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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 24
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das einundzwanzigste Kapitel

Als ich nun sah, daß ich Schande und Schaden nicht mehr vermeiden konnte, dieweil ich vernahm, daß die Eingeborenen anfingen, aufrührerisch zu werden, und dies von Tag zu Tag übler ward, da empfahl ich mich Gott, vergaß alle Gefahr und bedachte in meinem Gemüt, in meines Herrn Kaisers Dienst zu sterben bei der Verteidigung seines Landes. Bedachte auch, welch große Ehre mir und meinem Kriegsvolk möchte daraus erstehen. Meinem Hauptmann Gonzalo von SandovalGonzalo von Sandoval, der Liebling des Cortes, ist einer der wenigen Offiziere seines Heeres, die der Feldherr in diesem Bericht mit Namen erwähnt. Er war ein Edelmann aus Medellin (1497-1528). Über seinen Tod vgl. Einleitung S. 64.

Clavigero sagt von ihm: Er war aus gutem Hause, kaum zwanzig Jahre alt, als er nach Neu-Spanien ging, von männlicher, kräftiger, angenehmer Gestalt, braungelockt. Er besaß eine starke Stimme, redete aber wenig. Um so herrlicher sprechen seine Taten. Cortes bediente sich Sandovals bei den wichtigsten und gefährlichsten Unternehmungen. Er hatte immer Glück und Erfolg. Er genoß die Gunst des Generals, die Achtung seiner Kameraden und sogar die Liebe seiner Feinde. Bei der Belagerung der Stadt führte er ein Korps. Er war Befehlshaber von Verakruz und beinahe ein Jahr lang zusammen mit Alonso von Estrada Statthalter von Mexiko. Er ist der Gründer von Medellin (in der Nähe der Küste) und von Spiritu Santo (am Koazakualko). Wo auch immer er tätig war, zeigte er sich klug und tapfer, bescheiden und gerecht, treu, unverdrossen und gütig. Von Habgier und Unmenschlichkeit war er im Gegensatz zu fast allen Eroberern frei.

Bernal Diaz gönnt ihm folgenden Nachruf: Gonzalo von Sandoval war ein Mann von hohem Mut und großer Tapferkeit. Er war von bestem Wuchs, im Vollbesitz edler Manneskraft. An Brust und Schultern hoch und breit, die Beine etwas krumm, das Gesicht voll. Bart und Haupthaar kraus, wie man dies damals liebte, und kastanienbraun. Seine Stimme klang rauh und garstig; er stieß ein wenig mit der Zunge an. Er war von gesundem Menschenverstand, ohne jede Habsucht. Er nahm nur, was ihm gebührte. Er hielt streng darauf, daß seine Soldaten ihre Schuldigkeit taten, sorgte aber auch allezeit für sie und trat für sie ein, wo er nur konnte. In seinem Anzuge war er schlicht und einfach. Dafür besaß er aber das vortrefflichste und bestgerittene Pferd, wie man nach aller Urteil kein zweites kannte. Es hieß Motilla, eine dunkelbraune Stute mit einem weißen Stern auf der Stirn und weißem linken Hinterfuß. Alles in allem war er das Musterbild eines guten Offiziers.

Im Buche ist Sandoval ferner erwähnt: S. 27, 64, 162ff., 189, 218ff., 224f., 229, 230f., 234, 249, 251f., 254, 255ff., 260, 261ff., 268, 272ff., 281, 298ff., 305, 311, 354, 432, 434, 494, 495.

aber gab ich den Befehl, Narvaez und die von den Seinen, die sich für Richter und Amtsleute auszugeben unterstünden, gefangenzunehmen. Ich gab ihm 80 Mann Fußvolk mit. Mit den übrigen 170 Mann – wir waren insgesamt 250 ohne Geschütz und ohne Reiterei – marschierte ich hinterdrein, um nahe zu sein im Falle, daß sich Narvaez und seine Gesellen nicht wollten gefangengeben.

Am selbigen Tage, da der Hauptmann und hinterher ich nach Cempoalla aufbrachen, war Narvaez, der dort sein Hauptquartier gehabt hatte, auf die Nachricht von unserem Anmarsche, mit 80 Reitern und 500 Fußknechten aus der Stadt gerückt, mir entgegen. Im Haupttempel, der eine Art Veste war, hatte er den Rest seines Kriegsvolks zurückgelassen. Als er mit genannter Streitmacht nur noch eine Meile von dem Punkt entfernt war, wo ich auf meinem Marsche war, machte er wieder kehrt. Obwohl ihm meine Annäherung durch Indianer war gemeldet worden, vermeinte er doch, man narre ihn, da er mich und die Meinen nirgends wahrnahm. Wieder in seinem Quartier, hielt er seine Leute in Bereitschaft und stellte dazu eine Meile vor der Stadt zwei Mann als Feldwache auf.

Dieweil ich mir nun einmal vorgenommen hatte, den öffentlichen Spott soviel wie möglich zu vermindern, hab ich es für gut angesehen und für ratsam erachtet, bei Nacht einzutreffen und heimlich in die Stadt hineinzukommen, sodann geradeswegs des Narvaez Herberge aufzusuchen, die mir und meinem Volk gar wohl bekannt war, und ihn daselbst gefangenzunehmen. Denn so er gefangen wäre, verhoffte ich die ganze Sache mit einem Schlage beigelegt zu haben. Die übrigen würden sich dann ohne weiteren Widerstand der Gerechtigkeit unterwerfen, sonderlich da der größere Teil unfreiwillig gegen mich gezogen war, gezwungen durch die Macht des Diego Velasquez und aus Furcht, daß er ihnen ihre Knechte auf der Insel Ferdinandina könnte wegnehmen.

Und also ist es uns gelungen. Am Pfingsttage (am 27. Mai), ein wenig nach Mitternacht, hab ich den Narvaez in seinem Quartier überfallen. Vorher waren wir auf die Feldwache gestoßen, die er uns in den Weg gelegt hatte. Die Aufklärer, die ich vorausgesandt hatte, nahmen den einen Posten gefangen. Der andre ist entronnen. Von dem Gefangenen erfuhr ich die Maßregeln, die Narvaez hatte verordnet. Damit nun der Entwischte nicht vor uns in der Stadt ankäme, hab ich geeilt, soviel mir möglich. Doch hab ich es nicht schaffen können. Der Mann war eine halbe Stunde vor uns dort. Und wie wir kamen, waren Narvaez und sein Kriegsvolk schon in den Waffen und alle Pferde gerüstet. An zwei Stellen standen je 200 Mann wohlbereit. Wir aber sind so still in die Stadt hineingekommen, daß sie uns erst gewahr wurden und Lärm machten, als wir schon in den Hof des Haupttempels eingerückt waren, wo Narvaez samt seinem ganzen Volke lag. Die drei oder vier Türme der Gebäude waren alle besetzt, und an der großen Stiege des Tempels, in dem Narvaez selbst wohnte, standen 19 Büchsenschützen. Wir stürmten aber so schnell hinauf, daß sie nicht mehr denn bloß eine Büchse konnten anzünden, welcher Schuß auf Gottes Geheiß versagte und somit keinen Schaden anrichtete.

Also drangen wir zur Plattform hinauf, bis vor den Turm, da des Narvaez Gemach war, wo er sich mit 50 wohlbewaffneten Mannen zur Wehr setzte. Obschon der Hauptmann sie mehrfach ermahnte, sich Eurer Kaiserlichen Majestät gefangenzugeben, haben sie dies nicht tun wollen, solange, bis wir den Turm in Brand setzten. Erst aus Feuersnot haben sie sich ergeben.

Während der Hauptmann und seine Leute sich also bemühten, den Narvaez zu fangen, Hab ich samt den anderen die Treppe zum Turm verteidigt wider die, so dem Narvaez wollten helfen. Ich bekam all ihr Geschütz in meine Hände, ohne daß ich dabei mehr denn zwei Mann verlor, die mir erschossen sind worden. In einer Stunde kamen alle in meine Gewalt, die ich gefangenzunehmen begehrt hatteVgl. die Darstellung des Bernal Diaz S. 423 ff.. Die anderen legten die Wehr nieder und gelobten, Eurer Kaiserlichen Majestät, mir und meinem Befehl Gehorsam zu leisten. Sie wären bisher hintergangen worden, indem man ihnen gesagt, ich sei samt dem Lande von Eurer Kaiserlichen Majestät abgefallen. Ich sei ein Verräter und Meuterer. Dies und dergleichen mehr erklärten sie, nachdem sie endlich die Wahrheit sowie die böse Absicht des Diego Velasquez und des Narvaez hatten erkannt. Darüber waren sie sehr froh. Und wahrhaftig, hätte der Allmächtige seine gewöhnliche Güte und Barmherzigkeit in diesem Handel nicht so augenscheinlich bewiesen und hätte Narvaez triumphiert, so mußte Schad und Schande daraus erwachsen, wie sie den Hispaniern noch nie ist begegnet. Dies ganze Land wäre Eurer Kaiserlichen Majestät verloren gewesen. Denn wenn mich Narvaez hätte gefangengenommen und gehängt, wie dies ihm anbefohlen war, so wären die Indianer alsbald über ihn und seine im Kampf mit mir geschwächte Macht hergefallen und hätten ihr Land freigemacht, so daß selbst die Erinnerung an uns wäre ausgelöscht worden. Eure Kaiserliche Majestät möge nicht daran zweifeln, daß es also geschehen wäre und daß dieses Land, das bereits ein friedlicher und sicherer Besitz war, innerhalb von zwanzig Jahren nicht hätte wieder erobert und zur Ruhe gebracht werden können.

Dieweil in Cempoalla eine solche Menge Kriegsvolks nicht konnte erhalten werden, sonderlich da Narvaez und seine Gesellen die Stadt geplündert hatten und die Häuser von den Bürgern waren verlassen worden, hab ich, drei Tage nachdem ich den Narvaez gefangen, zwei Hauptleute abgesandt, jeden mit 200 Mann, den einen (Diego von Ordaz) nach dem neu begründeten Hafen Koazakualko, den andern (Velasquez von Leon) nach der Mündung des Panuko. Auch hab ich abgeschickt 200 Mann nach Verakruz, wo die Schiffe des Narvaez, wie ich unterdes hatte erfahren, allesamt waren vor Anker gegangen. Mit dem übrigen Kriegsvolk verblieb ich in Cempoalla. Nach Temixtitan zu meinen Hispaniern fertigte ich einen Boten ab, der mir sollte Bericht bringen über das, was dort inzwischen geschehen wäre. Nach zwölf Tagen kehrte er zurück mit einem Briefe von meinem Befehlshaber daselbst, darin mir vermeldet ward, die Indianer hätten die Burg heftig bestürmt, mit Gräben umschanzt und mit Feuer beworfen. Die Belagerten hätten in großer Gefahr des Leibes und Lebens gestanden und viel Mühsal erlitten. Sie wären am Ende alle umgekommen, wenn Herr Montezuma nicht hätte befohlen, das Stürmen einzustellen. Wenn dies auch wäre befolgt worden, so wären sie doch immer noch belagert. Die Indianer ließen keinen einen Schritt aus der Veste heraus. Von den Lebensmitteln, die ich ihnen zurückgelassen, wäre ein großer Teil verbraucht. Auch wären die vier Rennschiffe verbrannt, die ich hatte erbauen lassen. Und so bäten sie mich aufs höchste, ich sollt ihnen in ihrer Not ohne Verzug zu Hilfe eilen.

Ich bedachte, wie viel Kriegsvolk, Gold, Silber und allerlei Schätze auf dem Spiele standen, und daß Eurer Kaiserlichen Majestät die schönste und vornehmste Stadt der neugefundenen Welt konnte verloren gehen. Und so sie verloren, wäre auch alles andere verloren gewesen, dieweil es die

Hauptstadt war, auf die alle anderen Städte ihr Augenmerk hatten. Deshalb sandte ich sofort Boten an die beiden, wie berichtet, abgeschickten Hauptleute, zeigte ihnen an, was mir aus Temixtitan war gemeldet worden, und befahl ihnen, auf der Stelle umzukehren und auf dem nächsten Wege nach Tlaskala zu marschieren. Ich selbst sei im Begriff, mit allem meinem Volk, allem Geschütz und meinen 70 Reitern ebendahin zu ziehen.

In Tlaskala Hab ich dann eine Musterung gehalten über meine versammelte Streitmacht. Mit diesen 70 Reitern und 500 Fußknechten bin ich aufs schnellste nach Temixtitan vorgerückt. Auf meinem Marsche kam mir niemand von des Herrn Montezuma Untertanen entgegen, wie dies sonst war geschehen. Das ganze Land war sichtlich von mir abgefallen und alle Wohnstätten von ihren Bewohnern verlassen. Aus diesen Anzeichen gewann ich den Argwohn, daß meine Hispanier, die ich in der Hauptstadt hatte zurückgelassen, allesamt umgekommen wären und daß das Volk des ganzen Landes sich an einem Passe oder auf einer Höhe zusammengerottet hätte, um über uns herzufallen. Unter der größten Vorsicht marschierte ich somit weiter, bis ich an den See gelangte, in dem, wie Eurer Kaiserlichen Majestät bekannt, Temixtitan liegt. In Tezkuko angekommen, zog ich Kundschaft ein, ob die Hispanier in der Hauptstadt noch am Leben seien. Man vermeldete mir, daß sie lebten. Gleich wohl befahl ich den Leuten, mir einen Kahn zu stellen, damit ich einen Hispanier nach Temixtitan schicken konnte, zu erkunden, wie die Dinge dort stünden. Man gab mir den Kahn und einige Indianer, die meinen Boten sollten geleiten. Dem Ältesten aber der gegenwärtigen Bürger befahl ich, bis zur Rückkehr des Hispaniers bei mir zu bleiben.

Eben sollte der Kahn abfahren, da bemerkte der Hispanier, daß sich von der Stadt her ein anderer Kahn näherte. Wir warteten, bis er herankam. Von ihm erfuhr ich, daß alle Hispanier noch am Leben waren, mit Ausnahme von vier bis sechs Mann, die im Kampf mit den Mexikanern gefallen waren. Noch immer wären sie belagert und niemand dürfe aus der Veste hinaus, der nicht ein hohes Wegegeld zahle. Seit die Belagerer wüßten, daß ich im Anmarsche sei, wären sie etwas milder. Herr Montezuma warte sehnsüchtig auf meine Rückkehr. Nur fürchte er, ich sei auf ihn erzürnt wegen der Vorgänge während meiner Abwesenheit, und daß ich mich an seiner Person könne rächen. Ich solle aber glauben, daß er nicht weniger Mühseligkeiten ertragen habe als die Meinen, und daß alle die Dinge wider seinen Willen und ohne sein Vorwissen geschehen wären. Ich soll nicht ungnädiger in die Stadt zurückkommen, als ich vordem gewesen sei. Dann werde man meine Befehle und Gebote nicht weniger ehren und ausführen wie zuvor.

Ich hab ihm zur Antwort geschickt, daß ich ihm gar nicht zürne, dieweil ich sein Gemüt als gut kenne und ihm glaube.

Am folgenden Tage, am Tage vor Johannis, marschierte ich weiter und lagerte die Nacht 3 Meilen vor Temixtitan. Am Johannistage (am 24. Juni l520), nachdem ich das Fest verrichtet, legte ich die letzte Strecke zurück und bin kurz vor Mittag in die Hauptstadt eingeritten. In den Straßen und Quergassen war nicht viel Volks zu sehen, was mir nicht sonderlich wollte gefallen, obwohl ich noch glauben mochte, es geschähe bloß aus bösem Gewissen und aus Furcht vor mir.

So zog ich in die Veste ein. Meine Hispanier empfingen mich voller Freude, nicht anders, als brächten wir ihnen das Leben von neuem, das sie schon für verloren gehalten hatten. Den Rest des Tages verbrachten wir bei einem frohen Mahle, in der Meinung, jetzt hätten wir Ruhe.

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