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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 10
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das siebente Kapitel

Am folgenden Tage um zehn Uhr ist Xikotenkatl, der General des Landes, zu mir gekommen mit fünfzig Würdenträgern. Er bat mich im Namen von Herrn Maxixka, einem der (vier) Landesfürsten, ich möge ihnen ihre Untaten gnädiglich verzeihen und sie in Eurer Kaiserlichen Majestät Dienst und Freundschaft gütigst aufnehmen. Ehedem hätten sie nicht gewußt, wer wir wären, ja noch nie etwas von uns vernommen. Sie seien aber immerdar eifrig darauf bedacht gewesen, niemandem dienstbar zu werden. Also wäre ihr Land von uralters her frei. Niemals hätten sie einem fremden Herrscher gehorcht, selbst nicht Herrn Montezuma, dem doch sonst alle Länder untertänig wären, und ebensowenig seinem Vater und seinen Ahnen. Ihr Gebiet wäre rings von Feindesland umschlossen und hätte nirgends einen Ausgang zum Meere. Sie äßen kein Salz, weil sich in ihrem Lande keins fände und man ihnen von außerhalbher keins zulasse. Auch hätten sie keine baumwollenen Stoffe, dieweil Baumwolle nicht bei ihnen gedeihe wegen der strengen Kälte. Und noch andere nötige Dinge entbehrten sie in ihrer Abgeschlossenheit. Aber all das litten sie geduldig, wenn sie nur ihre Freiheit bewahrten. Die Leidenschaft für ihre Freiheit, die allein wäre es, weshalb sie gegen uns aller Art Widerstand versucht hätten. Wider mich jedoch sei ihre Kraft zu schwach. Und so wollten sie lieber in Eurer Kaiserlichen Majestät ihren Herrn und Gebieter anerkennen, als daß weiterhin ihre Häuser zerstört, ihre Weiber und Kinder hinweggeschleppt und sie selber elendiglich totgeschlagen werden sollten.

Darauf gab ich ihnen zur Antwort, sie sähen, daß sie an ihrem Schaden selber schuld seien. Ich wäre in ihr Land gekommen, im Glauben, gute Freunde zu finden, dieweil mir die Cempoallaner erklärt hätten, die Tlaskalaner wären friedsame Menschen und begehrten, solche zu bleiben. Deshalb hätte ich Boten im voraus zu ihnen gesandt, ihnen meine Ankunft kundgetan und sie wissen lassen, daß ich ihre Freundschaft erwarte. Sie aber hätten mich keiner Antwort gewürdigt, und während ich ohne Arg meinen Weg gezogen, hätten sie mich unversehens überfallen, zwei meiner Rosse getötet und etliche meiner Reiter verwundet. Und dann, nach dem Gefechte, hätten sie Gesandte zu mir geschickt, mit der Angabe, alles, was da vorgefallen, wäre wider ihren Willen und ohne ihr Vorwissen geschehen. An dies und an alles andere, was sie gegen mich getan, Hab ich sie also erinnert. Nun aber sind sie Eurer Kaiserlichen Majestät gehorsame Untertanen, und ich bin dessen gewiß, daß sie es immerdar bleiben.

Sechs Tage verharrte ich weiter in meinem Lager, dieweil ich den Leuten des Landes noch nicht recht traute. Ich wollte nicht weitermarschieren, wiewohl sie mich ernstlich darum baten, in ihre Hauptstadt zu kommen, wo alle Fürsten und Edelleute ihres Landes wohnten und versammelt seien. Schließlich aber sind besagte Herren selber bei mir erschienen und haben mich gebeten, in ihre Stadt zu ziehen, denn daselbst könnte ich viel leichter alles haben, wessen ich bedürfe. Da ich jetzt ihr Freund wäre, sei es ihnen mißlich, mich so übel beherbergt zu sehen.

Durch solche Bitten bewogen, hab ich den Marsch nach ihrer Hauptstadt Tlaskala fortgesetzt, die 6 Meilen vom Orte unseres Lagers entfernt war. Diese Stadt ist so groß und wunderbar, daß man mir kaum glauben wird, wenn ich auch nur ganz wenig davon erzähle. Tlaskala hat nämlich einen noch weiteren Umkreis als die Stadt Granada, ist auch stärker befestigt, reicher an Volk und noch prächtiger erbaut als Granada zur Zeit, da es den Arabern von uns ist abgerungen worden. Zudem ist Tlaskala viel mehr versorgt mit den Dingen, die im Lande wachsen und gedeihen, so an Brot, Vögeln, Wildbret, Fluß- und Teichfischen, Gemüse und anderen trefflichen Eßwaren. Es gibt daselbst einen großen Markt, wo täglich über 30000 Menschen zusammenkommen, die da kaufen und verkaufen. Daneben findet man noch kleinere Märkte in den verschiedenen Stadtvierteln, wo man allerlei Art von Stoffen feilhält, Kleinodien aus Gold, Silber und Edelsteinen, vor allem aber feine Federstickereien, wie man sie in der ganzen Welt zierlicher und feiner nicht kann finden. Tongeschirr gibt es dort so gut wie in Hispanien, ebenso eßbare Kräuter und Arzneipflanzen, Holz und Kohlen, alles in beträchtlichen Mengen. Auch Barbierstuben sind vorhanden und Bäder. Es gibt eine Polizei, und überhaupt hält man in allen Dingen gute Ordnung. Kurzum, es ist dies ein vernünftig und artig Volk.

Das Land Tlaskala hat Täler und Ebenen, diese wohl bebaut und bestellt, ohne Brachland. Die Landesgrenze hat einen Umfang von mehr denn 90 Meilen. Soviel ich in Erfahrung gebracht, ist das Regiment ähnlich dem in den Freistaaten Venedig, Genua und Pisa, denn die Tlaskalaner haben keinen König, vielmehr eine Art Hohen Rat von mehreren (vier) Fürsten, die allesamt in der Hauptstadt ihren Sitz haben. Die Bewohner des Landes sind Bauern. Jeder hat sein Gut, manche ihrer mehrere. Zu wichtigen Händeln und wenn Krieg droht, kommen die Fürsten zusammen, um zu beratschlagen und Entschlüsse zu fassen. Ich bin der Meinung, daß es im Lande Tlaskala feste Gesetze und Gerichtshöfe gibt, damit das Böse bestraft werde. Denn ein Tlaskalaner hatte einem Hispanier etwas Gold entwendet. Das zeigte ich dem Fürsten Maxixka an, dem Vornehmsten ihrer Herrscher. Sofort hat man dem Dieb mit allem Fleiß nachgestellt und ihn bis in eine Nachbarstadt verfolgt. Dort ergriff man den Übeltäter, überantwortete ihn mir samt dem gestohlenen Golde und erklärte mir, ich solle ihn strafen. Ich dankte den Herren ob ihres Eifers, sagte ihnen aber, dieweil es in ihrem Lande geschehen wäre, so sollten sie den Mann nach ihrem Landesbrauch bestrafen. Ich wolle mich in ihrem Lande nicht der Gerechtsame unterfangen. Nun nahmen sie den Mann und führten ihn nach dem großen Markt, wobei ein Henkersknecht voranging, der das Vergehen des Verurteilten mit lauter Stimme allem Volk verkündete. Auf dem Richtplatz angekommen, ist der Übeltäter auf eine Art Bühne gebracht worden, auf die auch der Henkersknecht ist gestiegen, um abermals die Missetat auszurufen. Sodann hat man den Mann mit einem großen Holzhammer so lange auf den Kopf geschlagen, bis er vor jedermann den Geist aufgab. Im Kerker saßen übrigens viele, wie man mir sagte, wegen begangenen Diebstahls und anderer Missetaten.

Das Land Tlaskala hat 500000 Bewohner, eingerechnet ein kleines Nebengebiet, Huexozinko genannt.

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