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Die drei von Cordova

Edgar Wallace: Die drei von Cordova - Kapitel 22
Quellenangabe
pfad/wallacee/3cordova/3cordova.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleDie drei von Cordova
publisherWilhelm Goldmann Verlag
printrun13. Auflage
translatorRavi Ravendro
editorFriedrich A. Hofschuster
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
isbn3442001609
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21

»Wohin fahren wir denn?« fragte Sir Isaac schwach.

»Nach Portsmouth«, brummte Black. »Dort werden wir ein paar Freunde treffen.«

Er grinste im Dunkeln. Dann beugte er sich vor und gab dem Chauffeur mit leiser Stimme Instruktionen.

Der Wagen schoß vorwärts; einige Minuten später hatten sie den Hammersmith Broadway überquert und fuhren in schnellem Tempo auf Barnes zu.

Kaum waren sie aus dem großen Verkehr heraus, als plötzlich ein großer, langer Sportwagen den belebten Platz kreuzte und sich mit äußerster Geschicklichkeit zwischen den zahlreichen Wagen durchwand. Der Chauffeur kümmerte sich nicht im mindesten um die Schimpfereien seiner Kollegen, sondern fuhr unbeirrt Blacks Auto nach.

Der erste Wagen hatte Kingston bereits hinter sich und befand sich auf der Straße nach Sandown, als Black den Wagen hinter sich hörte. Er wandte sich um und erwartete, seinen Begleitwagen zu sehen, aber der hatte wegen einer Reifenpanne einen Aufenthalt in Putney Heath gehabt. Black fühlte sich unbehaglich, obwohl es doch schließlich nicht ungewöhnlich war, daß auch noch andere Wagen um diese Stunde auf der großen Chaussee nach Portsmouth fuhren.

Er erkannte auch an dem Geräusch des Motors, daß dieser Rennwagen ihn überholen würde.

»Wenn die Straße etwas breiter wird, wollen wir den Wagen vorbeilassen«, sagte er zu dem Chauffeur.

Aber das Auto hinter ihnen schien nicht die Absicht zu haben, sie zu überholen, bis sie Sandown und Cobham passiert hatten und schon die Lichter von Guildford zu sehen waren.

An einer einsamen Stelle, nicht mehr weit von der Stadt entfernt, holte der Sportwagen dann ohne sichtliche Anstrengung auf, war gleich darauf neben ihnen, fuhr direkt vor ihr Auto und verlangsamte dann sein Tempo. Blacks Chauffeur war gezwungen, diesem Beispiel zu folgen.

Der Oberst beobachtete dieses Manöver mit wachsender Besorgnis. Langsamer und langsamer fuhr der Sportwagen; schließlich stellte er sich quer und hielt mitten auf der Straße. Es war unmöglich, an ihm vorbeizukommen.

Blacks Chauffeur brachte das Auto mit einem Ruck zum Stehen.

Im Licht ihrer Scheinwerfer sahen sie, daß zwei Männer aus dem Wagen vor ihnen ausstiegen und anscheinend ein Rad flüchtig untersuchten. Dann ging der eine langsam zurück, bis er zu ihnen kam.

»Entschuldigen Sie – ich glaube, Sie sind mir bekannt.«

Eine Taschenlampe beleuchtete plötzlich Blacks Gesicht, und in dem grellen Licht sah der Oberst die Mündung eines Revolvers auf sich gerichtet.

»Steigen Sie aus, Mr. Black – Sie und Ihr Begleiter«, sagte der Unbekannte ruhig.

In dem hellen Licht, das ihn überstrahlte, konnte Black nichts machen. Ohne ein Wort verließ er den Wagen; Tramber folgte.

»Gehen Sie voran«, befahl der Mann mit dem Revolver.

Die beiden gehorchten. Ein neuer Lichtkegel traf sie. Der Führer des ersten Wagens erhob sich. Auch er hatte eine Taschenlampe und einen Revolver in der Hand. Er wies sie kurz an, in das Auto zu steigen. Der erste Mann ging noch einmal zurück, um Blacks Chauffeur Anweisungen zu geben, dann stieg er in den Sportwagen und setzte sich zwischen seine beiden Gefangenen.

»Legen Sie Ihre Hände auf die Knie.«

Er kontrollierte mit seiner Taschenlampe, ob sie seiner Aufforderung nachkamen.

Black legte zögernd seine behandschuhten Hände auf den Schoß. Sir Isaac folgte seinem Beispiel, halbtot vor Angst.

Ihr Wächter konzentrierte das Licht seiner Lampe auf ihre Hände und bewachte sie scharf, während sein Gefährte in schärfstem Tempo weiterfuhr.

Sie bogen von der Hauptchaussee ab und kamen auf eine kleinere Landstraße, die Black nicht kannte. Sie machte viele Biegungen und schien mitten in freies Land zu führen. Nach zehn Minuten hielt der Wagen.

»Steigen Sie aus!«

Weder Black noch Tramber hatten während der Fahrt ein Wort gesprochen.

»Was soll das bedeuten?« fragte der Oberst jetzt.

»Steigen Sie aus!«

Mit einem Fluch stieg Black aus dem Wagen.

Zwei andere Männer warteten hier auf sie.

»Das soll wahrscheinlich wieder eine Posse der ›Vier Gerechten‹ sein«, sagte Black höhnisch.

»Das werden Sie ja gleich sehen«, erwiderte einer der Wartenden.

Black und Tramber wurden auf einem langen, unebenen Pfad über einen Sturzacker und durch ein kleines Gehölz geführt, bis im Dunkel der Nacht plötzlich ein kleines Gebäude vor ihnen auftauchte.

Es war nicht erleuchtet, und Black hatte den Eindruck, daß es eine Kapelle sein müsse. Aber er hatte nicht viel Zeit, sich den Kopf darüber zu zerbrechen. Er hörte, wie Sir Isaac hinter ihm herkeuchte. Dann wurde das Tor aufgeschlossen.

Die Hand, die ihn bisher am Arm gehalten hatte, löste sich.

»Bleiben Sie hier stehen.«

Black wartete. Eine entsetzliche Furcht vor dem, was kommen würde, hatte ihn gepackt.

»Gehen Sie jetzt vorwärts«, befahl eine Stimme.

Black ging zwei Schritte weiter, und plötzlich war der große Raum, in dem er jetzt stand, von mehreren Lampen taghell erleuchtet. Er beschattete seine Augen mit der Hand, um sie vor der blendenden Helle zu schützen.

Ein ungewöhnlicher Anblick bot sich ihm. Er befand sich in einer früheren Kapelle; er sah die bunten Glasfenster und an der Stirnwand des Raumes eine niedrige, mit schwarzem Stoff drapierte Plattform, die von einer Mauer bis zur anderen reichte.

Drei Tische standen darauf. Das Ganze erinnerte ihn an einen Gerichtshof. Der Hintergrund war mit purpurrotem Stoff verhängt, von dem sich die schwarzen Tische scharf abhoben.

Drei Männer, die Masken trugen, saßen hinter den Tischen. In der Krawatte des mittleren blitzte eine Brillantnadel in dem Licht der elektrischen Lampen auf, die von der Decke herabhingen.

Der vierte stand zur Rechten der Gefangenen.

Black überschaute dies alles mit einem raschen Blick. Hinter den Sitzen der drei Männer entdeckte er eine Tür, die sie wahrscheinlich als Ein- und Ausgang benützten. Außer dieser Tür sowie der, durch die er hereingekommen war, konnte er keine Möglichkeit zur Flucht entdecken.

Der mittlere der drei sprach ihn jetzt mit harter, unheilkündender Stimme an.

»Morris Black«, sagte er feierlich, »was geschah mit Fanks?«

Black zuckte die Schultern und sah sich um, als ob er diese Frage unmöglich beantworten könnte.

»Was geschah mit Jakobs, mit Coleman und einem Dutzend anderer Menschen, die Ihnen im Weg standen und plötzlich starben?«

Black schwieg immer noch; er überdachte die Lage. Hinter ihm war die Tür, und er hatte vorher bemerkt, daß der Schlüssel steckte. Er wußte jetzt, daß er sich in einer alten normannischen Kapelle befand, die diese Leute offenbar für ihre Zwecke hatten herrichten lassen.

»Isaac Tramber«, sagte jetzt der erste der drei, »welche Rolle haben Sie bei dem allen gespielt?«

»Ich weiß von nichts«, stammelte der Baronet. »Mir ist sowenig etwas bekannt wie Ihnen. Ich glaube, die Börsenspekulationen waren nicht ganz korrekt. Ich will Ihnen aber gern antworten, wenn ich Ihnen irgend etwas anderes sagen kann, denn ich möchte mit reinen Händen aus dieser Affäre herauskommen.«

Tramber machte einen Schritt vorwärts. Black streckte den Arm aus, um ihn zurückzuziehen, er wurde aber von dem Mann an seiner Seite daran gehindert.

»Treten Sie näher«, sagte der erste.

Sir Isaac ging mit wankenden Knien über den glatten Steinfußboden.

»Ich will alles tun, was in meinen Kräften steht«, sagte er eifrig, als er wie ein reumütiger Schuljunge vor seinen Richtern stand. »Ich freue mich, wenn ich Ihnen irgendeine Mitteilung machen kann.«

»Halt!« schrie Black mit wutverzerrtem Gesicht. »Sie wissen nicht, was Sie tun, Ikey! Schweigen Sie, und halten Sie zu mir, dann wird Ihnen nichts geschehen!«

»Ich weiß nur eines«, fuhr Sir Isaac mit zitternder Stimme fort. »Black hatte einen Streit mit Fanks –«

Er hatte diese Worte kaum ausgesprochen, als in schneller Reihenfolge plötzlich drei Schüsse krachten. Die vier hatten nicht den Versuch gemacht, Black zu entwaffnen. Mit blitzartiger Geschwindigkeit hatte er seine Pistole gezogen und auf den Verräter geschossen.

Im nächsten Augenblick war er an der Tür, drehte den Schlüssel um und eilte hinaus.

»Schieß – schieß, Manfred«, rief jemand vom Podest herab.

Aber es war zu spät – Black war in der Dunkelheit verschwunden.

Als drei der vier hinter ihm hereilten, standen sie einen Augenblick als dunkle Schatten gegen die helle Öffnung des Tores.

Wieder ertönten zwei Schüsse. Eins der Geschosse traf die Türleibung, und feiner Staub und Steinsplitter flogen umher.

»Dreht das Licht aus und kommt mit!« rief Manfred schnell.

Aber Black hatte einen beträchtlichen Vorsprung, und Angst und Aufregung verliehen ihm fast übernatürliche Kräfte. Sein Instinkt führte ihn untrüglich den richtigen Weg über das Feld. Er erreichte die kleine Straße, eilte nach links und fand den grauen Sportwagen, den niemand beaufsichtigte.

Er sprang auf den Führersitz, und nach einigen Anstrengungen gelang es ihm zu wenden. Der Wagen bewegte sich vorwärts, neigte sich jedoch gleichzeitig zur Seite in einen kleinen Graben; trotzdem brachte Black es schließlich fertig, den Fahrdamm zu gewinnen.

*

»Es hat keinen Zweck«, sagte Manfred, als er das rote Schlußlicht verschwinden sah. »Wir wollen wieder zurückgehen.«

Er hatte seine Maske abgenommen.

Sie eilten zur Kapelle zurück, Sir Isaac Tramber war tot. Die Kugel war ihm in die linke Seite gedrungen und durchs Herz gegangen.

Aber sie sahen nicht nach ihm. Ihr Sprecher lag bewegungslos in einer Blutlache auf dem Boden.

»Sehen sie einmal nach der Wunde«, sagte er, »und wenn sie nicht zu schwer ist, nehmen Sie meine Maske nicht ab.«

Poiccart und Gonsalez untersuchte die Verletzung rasch.

»Es sieht ziemlich ernst aus.«

In diesem kurzen Satz faßten sie ihr Urteil zusammen.

»Das dachte ich mir«, erwiderte der Verwundete gelassen. »Es wäre besser gewesen, wenn Sie ihm nach Portsmouth gefolgt wären. Wahrscheinlich fällt er nun Fellowe in die Hände.« Er lächelte unter der Maske. »Ich muß ihn jetzt wohl Lord Francis Cassilirs nennen – er ist mein Neffe und ein hoher Beamter von Scotland Yard. Ich telegrafierte ihm, daß er mir folgen solle. Wahrscheinlich werden Sie seinem Wagen begegnen, dann können Sie zusammen fahren. Manfred bleibt bei mir. – Nehmen Sie ruhig meine Maske ab.«

Gonsalez beugte sich nieder und entfernte vorsichtig die seidene Halbmaske. Erstaunt fuhr er zurück.

»Lord Verlond!« rief er überrascht.

Manfred, der es längst gewußt hatte, nickte.

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