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Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H.

: Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H. - Kapitel 30
Quellenangabe
typefiction
authorGustav Schilling
titleDie Denkwürdigkeiten des Herrn von H.
publisherby edition or-mondial/Paris
year1966
firstpub
senderreuters@abc.de
created20070410
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Ich werde erhört

Daß ich dem alten Brambur bald meine Aufwartung machte, werden sich meine Leser leicht vorstellen, weil ich hoffte, meine unvergleichliche Amazone zu sehen.

Der Alte war so gefällig und behielt mich zum Mittagessen, weil sein Herr Sohn und seine Tochter auch mit ihm vorlieb nehmen würden. Der wackere Schwiegersohn kam mit der Göttin der Liebe. Nach einigen allgemeinen Fragen und Antworten entschuldigten sich beide Alten, daß sie noch einige Geschäfte abzutun hätten. Wie erwünscht; möchten sie zehn Stunden bleiben. Auch die alte Mutter entschuldigte sich auf einige Augenblicke mit Hausgeschäften. Nur immerhin!

Hier war ich nun mit dem angebeteten Gegenstande meines Herzens allein.

Ich sah sie an. Sie schlug die Augen nieder und schwieg.

Hier war keine Zeit zu verlieren. Ich stand auf, ergriff ihre Hand, küßte sie und erforschte in ihren Augen, ob ich wohl sprechen dürfte.

»Madame, nur einen freundlichen Blick, der mir Mut macht, zu sprechen.«

»Was wollen Sie, Herr v. H.?«

»Sagt Ihnen mein Auge nicht alles? – Ich liebe! (indem ich mich neigte und ihren schönen Mund küßte) Ja, Engel, ich liebe!«

»Herr v. H., Sie sehen mich jetzt zum zweiten Male.«

»Und schon das erstemal hatte ich für nichts anderes mehr Sinn. Nur einen Strahl von Hoffnung, schöne Frau!«

Sie drückte mir sanft die Hand.

»Darf ich hoffen?«

»Ich glaube, ich habe mich nur zu sehr schon verraten.«

»Könnte ich den Augenblick unseres Alleinseins in eine Ewigkeit verwandeln! Wann, wie und wo kann ich Sie sprechen?«

»Nirgends, als hier in meines Vaters Hause, und das nur sehr behutsam, weil mein Gemahl alles leicht durchs Vergrößerungsglas ansieht.« –

»Sie vernichten alle meine Hoffnungen auf einmal.«

»Wenn Sie mich wirklich lieben, so werden Sie nicht wollen, daß meine ohnehin langweiligen Tage verbittert werden. Aus meiner Offenheit können Sie nur zu leicht entnehmen, wie wenig gleichgültig Sie mir sind.«

Ich drückte den Engel an meine Brust und sog Seligkeit von ihren himmlischen Lippen.

Sie führte mich darauf ins Nebenzimmer, wo ein Klavier stand. Sie setzte sich, spielte und sang von Liebe. Den Nachmittag erzählte ich meinem Balthasar wieder so viel von der schönen Flamman, daß er etwas verdrießlich zu mir sagte: »Freund, ich hätte Sie stärker geglaubt, als daß Sie sich verlieben würden – das taugt nicht.«

Ich hatte keinen anderen Gedanken als meine schöne Flamman.

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