Eurer Kaiserlichen Majestät untertänig zu machen.

In dem Orte der Landschaft, da man die zehn Hispanier hatte umgebracht, habe ich eine Anzahl Indianer zu Leibeigenen gemacht. Ein Fünftel von denen habe ich den Beamten Eurer Kaiserlichen Majestät überwiesen. Diese Leute waren insbesondere widerspenstig und von mir durch Kriegsgewalt gefangen worden, überdies waren sie Menschenfleischfresser. Dieweil dies allbekannt, ist es nicht vonnöten, daß ich Eurer Kaiserlichen Majestät Beweise überschicke. Und zu guter Letzt hatte ich noch eine Ursache, daß ich sie zu Leibeigenen machte, nämlich die, daß ich die Mexikaner in Furcht setzen wollte. Das Volk hier ist so zahlreich, daß man es nicht bessern kann, wenn man es nicht hart behandelt.

In diesem Feldzuge sind uns behilflich gewesen die Leute von Tlaskala, Cholula und Huexozinko. Damit haben sie uns ihre Freundschaft bewiesen und ich hab den Glauben, daß sie allweg Eurer Kaiserlichen Majestät getreue Untertanen sein werden.

Während ich im Lande Tepeaka diesen Krieg führte, ist mir ein Brief aus Verakruz überbracht worden, darin man mir vermeldete, zwei Schiffe seien im Hafen von Verakruz angekommen, die vom Geschwader des Franz von Garay verschlagen worden waren. Wie ich vermute, hat besagter Franz von Garay zum anderen Male einen Zug nach dem Panukofluß unternommen. Vom ersten Male ist Eurer Kaiserlichen Majestät bereits Meldung durch mich erstattet. Aber die Landesleute daselbst haben wider ihn gestritten und von ihnen 16 oder 17 Mann getötet und viele verwundet, auch sieben Rosse erlegt. Die, so entronnen, haben sich mit Schwimmen in die Schiffe gerettet, alle samt ihrem Hauptmann übel zugerichtet. Mein Befehlshaber in Verakruz hat die Verschlagenen freundlichst empfangen, sie versorgt und geheilt. Ich aber hab den Befehl gegeben, falls der Hauptmann des Franz von Garay wollte heim nach Jamaika ziehen, so sollte ihm mein Stellvertreter alle Gunst beweisen und ihm behilflich sein, sich mit seinen Schiffen fertig zu machen.

Nachdem ich das Land Tepeaka unter Eurer Kaiserlichen Majestät Macht und Dienst gebracht, habe ich mit Eurer Kaiserlichen Majestät Amtsleuten viel beratschlagt, wie ich das Land in Ruhe und Ordnung erhalten könne. Ich hielt mir vor, daß diese Leute sich erst Eurer Kaiserlichen Majestät ergeben hatten, dann aber wieder abgefallen waren und die mehrfach erwähnten Hispanier ermordet hatten. Dieweil ferner durch diese Gegend die große Straße geht, so müssen alle Waren von Verakruz nach den inneren Orten hier durchziehen. Wenn daselbst nun alles in seinem alten Wesen geblieben wäre, so war wohl zu erwarten, daß die benachbarten Mexikaner von neuem ihre Macht auf Tepeaka ausdehnten und die Tepeakaner beredeten, sich noch einmal gegen uns aufzulehnen und wieder von Eurer Kaiserlichen Majestät abzufallen. Dies wäre ein großer Schaden und arge Behinderung geworden, dieweil nämlich die einzigen beiden Pässe vom Meere her, die überdies mühselig zu begehen sind, dem Lande Tepeaka am nächsten liegen und von den Tepeakanern leicht in Besitz genommen werden können.

Aus diesen und anderen Gründen mehr haben wir es für gut angesehen, im Lande Tepeaka eine feste Stadt zu erbauen, an einem wohl gelegenen Platze. Den neuen Ort habe ich Segura de la Frontera (Grenzburg) getauft und habe daselbst einen Befehlshaber, Richter und Beamte ernannt, wie das der Brauch ist.

 << Kapitel 28  Kapitel 30 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.