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Die Bande des Schreckens

Edgar Wallace: Die Bande des Schreckens - Kapitel 35
Quellenangabe
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleDie Bande des Schreckens
publisherWilhelm Goldmann Verlag
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
isbn3442001609
created20111204
projectidb83c949a
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34

Der Wetter ahnte den Zusammenhang, bevor sie ihre Entschuldigung stammeln konnte.

»Stehen Sie auf und kleiden Sie sich an«, sagte er zu der Fremden. »Ich verhafte Sie wegen Beihilfe. – Schicken Sie jemand herauf, die Frau zu bewachen, bis sie zur Polizeistation abgeholt werden kann«, wandte er sich an die Schwester.

Als sein Auftrag ausgeführt war, stellte er durch Fragen fest, was geschehen war.

Es handelte sich um die hysterische Frau, die auf die Empfehlung eines Arztes hin in der Anstalt aufgenommen worden war. Bis in die Abendstunden hinein hatte sie laut geschrien, und als der Doktor noch einmal vorsprach, hatte ihm die Oberin mitgeteilt, daß die Frau nicht länger im Hause bleiben könnte, weil sie die anderen Patienten störte. Daraufhin hatte er versprochen, einen Krankenwagen zu schicken, um sie wieder abzuholen. Der Wagen war dann auch erschienen. Zwei uniformierte Wärter hatten die Kranke auf eine Bahre gehoben und zu dem Auto getragen.

»Ich war zugegen, aber der Doktor bat mich, nach unten zu gehen und noch eine Decke zu holen. Ich war nur drei Minuten fort.«

»Und während dieser Zeit machten die Krankenwärter Miß Sanders durch eine Spritze bewußtlos und legten sie auf die Bahre. Und die Fremde nahm ihren Platz ein. Haben Sie denn keinen Schrei gehört?«

Sie nickte.

»Ja, gerade als ich unten an der Treppe ankam. Aber ich dachte, es wäre die hysterische Person und achtete nicht weiter darauf.«

Wetter Long war bleich geworden.

»Ich verstehe jetzt«, sagte er. »Ihnen kann man keinen Vorwurf machen. Ich hätte etwas Derartiges erwarten sollen, als ich von der hysterischen Patientin hörte, die am Nachmittag eingeliefert wurde. Ihr Zimmer lag ja direkt neben dem von Miß Sanders.«

Es blieb ihm nichts anderes übrig, als die übliche Mitteilung nach Scotland Yard zu machen und alle Polizeistationen zu benachrichtigen, daß sie nach dem Krankenwagen Ausschau halten sollten. Die Nummer war von dem Detektiv vor dem Hospital aufnotiert worden.

Seinen Vater hatte er vollkommen vergessen. Erst um drei Uhr morgens erinnerte er sich wieder an ihn, als ihn der Diener in Scotland Yard anrief.

»Sir Godley ist noch nicht zurückgekehrt.«

Der Wetter erschrak, als er das hörte. Es galt jetzt, allen Mut und alle Energie zusammenzunehmen. Er lehnte sich in seinen Stuhl zurück und versuchte unter größter Willensanspannung, alle sentimentalen Gedanken zu bannen. Er war ein Polizeibeamter, der die Aufgabe hatte, das Verschwinden eines Mannes namens Godley Long aufzuklären, desgleichen das Verschwinden der jungen Sekretärin von Miß Revelstoke. Seinen persönlichen Gefühlen durfte er keinen freien Raum geben, sonst hätte er den Verstand verloren.

Und diese beiden waren nicht die einzigen, die während der Nacht verschwunden waren. Miß Revelstoke und Mr. Henry waren nicht in ihre Wohnungen zurückgekehrt. Aber ein Mann war auf dem Posten. Mr. Cravel meldete sich, als ihn Long um vier Uhr morgens in Heartsease anrief.

»Ach, Sie sind es, Inspektor? Ist etwas passiert?«

»Ich habe schon seit Mitternacht versucht, Sie zu erreichen«, erklärte der Wetter. »Wo haben Sie denn eigentlich gesteckt?«

»Das kann unmöglich stimmen. Seit elf habe ich geschlafen, und das Telephon steht neben meinem Bett. Was wünschen Sie denn?«

Er sprach keineswegs wie ein Mensch, der plötzlich aus dem Schlaf aufgeschreckt wird. Seine Stimme klang klar und beherrscht.

»Ich komme zu Ihnen. Ist Ihre Schwester dort?«

Es entstand eine kurze Pause.

»Nein, sie ist in London. Kennen Sie ihre Wohnung?« Er nannte ihre Telephonnummer.

»In einer Stunde bin ich bei Ihnen«, erwiderte der Inspektor.

Er hatte Miß Alice Cravel schon angeläutet, konnte aber nichts aus ihr herausbringen. Und als er einen Beamten ausschickte, um sie nach Scotland Yard zu holen, konnte dieser nur feststellen, daß sie kurz vorher ausgegangen war.

Der Tag brach an, und ein leichter Regen rieselte nieder, als der Polizeiwagen nach Berkshire fuhr. Als sie an dem leeren Haus vorbeikamen, zu dem Nora Sanders das erstemal verschleppt worden war, dachte der Wetter einen Augenblick daran, zu halten und es von neuem zu durchsuchen. Aber sein gesunder Menschenverstand sagte ihm, daß die Bande des Schreckens Nora auf keinen Fall wieder hierhergebracht hatte. Cravel wußte, wo sie war, und Cravel mußte es ihm sagen. An diesen Gedanken klammerte er sich während der ganzen Fahrt.

Er hatte sich mit seinem Chef in Verbindung gesetzt, bevor er Scotland Yard verlassen hatte.

»Lassen Sie sich nur nichts zuschulden kommen, Wetter«, warnte ihn Macfarlane. »Suchen Sie herauszubekommen, soviel Sie können, aber halten Sie sich innerhalb der gesetzlichen Grenzen.«

»Für mich ist jetzt alles gesetzlich, Colonel. Aber ich werde daran denken, daß Sie mich gewarnt haben.«

Das war also der große Coup, den sie vorhatten. Durch Nora Sanders wollten sie sich Monkfords Geld verschaffen. Zuerst fingierten sie eine Erbschaft, und dann suchten sie nach Mitteln und Wegen, wie sie Nora Sanders das Geld wieder abnehmen konnten. Sie sollte eins der Mitglieder der Bande heiraten. Dann konnte sie nichts gegen den Betreffenden aussagen. Sie wollten ihn vor die vollendete Tatsache stellen, so daß er gezwungen war, ruhig zu sein, wenn er nicht Nora Sanders bloßstellen wollte.

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