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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das elfte Kapitel

Am anderen Tage marschierte ich zwei Meilen weiter nach Amaquemekan, einer der größten Städte der Grafschaft Chalko. Samt den Dörfern und Höfen ringsum hat der Ort über 20000 Einwohner. Hier wurden wir in einigen Häusern, die dem Herrn der Stadt gehörten, auf das beste beherbergt und wohlbewirtet. Es kam eine Anzahl sichtlich vornehmer Personen zu mir, um mich gleichsam einzuholen. Herr Montezuma, sagten sie, habe sie gesandt, um mich hierselbst zu erwarten und uns mit allem zu versehen, was wir bedürften. Der Herr der Stadt schenkte mir 3000 Pfund Gold und 40 Sklavinnen.

Nachdem wir einen Tag dort verweilt, wobei wir an allem Überfluß hatten, kamen am zweiten Tage etliche Edelleute des Herrn Montezuma zu mir und taten mir kund, daß ihr König mich erwarte. Sofort brach ich auf und erreichte noch in selbiger Nacht eine kleine Stadt (Ajotzinko), vier Meilen von da, die am See von Chalko liegt und zur Hälfte in das Wasser hineingebaut ist. An der Seite des Landes ragt ein gar steiler Berg.

Auch hier hatte man im Sinn, uns Schaden zu tun, wiewohl man uns reichlich bewirtete. Da ich aber gut auf der Hut war, gewann die Sache nicht den Ausgang, den die Leute verhofften. Sie wollten uns nächtlicherweile überfallen, aber ich hab Tag und Nacht an allen nötigen Orten fleißig Wachen aufgestellt, und so gelang es uns, von ihren Posten, die teils auf Zillen im See, teils am Hange des Berges auf eine Gelegenheit wider uns lauerten, zwanzig zu erlegen, die dann in der Frühe tot gefunden wurden. Als sie meine Bereitschaft erkannten, änderten sie ihr Vorhaben. Nunmehr betrugen sie sich als unsere Freunde. ,

Am Morgen, als ich dabei war, aufzubrechen, kamen zu mir zwölf von den Vornehmsten (wie ich hernach habe vernommen), darunter ein junger Herr von etwa 25 Jahren, dem die anderen die höchste Ehrfurcht zollten. Es war Kakama, der Fürst von Tezkuko, ein Neffe des Herrn Montezuma. Als er aus seiner Sänfte stieg, gingen alle anderen vor ihm her und räumten Steine und Unrat aus seinem Wege. Als sie vor mich kamen, vermeldeten sie mir, Herr Montezuma habe sie gesandt, damit sie mich zu ihm hin geleiten sollten. Ich möge es ihm nicht übelnehmen, daß er mir nicht persönlich entgegenzöge, denn er sei krank und seine Stadt nicht mehr weit. Und da ich dabei wäre, zu ihm zu kommen, so könnten wir ja alsbald einander aussprechen. Dann werde ich auch erkennen, wie er Eurer Kaiserlichen Majestät wohlgesinnt wäre. Nichtsdestoweniger aber baten mich die Gesandten, wenn es möglich sei, nicht weiter zu marschieren, um viel Mühsal und Not zu vermeiden.

Dies alles sagten sie mir in einer langen Rede, mit so viel Ernst, daß es am Ende nichts andres war als eine offene Drohung, mir Widerstand zu leisten, wenn ich weiterzöge. Ich aber habe ihnen freundlich geantwortet und ihnen mit so glimpflichen Worten, als mir möglich, dargelegt, daß dem Lande durch meine Ankunft kein Schaden entstünde, sondern nur Nutzen. Nachdem ich sie mit Kostbarkeiten aus Hispanien beschenkt hatte, entließ ich sie. Und sofort, nachdem sie abgezogen waren, setzte ich meinen Marsch fort, begleitet von einer Schar vornehmer Leute des Landes.

Unser Weg ging hin am Gestade des großen Süßwassersees. Eine Meile weg von unserem letzten Nachtquartier sah ich auf einer Insel im See unweit des Landes eine kleine Stadt (Mizkiz). Sie hatte etwa 2000 Häuser und war wohlversehen mit Türmen. Zu Land gab es keinen Weg dahin. Wieder eine Meile weiter kamen wir an einen Steindamm, der so breit war, wie eine spanische Reiterlanze lang ist. Er lief zwischen dem See von Chalko und dem See von Xochimilko hin. Auf selbigem zogen wir eine Stunde Wegs dahin und gelangten zu einer Stadt, Kuttlahuak geheißen, wie ich bisher hierzulande eine schönere noch nie gesehen hatte, wenngleich sie nicht groß war. Die Häuser daselbst waren sehr schmuck, und besonders verwunderte uns ihr Bau, denn der Grund aller Hauser lag tief im Wasser. Hier ward uns ein guter Empfang. Die Bürger bewirteten uns auf das beste. Der Herr der Stadt und die Vornehmsten machten mir einen Besuch und boten mir ihre Paläste zum Quartier an. Aber die Leute des Herrn Montezuma, die in meinem Gefolge waren, rieten mir, nicht dort zu rasten, sondern in einer anderen Stadt namens Iztapalapan, die drei Meilen weiter läge und dem Bruder des Herrn Montezuma gehöre.

Also zogen wir nach dem Mittagsmahle weiter, den Steindamm hin, eine Meile weit bis zum festen Lande. Unterwegs, vor Iztapalapan, kam uns der Herr dieser Stadt entgegen, zugleich auch der aus einer Nachbarstadt namens Kolhuakan, drei Meilen gen Süden davon, dazu viele andere Edelleute und Würdenträger, die mich hier hatten erwartet. Sie schenkten mir für 4000 Kastilianer Gold, etliche Sklavinnen und eine Menge Stoffe.

In Iztapalapan gewährte man mir gar freundliche Aufnahme. Die Stadt liegt an dem großen Salzsee und hat an die 15000 Häuser, die zumeist im See erbaut sind, nur etliche auf dem Lande. Der Herr der Stadt hat mehrere große Paläste, die aber noch nicht alle ausgebaut sind. Größere und prächtigere findet man nicht in Hispanien. Insbesondre haben sie wunderbare Lustgärten mit allerlei Bäumen und duftenden Blumen, auch Vogelhäuser und Weiher mit Fischen, auf das allerbeste erbaut, mit steinernen Treppen bis in den Grund hinab. An einem der besagten Schlösser befindet sich ein weiter Park, darin ein schmuckes Sommerhaus mit vielen Prunksälen und langen Hallen. Davor ist ein großer Weiher mit süßem Wasser, viereckig angelegt und mit geglätteten Steinen ausgemauert. Um ihn herum geht ein Wandelhaus, gar schön mit Ziegelsteinen gepflastert und so breit, daß vier Personen darin bequem nebeneinander spazieren können. Jede Seite des Weihers ist 400 Fuß lang und der ganze Umkreis 1600 Fuß. Nach dem Garten führt eine Wasserleitung mit Röhren. Dort stehen mancherlei Bäume und wohlriechende Sträucher. Im Weiher aber sieht man schwimmen allerlei Arten Fische und darauf Vögel, die beinahe das ganze Wasser bedecken.

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