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Die Bestie im Menschen

Emile Zola: Die Bestie im Menschen - Kapitel 8
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typefiction
authorEmil Zola
titleDie Bestie im Menschen
printrunVierte Auflage
publisherVerlag von G. Grimm
year1892
translatorAlfred Ruhemann
correctorreuters@abc.de
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Achtes Kapitel

Erst um zehn Uhr vierzig Minuten Nachts traf der Zug im Pariser Bahnhof ein. In Rouen mußte ein Aufenthalt von zwanzig Minuten genommen werden, damit die Reisenden speisen konnten. Séverine hatte sofort ihrem Manne depeschirt, daß sie erst in der folgenden Nacht mit dem Eilzuge wieder einträfe. Sie hatte also eine ganze Nacht für sich. Zum ersten Male geschah es, daß sie die Nacht zusammen in einem verschlossenen Zimmer, ohne Furcht gestört zu werden, verbringen konnten.

Als man gerade Mantes verlassen wollte, kam Pecqueux ein guter Gedanke. Seit acht Tagen schon befand sich seine Frau, die Mutter Victoire, im Krankenhause; in Folge eines Falles hatte sie eine bedenkliche Quetschung am Fuße erlitten. Er hätte ein anderes Bett in der Stadt, in welchem er schlafen könnte, sagte er lachend zu Jacques und böte deshalb Frau Roubaud das seinige an: dort würde sie besser aufgehoben sein als in einem Hotel in der Nachbarschaft und könnte bis zum nächsten Abend bleiben wie wenn sie zu Hause wäre. Jacques hatte sofort dieses glückliche Arrangement eingeleuchtet, denn er hatte sich schon bisher vergebens den Kopf zerbrochen, wohin er die junge Frau führen sollte. Als sie sich in der Halle inmitten des Stromes der übrigen Reisenden der Locomotive näherte, rieth er, das Anerbieten anzunehmen und reichte ihr den ihm vom Heizer eingehändigten Schlüssel. Doch sie zögerte und weigerte sich, sie genirte das spitzbübische Lächeln des Heizers, der jedenfalls von allem wußte. »Nein, nein, ich habe hier eine Cousine. Sie wird wohl eine Matratze für mich übrig haben.«

»Nehmen Sie doch mein Anerbieten an,« meinte schließlich Pecqueux mit gutmüthigem Lächeln. »Das Bett ist gut und so groß, daß man zu vieren darin schlafen könnte.«

Jacques Augen sprachen eine so beredte Bitte, daß sie den Schlüssel nahm. Er beugte sich dabei zu ihr herunter und flüsterte ganz leise:

»Erwarte mich.«

Séverine brauchte nur ein Stückchen die Rue d'Amsterdam hinaufzugehen und in die Sackgasse einzubiegen. Der Schnee war so glatt gefroren, daß sie mit äußerster Vorsicht gehen mußte. Sie fand die Hausthür noch offen, sie stieg, ohne vom Portier gesehen zu sein, der mit einer Nachbarin in eine Partie Domino vertieft war, die Treppe hinauf. Im vierten Stock angelangt öffnete sie die Thür und schloß sie wieder so leise, daß kein Nachbar ihre Anwesenheit hätte ahnen können. Als sie die Treppe des dritten Stockwerkes passirte, vernahm sie deutlich Lachen und Singen bei den Fräulein Dauvergnet, wahrscheinlich hatten diese ihren musikalischen Abend, was einmal in der Woche vorkam. Als Séverine die Thür hinter sich geschlossen hatte, schallte in der tiefen Dunkelheit durch die Dielen noch immer die lebhafte Heiterkeit dieser Jugend zu ihr herauf. Einen Augenblick erschien ihr die Finsterniß undurchdringlich und sie fuhr zusammen, als mitten im Dunkel der Kuckuk mit einem Male mit schnarrender ihr so gut bekannter Stimme elf Uhr zu rufen anhob. Allmählich gewöhnten sich ihre Augen an die Finsterniß, die beiden Fenster hoben sich wie zwei fahle Quadrate aus derselben ab und an der Decke spiegelte sich der Wiederschein des Schnees wieder. Jetzt orientirte sie sich schnell, sie erinnerte sich in einer Ecke des Büffets ein Packet Zündhölzer bemerkt zu haben und sie fand sie wirklich noch an derselben Stelle vor. Mehr Mühe machte es ihr ein Licht zu finden, endlich entdeckte sie eins in einer Schublade. Sie entzündete es und das Gemach war erleuchtet. Sie ließ ihren besorgten, unruhigen Blick in alle Ecken schweifen, um sich zu vergewissern, daß sie allein sei. Sie erkannte jeden einzelnen Gegenstand wieder, den runden Tisch, an welchem sie mit ihrem Manne gefrühstückt, das roth überzogene Bett, auf dessen Rand er sie mit einem Faustschlag hingestreckt hatte. Nichts hatte sich in den zehn Monaten, seit sie das Zimmer nicht mehr betreten, verändert.

Langsam nahm Séverine ihren Hut ab. Doch als sie auch ihren Mantel ablegen wollte, fröstelte es sie. Es war kalt in dem Zimmer. In der kleinen Kiste neben dem Ofen war noch Kohle und klein gemachtes Holz vorhanden. Ohne sich zu entkleiden setzte sie sich hin, um Feuer anzumachen. Damit hatte sie eine Unterhaltung gefunden und eine Ablenkung des zuerst gefühlten üblen Empfindens. Diese häusliche Verrichtung für eine bevorstehende Liebesnacht, der Gedanke, wie warm sie Beide es haben würden, gab ihr die Freude an ihrer Eskapade zurück: wie lange hatten sie nicht schon von einer solchen Nacht geträumt, ohne Hoffnung, sie je zu genießen! Als das Feuer im Ofen brannte, beschäftigte sie sich mit andern Vorbereitungen, sie stellte die Stühle nach ihrem Geschmack, sie fand weiße Bezüge und überzog das Bett vollständig, das ihr übrigens nicht gefiel, weil es in der That sehr breit war. Dagegen verdroß es sie, in dem Büffet nichts Genießbares vorzufinden: in den drei Tagen, seitdem Pecqeux hier allein wirthschaftete, hatte er zweifellos alles bis auf den letzten Bissen vertilgt. So war es auch mit dem Licht, es war nur dieses Stümpfchen vorhanden; doch wenn man schlafen geht, braucht man nichts zu sehen, Sie fühlte sich jetzt wieder erwärmt und aufgeräumt. Mitten im Zimmer stand sie jetzt, um zu sehen, ob irgendwo noch etwas fehlte.

Sie wunderte sich mit einem Male, daß Jacques noch nicht da war. Das Pfeifen einer Locomotive lockte sie an das Fenster. Der directe Zug nach Havre um elf Uhr zwanzig Minuten ging soeben ab. Die riesige Bahnhofsanlage, die Furche, welche vom Bahnhof bis zum Tunnel von Les Batignolles reicht, bildete ein einziges Schneefeld, in welchem man nur die Glieder des Schienenfächers unterschied. Die Locomotiven und Reservewaggons sahen wie weiße, unter einem Hermelinmantel schlummernde kleine Berge aus. Und zwischen den unbefleckten Glasdächern der großen Hallen und gegenüber dem von weißen Spitzen umsäumten Gliederwerk des Pont de l'Europe sah man trotz des nächtlichen Dunkels die Häuser der Rue de Rome sich schmutzig gelb aus diesem weißen abheben. Der directe Zug nach Havre glitt jetzt schwarz aus der Halle hervor, sein großes Signallicht am Bug der Locomotive durchbohrte die Finsterniß mit seiner hellleuchtenden Flamme. Sie sah ihn unter der Brücke verschwinden und die drei Schlußlaternen den Schnee blutig färben. Als sie sich umwandte, überlief sie abermals ein Frösteln: war sie wirklich allein? Sie hatte einen warmen Hauch in ihrem Nacken, eine brutale Berührung durch ihre Glieder auf ihrem Körper zu fühlen gemeint. Ihre sich vergrößernden Augen durchforschten abermals den Raum. Nein, es war Niemand da.

Warum zögerte Jacques nur so lange? Es verflossen weitere zehn Minuten. Ein leises Kratzen, das Streifen eines Fingernagels über das Holz beunruhigte sie plötzlich. Doch jetzt verstand sie, sie sollte öffnen. Er war es mit einer Flasche Malaga und einem Kuchen.

Sich schüttelnd vor Lachen, hing sie mit überquellender Zärtlichkeit an seinem Halse.

»O wie lieb, daß Du an mich gedacht!«

»Pst, pst,« machte er und winkte ihr lebhaft zu schweigen.

Sie senkte schnell ihre Stimme, denn sie glaubte, der Portier wäre hinter ihm her. Aber nein, auch er hatte Glück gehabt; er hatte gerade klingeln wollen, als sich die Thür öffnete und eine Dame nebst Tochter auf die Straße traten, die gewiß von den Dauvergne kamen. Er hatte also unbemerkt die Treppe passiren können. Nur auf dem obersten Flur hatte er durch eine etwas offen stehende Thür gesehen, daß die Zeitungverkäuferin in einer Wanne ihre kleine Wäsche besorgte.

»Wir wollen also keinen Lärm machen und ganz, ganz leise sprechen!«

Sie antwortete ihm mit einer leidenschaftlichen Umarmung und bedeckte sein Gesicht mit stummen Küssen. Es stimmte sie heiter, alles geheimnißvoll machen zu sollen und nur ganz verstohlen tuscheln zu dürfen.

»Sei unbesorgt, man soll von uns nicht mehr hören als von zwei kleinen Mäuschen.«

Vorsichtig machte sie den Tisch zurecht, zwei Teller, zwei Gläser und zwei Messer stellte sie darauf. Sie mußte gewaltsam das Lachen unterdrücken, als ein zu hastig hingesetzter Gegenstand klirrte. Er sah ihr ebenfalls belustigt zu und sagte leise:

»Ich habe mir gedacht, daß Du Hunger haben würdest.«

»O ich sterbe vor Hunger! Das Essen in Rouen war so schlecht!«

»Soll ich noch einmal heruntergehen und Dir ein Huhn holen?«

»O damit Du nicht wieder herauf kommst? ... Nein, nein, ich werde von dem Kuchen satt.«

Sie setzten sich, Seite an Seite, fast auf einen Stuhl, der Kuchen wurde zerschnitten und unter verliebten Neckereien verzehrt. Sie klagte über Durst und trank Zug um Zug zwei Glas Malaga aus, was ihr vollends das Blut in die Wangen trieb. Der Ofen röthete sich, sie fühlten seinen glühenden Athem auf ihrem Rücken. Doch als er ihren Nacken mit zu geräuschvollen Küssen bedeckte, that sie ihm Einhalt.

»Pst, Pst!«

Sie gab ihm zu verstehen, daß er lauschen solle. Und durch die Stille hörten sie von den Dauvergne ein dumpfes, den Rhythmen der Musik sich anschließendes Gestampfe heraufschallen: die Fräulein hatten wahrscheinlich ein kleines Tanzvergnügen organisirt. Die Zeitungsverkäuferin von nebenan goß in das Wasserleitungsbecken auf dem Korridor das Seifenwasser aus. Sie schloß ihre Thür, der Tanz verstummte für einen Augenblick und man hörte nur noch tief unten, durch den Schnee gedämpft ein unbestimmtes Dröhnen, die Abfahrt eines Zuges, dessen schwaches Pfeifen einem Weinen glich.

»Der Zug nach Auteuil,« flüsterte er, »zehn Minuten vor Mitternacht.« Dann mehr hauchend als sprechend:

»Willst Du, Geliebte?«

Sie antwortete nicht. Die Vergangenheit drängte sich wieder in diesen Taumel des Glückes, gegen ihren Willen durchlebte sie jetzt noch einmal die mit ihrem Manne hier verbrachten Stunden. Setzte sich das Frühstück von ehedem nicht bei diesem Kuchen fort, den sie an demselben Tische, bei demselben Lärm verzehrten? Eine wachsende Aufregung lenkte sie immer mehr von anderen Dingen ab, immer heftiger drangen die Erinnerungen auf sie ein, noch nie zuvor hatte sie ein so brennendes Verlangen gefühlt, ihrem Geliebten alles zu sagen, sich ihm ganz auszuliefern. Das physische Verlangen vermochte sie nicht mehr von dem sensuellen zu unterscheiden. Sie hoffte ihm noch mehr als zuvor anzugehören, die Freude an seinem Besitz noch viel mehr auszukosten, wenn sie in seinen Armen, an seinem Ohre ihm alles beichten würde. Die Geschehnisse waren wieder lebendig, ihr Mann war zur Stelle, sie wandte den Kopf zurück, weil sie sich einbildete, daß seine rauhe, gedrungene Hand über ihre Schulter fort nach dem Messer langte.

»Willst Du, Geliebte?« wiederholte Jacques.

Sie schreckte zusammen, als sie die Lippen des jungen Mannes sich wieder fest an die ihrigen saugen fühlte, als wollte er auch diesmal ihr Geheimniß dort festsiegeln. Ohne ein Wort zu sprechen erhob sie sich, schnell entkleidete sie sich und schlüpfte unter die Bettdecke, ohne erst ihre auf der Diele liegen gebliebenen Kleider aufzuheben. Auch er rührte an nichts, auf dem Tisch blieb das Geschirr unordentlich stehen und das Lichtstümpfchen war nahe am Erlöschen, schon flackerte die Flamme ersterbend auf. Als er entkleidet sich zu ihr legte, umschlangen ihn ihre Arme sofort und in leidenschaftlicher Hingabe verging ihnen fast der Athem. Kein leiser Schrei, kein Geräusch durchtönte das Zimmer, während unten die Musik von neuem anhob, aber man fühlte durch die todte Luft des Zimmers das gewaltige Erzittern, den heißen Athem zweier einander völlig begehrender Menschen dringen.

Jacques erkannte in Séverine schon längst nicht mehr die sanfte, geduldige Frau des ersten Stelldicheins mit ihren feuchtblauen Augen wieder. Von Tag zu Tag schien unter dem düsteren Schmuck ihrer schwarzen Haare ihre Leidenschaftlichkeit gewachsen zu sein. Er hatte sie nach und nach in seinen Armen aus dieser langen, kalten Jungfräulichkeit erwachen gesehen, aus welcher sie weder die greisenhaften Neigungen des alten Grandmorin, noch die eheliche Brutalität des Gatten hatten locken können. Das einst so gefügige Geschöpf der Liebe liebte jetzt, es gab sich jetzt ohne jeden Rückhalt hin und bewahrte sich eine brennende Erkenntlichkeit für das ihr bereitete Vergnügen. Jetzt wohnte in ihr eine leidenschaftliche Neigung, eine Anbetung dieses Mannes, der ihre Sinnlichkeit geweckt hatte. Ihn endlich ohne Zwang ganz für sich zu haben, von seinen Armen umschlossen zu sein, und ihren Mund an seinen Mund heften zu können, daß nicht ein Seufzer aus der Kehle dringen konnte, das war der Gipfelpunkt ihres Glückes.

Als sie wieder die Augen öffneten, staunte er.

»Du, das Licht ist aus.«

Sie machte eine leise Bewegung, die bedeuten sollte, daß sie sich wenig daraus mache. Dann fragte er mit unterdrücktem Lachen:

»Nun, war ich vernünftig?«

»Ja, Niemand hat uns gehört ... Genau wie zwei Mäuschen.«

Als sie sich bequem nebeneinander ausgestreckt hatten, legte sie sofort ihre Arme um seinen Nacken, sie schmiegte sich dicht an ihn an und bettete ihr Näschen an seinen Hals.

»Mein Gott, wie schön ist das!« seufzte sie so recht von Herzen.

Sie sagten zunächst nichts mehr, das Zimmer war wieder dunkel, man unterschied kaum die beiden bleichen Quadrate der Fenster; an der Decke spiegelte sich nur ein Strahl des Feuers im Ofen, ein runder, blutrother Fleck, wieder. Sie betrachteten ihn mit weitgeöffneten Augen. Die Musik war verstummt, man hörte Thüren klappen, dann versank das ganze Haus in einen dumpfen, friedlichen Schlummer. Der Zug von Cannes war soeben angekommen, man hörte das Zusammenschlagen der Puffer nur wie aus weiter Ferne herauftönen.

Wie sie Jacques so bei sich fühlte, entbrannte ihr Verlangen von Neuem, und mit dem Verlangen die Begier eines Geständnisses. Seit Wochen schon quälte sie sich damit ab! Der runde Fleck an der Decke wurde größer und glich immer mehr einem blutigen Male. Während ihre Augen ihn betrachteten, nahmen in ihrer Einbildung die Dinge um sie her Stimme an und erzählten ganz laut ihre Geschichte. Sie fühlte die Worte sich auf ihre Lippen drängen und eine nervöse Woge ihre Haut durchrieseln. Wie schön würde es sein, kein Geheimniß mehr vor ihm zu haben, ganz in ihn aufzugehen!

»Du weißt noch nicht, Geliebter ...«

Auch Jacques' Augen hafteten an dem blutigen Male. Er verstand sie recht gut. Er fühlte in diesem, so eng an den seinen geschmiegten, zarten Körper das Steigen der Fluth dieses dunklen, ungeheuren Etwas, an das sie Beide dachten, ohne je davon zu sprechen. Bis jetzt hatte er sie am Reden verhindert, er fürchtete sich vor dem ihn warnenden Schauer von ehedem und daß ihr bisheriges Leben eine andere Gestaltung annehmen würde, wenn zwischen ihnen von Blut die Rede sein würde. Aber diesmal fühlte er nicht mehr die Kraft, ihren Kopf zurückzubiegen und ihre Lippen mit einem Kuß zu verschließen. In diesem warmen Bett, in ihren weichen Frauenarmen überkam ihn eine entzückende Mattigkeit. Er glaubte schon, daß sie jetzt Alles sagen würde. Er fühlte sich daher wie erleichtert durch ihre ängstliche Erwartung, als sie verwirrt zögern zu wollen schien, und schließlich sagte:

»Du weißt noch nicht, Geliebter, mein Gatte ist fest überzeugt, daß ich heute Nacht bei Dir bin.«

Ohne daß sie es gewollt, kam ihr die Erinnerung an die letzte Nacht in Havre anstatt ihres Geständnisses über die Lippen.

»Meinst Du?« fragte er ungläubig. »Er benimmt sich so nett gegen mich. Er hat mir noch heute früh die Hand gereicht.«

»Ich versichere Dich, er weiß Alles; er muß es sich selbst sagen, daß mir in diesem Augenblick zusammen sind. Ich habe Beweise!«

Sie schwieg und zog ihn dichter an sich. In die Freude an seinem Besitz mischte sich das Gefühl der Erbitterung.

»O, ich hasse ihn, ich hasse ihn.«

Jacques war betroffen. Er war Roubaud in keiner Weise böse. Er fand ihn sehr annehmbar.

»Warum?« fragte er. »Er stört uns kaum.«

Sie gab darauf keine Antwort, sondern wiederholte:

»Ich hasse ... Es ist eine Qual, ihn jetzt noch an meiner Seite zu fühlen. O, wenn ich könnte, ich wollte mich schon frei machen, um für immer bei Dir zu bleiben!«

Gerührt von dieser glühenden Zuneigung, zog er sie noch weiter zu sich herauf, so daß sie fast mit ihrem ganzen Körper an seinem Halse lag. Und abermals, fast ohne die Lippen von seinem Halse zu lösen, flüsterte sie sanft:

»Du weißt ja nicht, Geliebter ...«

Da war das Geständniß, unvermeidlich kam es wieder. Diesmal war es ihm klar, daß nichts in der Welt es aufhalten konnte. Man hörte keinen Hauch mehr in dem großen Hause, selbst die Zeitungsverkäuferin schien schon fest zu schlafen. Draußen in dem eingeschneiten, in Schweigen versunkenen Paris vernahm man kein Geräusch von Wagen; der um Mitternacht abgegangene letzte Zug nach Havre schien alles Leben mit sich entführt zu haben. Der Ofen pustete nicht mehr, das Feuer verzehrte sich unter der Asche, aber der rothe Fleck an der Decke lebte noch und glich einem schreckensvoll starrenden Auge. Es war so heiß im Zimmer, daß ein erstickender Nebel über dem Bett zu lagern schien, in welchem sie ohnmächtig ihre Glieder mengten.

»Du weißt ja nicht, Geliebter ...«

»Ja, ja, ich weiß,« drängten sich auch ihm unwiderstehlich die Worte auf.

»Nein, Du ahnst vielleicht, aber Du kannst nicht Alles wissen.«

»Er hat es der Erbschaft halber gethan.«

Ein leises, nervöses Lachen entschlüpfte ihr unfreiwillig.

»Ja wohl, schön der Erbschaft wegen!«

Und ganz, ganz leise, so leise, daß ein an den Fenstern hinauf schwirrendes Insect der Nacht ein größeres Geräusch gemacht haben würde, erzählte sie von ihrer Kindheit beim Präsidenten Grandmorin; erst wollte sie lügen und ihm ihre Beziehungen zu jenem verschweigen, dann aber wich sie dem Zwange des offenen Bekenntnisses und sie suchte eine Erleichterung, fast ein Vergnügen darin, ihm alles zu sagen. Ihr Geflüster strömte nun ohne Unterbrechung dahin.

»Hier, in diesem Zimmer, war es, im vergangenen Februar, als er, wie Du Dich erinnern wirst, eines Vorfalles mit einem Unterpräfecten wegen in Paris war ... Wir hatten an jenem Tische heiter gefrühstückt, so wie wir vorhin dort zur Nacht aßen. Natürlich wußte er von nichts, denn ich hatte ihn nie soweit in mein Vertrauen gezogen ... Es kam die Rede auf einen kleinen Ring, ein Geschenk des Präsidenten ohne jeden weiteren Werth, und, ich weiß nicht wie es geschah, bei dieser Gelegenheit erfuhr er Alles ... O, mein Schatz, Du kannst Dir nicht vorstellen, wie er mich behandelt hat!«

Es fröstelte sie, er fühlte ihre kleinen Hände sich an seinem nackten Körper falten. »Ein Schlag mit der Faust streckte mich zu Boden ... Dann zerrte er mich an den Haaren durch die Stube ... Er hob seinen Absatz, als wollte er mir das Gesicht zertreten ... So lange ich lebe wird mir die Erinnerung an diesen Auftritt nicht entschwinden ... Und dann mein Gott, schlug er mich abermals. Ich kann Dir nicht Alles wiederholen, was er mich fragte, bis er mich so weit hatte. Alles zu sagen! Du siehst, ich bin sehr offen, denn ich erzähle Dir Dinge, die ich Dir garnicht zu erzählen brauchte. Und trotzdem würde ich es nie wagen, Dir jene schmutzigen Fragen zu wiederholen, auf die ich antworten mußte, wollte ich mich nicht der Gefahr aussetzen, von ihm erwürgt zu werden. Er liebte mich, darüber war kein Zweifel, und sein Kummer muß ein gewaltiger gewesen sein, als er das vernahm. Ich gebe auch zu, daß ich ehrlicher gehandelt hätte, wenn ich ihm dies Alles vor der Hochzeit gesagt haben würde. Doch alles das war ja verjährt, vergessen. Nur ein Wilder kann so toll vor Eifersucht sein wie er ... Wirst Du, nun Du alles das weißt, mich jetzt weniger lieben als früher, Schatz?«

Jacques hatte sich nicht gerührt, träge und nachdenklich lag er in den Armen dieser Frau, die er um seinen Hals, um seine Glieder sich ranken fühlte, wie die Leiber von lebendigen Nattern. Er war höchst überrascht, denn nie war ihm der Gedanke an eine solche Geschichte gekommen. Wie sich Alles zuspitzte, während doch das Testament allein schon genügt hätte, die Dinge zu erklären. Uebrigens gefiel ihm der Zusammenhang so besser, die Ueberzeugung, daß das Ehepaar nicht des Geldes wegen gemordet hatte, befreite ihn von dem verächtlichen Gefühl, mit welchem sein Gewissen sich selbst unter den Küssen Séverine's beschwert gefühlt hatte.

»Warum sollte ich Dich nicht mehr lieben? ... Was geht mich Deine Vergangenheit an? ... Du bist die Frau von Roubaud, Du hättest eben so gut die eines Anderen sein können.«

Einen Augenblick herrschte Schweigen. Beide umarmten sich, daß ihnen der Athem ausging und er fühlte ihren runden, festen, geschwollenen Busen jetzt an seiner Brust.

»Du bist also die Geliebte jenes Alten gewesen. Wie komisch!«

Sie zog sich bis zu seinem Mund empor und sagte unter einem Kusse: »Ich liebe nur Dich, ich habe nie einen Anderen als Dich geliebt ... Geh' mir mit den Anderen! Ich habe bei ihnen nie empfinden gelernt, was Liebe ist, während Du mich so glücklich machst, Geliebter!«

Ihre sich ihm anbietenden, fortdauernden Schmeicheleien, ihr Tasten nach ihm mit ihren zitternden Händen entflammte auch seine Sinne. Und trotzdem hielt er sie noch von sich ab.

»Nein, nein, warte noch ein wenig ... Und diesen Greis also? ...«

Fast lautlos, unter dem Erzittern ihres ganzen Seins hauchte sie:

»Ja, wir haben ihn getödtet!«

Der Schauer des Verlangens erstarb in dem in ihr erwachten Schauer des Todes. Es war, als entstände der Todeskampf noch einmal inmitten ihres sinnlichen Verlangens. Einen Augenblick lag sie wie von einem Schwindel befallen leblos da. Dann drückte sie abermals ihre Nase an den Hals des Geliebten und mehr hauchend als sprechend erzählte sie:

»Er ließ mich schreiben, damit der Präsident denselben Zug nähme wie wir, nicht dasselbe Koupee ... Ich zitterte in meiner Ecke aus Angst vor dem Unglück, in das zu rennen wir im Begriff standen. Mir gegenüber saß eine ganz in Schwarz gekleidete Frau; sie sagte nichts, aber ich fürchtete mich vor ihr. Ich sah sie nicht einmal, aber ich bildete mir ein, daß sie klar in meinen Gedanken las, daß sie sehr wohl wußte, was wir vorhatten ... So vergingen die zwei Stunden von Paris bis Rouen. Ich sagte kein Wort, ich bewegte mich kaum, ich schloß die Augen, um den Anschein zu erwecken, als ob ich schliefe. Neben mir fühlte ich ihn, auch er bewegte sich nicht. Mich erschreckte, daß ich die fürchterlichen Dinge voraussah, die er in seinem Kopfe umherwälzte, ohne daß ich genau errathen konnte, wohin sein Entschluß zielte ... O, welche Fahrt, welche Fluth von Gedanken im Kopf inmitten des Gepfeifes, der Erschütterungen und des Dröhnens der Räder!«

Jacques hatte seinen Mund dem Dickicht der duftenden Haare genähert, er bedeckte sie in regelmäßigen Pausen mit langen unbewußten Küssen. »Wenn Ihr nicht in demselben Koupee saßet, wie habt Ihr ihn da ermorden können?«

»Warte, Du wirst gleich den Plan meines Mannes verstehen. Daß er glückte, ist wohl nur dem Zufall zu danken ... In Rouen gab es zehn Minuten Aufenthalt. Wir stiegen aus, er zwang mich, bis zum Koupee des Präsidenten zu gehen, wie Leute, die sich die Beine vertreten wollten. Dort heuchelte er Überraschung, als er plötzlich den Präsidenten in der Koupeethür stehen sah, als wenn er nicht gewußt hätte, daß jener denselben Zug benutzte. Auf dem Perron stieß und drängte man sich. Eine Menge Menschen eroberte im Sturm die Koupees zweiter Klasse, weil am folgenden Tag in Havre ein Fest gefeiert werden sollte. Als man die Thüren zu schließen begann, nöthigte der Präsident selbst uns in sein Koupee. Ich weigerte mich und sprach von unserm Gepäck, doch er beruhigte mich, er meinte, man würde es uns gewiß nicht stehlen; in Barentin könnten wir ja in unser Koupee zurückkehren, da er doch dort ausstiege. Eine Sekunde schien mein Gatte besorgt nach unserm Koupee laufen zu wollen, um es zu holen. In diesem Augenblick pfiff der Zugführer, er entschloß sich, drängte mich in das Koupee, stieg hinter mir ein, warf die Koupeethür zu und zog das Fenster hoch. Wie es kam, daß man uns nicht gesehen hat, begreife ich heute noch nicht. Es liefen viele Leute umher, die Beamten verloren den Kopf, kurz es hat sich kein Zeuge gefunden, der uns wirklich gesehen hat. Langsam rollte der Zug aus dem Bahnhof.«

Sie schwieg einige Sekunden bei der Erinnerung an diese Scene. Ohne eine Empfindung dafür zu haben, denn ihre Glieder waren wie abgestorben, spürte sie ein Zucken in ihrem linken Schenkel und rieb diesen mechanisch in rhythmischer Bewegung an dem Knie des jungen Mannes.

»O, welches Gefühl, als ich im ersten Augenblick in diesem Koupee den Boden unter mir schwinden glaubte! Ich war wie betäubt und mein erster Gedanke galt unserm Gepäck: wie konnten wir es wieder erhalten? Würde man es uns nicht stehlen, nachdem wir es liegen gelassen? Der Mord erschien mir als etwas so Dummes, Unmögliches, als das geträumte Alpdrücken eines Kindes, an dessen Ausführung zu denken heller Wahnsinn gewesen wäre. Schon am nächsten Tage mußten mir, so schien es mir, verhaftet und überführt werden können. Auf diese Weise suchte ich mich zu beruhigen; ich sagte mir, mein Gatte würde vor diesem letzten Schritt zurückscheuen, ein Mord würde nicht, könnte nie geschehen. Doch nein, als ich ihn mit dem Präsidenten sprechen hörte, fühlte ich, daß sein wilder Entschluß unbeugsam feststand. Trotzdem war er sehr gefaßt und sprach sogar heiter, wie gewöhnlich. Nur aus seinem klaren, einen Augenblick scharf auf mich gerichteten Blick las ich die Hartnäckigkeit seines Willens. Er wollte ihn tödten, ein, zwei Kilometer weiter, kurz an der von ihm ausgedachten Stelle, die mir unbekannt war: das war eine Gewißheit, das sprach aus den ruhigen Blicken, die den Andern, der bald nicht mehr sein sollte, maßen. Ich sprach kein Wort; meine furchtbare innere Erregung suchte ich unter einem Lächeln zu verstecken, sobald mich Jemand ansah. Warum ich nicht daran gedacht habe, alles das zu verhüten? Erst später erstaunte ich, warum ich nicht gleich an die Thür geeilt bin oder das Lärmsignal gezogen habe. In jenem Augenblick war ich wie gelähmt, ich fühlte mich vollständig ohnmächtig. Mein Gatte schien zweifellos in seinem Recht. Da ich Dir Alles sage, Geliebter, muß ich Dir auch Folgendes erzählen: ich stand mit meinem ganzen Empfinden und gegen meinen Willen auf seiner Seite; Beide zwar hatten mich besessen, aber mein Mann war noch jung, während der Andere ... o, diese entsetzlichen Zärtlichkeiten des Anderen! ... Im Uebrigen weiß man, wie es zugeht? Man thut Dinge, die man nie für möglich gehalten haben würde. Mit Ueberlegung kann ich kein Huhn abschlachten! O, wie diese Empfindung einer Sturmnacht, dieses fürchterliche schwarze Etwas in mir aufheulte!«

Jacques fand jetzt in diesem zarten, unbedeutenden Geschöpf in seinen Armen jene Undurchdringlichkeit, jene schwarze Tiefe heraus, von der Séverine sprach. Er hatte gut sie noch dichter als zuvor an sich heranzuziehen, er drang doch nicht in ihr Innerstes. Bei der unter ihrer Umarmung hervorgeflüsterten Erzählung von diesem Morde bemächtigte sich seiner eine fieberhafte Aufregung.

»Und, sage mir, hast Du bei der Ermordung des Alten geholfen?«

»Ich saß in einer Ecke,« fuhr Séverine fort, ohne auf seine Frage zu antworten. »Mein Gatte trennte mich von dem Präsidenten, der in der andern Ecke lehnte. Sie sprachen von den bevorstehenden Wahlen ... Von Zeit zu Zeit sah ich meinen Gatten sich vorbeugen, wie von Ungeduld ergriffen warf er einen Blick nach draußen, um sich zu vergewissern, wo wir uns befänden ... Ich folgte jedesmal seinem Blicke und orientirte mich auf diese Weise, wie weit wir schon gefahren waren. Die Nacht schimmerte bleich und wie rasend flogen die schwarzen Massen der Bäume an uns vorüber. Und immer wieder dieses Rasseln der Räder, das mir noch nie zuvor so aufgefallen war, dieser schreckliche Tumult stöhnender und wüthender Stimmen, wie jämmerliches Schreien zu Tode getroffener Thiere. Mit voller Schnelligkeit raste der Zug dahin ... Plötzlich grelle Lichter, der Lärm des Zuges hallte zwischen den Gebäuden eines Bahnhofs wieder. Wir waren schon in Maromme, also zwei und eine halbe Meile von Rouen entfernt. Malaunay kam noch und dann Barentin. Wo sollte die That vor sich gehen? Wollte er bis auf die letzte Minute warten? Ich war mir der Zeit und der Entfernungen nicht mehr klar bewußt, ich hatte das Gefühl eines mit betäubender Schnelligkeit durch die Dunkelheit niederschießenden Steines. Aber als wir Malaunay passirt hatten, begriff ich mit einem Male Alles: die Sache sollte sich einen Kilometer weiter, im Tunnel, abspielen. Ich wandte mich zu meinem Manne, unsere Blicke begegneten sich: ja, richtig, im Tunnel in zwei Minuten. Und weiter rasselte der Zug, die Abzweigung nach Dieppe war passirt, ich sah den Weichensteller auf seinem Posten. Dort sind Hügel, und auf diesen Hügeln glaubte ich Menschen mit gegen uns ausgestreckten Armen zu bemerken, die uns Schmähungen zuriefen. Jetzt pfiff die Locomotive lang anhaltend: wir fuhren in den Tunnel ein ... O, welch' Dröhnen unter dieser niedrigen Wölbung! Du kennst diesen Lärm des von den Schallwellen getroffenen Eisens, der einem auf den Amboß niedersausenden Hagel von Hammerschlägen gleicht. In diesem Augenblick der Furcht glaubte ich das Rollen des Donners zu hören.«

Sie zitterte und unterbrach sich, um mit veränderter, fast lachender Stimme zu sagen:

»Es ist doch zu dumm, Schatz, noch jetzt diese Kälte in den Knochen zu fühlen. Dabei ist mir an Deiner Seite so warm und ich bin so glücklich! ... Und jetzt ist doch auch nichts mehr zu fürchten: die Untersuchung ist aufgehoben, denn die hohen Herren in der Regierung haben ebenso wenig Lust wie wir, die Sache aufzudecken ... Ich habe wohl verstanden und bin deshalb auch unbesorgt.«

Dann setzte sie noch stärker lachend hinzu:

»Du kannst Dir schmeicheln, uns nett in Furcht gejagt zu haben! ... Und sage mir –ich bin nämlich nie daraus klug geworden –was hast Du wirklich gesehen?«

»Was ich vor dem Richter ausgesagt habe, nicht mehr: einen Mann, der einen zweiten erstach ... Ihr benahmt Euch so merkwürdig zu mir, daß ich schließlich meiner Sache nicht mehr gewiß war. Einen Augenblick habe ich sogar Deinen Mann wiedererkannt ... Erst später war jeder Zweifel ausgeschlossen ...«

Sie unterbrach ihn heiter:

»Ja, ich weiß, es war das an dem Tage, an welchem ich nein zu Dir sagte, erinnerst Du Dich noch? Wir waren zum ersten Male allein in Paris ... Es ist doch merkwürdig! Ich sagte zu Dir, wir sind es nicht gewesen und wußte genau, daß Du das Gegentheil verstandest. Nicht wahr. Dir war es, als hätte ich Dir Alles gesagt? ... O Schatz, ich habe oft daran gedacht und glaube, daß ich Dich von jenem Tage an liebte.«

Und wieder hielten sie sich fest umschlungen. Dann fuhr sie fort:

»Der Zug passirte den Tunnel, der sehr lang ist. Man bleibt beinahe drei Minuten in demselben. Mir war es, als wären wir schon eine Stunde darin ... Der Präsident sprach nicht mehr, denn das Getöse war ein zu lautes. Meinen Mann schien in diesem Augenblick eine Schwäche befallen zu haben, denn er rührte sich noch immer nicht. Ich sah nur beim tanzenden Schein der Lampen seine Ohren sich violett färben ... Wollte er erst wieder unter freiem Himmel sein? Die ganze Sache war für mich von nun an eine so fatale, so unvermeidliche, daß ich nur einen Wunsch hatte, unter dieser Erwartung nicht mehr leiden zu müssen, ihrer überhoben zu sein. Warum mordete er nicht, wenn es sein mußte? Fast hätte ich an seiner Statt zum Messer gegriffen, so außer mir war ich vor Furcht und den vielen Leiden ... Er sah mich an. Mir stand das wahrscheinlich auf dem Gesicht geschrieben. Plötzlich sprang er auf und ergriff den Präsidenten, der sein Gesicht der Thür zugekehrt hatte, bei den Schultern. Dieser schüttelte erschrocken ihn sich mit einer instinctiven Bewegung ab und streckte den Arm nach dem über ihm befindlichen Alarmknopf aus. Schon berührte er ihn, doch wurde er von dem Andern zurückgerissen und mit einem so kräftigen Stoß auf das Polster geworfen, daß er wie gebrochen dalag. Während er mit vor Staunen und Furcht offenem Munde wirre Rufe ausstieß, die in dem Lärm des Zuges verhallten, hörte ich meinen Mann deutlich das Wort: Schwein! Schwein! mit einer pfeifenden, immer kreischenderen Stimme ausrufen. Der Lärm verstummte, der Zug verließ den Tunnel, die bleiche Landschaft erschien wieder mit den schwarzen, vorüberfliegenden Bäumen ... Ich war in meiner Ecke sitzen geblieben und drängte mich so weit ich konnte steif und starr in die Rückenkissen. Wie lange dauerte dieser Kampf schon? Gewiß nur einige Sekunden. Mir schien er nimmer enden zu wollen, ich glaubte, die Reisenden müßten das Geschrei hören, die Bäume uns sehen. Mein Mann hatte das geöffnete Messer in der Faust, konnte aber nicht zustoßen, denn er wurde mit Fußstößen abgewehrt und schwankte auf dem beweglichen Boden des Waggons hin und her. Des Präsidenten Kniee mußten festgehalten werden, und dabei sauste der Zug mit voller Geschwindigkeit dahin und das Pfeifen der Locomotive kündete bereits die Nähe des Ueberganges bei la Croix-de-Maufras an ... Da warf ich mich, ohne mich zu erinnern wie es geschah, über die Beine des sich wehrenden Mannes. Wie ein Packet ließ ich mich niederfallen, ich drückte seine Beine mit meinem ganzen Gewicht nieder, so daß er sich nicht mehr rühren konnte. Weiter habe ich nichts gesehen, aber alles gefühlt: den Stoß des Messers in die Gurgel, den Krampf des Körpers, den Tod, der in drei Zügen kam, wie das Ablaufen einer zerbrochenen Uhr ... Noch fühl' ich das Echo dieses Todeskrampfes in meinen Gliedern!«

Jacques wollte sie gierig unterbrechen. Doch jetzt eilte sie, zu Ende zu kommen.

»Nein warte ... Als ich mich erhob, passirten wir mit vollem Dampf bei la Croix-de-Maufras. Ich habe genau die geschlossene Fassade des Hauses gesehen, dann das Bahnwärterhäuschen. Es fehlten nur noch vier Kilometer, höchstens fünf Minuten, bis wir in Barentin eintrafen ... Der Körper lag auf dem Polster, das Blut sammelte sich zu einem trüben Sumpfe. Mein bebender Mann stand aufrecht und balancirte bei den Stößen des Waggons, er sah den Ermordeten an und wischte das Messer mit seinem Taschentuch ab. Das dauerte eine Minute, ohne daß einer von uns an die Rettung dachte. Behielten wir diesen Körper bei uns, blieben wir da, so war vielleicht schon in Barentin Alles entdeckt ... Er hatte inzwischen das Messer in die Tasche geschoben, er schien aufzuwachen. Ich sah ihn dem Todten die Uhr, das Geld, Alles, was er finden konnte, abnehmen. Dann öffnete er die Thür und versuchte, den Leichnam hinauszustoßen, doch nahm er ihn nicht in seine Arme, denn er fürchtete, sich blutig zu machen. »So helfe mir doch!« Ich rührte mich nicht, denn ich fühlte meine Glieder nicht mehr. »In des Teufels Namen, willst Du mir wohl helfen!« Der zuerst hinausgeschobene Kopf hing über dem Trittbrett, wahrend der wie eine Kugel zusammengerollte Rumpf nicht hinaus wollte. Und der Zug flog dahin ... Endlich, nach einem stärkeren Ruck, überschlug sich der Körper und verschwand beim Dröhnen der Räder. »O, dieses Schwein, das wäre also geschehen!« Dann raffte er die Reisedecke auf und warf sie hinterher. Jetzt standen wir Beide allein vor dem Blut auf dem Polster, auf das wir uns nicht zu setzen wagten ... Die weit offen stehende Thür schlug hin und her, fast ohnmächtig und wie betäubt, begriff ich zuerst nicht, als ich meinen Mann aussteigen und ebenfalls verschwinden sah. Gleich darauf kehrte er zurück. »Vorwärts beeile Dich, wenn Du nicht willst, daß man uns den Hals abschneidet!« Ich rührte mich nicht, er wurde ungeduldig. »Komm' in des Teufels Namen, unser Koupee ist leer, mir müssen zurück.« Leer unser Koupee, dorthin war er also gegangen? Wußte er auch genau, ob nicht die schwarze Dame, die nichts sagte, die man nicht erkannte, noch immer in ihrer Ecke saß? ... »Willst Du kommen oder ich werfe Dich Jenem nach!« Er war wieder hinaufgestiegen und trieb mich brutal, wie wahnsinnig vor sich her. Schon stand ich draußen auf dem Trittbrett, meine beiden Hände krampften sich um die Messingstange. Er war hinter mir und schloß vorsichtig die Koupeethür. »Vorwärts doch!« Ich getraute mich nicht, denn mir schwindelte vor der rasenden Eile und der sturmwindartige Wind drohte mich fortzuwehen. Meine Haare lösten sich, ich glaubte schon, meine erstarrten Hände ließen die Messingstange fahren. »Vorwärts!« Er stieß mich, ich mußte gehen, indem ich eine Hand um die andere fahren ließ. Ich drängte mich an die Waggons heran, während meine Kleider wie rasend meine Beine umflogen und sich um sie wickelten. Schon sah man in der Ferne hinter einer Kurve die Bahnhofslichter von Barentin. Die Locomotive pfiff. »So geh' doch in des Teufels Namen!« O, dieser Höllenlärm, diese heftigen Stöße! Trotzdem mußte ich vorwärts. Mir schien, als hätte mich ein Orkan erfaßt und wirbelte mich wie einen Strohhalm umher, um mich dort unten an einer Mauer zu zerschmettern. Hinter meinem Rücken floh die Landschaft, die Bäume folgten mir in einem wilden Galopp und drehten sich um sich selbst und jeder stieß einen Klageton beim Vorübergleiten aus. Am Ende des Waggons, als ich auf den nächsten hinüber und dessen Brüstung ergreifen mußte, blieb ich stehen, mein Muth war zu Ende. Ich fand dazu nicht mehr die Kraft. »So beeile Dich doch!« Er stand dicht hinter mir, er drängte mich, ich schloß die Augen und wie ich weiter gekommen, weiß ich nicht, vermuthlich aus reinem Instinct, wie ein Thier, das seine Klauen einkrallt, um nicht zu stürzen. Wie kam es, daß man uns nicht gesehen hat? Drei Waggons mußten wir passiren, von denen einer zweiter Klasse überfüllt war. Ich erinnere mich noch der Reihe, von der Lampe hell beschienener Köpfe; ich glaube, ich müßte sie wiedererkennen, wenn ich ihnen eines Tages wieder begegnen würde: den eines dicken Mannes mit rothem Backenbart, die zweier junger Mädchen, die sich lachend vorbeugten. »Willst Du gehen, willst Du gehen!« Weiter weiß ich nichts, die Lichter von Barentin näherten sich, die Locomotive pfiff, meine letzte Empfindung war, an den Haaren emporgehoben und durch die Leere geschleppt, geschleift worden zu sein. Mein Mann hatte mich umfassen, über meine Schulter fort die Koupeethür öffnen und mich direct in das Innere werfen müssen. Bebend und halb ohnmächtig erwachte ich in einer Ecke wieder, gerade als wir anhielten. Ohne mich zu rühren, hörte ich ihn mit dem Bahnhofsvorsteher in Barentin einige Worte wechseln. Dann fuhr der Zug weiter, er sank ebenfalls, völlig fertig, auf einen Sitz. Bis Havre haben wir nicht mehr den Mund aufgethan ... O, ich hasse ihn, ich hasse ihn für diese Abscheulichkeiten, unter denen ich leiden mußte. Und Dich, Dich, mein Schatz liebe ich für alles Glück, das Du mir geschenkt hast.«

Séverine war erlöst von den Gräueln ihrer Erinnerungen und nun das brennende Verlangen nach dieser Beichte gestillt war, klang dieser Aufschrei wie ein Triumph ihrer Freude, Jacques, der sich ganz wirr im Kopfe fühlte und wie sie glühte, hielt sie noch einmal zurück.

»Nein, nein warte ... Du lagst also auf seinen Beinen und hast ihn sterben gefühlt?«

In ihm war das Unbekannte wieder wach geworden, eine wild sich bäumende Woge drängte aus den Eingeweiden und erfüllte seinen Kopf mit einer rothen Vision. Die Neugier hatte ihn gepackt.

»Du hast das Messer in den Körper dringen gefühlt?«

»Ja mit einem dumpfen Schlag.«

»Ah, mit einem dumpfen Schlag ... Es klang nicht wie ein Zerreißen, Du bist dessen gewiß?«

»Nein, es glich mehr einer Erschütterung,«

»Und dann zeigte sich ein Schauder?«

»Drei Schauder durch seinen ganzen Körper, ich habe sie in seinen Beinen fühlen können.«

»Diese Schauder ließen ihn in die Höhe fahren, nicht wahr?«

»Ja, der erste war sehr stark, die beiden anderen schwächer.«

»Und was für eine Empfindung hattest Du, als Du ihn an dem Messerstich sterben fühltest?«

»Ich weiß es nicht.«

»Du weißt es nicht, warum lügst Du? ... Sage mir, sage mir ganz offen, was Du empfandest ... Qual?«

»Nein, keine Qual.«

»Vergnügen?«

»O, auch kein Vergnügen!«

»Was also, meine Liebe? Ich bitte Dich, sage mir Alles ... Wenn Du wüßtest ... Sage mir, was man fühlt ...«

»Mein Gott, kann man denn das so ausdrücken? ... Es ist so schauderhaft und man fühlt sich so weit, weit fortgetragen! Ich habe in dieser einen Minute mehr gelebt, als in meinem ganzen voraufgegangenen Leben.«

Mit aufeinander gepreßten Zähnen riß sie Jacques jetzt an sich und auch Séverine gab sich ihm willenlos hin. In einander wie unauflöslich verschlungen, suchten sie im Reiche des Todes die Liebe mit derselben schmerzlichen Sinneslust wie die Thiere, die sich während der Brunst die Eingeweide zerreißen. Man vernahm nichts weiter als ihren keuchenden Athem. Der blutige Wiederschein an der Decke war verschwunden. Der Ofen war ausgebrannt, in dem Zimmer begann in Folge der von draußen hereindringenden großen Kälte ebenfalls eine eisige Luft zu wehen. Kein Laut stieg aus dem vom Schnee wie auswattirten Paris herauf. Eine kurze Zeit hörte man das Schnarchen der Zeitungsverkäuferin nebenan, dann aber war wieder alles verschlungen von dem schwarzen Schlünde des schlafenden Hauses.

Jacques hatte Séverine in seinen Armen behalten und fühlte jetzt, wie sie einer unwiderstehlichen Müdigkeit nachgab. Die Reise, der ausgedehnte Aufenthalt bei den Misard, das Fieber dieser Nacht, dem war sie nicht gewachsen. Halb im Schlaf schon wünschte sie ihm wie ein artiges Kind eine gute Nacht und schon schlief sie auch, ruhig athmend ein. Der Kuckuck meldete drei Uhr.

Eine Stunde noch ließ Jacques sie in seinem linken Arme ruhen, der allmählich abstarb. Er selbst konnte kein Auge schließen, eine unsichtbare Hand schien die Lider ihm eigensinnig in der Finsterniß immer wieder aufzureihen. Er unterschied jetzt nichts mehr in dem völlig in Nacht getauchten Zimmer, alles, der Ofen, die Möbel, die Mauern bildete ein einziges schwarzes Schattenmeer. Er mußte sich umdrehen, um die beiden starren, so bleich und luftig wie ein Traum schimmernden Fensterquadrate sehen zu können. Trotz seiner ihn marternden Müdigkeit hielt ihn eine merkwürdige cerebrale Thätigkeit wach und haspelte unaufhörlich denselben Schwall von Gedanken ab. Jedesmal wenn er sich mühte einzuschlafen, begann dieselbe Qual von Neuem, dieselben Bilder zogen an ihm vorüber und weckten dieselben Gedanken. Und was mit mechanischer Regelmäßigkeit vor ihm sich abspielte, während seine starr blickenden und weit geöffneten Augen den Schatten aufsuchten, war Zug um Zug jener Mord. Immer wieder erstand er identisch schmerzlich vor ihm. Das Messer drang mit dumpfem Schlag in die Kehle, den Körper durchzog ein dreimaliger, lang anhaltender Krampf, das Leben entfloh in einem Strome warmen Blutes, eine rothe Fluth fühlte er über seine Hände gleiten. Zwanzig, dreißig Male drang das Messer in den Hals, kämpfte der Körper den Todeskampf. Das wurde ungeheuerlich, erstickte ihn, brachte ihn außer sich und machte die Nacht aufrührerisch. O, konnte er doch auch einen solchen Stoß führen, sein befremdliches Verlangen stillen und wissen, was man dabei empfindet, auskosten die Minuten, in denen man mehr lebt als in einem ganzen Leben. Als dieses Gefühl des Erstickens wuchs, vermuthete Jacques, daß das Gewicht Séverine's auf seinem Arm ihn am Einschlafen hindere. Sanft bettete er sie neben sich, ohne sie aufzuwecken. Zunächst fühlte er sich wirklich wie erleichtert und schon glaubte er, der Schlaf würde kommen. Aber trotz seiner Anstrengungen öffneten die unsichtbaren Finger doch wieder seine Augenlider. Und in blutigen Umrissen tauchte auf dem dunklen Hintergrunde wieder der Todtschlag auf, das Messer drang in den Hals, der Körper krümmte sich im Todeskrampfe. Ein rother Regen durchrieselte die Finsterniß, das unverhältnismäßig große Loch in der Kehle klaffte wie ein mit der Axt gemachter Schnitt. Er kämpfte nun nicht weiter dagegen an, er lag auf dem Rücken, eine Beute dieser hartnäckigen Vision. Er vernahm in sich die verzehnfachte Thätigkeit des Gehirns, ein Brausen der ganzen Maschinerie. Und wieder war ihm zu, Muthe wie von Jugend auf. Er hatte sich geheilt geglaubt, denn dieses Verlangen war schon seit Monaten, seitdem er diese Frau besaß, in ihm erstorben. Und jetzt empfand er es unter dem Eindruck dieses Mordes, während sie seinem Körper nahe war und ihre Glieder mit den seinen sich mengten, stärker als je zuvor. Er hatte sich noch weiter von ihr zurückgezogen, er vermied jede Berührung mit ihr, denn er fieberte bei der geringsten Annäherung an ihre Haut. Eine unerträgliche Hitze kroch über sein Rückgrat, als hätte sich die Matratze unter seinem Körper in einen glühenden Rost verwandelt. Ein Prickeln, feurige Spitzen schienen ihm den Leib zu durchbohren. Er versuchte seine Hände unter der Decke vorzuziehen, aber sofort froren sie und erweckten in ihm ein Frösteln. Er fürchtete sich vor seinen Händen und zog sie schnell wieder zurück, er faltete sie zunächst auf seinem Bauche, dann schob er sie unter seinen Rücken und klemmte sie dort fest, als fürchtete er irgend eine abscheuliche Handlung von ihnen, eine Thal, die er nicht wollte und die er doch gegen seinen Willen begehen könnte.

Jedesmal, wenn der Kuckuck rief, zählte Jacques. Vier Uhr, fünf Uhr, sechs Uhr. Er lechzte nach dem Tage, er hoffte, daß der junge Morgen dieses Alpdrücken verscheuchen würde. Er wandte sich dem Fenster zu und beobachtete die Scheiben, Aber noch immer war dort nichts weiter zu sehen, als der Wiederschein des Schnees. Ein Viertel vor fünf Uhr, mit einer Verspätung von nur vierzig Minuten, hatte er den directen Zug von Havre einfahren gehört, ein Beweis, daß die Geleise wieder passirbar waren. Erst nach sieben Uhr sah er einen milchigen, bleichen Schimmer langsam durch die Fenster schleichen. In diesem undeutlichen Licht, in welchem die Möbel umherzuschwimmen schienen, erhellte sich jetzt auch das Zimmer. Der Ofen tauchte auf, der Wandschrank, das Büffet. Er konnte noch immer nicht die Lider schließen, seine Augen irrten im Gegentheil unstät umher, als verlangten sie zu sehen. Trotzdem es noch nicht so hell war, ahnte er das am Abend vorher zum Zerschneiden des Kuchens benutzte Messer mehr auf dem Tisch als er es sah. Er bemerkte nur noch dieses kleine Messer mit der scharfen Spitze. Der Tag nahm zu, das ganze, durch die beiden Fenster hereinströmende Licht schien sich auf diese dünne Klinge zu concentriren. Die Angst vor seinen Händen ließ ihn sie noch tiefer unter seinem Körper verbergen, denn er fühlte, wie sie aufgeregt und stärker als sein Wille zuckten. Waren sie nicht mehr ein Theil seiner selbst? Diese Hände gehörten nicht mehr ihm, einem Andern, sie waren von irgend einem Vorfahren auf ihn überkommen, aus jener Zeit, in welcher der Mensch noch die wilden Thiere in den Wäldern würgte!

Um das Messer nicht mehr zu sehen, wandte sich Jacques Severine zu. Sie schlief bei ihrer großen Müdigkeit sehr ruhig mit dem Athem eines Kindes. Ihre aufgelösten, schweren, schwarzen Flechten bildeten bis zu ihren Schultern ein düstres Kissen; und unter dem Kinn tauchte zwischen den Locken ihr kaum rosig angehauchter, wie Milch so zarter Busen auf. Er betrachtete sie, als ob sie ihm etwas neues wäre. Er betete sie an, ihr Bild verfolgte ihn, selbst wenn er seine Locomotive führte, oft so begehrlich, daß ihm Angst wurde. Daher kam es, daß er eines Tages, als ob er aus einem Traum aufwachte, mit voller Geschwindigkeit, trotz der Signale eine Station passirte. Jetzt rief der Anblick dieses weißen Busens eine plötzliche unvertreibbare Wahnvorstellung in ihm hervor. Mit wachsendem Entsetzen fühlte er den gebieterischen Zwang, das Messer zu holen und es der geliebten Frau bis zum Heft in die Brust zu stoßen. Er hörte den dumpfen Schlag des eindringenden Messers, er sah den Körper dreimal aufschnellen, dann den Tod ihn unter einem rothen Strome krümmen. Er kämpfte gegen diesen Wahn an, aber mit jeder Sekunde verlor sein Wille mehr an Macht, als werde er untergetaucht in diese fixe Idee, als sei er an das Aeußerste gelangt, wo man besiegt nur dem Drängen des Instincts Folge leistet. Alles bäumte sich in ihm auf, die empörten Hände siegten über sein Bemühen, sie zu verbergen und entschlüpften ihm. Er sah ein, daß er jetzt nicht mehr Herr über sie sei und daß sie sich brutale Genugthuung verschaffen würden, wenn er Séverine noch länger anblickte. Er raffte daher seine letzte Kraft zusammen, er verließ das Bett und wälzte sich wie ein Trunkener auf der Diele umher. Dann sprang er auf, fiel aber beinahe wieder, denn seine Füße verwickelten sich in die dort liegenden Kleidungsstücke. Er wankte und suchte wirr tastend seine Kleider zusammen. Sein einziger Gedanke war, sich schnell anzukleiden, das Messer zu nehmen, auf die Straße zu gehen und die erste beste Frau niederzustechen. Diesmal peinigte ihn sein Verlangen zu mächtig, diesmal mußte er eine tödten. Er fand sein Beinkleid nicht, trotzdem er es dreimal anfaßte und nicht wußte, daß er es schließlich schon in der Hand hielt. Das Anziehen der Schuhe bereitete ihm eine endlose Mühe. Obwohl es jetzt lichter Tag war, schien das Zimmer von einem weißen Rauche erfüllt, in einem eisigen Nebel zu schwimmen. Das Fieber schüttelte ihn und als er endlich angekleidet war, ergriff er das Messer und verbarg es in seinem Aermel. Er war seiner Sache gewiß, er würde Eine tödten und zwar die erste beste, der er unten begegnete. Plötzlich rührte sich etwas im Bett, ein längerer Seufzer, der von dort kam, bannten ihn bleich auf die Stelle neben dem Tisch.

Séverine war erwacht.

»Du gehst schon, Schatz?«

Er antwortete nicht, er sah sie nicht an, er hoffte, sie würde wieder einschlafen.

»Wohin gehst Du, Schatz?«

»Eine Dienstsache,« stotterte er ... »Schlafe, ich komme bald zurück.«

Ihre Augen waren schon wieder geschlossen und wirre Worte entschlüpften ihr, schon halb im Schlafe.

»O wie müde bin ich noch ... Umarme mich, Schatz.«

Er aber rührte sich nicht, er wußte, wenn er jetzt zu ihr trat mit dem Messer in der Hand und sie so fein, so bloß und aufgelöst daliegen sah, daß es mit seinem Willen ganz zu Ende war, der ihn schon vorhin neben ihr verlassen hatte. Seine Hand würde sich heben und ihr das Messer in den Hals jagen.

»Komm, Schatz, umarme mich ...«

Ihre Stimme versagte, sie schlief schon wieder sanft ein mit einem zärtlichen Flüstern. Er öffnete die Thür und enteilte wie kopflos.

Es war acht Uhr, als Jacques auf den Bürgersteig der Rue d'Amsterdam trat. Der Schnee war noch nicht fortgeschafft, man hörte kaum die Schritte der wenigen Passanten. Sogleich hatte er eine alte Frau bemerkt, sie ging der Rue de Londres zu, er folgte ihr nicht. Männer stießen ihn beim Vorübergehen an, er ging deshalb in der Richtung der Place du Havre und faßte fest das Messer, dessen nach oben gerichtete Spitze im Aermel verschwand. Als ein kleines Mädchen von ungefähr vierzehn Jahren aus einem Hause gegenüber trat, ging er über den Damm. Als er hinkam, sah er sie in einen Bäckerladen gehen. Seine Ungeduld war so groß, daß er nicht warten wollte, sondern weiter schritt. Seit er das Zimmer mit dem Messer in der Hand verlassen hatte, war er nicht mehr die handelnde Person, sondern jener Andere, den er so oft in seinem Innern sich bewegen gefühlt hatte, jenen von fernher gekommenen Unbekannten, der den erblichen Durst nach Mord löschen wollte. Dieser hatte ehedem getödtet, er wollte noch immer tödten. Die Dinge um Jacques erschienen, wie im Traume, denn er sah sie nur durch seine fixe Idee. Sein tägliches Leben war wie versunken, er schritt wie ein Nachtwandler dahin, ohne Erinnerung an die Vergangenheit, ohne Gedanken an die Zukunft, lediglich unter dem Zwange seines Verlangens. Sein Körper bewegte sich, aber die Seele war entschwunden. Zwei Frauen streiften ihn beim Vorübergehen, er folgte ihnen schnell, doch Jene trafen in diesem Augenblick einen bekannten Mann. Alle Drei schwatzten und lachten. Der Mann genirte ihn, er folgte deshalb einer andern, vorübergehenden Frau, einer schwarzhaarigen, blassen Person, die ihre Abgehärmtheit schlecht unter einem dünnen Umschlagetuch verbarg. Sie ging mit langsamen Schritten, wahrscheinlich einer verhaßten, harten und schlecht bezahlten Arbeit entgegen, ihr Gesicht drückte hoffnungslose Verzweiflung aus. Jetzt, nun er eine einzelne vor sich hatte, beeilte er sich nicht mehr, er wartete nur noch die günstigste Gelegenheit ab, um zuzustoßen. Sie hatte zweifellos den sie verfolgenden Menschen bemerkt, denn sie drehte sich nach ihm um und ihre von unsäglichen Wunden erzählenden Augen schienen ihn zu fragen, was er eigentlich von ihr wolle. Sie waren schon die halbe Straße heruntergegangen; zweimal noch drehte sie sich zurück und hinderte ihn jedesmal, ihr das Messer in den Nacken zu stoßen, das bereits aus dem Aermel hervorlugte. Ihre Augen sprachen eine so beredte Sprache des Elends! Dort unten, wenn sie den Bürgersteig verlassen mußte, wollte er sie niederstechen. Aber plötzlich machte er eine Wendung und folgte einer andern Frau, die in der entgegengesetzten Richtung ging. Er that es ohne Ueberlegung, ohne eigenen Willen, nur weil sie zufällig in diesem Augenblick ihn streifte. Es war eben nicht anders.

Jacques gelangte hinter dieser wieder zum Bahnhof. Diese machte lebhafte feste Schritte, sie war auffallend hübsch, höchstens zwanzig Jahre alt, etwas stark, blond und hatte schöne Augen, die heiter in die Welt hineinlachten. Sie bemerkte nicht einmal, daß Jemand sie verfolgte. Sie mußte es eilig haben, denn sie hüpfte behende die Freitreppe hinauf, durcheilte das große Vestibül und drängte sich an den Schalter für den Ringbahnverkehr. Als sie ein Billet erster Klasse nach Auteuil nahm, that Jacques das gleiche, er folgte ihr durch die Wartesäle auf den Perron bis in das Koupee, wo er sich an ihre Seite setzte. Gleich darauf fuhr der Zug ab. »Ich habe Zeit,« sagte er zu sich, »ich werde sie im Tunnel tödten.«

Ihnen gegenüber saß eine alte Dame, die drei waren nur allein im Koupee. Diese Dame erkannte die junge Frau.

»Sie sind es? Wohin fahren Sie schon in aller Frühe?«

Die Andere lachte hell auf mit einer komisch verzweifelnden Geberde.

»Da sage man noch, daß man nichts thun kann, ohne Jemandem zu begegnen. Ich hoffe aber, Sie werden mich nicht gleich verrathen ... Mein Mann hat morgen Geburtstag. Sobald er fort war, ging auch ich. Ich will nach Auteuil zu einem Gärtner; dort hat er eine Orchidee gesehen, nach der er wie toll ist ... Ich will ihn damit überraschen.«

Die Dame nickte wohlwollend mit dem Kopf.

»Und wie geht es dem Kinde?«

»Die Kleine wird immer netter ... Vor acht Tagen habe ich sie erst entwöhnt, nun müßten Sie sie Suppe essen sehen ... Es ist skandalös, wie gut es uns Allen geht.«

Sie lachte noch herzlicher und dabei traten zwischen den blutrothen, frischen Lippen ihre weißen Zähne hervor. Jacques saß rechts von ihr, das Messer in der unter den Schenkel geschobenen Faust, meinte er, daß sie ganz bequem niederzustechen sein würde. Er brauchte nur den Arm zu heben und damit einen Halbkreis zu beschreiben, um ihre Hand festzuhalten. Doch im Tunnel von Les Batignolles fielen ihm plötzlich die Hutbänder ein.

»Da ist eine Schleife, die mich genirt,« überlegte er. »Ich muß erst meiner Sache gewiß sein.«

Die beiden Frauen schwatzten noch immer vergnügt weiter.

»Ich sehe also, daß Sie recht glücklich sind.«

»Glücklich ist gar kein Ausdruck dafür, ich lebe wie in einem Traume ... Vor zwei Jahren noch war ich gar nichts. Sie erinnern sich, wie wenig unterhaltsam es bei meiner Tante zuging, und keinen Pfennig Mitgift ... Als er kam, zitterte ich, denn ich konnte ihn zuerst nicht ausstehen. Aber er war schön und reich ... Und nun gehört er mir, er ist mein Gatte, wir haben unser Kind! Es ist fast zu viel des Guten!«

Jacques constatirte, während er die Schleifen des Hutbandes prüfte, daß an einem schwarzsammtnen Bande ein schweres, goldenes Medaillon hing. Nun legte er sich seinen Plan zurecht:

»Mit Deiner linken Hand würgst Du sie am Halse, beim Zurückbiegen des Kopfes wird das Medaillon auf die Seite rutschen und die Kehle wird frei sein.«

Der Zug hielt mehrfach auf eine Minute an und dampfte dann weiter. Bei Courcelles und Neuilly waren kurze Tunnels gefolgt. Eine Sekunde und es war geschehen.

»Sie waren an diesem Sommer an der See?« begann die alte Dame von Neuem.

»Ja, sechs Wochen in der Bretagne in einem ganz versteckten Winkel, einem Paradiese. Den Herbst haben wir in Poitou bei meinem Schwiegervater zugebracht, der dort große Waldungen besitzt.«

»Und wollen Sie nicht während des Winters noch nach dem Süden?«

»Ja, wir wollen am 15. in Cannes sein ... Das Haus mit einem kleinen Gärtchen direct am Meer ist bereits gemiethet. Wir haben Jemand hinuntergeschickt, der die ganze Einrichtung besorgt ... Weder mein Mann noch ich sind empfänglich für die Kälte, doch die Sonne ist doch etwas so Schönes. Im März wollen mir wieder zurück sein. Im nächsten Jahr bleiben wir ganz in Paris. In zwei Jahren, wenn unser Kind kräftig genug ist, wollen wir reisen. Was weiß ich, es ist ein stetes Fest.«

Ihre Glückseligkeit brauchte Raum, und so wandte sie auch ihr lachendes Gesicht dem unbekannten Manne, Jacques, zu. Bei dieser Bewegung löste sich die Schleife der Hutbänder, das Medaillon rutschte herum und der warmblütige Hals mit einem kleinen, vom Schatten vergoldeten Grübchen kam zum Vorschein.

Jacques' Finger krampften sich um den Stiel des Messers, während er einen unwiderruflichen Entschluß faßte.

»Dort will ich zustechen. Und zwar gleich im Tunnel von Passy.«

Doch bei der Station des Trocadero stieg ein Beamter ein, der Jacques kannte. Er sprach mit ihm von Dienstangelegenheiten und erzählte ihm von einem durch einen Locomotivführer und Heizer verübten Kohlendiebstahl. Von diesem Augenblick an ging Alles in die Brüche. Er wußte sich später des Folgenden nicht mehr zu erinnern. Das Lachen hatte nicht aufgehört und dieser Strahl von Glück hatte auch ihn durchzuckt und betäubt. Vielleicht war er mit den beiden Frauen bis Auteuil gefahren: aber er erinnerte sich nicht, daß sie dort ausgestiegen wären. Er selbst fand sich am Ufer der Seine wieder, ohne eigentlich zu wissen, wie er dorthin gekommen war. Das wußte er aber ganz genau, daß er das in seinem Aermel in seiner Faust gebliebene Messer in das Wasser geschleudert hatte. Wohin der Andere, der mit dem Messer, dann gegangen, war ihm fremd. Er dagegen mußte stundenlang ohne Besinnung auf's Geradewohl durch Straßen und über Plätze marschirt sein. Menschen, Häuser waren an ihm in einem fahlen Nebel vorüber gezogen. Er war auch jedenfalls irgendwo eingetreten und hatte in einem von Menschen überfüllten Saale gegessen, denn vor seiner Erinnerung standen noch deutlich die weißen Teller. Er hatte auch die Empfindung, daß er auf einer geschlossenen Kellerthür ein rothes Plakat gesehen hatte. Alles andere aber war in einen tiefen Schlund in das Nichts versunken, das weder Zeit noch Raum kennt und vielleicht schon seit Jahrhunderten träge schlummert.

Jacques kam erst in seinem Kämmerchen in der Rue Cardinet zur Besinnung. Er hatte sich angekleidet auf sein Bett geworfen. Der Instinct hatte ihn dorthin geführt wie einen verlaufenen Hund, der sein Heim wittert. Im Uebrigen wußte er nicht, wie er die Treppe hinaufgekommen und wie er eingeschlafen war. Er erwachte aus einem bleiernen Schlummer wie aus einer tiefen Ohnmacht und fühlte sich plötzlich wieder Herr seiner selbst. Vielleicht hatte er drei Stunden geschlafen, vielleicht auch drei Tage. Mit einem Male stand ihm Alles wieder vor der Erinnerung: die mit Séverine zugebrachte Nacht, das Geständniß des Mordes, seine Flucht als blutgierige Bestie. Erst jetzt fand er sich wieder allmählich zurecht, mit Schrecken dachte er an die Dinge, die er willenlos verübt. Die Erinnerung an die junge, ihn erwartende Frau brachte ihn mit einem Sprunge wieder auf die Füße. Er sah nach der Uhr, es war bereits vier. Mit ödem, ruhigen Kopf, wie nach einer starken Blutung, eilte er zur Sackgasse der Rue d'Amsterdam.

Séverine hatte bis Mittag fest geschlafen. Als sie aufwachte, wunderte sie sich, Jacques nicht zu sehen. Sie machte Feuer im Ofen an. Als sie sich fertig angekleidet hatte, trieb sie der Hunger gegen zwei Uhr in ein Restaurant der Nachbarschaft. Als Jacques kam, war sie gerade die Treppe hinaufgestiegen, nachdem sie noch einige Gänge erledigt hatte.

»Ich war so besorgt, mein Schatz!«

Sie hing sich an seinen Hals und sah ihm tief in die Augen.

»Was ist denn geschehen?«

Er beruhigte sie trotz seiner Erschöpfung und der eisigen Kälte in seinen Gliedern.

»Nichts, ein verwünschter Handlangerdienst. Wenn die erst einmal Einen beim Wickel haben, ist es aus.«

Sie senkte die Stimme und sagte mit verschmitzter Demuth:

»Denke Dir, ich bildete mir ein ... ein dummer Gedanke, der mir große Sorge bereitete ... ja, ich glaubte, Du würdest mir nach meinem Geständniß böse sein ... Ich dachte schon, Du wärest fort auf Nimmerwiedersehen!«

Thränen traten ihr in die Augen, sie schluchzte laut auf und schloß ihn fest in ihre Arme.

»Ach, mein Liebling, wenn Du wüßtest, wie noth mir eine liebevolle Behandlung thut ... Liebe mich, liebe mich sehr, nur Deine Liebe kann Alles vergessen machen ... Jetzt, nun ich Dir mein ganzes Unglück gebeichtet habe, jetzt darfst Du mich nicht verlassen, schwöre es mir!«

Jacques fühlte sich gerührt durch dieses Geständniß. Eine unüberwindliche Abspannung machte ihn windelweich.

»Nein, nein, ich liebe Dich, fürchte nichts,« stotterte er.

Auch er begann unter dem Drucke des abscheulichen Uebels, das ihn vorhin wieder gepackt hatte und nie von ihm weichen zu wollen schien, zu weinen: o, diese Schande, diese grenzenlose Verzweiflung!

»Liebe mich, liebe auch Du mich mit Deiner ganzen Kraft, Du weißt nicht, wie nothwendig Du mir bist!«

Ihr schauderte, sie wollte Alles wissen.

»Du hast Kummer, sprich, erzähle mir.«

»Nein, keinen Kummer. Dinge, die nicht existiren, traurige Gefühle, die mich unsäglich unglücklich machen, ohne daß ich sie näher bezeichnen kann, lassen mich so fürchterlich leiden.«

Beide hielten sich umschlungen und ließen ihre schreckliche, sie peinigende Niedergeschlagenheit ineinanderfließen. Ihr Leiden schien endlos, denn es gab kein Vergessen, kein Verzeihen. Sie weinten und fühlten die blinden Gewalten dieses aus Kampf und Tod bestehenden Lebens.

Jacques riß sich zuerst los. »Komm, wir müssen an die Abreise denken ... Du wirst heute Abend wieder in Havre sein.«

Séverine starrte düster vor sich hin und flüsterte nach einer kleinen Pause:

»Wie schön, wenn ich frei, wenn mein Mann nicht da wäre ... O, wie glücklich könnten wir sein, wie schnell würden wir vergessen können!«

Er machte eine heftige Bewegung, seine Gedanken sprachen für ihn:

»Wir können ihn doch nicht tödten.«

Sie sah ihn scharf an, er zitterte, denn er hatte zu seinem großen Erstaunen etwas gesagt, woran er noch nie gedacht. Wenn er durchaus tödten wollte, warum tödtete er nicht diesen unbequemen Menschen? Als er endlich von ihr ging, um in das Depot zu eilen, schloß sie ihn noch einmal in ihre Arme und bedeckte sein Gesicht mit Küssen.

»O, liebe mich, mein Schatz ... Ich will Dich auch noch viel, viel mehr lieben ... Geh, wir werden glücklich sein.«

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