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Die drei von Cordova

Edgar Wallace: Die drei von Cordova - Kapitel 10
Quellenangabe
pfad/wallacee/3cordova/3cordova.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleDie drei von Cordova
publisherWilhelm Goldmann Verlag
printrun13. Auflage
translatorRavi Ravendro
editorFriedrich A. Hofschuster
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
isbn3442001609
created20111024
modified201604124
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9

Mr. Sandford hatte eine entscheidende Unterredung mit Oberst Black.

In der City kursierten viele Gerüchte. Man raunte sich zu, daß Oberst Black finanziell sehr schlecht stehe – die Fusion der Hüttenwerke, von der so viel abhing, war nicht zustande gekommen.

Black saß an diesem Nachmittag an seinem Schreibtisch und spielte mit dem Brieföffner. Seine Stimmung war noch düsterer als sonst; die Hand, die das Messer hielt, zitterte nervös.

Er sah auf die Uhr – Sandford mußte gleich erscheinen. Dann drückte er auf eine Klingel an der Seite des Schreibtisches, und gleich darauf kam ein Angestellter herein.

»Ist Mr. Sandford noch nicht hier?« fragte er.

»In diesem Augenblick ist er gekommen.«

»Führen Sie ihn herein.«

Die beiden begrüßten sich förmlich, und Black forderte seinen Gast durch eine Handbewegung auf, Platz zu nehmen.

»Setzen Sie sich, Sandford«, sagte er kurz. »Nun lassen Sie mich einmal wissen, wie wir miteinander stehen.«

»Wie früher«, erwiderte Sandford wenig zuvorkommend.

»Wollen Sie bei der Fusion wirklich nicht mitmachen?«

»Nein.«

Black klopfte mit dem Brieföffner leicht auf den Schreibtisch. Sandford betrachtete ihn. Der Oberst sah gealtert aus, sein gelbliches Gesicht war von Falten und Runzeln durchzogen.

»Das bedeutet den Ruin für mich«, sagte der Oberst. »Ich habe mehr Gläubiger, als ich zählen kann. Wenn die Fusion zustande käme, könnte ich alles in Ordnung bringen. Und mit mir stehen und fallen viele andere – zum Beispiel Ikey Tramber. Sie kennen doch Sir Isaac? Er ist ein Freund von – Lord Verlond.«

Blacks Worte machten jedoch auf Sandford keinen Eindruck.

»Es ist Ihre Schuld, wenn Sie in Verlegenheit gekommen sind. Sie haben sich eben übernommen – oder vielmehr, Sie haben alles schon für Wirklichkeit genommen, was Sie erst planten.«

Black erhob den Blick und sah Sandford ins Gesicht.

»Es ist sehr leicht, sich hierherzusetzen und mir Moralpredigten zu halten.« Das Zittern in seiner Stimme verriet dem Millionär die Erregung, die Black zu verbergen suchte. »Ich brauche keinen guten Rat und auch keine tröstenden Worte – ich brauche Geld. Beteiligen Sie sich an meinem Plan und stimmen Sie der Fusion zu oder –«

»Oder?« wiederholte Sandford ruhig.

»Ich drohe Ihnen nicht«, erwiderte Black düster. »Ich warne Sie nur – Sie riskieren mehr, als Sie wissen.«

»Ich will das Risiko auf mich nehmen.« Sandford stand auf. »Haben Sie mir sonst noch etwas zu sagen?«

»Nein, nichts.«

»Dann auf Wiedersehen.«

Die Tür schloß sich dröhnend hinter ihm, aber Black rührte sich nicht. Er saß vor seinem Schreibtisch, bis es dunkel geworden war, und kritzelte geistesabwesend Figuren auf das Löschpapier.

Schließlich raffte er sich auf und fuhr in seine Wohnung.

»Ein Herr wartet auf Sie«, sagte der Diener, der herbeieilte, um ihm beim Ablegen des Mantels zu helfen.

»Was für ein Herr?«

»Ich weiß es nicht genau, aber er könnte Detektiv sein.«

»Ein Detektiv?« Blacks Hände zitterten, und er fluchte über seine Schwäche. Er blieb eine Minute in der Diele stehen, bis er sich wieder in der Gewalt hatte; dann trat er in den Empfangsraum.

Ein Herr erhob sich und kam ihm entgegen.

Black hatte den Eindruck, daß er diesem Fremden früher schon einmal begegnet war. Es war eines dieser Gefühle, die so schwer zu beschreiben sind.

»Sie wollten mich sprechen?«

»Ja«, sagte der Besucher höflich. »Ich bin hierhergekommen, um einige Nachforschungen anzustellen.«

Es lag Black schon auf der Zunge zu fragen, ob er Privatdetektiv sei; seltsamerweise fand er jedoch nicht den Mut dazu.

Aber der andere gab ihm gleich darauf Aufschluß.

»Ich bin von einer Rechtsanwaltsfirma beauftragt worden, den Aufenthalt Doktor Essleys festzustellen.«

Black sah ihn scharf an.

»Nun, das ist doch nicht schwer – sein Name steht doch im Adreßbuch.«

»Ja, gewiß, aber trotzdem habe ich die größten Schwierigkeiten, ihn anzutreffen. Eigentlich wollte ich ja auch nicht seine Wohnung feststellen, sondern ihn identifizieren.«

»Da kann ich Ihnen nicht folgen.«

»Ich weiß nicht recht, wie ich mich ausdrücken soll. Wenn Sie Doktor Essley gut kennen, werden Sie wissen, daß er einige Jahre in Australien gelebt hat.«

»Das stimmt. Wir kamen zusammen von dort zurück.«

»Sie waren auch einige Zeit dort?«

»Ja, wir verbrachten einige Jahre in Australien, obgleich wir nicht ständig zusammen waren.«

»Ich verstehe; Sie sind wohl auch gemeinsam hinübergefahren?«

»Nein«, sagte Black scharf, »wir sind zu verschiedenen Zeiten ausgereist.«

»Haben Sie ihn in letzter Zeit einmal gesehen?«

»Nein, aber ich habe ihm häufig wegen der verschiedensten Dinge geschrieben.«

Black gab sich alle Mühe, seine Fassung nicht zu verlieren. Der Mann durfte nicht merken, wie sehr ihn diese Fragen beunruhigten.

Der Fremde schrieb einige Bemerkungen in sein Notizbuch, schloß es und steckte es in die Tasche.

»Sind Sie sehr erstaunt, wenn ich Ihnen mitteile, daß der wirkliche Doktor Essley in Australien gestorben ist?«

Black griff nach der Tischkante, um sich zu stützen.

»Das war mir nicht bekannt«, sagte er dann scheinbar gleichgültig. »Das ist alles, was Sie zu fragen haben?«

»Ja, ich denke, das genügt mir.«

»Darf ich erfahren, auf wessen Veranlassung Sie diese Fragen gestellt haben?«

»Das kann ich Ihnen leider nicht sagen.«

Nachdem der Detektiv gegangen war, ging Black, tief in Gedanken versunken, im Zimmer auf und ab.

Als er wieder ruhiger geworden war, nahm er einen Reiseführer aus dem Bücherregal und arbeitete eine Reiseroute für seinen Rückzug aus. Die abschlägige Antwort Sandfords hatte all seinen Schwierigkeiten die Krone aufgesetzt.

Er ging quer durch den Raum zu dem Safe, der in einer Ecke stand, und öffnete ihn. In dem mittleren Fach lagen drei Pakete Banknoten; er nahm sie heraus und legte sie auf den Tisch. Es war französisches Geld – lauter Tausendfrancnoten.

Er mußte nun auf alles gefaßt sein und durfte nichts mehr riskieren. Sorgfältig steckte er die Scheine in eine Innentasche seines Jacketts. Wenn alles mißglückte, konnte er mit Hilfe dieses Geldes immer noch den Weg in die Freiheit finden.

Essley? Er lächelte. Der mußte eben auch irgendwie verschwinden.

Black verließ seine Wohnung und fuhr in den Osten der Stadt. Aber er bemerkte nicht, daß ihm zwei Männer ständig folgten.

*

Die prahlerische Behauptung Oberst Blacks, daß seine Firma keine Bücher führe und keine Akten besitze, bestätigte sich in der Nacht, in der die ›Vier Gerechte‹ ihm einen ungebetenen Besuch abstatteten. Sie hatten systematisch alle Schränke nach Beweismaterial durchsucht, das sie bei einem ordentlichen Gericht gegen ihn verwenden wollten, doch war all ihre Mühe umsonst geblieben.

In Wirklichkeit bewahrte Black jedoch eine ganze Reihe von Geschäftsbüchern auf; allerdings waren sie in einer Geheimschrift verfaßt, die nur er allein entziffern konnte. Den Schlüssel dazu hatte er niemals aufgeschrieben.

An diesem Abend nun war er damit beschäftigt, auch diese Geheimbücher dem drohenden Zugriff der ›Vier Gerechten‹ zu entziehen. Er hatte guten Grund für seine Unruhe, denn die ›Vier Gerechten‹ waren in der letzten Zeit sehr rührig gewesen und hatten ihm noch eine andere Warnung zukommen lassen.

Von neun bis elf Uhr war er ununterbrochen tätig, zerriß scheinbar harmlose Briefe und verbrannte sie. Als es elf schlug, sah er auf seine Taschenuhr und verglich die Zeit. Er hatte in dieser Nacht noch sehr wichtige Dinge vor.

Dann entwarf er ein Telegramm, in dem er Sir Isaac Tramber bat, ihn noch in der gleichen Nacht aufzusuchen. Er brauchte jetzt jeden Freund, jeden Vorteil und jedes Hilfsmittel, deren er habhaft werden konnte.

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