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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das fünfundzwanzigste Kapitel

Immer noch verfolgt, müde und matt, kamen wir an ein Gehöft auf der Ebene, wo wir in der Nacht unter freiem Himmel lagerten. Von selbigem Ort aus sahen wir die Berge des Landes Tlaskala, was uns nicht wenig erfreute, denn wir kannten dies Land und wußten nun, wohin unser Weg führte. Gleichwohl war es für uns noch nicht gewiß, ob die Tlaskalaner treue Freunde von uns wären. Wir fürchteten vielmehr, wenn sie uns so schwach kommen sähen, möchten sie uns den Garaus machen, um ihre alte Freiheit zu gewinnen. Dieser Argwohn bekümmerte uns schlimmer als alles andere.

Am anderen Morgen, als der Tag anbrach, setzten wir unseren Marsch auf der ebenen Straße fort, die geradewegs nach Tlaskala führt. Hierhin sind uns nur wenige Feinde nachgefolgt, wiewohl viele und große Dörfer in der Gegend lagen. Nur von etlichen Hügeln herab, uns im Rücken, hallte noch ihr Gebrüll. So sind wir an diesem Tage aus dem Reiche Mexiko gekommen. Es war der 8. Juli des Jahres 1520. Der erste Ort im Lande Tlaskala war Huejotlipan, ein Flecken mit 4000 Häusern. Dort sind wir gar wohl empfangen worden, so daß wir uns von Hunger und Müdigkeit, so wir erlitten hatten, einigermaßen erholten. Allerdings mußten wir das, was sie uns an Speise und Trank gaben, kaufen, und etliche sogar wollten nichts denn Gold in Zahlung nehmen, das wir ihnen auch gaben, dieweil uns die Not dazu zwang.

An diesem Ort sind wir drei Tage geblieben. Dorthin kamen mir entgegen und suchten mich auf Maxixka, Xikotenkatl und viele andere Standesherren aus Tlaskala. Sie mühten sich, mich des Ungemachs zu trösten, das uns war widerfahren, und erinnerten mich daran, daß sie mich oft gewarnt hätten: die Mexikaner wären Verräter und ich solle mich vor ihnen hüten. Ich hätte ihnen aber keinen Glauben schenken wollen. Jetzt solle ich froh sein, dieweil ich mit dem Leben davongekommen sei. Ich könne ihres Beistandes allezeit sicher sein. Sie wollten mir den Schaden wieder gutmachen, den mir meine Feinde zugefügt hätten. Denn abgesehen von ihrer Lehenspflicht zu Eurer Kaiserlichen Majestät hätten sie ein herzlich Mitleid mit uns. Sie wären bekümmert über den Tod so vieler ihrer Brüder und Söhne, die auf meinem Zuge wären umgekommen, und auch wegen mannigfacher anderer Unbill erbittert, so ihnen in früheren Zeiten von unseren gemeinsamen Feinden wäre angetan worden. Ich solle überzeugt sein, daß sie treu zu mir halten wollten und immerdar meine aufrichtigen Freunde seien. Dieweil ich aber und fast alle meine Gefährten verwundet wären, sollten wir nach ihrer Hauptstadt marschieren, die 4 Meilen weiter läge. Dort sollten wir rasten, uns mit Arzneien heilen und uns von aller Mühsal erholen.

Ich habe Dank gesagt und bin ihrem Angebot gefolgt. Zudem schenkte ich ihnen einige der Kostbarkeiten, von denen wir ein wenig hatten gerettet, worüber ihr Wohlgefallen groß war.

Also sind wir mit ihnen der Stadt zugezogen und haben dort eine bequeme Herberge bekommen. Maxixka hat mir lassen eine Bettstelle von Holz bringen, nach dem Brauch des Landes gemacht und ausgeschmückt. Darinnen hab ich geschlafen, denn wir hatten keine Betten mehr. Was er hatte und vermochte, hat er uns alles gegeben und verschafft.

Bei unserem Hinmarsche nach Temixtitan hatte ich in Tlaskala etliche marode Leute sowie eine Menge Dinge zurückgelassen, damit wir unterwegs freier wären, wenn uns etwas begegnete. Außer mit Rüstung, Gewehr und den nötigen Kleidern sollte niemand beschwert sein. Ich erfuhr, daß vor etlicher Zeit einer meiner Hauptleute aus der Stadt Verakruz mit Lebensmitteln und anderen Dingen mehr gekommen war und mit ihm fünf Reisige und 45 Fußknechte. Als sie wieder abmarschierten, haben sie mitgenommen die Kranken, so wieder marschfähig geworden waren, sowie alle unsere Habe, alles Silber, das mir und meinen Gefährten gehörte, und für 70000 Kastilianer geschmolzenes Gold, das ich in zwei Truhen dagelassen, samt anderen Kostbarketten. Dazu für 14000 Kastilianer in Gold, die der Offizier gehabt, den ich nach Koazakualko gesandt hatte, um daselbst einen Ort zu gründen. Er hatte dies Gold dagelassen und noch viel anderes im Werte von 30000 Kastilianern. Auf seinem Rückwege nach Verakruz ist der Hauptmann samt allen seinen Leuten von Mexikanern erschlagen worden. Diese haben hinweggenommen alles, was die Hispanier mit sich geführt, auch die Schriften, die ich im Lande zusammengebracht hatte.

Ferner hab ich vernommen, daß sie mehrere Hispanier umgebracht hatten, die in der Meinung, ich befände mich dort in allem Frieden und der Weg dahin wäre ganz sicher, gen Temixtitan gezogen waren. Eurer Kaiserlichen Majestät bekenne ich die Wahrheit, wenn ich vermelde, daß wir bei diesen Nachrichten alle gar traurig gewesen sind und sie uns so heftig bekümmerten, wie es heftiger nicht hätte sein können. Denn überdies, daß so viel hispanisch Volk verloren war und daß wir um all unser Hab und Gut gekommen waren, erinnerten wir uns von neuem, daß so viele Hispanier in der Hauptstadt, an den Brücken und hernach unterwegs den Tod gefunden hatten. Obendrein kam mir der Argwohn, die Feinde könnten auch die bestürmt haben, die in Verakruz zurückgeblieben waren, und unsere Bundesgenossen könnten abgefallen sein, sobald sie unsere Vertreibung aus der Hauptstadt gehört. Zur Stunde sandte ich etliche Boten aus mit etlichen Indianern, die den Weg weisen sollten, mit dem Befehl, abseits der großen Straße nach Verakruz zu dringen und mir baldigst zu melden, wie es dort stünde. Es hat dem Höchsten gefallen, daß die Hispanier in Verakruz unbehelligt geblieben sind und alle Eingeborenen, so unsere Freunde waren, friedsam und ruhig. Diese Botschaft hat uns in unserem Verluste und unsrer Trauer trefflich ergötzt. Ihnen freilich war unser Mißgeschick und Rückzug eine schlimme Kunde.

In Tlaskala blieben wir 20 Tage. Meine Wunden, die überhand genommen hatten, sonderlich die am Kopfe, da sie unterwegs ohne Arznei geblieben war, verheilten. Von meinen Leuten aber starben etliche, zum Teil an ihren Wunden, zum Teil an Entkräftung. Etliche sind infolge ihrer schweren Verwundung, wohl auch weil man Arznei und Rat nicht nach Notdurft bekommen konnte, krumm und lahm geblieben. Ich selbst bin an zwei Fingern meiner rechten Hand ein Krüppel geworden.

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