Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Alexandre Dumas (der Ältere) >

Die drei Musketiere

Alexandre Dumas (der Ältere): Die drei Musketiere - Kapitel 25
Quellenangabe
typenarrative
authorAlexander Dumas
titleDie drei Musketiere
year1928
publisherZenith-Verlag Erich Stolpe
editorGeorg Carl Lehmann
senderwww.gaga.net
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
modified20190508
created20050620
projectid0a4128df
Schließen

Navigation:

Porthos.

Anstatt geradewegs nach Hause zurückzukehren, stieg d'Artagnan vor der Tür des Herrn von Tréville vom Pferd und ging eilig die Treppe hinan. Er war diesmal entschlossen, ihm alles, was sich begeben hatte, mitzuteilen. Zweifelsohne würde er ihm in dieser ganzen Sache gute Ratschläge erteilen, und dann, da Herr von Tréville fast täglich die Königin sah, so könnte er vielleicht von Ihrer Majestät Nachrichten über die arme Frau erhalten, die gewiß ihre Ergebenheit für ihre Gebieterin büßen mußte. Herr von Tréville hörte der Mitteilung des jungen Mannes mit einem Ernst zu, der bewies, daß er in dieser ganzen Sache etwas anderes sah, als eine Liebesintrige, und dann, als d'Artagnan zu Ende war, sagte er: »Hm! das riecht auf eine Meile nach dem Kardinal.« »Doch was soll da geschehen?« fragte d'Artagnan. »Nichts, durchaus nichts zu dieser Stunde, als Paris so schnell wie möglich verlassen, wie ich Ihnen schon gesagt habe. Ich werde die Königin sehen, und ihr umständlich alles mitteilen von dem Verschwinden der armen Frau, wovon sie gewiß noch nichts weiß; diese Umstände werden ihr einen Fingerzeig geben, und wenn Sie wieder zurückkommen, kann ich Ihnen vielleicht Gutes berichten. Verlassen Sie sich auf mich.« D'Artagnan wußte, daß Herr von Tréville, ob er auch Gascogner war, nicht gern zu versprechen pflegte, daß er aber, wenn er zufällig etwas zusagte, mehr hielt, als er versprochen hatte.

D'Artagnan war entschlossen, den Rat des Herrn von Tréville unverzüglich zur Ausführung zu bringen und begab sich in die Gasse Fossoyeurs, um das Bepacken seines Mantelsackes zu überwachen. Als er sich Nr. 11 näherte, erkannte er Herrn Bonacieux, der im Morgenanzug an der Schwelle seiner Tür stand. D'Artagnan gedachte alles dessen, was ihm tags zuvor der schlaue Planchet von dem tückischen Charakter seines Wirtes gesagt hatte, und faßte ihn aufmerksamer ins Auge als je zuvor. In der Tat, außer der gelblichen und kränklichen Blässe, welche die Vermengung der Galle mit dem Blut andeutete, und die übrigens auch zufällig sein konnte, bemerkte d'Artagnan etwas Verschmitztes und Falsches in den Zügen und Runzelbewegungen seines Gesichts. Ein Schurke lacht nicht so wie ein ehrbarer Mann, ein Heuchler weint nicht dieselben Tränen wie ein Mann von Glauben und Treue. Es kam also d'Artagnan vor, als ob Herr Bonacieux eine Maske trüge, und zwar eine der unangenehmsten. Er wollte nun in seinem Abscheu gegen diesen Mann an ihm vorübergehen, ohne ein Wort mit ihm zu reden, doch sprach ihn Herr Bonacieux an wie tags vorher: »Nun, junger Mann! es scheint, daß wir Fastnachtsnächte machen? Sieben Uhr früh – Pest! Es scheint als wollten Sie die alte Gewohnheit umwenden, und kehren zu der Stunde heim, wo andere ausgehen.« »Meister Bonacieux,« erwiderte der junge Mann, »da Sie ein wahres Muster von einem ordentlichen Manne sind, so wird man Ihnen keinen ähnlichen Vorwurf machen. Freilich, wenn man eine hübsche junge Frau besitzt, hat man nicht nötig, dem Glücke nachzulaufen; das Glück sucht vielmehr Sie auf, nicht wahr, Bonacieux?« Herr Bonacieux wurde leichenblaß und verzerrte lächelnd den Mund; dann sprach er: »Ah, ah! Sie sind ein scherzhafter Geselle. Aber wo Teufel sind Sie denn diese Nacht herumgelaufen, junger Herr? Wie es scheint, waren die Quer- und Seitenwege nicht am besten.« D'Artagnan sah hinab auf seine ganz mit Kot bedeckten Stiefel, doch bei dieser Bewegung fiel sein Blick auch auf die Schuhe und Strümpfe des Krämers; man hätte wirklich glauben mögen, sie seien in denselben Schlamm getaucht worden, da sich an dem einen wie an dem andern ganz ähnliche Makel bemerkbar machten. Auf einmal stieg d'Artagnan ein Gedanke auf: jener kleine, dicke, kurze, graue, bedientenartig und gemein gekleidete Mann, den die Leute vom Degen jener Eskorte so rücksichtslos behandelten, war Bonacieux selber. Der Mann leitete die Entführung seiner Frau. D'Artagnan empfand eine namenlose Lust, den Krämer an der Kehle zu packen und zu erwürgen, allein er war, wie gesagt, ein kluger Junge, und hielt an sich. Doch der Aufruhr im Herzen drückte sich im Gesicht deutlich ab, daß Bonacieux darüber erschrak und einen Schritt zurückzutreten versuchte; da er aber gerade vor dem geschlossenen Türflügel stand, so nötigte ihn dieses materielle Hindernis, an derselben Stelle zu bleiben. »Ei doch, Sie scherzen, mein guter Herr!« versetzte d'Artagnan, »mich dünkt, wenn meine Stiefel des Schwammes benötigen, so rufen auch Ihre Schuhe und Strümpfe ein wenig nach der Bürste. Sie sind gewiß auch ein bißchen herumgestiegen, Herr Bonacieux? Ach, Teufel! das könnte man einem Manne von Ihrem Alter gar nicht verzeihen, zumal er eine so hübsche Frau hat wie Sie.« »Ach, mein Gott! nein,« entgegnete Bonacieux, »allein, ich war gestern in Saint-Mandé, um Nachfrage über eine Magd zu halten, da ich eine solche aufzunehmen genötigt bin, und weil die Wege schlecht waren, so brachte ich all den Schmutz mit, den wegzubürsten ich noch nicht Zeit gehabt habe.« Der Ort, den Bonacieux als Zielpunkt seines Ausflugs angab, bestärkte d'Artagnan aufs neue in seinem Verdacht. Bonacieux bezeichnete Saint-Mandé, das doch ganz in einer entgegengesetzten Richtung von Saint-Cloud gelegen war. Er freute sich bei seiner Vermutung. Wenn Bonacieux wußte, wo seine Frau war, so konnte man jederzeit die äußersten Mittel anwenden und den Krämer zwingen, daß er den Mund aufschließe und sein Geheimnis von sich gebe. Es handelte sich darum, diese Wahrscheinlichkeit in Gewißheit umzuwandeln. »Um Vergebung, mein lieber Herr Bonacieux, wenn ich mit Ihnen keine Umstände mache,« sagte d'Artagnan; »aber nichts regt so auf, als eine schlaflose Nacht, und ich habe entsetzlichen Durst; erlauben Sie mir, ein Glas Wasser bei Ihnen zu trinken. Sie wissen ja, daß Nachbarn das einander nicht abschlagen.« Und ohne, daß d'Artagnan die Erlaubnis seines Wirtes abgewartet hätte, ging er rasch in das Haus und warf einen schnellen Blick auf das Bett. Das Bett war unberührt; Bonacieux hatte nicht darin geschlafen. Er war also erst vor einer oder zwei Stunden heimgekehrt, und hatte seine Frau begleitet, entweder bis zu der Stelle, wohin man sie führte, oder mindestens bis zur ersten Wechselstation. »Dank, Meister Bonacieux!« sagte d'Artagnan, nachdem er sein Glas geleert hatte; »das war alles, was ich von Ihnen wollte. Jetzt gehe ich in meine Wohnung, lasse mir von Planchet meine Stiefel putzen, und wenn er das getan hat, so schicke ich ihn, wenn es beliebt, zu Ihnen, daß er Ihre Schuhe abbürste.« Er verließ den Krämer, selbst betroffen über diesen seltsamen Abschied, und fragte sich, ob er sich nicht etwa bloßgestellt habe.

Oben an der Treppe traf er Planchet ganz bestürzt. Als der Lakai seinen Herrn erblickte, rief er: »Ach, mein Herr! sind Sie endlich hier? ich konnte Ihre Zurückkunft kaum erwarten,« »Was gibt es denn?« fragte d'Artagnan. »O, mein Herr, ich wette hundert und tausend, daß Sie nicht erraten, welchen Besuch ich in Ihrer Abwesenheit erhalten habe.« »Wann?« »Vor einer halben Stunde, während Sie sich bei Herrn von Tréville befanden.« »Wer ist also gekommen? sag' an.« »Herr von Cavois.« »Herr von Cavois?« »In Person.« »Der Kapitän der Leibwachen Seiner Eminenz?« »Er selbst.« »Kam er, um mich zu verhaften?« »Ich vermute das, ungeachtet seines freundlichen Aussehens.« »Er machte ein freundliches Gesicht?« »Er war ganz Honig, mein Herr.« »Wirklich?« »Wie er vorgab, kam er im Namen Seiner Eminenz, die Ihnen sehr geneigt wäre, und wollte Sie bitten, ihm nach dem Palais-Royal zu folgen.« »Und was hast du ihm geantwortet?« »Das könnte nicht geschehen, denn Sie wären nicht zu Hause, wie er sich selbst überzeugte.« »Und was sprach er dann?« »Sie sollen ja nicht ermangeln, ihn diesen Tag über zu besuchen; dann fügte er leise hinzu: ›Melde deinem Herrn, Seine Eminenz sei ihm recht wohlgewogen, und sein Glück hänge vielleicht von dieser Zusammenkunft ab.‹« »Diese Schlinge war für den Kardinal hübsch übel gelegt,« entgegnete der junge Mann lächelnd. »Ich bemerkte auch diese Schlinge und antwortete ihm: ›Sie würden bei Ihrer Zurückkunft in Verzweiflung geraten.‹ ›Wohin ist er denn gegangen?‹ fragte mich von Cavois. ›Nach Troyes in der Champagne‹ – gab ich zur Antwort. ›Und wann ist er abgereist?‹ ›Gestern abend.‹« »Mein Freund Planchet!« fiel d'Artagnan ein, »du bist in der Tat ein köstlicher Bursche!« »Sie begreifen wohl, mein Herr, wenn Sie Herrn von Cavois besuchen wollen, so wäre es immer noch Zeit, mich Lügen zu strafen und ihm zu sagen, Sie wären nicht abgereist; ich hätte also gelogen, und da ich kein Edelmann bin, so kann mir das hingehen.« »Sei ruhig, Planchet, du wirst deinen Ruf als wahrheitsliebender Mann bewahren; in einer Viertelstunde reisen wir ab.« »Ich war eben im Begriff, Ihnen diesen Rat zu geben; und wohin reisen wir? wenn ich ohne Neugierde fragen darf?« »Ganz in der entgegengesetzten Richtung von jener, die du angegeben hast; übrigens scheint es dich nicht gar so sehr zu drängen, um Nachrichten zu erhalten über Grimaud, Mousqueton und Bazin, wie mich, um zu erfahren, was mit Athos, Porthos und Aramis geschehen ist.« »Allerdings, mein Herr,« entgegnete Planchet; »ich reise, wann Sie befehlen, und glaube, daß uns die Provinzluft besser behagen wird als die Pariser Luft. Also!« »Schnüre unsere Bündel, Planchet! und dann vorwärts; ich will, die Hände im Sacke, vorausgehen, damit es keinen Verdacht erweckt. Du triffst mich im Hotel der Garden. Aber höre, Planchet! was du in betreff unseres Wirtes gesagt hast, glaube ich, du hast wohl recht; er ist entschieden eine garstige Kanaille.« »O, mein Herr, glauben Sie immerhin, wenn ich was sage, ich verstehe mich auf Physiognomien!« D'Artagnan ging laut Verabredung zuerst hinab, und begab sich dann, um sich nichts vorwerfen zu müssen, zum letztenmal nach den Wohnungen seiner drei Freunde. Man hatte von ihnen keine Nachricht; bloß für Aramis war ein durchaus parfümiertes und mit zarter, zierlicher Hand geschriebenes Briefchen angekommen. D'Artagnan übernahm dasselbe. Zehn Minuten darauf kam Planchet mit ihm im Stalle der Garden zusammen. D'Artagnan hatte bereits sein Pferd gesattelt, um ja keine Zeit zu verlieren. »So ist's gut,« sprach er zu Planchet, als er den Mantelsack festgebunden hatte, »jetzt sattle auch die drei andern Pferde, und wir reisen ab.« »Glauben Sie wohl, wir kommen jeder mit zwei Pferden schneller vom Fleck?« fragte Planchet mit seiner pfiffigen Miene. »Nein, mein armer Spaßmacher,« entgegnete d'Artagnan, »allein mit unseren vier Pferden können wir unsere drei Freunde zurückbringen, wenn wir sie anders noch am Leben treffen.« »Das wäre wohl wundersam,« versetzte Planchet; »doch man darf an der Barmherzigkeit Gottes nicht verzweifeln.« »Amen!« rief d'Artagnan und schwang sich auf sein Pferd.

Wir müssen bemerken, daß Planchet bei Tage mutvoller war als des Nachts. Indes verließ ihn seine natürliche Klugheit in keinem Augenblick. Er vergaß auch keinen Vorfall der ersten Reise, und hielt jedermann für einen Feind, der ihm auf der Straße begegnete; demgemäß hielt er ohne Unterlaß seinen Hut in der Hand, weshalb d'Artagnan oft ernstlich mit ihm zankte, da dieser besorgte, man möchte ihn ob dieser übermäßigen Höflichkeit für einen gemeinen Menschen halten. Aber sei es nun, daß die Vorübergehenden wirklich von der Artigkeit Planchets gerührt wurden, oder daß diesmal niemand am Wege des jungen Mannes im Hinterhalt lag – genug, unsere zwei Reisenden kamen ohne allen Unfall nach Chantilly und stiegen beim Hotel Grand Saint-Martin ab, wo sie auch auf ihrer ersten Reise angehalten hatten. Als der Wirt einen jungen Mann und hinter ihm einen Lakai mit zwei Handpferden herankommen sah, trat er ehrfurchtsvoll an seine Türschwelle. D'Artagnan, der bereits elf Meilen zurückgelegt hatte, dachte, es wäre wohl an der Zeit, hier einzusprechen und zu sehen, ob Porthos im Gasthaus wäre oder nicht. Es war vielleicht nicht einmal klug, beim ersten Schritt zu fragen, was aus dem Musketier geworden sei. Infolge dieser Betrachtungen stieg d'Artagnan ab, ohne sich nach jemandem zu erkundigen, übergab die Pferde seinem Lakai, trat in ein kleines Zimmer, das für jene Gäste bestimmt war, die allein sein wollten, und ließ sich vom Wirt eine Flasche des besten Weines und ein Frühstück bringen, so gut es zu bekommen war; ein Verlangen, das den Gastwirt noch mehr in der guten Meinung bestärkte, die er auf den ersten Anblick von seinem Reisenden gefaßt hatte. Auch wurde d'Artagnan mit wunderbarer Schnelligkeit bedient. Das Regiment der Garden rekrutierte sich aus den vornehmsten Edelleuten des Reiches. Da nun d'Artagnan einen Lakai hinter sich hatte, und mit vier Pferden reiste, so konnte es nicht fehlen, daß er, seiner einfachen Uniform ungeachtet, Aufsehen erregte. Der Wirt wollte ihn sogar selbst bedienen; als das d'Artagnan sah, ließ er zwei Gläser bringen und eröffnete folgendes Gespräch: »Meiner Treu, lieber Wirt!« rief d'Artagnan, indem er die zwei Gläser füllte, »ich begehrte von Eurem besten Wein, und habt Ihr mich betrogen, so werdet Ihr da bestraft, wo Ihr gesündigt habt, indem Ihr mit mir trinken müsset, weil ich durchaus nicht allein trinken mag. Nehmt also ein Glas und lasset uns trinken. Auf was werden wir trinken, um nirgendwo anzustoßen? Nun, trinken wir auf das Wohl Eures Geschäftes!« »Eure Herrlichkeit erzeigt mir da eine große Ehre,« sagte der Wirt, »und ich danke aufrichtig für einen so guten Wunsch.« »O, irrt Euch nicht,« versetzte d'Artagnan, »in meinem Toast liegt vielleicht mehr Egoismus, als Ihr denkt; da ich besonders auf dieser Straße viel reise, so wünsche ich allen Gasthöfen großes Wohlergehen.« »Wirklich scheint mir,« sagte der Wirt, »daß ich nicht das erstemal die Ehre habe, Euer Gnaden zu sehen.« »Bah! ich bin vielleicht schon zehnmal durch Chantilly gereist und habe bei Euch wenigstens drei- bis viermal angehalten. Ich war erst vor zehn ober zwölf Tagen hier, wo ich Freunde begleitete, nämlich Musketiere, wo einer derselben in Streit geriet mit einem Fremden, einem unbekannten Mann, der Händel mit ihm suchte, ohne daß ich weiß warum.« »Ach ja! in der Tat,« entgegnete der Wirt; »ich erinnere mich vollkommen. Nicht wahr, Euer Herrlichkeit will von Porthos sprechen?« »Das ist eben der Name meines Reisegefährten. Mein Gott! sagt an, lieber Wirt, ist ihm etwa ein Unglück widerfahren?« »Ew. Herrlichkeit mußte wohl bemerkt haben, daß er seine Reise nicht fortsetzen konnte.« »Er hat uns wirklich versprochen, nachzukommen, doch sahen wir ihn nicht wieder.« »Er hat uns die Ehre erwiesen, hierzubleiben.« »Wie? er ist hiergeblieben?« »Ja, gnädiger Herr, in diesem Gasthaus; wir sind sogar sehr beunruhigt.« »Worüber?« »Über gewisse Ausgaben, die er gemacht hat.« »Nun, er wird die Ausgaben, die er gemacht hat, auch bezahlen.« »Ach, gnädiger Herr, Sie gießen mir wirklich Balsam in das Blut. Wir haben ihm große Vorschüsse gewährt, und diesen Morgen noch erklärte uns der Wundarzt, wenn ihn Porthos nicht bezahlte, so wolle er sich an mich halten, da ich nach ihm geschickt habe.« »Ist also Porthos verwundet?« »Ich wüßte Ihnen das nicht zu sagen, gnädiger Herr!« »Wie doch, Ihr wüßtet mir das nicht zu sagen? Ihr sollet das doch besser wissen, als irgend einer.« »Ja, allein in unserm Stande sagen wir nicht alles, was wir wissen, zumal in Fällen, wo unsere Ohren für unsere Zunge haften müssen.« »Nun, kann ich Porthos sehen?« »Allerdings, gnädiger Herr; steigen Sie über die Treppe, und klopfen Sie im ersten Stock bei Nr. 1. Nur geben Sie ihm zu verstehen, daß Sie es sind.« »Wie, ich soll ihm zu verstehen geben, daß ich es bin?« »Ja, denn sonst könnte Ihnen ein Unglück begegnen.« »Und welches Unglück könnte mir da begegnen?« »Herr Porthos könnte Sie für jemand aus dem Hause halten und Ihnen in einem Anfall von Zornwut den Degen durch den Leib stoßen, oder den Kopf zerschmettern.« »Was habt Ihr ihm also getan?« »Wir haben von ihm Geld verlangt.« »Ach, Teufel; ich begreife das; ein solches Verlangen nimmt Porthos sehr übel auf, wenn er nicht bei Geld ist, doch weiß ich, daß er welches haben mußte.« »Das haben wir auch gemeint, gnädiger Herr, und da in diesem Hause strenge Ordnung herrscht und wir alle Wochen unsere Rechnung abschließen, so übergaben wir ihm nach Verlauf von acht Tagen unsere Note; doch scheint es, daß wir hierzu einen ungünstigen Augenblick wählten, denn schon bei dem ersten Wort, das wir über diese Sache laut werden ließen, hieß er uns zu allen Teufeln gehen; indes hatte er tags zuvor gespielt.« »Wie, er hat tags zuvor gespielt – mit wem?« »Ach, mein Gott! wer weiß das? mit einem vornehmen Herrn, der da durchreiste, und dem er eine Partie Landsknecht anbot.« »So ist's, der Unglückliche wird alles verloren haben.« »Bis auf sein Pferd, gnädiger Herr; denn als der Fremde in Begriff war, abzureisen, bemerkten wir, daß sein Lakai das Pferd des Herrn Porthos sattelte. Wir machten ihm deshalb eine Vorstellung, allein er entgegnete uns, daß wir uns in Dinge mengen, die uns nichts angehen, und daß das Pferd ihm gehöre. Wir gaben auch Herrn Porthos Nachricht von dem, was vorging, er antwortete aber, wir seien Schurken, weil wir an dem Wort eines Edelmannes zweifelten, und wenn uns dieser gesagt habe, daß das Pferd ihm gehöre, so müßte es auch wahr sein.« »An dem erkenne ich ihn,« murmelte d'Artagnan. »Hierauf ließ ich ihm melden,« fuhr der Gastwirt fort, »daß von dem Moment an, wo wir bestimmt schienen, uns in Rücksicht der Zahlung nicht zu verständigen, ich hoffen dürfte, er würde mindestens so gütig sein, die Gunst seiner Kundschaft meinem Kollegen zuzuwenden, dem Wirt ›Zum goldenen Adler‹; allein Herr Porthos erwiderte mir, er wolle hierbleiben, weil mein Gasthaus das beste sei. Diese Antwort war zu schmeichelhaft, als daß ich auf sein Fortgehen dringen konnte. Ich habe bloß ersucht, er wolle mir sein Zimmer, das schönste im Gasthof, zurückstellen, und sich mit einem hübschen Kabinett im dritten Stock begnügen. Darauf antwortete aber Herr Porthos, da er jeden Augenblick seine Geliebte erwarte, eine der vornehmsten Damen bei Hofe, so müßte ich begreiflich finden, daß das Zimmer, das er zu bewohnen mir die Ehre erzeigte, für eine solche Person immer noch sehr mittelmäßig wäre. Obwohl ich die Wahrheit dessen, was er sagte, vollkommen einsah, so glaubte ich dennoch, auf meiner Forderung bestehen zu müssen. Er nahm sich aber nicht einmal die Mühe, sich hierüber mit mir abzufinden, sondern griff nach seiner Pistole, legte sie auf den Tisch und erklärte, falls man ein Wort zu sprechen wagte, daß er sich in ein anderes Gasthaus oder ins Innere dieses Hauses übersiedeln solle, so werde er demjenigen eine Kugel in den Kopf jagen, der so frech wäre, sich in eine Sache zu mengen, die ihn nichts angehe. Seit dieser Zeit, gnädiger Herr, getraut sich niemand in sein Zimmer zu gehen, außer seinem Bedienten.« »Ist also Mousqueton hier?« »Ja, gnädiger Herr, er ist fünf Tage nach seiner Abreise in sehr übler Stimmung wieder zurückgekehrt. Auch scheint es, daß ihm auf der Reise ein Unfall begegnete. Unglücklicherweise ist er noch heftiger als sein Herr, und kehrt für diesen das unterste zu oberst! In der Meinung, man könnte ihm das verweigern, was er verlangt, nimmt er alles, was er braucht, ohne zu fragen und zu bitten.« »Ich habe bei Mousqueton immerhin eine außerordentliche Ergebenheit und Verständigkeit bemerkt,« versetzte d'Artagnan. »Das ist wohl möglich, gnädiger Herr; doch nehmen Sie an, ich komme mit einer solchen Ergebenheit und Verständigkeit jährlich nur viermal in Berührung, so bin ich zu Grunde gerichtet.« »Nein, denn Porthos wird Sie bezahlen.« »Hm,« murmelte der Wirt im Tone des Zweifels. »Er ist der Liebling einer sehr hohen Dame, die ihn ob einer solchen Kleinigkeit, die er Euch schuldet, nicht in der Klemme lassen wird.« »Wenn ich mich getraute, Ihnen zu sagen, was ich dabei denke . . .« »Was denket Ihr denn dabei?« »Ich könnte noch mehr sagen, was ich weiß.« »Was Ihr wisset?« »Ja, was ich bestimmt weiß.« »Und sagt, was wisset Ihr bestimmt?« »Ich könnte sagen, daß ich diese hohe Dame kenne.« »Ihr?« »Ja, ich!« »Und woher kennt Ihr sie?« »Ach, gnädiger Herr, wenn ich mich auf Ihre Verschwiegenheit verlassen könnte . . .« »Redet, und so wahr ich Edelmann bin, soll Euch Euer Vertrauen nicht gereuen.« »Nun, gnädiger Herr, Sie begreifen wohl, die Unruhe führt zu allerlei Dingen.« »Was habt Ihr getan?« »O nichts, wozu nicht ein Gläubiger berechtigt wäre.« »Nun?« »Herr Porthos übergab uns ein Briefchen für diese Herzogin, und gab uns den Auftrag, es in den Postbriefkasten zu werfen. Sein Bedienter war noch nicht angekommen. Da er sein Zimmer nicht verlassen konnte, so mussten wir seine Aufträge besorgen.« »Weiter.« »Anstatt, daß wir den Brief auf die Post trugen, was nie ganz sicher ist, benutzten wir die Gelegenheit, da eben ein Aufwärter von uns nach Paris reiste, und gaben ihm den Auftrag, daß er diesen Brief der Herzogin selbst einhändige. Nicht wahr, das hieß den Wünschen des Herrn Porthos entsprechen, da er uns diesen Brief so dringend empfohlen hatte?« »So beiläufig.« »Nun, gnädiger Herr, wissen Sie, wer diese hohe Dame ist?« »Nein, ich hörte nur Porthos von ihr reden, weiter nichts.« »Wissen Sie, wer diese vorgebliche Herzogin ist?« »Ich wiederhole Euch, daß ich sie nicht kenne.« »Es ist die alte Prokuratorsfrau im Châtelet, namens Madame Coquenard, gnädigster Herr; sie zählt mindestens schon fünfzig Jahre, und spielt noch die Eifersüchtige. Das schien mir auch ganz seltsam, eine Prinzessin, die in der Gasse Aux-Ours wohnt.« »Woher wisset Ihr das?« »Weil sie in heftigen Zorn ausbrach, als sie den Brief erhielt, und sagte: ›Herr Porthos sei ein wankelmütiger Mensch, und gewiß habe er den Degenstich um eines Frauenzimmers willen bekommen.‹« »Er hat also einen Degenstich bekommen?« »Ach, mein Gott, was habe ich da gesagt!« »Ihr habt gesagt, daß Porthos einen Degenstich bekam.« »Ja, doch er hat mir streng verboten, es weiterzusagen.« »Warum das?« »Beim Himmel! mein Herr! weil er geprahlt hat, er werde jenen Fremden, mit dem Sie ihn im Wortwechsel zurückgelassen haben, durchbohren, indes ihn doch dieser Fremde trotz all seiner Ruhmredigkeit überwunden hat. Indem nun Herr Porthos ein sehr prahlsüchtiger Mensch ist, und das auch seiner Herzogin gegenüber, die er mit der Erzählung seines Abenteuers für sich einnehmen zu können glaubte, so will er es niemandem bekennen, daß er einen Degenstich bekommen hat.« »Hält ihn also ein Degenstich im Bett zurück?« »Ja, ein Meisterstich, das kann ich versichern. Die Seele Ihres Freundes muß im Leib angepfählt sein.« »Waret Ihr beim Kampf?« »Gnädiger Herr, ich folgte ihnen aus Neugierde nach, und sah das Duell, ohne daß die Kämpfenden mich gewahrten.« »Und wie ist es da zugegangen?« »O, ich versichere, die Sache war bald abgetan. Sie nahmen ihre Stellung, der Fremde machte eine Finte und fiel so schnell aus, daß Herr Porthos, als er zur Parade kam, schon drei Zoll Klinge in der Brust hatte. Hierauf fragte ihn der Fremde um seinen Namen, und als er hörte, daß er Porthos hieße und nicht d'Artagnan, so reichte er ihm seine Hand, geleitete ihn bis zum Hotel, schwang sich auf das Pferd und ritt von dannen.« »Hatte es also der Fremde auf d'Artagnan abgesehen?« »So scheint es.« »Und wisset Ihr, was mit ihm geschehen ist?« »Nein, ich habe ihn bis zu diesem Augenblick nicht wiedergesehen.« »Gut, ich weiß, was ich wissen wollte. Nun, Ihr sagt, Porthos habe das Zimmer im ersten Stock Nr. 1?« »Ja, gnädiger Herr! das schönste im Gasthof, ein Zimmer, das ich bisher schon zehnmal hätte vermieten können.« »Bah, beruhigt Euch,« entgegnete d'Artagnan lachend; »Porthos wird Euch schon bezahlen mit dem Gelde der Herzogin Coquenard.« »O, gnädiger Herr, Prokuratorsgemahlin oder Herzogin – das wäre mir gleichviel, wenn sie nur mit der Börse herausrücken wollte: allein sie antwortete bestimmt, sie sei der Forderungen und der Untreue des Herrn Porthos müde und wolle ihm keinen Heller schicken.« »Und habt Ihr diese Antwort Eurem Gaste hinterbracht?« »Davor haben wir uns gehütet, er hätte ja daraus ersehen, wie wir seinen Auftrag besorgt haben.« »Somit harrt er noch immer auf sein Geld?« »Ach, mein Gott! ja; gestern schrieb er wieder, doch diesmal trug sein Bedienter den Brief auf die Post.« »Und Ihr sagt, die Prokuratorsfrau wäre alt und garstig?« »Sie zählt mindestens fünfzig Jahre, gnädiger Herr, und wie Pathaud vorgibt, ist sie ganz und gar nicht hübsch.« »Für diesen Fall seid ruhig; sie wird sich erweichen lassen, außerdem kann Euch Porthos nicht viel schuldig sein.« »Wie, nicht viel schuldig; bereits zwanzig Pistolen, den Arzt ungerechnet. Sehen Sie, er versagt sich gar nichts; man sieht, wie er das Wohlleben gewohnt ist.« »Nun, wenn ihn auch seine Geliebte im Stiche läßt, so findet er doch Freunde, dafür kann ich stehen. Seid also unbekümmert, lieber Wirt, und widmet ihm alle Sorge, die sein Zustand erfordert.« »Gnädiger Herr, Sie haben mir versprochen, nichts von der Prokuratorsfrau und nichts von der Wunde zu sagen.« »Dabei bleibt es; ich habe Euch mein Wort gegeben.« »Ach, sehen Sie, er brächte mich gewiß um.« »Habt keine Furcht, er ist kein solcher Teufel, wie er aussieht.« Nach diesen Worten stieg d'Artagnan die Treppe hinauf und ließ den Wirt beruhigter zurück über die zwei Punkte, auf die er viel zu halten schien, nämlich über seine Schuldforderung und sein Leben.

D'Artagnan pochte an die Tür Nr. 1 und trat auf den Ruf: »Herein!« in das Zimmer. Porthos lag im Bett und spielte mit Mousqueton zur Unterhaltung eine Partie Landsknecht, indes sich ein Spieß mit Rebhühnern am Feuer drehte, und in jeder Ecke eines großen Kamins auf zwei Bratpfannen zwei Kasserollen prasselten, woraus der doppelte Wohlgeruch von Gibelotte und Matelote erquicklich duftete. Überdies waren ein Schreibkasten und eine Marmorplatte mit leeren Flaschen bedeckt. Porthos erhob ein lautes Gejubel, als er seinen Freund erblickte. Mousqueton stand ehrerbietig auf, trat ihm seinen Platz ab und ging zu den Bratpfannen, um einen Blick in die Kasserolle zu werfen, die er überwachen zu müssen schien. »Ha, bei Gott! Ihr seid es,« rief Porthos zu d'Artagnan. »Seid willkommen und entschuldigt mich, daß ich Euch nicht entgegengehe. Doch –« fügte er hinzu und blickte d'Artagnan mit einer gewissen Unruhe an – »wisset Ihr wohl, was mir begegnet ist?« »Nein.« »Hat Euch der Wirt nicht gesagt?« >»Ich habe bloß nach Euch gefragt und bin heraufgestiegen.« Porthos schien leichter zu atmen. »Was ist Euch also begegnet, lieber Porthos,« fuhr d'Artagnan fort. »Als ich wider meinen Gegner focht, und ihm schon drei Degenstiche beibrachte und ihn mit dem vierten in den Grund bohren wollte, stieß ich mit dem Fuß auf einen Stein und verrenkte mir das Knie.« »Wirklich?« »Auf Ehre. Das rettete den Elenden, denn ich hätte ihn tot auf dem Platz gelassen, das kann ich versichern.« »Und was ist aus ihm geworden?« »O, das weiß ich nicht; ich hatte genug und ging fort, ohne seinen Garaus zu verlangen; doch Ihr, lieber d'Artagnan, was ist Euch begegnet?« »Nun, lieber Porthos,« fuhr d'Artagnan fort, »so ist es diese Verrenkung, die Euch an das Bett fesselt?« »Ach, mein Gott! ja, weiter nichts; übrigens bin ich in wenigen Tagen schon wieder auf den Beinen.« »Doch, warum ließet Ihr Euch nicht nach Paris bringen? Ihr müßt ja hier entsetzliche Langweile haben!« »Ich wollte das, allein ich muß Euch etwas gestehen.« »Was?« »Eben, weil ich mich entsetzlich langweilte, wie Ihr sagt, und die fünfundsiebzig Pistolen in meiner Tasche hatte, die Ihr mir gegeben habt, ließ ich einen vorüberreisenden Edelmann zu meiner Zerstreuung heraufkommen und trug ihm eine Partie Würfel an. Er nahm es an, und meiner Treu! die fünfundsiebzig Pistolen wanderten aus meinem Sack in den seinigen hinüber, mein Pferd zu geschweigen, das er auch noch in den Kauf bekam. Doch Ihr – mein lieber d'Artagnan?« »Nun, mein lieber Porthos, man kann nicht überall Vorrechte haben,« versetzte d'Artagnan. »Ihr kennet das Sprichwort: ›Unglück im Spiel, Glück in der Liebe!‹ – Ihr seid zu glücklich in der Liebe, als daß sich das Spiel nicht rächen sollte. Aber was liegt Euch an dem Wechsel des Glückes? Glücklicher Schelm! habt Ihr nicht Eure Herzogin, die nicht ermangeln wird, Euch aus der Not zu helfen?« »Ach, mein lieber d'Artagnan,« erwiderte Porthos mit der unbefangensten Miene der Welt, »seht, wie alles verkehrt geht; ich schrieb ihr, sie möchte mir einige fünfzig Louisdor schicken, deren ich in meiner gegenwärtigen Lage durchaus benötige.« »Nun?« »Nun, sie muß sich auf ihren Gütern befinden, denn sie gab mir keine Antwort.« »Wirklich?« »Ja; darum schickte ich ihr gestern einen neuen Brief, der noch dringlicher war als der erste. – Doch Ihr seid hier, mein Lieber! sprechen wir also von Euch. Ich gestehe, daß ich schon anfing, in bezug auf Euch etwas bekümmert zu werden.« »Doch Euer Wirt behandelt Euch gut, wie es scheint, lieber Porthos?« versetzte d'Artagnan, indem er auf die vollen Kasserollen und die leeren Flaschen zeigte. »cosi, cosi,« antwortete Porthos. »Der Elende hat mir schon vor drei oder vier Tagen seine Rechnung gebracht, doch habe ich sie samt ihm zur Tür hinausgeworfen, wonach ich mich hier wie ein Sieger, wie ein Eroberer befinde. Auch bin ich bis an die Zähne bewaffnet, wie Ihr sehet, weil ich einen Überfall befürchten muß.« »Doch,« versetzte d'Artagnan lächelnd, »doch scheint mir, daß Ihr bisweilen einen Ausfall machet.« Er zeigte hier mit dem Finger auf die Flaschen und Kasserolle. »Leider nicht ich,« entgegnete Porthos. »Diese elende Verrenkung heftet mich ans Bett; Mousqueton zieht zu Feld und bringt Lebensmittel. Mousqueton, mein Freund,« fuhr Porthos fort, »du siehst, daß wir Verstärkung bekommen haben; wir brauchen somit mehr Proviant. Stelle den Tisch hierher, und d'Artagnan wird uns, während wir frühstücken, erzählen, was ihm in den letzten Tagen begegnet ist, seit er uns verlassen hat.« »Recht gern,« versetzte d'Artagnan. Während nun Porthos und Mousqueton mit dem Appetit von Wiedergenesenden und jener brüderlichen Gemütlichkeit frühstückten, welche die Menschen im Unglück näherrückt, erzählte d'Artagnan, wie Aramis verwundet und genötigt worden war, in Crèvecoeur zurückzubleiben; wie er Athos zu Amiens in den Händen von vier Männern zurückließ, die ihn der Falschmünzerei beschuldigten, und wie er selbst, d'Artagnan, gezwungen war, den Grafen von Wardes in den Sand zu bohren, um England zu erreichen. Bis dahin ging d'Artagnan in seiner vertraulichen Mitteilung. Er sagte nur noch, daß er aus England vier prachtvolle Pferde mitgebracht habe, wovon eines für ihn und ein anderes für jeden Gefährten bestimmt sei, und schloß damit, daß er Porthos ankündigte, das seinige stehe bereits im Stalle des Gasthauses.

In diesem Moment trat Planchet ein und meldete seinem Herrn, die Pferde hätten sich hinlänglich ausgerastet, und man könnte noch bis Clermont reiten und dort übernachten. D'Artagnan war in bezug auf Porthos ziemlich beruhigt, und da er so gern auch von den zwei andern Freunden Kundschaft eingezogen hätte, so bot er dem Kranken die Hand und erklärte, er wolle sogleich abreisen, um seine Nachforschungen fortzusetzen. Übrigens hoffe er, wieder hierher zurückzukommen, um dann Porthos mitzunehmen, falls er sich nach sechs bis acht Tagen noch im Hotel befinden sollte. Porthos entgegnete, es sei ganz wahrscheinlich, daß ihm seine Verrenkung bis dahin noch nicht erlaube, sich auf den Weg zu machen, und außerdem müsse er in Chantilly bleiben, und die Antwort der Herzogin abwarten. D'Artagnan wünschte ihm, daß diese Antwort bald und glücklich ankomme, empfahl Mousqueton seinen Freund Porthos zur Obsorge, bezahlte dem Wirt seine Zeche und begab sich wieder auf den Weg mit Planchet, der bereits eines der Handpferde losgeworden war.

 << Kapitel 24  Kapitel 26 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.