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Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H.

: Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H. - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
authorGustav Schilling
titleDie Denkwürdigkeiten des Herrn von H.
publisherby edition or-mondial/Paris
year1966
firstpub
senderreuters@abc.de
created20070410
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Ein Schritt weiter

Ich hatte bisher Zutritt in mancherlei Gesellschaften gehabt, weswegen ich den Zusammenkünften meiner Mitschüler äußerst selten beiwohnte und also vom Unterschiede beider Geschlechter nur sehr dunkle Begriffe hatte.

Nun aber malte mir meine Einbildungskraft mancherlei Bilder aus und ich fühlte ein brennendes Verlangen, näher zu untersuchen und mich zu belehren, was eigentlich wohl den Unterschied ausmachte.

Ich kam wieder in die Stadt. Ich wohnte bei einem jungen Kaufmanne, der etwa vor einem Jahr eine sehr angenehme Person geheiratet hatte. Ein junges Mädchen, etwa von 14 Jahren, bediente meine junge Wirtin und besorgte auch meine kleinen häuslichen Angelegenheiten. Lieschen sollte mir meine Zweifel aufklären; nur war die Frage, wie ich es ihr vortragen sollte?

Lieschen war eine kleine Brünette, munter und lebhaft und dabei herzlich gesprächig, besonders wenn sie ihre Frau nicht in der Nähe wußte. Ein längst gewünschter Tag, wo Madame Reibhand einmal zu Besuch ausgehen würde, erschien. Lieschen brachte mir Kaffee. Ich nahm ihre Hand und sah ihr starr, ins Gesicht.

Lieschen: »Was sehen Sie mich so an?«

Ich: »Ich bin Ihnen so gut, Lieschen.«

Lieschen: I, das ist mir recht lieb.«

Ich: »Sind Sie mir denn auch etwas gut?«

Lieschen: »Warum nicht?«

Ich: »Wollen Sie mir nicht ein Küßchen geben?«

Lieschen: »So so! – das nun eben nicht.«

Ich: »Und warum nicht?«

Lieschen: »Still, Herr v. H., die Köchin könnte es hören. Warten Sie, sie geht nachher aus, dann will ich Ihnen was sagen.«

Lieschen ließ sich willig küssen und hüpfte fort. Gewonnenes Spiel, dachte ich, und phantasierte brav, wie ich's nun anfangen wollte.

Ich legte mich aufs Bett. Lieschen kam, ich zog sie neben mich, schlang meinen Arm um ihren Hals und ein, zwei, drei Küsse, die ich unter lässigem Sträuben auf ihren niedlichen Mund drückte, erweiterten meine Lunge so, daß ich fast keine Luft schöpfen konnte.

Lieschen: »Was fehlt Ihnen?«

Ich: »O Lieschen, ich bin Ihnen ja so gut.«

Lieschen: »Mir? Und nicht Madame?«

Ich: »Wieso Madame?«

Lieschen: »O, ich dachte nur, weil die Ihnen so gut ist und immer nach Ihnen fragt und von Ihnen spricht.«

Ich: »Laß das, Lieschen! – Willst du mir wohl etwas zu Gefallen tun?«

Lieschen: »Recht gerne.«

Ich fuhr mit meiner Hand unter ihren Rock; sie stieß mich zurück.

Lieschen: »Was wollen Sie?«

Ich: »Ich glaubte, du wolltest mir etwas zu Gefallen tun?«

Lieschen: »Nun ja, aber – was wollen Sie?«

Sie sah mich an, entfärbte sich und schien meine Absicht zu erraten. Ich wiederholte meinen Versuch und ward wieder zurückgestoßen. Nun aber überwältigte mich meine Begierde, ich schloß das Mädchen in meine Arme, streckte es unter mich aufs Bett und wie wütend bedeckte ich es mit Küssen. Das arme Mädchen schnappte nach Luft, ihre Augen verkleinerten sich, sie wollte sprechen und konnte nicht. Es glückte mir, meine Hand unter ihren Rock zu bringen, ich fuhr an den runden, festen Schenkeln hinan, ich suchte den Ort, den die Hand meines Vaters an Lilla so umschmeichelt hatte und auch das gelang mir. Wie aber meine Finger eine sanfte Wolle berührten und sich in eine enge Spalte verirrten, durchfuhr es gewaltig meinen ganzen Körper und meinem Amor entfloß etwas, das ich noch nicht kannte, meine Augen verloren das Sehvermögen, ich versank in eine wollüstige Ohnmacht und empfand ein unbeschreibliches Vergnügen.

Lieschen hatte sich losgemacht, sie sah mich an.

Lieschen: »Was fehlt Ihnen?«

Ich: »Lieschen, welch ein unbeschreibliches Vergnügen!«

Ich schloß sie aufs neue in meine Arme.

Ich: »Noch einmal, Lieschen, laß mich den schönsten Ort deines schönen Körpers befühlen, noch einmal, bitte.«

Ich bat so dringend und mit so vielen Küssen, daß Lieschen sichtbar schwach wurde und meiner Hand ganz freien Lauf ließ. Die kleine Spalte war feucht, mein Finger untersuchte und fand eine Öffnung, drang hinein und Lieschens Atem ward kürzer; sie schlang beide Arme um mich, drückte mich ganz fest an sich, schloß ihre Augen, der Atem zitterte jetzt aus ihrem Mund und eine warme Flüssigkeit bedeckte meine Hand.

»Nun, Lieschen?«

Sie entwand sich meinen Armen und entsprang.

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