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Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H.

: Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H. - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
authorGustav Schilling
titleDie Denkwürdigkeiten des Herrn von H.
publisherby edition or-mondial/Paris
year1966
firstpub
senderreuters@abc.de
created20070410
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Eine Dunkelgeschichte, die wieder vorkommt

Einmal abends, ich hatte eben die Nachricht erhalten, daß ich hunderttausend Gulden in der Haager Lotterie gewonnen, gehe ich in ernsthaften Gedanken die besuchteste Straße auf und nieder und denke so nach, wie das Glück so manchen Menschen ohne sein Sorgen, vielweniger sein Zutun in seine Arme nimmt, und manchem, der sich noch so sehr bemüht und anstrengt, nicht einmal einen freundlichen Blick zuwirft.

Es war darüber bald elf geworden und ich bog in ein Nebengäßchen, um nach Hause zu gehen. Da kommt hinter mir eine weibliche Gestalt daher.

»Sie entschuldigen?! Sind Sie nicht Herr v. H.?«

»Soviel ich weiß.«

»Meine Madame läßt Sie bitten, ob Sie wohl so gütig wären und nur auf ein paar Worte –«

»Wer ist ihre Madame? –«

»Ja, das soll ich nicht sagen; Sie werden's wohl von ihr selbst erfahren.«

»Das sieht ja einem Abenteuer so ähnlich wie möglich! Nun, ich will so gütig sein.«

»Ja, aber Sie müssen mir im Dunkeln folgen und dann auch viel steigen und können die Madame nur im Finstern sprechen, denn wenn es der Herr – Gott sei mir gnädig.«

»Komm, liebes Mädchen, ich bin neugierig.«

Ich folgte ihr durch das Haus, durch einen langen Hofraum, eine, zwei schmale Treppen hinan.

»Halt, Mädchen, ich muß Atem schöpfen.«

Neugierde, Ungewißheit und Furcht engten meine Brust. Ich stand tiefer als meine Führerin, schlang einen Arm um ihre Hüften, fuhr mit der anderen Hand unter ihren Rock und küßte sie.

»Pfui doch, wissen Sie nicht, daß Sie zur Madame kommen sollen?«

»Aber sage mir, liebes Mädchen, was es für eine Bewandtnis hat?«

»Nur Geduld, Herr v. H. – i pfui doch – unser Herr ist ein alter Knasterbart. Kommen Sie, Madame möchte warten und um zwölf Uhr wenigstens muß sie zum Herrn Gemahl ins Bett.«

Wir stiegen noch eine Treppe, schlichen über einen langen Gang und stiegen noch eine Treppe und traten nun in ein finsteres Vorzimmer.

»Hier«, sagte meine Führerin, mich in einen großer gemächlichen Armstuhl setzend, »warten Sie, und wenn Sie die Saaltüre draußen schnellen hören, so treten Sie ja gleich hier rechter Hand in den Schrank und ziehen Sie die Türe an sich. Ich glaube zwar nicht, indessen weiß man doch nicht, was dem Herrn einfallen möchte.«

Sie ging in die Stube, welche sehr schwach erhellt war, und bald darauf kam eine schöngewachsene Figur zum Vorschein.

Ich stand auf.

»Bleiben Sie, bleiben Sie«, rief die Dame, die Tür zumachend.

»Aber, schöne Frau, soll ich nicht das Glück haben, Ihre schöne Person bei Licht zu bewundern?«

»Mein Mann würde das Licht hier sehen, und das Ungewöhnliche würde ihn gleich herauf bringen.«

»So ist ja hier ein Zimmer –«

»In Gegenwart meines Mädchens, und noch mehr den gaffenden Dacheinwohnern des Nachbarhauses ausgesetzt. Beruhigen Sie sich, lieber v. H., über meine Anordnung und beantworten Sie mir eine Frage: Was denken Sie von dem Auftritt?«

»Ich denke, meine schöne Frau werden mir etwas Wichtiges zu sagen haben.«

Indem griff ich und empfing einen zarten Körper, nur sehr leicht bekleidet, und zog ihn auf meinen Schoß. Sie zitterte.

»Ich vertraue, hoffe ich, einem edeldenkenden Manne. Ich liebe Sie! Die Dunkelheit macht mir das freie Geständnis leichter. Ich habe gekämpft, und anstatt eine törichte Leidenschaft besiegen zu können, sehen Sie den Erfolg.«

Ich drückte sie fest an mich, küßte ihre Lippen, die so schön für mich gesprochen hatten, sie waren feurig und ihr Atem hauchte Wollust.

Ich bat nochmals um Licht.

»Erlauben Sie mir meinen Willen, Herr v. H., wenigstens für heute; ich will alles wagen, um Ihrem Wunsche baldmöglichst nachzukommen.«

Ich fühlte einen Busen, so voll und frisch wie eine aufgebrochene Rose im Morgentau. Ihre Waden und Schenkel waren etwas sehr stark und fest, ihre Hüften rund, ihre Haut geglättet wie der feinste Marmor, und der Myrthenhain, der Eingang in die Liebesgrotte – meine Einbildungskraft war eine herrliche Bildnerin.

Ihre Küsse waren so feurig, ihr Händedrücken so sanft, schmachtende Seufzer drängten sich aus ihrem auf- und niedersteigenden Busen, immer fester und fester umklammerte sie mich.

»Weib, zur Liebe geschaffen, und der Ort so unbequem.«

»Bequemer als Sie glauben.«

Und die Lehne des Armsessels flog zurück. Kaum gewahrte ich es, so stand ich auf und machte mich kampfbereit. Legte meine Schöne hin, sie glühte über und über und nach dem Atmen und den Bewegungen hätte man glauben sollen, sie wäre schon im Genusse begriffen. Und nicht anders war es, denn wie ich mich über sie hinstreckte, an die Wollustquelle fühlte, fand ich, daß sie überfloß. Dies feuerte mich an. Ich führte meinen Amor ein. Noch nie hat er einen so wollüstigen Einzug gehalten, sich brüstend empfing er das Opfer, welches ihm entgegengebracht wurde.

Meine Schöne drückte mich fest an sich, sog an meinen Lippen und begleitete jeden Nachdruck mit einem seufzerähnlichen Atem. Meine Einbildungskraft hatte sich zu wirksam bewiesen, als daß sich nicht bald meine Wollustnerven öffnen sollten.

»Oh, sie schwellen, ach!«

»Drücken Sie mich fest an, Liebe!«

»Heben Sie sich – in Zwischenräumen!«

Bis an die Wurzel drang ich ein und jetzt schoß mit Gewalt unter den wollüstigsten Empfindungen der Balsam des Lebens hervor.

»O, es brennt durch alle Adern! Welche Empfindungen im Innern!«

»Wie wird mir?!«

Sie bewegte sich heftig. Ich merkte sofort im Innern einige Zuckungen, ihr Atem zitterte und bebendes Girren kam aus ihrem Munde.

Nach einiger Erholung sagte sie:

»Das ist der Liebe Glück. Bedauern Sie mich, Herr v. H., schon seit drei Jahren legt sich bisweilen ein alter Mann an meine Seite, den ich selten durch alle Liebkosungen lau machen kann, und das Höchste ist, daß er mein Feuer etwas anfacht und mit seinem kalten Körper wieder auslöscht. Pst, er kommt, Sie wissen Bescheid.«

Die Gangtür schnellte, meine Schöne fuhr in die Stube und ich in den Schrank.

»Aber warum denn heute so früh, mein Kind?« hörte ich sie sagen.

»Ich bin schläfrig«, schnurrte der Alte und schlappte fort. –

Dortchen kam bald darauf mit dem Licht und öffnete den Schrank. »Ei, wie schön sie dastehen«, sagte sie lächelnd, »Sie müssen aber noch etwas bei mir verweilen, bis der Bediente schläft.«

»Glaubst Du denn, mein liebes Mädchen, daß ich dich verlassen werde? Ich bleibe bei dir!«

»Und was würde Madame sagen?«

»Das wirst du hören, sobald du es ihr erzählst.«

»Nein, mein Herr, ich bin keine Freundin von dem, was andere übriggelassen haben.«

»Du gefällst mir, Mädchen ich bleibe bei dir. Wo ist deine Schlafkammer?«

Ich öffnete eine Tür gegenüber und sie war es. Ich nahm Dortchen am Arm, führte sie hinein und machte die Tür zu.

»Ich glaube, Sie wollen Ernst machen?«

»Allerdings, liebes Mädchen.« Ich nahm ihr das Licht aus der Hand, setzte es auf den Tisch und zog mein Mädel ans Bett.

»Pfui doch, lassen Sie mich!«

Unter leichten Weigerungen und oft wiederholten ›Pfui doch!‹ war sie bis aufs Unterröckchen ausgekleidet.

»Siehst du, liebes Mädchen, ich mache Ernst!«

Und im Nu stand ich ganz nackend vor ihr da. Sie verbarg ihre Augen in der hohlen Hand und vergaß immer mehr, sich zu weigern, bis ich ihr das Röckchen und Hemd auszog. Nun sank sie auf einmal an mich hin, als ob sie sich in mir verbergen wollte.

Jede Muskel verriet das wollüstige Mädchen. Rabenschwarz war die Vermoosung der Liebesmuschel und aufgeworfen die Lippen, wie ich sie noch nie gesehen. Ich gab ihr meinen Amor in die Hand und sie seufzte laut.

»Soll ich nun gehen, liebes Dortchen.«

»Ihr Spott ist übel angebracht.«

»Du hast auch recht! Komm und sieh oder empfinde vielmehr, ob du bloßes Nachessen bekommen wirst.«

Dortchen wußte, was sie zu tun hatte. Kaum waren wir in Positur, so schlang sie ihr rechtes Bein über meine Hüften und wußte außerordentlich geschickt mir mit jedem Stoße zu begegnen.

»Verkürzen Sie das Vergnügen nicht! – Nicht so geschwind!«

Ich blieb ruhig und überließ ihr die Bewegung, bis ich merkte, daß der Reiz bei ihr aufs höchste gestiegen war, und begann dann mit allem Nachdruck. Bald schloß sich ihr Auge und sie girrte laut.

»Es ersti–ickt mich!«

Eins, zwei, drei und der Wollustbecher schäumte über und über.

»Nun, Dortchen, ist's ein Nachessen?«

»I pfui doch!«

»Was wird Madame sagen?«

»I warum ließ sie mich's hören, daß es ihr so wohl ging? Sonst hätten Sie mich wirklich nicht so bereit gefunden.«

»Im Ernst, Dortchen? – Nun, für deine Offenheit will ich sehen, ob ich dir noch einmal so wohl tun kann.«

Dortchen beklagte sich nicht und ich ging gegen drei Uhr nach Hause.

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