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Die drei aus Hollywood

Paul Rosenhayn: Die drei aus Hollywood - Kapitel 4
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typefiction
authorPaul Rosenhayn
titleDie drei aus Hollywood
publisherHugo Wille / Verlagsbuchhandlung / Berlin
illustratorKurt Lange
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III.

Der Schlüssel drehte sich zweimal im Schloß.

Fast ohne den Kopf zu wenden blickte die Fürstin auf. In ihren Augen war eine unruhige Frage. Aber während sich die schwere Bohlentür öffnete, nahm ihr Gesicht den gewohnten Ausdruck einer hochmütigen Gleichgültigkeit an.

Der Uniformierte blieb, die Mütze in der Hand, im Türrahmen stehen. Er legte die Hände an die Hosennaht. Seine Augen streiften, vielleicht war es Verlegenheit, vielleicht der beabsichtigte Ausdruck eines tiefen Respekts, über die Einrichtung des Zimmerchens, die nicht ohne eine gewisse Eleganz war. Mit leiser Stimme sagte er:

»Der Herr Doktor Saebenspurgk bittet Ihre Durchlaucht, die Frau Fürstin Klausenburg, um die Ehre einer Unterredung.«

»Doktor Saebenspurgk?« Die Fürstin schüttelte den Kopf. »Wer ist das?« In Wahrheit kannte sie den Namen genau. Aber sie ignorierte ihn aus trotzigem Stolz.

Der Wärter machte eine höfliche Verbeugung. »Der Herr Doktor Saebenspurgk, Durchlaucht, ist der Herr Untersuchungsrichter.«

Die Fürstin runzelte die Brauen. »Wenn der Untersuchungsrichter mich zu sprechen wünscht – warum kommt er nicht hierher?«

Der Mann in der Uniform wußte vielleicht nicht recht, was er auf diese Frage antworten sollte. Er begriff durchaus, daß eine Fürstin das Recht hat, eine Unterredung, selbst mit dem Herrn Untersuchungsrichter, nach Belieben anzunehmen oder abzulehnen; anderseits kannte er die Machtmittel eines Königlich Ungarischen Richters zu genau, um nicht zu wissen, daß in diesem Falle die Fürstin die Schwächere war.

»Der Herr Untersuchungsrichter, Durchlaucht – bitt' schön, sehen selbst, Durchlaucht, der Herr Untersuchungsrichter hat all die Sachen, die er braucht, hübsch beieinander. Auf seinem Schreibtisch. Und das wo dahinter steht, im Regal. Der Herr Untersuchungsrichter müßt' alles dieses mitschleppen, wenn er wollte Zu Durchlaucht kommen, um hier alle kleinen und großen Sachen zu besprechen, bitt' schön. Darum hat der Herr Untersuchungsrichter gebeten, daß Durchlaucht zu ihm kommt.«

Die Fürstin stand unmutig auf. »Es ist gut.«

Die beiden traten auf den Korridor hinaus. Der Wärter verschloß die Tür sorgfältig; dann ging er, immer einen halben Schritt hinter der Fürstin, an ihrer rechten Seite den Korridor hinunter. Er beobachtete sie von der Seite; sie fühlte seinen Blick. Alle Menschen in diesem Hause, in diesem Lande blickten von der Seite. Man fühlte ihren Blick, aber wenn man den Kopf wendete, sah man in höflich lächelnde Gesichter.

Irgendwo ging eine Tür. Ein Herr, groß, schmalschultrig, dunkelhaarig, mit einer mächtigen Hornbrille, kam ihnen entgegen. Es war der Oberstaatsanwalt Belvárosi. Sie kannte ihn wohl. Er machte eine tiefe Verbeugung, als er an ihr vorüberging. Er hatte, als junger Referendar, in ihrem Hause verkehrt.

Ein Seitenkorridor zweigte ab. Der Wärter wendete sich zur Rechten und klopfte an eine Tür. Er trat ehrerbietig zurück; die Tür ging von innen auf.

Die Fürstin trat ein.

Vor ihr stand Doktor Saebenspurgk. Der Untersuchungsrichter.

Sie betrachtete ihn aufmerksam, während er, wie alle andern in diesem Hause, sich tief und respektvoll vor ihr verbeugte.

Sie wußte, daß er Deutscher war, Er hatte seinen Namen magyarisiert; aber man erzählte sich, daß er im Herzen Deutscher geblieben wäre. Die hellen blauen Augen, das dunkelblonde Haar, alles an ihm war deutsch. Er galt für einen der befähigsten Juristen Ungarns; dennoch hatte er keine Karriere gemacht. Die Untersuchung gegen den Prinzen Windischgrätz hatte in seinen Händen gelegen; er hatte sie mit Scharfsinn geführt. Mit so großem Scharfsinn, daß er, was allen anderen nicht gelungen war, die Überführung und die Verurteilung des Prinzen durchgesetzt hatte. Er mochte vielleicht auf Beförderung gerechnet haben; statt dessen war er an ein anderes Gericht versetzt worden. Jedenfalls galt er für unbestechlich. Das bedeutete immerhin: für gerecht.

Sie blickte auf seine Kleidung, die mehr als anspruchslos war: unmodisch, betont unelegant. Das Jackett war zu eng, der Kragen krümmte sich im Nacken, die Hosen hatten nur die Andeutung einer Bügelfalte. Er war verbittert, das drückte sich in seiner Sprache, in seinem Habitus aus.

An der Wand hing, neben dem Schreibtisch, ein Spiegel.

Dieser Doktor Saebenspurgk sah nicht aus wie einer, der sich wohlgefällig zu betrachten pflegt. Hier war wieder eine jener kleinen Hinterhältigkeiten, die in diesem Hause gang und gäbe schienen; der Spiegel dort hatte sicher einen ganz bestimmten Zweck. Vielleicht daß der Richter scheinbar gedankenverloren den Kopf stützte, während der Vernommene ihm angstvoll gegenübersaß. Nun kam eine wichtige Frage. Vielleicht die Frage des ganzen Prozesses. Wie beiläufig warf der Richter einen unbemerkten Blick in diesen kleinen Spiegel – das verstörte Gesicht des Häftlings, der sich unbeobachtet glaubte, sagte ihm mehr als Nein und Ja.

Die Fürstin blickte verstohlen hinein.

Sie erschrak. Ihr Haar, dieses kastanienbraune, immer noch volle und reiche Haar der Vierzigerin, war in den wenigen Wochen ergraut. Ihre Augen, diese grauen klaren englischen Augen, waren glanzlos und trübe. Nur die Haltung war straff geblieben; aber sie wußte nur zu gut, welche Anstrengung es sie kostete, ihre innere Unruhe zu verbergen.

Der Richter hatte bisher scheinbar keine Notiz von ihr genommen. Er mochte daran gewöhnt sein, daß sich die Gefangenen in diesem Raume erst innerlich zurechtfinden mußten. Sie kamen aus halbdunklen Zellen; dieses Zimmer aber hatte keine Gitter. Ungehindert fiel das Licht der Sonne herein. Dort reckte eine Esche ihre Zweige in den Himmel. Tausend Erinnerungen an die Freiheit dort draußen wurden wach.

Der Richter wies, abermals mit einer höflichen Verbeugung, auf den Stuhl. Erst als sie Platz genommen hatte setzte auch er sich.

Er schlug ein Aktenstück auf und wandte mit zwei, drei geschickten Bewegungen, die genaue Kenntnis des umfangreichen Bandes verrieten, die Blätter um.

»Ich danke Ihnen, Durchlaucht, daß Sie mir die Ehre Ihres Besuches erweisen.«

Er sah ihr plötzlich ins Gesicht; sie schwieg.

»Der Anlaß Ihres Besuches freilich, gnädigste Fürstin, ist ein unendlich schmerzlicher. Bitte glauben Sie mir: ich kann die Schwere Ihrer Lage durchaus ermessen. Alle die in diesem Hause arbeiten, alle die der Justiz dieses Landes dienen, empfinden ihr Amt als schwer und grausam. Darum bitte ich Sie, jedes Wort, das ich spreche, nicht als persönlich, nicht als Kränkung aufzufassen. Denn mir liegt unendlich viel an Ihrem Wohlwollen.«

Die Fürstin hob den Blick. »Warum sprechen Sie so, Herr Richter? Ich bin in Ihrer Gewalt, das wissen Sie. Das weiß ich. Ihre Höflichkeit ist nichts als Hohn. Was habe ich Ihnen getan, daß Sie mich verhöhnen?«

Er schüttelte den Kopf. »Ihre Lage macht Sie verbittert, Durchlaucht. Ich kann das begreifen. Sie halten jeden, der Ihnen entgegen tritt, für Ihren Feind. Würde ich hart zu Ihnen sprechen, so würden Sie mich grausam finden; da ich höflich bin, fassen Sie es als Hohn auf. Gibt es nicht auch ein Drittes, Durchlaucht?«

Sie zuckte die Achseln. »Sie sind der bessere Dialektiker, Herr Doktor Saebenspurgk. Aber Sie werden mich von meiner Meinung nicht abbringen.«

»Ich kann es nicht ändern«, sagte er, indem er die Augen resigniert senkte, »ich kann Ihre Meinung nicht beeinflussen. Wir wollen also, wenn Sie es erlauben, von der Sache sprechen, wegen der Sie hier sind.« Indem er einen schnellen Blick auf sie warf, fragte er: »Bestreiten Sie nach wie vor Ihre Schuld?«

Die Fürstin nickte.

»Erlauben Sie mir, einige Feststellungen zu wiederholen, über die wir, wenn ich nicht irre, einer Meinung sind. Am 17. September 1921 fand in Ihrem Schlosse Klausenburg an der Rába ein kleiner Ball statt. Unter anderen war der junge Graf Faludi anwesend.«

Der Richter blickte in den Spiegel. Er sah, daß in die Augen der Fürstin ein unruhiger Ausdruck trat.

»Der Ball fand statt zur Feier des achtzehnten Geburtstages Ihrer Tochter: der Prinzessin Prisca. Ist das richtig?«

»Ja.«

»In der Nacht zwischen zwölf und ein Uhr fiel es Ihnen auf, daß Ihre Tochter verschwunden war. Und daß auch Graf Michael Faludi fehlte. Schöpften Sie Verdacht?«

Leise antwortete die Fürstin: »Ja, Herr Richter.«

»Worauf bezog sich dieser Verdacht? Empfanden Sie ihn als Mutter – oder empfanden sie ihn als Frau

Sie schüttelte den Kopf. »Ich verstehe Sie nicht.«

»Es tut mir leid, in Ihre intimsten Angelegenheiten dringen zu müssen. Aber ich glaube: daß Sie mich verstehen, Durchlaucht. Waren Sie unruhig, weil Sie Ihre Tochter auf verbotenen Liebeswegen fürchteten? Oder schöpften Sie Verdacht, weil Sie den Grafen Faludi liebten – und weil Sie auf den Gedanken kamen, daß ... daß er und Ihre Tochter ...«

»Muß ich diese Frage beantworten?«

»Nein.«

»Ich danke Ihnen.«

»Sie gingen jetzt in den Park, um den Grafen Faludi zu suchen.« Der Richter hob die Hand – »Oder um Ihre Tochter zu suchen. Oder beide ...«

»Ich weiß nicht mehr, warum ich in den Park gegangen bin. Ich weiß nur, daß ich die Prinzessin mit dem Grafen ...« sie stockte.

»Ja«, sagte der Richter leise.

»Der Graf machte eine verlegene Verbeugung und ging in den Saal zurück. Seit dieser Stunde habe ich ihn nicht mehr gesehen.«

»Nie mehr?«

»Nie mehr.«

»Es kam dann zu einer furchtbaren Auseinandersetzung zwischen Ihnen und Ihrer Tochter. Was in den nächsten Stunden geschehen ist, weiß niemand. Außer Ihnen, Durchlaucht.«

»Es ist nichts geschehen, Herr Richter.«

Er machte eine ungeduldige Handbewegung. »Es muß etwas geschehen sein. Der Instinkt des Kriminalisten sagt es mir.«

»Ich ging in den Saal zurück. Allein. Mir schien, als ob die Stimmung frostiger geworden sei.«

»Wäre es möglich, daß der Graf seine Freunde von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt hätte?«

»Ich kann es mir im Ernst nicht denken.«

»Wo war der Graf?«

»Er hatte das Haus verlassen.«

»Wo war Ihre Tochter?«

»Ich hatte sie auf ihr Zimmer geschickt.«

»Es lag im Seitenflügel des Schlosses?«

»Als ich mich wieder unter die Gäste mischte, merkte ich deutlich, daß die Stimmung gegen mich war.«

»Sollte das nicht Einbildung gewesen sein? Sie waren erregt, Durchlaucht; Sie hatten vielleicht ein gewisses Schuldbewußtsein ...«

»Ich hatte kein Schuldbewußtsein, Herr Richter.«

»Hm. Sie haben einmal geäußert, die Haltung Ihrer Nachbarn im Rába-Tal sei ausgesprochen feindselig.«

Die Fürstin sah dem Richter ins Gesicht. »Zweifeln Sie im Ernst daran, Herr Doktor? Sie kennen dieses Land besser als ich. Sie kennen den Fall – diesen sogenannten Fall Klausenburg – Sie sind, wenn ich nicht irre, selbst aus fremdem Blut. Muß ich Ihnen erst beweisen, wie sich der ungarische Feudaladel gegen den Landfremden stellt?«

»Nein«, sagte der Richter. »Ich glaube Ihnen, daß man sich feindselig gegen Sie verhalten hat.«

»Aber Sie werden nicht ermessen können, wie sehr ich unter diesem Haß gelitten habe.«

»Können Sie in dieser Hinsicht bestimmte Namen nennen?«

Die Fürstin sah zu Boden. »Ja. Aber ich möchte Sie bitten, es mir zu erlassen.«

»Was, glauben Sie, war die Ursache dieser Feindschaft? Schließlich hatten Sie dem Fürsten doch ein ungeheures Vermögen zugebracht.«

»Wenn ich die Wahrheit sagen soll: es kamen wohl verschiedene Gründe zusammen. Man hat es dem Fürsten zeitlebens verübelt, daß er nicht eine ungarische Standesgenossin geheiratet hat. Man hat mir, mehr oder weniger versteckt, den Vorwurf gemacht, ich hätte mit meinem Gelde den Fürsten in berechnender Weise gekapert. Aber das ist eine Lüge.«

»Das alles ist eigentlich kein Grund, Sie so zu hassen – wie man Sie gehaßt hat.«

»Noch eins kam hinzu. Ich will es Ihnen offen sagen: ich habe aus meiner Abneigung gegen Ungarn kein Hehl gemacht. Ich habe den Baronen und Grafen, die bei uns verkehrten, gelegentlich zu verstehen gegeben, daß ich sie als bessere Analphabeten betrachtete. Der Baron Ripacs hat mir unzweideutig den Hof gemacht – so unzweideutig, daß mein Mann ihn auf meine Veranlassung bat, seine Besuche einzustellen. Wir begegneten uns später einmal an dritter Stelle: es war auf der Margareteninsel, im Restaurant New York. Der Baron hatte zuviel getrunken; er setzte sich zu uns an den Tisch, als ob nichts geschehen wäre. Ich glaube, er wollte ein Duell mit meinem Manne provozieren. Als er gar zu deutlich wurde, habe ich dem Baron gesagt, daß sein Verhalten mich nicht wundere in einem Lande, das nichts sei als ein künstlich amerikanisierter Balkan.«

Der Richter lachte.

»Er muß diese Äußerung weitergegeben haben; denn immer mehr spürte ich die Feindschaft.«

»Ich will auch dieser Seite Ihres Falles Gerechtigkeit widerfahren lassen, Durchlaucht. Sie fühlten sich unter Feinden; es scheint kein Zweifel zu sein, daß alles Sie als Eindringling betrachtete. Nun steht doch aber eines fest: nämlich der Mord an Ihrer Tochter.«

Die Fürstin schüttelte den Kopf. »Ich kann nicht einsehen, daß der Mord an meiner Tochter feststeht. Vielmehr bin ich der Meinung, daß man mir diesen Mord erst einmal beweisen muß.«

»Sie bestreiten ihn also nach wie vor?«

»Ich sagte es Ihnen bereits.«

Der Richter stand auf. Er öffnete eine Seitentür und sprach ein paar Worte in das nebenliegende Zimmer.

Herein trat eine Dame, die am Ende der Zwanzig oder am Anfang der Dreißig stehen mochte.

»Darf ich Sie mit dieser Zeugin bekannt machen?«

Die Fürstin antwortete, an der Eintretenden vorbeisehend:

»Nicht nötig. Ich kenne diese Dame. Es ist Fräulein Vilma Berény

»Sie verkehrte bei Ihnen im Hause, wenn ich nicht irre.«

» Nein

»Fräulein Berény behauptet es.«

»Fräulein Berény sagt die Unwahrheit.«

Die junge Dame wollte eine heftige Erwiderung geben; aber der Richter hob die Hand. »Der Vater des Fräulein Berény, der Gestütsbesitzer Sandor Berény, war ein Freund Ihres Gatten.«

»Auch das ist nicht richtig. Die Freundschaft bestand lediglich darin, daß Herr Berény meinem Manne viele Tausende schuldete. Und daß er das Geld noch heute schuldet.«

»War nicht Fräulein Berény in der Mordnacht bei Ihnen eingeladen?«

»Nein.«

Der Richter stand auf. »Hier ist ein Widerspruch. Denn es steht fest, daß Fräulein Berény in jener Nacht: vom 17. auf den 18. September 1921, auf Schloß Klausenburg gewesen ist.«

Die Fürstin heftete den Blick auf die junge Dame. Sie war von aufreizender Schönheit: das Haar rostrot, dazu, in pikantem Gegensatz, die seltsam irisierende Farbe ihrer Augen, die im Wechsel des Lichts vom hellen Blau bis zum dunklen Grau spielte. Das Kleid, von raffinierter Knappheit, umhüllte einen ebenmäßigen Körper.

Vilma Berény ging wie unabsichtlich auf die Fürstin zu. Ihre Art zu gehen war von einer Grazie, die sichtlich nicht ohne Berechnung war. Der Richter sah an ihr vorbei.

»Ich hoffe, die Frau Fürstin wird die Güte haben, sich jenen Abend ins Gedächtnis zurückzurufen. Dann wird ihr zweifellos auch mein Besuch wieder einfallen.«

Die Aufgeforderte, regungslos, weder freundlich noch unfreundlich, erwiderte:

»Ich habe gesagt, daß Fräulein Berény nicht zu den Gästen meines Hauses gehörte. Und ich wiederhole: sie ist auch an jenem siebzehnten September nicht mein Gast gewesen. Wenn Sie allerdings wünschen, daß ich Ihnen alle Leute aufzählen soll, die etwa an jenem Abend Bestellungen ausgerichtet oder Briefe überbracht oder andere Dienstbotenverrichtungen ausgeführt haben ...«

»Durchlaucht!«

»... dann muß ich allerdings zugeben, daß Fräulein Berény auf Klausenburg war. Nämlich um einen Brief zu überbringen

»Sie haben sie also doch empfangen?«

»Nein. Ich sagte es bereits, Herr Richter. Fräulein Berény wartete in irgend einem Vorzimmer, in dem alle Leute warten, die irgend ein Anliegen haben ...«

Der Richter unterbrach sie. »Durchlaucht – ich sehe, daß Sie ... ich muß ein offenes Wort sagen ... daß Sie Fräulein Berény hassen.«

»Nein. Ich hasse sie nicht. Sie ist mir viel zu gleichgültig.«

»Es würde vielleicht manches erklären, wenn Sie mir den Grund Ihrer Abneigung mitteilen würden.«

»Während dieses Fräulein Berény irgendwo wartete, wurde mir der Brief gebracht. Noch bevor ich ihn öffnete, wußte ich was darin stand: ihr Vater bat mich wieder um ein Darlehen.«

»Haben Sie seine Bitte erfüllt?«

»Nein.«

»Wie groß war die Summe, die er wünschte?«

»Fünfhundert Pfund.«

»Wozu brauchte er das Geld?«

»Sein Gestüt war über und über verschuldet. Es ist inzwischen in den Besitz der Gläubiger übergegangen.«

»Sie schrieben nunmehr einen Antwortbrief, in dem Sie Herrn Berény mitteilten ...«

»Nein. Ich ließ Fräulein Berény durch den Diener erklären, daß ich die Bitte ihres Vaters abschlagen müsse.«

»Darauf entfernte sich Fräulein Berény?«

»Nein. Sie machte den Versuch, mich zu sprechen. Aber ich lehnte ab.«

»Fräulein Berény –« der Richter wandte sich an die Zeugin – »wußten Sie, als Sie den Brief brachten, daß auf Schloß Klausenburg Gesellschaft war?«

»Nein, Herr Richter.«

Die Fürstin erhob sich. Mit starrem Gesicht sagte sie:

» Fräulein Berény lügt

»Ich muß Sie bitten, mir solche Feststellungen zu überlassen. Im übrigen: warum sollte Fräulein Berény die Unwahrheit sagen?«

Die Fürstin sah vor sich nieder.

»Sie haben gehört, Fräulein Berény: die Fürstin Klausenburg behauptet, Sie hätten von der Gesellschaft gewußt, die auf dem Schlosse Klausenburg stattfand.«

»Ich habe es nicht gewußt.«

»Ich sage abermals:« die Fürstin hob den Arm – »Fräulein Berény sagt bewußt die Unwahrheit.«

»Womit wollen Sie das beweisen?«

»Ich habe einen Brief, den Fräulein Berény geschrieben hat. In diesem Brief spricht sie von der Gesellschaft am siebzehnten September und von ihrer Absicht, in dieser Gesellschaft ungeladen zu erscheinen. Unter irgend einem Vorwand.«

»Ich habe der Fürstin Klausenburg niemals einen Brief geschrieben«, erwiderte Vilma Berény. »Weder diesen noch irgend einen anderen.«

»Nun, Durchlaucht?« fragte der Richter.

»Der Brief ist nicht an mich gerichtet. Sondern an eine dritte Person.«

»An wen also?«

Die Fürstin schüttelte den Kopf. »Das kann ich Ihnen nicht sagen.«

»Fräulein Berény: manche Erwägungen sprechen dafür, daß die Frau Fürstin die Wahrheit sagt. Sie haben wahrscheinlich gewußt, daß auf Schloß Klausenburg Gesellschaft war. Finden Sie nicht selbst, daß es wenig aussichtsreich war, wenn Sie, mitten in dem Trubel eines Festes, mit einem derartigen Anliegen kamen? Die Bitte Ihres Vaters bedurfte doch schließlich einer gewissen Rücksprache zwischen Ihnen und der Fürstin. Zu dieser Rücksprache hatte die Fürstin gar keine Zeit. Denn sie mußte sich ihren Gästen widmen.

Unter diesen Umständen sieht es tatsächlich so aus, als ob der Brief ein Vorwand gewesen wäre, der Ihnen den Weg nach Klausenburg ermöglichen sollte. Wollen Sie mir erklären, warum Sie nach Schloß Klausenburg wollten?«

»Ich kann nur wiederholen: der Brief war kein Vorwand. Er war der Zweck meines Besuches.«

Der Richter stand auf. »Es ist gut, Fräulein Berény. Für heute danke ich Ihnen. Sie werden weiteres von uns hören.«

Die Zeugin machte eine Verbeugung vor der Fürstin; diese sah mit haßerfüllten Augen an ihr vorüber. Langsam ging Fräulein Berény der Tür zu ...

Plötzlich sah der Richter voll Erstaunen, daß sich die Fürstin erhob. Es schien fast, als ob sie Miene mache, sich auf die Davongehende zu stürzen. Die Zeugin selbst mochte fühlen, daß sie in dieser Sekunde in Gefahr sei: sie wandte sich um; die Augen der beiden Frauen starrten sich haßfunkelnd an.

Dann, mit einer schnellen und energischen Bewegung, schloß die Zeugin die Tür hinter sich.

»Was war das?« fragte der Richter leise.

Die Fürstin, mit halbgeschlossenen Augen, tiefatmend, ging mit schleppenden Schritten durchs Zimmer. Sie warf einen Blick auf die Tür; sie lauschte auf den Schritt, der draußen verhallte. Dann, indem sie sich mit einem verzweifelten Ruck aufrichtete, schrie sie in die Stille hinein:

» Dort geht die Mörderin meiner Tochter

»Was sagen Sie?« Der Richter sah nachdenklich, vielleicht mit aufsteigendem Argwohn, auf die völlig Gebrochene.

»Die Mörderin ... welchen Grund sollte Fräulein Berény gehabt haben, Ihrer Tochter den Tod zu wünschen?«

Und wieder flüsterte die Fürstin:

»Ich kann es Ihnen nicht sagen, Herr Richter.«

Eine Pause entstand. Der Richter, selbst offenbar verwirrt und erregt, ging, die Hände auf dem Rücken, im Zimmer auf und ab. Plötzlich vor der Fürstin stehen bleibend sagte er laut:

»Sie müssen mir alles sagen, was Sie wissen, Durchlaucht. In Ihrem eigenen Interesse müssen Sie es tun.«

»Ich habe Ihnen alles gesagt, Herr Richter.«

»Wie ist es zu erklären, daß Sie in der Nacht um drei Uhr auf dem Korridor gesehen worden sind, der zu den Zimmern Ihrer Tochter führt?«

Die Gefragte fuhr auf: » Wer hat mich gesehen?«

»Ein einwandfreier Zeuge, den man Ihnen in der Verhandlung gegenüberstellen wird. Sagen Sie mir klipp und klar: ist es wahr, daß Sie in der Mordnacht auf jenem Korridor gewesen sind?«

Die Fürstin tat einen tiefen Atemzug. »Ja,« stammelte sie. »Es ist wahr.«

»Was wollten Sie dort?«

Die Gefragte gab keine Antwort.

»Ihr Schweigen, Durchlaucht, kann Ihnen zum Verderben werden. In ihrem eigenen Interesse bitte ich Sie zu reden.«

Die Fürstin schüttelte den Kopf.

»Gut. Dann werde ich fragen. Wollten Sie etwa zu Ihrer Tochter?«

»Nein, Herr Richter.«

Doktor Saebenspurgk schlug mit der Hand auf den Tisch.

»Begreifen Sie nicht, Durchlaucht,« sagte er erregt, »daß jede Weigerung, die Sie aussprechen, Sie dem Todesurteil näherbringt?«

Die Fürstin zuckte die Achseln. »Ich glaubte auf dem Korridor Schritte zu hören. Und leises Flüstern. Zwei- oder dreimal klingelte ich. Aber niemand kam.«

»Wie erklären Sie sich das?«

»Ich hatte nur wenige Leute; die Ballnacht war anstrengend für das Personal gewesen.«

»Sie hatten englische Dienerschaft, nicht wahr?«

»Ja. Ausschließlich.«

»Nachdem Sie also zwei- oder dreimal geklingelt hatten, gingen Sie selbst hinaus, um nach der Ursache der Geräusche zu sehen. Konnten Sie etwas entdecken?«

»Nein. Ich kehrte unverrichteter Dinge auf mein Zimmer zurück.«

Der Richter erhob sich mit einer brüsken Bewegung. »Ich ertappe Sie auf einer neuen Unwahrheit. Ich weiß, daß Sie im Zimmer Ihrer Tochter waren.« Und indem er einen Brief aus den Akten nahm, setzte er hinzu: »Wünschen Sie, daß ich es Ihnen beweise?«

»Nein, Herr Richter«, antwortete die Gefragte mit leiser Stimme. »Sie haben die Wahrheit gesprochen: ich bin im Zimmer meiner Tochter gewesen

»Dann, bitte, erklären Sie mir auf der Stelle: warum haben Sie das bisher bestritten? Von allen Indizien, die gegen Sie sprechen, ist dieses beharrliche Leugnen das verhängnisvollste. Was bedeutet diese Taktik, die Sie systematisch verfolgen? Sie haben immer wieder erklärt: Sie hätten sich überhaupt nicht mehr um Ihre Tochter gekümmert. Ihren Dienstboten haben Sie erzählt; die Prinzessin Prisca sei zu Verwandten nach Budapest gefahren. Beide Aussagen erweisen sich jetzt als glatte Unwahrheit.«

»Begreifen Sie mich nicht, Herr Richter? Ich wußte doch, daß ein gewisser Verdacht auf mich fallen mußte. Dem allen wollte ich von vornherein den Boden entziehen.«

»Sie waren also um drei Uhr im Zimmer Ihrer Tochter. Was haben Sie mit ihr gesprochen?«

»Meine Tochter war nicht anwesend.«

»Das ist sehr merkwürdig, Durchlaucht. Was dachten Sie, als Sie das Zimmer leer fanden? Waren Sie nicht auf das höchste erstaunt?«

»Gewiß.«

»Gewiß ... gewiß ... Ihre Antworten sind unbefriedigend, Frau Fürstin Klausenburg! Waren Sie nicht außer sich? Gaben Sie nicht sofort Befehl, den Park zu durchsuchen? Taten Sie nicht alles was man tun kann, um Ihre Tochter zu finden?«

Die Fürstin stand auf. Der Richter streifte sie mit einem Blick, ohne sich zu erheben.

»Herr Richter ... Herr Doktor Saebenspurgk ... es wird mir schwer, diese Fragen zu beantworten. Denn sie betreffen die intimsten Angelegenheiten meiner Tochter – und eine Fürstin Klausenburg pflegt derlei Dinge nicht vor der Öffentlichkeit auszubreiten.«

Doktor Saebenspurgk trommelte nervös mit den Fingern auf der Tischplatte. »Was sind das für Redensarten! Ihr Kopf steht auf dem Spiel, Frau Fürstin – wollen Sie da im Ernst mit Standestraditionen argumentieren? Ich frage Sie in aller Form: was geschah, als Sie entdeckten, daß Ihre Tochter nachts um drei Uhr nicht in ihrem Zimmer war?«

»Ich suchte sie im Park.«

»Das ist alles?«

Die Fürstin schwieg.

»War das Bett benutzt?«

»Ja.«

»Es war benutzt? Das ist eine neue Überraschung.«

»Ich sehe Herr Doktor: Sie haben mich ganz offenkundig im Verdacht.«

»Das ist Ihre Schuld.«

»Nun gut. Dann muß ich Ihnen etwas sagen, was ich bisher keinem Menschen anvertraut habe: ich glaubte, als ich meine Tochter nicht fand – nein, ich war überzeugt: daß sie mit dem Grafen Faludi geflohen sei.«

»Auch das klingt unwahrscheinlich. Denn eben Graf Faludi ist es, der Sie am unzweideutigsten beschuldigt, die Mörderin Ihrer Tochter zu sein. Er weiß ebensowenig um den Verbleib der Prinzessin Prisca wie alle andern.«

»Das konnte ich in jener Nacht unmöglich ahnen.«

»Aber selbst wenn Sie damit rechneten, daß ... daß der Graf Faludi und Ihre Tochter ... fühlten Sie nicht trotz dieser Sachlage die Pflicht, dem Verbleib Ihrer Tochter nachzuforschen?«

Die Fürstin sah zu Boden. »Wenn meine Tochter ... mit dem Grafen Faludi gegen mich Stellung genommen hatte, so unzweideutig, daß die beiden miteinander geflohen waren – so hatten die beiden sich mit diesem Schritt endgültig von mir losgesagt.«

Der Richter hob den Kopf. »Haben Sie den Grafen Faludi geliebt?«

Die Gefragte blickte vor sich nieder, ohne zu antworten.

»Im Laufe des nächsten Tages meldete man Ihnen, die Prinzessin sei noch immer nicht erschienen. Darauf erklärten Sie den Leuten, Ihre Tochter sei mit dem Mittagzuge nach Budapest gereist. Haben Sie das gesagt?«

»Ja.«

»Geben Sie zu, daß Sie damit eine offenkundige Unwahrheit ausgeprochen haben? Sie haben mir zwar erklärt: Sie hätten dadurch den Verdacht von sich abwenden wollen. Aber ich will Ihnen nicht verhehlen, daß ich als Kriminalist in diesem Verhalten nichts sehe als Schuldbewußtsein. Denn Sie rechneten demnach doch bereits mit einem Verbrechen, das an Ihrer Tochter verübt sein mußte.«

»Es ist nicht ganz so, Herr Richter. Ich war um den Ruf meiner Tochter besorgt. Daß sie mit dem Grafen Faludi durchgegangen war, wurde mir langsam zur Gewißheit. Das hätte eine Skandalaffäre schlimmster Art gegeben. Um den Namen Klausenburg vor dem Gerede der Leute zu schützen, habe ich die Reise nach Budapest erfunden.«

»Hat Ihre Tochter ihre Papiere mitgenommen?«

Zögernd antwortete die Fürstin: »Ich wundere mich über diese Frage, Herr Richter. Denn Sie wissen selbst, daß man die Papiere meiner Tochter in meinem Schreibtisch gefunden hat.«

»Überzeugten Sie sich, ob Sachen fehlten? Hatte Ihre Tochter Koffer mitgenommen? Wäsche? Kleider? Reisegegenstände?«

»Ja. Es fehlte ein Koffer, zwei Kleider, etwas Wäsche.«

»Hm, Das ist eine Angabe, die Sie nicht beweisen können?«

»Allerdings.«

»Sie sagen: Sie hätten das Verschwinden Ihrer Tochter mit dem Grafen Faludi in Verbindung gebracht. Halten Sie es für möglich, daß der Graf Faludi das Verbrechen ...?«

Die Fürstin hob die Hand. »Ich bitte in meine Zelle zurückkehren zu dürfen.«

»Wir sind auch dieser Spur nachgegangen. Selbstverständlich. Die Recherchen schweben noch.«

Mit bitterem Lächeln sagte die Fürstin:

»Der Graf Faludi ist mein erbittertster Ankläger...«

»Das eben hat uns stutzig gemacht.«

»Darf ich gehen?«

Der Richter drückte auf den Knopf. Indem er hinter der vorgehaltenen Hand in den Spiegel spähte, fragte er plötzlich:

»Kennen Sie einen gewissen Stefan Ladinser?«

Er konstatierte, daß die Augen der vor ihm Sitzenden überrascht und unruhig zu ihm hinüberwanderten.

»Stefan Ladinser ... Sie meinen den jungen Schriftsteller, der ... den ich an der Riviera kennen gelernt habe?«

»Ich meine den, dem Sie eine halbe Million versprochen haben, wenn er Sie rettet.«

Die Fürstin zuckte die Achseln. »Ich hoffe, Sie werden keinen Schuldbeweis darin sehen, Herr Richter: daß jemand sich bemüht, seine Unschuld zu beweisen.«

»Es ist uns eine Mitteilung zugegangen: danach scheint dieser Herr Ladinser von Ihrem verlockenden Angebot Gebrauch gemacht zu haben. Wir erwarten ihn jeden Tag in Budapest. Es ist kein Zweifel, daß er versuchen wird, das Gericht zu düpieren. Nun, glücklicherweise sind genug Zeugen vorhanden, die die Prinzessin Prisca von Angesicht zu Angesicht kennen. Wenn auch Ihre englische Dienerschaft in alle Winde verstreut ist ... wir haben uns vergeblich in dieser Hinsicht bemüht – ein schlimmes Zeichen, Frau Fürstin – glücklicherweise konnten wir die Gäste aus jener Nacht vollzählig laden. Sie werden uns darüber Auskunft geben können, ob die junge Dame, die uns Herr Ladinser vermutlich vorführen wird, die Prinzessin Prisca ist.«

Es klopfte an die Tür.

Der Richter erhob sich. Dann sagte er wie beiläufig:

»Ist Ihnen bekannt, Frau Fürstin, daß einige Tage nach ihrer Verhaftung der Englische Pavillon in Ihrem Schloßpark in Flammen aufgegangen ist?«

»Ja«, sagte die Fürstin leise. »Aber dieser Pavillon war seit Jahren verschlossen.«

»Die Ursache des Feuers ist unbekannt. Wozu wurde jener Pavillon übrigens benutzt?«

»Wir bewahrten allerhand Möbel darin auf. Ich glaube, auch ausrangierte Kunstgegenstände; Bilder und Bronzen. Ich selbst bin nie im Englischen Pavillon gewesen.«

Der Richter nickte. »Ich muß Ihnen, so leid es mir tut, eine Eröffnung machen, die unendlich schmerzlich für Sie sein muß, Frau Fürstin: man hat nach dem Brande in den Trümmern des Englischen Pavillons den verbrannten Körper Ihrer Tochter gefunden

Die Fürstin streckte die Arme aus und schrie entsetzt:

»Nein, nein... das ist nicht möglich!«

Der Untersuchungsrichter schüttete den Inhalt der Aktentasche, die vor ihm lag, auf den Tisch.

»Hier ist das Medaillon, das man bei der Toten gefunden hat. Hier ist das Armband; auch diesen Ring hat sie getragen. Und hier sind ein paar Kleiderfetzen, die wie durch ein Wunder unverbrannt geblieben sind.«

Die Fürstin Klausenburg ging, die Hände an die Schläfen gepreßt, auf den Tisch zu. Mit zitternden Händen griff sie nach den versengten, verkrümmten, unscheinbaren Gegenständen, die dort lagen. Sie nahm sie in die Hand; ihre Finger krampften sich um den Ring, um das Armband, um die zerrissenen verkohlten Seidenlappen.

»Meine Tochter ...« flüsterte sie. »Meine Tochter.« Dann, mit einem leisen Seufzer, glitt sie ohnmächtig zu Boden.

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