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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 27
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das vierundzwanzigste Kapitel

Als ich nun in die Stadt Takuba kam, bei Tagesanbruch, hab ich mein Kriegsvolk auf einer Gasse versammelt gefunden. Sie sagten, sie wüßten nicht, was geschehen solle. Da gab ich den Befehl, eilends ins Freie zu marschieren, ehe die Leute der Stadt uns Feindseligkeiten bereiteten. Der Führer der Spitze erklärte, er wisse den Ausgang nicht. Ich stellte die Vorhut hintenan und nahm selber die Führung der Vordersten, bis wir aus der Stadt hinaus waren. Auf einem Brachfelde wartete ich dann, bis die jetzige Nachhut herankam. Da dies geschah, ward mir gemeldet, daß sie große Verluste gehabt hatte. Viele Hispanier und Indianer waren gefallen, und eine Menge Gold war unterwegs liegen geblieben und in die Hände der Feinde geraten.

Ich hielt die Verfolger auf, bis auch die Nachhut weiter gezogen war. So lange focht ich, bis unser Fußvolk eine Höhe eingenommen hatte, darauf ein Tempel stand, eine Art Veste. Dies gelang ohne großen Schaden, denn ich wich nicht und ließ die Feinde nicht weiter. Gott weiß es, was wir da für Mühsale ausstanden, denn von den Pferden, deren noch 24 übrig waren, konnte keins mehr laufen. Es konnt auch kein Reiter seine Arme hochheben, und es gab keinen unter dem Fußvolk, der nicht kaum noch weiter kommen konnte. In der Stellung auf der Anhöhe haben wir uns dann festgesetzt und sind dort belagert worden bis in die Nacht, so daß wir nicht eine Stunde konnten Ruhe haben.

Dazumal berechnete ich unsere gesamten Verluste auf dem Rückzuge. Von den Hispaniern fehlten mir 150, von den Pferden 46, von unseren Indianern und Indianerinnen mehr denn 2000. Auch der Sohn und die Töchter des Herrn Montezuma waren umgekommen, ebenso alle Gefangenen, die wir mitgenommen hattenCortes gibt hier seine beim Rückmarsch erlittenen Verluste viel zu gering an. Ebenso machen es fast alle spanischen Darsteller. Nur Thoan Cano (bei Ovledo XXXIII, 54) berichtet, 1170 Spanler und 8000 Indianer seien umgekommen. Prescott II, 60 gibt eine Zusammenstellung der verschiedenen Überlieferungen. Die in der Einleitung (S. 33) angenommenen Zahlen, die in der Hauptsache mit den Angaben des Bernal Diaz übereinstimmen, dürften die richtigen sein.

Es ist hier Gelegenheit zu bemerken, daß die Noche triste auch in der deutschen Literatur einen Nachhall gefunden, wenngleich einen wenig würdigen, im Romancero von Heinrich Heine, in den drei Bänkelgesängen »Vitzliputzli«.

.

Um Mitternacht sind wir, im Glauben, es geschehe unbemerkt, in aller Stille von dem Hügel abgerückt, ohne in den Gebäuden das Feuer zu löschen. Keiner von uns wußte, wo wir waren noch wohin wir ziehen sollten. Nur ein Tlaskalaner erklärte, er wolle uns in seine Gegend führen, wenn der Weg dahin frei wäre.

Alsbald alarmierten die feindlichen Vorposten durch lautes Geschrei die umliegenden Gehöfte, so daß eine große Anzahl Mexikaner aufgebracht ward, die uns bis zum Tagesanbruch verfolgten. Fünf meiner Reiter, die ich zur Aufklärung vorangeschickt hatte, griffen einen Haufen Indianer an, der ihnen in den Weg gekommen war. Etliche davon wurden erlegt. Als dann aber die Feinde allerorts überhandnahmen, suchte ich aus unserem Kriegsvolk die Brauchbarsten heraus und machte eine neue Einteilung. Die noch leidlich Unversehrten stellte ich vorn, hinten und zu beiden Flanken auf. Die Verwundeten nahm ich in die Mitte, und die Reiter verteilte ich.

In dieser Marschordnung zogen wir den ganzen weiteren Tag. Immerfort mußten wir uns nach allen Seiten wehren. So kam es, daß wir von Mitternacht bis zum Abend nicht mehr denn 3 Meilen zurücklegten. Als es dämmerte, fügte es der Herrgott, daß wir auf einem Hügel ein paar Häuser nebst einem Turm erblickten, wo uns ein gut Quartier ward.

In der Nacht ließen uns die Feinde in Ruhe. Nur gegen Morgen entstand ein Lärm, ohne daß wir wußten, was die Ursache war. Am folgenden Tage, früh in der ersten Stunde, führte ich den Zug in ganz der nämlichen Ordnung wie tags zuvor weiter. Zu beiden Seiten begleiteten uns Scharen von Verfolgern unter wildem Geheul und brachten das starkbewohnte Land wider uns auf. Unsere Reiter, so wenig ihrer noch übrig waren, fielen in sie ein, brachten ihnen aber nur geringe Verluste bei, denn der Boden war voller Hügel, hinter die sie wichen.

Am selbigen Tage zogen wir, zur rechten Seite einen SeeDer Rückzugsweg des Cortes führte von Takuba nach dem Hügel des Montezuma, auf dem später die Kirche Nuestra Señora de los Remedios errichtet worden ist. Von da ging der Marsch nach einem anderen Hügel, dem heutigen Guadelupe, dann über Quautitlan (Luautitlan) entlang dem Nordufer des Zumpango-Sees nach dem Dorfe Zumpango., bis zu einem Dorfe, von dem wir erst fürchteten, es mit Gewalt nehmen zu müssen. Als wir aber nahe heran kamen, verließen die Bewohner ihre Häuser und flohen in die nächsten Dörfer. Wir rückten nun ein und rasteten diesen und den folgenden Tag. Selbst die Unverwundeten waren todmüde und infolge der Mühseligkeiten und durch Hunger und Durst in üblem Zustande. Auch die Rosse konnten nicht weiter.

Im Dorfe fanden wir Mais, davon wir aßen. Auch sotten und dörrten wir einen Vorrat, den wir mit auf den Weg nahmen. Den nächsten Tag sind wir weitermarschiert. Wiederum plänkelten die Feinde mit unserer Vor- und Nachhut unter dem gewohnten Gebrüll. Wir zogen immer den Weg weiter, den uns der Tlaskalaner führte. Da wir oft gezwungen waren, die Straße zu verlassen, hatten wir dabei viele Mühsal und Anstrengung. Gegen Abend kamen wir auf eine Ebene, da etliche Gehöfte lagen. Dort blieben wir unter argem Mangel an Speise und Futter.

Am anderen Morgen in der Frühe machten wir uns wieder auf den Weg. Ehe wir die Straße erreichten, griffen uns die Feinde an.

Unter etlichen kleinen Scharmützeln während des Marsches kamen wir vor einen großen Ort. Uns zur Rechten, auf einer Höhe, standen Indianer. Wir vermeinten, sie fangen zu können, da sie nah am Wege waren. Um zu erkunden, ob ihrer hinter dem Hügel noch mehr seien, zog ich mit fünf Reitern und zwölf Fußknechten um die Höhe herum und sah, daß dahinter ein großer Haufen Feinde lauerte. Mit denen haben wir ziemlich lange gestritten, da das Gelände, wo sie lagen, hügelig und felsig war. Und da sie zahlreich, unserer aber wenige waren, haben wir auf den Ort zurückgehen müssen. Von zwei Steinwürfen übel zugerichtet, kam ich daselbst an. Nachdem ich verbunden worden war, gab ich Befehl, weiter zu marschieren, denn der Ort dünkte mich kein gar sicheres Quartier zu sein.

Also rückten wir fort nach einem anderen Dorfe, das von dem erwähnten 2 Meilen weiter lag, während uns die Feinde für und für folgten. Unterwegs fielen uns noch andere Indianer in großer Menge an und setzten uns heftig zu. Vier oder fünf Hispanier und ebensoviel Pferde wurden verwundet. Eins unserer Pferde ward sogar umgebracht. So schlimm und betrüblich dieser Verlust für uns war, denn außer Gott hatten wir keinen anderen Schirm und Schutz, so hatte er doch auch sein Gutes, denn wir aßen das Tier bis auf die Knochen auf; nichts blieb übrig. So schwer war unsere Hungersnot. Seit wir die Hauptstadt verlassen, hatten wir nichts denn gesottenen und gedörrten Mais gegessen, ohne dabei jemals satt zu werden, dazu Kräuter, die wir auf dem Felde auflasen.

Da ich nun sah, daß die Feinde von Tag zu Tag an Zahl zunahmen, wir aber unsrer immer weniger wurden, ließ ich in der Nacht alle Verwundete und Kranke verbinden und verarzneien. Bisher hatten selbige auf den Kruppen der Pferde gesessen oder waren von Unverwundeten auf dem Rücken mitgeschleppt worden. Jetzt gab ich ihnen Krücken unter die Arme und Stöcke für den Marsch, damit die Pferde und die, so weder krank noch verwundet waren, für das Gefecht frei blieben. Mich däucht, diese Maßnahme hat mir Gott in den Sinn gegeben, denn am folgenden Tag zeigte es sich, wie trefflich sie war.

Gegen Morgen marschierten wir von da weiter, immer auf der Straße, etwa anderthalb Wegstunden weit, bis uns mit einem Male die Indianer hinten, vorn und von beiden Seiten angriffen. Die Haufen der Feinde waren so groß, und sie setzten uns so heftig zu, daß alles Feld vor unseren Augen bedeckt war und keiner von den Unsrigen seinen Nachbar mehr sah. Derart waren wir umringt und vermengt. Schon glaubten wir, unser letztes Stündlein habe geschlagen, dieweil der Feinde so viele und wir so wenige und dazu fast alle verwundet und kraftlos waren, so daß wir ihnen nicht konnten rechten Widerstand leisten. Aber der Allmächtige hat seine große Barmherzigkeit an uns bewiesen, denn es gelang uns doch, bei aller unserer Schwäche den Grimm und die Kraft der Feinde zu brechen. Hunderte von ihnen fielen, sonderlich viele Führer. So dicht war das Getümmel, daß sie sich einander im Kampfe und in der Flucht hinderten.

Also mühselig fochten wir einen guten Teil des Tages, bis uns der Herrgott das Glück verlieh, daß der Feldherr der Feinde von uns erlegt ward. Als er gefallen, ließ der Ansturm der Massen nach.

Das war die Schlacht bei Otumba.

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