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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das dreizehnte Kapitel

Eurer Kaiserlichen Majestät hab ich zu Anfang meines Berichtes gemeldet, daß ich in Verakruz 150 Hispanier zurückgelassen hatte. Als ich in Cholula war, da empfing ich einen Brief des Hauptmanns, der als mein Stellvertreter war zurückgeblieben, in dem er mir kundtat, daß Quauhpopoka, der Herr der Stadt Almeria, ihm durch einen Gesandten habe sagen lassen, er wolle Eurer Kaiserlichen Majestät Lehnsherr werden. Wenn er es bisher unterlassen habe, den schuldigen Gehorsam zu leisten und zu ihm zu kommen, so sei dies deshalb so geschehen, weil er dazu müsse durch Feindesland ziehen, und er befürchtet habe, ihm möchte unterwegs Übles angetan werden. Darum solle er ihm durch das feindliche Land zum Geleite vier Hispanier schicken. Mit diesen verhoffe er, sicher zu ihm zu gelangen. Mein Stellvertreter hat diesen Worten geglaubt und hat ihm vier Hispanier gesandt, da solches andernorts schon öfters geschehen war. Als nun die vier Hispanier bei Quauhpopoka waren, hat dieser den Befehl gegeben, sie unter einem Vorwande umzubringen. Also sind zwei wirklich umgebracht worden; die andern beiden aber sind verwundet über die Berge entronnen.

Als der Hauptmann (Juan von Escalante) solches gehört, ist er mit 50 hispanischen Fußknechten, seinen zwei Reitern, zwei Geschützen und 10 000 Indianern voll Zorn vor die Stadt Almeria gerückt. In einem Gefecht mit den Feinden sind sieben Hispanier gefallen, aber zu guter Letzt ist die Stadt erstürmt worden, wobei von ihren Bürgern viele umgekommen sind. Die übrigen sind verjagt und die Stadt ist verbrannt worden. Bei allem dem haben sich die indianischen Hilfstruppen, als die Feinde unserer Feinde, sehr nützlich gemacht. Quauhpopoka aber und etliche ihm verbündete Herren, die ihm den Verrat eingegeben hatten, retteten sich durch die Flucht. Durch Gefangene erfuhr der Hauptmann hinterher, daß Herr Montezuma seine Hand bei der Sache im Spiele gehabt habe. Er sei der Anstifter gewesen, daß die vier Hispanier nach Almeria waren gelockt worden.

Sechs Tage nach meinem Eintritt in die hochberühmte Stadt Temixtitan waren verflossen, in welcher Zeit ich etliche Merkwürdigkeiten der Stadt betrachtet habe, immerhin nur wenige gegen die vielen, die ich noch nicht gesehen hatte, da kam ich nach fleißigem Erwägen zu der Meinung, es wäre wohl ratsam und nützlich zur Mehrung der Macht Eurer Kaiserlichen Majestät, uns aber zu Schutz und Schirm, daß wir die Person des Herrn Montezuma in unsre Gewalt brächten und daß er nicht völlig ein freier Mann bliebe, um am Ende gar Allerhöchstdero Diensten untreu zu werden. Und sonderlich, dieweil wir Hispanier ungestüm und eigenwillig sind, war es nicht unmöglich, daß ihn dies eines Tages verdrießen und seinen Zorn wider uns erwecken konnte. Bei seiner großen Macht wäre es dann um uns geschehen gewesen. Wenn ich ihn aber in meinem Gewahrsam hatte, war es zu erwarten, daß sich sein ganzes Land Eurer Kaiserlichen Majestät leichter ergebe, wie dies dann auch wirklich geschehen ist. So beschloß ich also, ihn in meinem Quartier festzuhalten, das ich für hinlänglich sicher hielt.

Während ich noch mit mir selber beratschlagte, wie ich ihn gefangennehmen sollte, ohne daß dabei ein Aufruhr entstünde, da fiel mir wieder ein, was mir mein Stellvertreter in Verakruz über die im vorigen Kapitel vermeldeten Vorfälle in Almeria berichtet hatte, und daß Herr Montezuma die Ursache von alledem gewesen war.

Sofort stellte ich starke Posten in allen Straßen auf, die zum Schlosse des Herrn Montezuma führen. Dann bin ich, wie ich dies schon mehrfach gemacht, zu ihm gegangen und hab mich eine Weile kurzweilig mit ihm unterredet. Nachdem er mir etliche goldene Schmucksachen sowie eine seiner Töchter, ebenso meinen Begleitern Töchter von Edelleuten geschenkt hatte, hab ich angefangen, ihm die Ereignisse in Almeria des langen und breiten zu erzählen, sonderlich, daß man mir dort zwei meiner Hispanier ermordet hatte und daß Quauhpopoka eingestanden habe, dies wäre auf den Befehl des Herrn Montezuma geschehen und er hätte nicht anders handeln dürfen. Ich fügte hinzu, ich wäre zwar des Glaubens, daß dem nicht so sei, daß vielmehr Quauhpopoka dies nur ausgesagt habe, um sich herauszureden. Aber gerade deshalb erachte ich es für ratsam, daß Herr Montezuma den Quauhpopoka samt seinen Mitschuldigen vor sich fordere und ihn nach Gesetz und Billigkeit bestrafe. Eure Kaiserliche Majestät erkenne dann die gute Gesinnung des Herrn Montezuma und könne durch die Aussage jener Übeltäter nicht über ihn in Zorn geraten und ihm nicht Übles dafür antun lassen. Zuletzt versicherte ich ihm abermals, daß ich für meine Person des Gegenteils der Aussage Quauhpopokas sicher wäre.

Darauf berief Herr Montezuma etliche Würdenträger zu sich, händigte ihnen das Siegel aus edlem Gestein ein, das er am Arme trug, und entsandte sie nach der Stadt Almeria, die 60 bis 70 Meilen von Temixtitan liegt, um den Quauhpopoka und alle die zu holen, die am Mord an den beiden Hispaniern teilgehabt hatten. Falls sie nicht willig kommen wollten, sollten sie gefangen hergebracht werden. Wenn sie aber gar Widerstand leisteten, so sollte ein bestimmter Nachbarort Bewaffnete stellen, um sie mit Gewalt zu ergreifen. Kurzum, die Sendlinge sollten keinesfalls ohne die Übeltäter zurückkommen.

Die, denen also Befehl gegeben war, machten sich unverzüglich auf den Weg. Nach ihrem Abgang sagte ich Herrn Montezuma meinen Dank für seinen an den Tag gelegten Eifer, die Schuldigen zu fangen, dieweil ich Eurer Kaiserlichen Majestät Rechenschaft ablegen müsse über jeden Hispanier, der mit mir hierher geschifft und gelandet war. Solange aber der besagte Mord noch nicht gesühnt sei, und bis die Wahrheit an den Tag gekommen und Herr Montezuma aller Schuld ledig befunden wäre, so lange sei es vonnöten, daß er in meinem Quartier verbliebe. Ich bat ihn, er möge mir dies nicht übelnehmen, denn er solle bei mir nicht als Gefangener, sondern durchaus als freier Mann gehalten werden. Er dürfe in seinem Reiche nach Gefallen schalten und walten. Auch könne er in meinem Quartier wohnen, wo er wolle, selbst in den Gemächern, wo ich jetzt meine Wohnung hätte. Ich gab ihm mein Wort, daß ihm der Aufenthalt bei mir keinerlei Leid noch Last bringen solle. Er werde wie in seinem Hause leben. Außer seinem Hofstaat stehe ihm auch all mein Gesinde ganz nach seinem Belieben zu Diensten.

Darüber haben wir nun viele Worte gewechselt, aber alles das zu wiederholen, was zwischen uns hin und wider geredet worden ist, wäre zu weitläufig. Zu guter Letzt hat er sich willens erklärt, mit mir in mein Quartier zu gehen, und hat befohlen, ihm in meinem Palast etliche Zimmer herzurichten. Nachdem dies auf das beste geschehen, haben ihn viele Vornehme an die Arme genommen und ihn stumm und unter Tränen an eine schlichte Sänfte geführt, allesamt barfuß und mit Röcken, die sie aus Trauer zerrissen hatten. Also sind wir ohn alles Aufsehen in unser Quartier gekommen.

Als das Volk in der Folge unruhig zu werden anfing, hat Herr Montezuma den Befehl erlassen, es zu beruhigen. So ist die Stadt immerfort in Ruh und Frieden verblieben. Herr Montezuma aber ist bei mir wohl gehalten worden.

Fünfzehn bis zwanzig Tage, nachdem dies geschehen, sind die zurückgekehrt, die zu Quauhpopoka und seinem Anhang ausgesandt worden waren. Man brachte ihn samt einem seiner Söhne, dazu fünfzehn angebliche Edelleute, die beschuldigt waren, am Mord an den Hispaniern beteiligt zu sein. Den Quauhpopoka beförderte man in einer Sänfte wie einen Fürsten, der er ja auch war, und überantwortete ihn und seine Gesellen meiner Gewalt. Ich befahl, sie alle miteinander in einen Kerker zu stoßen und sie an den Händen und Füßen zu fesseln. Nachdem sie den Mord an den Hispaniern hatten eingestanden, Hab ich den Quauhpopoka befragt, ob er ein Untertan des Herrn Montezuma wäre, worauf er mir zur Antwort gab: Kann man Untertan sein eines andern Herrn? Sodann fragte ich die Mitschuldigen, ob die Mordtat auf Befehl des Quauhpopoka oder auf Geheiß des Herrn Montezuma geschehen wäre. Alle erklärten, es wäre auf Befehl ihres Herrn geschehen. Später aber, als das Urteil über sie ergangen und sie vor der Hinrichtung standen, haben sie allesamt einmütig erklärt, die beiden Hispanier wären auf Befehl des Herrn Montezuma umgebracht worden.

Also sind sie öffentlich auf einem freien Platze verbrannt worden, ohne daß Unruh oder Aufruhr im Volke entstand. Und am nämlichen Tage, dieweil die Hingerichteten bekannt hatten, daß Herr Montezuma der Anstifter am Mord an den Hispaniern war, hab ich den Befehl gegeben, auch ihm Fußketten anzulegen, worüber er sehr kleinmütig und niedergeschlagen ward. Ein paar Stunden später ließ ich ihm die Fesseln wieder abnehmen, nachdem ich lange mit ihm geredet hatte. Er war hocherfreut darüber und fortan in sein Schicksal ergeben.

Seitdem hab ich mich, soviel mir möglich, beflissen, ihm in allen Dingen gefällig zu sein. Allerorts in Stadt und Land gab ich bekannt, Eure Kaiserliche Majestät hätten in Gnaden geruht, daß Herr Montezuma wie vordem weiterherrsche, dieweil er Allerhöchstdero höhere Gewalt anerkenne. Jedermann aber im Reiche Mexiko diene Eurer Kaiserlichen Majestät, wenn er Herrn Montezuma treu und gehorsam bliebe wie vor meiner und der Hispanier Ankunft.

Ich hab ihn so gut und freundlich gehalten, und er war so zufrieden damit, daß ich es oftmals wagte, ihn zu bitten, er möge wieder in seinen eigenen Palast ziehen, aber immer gab er mir zur Antwort, er bliebe lieber bei mir, wo es ihm an nichts fehle. Denn wenn er wieder in seinem eigenen Schlosse wohne, so wäre es leicht möglich, daß ihm die Vornehmen des Landes zusetzten und ihn beredeten, etwas wider seinen Willen zu Eurer Kaiserlichen Majestät Schaden und Nachteil zu tun. Es sei aber sein Wille, Allerhöchstdero treuer Diener zu sein. Solches habe er seinen Untertanen kundgetan und ihnen gesagt, daß es ihm hier wohlergehe. Wenn jene etwas Unbilliges von ihm fordern möchten, so könne er ihnen hier immer entgegenhalten, daß er nicht Herr seiner selbst und seiner alten Gewalt sei.

Manchmal bat er mich, ich solle ihm vergönnen, ausgehen zu dürfen, was ich ihm bis zwei Meilen im Umkreise der Stadt nie hab abgeschlagen. Also ist er zuzeiten nach seinen Lustschlössern gereist und hat sich da bestens vergnügt. Sooft er wiederkam, war er lustig und guter Dinge. Bei diesen Ausgängen schenkte er seinen Untertanen wie auch den Hispaniern, die ihn begleiteten, kostbare Kleider und Edelsteine. Seinen Hofleuten und Würdenträgern gab er prächtige Gastmähler und Feste. Seinem Zuge durch das Land folgten oft an 3000 Menschen.

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