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Die Befreiungskriege 1813 bis 1815

Carl Tanera: Die Befreiungskriege 1813 bis 1815 - Kapitel 23
Quellenangabe
typetractate
authorCarl Tanera
titleDie Befreiungskriege 1813 bis 1815
publisherZweiter, unveränderter Abdruck Fünftes bis neuntes Tausend
printrunC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck
editorK. Frhr. v. Lupin Oberstleutnant
year1913
illustratorErnst Zimmer
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160616
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21.
Die Schlacht von Belle-Alliance bis abends fünf Uhr

Der alte Marschall »Vorwärts« fühlte sich am Morgen des 17. Juni am ganzen Körper sehr zerschlagen und vermochte kaum zu gehen. Allein geistig war er munter und unverzagt und gab sich der festen Hoffnung hin, seine Schmerzen so weit beherrschen zu können, daß er allen gerade jetzt sehr hohen Reitanforderungen zu entsprechen vermochte. »Eh' ich den Befehl aufgebe,« meinte er, »will ich mich lieber auf dem Pferde anbinden lassen.«

Nachdem er und die verschiedenen vorüberziehenden Generale aus einem Pferdeeimer Warmbier gefrühstückt hatten, ließ er sich – es gab dabei manches Donnerwetter – in den Sattel heben und ritt los nach Wavre. Gneisenau blieb an seiner Seite. Zu diesem sprach er seine Ansicht über die Schlacht von Ligny in nachstehenden Worten aus: »Haben Schläge gekriegt, müssen die Scharte wieder auswetzen, Gott verdamm mir! Ist uns ja jetzt auch der Schwerenöter, der Bülow, zur Hand. Wollen aber von wegen seiner Verspätung nicht mit ihm rechten. Ist keine Zeit dazu. Kann dem besten Kriegsmann so was passieren. Läßt sich Zeit und Raum nicht immer genau berechnen. Ist das auch nicht meine starke Seite, Gott straf mir!«

Welch kühnen Mut besaß der ritterliche Greis, der am Tage nach der verlorenen Schlacht, selbst noch gepeinigt von körperlichen Schmerzen, infolge seines in dem Kampfe stattgehabten Sturzes, an nichts anderes dachte, als: »Müssen die Scharte wieder auswetzen!« Diesen Geist pflanzte er aber auch seinen Truppen ein. Beim Vorüberreiten an den Abteilungen rief er ihnen zu: »Ich werde euch wieder vorwärts gegen den Feind führen und wir werden ihn schlagen, denn wir müssen

»Wir müssen die Scharte wieder auswetzen!« Ausgedrückt haben es jene Preußen von 1815 auf die verschiedenste Art. Am bezeichnendsten ist aber wohl der Ruf jenes Märkers, den sein Hauptmann fast mit Gewalt aus dem Dorfe Ligny zum Rückzug herausholen mußte, als er drohend die Faust gegen die Franzosen ballte und ihnen mehrmals in vollster Wut entgegenschrie: »Ut is det noch nich. Ne et is noch nich ut!«

Der Rückzug selbst war dank der umsichtigen Tätigkeit Gneisenaus und des ganzen Stabes meisterhaft ausgeführt worden. Im Laufe des 17. trafen alle vier Korps in und um Wavre ein. Auch die Munitionskolonnen konnten herangezogen und die Munition der Infanterie und Artillerie ergänzt werden.

Als der Herzog von Wellington den Ausgang der Schlacht von Ligny erfahren, entspann sich folgender Verkehr. Zuerst schickte der englische Feldherr einen Adjutanten des Generals von Müffling, welch letzterer sich als preußischer Kommissär im englischen Hauptquartier befand, zu Blücher und ließ diesem sagen, »er (der Herzog) wäre bereit, in der Stellung von Quatrebras zu bleiben und eine Schlacht heute (am 17.) anzunehmen, wenn das preußische Heer heute wieder vorrücken könne. Sollte dies indessen nicht möglich sein, so würde er sich in die Position von Mont St. Jean zurückziehen und daselbst eine Schlacht annehmen, wenn auch nur ein preußisches Korps zu seiner Unterstützung gewährt würde.«

Während der Adjutant Müfflings zum preußischen Oberbefehlshaber ritt, traf ein solcher von Blücher im englischen Hauptquartier ein. Derselbe frug im Namen seines Marschalls, »ob der Herzog von Wellington Napoleon angreifen wolle, wenn Blücher sich mit allem, was er habe, mit ihm vereinige?« Darauf erklärte Wellington: »Der gestrige Tag hat in meiner Ansicht zu einer vereinten Offensive nichts geändert. Ich gehe in mein Lager von Mont St. Jean zurück, und wenn ich dort mit einem (oder zwei – die Berichte gehen darüber auseinander) preußischen Korps unterstützt werde, so nehme ich morgen eine Defensivschlacht an. Kann ich diese Unterstützung nicht erhalten und führt Napoleon alles, was er hat, gegen mich, so kann ich die Schlacht nicht annehmen, sondern müßte auf Brüssel zurückgehen.«

Nachdem Wellington mündlich diesen Bescheid gegeben, traten die Engländer den uns schon bekannten Rückzug von Quatrebras bis Mont St. Jean an.

Unterdessen war Müfflings Adjutant im preußischen Hauptquartier angekommen. Die Generale von Gneisenau und von Grolmann ritten außerhalb bei den Truppen umher, der greise Feldmarschall hatte sich soeben sehr ermattet hingelegt und schlief. Graf Nostitz bedeutete dem Adjutanten, Leutnant Wucherer, daß er den Fürsten nicht sprechen könne. Jetzt teilte Wucherer dem Grafen Nostitz seinen Auftrag mit und fügte bei, daß ihm große Eile empfohlen sei. Daraufhin entschloß sich der Graf, nun doch Blücher zu wecken.

Dieser frug zuerst nach Gneisenau und Grolmann. Als er hörte, sie seien abwesend, rief er: »Ich weiß, ich weiß. Lassen Sie dem Herzog sagen, heute könnte ich nicht wieder vorkommen, morgen aber komme ich mit dem frischen Korps (Bülow) und den andern!«

Mit diesem Bescheid ritt Leutnant Wucherer zurück und fand Blüchers Adjutanten, den Leutnant von Massow, noch bei Wellington. Durch Massow schickte nun der englische Oberbefehlshaber die schriftliche Erklärung an Blücher, »er wolle in der Stellung von Mont St. Jean eine Schlacht annehmen, im Falle das preußische Heer ihm mit zwei Korps zu Hilfe kommen könne«.

Blücher schrieb ihm umgehend, ohne die Rückkehr Gneisenaus und Grolmanns abzuwarten: »Ich werde nicht allein mit zwei Korps, sondern mit der ganzen Armee, jedoch nur unter der Bedingung kommen, daß, wenn die Franzosen uns nicht am 18. angreifen, wir sie den 19. selbst angreifen!«

Wenn man diese Handlungsweise des preußischen Feldmarschalls betrachtet, so muß man ob der Seelengröße dieses Helden wirklich erstaunen. Zerquetscht und zerschlagen, todmüde, in einem Alter von 73 Jahren, wo man kühne Entschlüsse nicht mehr so leicht faßt, zwingt Blücher nach einer verlorenen Schlacht den verhältnismäßig jungen, 46 Jahre alten englischen Feldherrn durch sein entschiedenes und kühnes Auftreten, sich dem gefürchteten Feinde so lange, bis seine Preußen eingreifen können, gegenüberzustellen und erreicht dadurch den großartigsten Sieg.

Das Feld, auf dem sich die so folgenreiche Schlacht abspielen sollte, kennzeichnet sich durch zwei nebeneinanderlaufende Höhenzüge, deren Ränder durch eine etwa 1500 Meter breite Mulde voneinander getrennt sind. Der nördliche, von der verbündeten Armee besetzte überragte den südlichen, so daß man von jenem alles, was sich auf diesem befand, umgekehrt von diesem dagegen nur die Truppen bemerken konnte, welche im ersten Treffen standen. Ferner lagen vor ersterem teils noch auf dem Abhange, teils in der Tiefe der Mulde verschiedene zur Verteidigung geeignete größere Anwesen, und zwar vor dem rechten Flügel der Stellung das Schloß Hougomont, vor der Mitte der ausgedehnte Pachthof la Haye Sainte, und vor dem linken Flügel die kleineren Pachthöfe Papelotte, la Haye, Smohain und Frichermont. Auf den Höhen selbst, genau in der Mitte der beiderseitigen Stellungen, befand sich bei den Engländern das Dorf Mont St. Jean, bei den Franzosen das Wirtshaus la Belle-Alliance.

Waterloo, durch welchen Namen die Engländer die Schlacht verewigt haben, liegt gar nicht auf dem Schlachtfelde, sondern etwas über vier Kilometer nördlich desselben. Der Weiler bildete in diesen Tagen den Unterkunftsort Wellingtons und gelangte wohl aus diesem Grunde zu der unverdienten Ehre, der Schlacht den Namen gegeben zu haben.

Die Stellung der verbündeten Armee war wieder eine unnötiger Weise ausgedehnte. Der englische Feldherr bildete sich ein, Napoleon werde seinen rechten Flügel umgehen. Aus diesem Grunde entsendete er über 14 000 Mann nach rechts und zwar nach Hal auf der Straße von Brüssel nach Mons. Diese Truppen kamen natürlicher Weise beim Kampfe des 18. Juni gar nicht in Betracht. Außerdem schickte er in die rechte Flanke der Hauptstellung nach Braine l'Alleud und nach Merbe-Braine je eine niederländische und eine englische Division. Auch der rechte Flügel der Hauptstellung auf dem Höhenrande vorwärts Mont St. Jean war sehr stark bedacht. Er stand unter Lord Hill. Die Mitte unter dem Prinzen Wilhelm von Oranien bildete den schwächsten Teil der ganzen Linie. Der linke Flügel unter General Picton wies wieder größere Truppenmassen auf. Sämtliche vorliegende oben genannte Pachthöfe hatte man mit entsprechenden Besatzungen versehen und durch Befestigungsanlagen, wie Schießlöcher, Auftritte für die Schützen usw. für eine zähe Verteidigung eingerichtet, außerdem die Anmarschstraße durch einen Schleppverhau gesperrt. Es standen in der Hauptstellung im ganzen 67 600 Verbündete, darunter 12 400 Reiter und 156 Geschütze.

In der Nacht zum 18. Juni regnete es ununterbrochen. Den Verbündeten schadete dies weniger, da sie sich die Lagerplätze bei Beginn des schlechten Wetters schon eingerichtet hatten, überdies Stroh und Holz in hinreichendem Maße vorfanden. Die Franzosen bei Belle-Alliance und die Preußen bei Wawre litten aber in ihren Biwaks sehr. Die Preußen z. B. legten sich nachts todmüde in Ackerfurchen und fanden sich am andern Morgen in einen wahren Lehmpanzer eingehüllt, weil ihnen während des Schlafes das Lehmwasser überall eingedrungen und dann verdunstet war.

Napoleon versammelte am 18. Juni um acht Uhr seine Generale um sich. Es war ein Sonntag. Der Kaiser hegte den besten Mut. Die Verbündeten standen noch in der gleichen Stellung wie am Abend zuvor, das Wetter hatte sich so gebessert, daß die erkundenden Artillerieoffiziere meldeten, von neun Uhr an glaubten sie über die Felder fahren zu können, und Marschall Grouchy stieß bei der Verfolgung der Preußen wahrscheinlich auf keinerlei Schwierigkeiten, sonst hätte er sicher Meldung hierüber geschickt. Da man also wegen der letzteren keine Besorgnis zu hegen brauchte und die Verbündeten gewiß die Schlacht annehmen zu wollen schienen, so war ja nach der Ansicht des Kaisers kein Grund zur Eile vorhanden. Deshalb beschloß er, den Kampf erst gegen Mittag zu beginnen und vorher seine Truppen zu besichtigen.

72 000 Franzosen, darunter 15 700 Reiter und 246 Geschütze standen hier vor ihrem Kaiser versammelt. Der Regen hatte aufgehört, die Waffen blitzten, die Musikkapellen schmetterten Fanfaren durch die Luft, die Trommeln wirbelten, und als der kleine Mann in dem unscheinbaren grauen Mantel auf dem großen Schimmel zu den Regimentern heranritt, da erklang es mit stürmischer Begeisterung: » Vive l'empereur, vive l'empereur!«

Nach dieser Parade marschierte die Armee in Schlachtordnung auf. Napoleon zeigte sich in hohem Maße zuversichtlich.

»Wir haben neunzig Möglichkeiten für uns und keine zehn gegen uns.« So meinte er zu seinen versammelten Generalen und befahl nun das Vorrücken zum Angriff.

Um einhalb zwölf Uhr begann die Schlacht.

Infolge der eigentümlichen Gestaltung des Schlachtfeldes konnte man auf beiden Seiten die Maßnahmen des Gegners einsehen. Besonders die Verbündeten vermochten jeden einzelnen Mann des Angreifers zu beobachten. Drei Stunden hatte man schon dem Treiben der Franzosen zugesehen, ihre laute Begeisterung beim Empfang des Kaisers, ihren Gesang, ihre Fanfaren gehört und ihre Bewegungen erkannt. Kalt und aufmerksam nahmen der Herzog von Wellington und sein Stab, mit einer gewissen Neugierde seine Truppen diese Anstalten des Gegners wahr. Sie erwarteten mit aller Ruhe den Angriff und konnten es auch, denn sie wußten, die Preußen würden sie keinesfalls im Stiche lassen.

Auch Napoleon beobachtete mit größter Aufmerksamkeit die Anmärsche seiner Gegner und das Verhalten der Verbündeten. Infolge heftiger Hämorrhoidalschmerzen mußte er vom Pferde steigen. Man brachte einen Tisch und Stuhl und stellte beide auf eine Strohschicht. Der Kaiser setzte sich, breitete Karten vor sich aus und studierte das Schlachtfeld. Noch immer hatte er das vollste Vertrauen auf seinen Sieg, denn vom Marschall Grouchy war noch nichts vom Anmarsche der Preußen, wohl aber von deren Rückzug über Sauvenière und Sart-lez-Walhain, in der Richtung auf Hannut und Lüttich gemeldet worden. Übrigens wurde dem Marschall der Befehl geschickt, sich schleunigst an die Armee heranzuziehen und sich gegen das nach den Aussagen der Landleute bei Wawre erschienene preußische Korps zu wenden. Wenn auch nach Napoleons Ansicht nicht mit Blücher, so hatte man doch mit der Möglichkeit zu rechnen, daß Bülow mit seinem Korps von Lüttich unterwegs sei; für wahrscheinlich hielt auch dieses Napoleon nicht.

Das ganze französische Korps von Reille rückte zunächst in drei mächtigen Staffeln gegen Schloß Hougomont vor. Gleich darauf eröffneten achtzig schwere Geschütze, welche um Belle-Alliance standen, zur Vorbereitung des Angriffes auf die Mitte der Verbündeten ein gewaltiges Feuer, und bald darauf setzte sich das Korps d'Erlon gegen die Mitte und den linken feindlichen Flügel in Bewegung.

Anfangs etwas ungeschickt, dann um so gewandter griff die französische Division von Jérôme Bonaparte den Erlenbusch von Hougomont an. Der Kampf war hart, aber er führte zum Siege, die Franzosen drangen in den Busch ein. Nun brachten die Obersten Hepborn und Woodfort ihre Coldstream-Garden in das Gefecht. Es gelang diesen, den Feind wieder aus den Gärten zu vertreiben, jedoch nur auf kurze Zeit. Neue französische Sturmkolonnen kamen heran und bald sahen sich die in Hougomont kämpfenden Nassauer, Hannoveraner und Engländer wieder auf die Verteidigung des Schlosses, der Gebäude und des Gartens von Hougomont beschränkt. Trotz des immer mächtiger werdenden französischen Geschützfeuers hielten sich aber die Verbündeten mit äußerster Zähigkeit, so daß die Angreifer nirgends eindringen konnten.

Wellington hatte dies alles wohl beobachtet und zugleich bemerkt, daß der Feind keinerlei Versuche gegen den rechten Flügel unternahm. Dagegen überzeugte er sich, daß das Korps d'Erlon gegen seine Mitte vorgehe. Schleunigst zog er nun das braunschweigische Korps sowie die englische Brigade Mitchel von Braine l'Alleud heran. Sie kamen gerade rechtzeitig, denn nunmehr hatte sich Ney in Bewegung gesetzt. Der Marschall befehligte das ganze erste Treffen und ließ unter dem Schutze der großen Batterie bei Belle-Alliance die Divisionen des d'Erlonschen Korps, sowie die Reiterdivisionen von Jacquinot gegen die Pachthöfe vor der Mitte und dem linken Flügel der Verbündeten vorrücken. Die englischen Geschütze auf dem Höhenrand schleuderten Massen von Eisen den Sturmkolonnen entgegen, aus den durchlöcherten Mauern der Pachthöfe knatterte das Gewehrfeuer gegen sie, aber sie blieben im Marsch, in kurzem war auf der ganzen Linie die Schlacht in all ihrer Furchtbarkeit entwickelt.

Es mochte etwa ein Uhr nachmittags geschlagen haben. Hinter der Mitte seiner tapfer anstürmenden Truppen auf der Höhe bei Belle-Alliance saß immer noch der französische Kaiser und beobachtete. Plötzlich wandte er sein Fernglas nord- und ostwärts und blickte angestrengt auf die dortigen Höhenzüge. Auch seine Begleiter richteten ihre Gläser nach jener Gegend. Sie entdeckten nichts, denn sie verstanden nicht so scharf zu beobachten wie ihr schlachterfahrener Meister. Es war nur Vorsicht gewesen, was diesen veranlaßte dorthin zu schauen. Was er aber entdeckte, versetzte ihn in keine geringe Aufregung. Da, wo der weiße Kirchturm von St. Lambert erglänzte, freilich noch neun bis zehn Kilometer entfernt, schoben sich dichte Truppenkolonnen heran. Wer konnte das sein? Grouchy? Besten Falles war kaum denkbar, daß er schon so nahe sei. Oder gar –? Er wagte kaum weiter zu denken. Die Massen schienen sich immer mehr anzuhäufen. Jetzt stand er auf und gab so leise, daß kein Dritter hörte, um was es sich handelte, dem Generaladjutanten Bernard einen Befehl. Dieser setzte sich zu Pferde und sprengte mit verhängtem Zügel in östlicher Richtung davon.

Ununterbrochen ging unterdessen der Angriff der vier ungeheueren Sturmkolonnen d'Erlons weiter. Das Geschützfeuer heulte, wildes Schreien erfüllte die Luft, Hunderte lagen schon niedergeschmettert auf der feucht-schlüpfrigen Erde und röteten sie mit ihrem Blute. Alles dieses sah der Kaiser und doch sah er es nicht. Seine Gedanken flogen immer wieder ostwärts, und immer wieder richtete er sein Glas dorthin gegen St. Lambert, wo unaufhörlich neue Massen auftauchten und näher, unheimlich näher kamen. Auch die Offiziere des kaiserlichen Stabes hatten jetzt dieselben bemerkt.

Endlich, es waren kaum dreiviertel Stunden vergangen, kam der entsendete Adjutant auf schweißtriefendem, fast atemlosen Pferde zurückgejagt. Napoleon ging ihm entgegen, um seine Meldung allein zu empfangen.

» Sire, ce sont les Prussiens!«

Gedankenvoll erwiderte der Kaiser: »Ich ahnte es.«

Dann aber richtete er sich auf, wandte sich zu der großen Versammlung seines Stabes zurück und rief, mit erhobener Stirne sich umsehend: » Voici Messieurs, Grouchy qui nous arrive!«

Was er wohl dachte, als er diese gewaltige Lüge aussprach? Er spielte eben va banque; er wollte die Armee täuschen; sie sollte den Anmarsch der Preußen erst erfahren, wenn sie die Engländer besiegt.

Damit ging es aber nicht so schnell. Brav und todesmutig rückten die Divisionen trotz des verheerenden Granat- und Kartätschfeuers der Verbündeten vor. Allein ebenso brav und todesmutig hielten letztere das mächtige Feuer der französischen Geschütze aus und erwarteten standhaft das Herankommen der Sturmsäulen der Franzosen. Am schwierigsten vollzog sich der Anmarsch der Division Douzelot zwischen der Chaussee und dem Pachthofe Smohain. Bei dieser Kolonne befand sich General d'Erlon selbst. Sie geriet nach und nach in das Feuer von sechs hinter Hecken aufgestellten Bataillonen, ertrug aber auch dieses, erstieg trotz des nassen glatten Bodens den Abhang und drang auf die niederländische Division Perponcher ein. Deren Brigade Bylandt wurde vollständig geworfen. Nun stürmten durch diesen Erfolg aufgemuntert die Franzosen heftig hinter den Weichenden nach. Die englische Brigade Kempt warf sich ihnen entgegen. Aber auch sie wurde mit Ungestüm angegriffen, und bereits schien es, als ob auch sie erliegen sollte, da führte der General Picton zwei neue Bataillone heran, stürmte mit gefälltem Bajonett auf die Franzosen ein und gab der ganzen Linie der Verbündeten dadurch neuen Halt. Er selbst fand dabei den Heldentod, allein der Durchbruch der verbündeten Schlachtlinie ward verhütet. Als nun noch Lord Uxbridge den General Sir William Ponsonby mit einem schottischen, einem englischen und einem irischen Reiterregiment zur Attacke ansetzen und rücksichtslos einhauen ließ, da gerieten die Franzosen in Unordnung und mußten weichen. Den Schotten gelang es, eine feindliche Fahne zu erobern. Kaum sahen dies die englischen Reiter, so machten sie die heftigsten Anstrengungen und wirklich gelang es ihnen ebenfalls, ein Karree zu sprengen und dessen Fahne zu erbeuten. Unter den fortwährenden Attacken dieser Kavallerie und verfolgt durch das mit neuer Heftigkeit aufgenommene Feuer der Verbündeten, zog sich die Division Douzelot zurück. Die irischen Reiter saßen ihr fortwährend auf dem Nacken, brachen schließlich zwischen den französischen Kolonnen durch, stürzten sich auf die große Batterie bei Belle-Alliance und machten die Bedienung von etwa dreißig Geschützen nieder.

Damit war nicht nur der Sturm einer der französischen Divisionen vollständig abgewiesen worden, sondern der kühne und so erfolgreiche Reiterangriff erregte die größte Besorgnis Napoleons. Er ließ nun die Kavallerie-Division Milhaud vorrücken. Vom Platz aus stürzten sich zwei Kürassier-Brigaden und ein Lancier-Regiment auf die noch mit dem Wiedersammeln beschäftigten englischen Regimenter los. Vor solcher Übermacht mußten die tapferen Reiter weichen und übel genug zugerichtet kamen sie wieder bei den Ihrigen an. Auch deren Führer, General Ponsonby war getötet worden. Aber für den Erfolg des Tages war der große englische Reiterangriff, durch welchen der Durchbruch der Schlachtlinie der Verbündeten endgültig vereitelt wurde, nicht verloren. Die anderen französischen Divisionen waren ja nicht einmal soweit gekommen, wie die Division Douzelot. Die Division des Generals Durutte erstieg zwar den Höhenrand ebenfalls, zog sich aber, als sie die Division Douzelot weichen sah, auch zurück und geriet noch mit der Brigade des Prinzen von Weimar in ernste Kämpfe um die dem linken Flügel der Verbündeten vorliegenden Pachthöfe. Ganz ähnlich war es der Division Marcognet ergangen. Sie wurde nach verschiedenen Stürmen energisch abgewiesen.

Am günstigsten war noch der Kampf der Division Quiot verlaufen. Durch gewaltige Übermacht hatte dieselbe den Pachthof la Haye Sainte der deutschen Legion abgenommen und drang gegen die Mitte der Verbündeten vor. Wellington erkannte die drohende Gefahr und sandte das Bataillon Lüneburg dem Feinde entgegen. Es warf denselben auch aus dem Obstgarten von la Haye Sainte. Dann aber geriet es unter die Fäuste der Kürassiere des Generals Kellermann und diese spielten ihm böse mit. Die schneidigen Reiter stürzten sich hierauf gegen die vier anderen Bataillone der hannoverschen Brigade Kielmannsegge und hätten dieselben wohl auch arg zugerichtet, wären letzteren nicht rechtzeitig die englischen Gardereiter des Lords Somerset zu Hilfe gekommen. Nun entstanden noch verschiedene Kämpfe, in denen sich die französischen Kürassiere Kellermanns wiederholt auszeichneten. Schließlich aber mußte auch diese Sturmkolonne weichen, weil sie nach dem Rückzuge der drei anderen von allen Seiten von den Verbündeten gefaßt und dann erdrückt werden konnte.

Während dieser Angriffe des Korps d'Erlon hatte sich das Korps von Reille vergebens bemüht, das Schloß von Hougomont und den Abhang hinter demselben zu nehmen. Etwa um drei Uhr waren also die ersten großen Unternehmungen der Franzosen gegen die Stellung der Verbündeten gescheitert. Diese Kämpfe hatten ihnen 4000 Mann, 2 Fahnen und 15 Geschütze gekostet.

Aber die Zeit drängte. Mit furchtbarer Gewißheit sah Napoleon das im Osten und Nordosten drohende Verhängnis immer schrecklicher sich nahen. Verschiedene Aufklärungen, durch einen gefangenen preußischen Husaren und durch die jetzt fortwährend eintreffenden Meldungen der Kavallerie-Divisionen Domont und Subervic, welche zu spät zur Aufklärung in der Richtung auf Frichermont entsendet wurden, ließen nun für ihn selbst keinen Zweifel mehr übrig, daß es nicht Grouchy sei, der nahe, sondern die Preußen, und allmählich verbreitete sich die unheilvolle Nachricht bei der Armee.

Es war also keine Minute zu verlieren. Ein Rückzug hätte eine Niederlage durch die beiden feindlichen Armeen nur verzögert. Gelang es aber, die Engländer noch vor der Ankunft der Preußen über den Haufen zu werfen und dann letzteren mit aller Macht entgegenzutreten, so war noch nichts verloren, so konnte immer noch ein glänzender Sieg die freilich dann fast übermenschlichen Anstrengungen seiner tapferen Truppen belohnen.

Jetzt stand die englisch-deutsch-niederländische Schlachtordnung noch unerschüttert. Allein Napoleon hatte ja noch das ganze Korps von Lobau und seine Garden in Reserve. Etwa um fünf Uhr konnten die Preußen in den Kampf eingreifen. Also mußten vor fünf Uhr die Verbündeten geworfen sein.

Dichter, infolge der feuchten Witterung und der Nässe des Bodens auf der Erde liegenbleibender Pulverdampf bedeckte das ganze Schlachtfeld. Er verbarg nicht nur die schaurigen Szenen des Elendes, das der grausige Kampf mit sich brachte, sondern er gestattete Napoleon auch, seine Armee zu einem zweiten gewaltigen Ansturm auf die Stellung Wellingtons zu ordnen, ohne daß es der englische Feldherr sofort gewahr wurde.

Letzterer hatte bis jetzt Gelegenheit genug gehabt, das Fehlerhafte der Verteilung seiner Streitkräfte zu erkennen. Wenn jetzt die nach Hal entsendeten Truppen hier hinter seiner Mitte ständen! Dann könnte man mit größerer Ruhe den neuen, bald genug erkennbaren Angriffsmaßregeln der Franzosen entgegensehen. Der Befehl, sie herbeizuführen, war freilich abgeschickt worden; aber der Herzog wußte nur zu gut, sie konnten nicht kommen.

Wenn ihn nun gar Blücher so im Stiche ließ, wie er selbst jenen zwei Tage vorher bei Ligny im Stiche gelassen hatte! Das wäre fürchterlich! Aber es konnte nicht sein. Wenn Blücher sein Wort gibt, so hält er es auch. Und in der Tat hatte Wellington schon wiederholt Nachrichten empfangen über den Anmarsch der Preußen. »Ja, ja, um fünf Uhr konnten sie eingreifen. Also nur um jeden Preis aushalten, bis die Preußen kommen.« Seinen Leuten ließ er immer wieder durch die Generale und Offiziere bekannt geben, keiner dürfe von der Stelle weichen, sie müßten auf ihren Posten aushalten. So sprach der eiserne Herzog und so führten es auch seine tapferen Engländer, Deutschen und Niederländer aus.

Kurz nach vier Uhr vernahmen dieselben allenthalben unter der weiten Pulverdampfwolke, die wie ein See über der Mulde lag, den Sturmmarsch der Trommeln, das » en avant« der Führer und das Geschrei, mit dem die Truppen die Zurufe ihrer Offiziere erwiderten. Deutlich klang es heraus: » Malheur aux Anglais! À la baïonnette! Pas de quartier!« Letztere Worte waren ein damals bei den Franzosen gebräuchlicher Soldatenausdruck und bedeuteten: »Keine Gnade!«

Allmählich unterschieden sich die vorausgeschickten Plänkler von den massigen Sturmkolonnen, beide kamen näher, das beiderseitige Artilleriefeuer steigerte sich zum höchsten Maße, der Marschall Ney schien sich zu verdreifachen. Bei allen Truppen ritt er umher, hier munterte er auf, dort tadelte er, bei anderen lobte er und versprach reichen Lohn, weder der für Reiter gefährliche Boden noch der Tod verbreitende Kugelregen hielt ihn auf, vier Pferde wurden ihm nacheinander unter dem Leibe erschossen, er bestieg jedesmal kaltblütig ein neues, sein Degen ward ihm dicht über dem Griff abgeschossen, aber all dies kümmerte ihn nicht, er zeigte und bewährte sich als ein Held. Freilich wußte er, daß mit dem Verluste dieser Schlacht sein Kaiser endgültig gestürzt war und mit Napoleon auch seine Paladine, als einer der ersten er selbst.

Schon hatte der Angriff auf la Haye Sainte wieder begonnen, die Divisionen d'Erlons schienen Erfolg zu haben; erleichtert atmet der Kaiser auf, durch das Einsetzen der Reserven konnten jetzt die Verbündeten geworfen werden. Da sprengt General Domont an und meldet: »Sire, aus dem Walde von Frichermont bricht ein preußisches Korps hervor. Es macht den Eindruck, als ob es 20-30 000 Mann stark wäre!«

Das war der gefürchtete entsetzliche Schlag. Der gewaltige Mann neigte einen Augenblick das Haupt und seufzte tief auf. Aber im Nu hatte er sich scheinbar wieder gefaßt, sein Gesicht zeigte wieder die sichere Miene wie immer. Fest und bestimmt klang seine Stimme, als er sprach: »Das Korps von Lobau rückt sofort nach rechts ab und wirft sich in Verbindung mit den Kavallerie-Divisionen Domont und Subervic den Preußen entgegen.«

Bei den Truppen hatte sich schon die Kunde vom Anrücken der Preußen verbreitet. » Tant mieux! Nous les écraserons tous ensemble!« Solcher Geist steckte in den Bataillonen, die hier gegen die Höhe von Mont St. Jean und die davor liegenden Pachthöfe anstürmten. Allein sie stießen auf Verteidiger, die ihrer würdig waren. Wellington hatte den letzten Infanteristen, der in der Eile aufzutreiben war, herangeführt, und vergeblich mühten sich Neys Bataillone, diesen lebenden Wall von Kämpfern einzureißen.

»Adjutant, reiten Sie zurück zum Kaiser. Ohne Unterstützung kann ich die Höhe nicht behaupten. Mit einer neuen Division Infanterie aber will ich diese Engländer alle über den Haufen werfen!«

Der Offizier jagt davon und meldet. Der Kaiser hat nur noch seine 24 Bataillone Garden zur Hand. Soll er sie dransetzen? Vielleicht die Hälfte? Aber die Preußen! Schon dröhnt im Osten deren Geschützfeuer!

Da ergreift den großen Schlachtenmeister ein Augenblick der Schwäche. Der Mann der kühnsten Entschlüsse scheut sich, seine letzte Infanterie aus der Hand zu geben, führt eine halbe Maßregel aus und befiehlt, daß nur die Kürassierdivision Milhaud und die leichte Gardekavalleriedivision Lefebvre-Desnoëttes dem Marschall Ney zu Hilfe eilen sollten, während er die Garde-Infanterie noch zurückhält aus Furcht vor den Preußen.

Damit hat er selbst sein Verhängnis bestimmt, Wellington ist gerettet, der Verlust der Schlacht gewiß.

Die Reiter der beiden Generale setzten sich mit gleichem Mute wie vorher die Infanterie von Reille und d'Erlon in Marsch. Endlich brach die Sonne durch und warf ihre Strahlen über die englisch-deutschen Linien und auf diese glänzende, glitzernde Masse von 5000 Reitern. Ney selbst stellte sich an ihre Spitze, und nun ging's los. Mühsam nur kamen aber auf dem schlüpfrigen, nassen und weichen Boden die Pferde vorwärts. Jetzt begann die Artillerie der Verbündeten wieder ihre grausige Arbeit und schleuderte Mengen von Eisen den Panzerreitern Milhauds und den Lanciers und Chasseurs Lefebvres entgegen. Diese kümmerten sich jedoch um nichts, was fiel, erklommen den Kamm der Höhe und stürzten sich dann mit weithin schallendem: » Vive l'empereur« auf die stumm sie erwartenden Karrees. Keines wankte, keines wich. Schweigsam hörten sie auf die beruhigenden Zurufe ihrer Offiziere, dann auf deren Kommandos, nun legten sie an, ein furchtbares Blitzen, ein entsetzliches Krachen, und vernichtend schmetterte die Salve in die gedrängten Massen der Angreifer. Aber auch diese ließen nicht nach. Stürzten die Vordermänner, so setzten die hinteren über sie hinweg und jagten auf die Karrees los, ehe diese zum zweitenmal feuern konnten. Da schickte im richtigen Augenblick Wellington die wieder gesammelte Garde-Reiter-Brigade Somerset, die holländisch-belgische Brigade Trip-Karabiniers und die englisch-deutsche leichte Dragoner-Brigade Dörnberg vor. Diese fielen von allen Seiten die im bisherigen Kampfe in Unordnung geratenen Kürassiere Milhauds und die Reiter Lefebvres an und verwickelten sie in ein für beide Teile sehr verlustreiches Handgemenge. In dieses schoß die weiter hinten stehende englische Artillerie unbekümmert, ob sie Freund oder Feind traf, hinein und bald mußte Ney erkennen, daß seine Kavallerie-Regimenter hier erliegen müßten. Deshalb ließ er Sammeln blasen und führte die beiden Divisionen wieder in die Mulde zurück. Natürlich jagten die Reiter der Verbündeten hinterher. Unten angekommen, stellte sich aber Ney sofort wieder an die Spitze der schnell gesammelten Gardereiter-Division, die Trompeter bliesen zur Attacke und von neuem stürzten sich die Lanciers und Chasseurs unter kräftigem: » Vive l'empereur« auf ihren Feind. Nun wurde dieser geworfen, auf die Hochebene verfolgt, die französische Kavallerie stürzte sich zum zweitenmal auf die englisch-deutschen Karrees und nochmals wiederholte sich der Kampf von vorher. Allein auch jetzt erlagen die tapferen Angreifer den Salven der Infanterie des Verteidigers, dem rücksichtslos auf den Knäuel abgegebenen Kartätschfeuer der englischen Artillerie und den Hieben der ebenfalls von neuem vordringenden verbündeten Reiter.

Wiederholt kam es im Laufe dieses Kampfes vor, daß die französischen Reiter auf die Geschütze der Verbündeten ansprengten. Dann ließen die Artilleristen schleunigst ihre Kanonen im Stich, liefen in das nächste Karree, deckten sich dort und warteten bis die Gefahr vorüber war. Waren die Reiter, welche die Kanonen weder beschädigen noch mitnehmen konnten, abgewiesen, so sprangen die Artilleristen wieder zu ihren Geschützen und feuerten von neuem.

Um 4¾ Uhr war der ganze Reiterangriff Neys gescheitert. Eine frische Infanterie-Division hätte, wie mit Gewißheit anzunehmen, die Sprengung der Linie und damit die Niederlage der Armee Wellingtons entschieden. Aber jetzt war sie nicht zur Stelle und damit der richtige Augenblick versäumt.

Die Infanterie der beiden Korps von Reille und d'Erlon machte wohl noch verschiedene Versuche, Erfolge zu erreichen, aber ohne ein durchschlagendes Ergebnis. Es gelang zwar den Divisionen Guyot, Marcognet und Douzelot, den Pachthof von la Haye Sainte zu erstürmen, auf dem Hange gegen Mont St. Jean kamen sie aber nicht vorwärts. Auch mühte sich das Korps von Reille vergebens ab, das Schloß Hougomont in seine Gewalt zu bekommen und die Division Durutte schlug sich um die Pachthöfe Papelotte und la Haye unter wechselndem Erfolge mit den Truppen des Prinzen Bernhard von Weimar herum.

Die beiden ersten großen Stöße gegen die Stellung der Verbündeten hatten es also nicht vermocht, sie über den Haufen zu werfen und zu überwältigen. Allein die Verluste auf ihrer Seite waren doch so bedeutend geworden, daß ein rechtzeitiger Stoß mit Infanterie-Reserven statt nur mit den Reitern Milhauds und Lefebvres die englischen Linien unbedingt gesprengt hätte. Zum größten Glücke Wellingtons erschien jedoch die Blüchersche Armee gerade in dem Zeitpunkte, in welchem die Entscheidung stattfinden mußte, und veranlaßte Napoleon, das Korps Lobau dem neuen Feind entgegenzuwerfen und die Garden für weitere zwingende Fälle noch zurückzuhalten. Als er sich später entschloß, doch noch einen Teil der letzteren auf die Engländer zu werfen, war es zu spät, denn es kamen vom rechten Flügel der Verbündeten zwölf Bataillone Niederländer der Brigade Chassé und vier englische Bataillone der Brigade Lambert sowie vom linken Flügel die Reiterbrigaden Vandeleur und Vivian hinter der gefährdeten Mitte an. Damit war die größte Gefahr für dieselbe verschwunden! Man kann also sagen, daß die Preußen schon von ihrem ersten Erscheinen auf der Höhe von St. Lambert die Schlacht zugunsten der Verbündeten entschieden hatten. Als sie vollends tatkräftig eingriffen, war die Vernichtung der Armee Napoleons besiegelt.

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