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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das fünfzehnte Kapitel

Im elften Kapitel hab ich Eurer Kaiserlichen Majestät berichtet, daß mir ein großer und gewaltiger Herr, der Neffe des Herrn Montezuma (wie ich nachmals vernommen habe), schon mehrfach war begegnet. Er herrschte über eine benachbarte Landschaft namens Kulhuakan, deren große Hauptstadt Tezkuko am östlichen Ufer des großen Salzsees liegt, unweit vom Gestade. Auf dem Wasserwege ist diese Stadt 6 Meilen von Temixtitan entfernt, auf dem Landwege aber 10 Meilen. Tezkuko hat an die 30000 Häuser, darunter gar wunderbare Paläste und große Tempel. Außer dieser Stadt besaß Kakama, so heißt dieser große Herr, noch zwei andere Städte, von denen die eine namens Akolma 3 Meilen, die andere namens Otumba 6 Meilen entfernt liegt. Eine jede hat ungefähr 4000 Einwohner. Die Herrschaft umfaßt überdies viele Dörfer und Gehöfte und hat überall fruchtbaren Boden. Das Gebiet des Kakama grenzt jenseits an das Land Tlaskala, von dem ich Eurer Kaiserlichen Majestät längst erzählt habe.

Kakama war nach Herrn Montezumas Gefangennahme sowohl von Eurer Kaiserlichen Majestät wie von seinem Oheim abgefallen, und wiewohl ich ihm etliche Male hatte sagen lassen, er solle vor mir erscheinen, so war er doch weder mir noch Herrn Montezumas Befehl gefolgt, sondern hatte sogar die kühne Antwort gegeben, wer etwas von ihm begehre, der solle zu ihm kommen.

Ich erfuhr, daß er viel streitbares Volk um sich versammelt hatte und sich kriegsbereit hielt. Da ich ihn in Güte nicht bereden konnte, Allerhöchstdero Macht und Gewalt von neuem anzuerkennen, so hab ich mich an Herrn Montezuma gewandt und mir seinen Rat erbeten, was wohl zu tun wäre, um seinen Neffen für seinen Abfall zu strafen. Er gab mir zur Antwort, Herrn Kakama mit Gewalt zu zwingen, wäre sehr schwer, denn er wäre ein großer und gewaltiger Fürst und wohlversehen mit gutem Kriegsvolk. Gegen ihn zu kämpfen brächte große Gefahr und viel Verlust. Er, der Herr Montezuma, habe aber im Lande des Kakama etliche vornehme Personen, denen er Sold zahle. Mit ihrer Hilfe wolle er versuchen, etliche aus dem Kriegsvolk des Kakama zu gewinnen und ihn selbst dann gefangennehmen zu lassen. Dies böte keinerlei Gefahr. Und so ist es denn auch geschehen.

Herr Montezuma hat es zuwege gebracht, daß jene Edelleute den Kakama zu einer Beratung in Staatsangelegenheiten nach der Stadt Tezkuko beriefen. Man kam in einem herrlichen Landhause zusammen, das dicht am Gestade des Sees liegt. Ein Wasserweg geht bis an den Palast. Für den Fall, daß sich Kakama zur Wehr stellte und sich nicht gefangennehmen lassen wollte, hielt man etliche Zillen mit dem gewonnenen Kriegsvolk in der Nähe bereit. In der Versammlung wurde Kakama plötzlich von den Verschwörern ergriffen und, ehe ihm seine Leute zu Hilfe eilen konnten, in eine der Zillen gebracht und über den See nach Temixtitan geführt. Dort angekommen, wurde er, wie es einem so großen Herrn gebührt, in eine Sänfte gesetzt und mir überantwortet. Ich aber ließ ihn sofort an den Füßen fesseln und in ein gut Gewahrsam bringen. Im Einverständnis mit Herrn Montezuma hab ich sodann einen jüngeren Bruder des Kakama namens Kuitzkuitzka in die Herrschaft eingesetzt und es vollbracht, daß alle Städte und Gemeinden des Fürstentums Kulhuakan ihm Gehorsam leisteten als ihrem natürlichen Herrn, bis Eure Kaiserliche Majestät anderes anzubefehlen geruhe.

Etliche Tage nach Kakamas Gefangennahme hat Herr Montezuma alle Lehensherren seines Reiches nach Temixtitan in unseren Palast berufen. Als sie alle beisammen waren, bat er auch mich, ich solle heraufkommen, und nachdem ich erschienen, hat er folgende Ansprache gehalten:

Geliebte Brüder und Freunde! Ihr wie eure Väter und Vorväter seid mir und meinen Ahnen immerdar Untertanen gewesen und ihr seid es noch heute, von mir und meinen Vätern allezeit in Gnaden und Ehren gehalten. Ihr eurerseits habt euch mir und meinem Hause stets als gute und getreue Diener gezeigt. Ich weiß aber, daß es euch von euren Eltern her bekannt ist, daß unsere Vorfahren ihren Ursprung nicht in diesem Lande haben, sondern aus weiter Ferne eingewandert sind, geführt von einem großen Fürsten, der sie hiergelassen, selbst aber wieder von hinnen gezogen ist. Nach langer Zeit ist er wiedergekehrt und hat hier gefunden, daß seine Untertanen, unsere Vorfahren, neue Städte gebaut, sich mit den Frauen des Landes verheiratet und Kinder und Enkel um sich geschart hatten und längst hier heimisch waren, so daß sie nicht mehr wollten mit ihm in die ferne alte Heimat ziehen. Und dieweil sie ihn nimmermehr als ihren Herrn und Gebieter anerkannten, so ist er allein wieder gegangen, indem er bei seinem Abschiede verkündet hat, er werde dermaleinst wiederkommen, entweder er selber oder ein anderer in seinem Namen, mit einem tapferen Kriegsvolk und mit gewaltiger Macht, um sich dies ganze Land dienstbar und gehorsam zu machen. Ihr wißt auch, daß wir ihn allezeit erwartet haben. Aus allem nun, was uns der fremde Feldherr, der hier vor uns steht, von seinem großmächtigen Kaiser berichtet, der ihn über das Große Meer her zu uns gesandt hat aus der Gegend, da die Sonne aufgeht und dahin der Fürst unserer Ahnen dereinst zurückgegangen ist, nach dem allem glaube ich und bin des sicher – und ihr müßt es ebenso glauben –, daß sein Kaiser der große Herr und Fürst ist, den wir alle erwarten, insonderheit da er uns sagen läßt, daß er schon immer von uns Kunde gehabt habe. Wenn unsere Ahnen das nicht erfüllt haben, was sie ihrem Herrn schuldig waren, so wollen wir es um so mehr tun und unseren Göttern Lob und Dank sagen, daß der so lange Erwartete in unseren Tagen erschienen ist. Indem ich euch an dies erinnere, bitte ich euch ernstlich, so wie ihr mir bisher als eurem Herrn den gebührlichen Gehorsam geleistet habt, nun fortan jenem großmächtigen und gewaltigen Kaiser willig und Untertan zu sein und ihm zu huldigen, dieweil er euer angestammter Herr und Gebieter ist. Diesen Feldherrn hier aber, seinen Statthalter, wollet fürderhin als euren Herrn ansehen und ehren, sowie ihm in allen Dingen dienen gleich wie mir. Ich selbst aber will ihm ebenso wie ihr gehorsam sein und alles tun und leisten, was er mir von Rechts wegen auferlegen wird. Wenn ihr eure Pflicht vor ihm erfüllt, wird dies immer auch zu meinem hohen Wohlgefallen sein.

Diese Rede hat Herr Montezuma unter gar vielen Tränen und Seufzern vorgebracht und alle seine Lehensherren und Würdenträger weinten mit ihm, so daß sie eine Weile verharrten, ehe sie ihm zu antworten vermochten. Und wahrlich, mein durchlauchtester Herr und Kaiser, es ist kein Hispanier zugegen gewesen, der bei diesen Worten nicht ein groß Mitleid verspürt hätte.

Endlich aber ermannten sie sich und erklärten, daß sie Eurer Kaiserlichen Majestät gehorsame Untertanen zu sein begehrten. Feierlich gelobten sie, alles zu verrichten ›was nach Allerhöchstdero Willen und Wunsch wäre. Sie seien immerdar bereit, von mir anbefohlene Dienste freudig zu tun und alles, was ich ihnen im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät auferlege, zu geben und zu leisten, wie bisher dem Könige ihres Landes.

Solches alles ist in Gegenwart vieler Hispanier durch meine Notarii aufgezeichnet und in rechtlicher Form zu Urkund genommen worden.

Mehrere Tage nach dieser Huldigung hatt ich eine Begegnung mit Herrn Montezuma, wobei ich ihm in Allerhöchstdero Namen anzeigte, daß ich zu gewissen von Eurer Kaiserlichen Majestät verordneten Werken etwas Gold bedürfe. Ich ersuchte ihn, er solle etlichen von seinen Leuten den Befehl erteilen, mir solches herbeizuschaffen. Ich wolle selbigen etliche Hispanier mitgeben. Auch möge er selbst aus seinem eigenen Reichtum etwas schicken, denn ich hätte die Absicht, Eurer Kaiserlichen Majestät Gold und andere Kostbarketten zu übersenden.

Sofort ließ er sich von mir etliche Hispanier stellen, die er zu zweien mit seinen Leuten an verschiedene Orte des Reiches abfertigte, um besagten Handel zu verrichten. Die Namen der Landschaften und Städte, dahin diese Boten abgingen, vermag ich nicht mehr anzugeben, da ich meine Schriften hierüber verloren habe. Alle diese Orte sind bis zu 80, ja bis zu 100 Meilen von der Hauptstadt und auch untereinander weit entfernt, überallhin gebot er, eine Summe Goldes zu leisten, die er benannte. Und dies ist also vollzogen worden.

Man brachte mir reichlich Gold, in Barren und Blechen, auch bearbeitetes Gold in allerlei Gestalt, so daß der fünfte Teil, den man Eurer Kaiserlichen Majestät schuldig ist, nachdem alles eingeschmolzen war, was dazu geeignet war, 32400 Kastilianer betrug, ungerechnet die Kostbarkeiten aus Gold und Silber, die Edelsteine, die Dinge aus Federwerk und die vielen anderen Wertsachen, die ich für Eure Kaiserliche Majestät bestimmte und aufbewahren ließ und die alles in allem über 100000 Dukaten wert waren. Manches darunter war so wunderbar und seltsam, daß man es gar nicht abschätzen kann. Auch glaube ich, gewisse Merkwürdigkeiten sind im Schatze keines Fürsten unserer Zeiten weder in Christen- noch in Heidenlanden zu finden. Denn Eure Kaiserliche Majestät möge mir glauben, so fabelhaft es sich wohl anhört, daß Herr Montezuma von allen Dingen, die es zu Wasser und zu Lande gibt, soweit sie ihm bekannt sind, getreue und vollkommene Abbilder besitzt, so wahrhaftig und kunstvoll aus Gold, Silber, Edelgestein und Federstickerei gefertigt, daß man sie für die Dinge selbst möcht anschauen. Derlei Sachen hat mir Herr Montezuma damals nicht wenig für Eure Kaiserliche Majestät zugestellt. Vieles ließ er auch nach meinen Angaben und Vorbildern aus Gold anfertigen, so Bildnisse des gekreuzigten Heilands, Halsketten, Denkmünzen und anderes mehr. Überdies ist noch gekommen auf Allerhöchstdero Teil aus Silber eine große Menge von Schalen, Schüsseln, Tellern, Löffeln und dergleichen.

Dazu hat mir Herr Montezuma gegeben viele kostbare Stoffe in den mannigfachsten Farben, wie sie sonst in der ganzen Welt nicht gemacht werden. Auch hat er mir geschenkt zwölf Zerbetanas. Eine Zerbetana aber ist ein langes hohles Rohr, auf der Jagd nach Vögeln zu gebrauchen. Man schießt daraus mit Hilfe des Atems Pfeile oder kleine bohnengroße Kugeln aus Kreide. Die Rohre waren mit trefflichen Bildern von Tieren, Vögeln, Bäumen und Blumen bunt bemalt. Visier und Korn sowie die breiten Beschläge an den Enden und in der Mitte daran aber aus Gold. Das Täschchen für die Kugeln war aus goldenen Fäden gestrickt. Kugeln dazu aus Gold hat mir Herr Montezuma verheißen.

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