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Die Brixiade

Joseph von Lauff: Die Brixiade - Kapitel 3
Quellenangabe
typepoem
booktitleDie Brixiade
authorJoseph von Lauff
firstpub1915
year1937
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
addressBerlin
titleDie Brixiade
pages1-150
created20051008
sendergerd.bouillon
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Die erste Flasche

                  Ein Juniabend läßt euch grüßen!
Vergoldet lag der Himmelsdom,
Und ein Gewirr von Strahlenfüßen
Umtrippelte den breiten Strom.
Gefesselt lagen Wunsch und Wille,
Und Rosenwölkchen sah man ziehn,
Wie's schildert manche Prachtidylle
Von Geßner oder Hölderlin.
Zum »Angelus« rief eine Glocke
Mit weihrauchzartem Klang und Kling,
Bis sie auf lammfellweicher Socke
Beim fernen Rebenhang zerging.
Da wich der letzte Rosenschimmer
Von Wald und Feld, von Flur und Hain;
Es fand mit silbrigem Geflimmer
Der gute Mond sich pünktlich ein.
Ein ausgetragner Junggeselle,
Er schlich sich vor auf leisen Zehn,
Gewillt, im Spiel der blanken Welle
Der Nixe hilfreich beizustehn,
Die hier im Strom als Unvermählte
Und splitternackig, frank und frei
Ihr bernsteinfarbig Lichthaar strählte
Dicht unterhalb der Brauselay.
Er sah . . . um tausend Gotteswillen,
Ja, was nicht alles sah der Mond!
Er sah, was sonst im tiefsten Stillen
Beseligt unterm Hemdchen wohnt.
Er sah . . . doch schnell mit der Gardine!
Ich lass' sie fallen noch zurzeit,
Um nicht mit Thümmels »Wilhelmine«
Mich zu ergehn in Lüsternheit.
Doch nur soviel: vom Sternenvölkchen
Zum Nixchen schwang er sich im Nu
Und zog dann selber durch ein Wölkchen
Das allzufreie Bildchen zu.
Ich selbst, umweht von schwankem Laube,
Zog stillvergnügt den Strom entlang
Und wandte mich zur »Goldnen Traube«,
Wo schon die Rundinelle klang:
»Bibit iste, bibit ille,
Bibunt centum, bibunt mille;
Multae causae sunt bibendi!«

Da saßen sie . . . beherzte Männer,
Von grünem Weinlaub überdacht,
Des Moselweins berühmte Kenner,
Bewährt in mancher Moselschlacht.
Der erste . . . Hoch ist er zu preisen!
Als Mensch beherzt, im Amt gestählt;
Drum sei er auch den Sieben Weisen
Aus Hellas kühnlich zugezählt.
Des Lebens wechselreiche Lose,
Er nahm sie hin, just wie es kam,
Bedacht nur, daß der Gurt der Hose
Den Schlüssel mit zur Kneipe nahm;
Denn ohne diesen, was ist Stunde,
Was ohne ihn geteiltes Leid,
Was auserwählte Tafelrunde
Und selige Vergessenheit?!
Die Sorgen dünkten ihm aequalis,
Verträumte sie im warmen Nest;
Schon bei der filia hospitalis
Stand dieser Grundsatz bei ihm fest.
Dabei trug dieser hochgelahrte
Und auserwählte Mann der Pflicht
Die schönste graumelierte Schwarte
Zu einem kernigen Gesicht.
Und wenn ich ferner nicht verhehle,
Daß er verbechert ein Gersprenz,
So habt ihr ihn mit Leib und Seele –
Den Amtsgerichtsrat Peter Zenz.
Der zweite . . . Ja, da mögt ihr wandern
Vom Rhein bis wo die Wildgans streicht,
Ihr trefft gewiß nicht einen andern,
Der diesem hier an Würde gleicht.
Cholerisch zwar . . . das muß ich sagen . . .
Zuweilen kam uns dies verquer;
Doch niemand hat in unsern Tagen
Den Skat gedroschen so wie er.
Sein Blick war Güte, lichtumsponnen,
Sein Wort ein festgeschweißter Niet,
Und wenn er einen Grand gewonnen,
Dann sang er stets ein schönes Lied.
Sein Amt? – nun ja, er tät beklopfen
Die Brust und auch des Busens Zier,
Und wollte sich der Sitz verstopfen,
So half er nach durch ein Klistier.
So sorgte er für Luft und Dünger,
Er ließ die Toten auferstehn;
Mit einem Wort: er war ein Jünger
Von Avicenna und Galén.
Und ist auch dieses nicht verständlich,
Macht die Umschreibung euch Verdruß,
Na, anders denn, und merkt es endlich:
Herr Hiemenz war ein Medikus.
Der dritte . . . lieber Gott im Himmel!
Ein Goldmensch war's und gut betreut,
Dem schon die Fünfzig zarten Schimmel
Aufs fromme Denkerhaupt gestreut.
Er hieß der Brave, hieß der Stille,
Nahm gern auch einen höhern Flug,
Und lieber als in der Postille
Erging er sich im Kellerbuch.
Er sorgte sehr um gutes Essen,
Und bot man Wasser ihm zur Qual,
Er glaubte stets, ihm wüchsen Kressen
Aus seinem Magenfutteral.
Er war verliebt und gut bei Leibe,
Zwar melancholisch dann und wann
Und sehnte sich nach seinem Weibe,
Stach er das vierte Fläschchen an.
Wie Zenz, so zog auch er am Wagen,
Des schwere Fracht Pandektenmist;
Auch Hubaleck, das kann man sagen,
War ein gediegener Jurist.
Der vierte . . . schmettert die Trompeten!
Denn lieber Leser, mit Vergunst,
Ich lasse vor dein Auge treten
Das Meisterlein der schwarzen Kunst.
Potz Doria und Blitz und Velten!
Ich ruf's mit freudigem Gesicht:
Wenn einer gilt, soll Wieprecht gelten
In diesem lustigen Gedicht.
Mit der Historie im Bunde,
Mit viel rhetorischem Geschick
Beherrschte er die Tafelrunde
Durch seinen weltgewandten Blick.
Er stand mit Herrn Anaximander,
Mit Cäsarn selbst auf du und du
Und sprach dem großen Alexander
Beherzt die Schlacht bei Cannä zu;
Denn so er äußerst dienstbeflissen
Betrat des Bacchus heil'gen Raum,
Dann schlug er oft mit bestem Wissen
Geschichtlich seinen Purzelbaum.
Nur um die Herren zu erheitern
Ließ er das weltliche Geschehn,
Sowohl im Engern wie im Weitern,
Verschwistert beieinander stehn.
Es klappte alles bei dem Manne,
Die Freude litt bei ihm nicht Not,
Und gerne schob er in die Kanne
Der Nase zartgepinselt Rot.
Aus seiner großen Schildpattdose,
Die eingelegt mit Elfenbein,
Sog er, gleichwie aus einer Rose,
Die prächtigsten Ideen ein.
Und wenn ich schließlich noch verkündet,
Daß er behende wie ein Reh,
So habt ihr diesen Mann ergründet
Vom Scheitel bis zur großen Zeh.
Nachdem ich so mit Artigkeiten
Euch diese vier im Bild gezeigt.
Schwirrt's wieder in den Spielmannssaiten . . .
Habt acht! – Der zweite Kantus steigt.
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