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Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H.

: Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H. - Kapitel 31
Quellenangabe
typefiction
authorGustav Schilling
titleDie Denkwürdigkeiten des Herrn von H.
publisherby edition or-mondial/Paris
year1966
firstpub
senderreuters@abc.de
created20070410
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Die Dunkelgeschichte klärt sich auf, und ich wage viel

Einige Tage darauf fiel mir erst ein, daß ich mich nicht einmal nach ihrer Wohnung erkundigt hatte, so sehr war ich im Taumel. Ich war schon wieder bei dem alten Brambur gewesen, allein vor lauter Geschäftserzählungen, die er von meinem Vater zu erörtern hatte, konnte ich nichts von seiner Tochter erfahren.

Unmutig schlich ich am Abend über die Straße und war verdrießlich, daß ich mit meiner Geliebten nicht nähere Abrede getroffen hatte. Ich war verdrießlich auf sie, daß ich keine Nachricht erhielt und schalt sie kalt und kokett.

Jemand zupfte mich. Dortchen war es, sie steckte mir ein Billett in die Hand und entfernte sich. Ich trat unter eine Laterne und las:

»Wenn Sie glauben, daß Sie sich bei einer Dame rechtfertigen können, die Ihnen freilich nur in der Dunkelheit ihre Liebe bekannte und bewies, so werden Sie um neun Uhr Ihre Führerin finden. Wenn aber Ihr Herz von Madame Flamman ebenso voll ist, als das ihrige von Ihnen, so bleiben Sie, ich verachte geteilte Liebe.«

Wetter, was machte das für einen Eindruck auf mich! Ich lief nach Hause, sah, ob ich recht gelesen hatte und schwankte in meinem Entschlusse. Wie, Teufel, hat sie's erfahren? Es ist gleich neun Uhr; ich will hin, zog einen leichten Überrock an und ging fort. Aber du liebst die Flamman! – Hättest sie vielleicht nicht geliebt, wenn du deine Schöne im Dunkeln gesehen hättest! – Unter allerlei Selbstgesprächen war ich vor die Türe gekommen und nun folgte ich Dortchen ohne fernere Untersuchung. Ich kam in eben das dunkle Vorzimmer wie das vorigemal und bald erschien meine Donna.

»Und Sie wagten es, zu kommen? Glauben Sie mich zu überzeugen, daß Madame Flamman keinen Anteil an Ihrem Herzen hat?«

»Verzeihen Sie mir, beste Frau, wenn ich Ihnen gestehe, daß Madame Flamman den stärksten Eindruck auf mich gemacht hat; daß ihr Bild beständig vor meiner Seele steht –«

»Halten Sie ein! – Schonen Sie mich wenigstens.«

»Ich habe in Übereilung gesprochen. Richten Sie billig, Madame, ich war nicht so glücklich, Ihre schöne Person zu sehen. Wenn sich nun meine Einbildungskraft ein Bild entwarf? Und ich nun zu gleicher Zeit die Flamman traf?«

»Ich höre, mein Herr, daß Sie nicht herkamen, worum ich Sie bat. Sie werden also so gut sein und mich verlassen,«

»Vernichten Sie der Flamman Bild in meiner Seele und ich will Sie unendlich lieben –«

»Nichts mehr, mein Herr, es war indiskret, daß Sie herkamen, und jetzt entfernen Sie sich auf immer! – Dortchen wird Sie sicher hinunterbegleiten.«

Dortchen trat mit einem Licht ins Zimmer. Ich sank, wie ohnmächtig, in den bekannten Armstuhl. Meine Donna winkte und Dortchen entfernte sich wieder.

Sollte ich meinen Augen trauen? War es Spiel oder Einbildung?

»Du führst den Herrn hinunter«, sagte die schöne Frau und Dortchen kam ohne Licht wieder.

Ich sprang auf, rannte in die Stube, holte das Licht und stand – immer noch zweifelnd, ob es Blendwerk sei, stumm und staunend.

Es war eine Gruppe zum Malen.

Ich warf das Licht hin und fiel meiner schönen Flamman um den Hals. Sie war es selbst.

»Sie konnten mich in so quälender Ungewißheit lassen?«

»Wofür Sie doch wohl schadlos gehalten werden?«

»Engel!«

»Ohne Verstellung. Urteilen Sie über die Stärke meiner Liebe aus dem, was ich wage. Sie sollen bei mir bleiben, habe alle Vorkehrungen getroffen, folgen Sie Dortchen und erwarten Sie mich bald.«

Ich war nicht bei mir selbst. Dortchen zog mich ihr nach. Im Dunkeln schlichen wir über den Gang eine Treppe hinunter, in ein Zimmer, vor ein Bett. –

»Sie ziehen sich aus und legen sich«, sagte Dortchen.

»Wo bin ich, liebes Mädchen?«

»In Madames Schlafkammer. Nun geschwind, hier oben legen Sie Ihre Kleider und im Notfall – doch Madame wird Sie schon unterrichten.«

»Doch glauben Sie, daß es besser sei, so legen Sie sich gleich an die Wand neben dem Bette, Sie werden eng und tief, aber nicht hart liegen.«

Dortchen ging.

Ich fand alles vorbereitet, legte mich und dachte der Himmel weiß was.

Dortchen kam bald darauf wieder.

»Sie liegen doch gut? Der Herr bringt Madame zu Bett, ja ruhig sein.«

Und nun ging sie, um Licht zu holen und kam wieder.

O, wahrlich, es wäre Unwahrheit, wenn ich sagen wollte, ich wäre ganz ruhig gewesen.

Herr und Madame treten ein.

»Das tut mir leid, Schatz.«

»Es wird nichts zu bedeuten haben, mein Kind.«

»Das wäre mir auch nicht lieb, denn – wenn ich nur nicht zu tun hätte.«

»Sei ohne Sorgen; ich versichere dich, morgen ist es schon besser. Es ist nur eine kleine Anwandlung.«

»So laß das Mädchen hierbleiben.«

»Nicht doch, Kind, wie kannst du denn gleich so ängstlich sein!«

Der alte Graubart konnte kein Ende finden. Endlich ging er doch, mit dem Versprechen, ehe er zu Bette ginge, noch einmal zu sehen, was sie machte.

Sie lauschte an der Tür, bis sie seine Stubentür gehen hörte und schloß ab.

»Nun, lieber H., wie ist Ihnen?«

Ich kroch aus meinem Lager hervor.

»Wie soll ich Ihnen danken, himmlisches Weib?«

»Durch volle herzliche Liebe!«

Ich half meiner Donna sich entkleiden. Alle Worte, alle Ausdrücke sind zu schwach, um nur einen leichten Begriff von der Schönheit ihres Körpers zu geben. Es war belebter Marmor. Kein Knochen, kein Knorpel war gespitzt oder hervorstehend. Der feinste Ästhetiker hätte bekennen müssen, daß sein tadelsüchtiges Auge nichts finde. Ihre Brust war hochgewölbt und sanft erhoben sich die schönsten Milchhügel, die Phidias Meisel nicht entzückender hätte bilden können.

Leichtgewölbt war ihr Leib, der kleine Hügel über der Grotte halb glatt und halb bemoost. Die Öffnung war etwas hoch und die Spaltung so niedlich gebildet, als ob sie ein sanftes Lächeln belebte.

Unersättlich waren meine Blicke; mit stummem Entzücken verschlang ich jeden Reiz.

Und wie sie sich an mich schmiegte, wie meinen Lippen ihr voller Busen entgegenwallte, wie mehr und mehr leichtes Rosenrot die blendende Weiße erhöhte, wie die niedliche Muschel sich brüstete und errötete.

Lieber Leser, mit aller deiner lebhaften Einbildungskraft vermagst du nicht diese Schönheit im vollen Glanze dir vorzustellen.

Ich saß auf dem Sofa und sie stand neben mir.

»Wollen wir ins Bett?«

»Dort verhüllt mir Vorhang und Decke die bezaubernde Schönheit.«

Ich legte sie aufs Sofa.

O, wie ihre Augen, wie ihre Lippen glänzten! Sie schlürfte. Wie drückte sie Busen an Busen, als ich mich über sie hinlegte! Ich war kein Mensch, ich war ein Gott, als ich mich mit dem Weibe vereinigte. Wir waren selig im Genusse der Liebe und mit vollen Zügen leerten wir den Nektar der höchsten Glückseligkeit des menschlichen Lebens. Ein Hauch, ein Leben, eine Seele. Verzeihe, lieber Leser, wenn ich dir zu übertreiben scheine; allein ich versichere dich, daß ich in so hohem, in so unbeschreiblichem Grade bis dahin die Liebe nie empfunden hatte.

»Glauben Sie mir, lieber H., daß ich jetzt erst empfinde, was Genuß der Liebe ist? Früher hat in mir nur unbefriedigte Wollust gewütet und bangendes Drängen meine Brust beunruhigt; aber das wohltätige Erschlaffen in männlicher Umarmung, die beseligende Vereinigung – es war mir unbekannt.«

Feurige Küsse begleiteten ihre Rede und ununterbrochen drückte sie mich an ihr klopfendes Herz. Die Glocke schlug elf, sie zündete eine Nachtlampe an und wir legten uns ins Bett.

Sie ließ mich keinen Augenblick los, drückte sich wo und wie sie nur konnte an meinen Körper.

»Jedes Berühren ist mir wohltätig. Schade, daß ich weil uns mein Gemahl überraschen könnte, das Hemd habe anlegen müssen.

Mit der feurigsten Umarmung und den zärtlichsten Küssen empfing sie mich, als ich mich wieder über sie hinlegte. Sie war ganz Gefühl. Ich sondierte ihre liebliche Muschel, sie war trocken, die Drüsen stark aufgelaufen und brennend, und der kleine Hymen stand wie ein Ast.

Ich war sehr feurig, ließ meine Schöne ihre Beine über meine Schenkel kreuzen, brachte meine Hände unter ihre Hinterbacken und spielte mit meinen Fingern an der Spalte.

Nach einigen leichten Bewegungen vorn in der Liebesgrotte drang ich mit einem starken Stoß ganz hinein und meine Schöne stieß einen wollüstigen Schrei aus. Über alles vergnügend war der Anblick, wie sie mich so ganz fühlte, ganz in Vergnügen zu zerfließen schien. Angenehmer Duft umgab uns, und Tauperlchen traten aus ihrem ganzen Körper hervor. Ihre Wangen beschämten das schönste Morgenrot, und jeder Blick, jede Miene war beseligende Zufriedenheit.

»Es brennt, Lieber! Zehrt im – Eingeweide – Oh!«

Er war nahe, der Entscheidungspunkt, ich drückte sie fest an mich, verdoppelte meine Bewegung –

»Jetzt! -«

Das Wort erstarb ihr auf der Zunge, sie fiel in eine, wollüstige Ohnmacht; sanft quoll die Wollustquelle, ich fühlte Entzücken und jetzt – empfing sie mit wollüstigem Girren der Liebe reichliches Opfer.

Wir hatten uns noch nicht völlig erholt, als wir den Alten kommen hörten. Ich mußte in mein Versteck.

Er schlief nebenan. Ich hörte, daß er sich auszog und ein Abendlied brummte. Endlich kam er herein, trat ans Bett und sah seine liebe Frau schlafen.

Es schien, als wollte er wieder fort und blieb doch.

Was glauben meine Leser, wie mir zumute ward, als ich hörte, daß er den Schlafrock auszog und sich zu meiner Donna legte.

»Schläfst du, Schatz? –«

»Ja – ich schlief.«

»Wie du schön schwitzest; ist dir besser?«

»Etwas! Und du störst mich.«

»Ich wollte nicht, aber du bist gar zu schön!«

»O, lassen Sie mich heute.«

»O nu! –i da ist es ja ganz naß!«

»Ich habe stark geschwitzt.«

»Ja, ja, ich fühl's! Ich werde ganz munter bei dir. Komm her, mein Schatz, mir ist ganz warm.«

»Ich bitte, schonen Sie mich heut.«

»Ich will's nicht arg machen.«

»Ich bitte!«

»Nu! Ich bitte auch, es ist doch gar zu hübsch hier, so warm, so gut! Nu, komm her! Uh! Wie du so hübsch warm bist! Ist mir doch noch nie so kurios gewesen, wenn ich zu dir gekommen bin.«

»Sie machen mich mißvergnügt.«

»Närrchen, nein, vergnügen will ich dich! Da fühl' nur einmal – geschwind komm'! – Nu, so hilf mir doch ein bißchen zurecht.«

Und nun fing der Alte an zu keuchen und zu schnarchen und konnte nach langer Müh' und Arbeit doch nicht zustande kommen.

»Hab' ich es doch gesagt, mein Kind, du ermüdest dich und mich – nun ja – da ist's.«

»I daß dich! Und ich war doch noch so warm! – Ich denke, es geht doch noch; wart', nur noch einmal!«

»O, so plage mich doch nicht.«

»Ich will dich ja nicht plagen. Sieh, es ist doch ganz naß! Ich glaube gar, es ist doch gegangen.«

Ich hätte bersten mögen, teils vor Lachen, teils auch aus Unmut, daß ein so herrlicher Altar der Liebe entheiligt wurde.

»Nun, mein Kind, so laß mich doch ruhen.«

»O, ich möchte hier schlafen!«

»Gern, wenn mir nur wohl wäre, aber –«

»Nun ja, so muß ich wohl gehen.«

Das wäre eine herrliche Freude gewesen, wenn der Alte auf seinem Vorsatz bestanden hätte.

Er schlappte fort und ich kam wieder in meiner Donna Arme.

»Ich schäme mich, Herr v. H., sie waren Zuhörer.«

»Ich vergesse alles, wenn ich Sie in meine Arme schließe.«

Sie schien wirklich ihr voriges Feuer ganz verloren zu haben.

Ich bot alles auf, küßte, spielte und rieb und tändelte, was mir meine Einbildungskraft eingab.

Ich schlug vor, aufzustehen. Sie war es zufrieden und schob etwas den Nachtriegel vor, daß die Türe ohne Anstrengung nicht aufgehen konnte.

Hier saß ich nun und hatte meine Venus im Arm und weidete mich an ihrem vortrefflichen Gliederbau.

Ich wurde ein Tuch gewahr, holte es und fing an, ihre gerundeten Hinterbacken reiben.

Bald aber spürte sie die Wirkung. Sie drückte sich an mich und ihr Atem ging geschwinder. Ich fuhr so lange fort, bis sie zuckende Bewegungen bekam.

Ich führte sie ins Bett, ihre Knie schlotterten.

»Nun, meine Liebe, ziehen Sie Ihre Beine an, stemmen Sie sich, heben Sie sich –«

Ich hatte diese Vorschrift nicht so nötig, sie hob sich so, daß ich genau achtgeben mußte, um das Gleichgewicht zu behalten.

Sie ließ etwas nach.

»O ich – kann nicht mehr.«

»Oh!«

»Plage ich Sie auch, meine Schöne?«

»Spöt–ter!« '

»Oh – o – o – o – oh!«

Sie war ganz Feuer.

»Ich halte es –«

Langsam und stark holte sie Atem.

Es schien, als ob sie in den letzten Zügen läge.

»O – o – o – o – nun!«

Es wollte nicht brechen.

Ich verdoppelte meine Bewegungen und bald ergoß sich meine Wollustquelle. Sie zitterte unter mir, schloß die Augen – und nun floß auch ihr Brünnlein über und so lagen wir in entzückender Ohnmacht Busen an Busen.

Noch schwebte sanftes Wollustgefühl auf ihrem Gesichte, als ich die Decke aufhob und der Liebe Myrthenhain betrachtete. Ein feines Schäumchen war am Eingang der Quelle, durch welches das Rot der Lippen schimmerte.

Sie zog mich über sich und überströmte mich mit den feurigsten Küssen. Arm in Arm entschlummerten wir.

Ich erschrak, als ich die Augen aufschlug und den anbrechenden Tag bemerkte; ich weckte meine Donna und sie erschrak noch mehr.

»Mein Gott, wie werden sie unbemerkt fortkommen?«

»Noch ist es früh; doch ohne weiteres Überlegen lassen Sie uns, Liebe, der Wollust ein Morgenopfer bringen, noch so herzlich und zärtlich, als wir es vermögen.«

Und damit begannen wir mit vereinten Kräften und leerten den Wollustbecher mit großem Vergnügen.

Mein Schöne half mir mich ankleiden. Wir konnten uns nicht trennen, immer nur noch ein Kuß und noch eine Umarmung.

Dortchen schlief fest. Wir weckten sie und sie ließ mich zur Tür hinaus.

Lachend fragte sie, ob heute alles und auch das Nachessen aufgezehrt wäre.

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