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Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H.

: Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H. - Kapitel 48
Quellenangabe
typefiction
authorGustav Schilling
titleDie Denkwürdigkeiten des Herrn von H.
publisherby edition or-mondial/Paris
year1966
firstpub
senderreuters@abc.de
created20070410
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Kleine Skizze meines Wohnsitzes

Hinter meinem Schlosse ist ein großer Garten, der an einen ziemlich hohen Berg stößt. Der Fuß des Berges ist mit Birken und die Höhe mit Tannen und Fichten bewachsen. Der Berg hat einen Absatz und eine ziemliche Ebene zieht sich längs desselben hin, eh er sich steil erhebt.

Abwechselnde Gänge sind um den ganzen Berg gehauen; sie führen zu Ruhebänken und in kühlende Grotten.

Die Quelle ist eingefaßt und eine Nymphe steigt hinab ins kühlende Bad. Verborgene Röhren saugen das Wasser auf, führen es unter der Erde den Berg hinunter in den Garten. In einem zierlichen Haine von Tannen und Zypressen erhebt sich ein steinernes Gebäude im griechischen Geschmack, das ein Säulengang in jonischer Ordnung umgibt.

Das Innere ist einfach. Der Boden ist mit Strohmatten bedeckt und weiche Polster laden dich zur Erholung vom ermüdenden Spaziergange ein. Es ist der Tempel stiller Betrachtung, Hinter dem Gebäude siehst du ein grün eingefaßtes Bassin. Hoch strömt in der Mitte ein Springbrunnen in die Höhe und formt einen großen Kranz von Wasserperlen. Rechts in dem Hain liegt ein Flußgott auf einem Krug, aus dem Wasser strömt, das einen kleinen Bach durch den Hain bildet. Links gibt ein anderer aus seinem Krug Wasser in ein abgeplattetes Bassin, das dich zu erfrischendem Bade einlädt.

Und von hier siehst du den Waldstrom von der Hälfte des Berges herabstürzen, der sich oben, in einem Teich, gesammelt. Mit Geräusch stürzt er sich auf Felsenspitzen, schäumt und flieht pfeilschnell dahin.

Ein dunkler Weg, durch hohe Fichten, führt dich auf eine Ebene. Durch Rosenhecken gehst du in einen einfachen Tempel; er ist dem Amor und Hymen geweiht. Heiliges Dunkel im Innern erhöht die Ehrfurcht vor den Göttern und jeder wollüstige Seufzer hallt doppelt wider.

Durch einen Buchenwald führt dich ein Weg zu einer künstlichen Quelle; du siehst Diana mit ihrem Gefolge im Bade und dort im Gebüsche den lauschenden Actäon.

Auf welchem Wege du den Berg ersteigst, immer findest du eine Grotte und in derselben entweder Venus und Adonis oder Venus und Aeneas, oder auch Venus mit dem Kriegsgotte in liebvoller Umarmung. Reizt dich, am Arm deiner Geliebten, die Darstellung, so gehst du in die Kapelle, wo ein wollüstiges Polster zum Genuß einlädt.

Auch findest du noch im Garten einen Teil der Liebeshändel des Jupiters.

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