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Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H.

: Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H. - Kapitel 46
Quellenangabe
typefiction
authorGustav Schilling
titleDie Denkwürdigkeiten des Herrn von H.
publisherby edition or-mondial/Paris
year1966
firstpub
senderreuters@abc.de
created20070410
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Alles in Eins

Nach meinen Beobachtungen habe ich die Italienerinnen durchaus schlüpfrig gefunden. Ihr Temperament ist warm, feurig und sehr oft unersättlich. Ihr ganzer Körper ist zur Wollust gebaut, und gewiß in ganz Europa wird in diesem Punkt nicht so ausgeschweift.

Eroberungen zu machen hat keine Schwierigkeit, mehr aber ihnen zu genügen, und es gehört viel Behutsamkeit dazu, eine gemachte Bekanntschaft aufzuheben, wenn man nicht üble Folgen erfahren will.

Die Battiolis hielten mich lange in Florenz auf und bezeugten mir die größte Höflichkeit.

Der Alte hatte bisher seine Einwilligung zur Verheiratung seiner Tochter nicht geben wollen, das Wiederfinden brachte ihn von selbst dahin. Ich war bei der Hochzeit, und der junge Vargendo erdrückte mich fast den andern Morgen unter tausend Danksagungen und Lobeserhebungen, daß er durch mich seine Braut noch mit dem Jungfernkränzchen erhalten hatte.

Nach einigen Tagen kam die neuvermählte Vargendo des Nachmittags auf mein Zimmer. Sie war schön wie die Morgenröte und in ein leichtes, weißes Kleid gehüllt.

»Wie freue ich mich Ihres Besuches, schöne Vargendo.«

»Ich komme, Ihnen zu danken; ich verdiene Vorwürfe, allein vergeben Sie mir.«

»Liebe Holde, warum Vorwürfe?«

»Mein Mann hat Ihnen gedankt. Ich muß Ihnen sagen, daß er Sie für einen Halbgott hält, weil Sie mich so unberührt seinen Händen überliefert haben. Mit Argwohn bestieg er das Brautbett und –«

»Warum stocken Sie, Liebe?«

»Mein Mann hat nicht Unrecht, wenn er sagt: Ich möchte ihm kein Frauenzimmer anvertrauen.«

»Vielleicht doch.«

»Nicht vielleicht! Jetzt möchte ich nicht mehr mit Ihnen reisen –«

»Und warum?«

»Weil ich Ihnen die Standhaftigkeit nicht mehr zutraue. –«

»Wie fallen Sie auf den Zweifel?«

»Ganz natürlich, weil ich mich nicht so zwingen dürfte, Ihre Artigkeiten mit Kälte anzunehmen und weil Sie sie dann verdoppeln würden.«

»Unvergeßbare Vargendo.«

Ich schloß sie in meine Arme – und küßte sie brünstig.

Sie erwiderte jeden Kuß mit Feuer.

»Ja freilich, Liebe! Auf diese Weise möchte mir wohl Enthaltsamkeit schwerfallen.«

»Nicht wahr? – Lieber H., ich liebe Sie und würde schon längst Ihre Gefühle erwidert haben, wenn ich nicht meinen Bräutigam – Sie verstehen mich doch?«

»Und wenn ich jetzt bitte, meine Liebe zu erwidern – die mich –«

»Ich würde nicht verdienen, daß Sie mich in Schutz genommen hätten.«

Ich zog sie aufs Sofa und meine Hand kam ungehindert bis ans Heiligtum der Liebe, das Wollust zu hauchen schien.

Wir leerten dreimal mit gleich großem Entzücken den Becher der Wollust, und ich versichere, daß er selten mein Wesen in so wonnigen Taumel versetzt hatte.

Was eine wollüstige Italienerin sei, davon erlangte ich auch bei der Signora Dievelli einen Begriff. Ich ward durch ein altes Mütterchen um die Mitternachtsstunde abgeholt und – der Himmel weiß durch wie viele dunkle Gänge und Treppen – in ein prächtiges Zimmer gebracht. Eine maskierte Dame in langem Gewande erschien endlich, setzte sich zu mir und sprach viel von dem, was sie wage und was ich wagen würde, wenn ich nicht schweigen könnte. Indessen aus Liebe zu mir würde sie sich nicht eher demaskieren, bis ich ihr nicht die stärksten Versicherungen von meiner Verschwiegenheit gegeben hätte, weil sie mich zu leidenschaftlich liebte, und sich lieber in ihrem Feuer verzehren, als mich in eigener Gefahr wissen wollte.

Ich war einmal hier, warum sollte ich ihr nicht alle möglichen Versicherungen geben.

Das lange Kleid und die Maske fiel ab und eine glänzende Schönheit stand vor meinen Augen. Die Überraschung machte mich stumm – und unbeweglich stand ich, als sie ihren Arm um meinen Nacken schlang und den wollüstigsten Kuß auf meine Lippen drückte. Ich umfaßte ihren schönen Körper und fühlte die wollüstigste Erschütterung.

Ich kleidete endlich meine Donna ganz aus. Bewunderungsvolles Staunen übermannte mich: noch bei weitem war das der schönste weibliche Körper, den ich je sah. Mein Gesicht ruhte an ihrem wallenden Busen. Sie spielte an meinen Haaren und küßte meine Stirne. Wollüstig war ihr Hauch, wollüstig jede Bewegung, jeder Muskel hüpfte mir wollüstig entgegen. Wir streckten uns endlich auf das weiche Lager; in schwebender Bewegung hielt sie mich, noch eh' mein Amor den Eingang ihrer Grotte berührte. Fest schloß sie mich in ihre Arme, stöhnte und seufzte, und wollüstig brachen ihre Augen, wie sie den Gott der Liebe empfand. Mit frohlockendem Hüpfen empfing sie ihn, ihren ganzen Körper überzog leichtes Rosenrot, und wie sie die Annäherung zum Opfer spürte, stützte sie sich auf die Hände und Füße und hielt mich schwebend. Amor goß die Schale aus, leises Girren ertönte aus ihrer Brust, ihre Bewegungen wurden konvulsivisch, und in reißenden Strömen öffnete sich ihre Wollustquelle.

Nach einiger Erholung standen wir auf und nahmen Erfrischungen zu uns. Ich konnte ihren schönen Körper nicht genug betrachten, befühlen und küssen. Sie erwiderte jede Liebkosung mit außerordentlichem Wollustgefühl. Ich saß auf einem Stuhl, sie stand neben mir; ich spielte am Venushügel und in dem niedlichen Myrthenhain. Die beiden Ufer des Wollustbaches waren erhaben und glänzendes Rosenrot faßte sie ein. Gott Hymen stand schmachtend am Eingang der Quelle.

Meine Signora schlang ihre Arme um meinen Nacken, küßte mich, sog an meinen Lippen und ehe ich mich versah, saß sie auf meinem Schoß und drückte ihren schäumenden Busen an meine Brust. Ich hob mich und Amor machte Hymen einen Besuch. Kaum spürte sie das, so fing sie an, sich heftig hin und her zu bewegen. Ihre vollen Milchhügel hüpften wie junge Lämmer, sie stöhnte, zitterte, schloß ihre Augen und sank matt auf mein Gesicht herab.

»O – ich kann nicht mehr!«

Und ein rascher Strom floß aus der Quelle.

Ich erhob mich mit Mühe, trug sie aufs Bett, bestieg den Liebesthron, führte meinen Amor in die Grotte, legte ihre Beine über meinen Hintern, schob meine Hände unter den ihrigen, spielte an ihrer Spalte und begann somit den Kampf mit allem Feuer.

Meine allerliebste Signora schloß die Augen, ihr Atem verwandelte sich in ein girrendes Seufzen und als ich den Wollustbecher ausgoß, stieg angenehmer Duft aus ihrem ganzen Körper, der mich berauschte.

Mit immer gleichem Vergnügen genossen wir noch viermal die innigste Vereinigung, das höchste Glück der irdischen Wesen, ehe wir uns in die Regionen des Gottes Morpheus versetzen ließen. Wir schienen nach jedem erneuten Streit nicht Kräfte zu verlieren, sondern immer neue zu erhalten. Nur das brennende Feuer wurde bedeutend gedämpft.

Mein ganzer Aufenthalt verstrich mir sehr angenehm durch den Umgang mit dieser reizenden Frau und wir waren fast nie an einem Orte beisammen, ohne der Göttin der Liebe ein Opfer gebracht zu haben. Sie wurde sehr leicht warm und war auch der Ort nicht der bequemste, so wußte sie doch immer eine Stellung oder Lage anzunehmen, wodurch dem Vergnügen nichts entging.

Einst waren wir im Theater. Der Inhalt des Stücks hatte ihre Einbildungskraft erhitzt. Ich saß neben ihr, bemerkte ihren wallenden Busen und fuhr mit der Hand unter ihren Rock. Sie stand auf und machte meiner wollüstigen Hand ganz freie Bahn. Als der Akt zu Ende war und die Musik begann, zog sie die Vorhänge der Loge zu, stützte ein Bein auf einen Stuhl und wir brachten, von der Musik begleitet, der Liebe ein herrliches Opfer.

Alle kleineren Begebenheiten und Zufälle will ich unberührt lassen, es möchte am Ende meinen Lesern zu langweilig werden, wenn ich ihnen alles von Venedig, Neapel und Rom erzählen wollte. Alle Bekanntschaften waren von kurzer Dauer und meistens ähnlicher Natur. So viel noch: das Klima oder das wollüstige Temperament des weiblichen Geschlechts der heißen Zone müssen wohl dazu beitragen, daß, je öfter man den Wollustnektar genießt, umso mehr Reiz und Kraft sich entwickelt. Erschlaffung wie im Norden ist unbekannt.

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