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Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H.

: Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H. - Kapitel 4
Quellenangabe
typefiction
authorGustav Schilling
titleDie Denkwürdigkeiten des Herrn von H.
publisherby edition or-mondial/Paris
year1966
firstpub
senderreuters@abc.de
created20070410
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Das will ich mir merken

Ich war siebzehn Jahre alt, als mich mein Vater zu seinem Sohne erklärte. Es war ein großes Fest, das acht Tage dauerte. Viele Freunde des benachbarten Adels waren zugegen, und so sehr sie auch anderswo oder zu Hause darüber Anstoß nahmen, daß die Liebschaft meines Vaters gleich einer rechtmäßigen Gemahlin an der Tafel saß, so konnten sie doch nicht leicht eine Einladung ausschlagen, weil in der ganzen Gegend umher keine so gut besetzte Tafel, keine so wohlschmeckenden Weine und keine so herrliche Musik anzutreffen war, wie bei dem Herrn v. H.

Ich hatte einen vergnügten Tag gehabt, hatte mit den gnädigen Fräuleins viel gescherzt und mehr als ein Dutzend Küßchen geerntet, und hatte ein Glas Wein mehr getrunken als gewöhnlich; was Wunder, daß mein Blut in ungewöhnlicher Wallung war, als ich in mein Schlafzimmer kam, und daß nach stundenlangem Harren sich noch kein Schlaf einstellen wollte.

Mein Schlafkabinett war neben dem meines Vaters und nur durch eine Wand geschieden. Ich hörte meinen Vater sprechen:

»Lilla, du bleibst lange aus.«

Ich muß meinen Lesern sagen, daß der Herr v. H. gewohnt war, seinen Liebschaften einen Namen beizulegen, so wie er ihn etwa passend fand, und die dermalige hieß also Lilla.

Ich fuhr von meinem Bette auf, als ich die Stimme meines Vaters so deutlich hörte, und bemerkte jetzt erst durch einen Lichtstrahl auf dem Boden meines Kabinetts, daß die Tür nicht ganz zu war. Ich schlich mich näher und konnte eben durch die Öffnung meines Vaters Bett sehen, und noch besser links einen sehr großen Spiegel, neben dem zwei große Wachskerzen auf Wandleuchtern brannten. Mich überfiel es so ängstlich, so ahnungsvoll, und meine Beine schlotterten, ich sank auf die Knie und wie angenagelt blieb ich vor meiner Öffnung.

Lilla trat in einem weißen, einfachen Kleide vor den Spiegel, steckte ihre Haare los, die in langen schwarzen Wellen über ihre Schultern fielen.

»Ich mußte mich doch erst auskleiden lassen«, sagte sie.

Herr v. H. trat in einen Schlafrock gehüllt herbei, schlang seinen Arm um ihren Nacken und küßte sie.

Herr v. H.: »Und wieder so sorgsam angekleidet, als ob es zum Tanz und nicht zur Ruhe gehen sollte.«

Lilla: »Wollen Sie das nicht von Ihrer Lilla?«

Herr v. H.: »Damit ich dich entkleiden kann.«

Und damit zog er ihr das Halstuch ab, jede Nadel ward ihres Dienstes entlassen, nieder fiel das Kleid und Lilla stand in bloßem Hemde da.

Mein Atem ward kurz.

Lilla kehrte mir den Rücken zu, schlang beide Arme um den Herrn v. H., und Kuß um Kuß, mattes Sinken auf seine Schulter und tiefes Atmen machten mich starr.

Lilla ließ die Arme sinken, ab fiel das Hemd und mir verging Hören und Sehen.

Als ich mich wieder erholte, sah ich –

Meine Leser müssen glauben, daß ich mich in einem ohnmächtigen Zustand befunden hatte, wie lange? – kann ich nicht sagen.

Als ich mich also erholte, sah ich meinen Vater auf dem Bette liegen. Er war mit der rechten Hand beschäftigt, ich war neugierig, zog an der Tür, und zu meiner Befriedigung öffnete sie sich ganz sanft.

Ich sah –

Lilla lag auf dem Rücken, beide Schenkel erhoben, und die Hand meines Vaters spielte an einem gewissen Teil.

Er erhob sich, bedeckte Lilla, und ich sah nichts als das Steigen und Sinken seines Hinterns und über seiner linken Hüfte das weiße Bein Lillas.

Was ist das?

Ihr Atemholen ward lauter. Ich horchte. Leises Stöhnen folgte, ward lauter und verschwand mit einem lauten Ach! –

Was ist das?

Herr v. H. legte sich wieder an seine Stelle, Lilla küßte ihn und zog die Decke über beide.

Daß mich meine erhitzte Einbildungskraft nicht viel ruhen ließ, ist leicht zu erraten.

Das will ich mir merken, sagte ich zu mir selbst, so oft ich mich von einer Seite auf die andere legte und immer noch vergebens auf Ruhe hoffte.

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