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Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H.

: Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H. - Kapitel 37
Quellenangabe
typefiction
authorGustav Schilling
titleDie Denkwürdigkeiten des Herrn von H.
publisherby edition or-mondial/Paris
year1966
firstpub
senderreuters@abc.de
created20070410
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Ein kurioses Schauspiel

Wie ich darauf den Nachmittag nach Hause kam, hörte ich durch meine offene Kammertüre in meiner Nachbarin Zimmer sprechen. Meine Neugier lockte mich an das Astloch an der Wand.

Ich stutzte, wie ich Madame und Monsieur ganz nackend auf dem Sofa in völliger Liebeshandlung sah, und noch eine männliche Stimme hörte:

»So endigt doch endlich, ich verbrenne!«

Es war ein sonderbares Schauspiel, die beiden auf dem Sofa handeln zu sehen! Unter beständigem Sprechen machten sie tausenderlei drollige Kapriolen, bis endlich ihre Körper in schlaffe Ruhe sanken.

Und fast in demselben Moment kam der andere, hob jenen ab und nahm seine Stelle ein.

Sie: »Nur ein wenig Ruhe.«

Er. »Wie ist mir das möglich?«

Und damit arbeitete er mit solcher Hitze, daß er in einigen Minuten kraftlos dalag.

Meine Nachbarin ist ein Freudenmädchen, dachte ich, und wollte mich entfernen, als ich bemerkte, daß der erste sich wieder kampffertig machte. Ihm folgte wieder der zweite und nun nahmen sie einige Erfrischungen zu sich.

Ungeachtet dessen, daß dieses Schauspiel mein Blut in heftige Wallung versetzt hatte, so schien es doch, als ob mir alle Lust zu meiner Nachbarin vergangen wäre. Es war mir auffallend, daß sie sich zweien zugleich überließ. Indes schien sie nicht im geringsten von ihrer Munterkeit verloren zu haben, im Gegenteil, spöttelte sie über das abgenommene Feuer der beiden Herren.

Dadurch war ihr Ehrgeiz beleidigt und beide waren bereit. Man nahm einen Würfel, warf und lachte dazu.

Und nun stellte sich der eine auf alle viere; das Frauenzimmer legte sich auf seinen Rücken, so daß ihr Hinterer auf seine Schultern kam. Es war ein sonderbarer Anblick, den schön frisierten Kopf zwischen den weißen runden Schenkeln und höher der Liebe Myrthenhain mit dem geöffneten Liebestempel unter dem schön gewölbten Schneegebirge zu sehen. Jetzt nahm der andere seinen Platz über der Dame, die sich mit einem Arm um des andern Leib schlang und mit der andern Hand seinen Amor umfaßte. Ein komischeres Schauspiel sah ich bis jetzt noch nicht, und das beständige Sprechen und Seufzen und Stöhnen aller drei untereinander reizte mein Lachen so, daß ich nicht Kraft genug hatte, es zu unterdrücken.

Die Herren waren fertig und die Dame – schalt sie, daß sie so schlecht ihre Schuldigkeit getan hätten.

»Will ich zufrieden sein«, sagte sie, »so werde ich wohl noch meinen plumpen Deutschen rufen müssen, der Euch, bei meiner Ehre, alle beide beschämt.«

Das artige Kompliment verdroß mich entsetzlich. Du wirst sie strafen und wäre es auch zu deinem Nachteil, war mein Entschluß.

Kaum daß sich die Herren entfernten, so sah ich, daß sie sich säuberte und wusch: und wie sie den Nachtrock überwarf, drückte ich an die Türe, die sich auch sogleich öffnete.

Ich entledigte mich der Kleider und ergriff sie ziemlich plump. Sie entschuldigte sich mit übler Laune und bat, das Vergnügen bis auf die Nacht zu verschieben. Das lag nicht in meinem Plane; ich wollte ihr keine Erholungszeit gönnen, sondern legte sie gleich aufs Sofa, preßte sie aus allen Kräften zusammen, und alles Bittens und Flehens ungeachtet, bewegte ich mich so heftig und stark, daß ich ihr gern glaubte, wie sie über Schmerzen klagte.

Sie wollte sich endlich ganz losreißen; allein ich hatte sie zu fest umklammert.

»O! vous êtes un barbare!«

»Madame, c'est votre lordant allemand.«

Sie schwieg und ich behandelte sie mit äußerster Strenge, so daß sie die Zähne zusammenbiß und ihr die Tränen aus den Augen rollten, und wie endlich sich meine Wollustnerven öffneten, so zog ich meinen Amor aus der Grotte und versagte ihr auch die Labung.

Ganz entkräftet ließ ich sie auf dem Sofa liegen und entfernte mich mit der Warnung, daß sie künftig behutsamer in ihren Ausdrücken sein möchte.

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