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Die Befreiungskriege 1813 bis 1815

Carl Tanera: Die Befreiungskriege 1813 bis 1815 - Kapitel 3
Quellenangabe
typetractate
authorCarl Tanera
titleDie Befreiungskriege 1813 bis 1815
publisherZweiter, unveränderter Abdruck Fünftes bis neuntes Tausend
printrunC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck
editorK. Frhr. v. Lupin Oberstleutnant
year1913
illustratorErnst Zimmer
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160616
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siehe Bildunterschrift

Ansprache des Generals von Yorck an seine Offiziere in Tauroggen

1.
Preußens Vorbereitung zum Kriege von 1813

Eine Welt hatte der mächtige Korse niedergeworfen. In mehr als fünfzig Schlachten waren die Völker Europas, eines nach dem andern, seinem gewaltigen Feldherrngenie erlegen. Im Jahre 1812 gehorchten Frankreich, Spanien, Italien, Portugal, Holland und jene deutschen Lande, in welchen französische Fürsten herrschten, – Königreich Westfalen und Großherzogtum Berg – unmittelbar den Befehlen Napoleons; Österreich, Schweden, Dänemark, die Rheinbundstaaten und Preußen mußten entsprechend den mit ihnen abgeschlossenen oder ihnen aufgezwungenen Verträgen dem französischen Kaiser Heeresfolge leisten. In den vollständig zu Frankreich gehörigen Landen empfand man die neue Herrschaft großenteils übrigens nicht unangenehm. Sie hatte mit gar vielen veralteten Kleinlichkeiten, mit verrotteten Zuständen, mit drückenden Rechtsverhältnissen aufgeräumt und einen freieren Zug und neue Lebenslust geschaffen. Auch in mehreren der mit Frankreich verbündeten Staaten sah man die neue politische Gestaltung nicht ungern. Manche der Länder waren zu größerer Macht und zu höherem Range gelangt, andere sahen die Möglichkeit ihres Bestehens nur durch den festen Anschluß an Napoleon gewährleistet und wieder andere wußten, daß sie allein doch nicht widerstehen könnten und deshalb mit Frankreich sich besser standen als gegen dieses.

Nur in zwei Landen herrschte eine bis zum schroffsten Haß gehende Abneigung gegen alles, was französisch war und mit Frankreich zusammenhing – in Spanien und in Preußen. In Spanien waren es die Anhänger der durch Napoleon entthronten Herrscherfamilie aus dem Hause Bourbon und vor allem die durch die Franzosen in jeder Art bedrückten Priester und Mönche, welche das leidenschaftliche, schnell erregbare Volk zu fortwährendem Widerstand aufreizten und in stets wachsendem Hasse gegen Frankreich erzogen. Preußen aber hatte durch die Faust Napoleons zu sehr gelitten, als daß es je vergessen und freiwillig sich fügen konnte. Es war nicht allein die durch den unerbittlichen Sieger von 1806 bewirkte Verkleinerung des Königreiches gewesen, was das Herrscherhaus und nicht weniger auch das preußische Volk bedrückte, sondern fast noch tiefer schmerzte der Hohn, mit dem der übermütige Korse den Besiegten überschüttete, die Willkür, mit der die französischen Machthaber gerade hier in Norddeutschland auftraten und die unerschwinglichen Lasten, die dem schon so sehr ausgesogenen Lande im Frieden von Tilsit auferlegt und darnach rücksichtslos eingetrieben wurden.

Daß Preußen in jener Zeit von 1806 bis 1812 nicht vollständig zugrunde ging, daß es sich eine innere Kraft bewahrte, die nicht nur dazu reichte, schon nach wenigen Jahren sich zur alten Größe zu erheben, sondern sogar den Ausgangspunkt für die Befreiung von ganz Deutschland zu bilden, ist eine Tatsache, die mit Staunen und Bewunderung erfüllen muß. Möglich war dies nur, weil an der Spitze des kleinen, so furchtbar niedergeschmetterten Landes ein König mit wahrer Dulderseele stand, der sich nicht entmutigen ließ und im festen Vertrauen auf eine bessere Wendung aushielt, ohne sich je etwas zu vergeben, bis die neue Zeit wirklich kam. Möglich war sie, weil eine Gemahlin von hervorragendem Edelsinn und ganz außerordentlicher holdseliger Weiblichkeit, die Königin Luise, dem gebeugten Monarchen beistand, die Zeit des Kummers zu überdauern, weil gerade das Unglück Männer wie Stein, Scharnhorst und Hardenberg an die Spitze brachte, welche das Wollen und Können besaßen, die unbedingt notwendige, durchgreifende Reform des Staates dem Könige vorzuschlagen und mit ihm auszuführen, weil Generale wie Blücher, Yorck, Kleist, Bülow und andere die Niederlage überlebt hatten und jetzt in ihrem vollen Wert erkannt wurden. Möglich war sie ferner, weil das preußische Volk unentwegt zu seinem Herrscherhaus hielt, weil jedermann, der Adelige, der Bürger und der Bauer eine Ausdauer im Ertragen von Leiden, einen Mut in der Übernahme von Mühsalen und Gefahren und eine Opferfreudigkeit bewies, von der es wenige Beispiele in der Geschichte der Völker aller Zeiten gibt.

Trotzdem hätte Preußen von sich aus nie eine Auflehnung gegen das so drückende französische Joch wagen dürfen, denn was wollte ein Ländchen von 2780 Quadratmeilen mit 4 560 000 Einwohnern gegen den Beherrscher eines Reiches von fast 14 000 Quadratmeilen mit 42 Millionen Einwohnern machen, dem überdies Österreich und eine ganze Reihe kleinerer Staaten als Bundesgenossen zur Seite standen!

Da war es Napoleon selbst, der das Verhängnis gegen sich heraufbeschwor. Mehr und mehr stieß er durch seine schroffe Willkür, seinen verletzenden Hochmut und seinen unerträglichen Despotismus die mit ihm verbündeten und von ihm abhängigen Fürsten vor den Kopf und machte sie und ihre Völker sich zu Feinden. Es begann an vielen Stellen des unermeßlichen Reiches bedenklich zu gären, am meisten aber in Deutschland, und was der damals ganz in Verfall geratene Begriff der Zusammengehörigkeit der deutschen Stämme nicht mehr vermochte, brachte der gemeinsame Haß gegen den korsischen Tyrannen zuwege, nämlich eine schließliche Einigung aller Deutschen.

Die Entscheidung gab der unglückliche Ausgang des Krieges gegen Rußland, in den seine unersättliche Herrschsucht und seine Verblendung Napoleon hineintrieb.

Es gab in jener Zeit nur noch zwei selbständige, von Frankreich nicht abhängige Staaten, Rußland und England. Gegen dieses zu Felde zu ziehen, war nicht denkbar, denn die übermächtige englische Flotte machte jede Landung auf der britischen Insel unmöglich. Daher konnte man England nur durch Untergrabung seines Handels vermittelst der Kontinentalsperre schädigen. Gegen Rußland aber war ein Angriffskrieg möglich und Napoleon beschloß, ihn zu wagen. Da er sich die Schwierigkeiten des bevorstehenden Feldzuges nicht verhehlte, traf er ganz außerordentliche Vorbereitungen und Ende Juni führte er das mächtigste und kriegstüchtigste Heer, das die Welt seit Jahrtausenden gesehen, über die russische Grenze. 500 000 Streiter, darunter an 200 000 Deutsche, sollten den Siegeszug gegen das Zarenreich mitmachen. Fünf Monate später trafen wenige dürftige Trümmer, welche Hunger, Kälte, Strapazen und das Schwert der Russen übrig gelassen, wieder in Polen ein; die große Armee war vernichtet.

Die Nachrichten über dieses gewaltige Unglück kamen nur langsam und in großen Pausen in Deutschland und Frankreich an. Im preußischen Volke wirkten sie wie ein Gluttrank, der neues Feuer in die Körper goß, der das Blut schneller pulsieren machte, der den gedrückten Geist zu frischem Denken befähigte, der alle Leidenschaften von neuem entfachte. Dies alles galt dem Hasse gegen die Franzosen, dem sehnlichsten Verlangen nach Rache und Vergeltung der erlittenen Schmach. In den anderen deutschen Ländern und am preußischen Hofe selbst wagte man noch nicht so hoffnungsfreudig zu denken. Napoleon hatte ein gewaltiges Heer verloren. Allein Frankreich und die mit ihm verbündeten Staaten besaßen einen solchen Menschenreichtum, daß selbst nach der in Rußland erlittenen Niederlage es vorerst noch nicht angezeigt schien, an eine vollständige Besiegung der Franzosen und ihre Vertreibung aus Deutschland zu denken. Daher vollzog sich der Durchmarsch der Reste der großen Armee durch Preußen und Deutschland ohne besondere Schwierigkeiten; die während des russischen Feldzuges in Polen und den übrigen Grenzbezirken verbliebenen französischen Divisionen wurden zum Schutz des Rückzugs zusammengezogen und vorgeschoben. Die Russen rückten nur langsam hinter den Geschlagenen nach; sie hatten doch auch ihrerseits ganz enorme Verluste erlitten und so schien es, als ob gegen Ende des Jahres 1812 der Sieger an den Grenzen seines weiten Reiches halten bliebe, und in Deutschland und Europa überhaupt die gleichen Verhältnisse wie vor dem russischen Kriege zurückkehren würden.

Da trat ein Ereignis ein, das der ganzen politischen Lage eine andere Wendung gab, den Anschluß Preußens an Rußland herbeiführte, den König Friedrich Wilhelm III. zur Kriegserklärung gegen Frankreich mitfortriß und in seinen Folgen den großen Befreiungskampf aller Deutschen gegen den korsischen Eroberer entfesselte.

Die von Preußen zur großen Armee gestellten Truppen, anfänglich unter General Grawert und nach dessen Erkrankung unter General von Yorck, waren dem X. französischen Armeekorps zugeteilt und mit diesem zur Eroberung und Niederhaltung von Kurland verwendet worden. Dank der Tüchtigkeit und Energie ihres Führers, des Generals von Yorck, der Verwendbarkeit und Pflichttreue der preußischen Offiziere und der Disziplin der Mannschaften einerseits, sowie den geringeren Marschstrapazen und seltenen Gefechten anderseits war das preußische Truppenkorps, während sich die große Armee auflöste, festgefügt geblieben und hatte sich bis Anfang Dezember 1812 in einer Stärke von 17 500 Mann und 3200 Pferden erhalten. Nunmehr trat es in Verbindung mit den übrigen Abteilungen des X. französischen Korps unter Marschall Macdonald den Rückzug gegen die preußische Grenze an.

General von Yorck war ein Mann von ganz besonderer Art. Von Person nicht groß, aber stark und zäh, verriet sein ernstes, durchdringendes Auge einen heftigen Willen. Durchaus rechtschaffen, aber finster, schneidend kalt und versteckt, konnte er sich nie besondere Liebe erwerben. Dagegen achtete ihn jedermann, den »Vater Isegrimm«, wegen seiner kriegerischen Tüchtigkeit und Tapferkeit und fürchtete ihn ob seiner rücksichtslosen Strenge. Dieser Mann war ein durchaus pflichtgetreuer Anhänger seines Königs, begeistert für sein preußisches Vaterland und von glühendem Haß erfüllt gegen dessen Unterdrücker, gegen die Franzosen. Infolge davon war es zwischen ihm und dem kommandierenden General des X. französischen Korps, Marschall Macdonald, dem ja Yorck mit seinen Preußen direkt unterstellt war, wiederholt zu Schwierigkeiten gekommen. Ernstere Zerwürfnisse wurden nur durch das liebenswürdige, gewinnende Wesen des Marschalls und durch das vorsichtige diplomatische Benehmen Yorcks hinausgeschoben. Als letzterer aber die Niederlage Napoleons in ihrer ganzen furchtbaren Wahrheit erfuhr, hielt er den Zeitpunkt für gekommen, daß Preußen sich von seinem Falle erheben und von der französischen Zuchtrute befreien könne. Wiederholt berichtete er an die Regierung nach Berlin in diesem Sinne. Die Antworten blieben aus. Die Furcht vor der französischen Macht beherrschte die Umgebung des Königs Friedrich Wilhelm III. und diesen selbst noch in so hohem Maße, daß man sich nicht zu energischen Schritten aufraffen konnte. Unterdessen zogen sich die Macdonald'schen Truppen, deren letzte Staffel die Preußen Yorcks bildeten, immer mehr zurück; die Russen unter den Generalen Fürst Wittgenstein, Marquis Paulucci und Diebitsch folgten eifrig nach. Diese hatten von ihrem Kaiser den Auftrag erhalten, die preußischen Truppen nicht als Feinde zu betrachten, sondern sofort ein freundschaftliches Abkommen mit ihnen zu treffen, wenn sie es wünschten. Deshalb richteten sie, besonders der Marquis Paulucci und General Diebitsch, wiederholt Aufforderungen behufs eines Vertrages an General von Yorck. Yorck zögerte aber einzuschlagen, ehe er eine Meinungsäußerung seines Königs erhalten. Diese traf jedoch nicht ein. Da, am 29. Dezember abends, versammelte der Obergeneral die höheren Offiziere in seinem Quartier zu Tauroggen und hielt an sie folgende Ansprache:

»Meine Herrn, das französische Heer ist durch Gottes Hand vernichtet. Es ist der Zeitpunkt gekommen, wo wir unsere Selbständigkeit wieder gewinnen können, wenn wir uns jetzt mit dem russischen Heere vereinigen. Wer so denkt, wie ich, sein Leben für das Vaterland und die Freiheit hinzugeben, der schließe sich mir an; wer dies nicht will, der bleibe zurück. Der Ausgang unserer heiligen Sache mag sein wie er will; ich werde auch den stets achten und ehren, der nicht meine Meinung teilt und zurückbleibt. Geht unser Vorhaben gut, so wird der König mir meinen Schritt vielleicht vergeben; geht es mißlich, so ist mein Kopf verloren. In diesem Falle bitte ich meine Freunde, sich meiner Frau und Kinder anzunehmen.«

Unendlicher, wahrhaft begeisterter Jubel folgte diesen Worten.

Endlich konnte sich Yorck wieder Gehör verschaffen: »So möge denn unter göttlichem Beistand das Werk unserer Befreiung beginnen und sich vollenden.« Damit schloß er jene denkwürdige Versammlung. Ein Korpsbefehl verkündete den Truppen die Absicht ihres kommandierenden Generals und stellte jedem frei, das Korps zu verlassen, wenn er anderer Meinung wäre. Niemand machte davon Gebrauch.

Am nächsten Morgen wurde der Vertrag mit den Russen abgeschlossen, die preußischen Truppen hatten das französische Heer verlassen und zogen in den neutral erklärten Landstrich zwischen Memel, Tilsit und dem Haff.

Damit war der gefährlichste Feind der Russen vom Kriegsschauplatz verschwunden; das auf die Hälfte seines Bestandes herabgekommene Korps Macdonald mußte sich schleunigst von der Grenze zurückziehen; die Russen konnten in Preußen mit leichtem Herzen ein- und den fliehenden Franzosen nachrücken.

Der Schritt Yorcks war einer der kühnsten, der je getan worden ist. Eigenmächtig hatte der preußische Heerführer der Politik seines Königs vorgegriffen und dadurch diesen gezwungen, seiner eigenen zu folgen; freiwillig begab er sich mit seinem Heere in die Gewalt Rußlands, mit dem er bis jetzt auf Befehl seines Königs Krieg geführt hatte; mit klarem Bewußtsein hatte er seinen Kopf gewagt, alles nur, weil er aus einer solchen Handlung das Beste für sein preußisches und deutsches Vaterland erhoffte und voraussah.

Der Abfall Yorcks bildet einen Wendepunkt in der Geschichte. Er wirkte auf die Franzosen wie ein Donnerschlag und mußte bei ihnen die gerechtfertigte Befürchtung wachrufen, daß sich nunmehr ganz Preußen gegen sie erheben würde. Yorck und die mutigen Männer, welche mit ihm den Vertrag von Tauroggen gutgeheißen, erhofften und erwarteten dies auch. Allein ihr Eifer, ihre Vaterlandsliebe sollten noch harte Proben bestehen müssen, ihre kühne Aufopferung wurde einige Zeit noch mit Undank belohnt. Daran war aber nicht die Gesinnung des Königs und die Entscheidung des preußischen Volkes, sondern der Zwang der Verhältnisse schuld, welche dem noch in der Gewalt der Franzosen sich befindenden Monarchen und den von den französischen Truppen noch besetzten Provinzen des Landes die Hände banden. Freilich läßt es sich nicht leugnen, daß es auch Diplomaten und höhere Beamte gab, die aus übertriebener Franzosenfurcht überhaupt sich vor jedem gewalttätigen Schritte scheuten und das Heil der Zukunft nur im Abwarten und Gehenlassen der Dinge sahen.

Der König und die Regierung wurden durch den Schritt Yorcks zunächst in die peinlichste Verlegenheit gesetzt. Wenn es nicht gelang, das Mißtrauen der Franzosen zu beschwichtigen und zu täuschen, so waren die energischesten Gegenmaßregeln, ja sogar die Festnahme des Königs zu erwarten. Daher blieb Friedrich Wilhelm III. keine andere Wahl, als die Übereinkunft Yorcks mit den Russen zu verwerfen, ihn und den zunächst beteiligten General von Massenbach ihrer Kommandos zu entsetzen und den Befehl zu erteilen, beide zu verhaften und vor ein Kriegsgericht stellen. Dies erfuhren die Beteiligten aber nur durch die Zeitung und nicht auf dienstlichem Wege. Deshalb behielten sie vorläufig ruhig ihre Stellen und ließen die Dinge ihren Weg gehen.

Das preußische Volk selbst, welches sich in keiner so gezwungenen Lage befand, wie sein Herrscherhaus und die Regierung, fühlte und dachte genau wie Yorck und seine Anhänger und handelte auch in diesem Sinne. Am günstigsten lagen die Verhältnisse in der Provinz Preußen. Die russische Armee des Generals Fürst Wittgenstein hatte die Franzosen bis zur Weichsel zurückgedrängt. Anfangs waren die Russen überall als Befreier begrüßt worden. Später verhielt man sich etwas kühler gegen sie, weil man Befürchtungen hegen mußte, sie wollten die Provinz ihrem Reiche einverleiben. Selbst das anfängliche Verhalten des als russischer Bevollmächtigter erschienenen großen deutschen Patrioten Freiherrn von Stein, des früheren preußischen Ministers, diente nicht dazu, jene Befürchtungen ganz zu zerstreuen.

Nun traten tatkräftige Männer in der Provinz, wie der Landhofmeister von Auerswald, Minister Graf Dohna und andere auf und machten sich daran, die Wehrkraft des Landes zu heben. Da keinerlei Anweisungen vom Hofe eintrafen, so erscheint ihr Handeln um so kühner und ruhmvoller und die ganze Haltung der Provinz um so bewundernswerter und stolzer.

Zuerst wurde nach einem im Jahre 1808 vom General von Scharnhorst entworfenen Plane die ostpreußische Landwehr ins Leben gerufen. In Ermangelung von Nachrichten vom Könige ließ der Provinziallandtag den General von Yorck als den General-Gouverneur der Provinz bitten, das schwierige Werk in die Hand zu nehmen. Yorck zeigte sich seiner ersten großen Tat würdig und nahm die ihm auferlegten neuen Verpflichtungen voll auf seine Schultern. »Als treuester Untertan des Königs und kraft der ihm erteilten Gewalt« forderte er zur kräftigen Verteidigung des Vaterlandes auf. Er schloß seine Proklamation mit dem Ausrufe: »Ich hoffe die Franzosen zu schlagen, wo ich sie finde, und rechne hierbei auf die kräftige Teilnahme aller Einwohner. Wäre die Übermacht zu groß, so werden wir alle ruhmvoll zu sterben wissen.«

Dies zündete und nun begann in der ganzen Provinz eine fieberhafte Tätigkeit. Die Vorbereitungen zur Aufstellung der Landwehr machten schnelle Fortschritte. Alle Tauglichen vom 18. bis 45. Lebensjahre waren zum Dienst in der Landwehr verpflichtet. Die Uniform und Ausrüstung lieferten die Gemeinden, Waffen und Munition der Staat. Außer der Landwehr-Infanterie wurde auf Betreiben Yorcks noch ein National-Kavallerieregiment von 1000 Pferden aufgestellt. Alles geschah in der Hoffnung auf nachträgliche Bestätigung durch den König in dessen Namen.

Während dieser energischen Tätigkeit in der Provinz Preußen hatten sich in den übrigen Teilen des Königreiches die Verhältnisse vollständig geändert. Plötzlich, natürlich nicht ohne sorgsame geheime Vorbereitungen, am 20. Januar, verließ der König mit dem Hofe und seinen Garden Potsdam, begab sich nach Breslau und hatte sich damit der französischen Machtsphäre entzogen. Noch konnte er sich aber nicht offen auf die Seite der Russen stellen, denn die überall im Lande zerstreuten Franzosen hätten alle nunmehr beabsichtigten Kriegsvorbereitungen sofort unterdrückt. In Breslau nahm er aber ohne Scheu den General von Scharnhorst, dessen franzosenfeindliche Gesinnungen allgemein bekannt waren, wieder als Quartiermeister an und nun begannen die Rüstungen in großem Maßstabe. Es gelang, die zukünftigen Gegner vollständig über deren Zweck zu täuschen. Befand sich doch im Staatsministerium selbst noch eine starke Partei, die im Aushalten mit den Franzosen eine glückliche Zukunft für Preußen sah, weil sie hoffte, Napoleon werde nunmehr Preußen groß und stark machen, um sich in diesem Lande einen Damm gegen Rußland zu errichten. Es gelang sogar, den König schwankend zu machen, da sich die Freundschaft des russischen Kaisers schon beim Frieden zu Tilsit 1807 sehr wertlos erwiesen hatte und man nicht wußte, wie er sich nunmehr verhalten würde. Da war es der Minister von Stein, dessen Überredung die Entscheidung zugunsten des Anschlusses an Rußland lenkte, und die in diesen Tagen aus Ostpreußen eintreffenden Nachrichten gaben den Ausschlag. Wenn eine Provinz sich erbot, auf eigene Kosten 30 000 Landwehrmänner zum Kampfe freiwillig gegen Frankreich zu stellen, durfte man da nicht mit Recht auf gleiche Anstrengungen der anderen Provinzen für diesen Zweck rechnen, wenn man sie dazu aufforderte? Man tat es und hatte sich nicht getäuscht. Am 27. Februar 1813 wurde der Vertrag über das Bündnis zwischen Rußland und Preußen zu Kalisch von den Ministern Kutusoff und Hardenberg unterzeichnet, vorläufig aber noch geheim gehalten. Demgemäß sollte Rußland 150 000, Preußen 80 000 Mann zum Kriege gegen Frankreich ins Feld stellen. Man erreichte später weit mehr. Während dieser Zeit waren die Rüstungen, scheinbar gegen Rußland, fortgesetzt worden. Vor allem erteilte der König den Maßregeln in der Provinz Preußen seine Bestätigung. Von der Entsetzung Yorcks war keine Rede mehr.

Zunächst wurde jedes Linienbataillon auf die Stärke von 801 Mann, jede Schwadron auf 150 Pferde gebracht. Dann folgte die Anordnung über die Aufstellung von 52 gleich starken Reservebataillonen. Dazu war Geld nötig. In den Kassen des Staates fand sich aber nichts mehr vor. Es mußte also dem Lande die Verpflichtung auferlegt werden, sämtliche neu zu errichtende Truppen zu bekleiden, mit Ausnahme der Waffen auch auszurüsten und alle Remonte- und Artilleriepferde ohne Bezahlung zu stellen. Ferner wurde überall die Naturalverpflegung der Mannschaften vom Feldwebel abwärts durch die Quartierwirte angeordnet und dadurch der Sold der Truppen fast ganz erspart. Waren dies schon große, besonders für die damalige Zeit außerordentliche Opfer, es sollten noch gewaltigere folgen. Der 3. Februar brachte die Aufforderung zur Bildung freiwilliger Jägerkorps. Darin hieß es: »Die eingetretene gefahrvolle Lage des Staates erfordert eine schnelle Vermehrung der vorhandenen Truppen, während die Finanzverhältnisse keinen großen Kostenaufwand verstatten. Bei der Vaterlandsliebe und der treuen Anhänglichkeit an den König bedarf es nur einer schicklichen Gelegenheit, diesem Gefühl und dem Durste nach Tätigkeit eine bestimmte Richtung anzuweisen, um durch sie die Reihen der älteren Verteidiger des Vaterlandes zu verstärken und mit denselben zu wetteifern. In dieser Hinsicht hat der König die Bildung von Jägerabteilungen befohlen, um besonders diejenigen Klassen von Staatsbewohnern, welche nach den bisherigen Gesetzen vom Dienste befreit und wohlhabend genug sind, sich selbst zu bekleiden und beritten zu machen, in einer ihrer Erziehung angemessenen Form zum Kriegsdienst aufzufordern und um dadurch solchen jungen Männern Gelegenheit zur Auszeichnung zu geben, die durch ihre Bildung und Intelligenz sogleich ohne vorherige Dressur gute Dienste leisten und demnächst geschickte Offiziere und Unteroffiziere abgeben können.«

Mächtig ergriff dieser vom Minister von Hardenberg Unterzeichnete Aufruf die Herzen aller warm und begeistert für ihr Vaterland fühlenden Jünglinge.

In politischer Beziehung geschah aber noch immer kein entscheidender öffentlicher Schritt. Die Franzosen im Lande gaben sich nach wie vor der Hoffnung hin, Preußen rüste als ihr Bundesgenosse gegen Rußland. Daß sich diese Meinung so lange erhalten konnte, lag vielfach in der Unkenntnis der deutschen Sprache seitens der Franzosen, in ihrer anmaßenden Selbstüberschätzung, welche sie verhinderte, genaue Untersuchungen anzustellen, und in der treuen Vaterlandsliebe der Preußen, die bewirkte, daß kein Verräter den Franzosen darüber klaren Wein einschenkte, was schließlich doch nur ein öffentliches Geheimnis war.

Da plötzlich, am 16. März, begann es allgemein zu tagen. Preußen hatte an Frankreich den Krieg erklärt! Am 17. März erschien der Aufruf: » An mein Volk!« Zum ersten Male wandte sich ein preußischer König unmittelbar an seine getreuen Untertanen. Frei von allem damals so schwerfälligen Geschäftsstil, nicht in Form eines Befehles, nicht durch Beschönigungen und Umschreibungen, unwahr und schwerverständlich, sondern kurz, offen, klar und wahr teilte der Monarch seinem Volke mit, um was es sich handelte und was von ihm verlangt wurde. »Brandenburger, Preußen, Schlesier, Pommern, Litauer! Ihr wißt, was Ihr seit sieben Jahren erduldet habt; Ihr wißt, was Euer trauriges Los ist, wenn wir den beginnenden Kampf nicht ehrenvoll enden! – Es gibt keinen anderen Ausweg als einen ehrenvollen Frieden oder einen ruhmvollen Untergang.«

So stand es geschrieben und so begriff es das Volk und

»Der König rief und alle, alle kamen.«

Es geschah, was die Welt in Erstaunen setzte, was der Dichter sang:

»Das Volk stand auf, der Sturm brach los.«

Wir Männer von 1870/71 haben auch erlebt, was es um das Wort »Begeisterung« sagen will; auch wir sind mit ganzer Seele, freudig und stolz in den großen Krieg gezogen, auch wir haben den Franzmann geschlagen und wieder geschlagen, bis er ohnmächtig zu Boden lag und um Frieden nachsuchte.

Wenn man aber liest, wie es damals 1813 in dem kleinen, niedergeschmetterten, sieben Jahre lang in jeder Art ausgesogenen und vergewaltigten Preußen zuging, wenn wir erkennen, wie in jener Zeit jeder Parteiunterschied, jeder Privatstreit verschwand, wie sogar der persönliche Haß zurückgedrängt wurde, alles, alles nur um die letzte Geistes-, Körper- und Geldkraft dem Vaterland opfern zu können, dann müssen wir doch eingestehen, daß wir solche Tage nicht gesehen haben. Das Preußen des Frühjahrs von 1813 steht in Beziehung auf Bekundung von Vaterlandsliebe seit Jahrtausenden unerreicht da.

Am gleichen Tage, am 17. März, erschien, eingeleitet durch die Worte: »Meine Sache ist die Sache meines Volkes« die Verordnung über die Bildung der Landwehr und des Landsturms, sowie jene über die Stiftung des eisernen Kreuzes.

Es ist nicht möglich, die Wirkung zu beschreiben, welche die Königlichen Erlasse im ganzen Lande hervorbrachten. Da war keiner, den es nicht bis im tiefsten Innern mächtig erfaßte, keiner, der nicht bereit war, Gut und Blut an die Sache des Königs, an die Sache des Vaterlandes zu wenden, um Preußen endlich wieder frei zu machen von den verhaßten Unterdrückern, an denen ja fast jeder außer der politischen Schmach noch eigene Beleidigungen, eigene Verluste zu rächen hatte. Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen bemühten sich gleichmäßig, jedes in seiner Art, zum Heile des Ganzen mitzuwirken. Vor allem strömte die männliche Jugend zu den freiwilligen Jägerkorps herbei. Der Verordnung gemäß sollten allen Linienregimentern solche Jägerabteilungen zugeteilt werden. Bald war der Zudrang so gewachsen, daß man sogar bei den Reservetruppen Jägerabteilungen aufstellen mußte. Jünglinge von 16 und Männer von 50 Jahren standen hier nebeneinander; die Universitäten wurden geschlossen, denn Professoren und Studenten dienten bei den Jägern; der hohe Beamte, der Prinz, der Bürgersohn marschierten Schulter an Schulter; der Bauer verließ den Pflug, der Handwerker die Werkstatt, der Kaufmann das Geschäft und ergriff die Wehr; sogar Frauen und Mädchen (Prochaska, Krüger, Petersen, Sawosch usw.) verkleideten sich als Männer, dienten mit der Waffe und erwarben sich später das eiserne Kreuz. So kamen bald über 7000 Jäger zu Fuß und 3000 zu Pferd zusammen. Freilich wirkte auch alles mit, die allgemeine Begeisterung fortwährend zu heben und auf ihrer Höhe zu erhalten. Theodor Körner, Friedrich Rückert, Ernst Moritz Arndt und andere Dichter jener Zeit trafen zündend die Herzen von Jung und Alt! Ersterem verdankt zum großen Teile die Lützowsche Freischar ihren raschen Aufschwung. Brachte doch sein Aufruf auf einmal 500 sächsische Freiwillige zur »Schwarzen Schar«. Keinen Vater, keine Mutter, keine Braut gab es damals, die ihren Herzen gefolgt wären und die Ihrigen bei sich zurückbehalten hätten. Alle waren stolz, den Liebling bei der Armee, im Kampfe für das Vaterland zu wissen.

Es genügte aber nicht, Menschenmassen aufzustellen. Sie mußten auch bekleidet, bewaffnet und ernährt werden. Dazu war Geld nötig, viel Geld und der Staat hatte keines mehr. Also hieß es auch hier, das Land, das Volk muß helfen. Zuerst sammelte man Geld. Es kam über Erwarten reichlich. Allein viele hatten kein Geld und wollten doch auch beisteuern. Sie hörten, daß jetzt, wo das Bestehen des Staates nur durch ganz außerordentliche Anstrengungen erhalten werden konnte, jedes Opfer Wert habe. Nun wurden Pferde, Vieh, Getreide, Fourage, ungemünztes Silber, Waffen, Tuch, Eisen, Stiefel, Schuhe, Leder, Strümpfe usw. eingereicht, angenommen und für die Armee und den Staat verwendet. Arme Leute, welche selbst dies nicht geben konnten, leisteten unentgeltliche Arbeiten, Fuhren etc., um nur etwas zum Wohle des Vaterlandes mitzuwirken. Dieser Opfermut, dieser wahre Drang zum Geben war nicht vorübergehend, sondern hielt an und noch im Spätherbste 1813 bringen die Zeitungen lange Verzeichnisse von Geld und Naturalspenden, besonders von Lazarettbedürfnissen und Lagerzeuge.

Mit Ruhm bedeckten sich in jener Zeit auch die preußischen Frauen und Jungfrauen. Die Prinzessin Wilhelm, geborne Prinzeß Marianne von Hessen-Homburg, gründete am 23. März einen »Frauenverein zum Wohl des Vaterlandes.« Dieser sammelte Geld und Schmuck und lieferte alles an den Staat ab. Dann wurden Lazarettbedürfnisse angefertigt und schließlich Verwundete und Kranke gepflegt und geheilt. Viele, viele Frauen aus allen Gegenden des Landes gaben ihre Trauringe her, um Goldmünzen daraus zu prägen. Sie erhielten dafür einen Eisenring mit der Inschrift: »Gold gab ich her für Eisen 1813.« So kamen mehrere Tausend goldener Ringe zusammen. Und was haben die damaligen Frauen und Mädchen an Arbeiten für die Armee geleistet! Aus allen Ständen von der Fürstin bis zur Bäuerin nähten sie Uniformstücke, Hosen, Mäntel, Hemden, strickten Strümpfe, zupften Charpie und anderes mehr. Später bewiesen sie in den Lazaretten und Krankenhäusern eine beispiellose Ausdauer und Aufopferung.

Auf solche Weise rüstete sich Preußen zum Kriege gegen Napoleon, zum Kampfe um seine Befreiung, zur Wiedererlangung seiner Unabhängigkeit. Was geleistet wurde, beweisen am besten Zahlen. Das kleine so furchtbar mitgenommene Land von 4½ Millionen Einwohnern stellte vom Februar bis Sommer 1813 auf:

Linientruppen 55 000 Mann
Reserve-Bataillone 41 600 "
Freiwillige Jägerkorps 10 000 "
Lützow'sches Freikorps zu Pferd 1 650 "
Landwehr (149 Bataillone und 124 Schwadronen),
teilweise noch unbewaffnet
140 000 "
Freischaren aus Ausländern 5 000 "
  ________  
  253 250 Mann.

Ununterbrochen hatten Yorck, der General von Bülow, dem die Aufgabe oblag, alle in der Provinz Preußen einzeln verstreuten Truppen zu einem Korps zusammenzubringen, und der mit der Bildung von Reservebataillonen betraute Oberst von Thümen sich bemüht, ihre Korps zu verstärken, vollkommen kriegstüchtig auszurüsten und der Begegnung sowohl mit russischen als auch französischen Truppen zu entziehen. Dabei kamen mancherlei interessante Szenen vor. So marschierte das Depotbataillon Schutter während des Gefechtes von Kammin geschlossen zwischen Russen und Franzosen durch, ohne sich einer der streitenden Parteien anzuschließen, aber auch ohne Verluste zu erleiden.

Die Russen waren unter Wittgenstein unaufhörlich in Preußen vorgedrungen. Die Franzosen rafften unter dem Marschall Augereau in Berlin zusammen, was sie konnten, brachten es aber nur auf 10 000 Mann. Der Vizekönig Eugen von Italien, der, nachdem Murat das Heer verlassen hatte, den Oberbefehl über die Reste der französischen Armee übernahm, hielt sich nicht für stark genug, Widerstand zu leisten, und befahl den Rückmarsch bis hinter die Elbe. Am 4. März morgens verließen die Franzosen Berlin; Kosaken schwärmten vor den Toren. Am gleichen Tage noch zogen die russischen leichten Reiter des Generals Tschernitscheff in Preußens Hauptstadt ein.

In dieser Zeit waren auch die preußischen Truppen nicht müßig stehen geblieben. In Colberg war dessen einstiger heldenmütiger Verteidiger, Oberst von Gneisenau, der in den letzten Jahren in England gelebt hatte, eingetroffen, hatte den dortigen Kommandeur, den General von Borstell, zum Abmarsche gegen Berlin veranlaßt und war selbst nach Breslau zum König geeilt. Nach dem Abschluß des Bündnisses mit den Russen war kein Grund mehr vorhanden, Yorck zu verleugnen. Er wurde wieder in seine Stellung eingesetzt und ihm über Bülow und Borstell der Oberbefehl übertragen. Nun brachte er alle Truppen in Bewegung und marschierte hinter den Russen her nach Berlin. Am 17. März traf er daselbst ein. Prinz Heinrich von Preußen, General Fürst Wittgenstein, die anwesenden preußischen Generale, Offiziere und Jäger zu Pferd, sowie eine zahllose Volksmenge zogen ihm entgegen; sein und seiner Truppen Einmarsch war ein Festtag, wie ihn Berlin lange nicht mehr erlebt hatte. Nachdem Jahre hindurch hier die Franzosen und zuletzt auch noch die Russen wie die Herren geschaltet hatten, gehorchte Preußens Hauptstadt jetzt endlich wieder preußischen Truppen, die nun in der Stärke von 21 000 Mann hier standen. Abends im Theater wurde Yorck auf das begeistertste begrüßt und die ganze Stadt erstrahlte in einem Lichtmeer. Die Freude erreichte ihren Höhepunkt, als in denselben Tagen in Berlin die Kunde von dem Abschluß des Bündnisses von Kalisch mit Rußland, die Aufrufe »An mein Volk« und »An mein Kriegsheer«, die Verordnungen über Errichtung der Landwehr und Stiftung des eisernen Kreuzes und die Bekanntmachung der Kriegserklärung an Frankreich eintrafen.

Welch eine Begeisterung, welch ein Jubel durchbrauste nun die Hauptstadt! Die Opferwilligkeit und Tatkraft des preußischen Volkes waren jetzt zur höchsten Höhe erhoben, und bald sollte die Welt erfahren, was selbst eine noch so schwache Nation, wie es die preußische damals war, zu leisten imstande ist, wenn sie entschlossen ein großes Ziel einmütig und überzeugt verfolgt.

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