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Die drei Musketiere

Alexandre Dumas (der Ältere): Die drei Musketiere - Kapitel 23
Quellenangabe
typenarrative
authorAlexander Dumas
titleDie drei Musketiere
year1928
publisherZenith-Verlag Erich Stolpe
editorGeorg Carl Lehmann
senderwww.gaga.net
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
modified20190508
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Das Rendezvous.

D'Artagnan ging eilfertig nach Hause, Planchet schloß ihm die Tür auf. »Hat jemand einen Brief für mich gebracht?« fragte d'Artagnan rasch. »Es hat niemand einen Brief gebracht,« erwiderte Planchet, »doch ist einer ganz allein gekommen.« »Was willst du damit sagen, Tölpel?« »Ich will sagen, daß ich bei meiner Zurückkunft, obwohl ich den Schlüssel Ihrer Wohnung in der Tasche trug und ihn nicht von mir weggab, in Ihrem Schlafgemach auf dem grünen Teppich des Tisches einen Brief fand.« »Wo ist dieser Brief?« »Ich ließ ihn liegen, wo er lag, mein Herr! Es ist nicht natürlich, daß Briefe auf solche Weise zu den Leuten kommen. Wäre noch das Fenster ganz oder halb offen gewesen, würde ich nichts sagen; aber alles war hermetisch verschlossen. Geben Sie acht, mein Herr, denn da obwaltet sicher ein Spukwerk.« Mittlerweile stürzte der junge Mann in das Zimmer und öffnete den Brief. Er war von Madame Bonacieux und lautete wie folgt: »Man hat Ihnen den wärmsten Dank abzustatten und zu überbringen; begeben Sie sich diesen Abend gegen zehn Uhr nach Saint-Cloud, dem Pavillon gegenüber, der sich an der Ecke des Hauses des Herrn d'Estrées erhebt. C. B.« Als d'Artagnan diesen Brief gelesen, fühlte er, wie sich sein Herz erweiterte und wieder zusammenpreßte mit jenem süßen Krampfe, der Liebenden zugleich wohl und wehe tut. Das war das erste Briefchen, das er empfing, das erste Rendezvous, das ihm zugestanden wurde. Sein Herz, von wonniger Trunkenheit geschwellt, drohte zu zerspringen an der Schwelle des irdischen Paradieses, das man die Liebe nennt. Planchet zog sich zurück. Als d'Artagnan allein im Zimmer war, las er wiederholt das Briefchen durch und küßte über zwanzigmal diese Zeilen von der Hand seiner schönen Geliebten. Endlich ging er zu Bett, schlief ein und hatte goldene Träume. Um sieben Uhr früh stand er auf und rief Planchet. »Planchet,« sagte d'Artagnan, »ich gehe vielleicht den ganzen Tag fort, du bist also frei bis sieben Uhr abends; aber um sieben Uhr halte dich bereit mit zwei Pferden.« »Es scheint,« versetzte Planchet, »wir wollen uns die Haut noch an mancherlei Stellen durchlöchern lassen.« »Du hast deine Muskete und deine Pistolen mitzunehmen.« »Nun, es kommt, wie ich sagte,« rief Planchet. »Sei doch ruhig, Dummkopf! hier handelt es sich ganz einfach um eine Lustpartie.« »Ja, wie unlängst bei den Vergnügungsreisen, wo es Kugeln regnete und Wolfsfallen hagelte.« »Solltest du dich übrigens fürchten, Planchet,« erwiderte d'Artagnan, »so will ich ohne dich gehen; ich reise lieber allein, als mit einem Hasenfuß.« »Mein Herr,« entgegnete Planchet, »Sie tun mir unrecht; mich dünkt doch. Sie haben mich rührig gesehen.« »Ja, allein, ich glaube, daß du all deinen Mut auf einmal verbraucht hast.« »Sie werden sehen, daß ich nötigenfalls noch einen Rest übrig habe, nur bitte ich, nicht verschwenderisch damit umzugehen, wenn ich noch länger auskommen soll.« »Glaubst du diesen Abend noch eine gewisse Summe verwenden zu können?« »Ich hoffe das.« »Nun, so will ich auf dich rechnen.« »Ich werde zur benannten Stunde bereit sein; ich glaubte nur, Sie hätten bloß ein Pferd im Stalle der Garden.« »Wohl kann in diesem Augenblick nur eins dort sein, aber diesen Abend wird es vier daselbst geben.« »Unsere Reise scheint eine Remontereise gewesen zu sein.« »Allerdings,« versetzte d'Artagnan, wiederholte Planchet noch einmal seinen Auftrag und ging fort.

Herr Bonacieux stand an seiner Tür, d'Artagnan wollte vorübergehen, ohne mit dem würdigen Krämer zu reden; allein dieser grüßte ihn so freundlich und zuvorkommend, daß sich der Mietsmann nicht bloß bewogen fühlte, den Gruß zu erwidern, sondern sich auch in ein Gespräch mit ihm einzulassen. Die Rede kam natürlich auf die Einsperrung des armen Mannes. Herr Bonacieux, der es nicht wußte, daß d'Artagnan sein Gespräch mit dem Manne von Meung behorcht hatte, erzählte seinem Mietsmann die Verfolgungen dieses Ungeheuers, das Herr von Laßmann sei, den er immer nur einen Henker nannte, und dehnte sich ins Lange und Breite aus über die Bastille, die Riegel, die Türen, die Luftlöcher, die Gitter und Folterbänke. D'Artagnan hörte ihm mit beispielloser Geduld zu und sprach dann, als er zu Ende war: »Und wissen Sie, was mit Madame Bonacieux geschehen ist? Ist sie entführt worden?« »Ah,« rief Herr Bonacieux, »Sie haben sich wohl gehütet, mir das zu sagen, und auch meine Frau schwur mir bei den Göttern, daß sie nichts davon wußte.« Dann fuhr er in einem überaus gutmütigen Tone fort: »Und was ist denn in dieser letzten Zeit mit Ihnen vorgegangen? Ich habe weder Sie gesehen noch Ihre Freunde, und Sie haben gewiß den vielen Staub, den Planchet gestern von Ihren Stiefeln klopfte, nicht auf dem Pflaster von Paris gesammelt.« »Sie haben recht, mein lieber Herr Bonacieux! meine Freunde und ich haben eine kleine Reise gemacht.« »Weit von hier?« »Ach, Gott! nein, bloß vierzig Meilen von hier; wir geleiteten Athos in die Bäder von Forges, wo meine Freunde bei ihm blieben.« »Und Sie sind zurückgekommen, nicht wahr?« fragte Bonacieux und gab sich eine höchst witzige Miene. »Ein so hübscher Junker, wie Sie sind, bekommt keinen langen Urlaub von seiner Geliebten, nicht wahr, und man hat uns schon ungeduldig in Paris zurückerwartet?« »Meiner Treu,« entgegnete der junge Mann lachend, »ich bekenne Ihnen das um so lieber, mein werter Herr Bonacieux, als ich sehe, daß man vor Ihnen nichts verheimlichen kann. Ja, man hat mich erwartet, und zwar sehr sehnlichst, dafür kann ich stehen.« Eine leichte Wolke schwebte über Bonacieux' Stirn, doch so leicht, daß sie d'Artagnan gar nicht bemerkte. »Und wir werden für unsern Eifer belohnt werden?« fuhr der Krämer mit einer leichten Bewegung der Stimme fort, eine Bewegung, die d'Artagnan ebensowenig als jene Wolke bemerkte, die einen Augenblick zuvor die Stirn des würdigen Mannes umschleierte. »O, schweigen Sie doch!« rief d'Artagnan lachend. »Nein,« antwortete Bonacieux, »ich sage Ihnen dies bloß, um zu erfahren, ob wir spät zurückkehren werden.« »Warum diese Frage, mein lieber Wirt?« versetzte d'Artagnan, »sind Sie vielleicht willens, auf mich zu warten?« »Nein, aber seit meiner Einkerkerung und jenem Diebstahl, der bei mir begangen worden ist, erschrecke ich, so oft ich eine Tür aufgehen höre, und zumal des Nachts. Nun, ich bin ja kein Krieger!« »Nun, erschrecken Sie nicht, wenn ich erst um ein Uhr, um zwei Uhr oder um drei Uhr früh zurückkomme; erschrecken Sie nicht, wenn ich ganz ausbleibe.« Diesmal erblaßte Bonacieux dergestalt, daß d'Artagnan nicht umhin konnte, es zu bemerken, und ihn zu fragen, was ihm fehle. »Nichts,« erwiderte Bonacieux, »nichts. Erst seit meinen Unfällen bin ich Schwachheiten unterworfen, die mich oft auf einmal überfallen, und eben durchrieselte mich wieder ein Schauder. Achten Sie nicht darauf und beschäftigen Sie sich bloß mit dem Gedanken an Ihr Glück.« »Dann bin ich auch beschäftigt, da ich glücklich bin.« »Noch nicht, warten Sie also. Sie sagten ja, diesen Abend . . .« »Nun, dieser Abend wird kommen, so Gott will: und Sie harren wohl darauf ebenso sehnsuchtsvoll wie ich? Vielleicht wird Madame Bonacieux ihrem Gemahl einen Besuch abstatten.« »Madame Bonacieux ist für diesen Abend nicht frei,« entgegnete der Gemahl sehr ernst; »ihr Dienst hält sie im Louvre zurück.« »Um so schlimmer für Sie, mein lieber Wirt! um so schlimmer; wenn ich glücklich bin, möchte ich, daß es alle Welt wäre; doch scheint das nicht möglich zu sein.« Der junge Mann entfernte sich, laut lachend über den Scherz, den er seiner Meinung nach allein verstanden hatte. »Unterhalten Sie sich gut,« rief ihm Bonacieux nach mit ersterbender Stimme.

Er begab sich nach dem Hotel des Herrn von Tréville; sein Besuch war tags zuvor sehr kurz, wie man sich erinnern wird, und führte zu ganz geringer Erklärung. Er traf Herrn von Tréville in der Freude seines Herzens. Der König und die Königin waren auf dem Ball höchst huldreich gegen ihn, doch war der Kardinal in einer ganz verdrießlichen Stimmung. Um ein Uhr früh begab er sich weg, unter dem Vorwand einer Unpäßlichkeit. Ihre Majestäten waren erst um sechs Uhr früh nach dem Louvre zurückgekehrt. Herr von Tréville durchblickte alle Winkel des Zimmers, um zu sehen, ob er mit d'Artagnan allein sei, und sprach dann zu ihm mit gedämpfter Stimme: »Nun, mein junger Freund, reden wir von Ihnen; denn Ihre glückliche Rückkehr hat offenbar großen Anteil an der Freude des Königs, an dem Triumph der Königin und an der Demütigung Seiner Eminenz. Nun müssen Sie sich klug benehmen.« »Was habe ich zu befürchten,« fragte d'Artagnan, »solange ich so glücklich bin, die Gunst Ihrer Majestäten zu genießen?« »Alles, glauben Sie mir. Der Kardinal ist nicht der Mann, der eine Mystifikation vergißt, solang er mit dem Mystifizierenden noch nicht Abrechnung gehalten hat, und der Mystifizierende scheint mir so ganz die Miene eines gewissen Junkers zu haben, den ich kenne.« »Glauben Sie denn, der Kardinal wisse ebensogut wie Sie, daß ich in London war?« »Teufel! Sie waren in London? und von London brachten Sie den schönen Diamanten mit, der an Ihrem Finger schimmert? Seien Sie auf Ihrer Hut, lieber d'Artagnan! um das Geschenk eines Feindes ist es nichts Gutes.« »Dieser Diamant, mein Herr, kommt nicht von einem Feind, er kommt von der Königin.« »Ho, ho!« rief Herr von Tréville, »von der Königin! Das ist wahrhaftig ein königliches Juwel, das tausend Pistolen wie einen Pfennig gilt. Durch wen ließ sie Ihnen dieses Geschenk überbringen?« »Sie hat es mir selbst gegeben.« »Wo das?« »In dem Kabinett neben dem Zimmer, wo sie sich umkleidete.« »Wie?« »Indem sie mir die Hand zum Kusse bot.« »Sie haben die Hand der Königin geküßt?« fragte Herr von Tréville und starrte d'Artagnan an. »Ihre Majestät geruhte mir diese Gnade zu erzeigen.« »Und das vor Zeugen? Die Unkluge – die dreifach Unkluge!« »Nein, mein Herr, fassen Sie sich, niemand hat es gesehen,« entgegnete d'Artagnan, und erzählte Herrn von Tréville, wie das zuging. »O, die Weiber, die Weiber!« rief der alte Krieger, »ich erkenne sie wieder an ihrer romantischen Einbildungskraft; alles bezaubert sie, was geheimnisvoll ist. Sie haben also den Arm gesehen und weiter nichts? Sie würden der Königin begegnen, ohne sie wiederzuerkennen? Sie würde Ihnen begegnen, ohne daß sie wüßte, wer Sie sind?« »Nein, allein mittels dieses Diamanten . . .« sprach der junge Mann. »Hören Sie,« erwiderte Tréville, »soll ich Ihnen einen Rat geben, einen guten Rat, einen Freundesrat?« »Erzeigen Sie mir die Ehre, mein Herr,« sagte d'Artagnan. »Gut, gehen Sie zu dem nächsten besten Goldschmied, verkaufen Sie diesen Diamanten für das, was er Ihnen geben wird; jeder Jude wird Ihnen wenigstens achthundert Pistolen dafür bezahlen! Die Pistolen haben keinen Namen, junger Mann, doch dieser Ring hat einen furchtbaren, und kann den verraten, der ihn trägt.« »Diesen Ring verkaufen!« rief d'Artagnan, »einen Ring, der von meiner Fürstin kommt – nie!« »Dann, armer Narr! wenden Sie den Stein nach innen, denn man weiß, daß ein Junker aus der Gascogne solche Kleinodien nicht im Schranke seiner Mutter findet.« »Sie glauben also, daß ich etwas zu fürchten habe?« fragte d'Artagnan. »So zwar, junger Mann, daß derjenige, der auf einer Mine schläft, deren Lunte angezündet ist, sich im Vergleich mit Ihnen sicher halten darf.« »Teufel!« rief d'Artagnan, »was ist da zu tun?« »Für immer und vor allem auf der Hut sein. Der Kardinal hat ein gutes Gedächtnis und eine lange Hand; glauben Sie mir, er wird Ihnen einen Streich spielen.« »Doch welchen?« »Weiß ich das? hat er nicht alle Künste in Fron? das Geringste, was Ihnen geschehen kann, ist, daß man Sie einsperrt.« »Wie, man würde es wagen, einen Mann zu verhaften, der im Dienste Seiner Majestät steht?« »Bei Gott! man hat mit Athos wenig Umstände gemacht! jedenfalls, junger Tor, glauben Sie einem Manne, der dreißig Jahre lang bei Hof ist, und schlafen Sie nicht ein in Ihrer Sorglosigkeit, sonst sind Sie verloren. Im Gegenteil, sage ich Ihnen, erblicken Sie rings um sich nichts wie Feinde. Sucht man mit Ihnen Streit, so weichen Sie, ob ihn auch ein zehnjähriges Kind suchte; greift man Sie an bei Tag oder Nacht, so ziehen Sie sich im Kampfe zurück, und schämen Sie sich deshalb nicht; setzen Sie über eine Brücke, so betasten Sie die Bretter, aus Besorgnis, daß ein Brett unter Ihrem Fuße weiche; gehen Sie da vorüber, wo eben ein Haus gebaut wird, so blicken Sie in die Höhe, aus Furcht, es möchte ein Stein auf ihren Kopf fallen; kehren Sie nachts spät zurück, so lassen Sie sich von Ihrem Lakai begleiten, und dieser sei bewaffnet, wenn Sie anders Ihrem Bedienten trauen können. Ziehen Sie alle Welt in Verdacht, Ihren Freund, Ihren Bruder, Ihre Geliebte, ja, vorzüglich Ihre Geliebte.« D'Artagnan wurde rot. »Meine Geliebte!« wiederholte er maschinenartig; »und warum sie mehr als andere?« »Der Kardinal bedient sich gern dieses Mittels, da es auch das wirksamste ist. Ein Weib verkauft Sie für zehn Pistolen, wie es Dalila beweiset. Sie kennen doch die Heilige Schrift? Hm!« D'Artagnan dachte an das Rendezvous, das ihm Madame Bonacieux für diesen Abend gab; doch müssen wir es zum Lob unseres Helden gestehen, daß ihm die üble Meinung, die Herr von Tréville von den Frauen überhaupt hatte, gar keinen Verdacht gegen seine schöne Wirtin erweckte. »Doch sagen Sie,« fragte Herr von Tréville, »was ist denn aus Ihren drei Gefährten geworden?« »Eben wollte ich selber fragen, ob Sie von ihnen nichts wissen.« »Nichts, mein Herr.« »Nun, ich habe sie auf meiner Reise zurückgelassen. Porthos in Chantilly mit einem Duell am Hals: Aramis in Crèvecoeur mit einer Kugel in der Schulter; Athos in Amiens mit einer Falschmünzerbeschuldigung auf dem Leibe.« »Sehen Sie,« sagte Herr von Tréville, »und wie sind Sie durchgekommen?« »Mein Herr, wunderbar, ich muß es gestehen, mit einem Degenstich in der Brust, und indem ich den Grafen von Wardes an der Straße von Calais so wie einen Schmetterling an die Tapete spießte.« »Da sehen Sie wieder! von Wardes, einen Mann des Kardinals, einen Vetter von Rochefort; doch halt, mein Freund, mir kommt ein Gedanke.« »O, sprechen Sie, mein Herr!« »Ich würde etwas tun an Ihrer Stelle.« »Was?« »Während mich Seine Eminenz in Paris aufsuchen ließe, würde ich mich ganz still und sachte auf den Weg nach der Pikardie begeben und Erkundigungen über meine drei Gefährten einziehen. Bei Teufel, sie verdienen doch diese kleine Aufmerksamkeit von Ihrer Seite.« »Der Rat ist gut, und ich will morgen abreisen.« »Erst morgen und warum nicht diesen Abend?« »Diesen Abend hält mich eine unausweichliche Angelegenheit in Paris zurück.« »Ah, junger Mann, junger Mann! irgend eine Liebschaft? Geben Sie wohl acht, ich wiederhole es: das Weib hat uns alle, wie wir sind, ins Verderben gebracht, und bringt uns ins Verderben, wie wir alle sind und sein werden. Glauben Sie mir, reisen Sie noch diesen Abend.« »Unmöglich!« »Haben Sie also Ihr Wort verbürgt?« »Ja, mein Herr.« »Nun, das ist etwas anderes, doch versprechen Sie mir, daß Sie morgen abreisen, wenn Sie diese Nacht nicht getötet werden.« »Ich verspreche es Ihnen.« »Bedürfen Sie Geld?« »Ich besitze noch fünfzig Pistolen; das ist hinreichend, wie ich denke.« »Doch Ihre Gefährten?« »Ich glaube, daß sie nicht Mangel leiden; wir sind von Paris jeder mit fünfundsiebzig Pistolen im Sack abgereist.« »Werde ich Sie noch sehen, ehe Sie abreisen?« »Ich denke nicht, wenn sich nichts Neues ergibt.« »Nun, Glück zur Reise.« »Ich danke, mein Herr.« D'Artagnan beurlaubte sich von Herrn von Tréville, inniger gerührt als jemals durch seine väterliche Sorgfalt für seine Musketiere.

Als er bei dem Hotel der Garden vorüberging, warf er einen Blick in den Stall, drei von den vier Pferden waren schon angekommen. Planchet erstaunte darüber, fing an, sie zu striegeln, und hatte bereits zwei davon geputzt. Als er d'Artagnan sah, sagte er: »Ach, mein Herr, wie bin ich froh, daß ich Sie sehe.« »Warum das?« fragte d'Artagnan. »Setzen Sie denn Vertrauen in Herrn Bonacieux, unsern Wirt?« »Ich? ganz und gar nicht.« »O, Sie tun recht wohl daran.« »Wie kommst du zu dieser Frage?« »Nun, während Sie mit ihm sprachen, habe ich Sie beobachtet, ohne Sie zu behorchen, und dabei bemerkt, daß er drei- oder viermal seine Gesichtsfarbe veränderte.« »Bah!« »Da Sie sich nur mit dem Briefe beschäftigten, den Sie erhielten, haben Sie das nicht beachtet; allein ich, der ich durch diesen so seltsam in das Haus gelangten Brief behutsam geworden bin, ich verlor keine Bewegung seines Gesichts.« »Und du fandest sie –« »Verräterisch, mein Herr.« »Wirklich?« »Ja, noch mehr; als Sie von ihm weggingen und an der Straßenecke verschwanden, nahm Herr Bonacieux seinen Hut, versperrte die Tür und eilte in aller Hast nach der gegenüberliegenden Straße.« »Du hast auch recht, Planchet, alles das kommt mir jetzt zweideutig vor; doch sei unbekümmert, wir bezahlen ihm unsere Miete nicht früher, als bis er uns die Sache umständlich erörtert haben wird.« Obwohl d'Artagnan im Grund ein ganz kluger Junker war, so ging er doch, um zu Mittag zu essen, anstatt nach Hause, zu dem gascognischen Priester, der zu jener Zeit, als die vier Freunde am Hungertuch nagten, sie mit einem Schokoladenfrühstück bewirtete.

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