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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 12
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das neunte Kapitel

Am anderen Tage sind uns die Herren und viele Bürger von Cholula unter dem Schall von Trommeln und Trompeten entgegengezogen, mich zu empfangen. Sie waren begleitet von einer Schar Priester in Weihgewändern bei Gesang und Musik. Auf so feierliche Weise geleitete man uns durch das Haupttor der Stadt. Zum Quartier bekamen wir eine der Moscheen der Stadt, mit einem Hof und stattlichen Nebenhäusern, wo ich samt allen meinen Leuten wohl untergebracht war. Auch Lebensmittel wurden uns auf unseren Wunsch gebracht, doch nicht gar viel.

In der Stadt waren etliche Gesandte des Herrn Montezuma, die sich aber nur besprachen mit den anderen Boten der Mexikaner, die bereits in meinem Gefolge waren. Mir sagten sie nichts, als daß sie gekommen wären, um zu erfahren, was ich mit den anderen hätte verhandelt und verabredet. Dies sollten sie ihrem Herrn vermelden. Nachdem sie mir solches kundgetan, sind sie wieder abgezogen. Einer, und zwar der Vornehmste der schon früher Gekommenen, ging mit ihnen von dannen.

An den nächsten drei Tagen hat man uns immer weniger Lebensmittel gebracht und, je länger wir da waren, immer spärlicher. Auch ließen sich die Herren der Stadt kaum noch bei mir sehen. Dies beunruhigte mich. Da meldete mir meine Dolmetscherin (Doña Marina), eine Indianerin vom Tabaskoflusse, daß sie durch eine Tlaskalanerin habe erfahren, unweit vor der Stadt stünde eine große Streitmacht des Herrn Montezuma; die Cholulaner aber brächten ihre Weiber, Kinder und alle Habe aus der Stadt hinaus, dieweil sie die Absicht hätten, uns anzugreifen und umzubringen. Die Tlaskalanerin habe ihr weiter gesagt: wenn sie sich retten wolle, so solle sie mit ihr gehen. Sie wolle ihr beistehen.

Sofort gab ich den Befehl, mir einen Einheimischen, der just vorüberging, ohne Aufsehen zu fangen. Er ward in ein Gewahrsam gebracht, wo ich ihn durch den Dolmetsch Aguilar vernahm. Er entdeckte mir das nämliche, was die Tlaskalanerin meiner Dolmetscherin hatte anvertraut.

In der Meinung, es wäre besser, ich käme ihnen zuvor, denn daß sie mir zuvorkämen, forderte ich die Herren der Stadt samt und sonders zu mir. Ich hätte mit ihnen zu sprechen. Sie kamen, und ich ließ sie alle in einen großen Saal führen. Zuvor hatte ich Befehl gegeben, daß mein Kriegsvolk in Wehr und Waffen bereitstehe. Auf ein bestimmtes Zeichen von mir sollten sie in die feindlichen Scharen fallen, die sich vor unserem Quartier und in dessen Hofe hatten angesammelt.

Und so geschah es. Nachdem ich die Herren, die im Saale versammelt waren, darin hatte einsperren lassen, bin ich zu Roß gestiegen und hab angeordnet, einen Büchsenschuß abzugeben. Binnen zweier Stunden sind alsdann 3000 Bürger erlegt worden. Daß sie sich arg wider uns gerüstet hatten, ersieht Eure Kaiserliche Majestät allein daraus, daß sie, noch ehe ich mit meinem Kriegsvolk aus unserem Quartier hervorbrach, bereits alle Gassen verlegt und ringsum Aufstellung genommen hatten. Da wir aber unseren Ausfall ganz unversehens machten, haben wir sie trotz alledem ohne Mühe überrannt, wobei es uns zustatten kam, daß ihnen ihre Herren und Führer fehlten, die ich im Saal gefangen hielt.

Ich ließ auch Feuer werfen in etliche Türme und feste Häuser, während der Kampf von Gasse zu Gasse weiterging. Unterdessen verblieb in unserem Quartier eine starke Besatzung. Auf diese Weise hab ich in fünf Stunden alles Volk aus der Stadt vertrieben, unter dem Beistand von 4000 Tlaskalanern und 400 Indianern aus Cempoalla.

Wie ich nun zurück in das Quartier kam, hab ich die Herren der Stadt, die ich gefangen hatte, angesprochen und sie gefragt, warum sie mich hätten durch Aufruhr und Verrat umbringen wollen. Sie gaben mir zur Antwort, sie wären nicht daran schuld, sondern die Edelleute des Herrn Montezuma. Die hätten sie dazu beredet. Auch habe Herr Montezuma anderthalb Meile vor der Stadt 50000 gewappnete Mann stehen, um den Anschlag zu vollenden. Sie selbst aber sähen jetzt ein, daß sie betrogen worden wären. Und sie baten mich, ich solle einen oder zwei von ihnen freigeben, wobei sie gelobten, das Volk, das ich aus der Stadt getrieben, wieder zurückzubringen samt den Weibern und Kindern und aller Habe. Demütiglich flehten sie, ich solle ihnen gnädig sein. Sie wollten sich fortan von niemandem wieder abtrünnig machen lassen und Eurer Kaiserlichen Majestät wahre und treue Untertanen, mir aber gute Freunde sein und bleiben.

Nachdem ich ihnen ihre Missetat und Hinterlist vorgehalten und sie ob ihrer Treulosigkeit hart angefahren hatte, hab ich zwei von ihnen freigegeben. Am anderen Tage aber war die Stadt wiederum bewohnt und das Volk so friedsam, als hätte sich nie etwas zugetragen. Darauf ließ ich auch die anderen Herren frei, nachdem sie mir gelobt, Allerhöchstdero ewige Diener zu sein.

Die folgende Zeit, in den zwanzig Tagen, die wir daselbst verweilten, war die Stadt völlig in Ruh und Frieden. Die Märkte und Geschäfte fanden statt wie zuvor. Ich brachte es auch zuweg, daß die Cholulaner und die Tlaskalaner einen Bund miteinander schlossen. Sie waren ehedem Freunde gewesen, aber vor etlichen Jahren hatte Herr Montezuma Unfrieden zwischen ihnen angerichtet.

Die Stadt Cholula, auf einer Ebene gelegen, hat innerhalb ihrer Ringmauer 20000 Häuser und ebensoviel in den Vorstädten. Die Cholulaner sind selbständig und niemandem unterworfen. Sie haben keinen Einzelfürsten und Machthaber, sondern ein Regiment ähnlich wie die Tlaskalaner. Im Vergleich mit diesen sind sie aber mehr gesittet, was man schon an ihrer Tracht ersieht. Ihr Land ist überaus fruchtbar, denn es ist weithin eben und wohl bewässert. Von der hohen Plattform der großen Moschee hab ich über 400 andere Tempel und Türme gezählt. Von allen Gegenden des Neuen Landes, soweit ich es bisher habe gesehen, ist diese am meisten geeignet, daß man darinnen nach hispanischer Lebensart wohnen könnte, dieweil es hier überall gut Wasser und Viehweiden gibt. Das Volk ist so zahlreich, daß man keinen Zoll Landes antrifft, der nicht bebaut oder bewohnt wäre. Dennoch ist an vielen Orten Mangel an Brot, und man sieht viele arme Leute, die vor den Häusern und Tempeln, auf den Gassen und Plätzen betteln, ganz so wie dies Gewohnheit in Hispanien und allen anderen gesitteten Ländern ist.

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