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Die Brixiade

Joseph von Lauff: Die Brixiade - Kapitel 2
Quellenangabe
typepoem
booktitleDie Brixiade
authorJoseph von Lauff
firstpub1915
year1937
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
addressBerlin
titleDie Brixiade
pages1-150
created20051008
sendergerd.bouillon
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Auftakt

            »Ihr mögt den Rhein, den stolzen, preisen . . .«
Singt Rittershaus in seinem Lied
Und rühmt die Stätte, wo das Eisen
Sich hin durchs Land Westfalen zieht.
Drum zieh' ich selber auch vom Leder,
Frisch, frei und fromm und kurzerhand
Und preise mit Gesang und Feder
Mein vielgeliebtes Moselland.
Das Lied, es kränkelt nicht an Blässe;
Im Gegenteil, ist voll und rund,
Und wohlgenährte Männerbässe
Begrüßen es am offnen Spund.
Kein Liebesweh quält ihm den Magen,
Nicht lämmerhafte Frömmelei;
Doch, wo die Herzen fröhlich schlagen,
Da ist es sicher auch dabei.
Kurz, als 'ne dralle Moseldirne,
Den Pfeil im Haar und sonder Hut,
So gibt es sich mit offner Stirne
Und ist den Männerherzen gut.
Es seufzt nicht nach Apoll und Musen,
Vermeidet jeglichen Sermon;
Mit etwas leichtgeschürztem Busen
Liebt es den echten Spielmannston.
Es weiß den Schafsdarm hell zu kratzen,
Singt mit dem Buchfink froh vom Ast
Und schilpt auch lustig mit dem Spatzen,
Jeweil's zu seiner Stimmung paßt.
Drum aufgemerkt!

                                Dort, wo die Welle
Bei Cochem sich im Bogen schwingt
Und von den Bergen die Forelle
In kecken Sätzen talwärts springt,
Wo sich die Kirschenblüten drängen,
Als wäre rings das Land verschneit,
Und an den schöndurchwärmten Hängen
Sich Thyrsus neben Thyrsus reiht,
Wo noch ein felsenfester Glaube
Den Weg zum Himmel überbrückt,
Hat sich die Gastwirtschaft »Zur Traube«
Dicht an den Moselstrand gedrückt.
Ein Hort für wanderfrohe Seelen,
Im Sommer kühl durch Stein und Flies,
Ein Tuskulum für trockne Kehlen –
Kurzum, ein »Moselparadies«!
So liegt es da im Weingelände,
Fern jeglichem profanen Schlot,
Und beut der Reben goldne Spende
Wie sie der Herr zu Kana bot;
Wie einst der ausgepichte Zecher,
Der an drei Menschenalter sah,
Sie bot im laubumkränzten Becher
Der heißbetränten Hekuba.
Hallirohe! – wer kann mir deuten,
Was feiernd mir die Stirn umzieht?
Ei, weiter nichts! – Die Gläser läuten
Das vielgerühmte Mosellied.
Bald tönt es laut, bald klingt es heller,
Bald naht es sich im Zephirschritt;
Das alte Fuderfaß im Keller
Singt lustig aus dem Spundloch mit.
Es hallt von weinbeträuften Stufen,
Es zieht den Flaschenraum entlang,
Und selbst in Bottichen und Kufen
Ist lauter Jubel und Gesang.
Und »Vinum bonum, vinum bonum!«
So klingt es ohne Maß und Ziel.
Bei Gott im Himmel! – solch ein Donum
De Deo
paßt zu meinem Spiel.
Und ferner noch: Merkt euch den Titel.
Bei Brixius, da ist gut sein,
Und dann: die einzelnen Kapitel,
Ich teile sie nach Flaschen ein.
Drum wollt zur »Traube« mich geleiten,
Und zeigt euch meinem Sang geneigt;
Schon schwirrt es in den Spielmannssaiten . . .
Habt acht! – Der erste Kantus steigt.

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