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Die Burgkinder

Rudolf Herzog: Die Burgkinder - Kapitel 5
Quellenangabe
authorRudolf Herzog
titleDie Burgkinder
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
printrun256.-275. Tausend
year1923
firstpub1911
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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III

Die Frau erwachte erst am anderen Morgen, als die Sonne schon hoch stand. Sie wollte sich erheben, aber die Füße versagten den Dienst, und ein Zittern rieselte immerfort über ihren Körper. Da lag sie ganz ruhig und sammelte das bißchen Kraft, das sie doch noch zu haben wähnte, um mit einer jähen Anstrengung die Schwäche zu überwinden. Es war ein stilles, zähes Ringen. Kalte Tropfen liefen ihr über die Stirn, wenn sie nach fruchtlosen Versuchen zurücksank. Mein Gott, mein Gott, dachte sie, ich muß doch meine Kinder sehen ... Ganz steil hoben sich plötzlich ihre Schultern – aber sie hielt sich aufrecht und taumelte aus dem Bett bis zur Tür und riß sie auf und rief gellend durch das Haus: »Barthel! Johannes! Sibylle! ...«

Der Hausherr war zuerst oben. Ohne ein Wort zu sprechen, umfaßte er die Frau und setzte sie in den Lehnstuhl, nahm ein Gläslein mit Kölnischwasser aus der Tasche und rieb ihr die Schläfen. Vor der Tür wisperten angsterregt die Kinder.

Nach einer Weile ging er zu ihnen hinaus. »Der Mutter ist besser. Nur tiefste Ruhe muß sie haben. Sibylle kann mit mir hereinkommen, und ihr anderen winkt der Mutter durch den Türspalt zu und geht in den Garten.«

Die Kinder gehorchten, und in die Augen der Frau trat ein mütterlich Leuchten, als sie den Gruß ihrer Kinder gewahrte. Dann kam die kleine Sibylle herein und schmiegte sich lautlos an sie und suchte mit ihren frischen Lippen den bleichen Mund der Mutter. »Du, mein – Kleines – Liebes –« sagte die Frau, und es war ihr wohler.

Der Hausherr streichelte dem Kind die Wangen.

»Mein kleines Mädchen wird jetzt ein großes Mädchen sein und der Mutter zur Hand gehen, damit sie sich ausziehen und wieder zu Bett legen kann. Ich sorge unterdes für eine Kräftigung, und dann löse ich das Pflegeschwesterchen wieder ab.«

Er ging an das Lager, strich Decken und Kissen glatt und verließ ruhig das Zimmer.

In der, Küche rief er den Joseph heran.

»Geh in den Hühnerstall und sieh, ob du ein Ei findest. Sonst mußt du ins Dorf. Und schlachte nachher die alte Henne für eine kräftige Suppe. Ich will jetzt einen schwarzen Tee kochen.«

»Steiht et su schlimm, Här?«

»Ich fürchte, der Tod will ins Haus, Joseph. Wir wollen tun, was wir können, um ihn abzuschlagen.«

»Leeve Nut Goddes – die ärm' Kinder.«

»Wir wollen jetzt nur an die Frau denken, Joseph. Etwas Ärmeres gibt es nicht als eine Mutter, die ihre Kinder zurücklassen soll. Kinder verstehen zum Glück nicht, was das bedeutet.«

»Nee,« bestätigte Joseph und zog die Stirn in Falten, »dat verston Kinder nie, we se der Mutter zo Härze gon.«

Und er dachte an eine alte Frau in einer Kölner Gasse, an eine alte Frau, die wohl arg verhutzelt sein mußte. seit er sie nicht gesehen hatte. Und er machte sich stillschweigend aus dem Staub. –

Als der Hausherr eine Viertelstunde später das Turmzimmer betrat und ein Brett mit Tee, weißem Brot und geschlagenen Eiern aus den Tisch setzte, lag die Frau gutgebettet mit klaren Augen. Ohne Widerstreben nahm sie zu sich, was er ihr bot, und er belobte sie wie ein Vater. Das Mädchen schickte er zu den Knaben in den Garten.

»Fühlen Sie, daß Sie jetzt schlafen können, Frau Tiebes?«

»Wenn Sie es wünschen ...«

»Ja, ich wünsche es. Schlafen Sie ganz ruhig, ich bleibe hier am Fenster sitzen.«

Sie drehte den Kopf nach der Wand und war gleich eingeschlafen. Und der graubärtige Pfleger saß am Fenster und blickte in die herbstliche Landschaft hinaus. Aber er sah die Purpurfarben nicht, mit denen sich drüben der Wald von Rolandseck geschmückt hatte und hüben das Märchenland der Sieben Berge. Und er sah nicht das tiefrote Laub der Weinberge, die sich, soweit das Auge reichte, zum Rhein hinabzogen und der Lese harrten. Er sah nur auf der Landstraße, von Honnef nach Unkel die Soldaten marschieren, die das linke Rheinufer widerstandslos dem Feind überlassen hatten, und drüben sah er die französischen Dragoner reiten und die Sansculotten auf dem Marsch.

» Allons enfants, de la patrie
Le jour de gloire est arrivé
 ...«

Der Mann am Fenster murmelte es in seinen ergrauten Bart. Sein Gesicht rötete sich, und die Adern auf der Stirn füllten sich mit Blut. Glühender Haß sprang ihm aus den Augen.

»Memmen, hundsfeige Memmen,« murmelten seine Lippen, »Männer mit Schwertern, Gatten von Frauen, Väter von Kindern. Und hatten die Übermacht, wenn sie zusammenstanden. Männer mit Schwertern! Und ließen sich in den Kot treten und sich Frauen und Kinder vom Halse reißen. Pah, recht geschah ihnen!«

Er schloß die Augen. Aber in seinen Ohren tönte das verhaßte Lied. Der Hohn auf die Menschenbefreiung.

Das Lied, das Lied, das sie zu Straßburg gesungen hatten, trunkene Pöbelhaufen, vertierte Weiber, wenn die Scharen der Opfer aufs Blutgerüst geschleppt wurden. Das sie gejohlt hatten, als die Madonna mit den sieben Schwertern vom Karren stieg –

Anna Maria – –

Und sie wußten nicht, daß sie dir wirklich das Freiheitslied sangen, als du sterben durftest.

»Meine Anna Maria!«

Er öffnete die Augen. War die kranke Frau erwacht? Er erhob sich und trat näher. Da lag sie geduldig und wartete auf ihn.

»Haben Sie denn nicht geschlafen?« fragte er und rückte ihr die Kissen zurecht.

»O doch, sehr lange – und ich liege schon lange wach.«

»Habe ich mich so lange verträumt? Wie ist das möglich. Ich bin ein schlechter Wärter gewesen, Frau Tiebes.«

Sie schüttelte den Kopf. »Sie haben Ihre Gedanken gewartet und ich die meinen. Das muß wohl jeder von Zeit zu Zeit. Um mit sich ins reine zu kommen für den morgigen Tag, der kein Nachlaufen gestattet. So habe ich an meinen Mann gedacht.«

Er setzte sich zu ihr ans Bett. »Möchten Sie mit mir sprechen?«

»Weshalb möchte ich es wohl?« sagte sie nach einer Weile. »Wenn Sie mich ansehen, meine ich, ich müßte Ihnen sagen, was ich an Fürchten und Hoffen auf dem Herzen trage. Und vor zwei Tagen kannte ich Sie noch nicht.«

»Im Leid lernt man sich schneller kennen als im Glück. Und Sie haben es wohl unbewußt gefühlt, daß da ein Mensch sei, der dem Leid ins Herz sah und es einzuschätzen weiß. Das ist alles.«

Sie atmete tief.

Er saß an ihrem Bett und hielt, wie ein Arzt, ihren Puls in seiner Hand. Und sie spürte es wie eine Kraft, die in sie hineinströmte und alles Laute und Rastlose zur Ruhe brachte.

»Ich habe ihn sehr liebgehabt,« begann sie langsam. »Als er mich heiratete, vermochte er ein großes Haus zu führen, und er führte es. Ich war jung, und er sagte mir, daß ich schön sei, und daß der Aufwand zu mir passe und seine Kunst ihn brauche. Sein Atelier war ein Versammlungsort der Hofkavaliere und der geistlichen Würdenträger, denn der Kurfürst bevorzugte ihn und liebte seine Bilder und sein leichtblütig Künstlerwesen. Dann kamen die Kinder. Und ich bat ihn zum erstenmal um etwas. Ich bat ihn, den Aufwand einzuschränken und für die Kinder einen Notpfennig zurückzulegen. Da lachte er mich fröhlich aus. ›Einen Notpfennig brauchen wir nicht. Und wenn's uns trifft, so fangen wir wieder von vorne an. Kräfte habe ich für drei, und Spaß soll's mir auch machen. Aber die goldenen Jahre wollen genossen sein ...‹

»Er genoß sie. Und mancher der Herren half ihm wohl dabei. Er genoß sie so sehr, daß ihm daheim das Familienleben nicht mehr behagte, daß er uns nur flüchtig küßte und unwirsch werden konnte, wenn man ihn um eine Feierabendstunde bat, daß er oft und öfter vergaß, das Geld für das Hauswesen zurückzulassen, und zürnte, wenn ich hatte borgen müssen. Aber ich liebte ihn trotzdem. Und war wohl stolz auf sein Großtun.

»Die drei Wochenbetten waren hart für mich gewesen. Mit jedem Kind gab ich ein Stück meiner Frische hin. Ich fühlte auch, daß er es bemerkte. Aber daß ich mir Mühe gab, trotzdem frisch zu scheinen, das bemerkte er wohl nicht. Es ist wohl Mannesart, zu fordern, und Frauenart, zu geben. Und da ich geben mußte, gab ich den Kindern. Für sie sorgte ich mich Tag und Nacht. Dann kamen die schlechten Jahre.

»Nicht für mich. Für meinen Mann. Kriegswirren drohten, und Hof und Regierung hielten mit überflüssigen Ausgaben zurück. Immer weniger wurde es mit der Kirchenarbeit, und mein Mann mußte die Gehilfen entlassen. Jetzt, dachte ich, jetzt findet er zurück, zu seiner Kraft, zu seiner Arbeitsfreude, zu seinem Herd. Jetzt löst er sein Wort ein. Aber die Gewohnheit hatte ihn wohl schon zu sehr erfaßt, und die Tatkraft lag in den goldenen Jahren begraben. Er nahm Geld auf bei der Kurfürstlichen Kasse, um das alte Leben weiterführen zu können. Damals habe ich denn auch meine letzten Kräfte für die Kinder hergegeben, so daß ich jetzt so jämmerlich zusammensinke.«

Tränen standen in ihren Augen und rollten die hageren Wangen herab.

»Ich ergebe mich in Gottes Gnade,« sagte sie still. Und nach einer kurzen Pause: »Das übrige wissen Sie. Der Kurfürst verließ mit Hof und Regierung Bonn. Mein Mann hielt sich und seine Familie ohne die Gegenwart seines Gönners für verloren, und ich drängte ihn selbst, dem Kurfürsten zu folgen. Wir fanden uns, als einer den anderen in Gefahr wußte. Und fanden die alte Liebe. Als ich vorhin erwachte, dachte ich darüber nach, und daß eine Liebe nie ersterben kann – wie das Heimweh nie erstirbt.«

Sie sprachen nicht mehr. Als die Abendnebel über das Rheintal zogen und alles Licht auslöschten, merkte der Hausherr, daß die Frau eingeschlummert war.

Die nächsten Tage lag sie still und friedlich. Sie war dankbar für jede Hilfeleistung und nahm von den Mahlzeiten, um dem Geber eine Freude zu machen. Die Kinder durften täglich zu ihr, morgens und abends. Auch der Hein stand zwischen ihnen. »Da habt ihr einen neuen Bruder,« sagte sie, und die Kinder lachten sich verlegen an.

Zuweilen ließ sie die Fenster öffnen, um das Jauchzen der Kinder im Garten zu hören. Oder ihre Augen folgten der Richtung, die die Höhenzüge nahmen, und suchten am Horizont die Türme Bonns, der Heimatstadt, in der sie Frau und Mutter geworden war – und glücklich. Ja, auch das. Heute wußte sie es. Heute, im Unglück.

Der Hausherr aber wußte, daß der Verfall ihrer Kräfte nicht mehr einzuhalten war. –

An einem Tage brachte der Joseph ein Zeitungsblatt aus dem Dorf mit heim, in dem die glückliche Flucht des Kurfürsten nach Westfalen und die mancherlei Abenteuer seiner Räte und Diener auf der beschwerlichen Reise beschrieben standen. »Der Hofmaler Peter Paul Tiebes,« so lautete die Schlußnotiz, »geriet bei Mülheim zwischen die österreichischen Marschkolonnen, fiel mit dem Pferd und mußte, weil tot, zurückgelassen werden.«

Der brave Bursche hielt das Blatt in der Tasche, bis er seinen Herrn gewahrte. Verstohlen winkte er ihm zu, damit die Kinder nichts bemerkten.

»Was ist geschehen, Joseph?«

»Här, ein Unglück kütt nie allein. Die ärm' Kinder!«

»So sprich doch!«

»Der Dut well enen Anfang han, Här,« und er nahm vorsichtig die Zeitung aus der Tasche.

»Der Tod?«

Mehr sagte er nicht. Er hatte mit einem Blick den Bericht überflogen und die Schlußnotiz gefunden. »Der Hofmaler Peter Paul Tiebes ...«

» Requiescat in pace,« murmelte er und machte mechanisch das Kreuzzeichen.

Die Kinder schlichen herbei. Ihr Instinkt leitete sie; und sie sahen das ernste Zeichen. Plötzlich waren sie verstummt. Ihre ängstlichen, unruhigen Augen bettelten den Hausherrn an.

»Kommt einmal zu mir, Barthel, Johannes und Sibylle.«

Scheu drängten die drei heran. Dann fragte Barthel und kämpfte das Würgen in der Kehle nieder: »Mutter?«

»Noch nicht, Barthel. Wir werden sie noch bis morgen haben. Halt dich, Junge. Euer Vater« – und er zog Johannes und Sibylle in die Arme – »Kinder, euer Vater ist gestorben.«

Barthel streckte sich kerzengerade, drehte den Kopf nach links und drehte ihn nach rechts und taumelte in die Hände Josephs. Und Johannes und Sibylle schrien in wildem Kinderschmerz nur immer das eine: »Vater! – Vater! – Du sollst kommen, Vater – –«

»Er ist schon da,« sagte der graubärtige Mann und zog die fassungslos Weinenden fester an sich. »Wenn ihr mich wollt, werde ich es sein. Was meinst du, Barthel, wollen wir es versuchen? Kommt, wir wollen einen kurzen Spaziergang um die Weingärten machen. In Gottes freier Natur findet sich der Mut am schnellsten wieder. Und ich will euch erzählen, wie euer Vater dahingeschieden ist. Er starb wie ein Kriegsmann.«

Die Tränen rannen noch. Aber die Augen der Kinder blickten gespannter. Und leiser weinend umringten sie den Erzähler.

Der winkte Joseph zu sich und befahl ihm leise, an der Tür des Turmzimmers zu bleiben. Und nun schritt er mit den Kindern durchs Gartentor ins Freie, Johannes und Sibylle an der Hand, und der Hein hatte dem Barthel die Hand gereicht. Ein Stück bergauf schritten sie, bis an das höher gelegene Weinland, denn dort war ein Aussichtsplatz von weiter Schönheit, und der Mann mit dem klaren Blick rechnete mit der weiten Schönheit und der wundertätigen Wirkung der Natur.

Noch ein paar Schritte tat er. Dann wandte er sich um, und die Kinder mit ihm. Und die Kinder vergaßen das Weinen und standen stumm und staunend.

Riesengroß hing die Feuerkugel der Abendsonne über den Eifelbergen, glitt tiefer und tiefer, und schwand. Ihre Farbenpracht aber ließ sie noch zurück wie eine Hochzeitsschleppe, die über Himmel und Erde glitt. Und der Wolkenzug war purpurn, und der Rheinstrom lauteres Gold, und eine große Feierlichkeit lag über den Bergen.

Da erzählte der Mann, den die Dorfleute den Eremiten nannten, von dem Reitertod Peter Paul Tiebes' und schmückte ihn aus mit Purpur und Gold, und eine große Feierlichkeit lag über den Herzen der Kinder. – –

Bei der Rückkehr meldete Joseph seinem Herrn, daß die Frau unruhiger wäre als sonst.

»Sorg, daß die Kinder tüchtig zu Abend essen, Joseph, und bleib bei ihnen. Du kannst ihnen Geschichten erzählen oder sie selber zum Erzählen bringen. Nur daß die Nacht vergeht.«

Er selber stieg hinauf in die Turmstube. Bei seinem Eintritt erwachte die Frau.

»Licht,« flüsterte sie. »Ich sehe nichts. Und ich muß – Ihre Augen sehen –«

Er entzündete die dicken Wachsstöcke auf den Kerzenhaltern und beugte sich freundlich über sie.

»Wie feierlich das ist,« sagte sie und sah großen Auges in die Lichtfülle. »Wie in der Kirche ...« Und nachdem sie einigemal tief Atem geschöpft hatte, so, als müsse sie nun ihre letzten Kräfte sammeln, fügte sie hinzu und ließ den Blick nicht von dem Licht: »Ich weiß es, daß ich sterben muß. Es ist nicht mehr weit.«

Und er fragte sie so mild, wie er es vermochte: »Sehnen Sie sich nach geistlichem Zuspruch, Frau Tiebes?«

Sie dachte angestrengt nach. »Ich meine – ich wäre Gott nie so nahe gewesen. Und ich darf Ihnen nicht noch mehr – Beschwerde machen.«

»Sie machen mir keine Beschwerden, Frau Tiebes.«

Hinter ihrer Stirn arbeitete es krampfhaft. Sie wollte die Gedanken zwingen, standzuhalten, und sie zwang sie.

»Die – Kinder!« stieß sie hervor. Und plötzlich sah sie ihm ins Gesicht, angstvoll und erwartungsvoll.

»Ihre Kinder, Frau Tiebes, haben heute abend gelernt, ihren Vater in mir zu sehen.«

Ihre Hände suchten nach seiner Hand. Als er sie ihr entgegenstreckte, hielt sie sie fest umklammert.

»Sie sollen – Ihnen gehören? – Der Barthel? Der Johannes? Die Sibylle? – Es ist eine gute Hand, in die sie kommen – eine gute Hand – –« Die Gedanken setzten aus. Sie wurde aufs neue unruhig. Und plötzlich schrie sie auf, daß es von den Wänden gellte. Der Notschrei der Mutter um ihre Kinder.

»Barthel, Johannes, Sibylle! Kinder, Kinder, wo seid ihr? Ich kann euch nicht verlassen! Ich kann nicht von euch! Ich – kann nicht.«

Er legte seine Hände um ihr Gesicht, damit sie seine Nähe spüre. »Frau Tiebes, Sie empfanden es selbst, daß die Kinder in guten Händen wären –«

»Keine Mutterhände,« stammelte die Frau, »keine Mutterhände ...« Und in ihren Augen lag das Entsetzen. »Um den Barthel – nein – um den Barthel sorg' ich nicht. Aber der Johannes – wird mich brauchen – und die Sibylle – wird mich brauchen –« Und wieder steigerte sich ihre Stimme: »Oft, oft, oft werden sie mich brauchen, und ich bin nicht da! Mein heißblütiger Jung'! Mein wild Mädchen! Das Leben ist kein Tanz. Und ihr tanzt – tanzt – und ich hör' euch weinen. Die Sibylle hör' ich weinen, ganz still, ganz für sich hin, wie sie es tut, wenn sie weint ... Sibylle, Sibylle – mein lieb klein Mädchen! Herrgott, wie kannst du die Mutter fortrufen – wie kannst du mir die Kinder nehmen? – Ich kann nicht fort. Ich kann nicht ...«

Und das Zimmer war voll von der Stimme der Mutter, die nicht loskonnte von den Kindern und Gott bestürmte mit allen Waffen ihres Herzens. »Hab ein Einsehen, Gott! Hab nur diesmal ein Einsehen! – –«

Ermattet sank sie zurück. Ihre Augen irrten umher, als suchten sie Hilfe, und kehrten zu dem fremden Manne zurück, der ihr sacht den Schweiß von der Stirn wischte.

»Ich versündige mich,« sagte sie tonlos. »Ich weiß es.«

Und der geduldige Pfleger erwiderte: »Eine Mutter, die um ihre Kinder kämpft, kann sich nicht versündigen. Auch vor dem Himmel nicht. Denn Gott sieht auf den Urgrund aller Dinge. Und ein Mutterherz ist ein heiliges Ding.«

»Wer sind Sie?« fragte die Frau. »Wer sind Sie – daß Sie so sprechen? –«

Er sah, daß ihre Glieder sich streckten, daß der Krampf sich löste. Und er wartete, bis auch ihr Atem ruhiger ging. An ihrem Bett saß er wie vorher und hielt ihre Hand. Und in die Stille hinein sprach er, um ihre kreisenden Gedanken abzuziehen, um ihrem Schicksal die Schwere zu nehmen durch anderes Schicksal.

»Ich bin ein Mensch, Frau Tiebes, der schon bei Lebzeiten durch alle die Schmerzen hindurch mußte, die andere erst in ihrer letzten Stunde empfinden. Ich hatte ein Weib – und durfte sie nicht Frau nennen; ich habe einen Sohn – und darf es nicht verkünden. Nicht einmal ihm selbst. Nicht einmal das. Glauben Sie mir nun, daß ich alles Schwere verstehe?«

Sie lag ruhig atmend, mit dem Blick nach dem Licht. Dann schloß sie still die Augen.

Der Pfleger schwieg. Aber in ihm war es laut geworden, von Stimmen, die aus der Ferne kamen, weit her, und seine Jugend stand auf, für ihn, gegen ihn, und die Vergangenheit erhob sich rings um ihn her, geweckt durch die Frage der fremden Frau: Wer bist du?

Wer bin ich? fragte er sich leise. Wer war ich und wer bin ich geworden?

Da lag die Heimat, sein Jugendland. Und sein Vatersname zählte zu den machtvollsten am Rhein.

»Wer bist du?« fragten die Stimmen. »Gib dir selber die Antwort, die diese Sterbende um ihrer Kinder willen verlangt.«

Und eine andere Stimme sprach in ihm, und er wußte, daß es die seine war: »Es ist so wenig und so viel. Ich war der zweite Sohn und wurde im Pagenkorps erzogen, als junger Offizier. Ich hätte einmal ein paar Güter geerbt, wenn mein Bruder zur Regierung des Ländchens kam. Und ich liebte mit aller süßen heißen Knabenliebe ein Mädchen aus einem verarmten gräflichen Hause, ein rheinisch Kind wie ich. Schon hatte ich in ein paar Bataillen gefochten und im Kugelregen gestanden und jubelnd meine junge, drängende Kraft verspürt – da rief man mich zurück. Die Familien- und Parteipolitik rief mich zurück, denn sie hatte eine anders geartete Beschäftigung für mich. Ein gefürsteter Bischofsstuhl wurde in absehbarer Zeit vakant. Es war wohlbegründeter Verdacht, daß er von einer Partei besetzt werden würde, deren Interessen den unseren nicht entsprachen, deren Machterweiterung uns nicht genehm sein konnte. Zwei kurfürstliche Stimmen waren mit uns im Bunde. Mich wollte man präsentieren. Ich hatte den rein weltlichen Stand zu verabschieden.«

»Und du tatst nichts?« fragten die Stimmen. »So schwach warst du?«

Und die andere Stimme, die die seine war, entgegnete: »Es half nichts, daß ich mich sträubte und auf meinen geliebten Beruf hinwies. Man sagte mir, daß ich diesen Beruf von wichtiger Stelle aus noch besser ausüben könne. Es half nichts, daß ich meine fragwürdigen Kenntnisse ins Treffen führte. Man sagte mir, ich würde das Wesentliche schnell ergänzen, und für das übrige wären meine Räte da. Und es half nichts, daß ich verzweifelt von meiner Liebe sprach. Man sagte mir, daß der Graf seine Tochter vor wenigen Tagen an einen französischen Marquis, der in Straßburg lebe, verheiratet habe. Da gab ich nach.

»Und ich kam nicht mehr zur Besinnung. Die Vorbereitungszeiten wurden beschleunigt, ich war geistlich und wußte es kaum, ich übte Funktionen aus, die nur als Sprungbrett dienten, und wurde in ein Domkapitel berufen. Als ein paar Jahre später die Wahlen notwendig wurden, waren Opfer und Mühen umsonst gewesen. Die Gegenpartei blieb Sieger mit einer Stimme Mehrheit. Ich ging nach Rom und wurde mit einem klingenden Prädikat in die Regierungsmaschine eingestellt. Jahre blieb ich dort. Jahre, die keinen Inhalt hatten. Aber das Heimweh fraß mir am Herzen. Da führte mich eine Sendung über die Alpen zurück, nach Straßburg. Fast vierzig Jahre war ich alt geworden.«

»Sprich weiter,« forderten die Stimmen.

»Still,« sagte der Mann und hob die Hand.

Aber die Stimmen in ihm gaben nicht Ruhe.

»Sprich zu uns. Gib Rechenschaft. Wir müssen es wissen, wer du bist.«

Da ließ er die Hand sinken und antwortete den Stimmen der Stunde.

»Ich sah die geliebte Frau wieder. Sie war schmal und blaß geworden, und in ihren Augen stand das Heimweh nach der Jugend und dem Jugendland. Sie war nicht heimisch geworden im französischen Elsaß und nicht heimisch an der Seite ihres Gemahls, der die Abenteuer des Salons liebte und deutsche Gefühle nicht verstand. So sahen wir uns und sprachen vom Rhein, an den sie sich sehnte, und wir hörten ihn seine Märchen ans Ufer flüstern wie in alter Zeit und hörten zwei junge Menschen ihre Liebesmärchen am Ufer flüstern – aus alter Zeit. Wie lange lag das dahinten, und längst wußten wir voneinander, weshalb man uns getrennt hatte, und daß der Wille unserer Väter entschieden hatte. Das Heimweh aber trieb uns zusammen.

»Ich denke darüber nach, wie es gekommen sein mag, da wir doch nicht mehr die Jüngsten waren und nicht leichtsinnig von Blut und Gedanken. Aber es mußte wohl sein, daß einer im Auge des anderen das Heimweh las und jeder sich mühte, es dem anderen zu erleichtern. Oder auch, daß in dieser Qual einer im anderen seine liebsten Erinnerungen fand und danach griff, als könne er damit das Leben zurückschrauben. Nie hatte ich geistlich werden wollen, sie nie diesen Mann heiraten. Das waren die Sünden der Väter, aus denen die Sünde der Kinder geboren wurde.. Wir liebten uns. – –

»Ich weilte noch immer in Straßburg, als ihr ein Sohn geboren wurde. Da sprach ich sie zum letztenmal. ›Wir beide,‹; sagte sie, ›lieben uns so sehr, daß wir über die Maßen glücklich wurden. Soll das kleine Menschenkind die Buße für uns bezahlen? Wir haben sie zu bezahlen, wenn sein Leben nicht unter unserer Liebe leiden soll, und weil wir uns so reich gemacht haben, wollen wir auch das Schwerste wählen: den Verzicht der Gemeinsamkeit. Denn du hast ihm keinen Namen zu schenken. Ich werde furchtbar leiden.‹

»Ich begehrte auf. Ich entwarf hundert aberwitzige Pläne. Aber sie erwiderte immer nur: ›Das Kind. Und unsere Liebe ist ja dennoch größer als das Leid. Sei stark wie ich – und geh.‹

»Da ging ich, und die Buße ging mit mir, daß ich nicht von meinem Sohne sprechen durfte. Wieviel wird sie geweint haben in der Einsamkeit. Wie wird sie mit ihrer Qual gerungen haben, als der Knabe zum erstenmal ›Vater‹ lallte. Aber die Mutter in ihr wuchs über das Weib in ihr hinaus, und sie ebnete dem unschuldigen Kindlein wortlos den Lebensweg. So büßte die Mutter das Heimweh ihres Herzens. Mir aber lag die Buße noch ob und bleibt mir bis ans Ende meiner Tage.«

Da schwiegen die Stimmen, und die Stille war so groß, daß der Mann auffuhr aus dem Nebel der Bilder und nur noch die Sterbende gewahrte, mit der er allein war.

Er erhob sich und beugte sich über die Frau. »Frau Tiebes,« fragte er, als hätte er alle die Zeit nur zu ihr gesprochen, »hören Sie mich?«

Die Frau schlug die Augen auf, groß und ruhig.

»Sie ist tot, von der ich Ihnen heute abend sprach, Frau Tiebes. Sie ist in den Straßburger Schreckenstagen gemordet worden, weil sie die Frau ihres Mannes war, zu dem sie sich um des Knaben willen bekannte. Ich sah es – ich. Wehrlos sah ich es. Und nahm den Knaben und flüchtete mich mit ihm hierher. Frau Tiebes, deshalb erzählte ich es Ihnen. Damit Sie die Hand kennen, in der nun auch Ihre Kinder sind. Und wenn Sie die Frau, die ich meine, im Himmel wiedersehen, so sollen Sie ihr sagen: Ich hätte als kirchlicher Würdenträger resigniert, und die Resignation sei von der Kirche bewilligt worden. Mein Leben gehöre nur noch dem Jungen, und sie brauche nicht zu weinen. – – – Für diese Botschaft übernehme ich nun Ihre Kinder.«

Die Sterbende sah ihn an, als hätte sie ihn verstanden, und ihre Augen winkten ihm zu.

»Ich danke Ihnen,« sagte der graubärtige Mann und streichelte ihre Hand.

Und die Lippen der Frau öffneten sich zu einem schwachen Ton. »Dank, Herr! Ich dank' Ihnen.«

Die Stunden rannen hin. Es war nichts mehr gesprochen worden. Einmal war der Joseph an der Tür gewesen, und der Herr hatte ihm einen Auftrag erteilt. Und der Joseph war zurückgekehrt und hatte durch den Spalt der Tür dem Herrn still zugenickt. Dann lief der leise Klang des Ministrantenglöckleins wie ein feines überirdisches Rufen durch das Haus, und auf der Schwelle des Zimmers stand gebeugt ein weißhaariger Mann, und das Gefäß mit der Hostie hing ihm an einer Schnur auf die Brust herab. Seine milden Altersaugen suchten die Sterbende und wandten sich mit demselben gütigen Blick dem Hausherrn zu. Der neigte den Kopf und ließ die beiden allein ...

Als er nach einer Weile auf ein Zeichen des Priesters in das Zimmer zurückgekehrt war, nahm die Frau die letzte Wegzehrung. Und der schneeweiße Diener Gottes beugte sich aufs neue über sie und netzte ihr Gesicht und Hände mit heiligem Öl und netzte ihre Füße in Kreuzesform und erteilte ihr den letzten Segen. Ihre Augen aber hefteten sich fest auf den Alten von der Burg ...

Und die Stunden waren weiter geronnen, bis das erste Dämmerlicht kam. Da winkte die Frau noch einmal mit den Augen. »Beten,« sagte sie hastig.

Aufrecht stand der Eremit von Breitbach am Bett der Frau. Ihre dünnen, feuchten Finger hielt er in seinen gefalteten Händen eingeschlossen. Und festen und zuversichtlichen Tones sprach er die Sterbegebete.

Ihre Lippen formten die Worte nach. Ihre Augen blieben erwartungsvoll an ihm hängen.

»Die – Kinder – jetzt – – –«

Er stieg die Turmstiege hinab bis zum Treppenhaus und rief mit gedämpfter Stimme hinab. Drunten öffnete sich eine Tür. Joseph meldete sich.

»Bring die Kinder herauf. Es ist Zeit.«

»Auch den Hein?«

»Ja, auch den Hein.«

Hintereinander, von Joseph geführt, kamen sie die Treppe herauf, übernächtig und verstört zu Boden blickend. Jetzt standen sie um ihn her.

»Kinder,« sagte er, »eure gute Mutter will jetzt in den Himmel eingehen. Zeigt, daß ihr große tapfere Kinder seid. Seid still und ehrfurchtsvoll an ihrem Lager, damit sie ohne Sorgen scheiden kann. Wollt ihr das?«

»Ja – – –« zitterte es von den Kinderlippen.

»Denn ihr wollt nicht, daß sie euretwegen leiden soll.«

»Nein – –.«

»So kommt denn in Gottes Namen.«

Er führte die drei Kinder in die Turmstube und an das Lager der Frau. An der Wand stand Joseph und hielt Hein bei der Hand. Die dicken Wachsstöcke waren bis auf den Stumpf niedergebrannt. Ihr weißes Licht mischte sich mit dem einfallenden Tageslicht zu einer wundersamen Stimmung.

»Frau Tiebes – die Kinder sind da.«

Um den Mund der Sterbenden zuckte es. Ihre Augen glitten von einem Kind zum anderen. Minutenlang. Die Kinder zwinkerten mit den Augenlidern. Sie dachten an das Versprechen, das sie gegeben hatten, und hielten sich krampfhaft. Sie preßten den Atem zurück und versuchten, das Zittern der Gesichtsmuskeln zu bändigen. Da öffnete Johannes den Mund, um Atem zu schöpfen, und es kam ein qualvoller Wehelaut ...

Und als wäre ein Bann von ihren Kinderseelen gewichen, stürzten sie zusammen vor dem Bett auf die Knie, warfen ihre Arme über die Decke und schrien: »Mutter! – Mutter! – Mutter! – – –«

Mit zwei Schritten war der Herr des Hauses neben dem Lager. Er legte den Arm um die Schultern der Frau und hob ihren Kopf aus den Kissen, damit sie ihre Kinder sehen könne, bis zum letzten Augenblick. Ihre Hände tasteten über die Kinderhände, über die Scheitel ihrer drei.

»Barthel –«

»Mutter, hier bin ich.«

»Guter Junge. Nimm nicht alles so schwer. Laß – die Freude zu dir. – Johannes –«

»Mutter – Mutter –«

»Lerne du – auch aus dem Ernst des Lebens. – Denk an deine Mutter. Verschleudere – dein Pfund nicht.«

Ihre Augen wanderten zur kleinen Sibylle. Und das Kind kroch auf den Bettrand und schlang die Arme um den Leib der Mutter und wühlte, vor Schmerz außer sich, den braunen Kopf an ihre Brust.

»Sibylle,« flüsterte die Frau, »Liebes – Wildes – dir werd' ich – am meisten fehlen, deshalb – muß ich dich doppelt – segnen. Sei stolz, Kind. Sei immer – stolz.«

Ihre Augen wurden unsicher. Ihr Blick irrte suchend im Zimmer umher.

»Wo ist – mein Mann? Wo ist – mein Mann?« Und sie begann seinen Namen zu rufen ...

»Hören Sie mich, Frau Tiebes?«

Die Frau starrte den Sprecher an. Ein Erkennen sprang in ihren Augen auf.

»Fürchten Sie sich nicht. Ich verkünde Ihnen frohe Botschaft. Sie werden auch drüben nicht einsam sein. Ihr Mann ist Ihnen vorausgegangen und erwartet Sie an der Pforte der Ewigkeit.«

Ob sie ihn verstand? Ob ihr Geist schon weiter war und ein Wiedersehen feierte? Ein Leuchten flog über das abgehärmte Gesicht und machte es schön wie in Mädchentagen. Und der Kopf sank über den Arm des Mannes, der sie still in die Kissen legte.

»Ruhe in Frieden, armer Menschenleib. Fahre wohl, unsterbliche Seele.«

An der Wand betete der Joseph laut ein Vaterunser.

»Mutter, Mutter,« weinten die Kinder und wagten in ihrer Verlassenheit nicht aufzublicken.

»Hein,« gebot der Herr, »komm und reich deinen Brüdern und deiner Schwester die Hand. Wir bilden jetzt eine neue Familie. Und ihr sollt mich Vater nennen.«

Er wandte sich an Joseph. »Bring sie auf ihr Zimmer. Von morgen an soll der Hein mit den Knaben schlafen.« –

Nach einer Weile kehrte der Mann zurück. Er traf den Hausherrn, der den Priester hinausbegleitet hatte, allein und sprach nur leise angesichts der Toten.

»Se sind besorgt, Här. Se han sich zosamme en der Schlaf geweint. Et Sterve lehrt sich nit leicht.«

Er ging, den Kopf vor sich hin schüttelnd, an den Tisch und steckte frische Lichter auf den Leuchter. »Mr sin ärme Minsche.«

Der Herr legte ihm die Hand auf den Arm.

»Glaub es mir, Joseph, wer stirbt, ist nicht der ärmste. Die ganze Menschenkleinheit spürt nur der, der dabeisteht und helfen möchte und doch nichts ausrichten kann. Nichts, nichts! Das sind die furchtbarsten Stunden im Leben, Joseph, glaub es mir. Diese Erkenntnis der Ohnmacht.«

»Ja, Här.«

»Und nun öffne die Fenster und laß die frische Morgenluft herein. Siehst du, da ist der neue Morgen doch. Und neue Menschenkinder sind in der alten Burg, die schaffen neue Sorgen, aber auch neue Freuden. Was meinst du: wollen wir vor dem Leben den Kopf hängen lassen? Vorwärts.«

»Ich packen an, Här!«

*

 

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