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Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H.

: Die Denkwürdigkeiten des Herrn von H. - Kapitel 21
Quellenangabe
typefiction
authorGustav Schilling
titleDie Denkwürdigkeiten des Herrn von H.
publisherby edition or-mondial/Paris
year1966
firstpub
senderreuters@abc.de
created20070410
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Mutter Dore

Oft hatte ich auf der Parade von dem und jenem die Frage gehört:

»Geht's heut zu Mutter Dore?«

»Wann treff ich dich bei Mutter Dore?«

Einmal fragte ich einen hagern Leutnant mit hohlen Augenhöhlen und blauer Garnierung, was es damit für eine Bewandtnis habe.

»Blitz und Wetter!« entgegnete er, »Sie kennen Mutter Dore noch nicht? Ei der Teufel, so kennen Sie ja noch gar nichts! Ei, ich will verdammt sein, die müssen Sie kennen! Verdamm' mich Gott, wir wollen heut noch hin! – Freilich, das sag' ich Ihnen vorher, gehänselt werden Sie, ein paar Flaschen Champagner wird Sie's kosten; aber das versicher' ich Sie auch bei meiner Ehre: Spaß sollen Sie dafür genug haben. Um wieviel Uhr, v. H., soll ich Sie abholen?«

»Aber sagen Sie mir doch, was ich da zu erwarten habe.«

»Werden's schon sehen. Donnerwetter, soll's einen Spaß geben! Um vier Uhr komm' ich, nicht wahr? Bei Abend nimmt sich so'n Spaß immer besser aus. Will's noch einem guten Freund sagen.«

Ich hatte an des Menschen Lärmen so vollauf genug, daß ich nicht gern einen zweiten fragte, sondern lieber auf meine Gefahr hin die Sache untersuchen wollte.

Zum Glück fiel mir meine gelehrte Bekanntschaft ein, ich fragte also hier an.

Die Antwort war:

»Mutter Dore ist ein Weib, wo man für doppelte Bezahlung schlechtes Bier und noch schlechteren Wein trinkt und feile Mädchen findet, die Zucht und Scham für Todsünde halten.«

»So werde ich für den Leutnant nicht zu Hause sein.«

Auf seine Frage erzählte ich ihm den Vorgang auf der Parade und er sagte:

»Sie müssen hin, und das aus zweierlei Ursachen. Erstlich, weil Sie sich sonst allerhand Sticheleien und Schraubereien aussetzen, und dann, weil nach meinen Begriffen ein junger Mann alles sehen muß.

Aus Vorsorge lassen Sie Ihre Uhr zu Hause und stecken höchstens einen Louisdor zu sich, im Fall Sie glaubten, daß Sie nicht genug auf Ihrer Hut sein könnten. Sie werden eine besondere Seite des menschlichen Herzens kennenlernen; erzählen Sie mir morgen davon, so will ich Ihnen eine Paraphrase darüber machen.«

Um vier Uhr ging es also zu Mutter Dore.

Wir traten in ein kleines Haus in einem dunklen, abgelegenen Gäßchen. Ich folgte voller Erwartung in ein geräumiges Zimmer. Ein ältliches feistes Weib mit kecken Augen empfing uns. –

Leutnant: »Hier bringe ich einen jungen Ritter, Mutter Dore, der deine Ware feilschen will.«

Dore: »Du Saukerl, wie fällt denn ein so wackerer Kerl in deine Hände? Möchtest was drum geben, wenn du ihm nur von hinten glichest.«

Ich staunte über das artige Kompliment.

Sie faßte mich am Kinn.

Dore: »Wahrlich, du bist ein schöner Junge! Was macht Mama und Papa?«

Ich: »Sie befinden sich wohl und sagten mir, wenn mir eine solche alte Vettel so begegnete, sollte ich ihr einen Nasenstüber geben.«

Dore (überlaut lachend): »Aber, lieber Junge, spare deine Bravour und deine Hand für den Degen, an meiner Nase wäre beides wohl am unrechten Orte.«

Der Andere: »Wo sind die Mühmchen, du alte Donnerhexe, ich sch... auf dein Schwatzen.«

Der Dritte: »Geh, altes – –«

Lauter Komplimente, die mich die Sauberkeit der Gesellschaft mit einem Blicke übersehen ließen.

Nun erschienen die Mühmchen. Sehr artige Gestalten, die nichts als eine mir unbegreifliche freche Miene entstellte.

Dore: »Dort, Mühmchen, bewillkommnet den neuen Herrn Vetter.«

Sie sprangen alle auf mich los, ergriffen und küßten mich mit einem lauten: »Willkommen, lieber Vetter! Bei meiner Seele, du bist ein braver Junge geworden!« – Jede zog mich an sich, jede wollte mich allein für sich haben, und alle riefen zugleich:

»Geh' du zu deinem Hohlauge!«

»Du, die Stumpfnase wird böse, geh'!«

»Dünnschenkel wartet, marsch mit dir!«

Ein Getöse, daß mir die Ohren summten.

Endlich kam Mutter Dore und sprach:

»Fort mit euch, wir müssen erst sehen, ob er das Maß hat.«

Sie hatte eine Maschine, fast wie ein Schuhmachermaß, in der Hand.

»Mache die Hosen auf, junger Ritter, hier wird keiner angenommen, der unter dem Maß ist.«

Ich wurde ärgerlich.

»Für das Gerede, welches mich anekelt, holt lieber einige Flaschen Champagner und laßt mich in Ruhe.«

Die Bouteillen kamen, und mir, als Wirt, ward die Wahl gelassen, welches Mühmchen ich zu meiner Gesellschaft wählen wollte. Ich nahm eine niedliche Blondine, in deren schmachtenden blauen Augen nur wenig Frechheit zu finden war.

Das Gespräch ward bald munterer, d. h., es gestaltete sich zur gemeinsten Zotenreißerei. Mich freute es, daß ich so gut gewählt hatte.

Meine Nachbarin, entweder weil sie meinen Widerwillen bemerkte oder selbst keinen Geschmack daran fand, war sehr gemäßigt in ihren Ausdrücken.

Ich küßte sie oft, allein es mangelte etwas, Geist und Leben fehlte ihrem Zungenspiele; alles war so wässerig, ohne Kraft. Ich durchsuchte ihren Busen; eine feine, schneeweiße Haut, aber ihre Brüste weich und ohne alle Sprungkraft. Sie strengte ihre Brust an, damit sie sich heben sollte, allein nur das Knochengebäude hob sich.

Sie gab sich alle mögliche Mühe, Feuer in mir anzuschüren; richtete aber weniger aus, als das geringste Berühren eines Fingers der schönen Glossen.

Der Wein hatte die Geister erhitzt. Man wünschte, daß die Mühmchen sich entkleiden sollten. Ich fragte meine Blondine, wie ihr der Vorschlag gefiele? Mit Achselzucken antwortete sie: »Leider bin ich in der Lage, daß ich es tun muß, und nach und nach bin ich soweit gekommen, daß mir nur noch eine schwache Erinnerung der Zeit übrig ist, da mir diese Zumutung, mich so öffentlich zu entkleiden, abscheulich vorkam.«

Unsere Mühmchen wurden entkleidet, mußten tanzen und allerhand Posituren machen, wie sie die ausschweifendste Einbildungskraft vorschrieb. Gewiß waren es sehr niedliche Körperformen, allein schon ihrem Verblühen nahe.

Indes hatte doch das Spiel mein Temperament rege gemacht, und wie ich sah, daß einer meiner Gesellschafter mit seiner Nachbarin verschwand, da trug ich meiner Blondine ein Gleiches an.

»Sie dürfen befehlen und ich muß gehorchen. Weigerung ist hier nicht am Platze«, antwortete sie und wir erhoben uns.

Wir gingen in ihre Kammer. Ich legte sie aufs Bett. Wärme hatte ihr Körper wohl, aber nicht jene entflammende, Begierde erregende. Ich betastete die schlaffen Muskel, befühlte den Wollustempel, die so reizbare Erhöhung über dem moosigen Gestade war nicht mehr vorhanden, war ganz eingedrückt, und all mein Tändeln hatte keine andere Wirkung als Lächeln und Küsse ohne Feuer.

Ich setzte mich in Positur.

Meine Blondine wandte alles an und zeigte sich als Meisterin im Wollustspiel. Aber es fehlte ihr das hinreißende Feuer.

Sie fühlte, daß bei mir die Entscheidung sich nahte.

»Halten Sie sich so ruhig als möglich.«

Ich gehorchte ihr, sie preßte mit beiden Händen die Dünnung über meine Hüften und arbeitete mit zuckenden Stößen unter mir. Ich muß gestehen, meine Ausleerung war von vielem Vergnügen begleitet.

»Sind Sie mit mir zufrieden?«

»Allerdings, liebes Mädchen, allein du scheinst an dem Vergnügen keinen Teil zu nehmen.«

»Und doch habe ich seit langer Zeit nicht den zehnten Teil von dem heutigen Vergnügen genossen«, sprach sie und küßte mich feurig.

»Sie haben noch Kraft, wollen Sie mir ein Vergnügen gönnen, dessen ich mich kaum noch erinnere?«

Jetzt fühlte ich ihre Muskel schwellen, ihr Gesicht überzog sich mit einer Purpurröte und ihr Atem ward zitternd.

»Sie zögern – recht so – ein Mädchen von meiner Sorte ist nicht wert, ein Vergnügen zu genießen, welches nur reiner Liebe gebührt.«

Auf einmal gefiel mir das Mädchen, ihr schönes blaues Auge stand in Tränen und die Frechheit war nicht mehr darin. Ich küßte sie und erfüllte ihren Wunsch, indem ich mit beiden Händen ihre Hinterbacken emporhob und mich stark bewegte.

»O – wohltätiger Engel – nur noch einmal – ah! –«

Wie schön das Mädchen jetzt in ihrer wollüstigen Ohnmacht da lag!

»Unmöglich bist du zu diesem Handwerk geboren, liebes Mädchen.«

(Stockend.) »Nein – das nicht – oh –.«

Ihr Auge stand starr.

Ich vergrößerte ihr Vergnügen bedeutend, indem mein Nierensaft ihre geöffneten Wollustdrüsen befeuchtete.

»O – so wohl – ward mir's nie –.«

»Mädchen, du schwärmst.«

(Nach einiger Erholung.) »Ich schwärme nicht. Können Sie glauben, daß ich Vergnügen finden kann, wenn ich zu jeder Zeit und jeder Person zu Diensten stehen muß? Wie ekelhaft ist manches männliche Gerippe, das ich in meine Arme schließen muß! Und dann noch obendrein die Besorgnis, häßliches Gift statt vergnügendem Wollusttrank zu empfangen und dann Unschuldige wieder zu vergiften.«

Ein Lärm vor unserer Kammer störte unsere Unterhaltung. Ich öffnete die Türe, ein Mühmchen, noch nackend, trat herein.

»Bei meiner Seele, Schwester, ich bin eifersüchtig. Ihr könnt kein Ende finden und wir armen Luders möchten uns die Hände blutig reiben und –«

Ein ekelhaftes Geschwätz. Sie setzte sich zu mir.

»Hast du mir denn gar nichts aufgehoben?«

Sie ergriff meinen Amor. Ich stieß sie zurück.

»Ei, das Knäbchen, wie züchtig! – Da sieh her, Junge, hier gibt's auch noch zu schmausen, und ich will auf dem Misthaufen krepieren, wenn es nicht wärmere Speisen hier setzt als bei der schmachtenden Magdalena, der alles Feuer mangelt.«

Sie führte meine Hand an ihre Muschel, die stark angelaufen war und wie Feuer brannte.

»Fühlst du wohl? Jene Schäker verstehen höchstens das Ding warm zu machen, und dann keuchen, wackeln und fallen sie wie die Fliegen vom Reife.«

Sie stieg auf, wie ein Blitz saß sie auf meinem Schoße, das Gesicht mir zugekehrt und beide Schenkel um meine Hüften geschlungen, umhalste und küßte sie mich wie eine Furie.

»Nun, lieber Junge, lösche mein Feuer, glaube mir, es sind keine Narrenpossen, wenn man so geil gemacht wird und keine Befriedigung findet.«

Ich wollte sie fortstoßen, allein sie klammerte sich so fest an mich und bat in einer so eigenen Art, daß ich wohl merkte, ich müßte ihr willfahren, wenn ich mich auf gute Art aus dem Handel ziehen wollte. Ich fragte also meine Blondine, ob sie uns ihr Bett räumen wollte. Sie war willig, allein die Dirne verlangte das nicht.

»Rücke nur besser vor und bleibe so sitzen. – So – noch besser – so –«

Sie führte meinen Amor in ihre ziemlich weite Muschel, empfing mich mit lautem Schaudern und Zähneklappern und fing unter lautem Krächzen so heftig auf meinem Schoße an zu arbeiten, daß sie über und über in Schweiß geriet.

Die Neuheit der Positur trug wohl das meiste bei, daß meine Wollustnerven ziemlich reizbar wurden. Ich preßte das Mädchen, hob mich und unterstützte sie. Mein Amor strömte und mit lautem Jubel empfing das Mädchen den Wollustsaft, sie tobte wie unsinnig, bis endlich ihre verschlossene Quelle durchbrach und brausend überfloß. Sie verlor Kraft und Bewegung. Meine Blondine war aufgestanden und hatte ein leichtes Kleid angezogen. Mit ihrem Beistand hob ich mich auf und legte das wollustgierige Mädchen, das wie ohnmächtig an mir hing, aufs Bett. Ihr Hinterer hob sich leicht, ihre Muschel schäumte noch und die schwarze Einfassung war überschwemmt.

Genug davon.

Wir kamen wieder zusammen und nun wurden meine Begleiter von dem schwarzen Mädchen auf eine entsetzliche Art mitgenommen. Sie war unerschöpflich an Ausdrücken, die ihren entnervten Zustand schilderten; nur fielen sie freilich oft oder meistens ins niedrige. Das Mädchen hat keine Erziehung gehabt. Voller Betrachtungen ging ich nach Hause.

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