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Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H.

: Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H. - Kapitel 26
Quellenangabe
typefiction
authorGustav Schilling
titleDie Denkwürdigkeiten des Herrn von H.
publisherby edition or-mondial/Paris
year1966
firstpub
senderreuters@abc.de
created20070410
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Ein Ungefähr

Schon über ein halbes Jahr war ich auf der Akademie und noch war es mir nicht gelungen, eine Bekanntschaft anzuknüpfen. Einige Gelegenheiten, die ich hatte, gefielen mir nicht, und andere, die ich wohl wünschte, waren mit unüberwindbaren Schwierigkeiten verknüpft.

Es erwachte in mir eine gewisse Sehnsucht, ich fühlte Mangel an Appetit und ward unruhig und mißvergnügt. Kaum bemerkte es mein Balthasar, so fragte er in freundschaftlichem Tone: »Lieber H., was fehlt Ihnen?«

»Viel, lieber Balthasar, und ich weiß doch nicht, was.«

»Nicht? Armer Mann! – Es überfällt Sie doch wohl bisweilen eine Unruhe, ein Blutwallen, ein Herzklopfen –«

»Ganz recht; als ob Sie es selbst fühlten!«

»Und wissen nicht, was Ihnen fehlt? Bei meiner Treue, ich sollte glauben, Sie hätten Ihr Herz noch gar nicht beobachtet. Finden Sie keine Erleichterung, wenn Ihnen ein niedliches, weibliches Gesichtchen zulächelt?«

»Wirklich, Freund, das fehlt mir. Es ist eine Leere in meinem Herzen, so ein Verlangen – fühlen Sie, wie mein Herz klopft.«

»Ich sehe Ihre Augen voll Feuer, sie sagen mir alles. Warum haben Sie nicht Bekanntschaften gemacht? – Mich deucht – sehen Sie, dort oben steht sie am Fenster; ich müßte mich wenig auf das menschliche Auge verstehen, wenn Sie ihr gleichgültig wären.«

»Ich bin ihr nicht gleichgültig; nur zu deutlich hat sie mir's zu verstehen gegeben. Allein ich – bleibe kalt bei ihr – fühle keinen Reiz, nichts Anziehendes – kann ich es Ihnen so deutlich sagen, wie ich es fühle?«

»Freilich, ohne eine gewisse anziehende Kraft ist der Umgang mit Frauenzimmern ziemlich schal. Indes wundert es mich doch, ein Jüngling in Ihren Jahren lodert sonst gar zu leicht auf bei jeder erträglichen weiblichen Figur. Oder haben Sie sich etwa verwöhnt?«

»Weiß ich es, lieber Balthasar? Kommen Sie, wir wollen ausfahren.«

Ich wußte selbst nicht wohin. Ich fühlte einen Schmerz in meinem ganzen Körper und war so verdrießlich, daß ich mit den Tapeten hätte zanken mögen.

»Wo du hin willst, nur etwas weit«, sagte ich zu dem Lohnkutscher, warf mich in den Wagen und beantwortete alle Fragen und Erzählungen meines Balthasar mit halben Worten. Wir kamen nach Schlickern. Ich traf hier einen bekannten Schauspieler und drei Schauspielerinnen.

»Brav, Junge, daß dich das Ungefähr herführt«, sagte mir mein Freund ins Ohr, »wir wollen uns vergnügen. Du siehst, die Damen sind nicht übel. Welche wählst du?«

»Zur Zeit keine«, war meine Antwort.

Wir ließen uns einige Flaschen Wein geben und luden die Schauspieler als unsere Gäste ein, was sie auch nach sehr anständiger Weigerung annahmen.

Ich fühlte mich bald durch die Munterkeit einer kleinen niedlichen Frau etwas heiterer, und da sie sich mit mir am meisten abzugeben suchte, setzte ich mich endlich neben sie und bemerkte, daß es ihr ganz angenehm war.

Unser Händedrücken wurde lebhaft.

Sie stand auf und trat ans Fenster.

»Sie verlassen mich, schöne Frau?«

»Weil ich wünschte, mit Ihnen hier allein zu stehen.«

»Sehr schmeichelhaft für mich.«

Ich schlang meinen Arm um ihren Nacken und drückte einen feurigen Kuß auf ihre stark aufgeworfenen Lippen.

Sie sah mich an.

»Schöne Frau, wollen wir in den Garten gehen? Ich sehe, die Sonnenstrahlen machen eine schöne Wirkung durch die dickbelaubten Bäume.«

Sie reichte mir ihren niedlichen kleinen Arm und wir gingen.

Ich fühlte ein gewisses Feuer in mir auflodern, welches meine Laune bedeutend erheiterte, ich ward munterer und freier. Am Ende des Gartens bemerkte ich eine dunkle Efeulaube und richtete meinen Weg dahin. Eine hölzerne Bank und ein steinerner Tisch bildeten die Einrichtung. Ich lehnte mich an den letzteren und nahm mein niedliche Eva vor mich hin, küßte ihre Stirn, drückte sie fest an meine Brust und bemerkte, daß ihr Busen mehr als schön war.

»Schöne Frau, wollen Sie mich beglücken und mit mir in meinem Wagen nach Hause fahren?«

»Wenn Sie es bei der übrigen Gesellschaft auf eine gute Art machen können, so werde ich mich glücklich schätzen, denn wir sind zu Fuße hier.«

Ich setzte mich auf die Bank, nahm sie auf meinen Schoß und begann das feurigste Zungenspiel, dem das niedliche Weibchen mit ihren dicken Lippen ungemein viel Annehmlichkeiten zu geben wußte. Mir wurde entsetzlich warm und meine Begierde regte sich.

»Wie rot Ihr Gesicht ist!«

»Schöne Frau!« –

Ich rutschte mit meiner Hand unter ihren Rock.

Sie hielt sie, lächelte –

»Soll ich die Spröde machen?«

»Wäre es bei meinem Feuer angewandt?«

»Wären Sie nicht so liebenswürdig! – Ich weiß selbst nicht, was mich so fest an Sie zieht!«

Ich gelangte an den Rosenhain und glaubte in dem Augenblicke keinen niedlicheren befühlt zu haben. Die kleine Grotte war eng und fest, ein Beweis, daß das niedliche Weibchen sie sparsam besuchen ließ.

Ich verfiel in einen Taumel.

»Ich kann mich nicht fassen, schöne Frau.«

»Der Ort ist zu unbequem, können Sie sich nicht gedulden? Sie steigen doch bei mir ab? Aber jetzt, ich habe keine Lust!«

Ich sprang auf und empfand schmerzhaftes Pressen.

»Schöner Mann, ich bedauere Sie.« –

Sie lehnte sich an den Tisch und blickte mich mit zärtlichen Augen an.

Ich vermochte mich nicht zu halten, setzte sie auf den Tisch, hob ihr den Rock auf, trat zwischen ihre Schenkel, und mein Amor, den ich freimachte, stand in vollem Feuer.

»Was mich so unwillkürlich Ihren Stürmen gefällig machen mag?«

Ich stellte ihre Füße an die Bank, rückte sie mir näher und mein Amor stand an der Grotte. Er war aufgeschwollener, als ich es je bemerkt hatte. Und meine Schöne verzog das Gesicht, wie ich in ihre Grotte drang.

Nach einiger Bewegung aber bewies ihr wässeriges Auge, welchen angenehmen Gast sie aufgenommen hatte. Bald fingen ihre Lippen an zu beben und ihr Atem an zu zittern.

»Sie sind zu heftig – ich halte es nicht mehr aus! Ha – halt!«

Sie ward schwächer und ich heftiger.

Auf einmal aber stemmte sie sich mit aller Gewalt entgegen und fast in dem nämlichen Moment leerten wir mit unbeschreiblichem Vergnügen den Wollustbecher.

»Die Positur ist neu für mich und fast schäme ich mich, daß ich mich so schwach finden ließ. Wenn es meine Freundinnen wüßten, wie weit mich eine ungefähre Überraschung – oder wie soll ich es sonst nennen – bringen konnte, des Spottens würde kein Ende sein.«

»Des Spottens, schöne Frau?«

»Keine so zweideutige Miene, mein Herr, glauben Sie mir. Wenige können sich nach langem Bemühen und Bitten der Gunst rühmen. Fühle ich hier (sie legte die Hand aufs Herz) nichts, so bewegt mich nichts. Ich liebe mein Vergnügen mehr, als – merken Sie sichs, und glauben Sie ja nicht, daß Sie schon gewisse Rechte über mich erlangt hätten.«

Sie sagte das mit einer so trotzigen Miene, die sie ungemein gut kleidete und keine Affektion verriet.

Balthasar kam uns entgegen. Er sah mich an, nahm Madame Zerha bei der Hand und sagte: »Ich danke Ihnen, schöne Frau, daß Sie die trüben Augen meines Freundes so schön aufgeheitert haben.«

Sehr spöttelnd sagte sie: »Wenn ich etwas zu der Heiterkeit Ihres Freundes hätte beitragen können, so wäre er mir Dank schuldig, nicht aber sein weiser Freund.«

Balthasar sah starr auf und wußte nicht, was er sagen sollte.

Wir gingen zur Gesellschaft und Madame fuhr mit mir in meinem Wagen nach Hause.

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