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Die drei von Cordova

Edgar Wallace: Die drei von Cordova - Kapitel 11
Quellenangabe
pfad/wallacee/3cordova/3cordova.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleDie drei von Cordova
publisherWilhelm Goldmann Verlag
printrun13. Auflage
translatorRavi Ravendro
editorFriedrich A. Hofschuster
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
isbn3442001609
created20111024
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10

Eines Nachmittags besuchte Lord Verlond Mr. Sandford. Er kam aus verschiedenen Gründen – den wichtigsten vermutete allerdings niemand. Er besaß ein großes Aktienpaket der Sandford-Hüttenwerke, und die Gerüchte über eine Fusion, die in der City kursierten, boten Anlaß genug zu einer persönlichen Aussprache.

Lord Verlond mußte diese Gerüchte um so ernster nehmen, als Black der erste war, der ihm im Hause Sandfords begegnete. Mit fast kriecherischer Liebenswürdigkeit kam der Oberst ihm entgegen. Lord Verlond gefiel es wenig, daß er sofort eine Unterhaltung mit ihm begann.

»Ich habe schon viel von Ihnen gehört, Mylord.«

»Um Himmels willen, nennen Sie mich nicht Mylord!« erwiderte der alte Herr grimmig. »Sie zwingen mich sonst, unhöflich zu Ihnen zu sein!«

Aber auch ein Mann von Verlonds Art konnte den Oberst, der stets so verbindlich lächelte und die Leute mit freundlichen Blicken zu fangen wußte, nicht kurz abspeisen.

»Ich kenne einen Ihrer Freunde«, sagte Black in einschmeichelndem Ton.

»Sie wollen wohl sagen, daß Sie Ikey Tramber kennen, was nicht dasselbe ist.«

Oberst Black faßte die Äußerung als Scherz auf und lächelte.

»Er erzählt immer –«, begann er.

»Ich weiß schon, daß er immer sehr gut von mir spricht und sagt, was für ein feiner Mensch ich sei. Die ganze Erde verliert ihren Reiz für ihn, wenn er mich einen Tag lang nicht sieht.« Er sah Black spöttisch an. »Er erzählt Ihnen wahrscheinlich auch, was für ein guter Sportsmann ich sei, welch ein treues und edles Herz in dieser rauhen Schale stecke und daß die Leute mich alle gern haben würden, wenn sie das nur wüßten. Solche Redensarten führt er doch, nicht wahr?«

Der Oberst verneigte sich leicht.

»Na, nichts für ungut!« meinte Lord Verlond. Dann betrachtete er den anderen eine Weile. »Sie könnten eigentlich heute abend bei mir speisen – Sie werden eine Menge Leute treffen, die Sie auf den Tod nicht leiden können.«

»Es wird mir ein großes Vergnügen sein«, entgegnete der Oberst höflich.

Er hoffte, zu der Besprechung zugezogen zu werden, die Lord Verlond mit Sandford zu haben schien. Hierin täuschte er sich jedoch.

Er hätte sich nun verabschieden können, doch zog er es vor zu bleiben und sprach mit May über Kunst, wovon er nicht viel verstand. Sie war aber zerstreut und dachte an andere Dinge.

Am liebsten hätte sie die Unterhaltung auf die Polizei gebracht – in der Hoffnung, daß Oberst Black vielleicht einen gewissen jungen Polizisten erwähnen würde. Sie hätte ja selbst nach ihm fragen können, aber ihr Stolz war zu groß. Oberst Black wechselte jedoch das Thema nicht.

Er sprach immer noch von verlorenen Gemälden, als Lord Verlond und Sandford aus dem Arbeitszimmer zurückkamen.

»Lassen Sie doch Ihre Tochter auch kommen«, sagte Lord Verlond.

Sandford zögerte. »Ich bin leider heute abend nicht mehr frei – und ich sehe es nicht gern, daß sie allein geht.«

Oberst Black sah plötzlich eine Chance für sich.

»Wenn es sich um die heutige Abendgesellschaft handelt«, meinte er scheinbar gleichgültig, »so werde ich mich glücklich schätzen, wenn ich Ihnen mit meinem Wagen zur Verfügung stehen darf.«

Sandford konnte sich noch nicht entschließen. May sollte selbst entscheiden.

»Ich denke, die Abwechslung wird mir guttun, Vater.«

Sie war zwar nicht sonderlich erfreut über die Aussicht, sich von Oberst Black begleiten lassen zu müssen, aber die Fahrt war ja zum Glück nur kurz.

»Es wird mir eine große Ehre sein, bei der jungen Dame Vaterstelle zu vertreten«, scherzte Black.

Er fing einen eigentümlichen Blick Lord Verlonds auf, der ihn scharf beobachtete, und plötzlich überkam ihn eine unerklärliche Furcht.

»Ausgezeichnet«, murmelte der Lord, der den Blick nicht von ihm wandte. »Es ist ja nicht weit, und ich glaube, daß Sie die Fahrt gut überstehen werden.«

May lächelte, aber der harte Ausdruck im Gesicht des alten Mannes verschwand nicht.

»Da Sie krank sind, meine junge Dame«, fuhr er fort, obgleich May lachend protestierte, »werde ich Sir James Bower und Sir Thomas Bigland bitten, auch bei mir zu speisen. Sie kennen doch diese beiden hervorragenden Ärzte, Oberst? Ihr Freund Doktor Essley kennt sie sicher. Sie sind beide Kapazitäten auf dem Gebiet der pflanzlichen Gifte.«

Schweißtropfen traten auf Blacks Stirn, aber sein Gesicht blieb beherrscht. Angst und Wut mischten sich in seinen Augen, aber er begegnete dem Blick des Lords herausfordernd und trotzig, ja er lächelte sogar – ein langsames, gequältes Lächeln.

»Dann wäre die Sache also beschlossen«, sagte er fast fröhlich.

Lord Verlond verabschiedete sich und lachte auf dem ganzen Weg zur Stadt in sich hinein.

*

Der Lord war die Pünktlichkeit selbst. Man sagte in der Gesellschaft, daß die Sturheit dieses Mannes sich in seinem Gesicht spiegele und daß man auch die Geschichte seines Lebens in seinen Zügen wiederfinden könne. Im übrigen hatte seine scharfe Zunge ihm auch bei seinen Freunden Respekt verschafft. Allerdings war es nicht immer wirkliche Achtung. Manchmal war es eher Furcht.

›Freunde‹ war im Grunde auch nicht die richtige Bezeichnung für die Bekannten des Lords, denn außer Sir Isaac Tramber besaß er offenbar keinen Freund.

›Es gibt Leute, mit denen ich ab und zu speise‹ hatte er einmal zynisch gesagt, als die Frage der Freundschaft in seiner Gegenwart aufgeworfen wurde.

Am Abend wartete er in der großen Bibliothek seines Hauses am Carnarvon Place. Er gehörte zu den Menschen, die jeden Tag ihres Lebens nach einer bestimmten Einteilung verbringen.

Er sah auf seine Uhr – in zwei Minuten würde er auf dem Weg zum Empfangssalon sein, um seine Gäste zu begrüßen.

*

Eine merkwürdige Einladung, dachte Sir Isaac Tramber, als er Horace Gresham erblickte. Da er sich für einen Freund des Lords hielt, wagte er es sogar, zu dem Hausherrn eine diesbezügliche Bemerkung zu machen.

»Wenn ich Ihren Rat für meine Einladungen wünsche, Ikey«, erwiderte Verlond bissig, »werde ich Ihnen vorher ein Telegramm mit Rückantwort senden.«

»Ich dachte, Sie könnten ihn nicht ausstehen«, sagte der junge Baronet vorwurfsvoll.

»Selbstverständlich nicht! Ich hasse ihn sogar. Ich hasse alle Menschen. Ich würde Sie auch hassen, wenn Sie nicht so ein unbedeutender armer Teufel wären. – Haben Sie jetzt Ihren Frieden mit Mary gemacht?«

»Ich weiß nicht, was Sie damit sagen wollen«, entgegnete Sir Isaac beleidigt. »Ich habe versucht, liebenswürdig zu ihr zu sein, doch schien das nur den Erfolg zu haben, daß ich mich in ihren Augen lächerlich machte.«

»Aha!« Der Lord lachte. »Sie hat Sie eben durchschaut.«

Sir Isaac sah ihn böse an.

»Sie wissen doch, daß ich die feste Absicht habe, Mary zu heiraten.«

»Es ist mir bekannt, daß Sie gern Geld erwerben möchten, ohne dafür zu arbeiten. Sie haben mir das früher schon zweimal erzählt – ich vergesse das nicht. Über solche Dinge pflege ich nachts nachzudenken.«

»Ich wünschte, Sie würden mich nicht immer zum besten haben«, murrte Sir Isaac. »Warten Sie noch auf andere Gäste?«

»Nein«, antwortete der Lord hämisch. »Ich sitze auf dem Gipfel des Montblanc und esse Reispudding.«

Tramber schwieg.

»Ich habe auch einen alten Freund von Ihnen eingeladen«, sagte Verlond plötzlich, »aber es sieht fast so aus, als würde er nicht kommen.«

Sir Isaac runzelte die Stirn.

»Einen alten Freund von mir?«

Lord Verlond nickte.

»Ihren militärischen Freund, den Oberst. Er muß allerdings Oberst einer Armee sein, die nirgendwo bekannt ist.«

Sir Isaac machte ein betroffenes Gesicht.

»Doch nicht etwa Black?«

Der Lord nickte mehrmals, und eine heimliche Freude leuchtete in seinen Augen auf.

»Sie haben ganz recht geraten. Es ist Black.«

Verlond erwähnte jedoch nichts von Miss Sandford. Er sah auf die Uhr und verzog das Gesicht.

»Bleiben Sie hier«, befahl er. »Ich werde telefonieren.«

»Kann ich nicht –«

»Nein, Sie können nicht!« fuhr ihn der Lord an.

Es dauerte einige Zeit, bis er zurückkam. Ein sonderbares Lächeln lag auf seinen Zügen.

»Ihr Freund kommt nicht«, sagte er zu Sir Isaac, gab aber keine Erklärung dafür, warum der Oberst nicht erschien und warum er selbst so vergnügt war.

*

Bei Tisch saß Horace Gresham neben der Dame seines Herzens. Sie war äußerst liebenswürdig und in gehobener Stimmung, und er war so selig, daß er die ganze Welt und vor allem die Gäste vergaß, die sich um Lord Verlonds Tafel versammelt hatten. Aber sein Gastgeber gönnte ihm offenbar dieses Glück nicht.

»Ich habe heute einen Ihrer Freunde getroffen«, sagte er plötzlich zu Horace.

»Ach, wie interessant«, erwiderte Gresham höflich.

»Mr. Sandford, diesen unheimlich erfolgreichen Mann aus Newcastle.«

Horace nickte.

»Er ist doch auch ein Freund von Ihnen?« wandte sich der Lord an Sir Isaac. »Ich hatte seine Tochter für heute abend eingeladen. Ihr Vater konnte leider nicht annehmen – aber sie ist nun auch nicht gekommen.«

Er ließ seine Blicke über die Tafelrunde schweifen, als ob er Miss Sandford doch noch zu entdecken hoffte.

»In gewisser Weise kann ich wohl sagen, daß Mr. Sandford mein Freund ist«, erklärte Tramber vorsichtig, da er antworten mußte, ohne zu wissen, was der Lord von den abwesenden Gästen hielt. »Wenigstens ist er der Freund eines meiner Freunde.«

»Damit meinen Sie wohl Black, den Börsenschwindler? Sind Sie auch in diese Sachen verwickelt?«

»Ich habe meine Beziehungen zu ihm praktisch abgebrochen«, erwiderte Sir Isaac hastig.

Verlond lachte spöttisch.

»Das bedeutet also, daß er erledigt ist.« Er wandte sich wieder an Horace. »Sandford hat mir gegenüber einen Polizisten himmelhoch gelobt, der seiner Tochter den Hof zu machen scheint. Ist das nicht ein Freund von Ihnen?«

Horace nickte.

»Ein sehr guter Freund sogar«, antwortete er ruhig.

»Wer ist es denn?«

»Ach, er tut Dienst bei der Polizei.«

»Und ich vermute, daß er zwei Beine, einen Kopf und ein Paar Arme hat. Sie sind wirklich sehr mitteilsam! Daß er Polizist ist, weiß ich auch. Alle Leute scheinen sich augenblicklich mit ihm zu beschäftigen. Was macht er denn eigentlich – was soll das alles bedeuten?«

»Es tut mir leid, daß ich Ihnen darüber keine Auskunft geben kann. Ich bin mir aber vollkommen sicher, daß er ein Gentleman ist.«

»Ein Gentleman und – Polizist?« fragte der Lord ungläubig.

Horace nickte wieder.

»Das ist wohl ein neuer Beruf für die nachgeborenen Söhne des Hochadels«, bemerkte Verlond sarkastisch. »Heutzutage brauchen sie also nicht mehr von daheim wegzulaufen, um in der Armee zu dienen. Man geht nicht mehr als Schiffsjunge zur Marine und fristet sein Leben nicht mehr auf den Farmen in Wildwest, wo man als Cowboy die Rinderherden auf den Steppen hütet –«

Lady Marys Blick trübte sich.

»Es tut mir leid – ich dachte dabei nicht an deinen Bruder. Aber wie gesagt, heute haben es diese jüngeren Söhne nicht mehr nötig, bis ans Ende der Welt zu gehen, in wilden Gegenden einen schönen Soldatentod zu sterben oder gerade im richtigen Augenblick mit prallgefüllten Taschen zurückzukehren, um die Familie vor dem Ruin zu retten. Heute ist die Sache ganz einfach man geht zur Polizei. Sie müßten eigentlich einen Roman darüber schreiben, Gresham. Wer wie Sie Artikel für die Sportpresse schreibt, ist sicher auch dazu in der Lage. – Übrigens komme ich nächsten Dienstag nach Lincoln, um zu sehen, wie Ihr Rennpferd verliert.«

»Dann werden Sie wohl eine vergebliche Reise machen – mein Pferd gewinnt nämlich todsicher!«

Später wartete Gresham auf eine Gelegenheit, mit dem alten Herrn allein zu sprechen.

»Ich hätte Sie gern in einer dringenden Privatangelegenheit gesprochen«, sagte er scheinbar gleichgültig.

»Brauchen Sie Geld?« fragte der Lord und sah ihn argwöhnisch unter seinen buschigen Augenbrauen hervor an.

Horace lächelte.

»Ich wußte gar nicht, daß ich in dem Ruf stehe, mir Geld zu leihen«, antwortete er.

»Dann wollen Sie wohl meine Nichte heiraten?« fragte Verlond mit brutaler Offenheit.

»Ja, das ist meine Absicht«, entgegnete Horace kühl. Er konnte sich dem Ton des Alten vollkommen anpassen.

»Das geht nicht«, sagte der Lord. »Sie haben es so eingerichtet, daß Ihr Pferd gewinnen soll, und ich habe es so eingerichtet, daß sie Ikey heiraten soll. Wenigstens«, verbesserte er sich, »hat Ikey das so mit mir arrangiert, und ich bin darauf eingegangen.«

»Wenn sie aber nicht damit einverstanden ist?«

»Wahrscheinlich ist sie nicht einverstanden.« Lord Verlond grinste. »Ich kann mir jedenfalls nicht denken, daß jemand Ikey gern haben könnte. Meiner Meinung nach ist er ein unausstehlicher Kerl. Er zahlt seine Schulden nicht, er hat keinen Sinn für Humor und ist in keiner Weise dezent; seine Bekannten, mich mit einbegriffen, sind die schlechtesten Menschen von London.« Er schüttelte mißbilligend den Kopf. »Er will sich jetzt ändern, hat er mir im Vertrauen gesagt. Ein sonderbares Geständnis für einen Mann seiner Art. Ich traue dieser bußfertigen Stimmung nicht.«

Plötzlich sah er Horace voll ins Gesicht.

»Gehen Sie doch hin und stechen Sie ihn aus!« Seine Augen leuchteten ironisch auf. »Übrigens eine gute Idee. Ist mir doch tatsächlich aufgefallen, daß Mary Sie gern sieht. Dieser verfluchte Ikey! Also los!«

Damit ließ er den erstaunten jungen Mann stehen.

Horace fand Mary im Wintergarten. Er sprudelte über vor Freude. Niemals hatte er erwartet, daß der alte Herr so leicht zu gewinnen sei. Oder hatte Lord Verlond in seiner sarkastischen Art vielleicht die Absicht, ihn später nur um so mehr zu demütigen?

Horace erzählte Mary alles, was sich zugetragen hatte.

»Ich kann es kaum glauben – er war so bereitwillig und entgegenkommend. Natürlich auch brutal, aber das ist er ja immer.«

Sie sah ihn schelmisch an.

»Ich glaube nicht, daß du Onkel wirklich kennst«, erwiderte sie ruhig.

»Aber . . . aber . . .«

»Ich weiß, daß fast alle schlecht von ihm denken und ihn für den unausstehlichsten Mann auf der Welt halten. Manchmal habe ich ihre Meinung sogar geteilt. Ich habe nie begreifen können, warum er meinen armen Bruder Con fortgeschickt hat.«

»Ach, war das dein Bruder?« fragte er.

Sie nickte, und ihre Augen wurden feucht.

»Der arme Junge«, sagte sie leise, »er hat den Onkel auch nicht verstanden. Zuweilen versteht sich Onkel wahrscheinlich selber nicht.« Sie lächelte traurig. »Wenn man bedenkt, was für schreckliche Dinge er über die Leute erzählt und wie er sich überall Feinde schafft . . .«

»Und doch möchte ich glauben, daß er das alles gar nicht so meint«, rief Horace begeistert. »Er ist ein großartiger Mensch, ein wirklicher Philanthrop!«

»Übertreibe nur nicht zu sehr.«

Sie legte ihre Hand auf seinen Arm und führte ihn an das andere Ende des großen Wintergartens.

*

Sir Isaac teilte Greshams Begeisterung für den Lord keineswegs.

Verlond sagte ihm bald etwas Schmeichelhaftes, bald ärgerte er ihn wieder. Er schien ein teuflisches Vergnügen daran zu finden, den Baronet außer Fassung zu bringen. Es war ihm völlig gleichgültig, ob die Ansichten, die er um zehn Uhr äußerte, in direktem Gegensatz zu denen standen, die er um acht Uhr vorgebracht hatte. Er hätte seine Meinung zwölf mal am Tage ändern können, wenn es ihm Spaß gemacht hätte.

Sir Isaac war in der denkbar schlechtesten Stimmung, als ihm ein Diener einen Brief brachte. Er schaute sich nach einem stillen Platz um, wo er die Nachricht ungestört lesen konnte. Sie kam wahrscheinlich von Black. Es war ihm aber nicht klar, warum der Oberst eine so glänzende Gelegenheit versäumte, mit Lord Verlond zusammenzukommen. Vielleicht würde ihm das Schreiben nähere Auskunft geben.

Er ging langsam in den großen Empfangssalon und las den Brief sorgfältig durch. Er las ihn noch ein zweites Mal, faltete ihn dann und steckte ihn in die Westentasche. Kurz darauf zog er seine Uhr aus dieser Tasche, ohne an den Brief zu denken. Das gefaltete Papier fiel auf den Boden.

Der überglückliche Horace entdeckte es, als er etwas später ins Spielzimmer gehen wollte. Er hob es auf und übergab es dem Lord.

Verlond zog sich in sein Arbeitszimmer zurück und las die Mitteilung ohne die geringsten Gewissensbisse. Sein Gesicht verzog sich wahrend der Lektüre zu einem breiten Lachen.

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