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Die drei Freundinnen

Helene Hübener: Die drei Freundinnen - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorHelene Hübener
titleDie drei Freundinnen
publisherD. Gundert, Verlag
printrun42.-47. Tausend
year1928
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131211
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wgs9110
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6. Lorchens Kinder

In dem Hinterhause einer großen Stadt wohnte Lorchen mit ihrer Familie. Doch denke man sich dies Haus nicht nach einem finstern Hof liegend, von düsteren grauen Mauern umgeben. Nein, blühende Gärten gab's ringsumher, Gärten, die zwar dem Hinterhause nicht zugänglich waren, sondern den reichen, vornehmen Leuten in den prächtigen, nach der Straße zu gelegenen Häusern gehörten, die aber das Auge eines jeden, wohne er nun hinten oder vorn, nichtsdestoweniger erfreuen konnten. So schaute auch Lorchen, die etwa fünfundvierzig Jahre alte Witwe, von ihrem Wohnzimmer aus in die Rosenpracht der Gärten. Springbrunnen plätscherten; auf dem Rasen gab es bunte Teppichbeete in verschiedenen Mustern, schöne Baumgruppen und ausländische Sträucher erfreuten das Auge.

Jetzt kommt ein Mägdlein von etwa zwölf Jahren gesprungen. Sie schmiegt sich an die Mutter und sagt: »Wir haben's doch schön, Mütterchen, wir können uns einbilden, es gehöre alles uns!«

»Und doch dürft ihr armen Kinder mit keinem Schritt in diese Gärten. O, wenn die Großeltern noch lebten, dann solltet ihr es gut haben, dann könntet ihr nach Herzenslust in unsern Gärten herumspringen, wie ich es als Kind getan habe. Könnte ich noch einmal mit meinen Freundinnen unter meinem Apfelbaum sitzen!«

»Mütterchen, sei nicht traurig,« schmeichelte die Kleine, »sieh, wir haben es hier so gut, viel besser als in der früheren engen Wohnung. Wenn wir ins Freie wollen, gehen wir mit dir spazieren in die Felder, du erzählst uns vom seligen Vater oder von den Großeltern und von der strengen Urgroßmutter oder auch von der Tante Elfriede, und das ist alles so schön!«

»Gott erhalte dir deinen zufriedenen Sinn, mein Töchterchen. Du hast recht, wir haben's gut und haben Gott täglich für alles zu danken, was wir durch seine Güte genießen. Doch nun geh an die Arbeit. Ich habe in der Stadt etwas zu tun und muß euch ein Stündchen allein lassen. Martha und du, ihr müßt auf die jüngeren Geschwister acht geben.«

Lorchen, das heitere, lebensfrohe Lorchen hatte glückliche Tage erlebt an der Seite ihres trefflichen Gatten, des Pastors Rost. Doch die Trübsal war nicht ausgeblieben. Krankheit und Tod waren bei ihnen eingekehrt; zwei blühende Kinder fielen einer ansteckenden Krankheit zum Opfer, und dann wurde der Gatte in der Blüte seiner Jahre dahingerafft. Das waren schwere, dunkle Zeiten für Lorchen gewesen. Sie hatte aber gelernt, sich still und demütig in Gottes Wege zu schicken, die höher sind als die unseren. Sie hatte es an Elfriedens Krankenbett gelernt und dann in der eigenen Trübsal. Sie hatte aber auch Gottes Trost, den er in seinem Wort bietet, reichlich erfahren und wußte es, daß der Herr in besonderer Weise der Witwen und Waisen Freund und Berater ist. Sie, die im Elternhause keine Einschränkung und Not hatte kennen lernen, sie lernte nun, sich mit wenigem begnügen, und erzog ihre Kinder in strengster Einfachheit. Tun wir einen Blick in ihr Daheim. Sie hat es eben verlassen, um einen Gang zum Stadtrat zu unternehmen und dort für ihre Kinder eine Bitte vorzubringen.

Es ist heute schwül im Hinterstübchen, schwere Gewitterwolken ziehen herauf und verheißen zum Abend Kühlung und Erfrischung. Johanna und Martha, Mädchen von vierzehn und zwölf Jahren, sitzen am Fenster und stopfen Strümpfe. Es scheint gerade keine Lieblingsbeschäftigung zu sein, denn es kommen tiefe Seufzer aus der jugendlichen Brust, und sie zeigen einander klagend die Löcher, welche die bösen Brüder leichtsinnig gerissen haben, ohne zu bedenken, wieviel Not sie den Schwestern dadurch bereiten.

»Ich wollte, ich wäre auch ein Junge,« sagte Johanna, indem sie die Arbeit hinlegte und die heißen Hände trocknete, »es ist viel schöner, bei den Büchern zu sitzen, als sich so jämmerlich Plagen zu müssen.«

»Aber Johanna,« wandte die sanfte Martha vorwurfsvoll ein, »was sollte dann die arme Mutter machen! Es ist gut, daß sie zwei Töchter hat, die sie unterstützen können. Ich stopfe auch nicht gern, aber aus Liebe zur Mutter überwinde ich meinen Widerwillen.«

Johanna, welche die Mutter herzlich lieb hatte, nahm sogleich die Arbeit wieder auf und schwieg. Ein Knabe von zehn Jahren machte seine lateinischen Übungen und deklinierte so laut, daß der achtjährige, der mit Rechenexempeln beschäftigt war, seine Tafel gleichmütig nahm und ins Nebenzimmer ging.

Johanna, die es sah, rief: »Kurt, rühre ja nichts von Ottos Sachen an, du weißt, er ist sehr eigen.«

Jetzt kamen kleine Füßchen die Treppe herauf. Der sechsjährige Karl erschien in der Tür mit weinerlichem Gesicht. »Nun, was gibt's denn, Karlchen?« fragte Martha, ihn zu sich heranwinkend.

»Ich stand im Hof,« begann der Kleine klagend, »und steckte nur meine Nase ein wenig durch das Gitter des schönen Gartens. Da kam ein kleines geputztes Mädchen, drückte sie mit dem Daumen hinaus und sagte: »Bleib du nur mit deiner Nase draußen, die gehört nicht in unsern Garten.«

»Es hat auch gewiß gar nicht schön ausgesehen wie du deine Nase durch das Gitter gequetscht hast,« sagte Johanna, während Martha sanft die Wangen des Kleinen streichelte. Der Zehnjährige rief witzig dazwischen: »Man darf seine Nase nicht in alles stecken.« Und nun lachten sie alle und für die Kinder war's ein Spaß, was die Mutter vielleicht mit Seufzen aufgenommen hätte, denn ihr tat es weh, daß ihren Kindern die Flügel beschnitten waren, während sie selbst ihre Jugend in ungebundener Freiheit hatte verleben dürfen.

Martha hatte ihrem Liebling ein Bilderbuch gegeben, und es herrschte eine Weile tiefe Stille in der kleinen Wohnung der Pastorswitwe. Karlchen hatte das Bilderbuch durchblättert, legte es beiseite und sah sich um, ob es gar nichts Absonderliches gäbe. Es schien ihn nach etwas derartigem zu gelüsten. Er schlüpfte ins Nebenzimmer, zupfte Kurt am Jackenärmel und rief: »Bist du fertig? Dann« – dabei beschrieb er mit dem Zeigefinger einen Kreis, was der andere verstand. Es hieß: »Wir wollen uns ein wenig durch die Wohnung jagen.«

»Gleich,« sagte Kurt, und sein Gesicht zeigte einen Ausdruck des innigsten Einverständnisses. Sie fingen an, die Wohnung im Kreise zu durchlaufen. Die Schwestern hielten es für ihre Pflicht, ein mütterlich ermahnendes Wort dazwischenzurufen; doch da es auf Zehen ging, mochte der Hauswirt, der im unteren Stock wohnte, es ja wohl erlauben. Der Lateiner ließ seine Arbeit ruhen und sah dem Treiben zu. Es war zu verlockend. Jetzt war er mitten drunter, und nach etwa fünf Minuten sah man auf den Stühlen der jungen Mädchen nur die Handarbeiten liegen; die Stopfnadeln steckten mit langem Faden daran, und die jugendlichen Gestalten in den hellen Sommerkleidern jagten sich mit den Brüdern um die Wette durch die Stuben und Kammern, immer im Kreise herum. Sich necken und Verstecken in allen Ecken, sich überrumpeln und sich haschen, o es war eine Lust! »Leise!« rief immer eins dazwischen, wenn die andern sich vergaßen, aber allmählich wurde der Lärm lauter; der Zehentritt war längst in Trampeln ausgeartet, und der innern Lust wurde Ausdruck gegeben durch die verschiedensten Töne. Doch »die Freuden, die man übertreibt, verwandeln sich in Schmerzen!« Kurt und Georg prallten im Eifer des Gefechtes gegen einen kleinen Schrank im Wohnzimmer, welcher zunächst der Tür stand. Durch die starke Erschütterung geriet die daraufstehende Lampe ins Schwanken, und als Johanna und Martha nun die drei Brüder fassen wollten und auch dagegen stießen, stürzte die Lampe mit Donnergepolter zur Erde. Da gab es Scherben und Trümmer, Ölflecke und bestürzte Gesichter. In der offenen Tür aber stand zornigen Angesichts der Wirt mit geballter Faust.

»Wenn die Bande es so macht, muß sie Michaelis ausziehen. So etwas dulde ich in meinem Hause nicht,« sagte er, sich nach Lorchen umsehend, die eben fröhlichen Herzens die Treppe heraufkam, denn sie hatte für Georg freie Schule erwirkt. Sie stand wie angedonnert da. Ein ernster Blick traf die sonst folgsamen Kinder. Der Blick hatte ein fünfstimmiges Schluchzen zur Folge. Auf der Treppe zum zweiten Stockwerk stand die ganze dort wohnende Familie, neugierig lugend, was es da unten gebe. »Seht ihr,« drohte der Schneider seinen hoffnungsvollen Sprößlingen, wilden, als Rotte Korah bekannten Rangen, »ich hab's euch gesagt, nehmt euch in acht, der da unten fackelt nicht.«

Der Wirt, der durch einige begütigende Worte der Pastorin, sowie durch das reuige Schluchzen der Kinder etwas in Verlegenheit gebracht war, ging brummend davon. Er stieß auf einen jungen Mann, der eine Botanisiertrommel und ein Tuch im Vorsaal ablegte. Derselbe, Ottos Freund, war schon einige Minuten da, er hatte durch die offene Tür den ganzen Jammer mit angesehen, und da er meinte, in die Sache nicht hineinzupassen, so ging er still davon, indem er für sich sagte: »Otto wird die Sachen wohl finden, wenn er nach Hause kommt, es ist gut genug von mir, daß ich sie ihm nachgetragen habe.«

Die Mutter war mit ihren Kindern allein. Sie mußten die Scherben wegräumen, den unversehrt gebliebenen bronzenen Lampenfuß reinigen und aufheben. Ruhig und ernst war der Mutter Stimme, sie sah traurig aus, aber kein Wort des Vorwurfs kam über ihre Lippen. Erst als die Ordnung wieder hergestellt war, ließ sie sich den Vorgang erzählen und verzieh den Kindern, denen es aufrichtig leid war, willig. Eine Lüge würde sie hart bestraft haben. Daß die Kinder einmal Freiheitsgelüste gehabt hatten, konnte sie ihnen nicht verargen, es war nur unbesonnen, daß sie einen so unpassenden Ort zu ihrem Tummelplatz gewählt hatten.

Lorchen hatte schon immer prüfend nach dem Himmel gesehen. Sie harrte auf Ottos Rückkehr und hoffte ihn vor dem Gewitter daheim zu haben. Doch es wurde dunkler und dunkler, Blitze zuckten und der Donner rollte. Das Gewitter trat in der Landeshauptstadt weit stärker auf als in Eichstädt, wo es, wie wir wissen, mit einem gewaltigen Regen abgetan war. Die Mutter beruhigte die ängstlich zu ihr rückenden Kinder, sie sprach ihnen Mut ins Herz und tröstete die kleine verzagte Schar.

Als es nachgelassen hatte und nur der Regen sich noch in Strömen ergoß, flüsterte Johanna: »Wo mag nur Otto sein?« »Unter Gottes Schutz,« sagte die Mutter zuversichtlich und blickte gen Himmel. »Ich wollte, er wäre erst da,« wünschte Martha, »er wird sehr naß sein.«

»Seht nur,« rief Karl, der ans Fenster geeilt war, »wie schön die Gärten durch den Regen geworden sind; die Rosen sehen so frisch aus, als wären sie eben erst aufgeblüht.« Die Kinder verteilten sich alle an die Fenster und stellten ihre Beobachtungen an über die Gärten und die gegenüberliegenden Häuser. Mütterchen setzte sich in ihren Lehnstuhl und begann zu erzählen aus ihrer Jugendzeit und wie gut sie es daheim gehabt, wie es aber viel besser sei, man habe es nicht so gut in der Jugend, man käme leichter durchs Leben. Die Großmutter habe es auch gesagt, und sie sehe wohl, daß sie recht gehabt habe usw. Dann wurde Licht angezündet, und die Kinder setzten sich still an ihre vorhin vernachlässigten Arbeiten. Die Fenster waren geöffnet. Die erfrischende Luft sollte die Schwüle hinaustreiben.

Es mochte gegen neun Uhr sein, da ließen sich Tritte auf der Treppe vernehmen. Die Türe des Nebenzimmers wurde geöffnet, und gleich darauf trat der uns bekannte lange Primaner ins Zimmer.

Mutter und Geschwister begrüßten ihn zärtlich, ihn verwundert betastend, wie trocken er sei und wie gut er aussehe nach den überstandenen Anstrengungen. Auf Mütterchens Befragen, was er zu essen wünsche, hieß es, er sei vollständig satt und bedürfe nichts. Sie sollten sich alle nicht stören lassen, er wolle in sein Stübchen gehen und arbeiten. Später wolle er erzählen. Er ging, ließ aber die Tür zu seiner Stube halb offen. Karlchen sollte ins Bett, wußte aber der Mutter die Erlaubnis abzuschmeicheln, ein halbes Stündchen länger aufzubleiben, es sei noch so heiß im Schlafkämmerlein, er müßte dann so sehr schwitzen, und Martha habe versprochen, ihm das schöne Märchen von der »Schneekönigin« vorzulesen. Da kam Martha schon mit dem Buch; ein bittender Blick aus den blauen Mädchenaugen hatte ein zustimmendes Nicken vom Mütterchen zur Folge. So begann Martha mit heller Stimme das Märchen vorzutragen.

Otto, der auf seinem Sofa saß, warf durch die halbgeöffnete Tür einen Blick auf die Gruppe im Wohnzimmer. Das liebe Mütterchen sah doch prächtig aus, noch so jugendlich frisch mit dem vollen kastanienbraunen Scheitel und der glatten Stirn. Doch lagerte auf derselben ein tiefer Ernst, und leise Wehmut umspielte ihre Lippen. Die Kinder saßen arbeitend um sie herum, nur Marthas Stimme trug laut das Märchen vor, auf das der Kleine mit Spannung lauschte.

Aber auch Otto schien wundersam ergriffen durch die Geschichte, die er schon hundertmal gelesen hatte, ohne sich das geringste dabei zu denken. Warum traf sie ihn heute so, die Geschichte von dem zerbrochenen Spiegel und seinen Splittern, die, wenn sie ein Mutterherz treffen, dasselbe ganz verkehrt machen! Wie? Sah er auch alles in verkehrtem Licht, durch die Brille der Vernunft? Er stand unruhig auf und trat ans offene Fenster. Arbeiten konnte er nicht; es war ihm unmöglich. Leise rauschte der Regen und tränkte noch einmal die übersatten Gärten. Von den Rosen träufelte das Wasser, sie neigten die Köpfe demütig zur Erde. Wie schön war die große weiße Hängerose mit ihren hundert Blüten und Knospen und den leichten, anmutigen Zweigen, die vom Winde leise hin und her bewegt wurden. Balsamische Düfte entsandten die Sträucher und Blumen, die alle, durch den Regen erquickt, sich in jugendlicher Frische reckten und streckten. Dazwischen tönte Marthas Stimme klar und hell, als sie weiterlas von den beiden Kindern Kay und Gerda, wie sie unter dem Rosenbaum sitzen und Gerda singt: »Ich liebe die Rosen in ihrer Pracht, doch mehr noch den Heiland, der selig uns macht.« Es durchzuckte Otto, als er dies hörte, es wurde ihm weich ums Herz, wie lange nicht. Er sah auf die Rosenpracht da unten in den Gärten, und noch einmal wiederholte er leise die eben vernommenen Worte: »Ich liebe die Rosen in ihrer Pracht, doch mehr noch den Heiland, der selig uns macht.« Und dazwischen drängte sich Tante Elfriedens Gesicht und die Worte, die sie ihm ans Herz gelegt hatte: »Suche Jesum und sein Licht, alles andere hilft dir nicht.«

Er lauscht weiter auf das wundersame Märchen. Je länger er zuhört, desto klarer wird es ihm: »Du bist der Kay, du hast dich von der Schneekönigin der Vernunft mitnehmen lassen in ihre eisige Wohnung, sie hält dich umklammert mit ihren kalten Armen, du kannst nicht zurück, du mußt ihr folgen. Dein Herz ist erstarrt, es handelt nur nach den Gesetzen der Vernunft und des Verstandes. Aber weiter – Gerda sucht den geliebten Kay, sie überwindet alle Schrecknisse und alle Gefahren, dringt durch Dick und Dünn, dringt vor bis an den Kristallpalast der Schneekönigin und ist imstande, das Eis in Kays Herzen zu schmelzen durch die Macht der Liebe. War in Gerda nicht vorgezeichnet die suchende und erbarmende Liebe Gottes, die auch den vernunftkalten, selbstgerechten Seelen nachgeht, bis sie das Eisgebäude der Vernunftreligion erschüttert hat und die Herzen weich gemacht und geschmolzen im Feuer ihrer Liebe, daß sie das Wort »Ewigkeit« fassen und begreifen können, daß sie wieder Kinder werden im Gemüt, daß sie ihre Vernunft gefangen geben unter den Gehorsam des Glaubens und das Wort vom Kreuz in kindlichem Glauben fassen?

Otto bedeckt sein Gesicht mit beiden Händen und bleibt regungslos sitzen. Er hört nicht die Geschwister aufbrechen und umherschwirren, die Außenwelt ist für ihn verloren. Es wird stiller und stiller um ihn her. Auf einmal fühlt er eine Hand auf seiner Schulter.

»Otto,« sagte die treue Mutter, »ich glaubte dich bei der Arbeit. Du scheinst unruhig und erregt. Es ist dir doch nichts Unangenehmes passiert?«

»Ich war im weißen Häuschen, Mutter, Tante Elfriede läßt grüßen. Laß mich jetzt, ich muß allein sein.« – »Gute Nacht, mein Sohn! – Gott behüte dich!« Sie drückte einen Kuß auf seine Stirn und verließ ihn. Ihr Angesicht strahlte. Einen Besuch bei Elfriede hatte sie sich längst für Otto gewünscht. Sie dankte Gott, der ihr das geschenkt hatte.

Otto war noch lange wach. Es war ein seltsamer und reicher Tag gewesen. Das Haus aus Sand gebaut hatte einen heftigen Stoß bekommen, und weil es des festen Grundes entbehrte, so mußte es fallen.

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