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Die Bande des Schreckens

Edgar Wallace: Die Bande des Schreckens - Kapitel 18
Quellenangabe
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleDie Bande des Schreckens
publisherWilhelm Goldmann Verlag
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
isbn3442001609
created20111204
projectidb83c949a
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17

Der Bankier war tot; der Wetter sah es auf den ersten Blick.

»Holen Sie einen Arzt!« rief er über die Schulter.

»Ist er tot?« fragte Mr. Cravel heiser.

»Holen Sie einen Arzt!« entgegnete Long wütend. »Tun Sie doch das, was ich Ihnen sage.«

Als der Hotelbesitzer gegangen war, schloß Arnold die Tür. Der Schlüssel steckte noch draußen im Schloß. Er ging zu dem Badezimmer und fand auch diese Tür verschlossen, ebenso den Eingang nach dem Salon. Die Fenster waren ebenfalls dicht, denn die Nacht war kühl. Er riß eins der Fenster auf und sah hinaus. Das Glasdach des Speisesaals war hell erleuchtet, und nirgends konnte er etwas von einer Leiter entdecken.

Auch der große Kleiderschrank war leer.

Die Schußwaffe, mit der Joshua Monkford getötet worden war, mußte sich im Augenblick des Abfeuerns in unmittelbarer Nähe seines Kopfes befunden haben. Arnold nahm Monkfords Schirm und stellte einige oberflächliche Messungen damit an. Es war unmöglich, daß der Mörder aus so naher Entfernung geschossen haben konnte.

Die gegenüberliegende Wand grenzte an eine Reihe von Zimmern, die von zwei jungen Damen bewohnt wurden.

Der Wetter atmete schwer, denn er stand vor einem Rätsel. Ein Mann war in einem Raum erschossen worden, in den niemand hatte eindringen können.

Als er in den Gang hinaustrat, wäre er beinahe mit Cravel zusammengestoßen, der nervös auf ein Dienstmädchen einsprach.

»Mr. Long«, sagte er dringend, »in dem Zimmer von Miß Sanders muß etwas passiert sein.«

Der Wetter starrte ihn an.

»Was denn?« fragte er erregt.

»Ich weiß nicht«, antwortete das zitternde Mädchen. »Ich hörte eine Explosion.«

Long eilte die Treppe hinunter. Die genaue Lage des Zimmers war ihm bekannt. Er fand es verschlossen, und als er durch das Schlüsselloch schaute, bemerkte er Rauch.

»Was wünschen Sie, Mr. Long?«

Er drehte sich um und sah Nora Sanders vor sich.

»Geben Sie mir, bitte, den Schlüssel«, sagte er heiser.

Er riß ihn aus ihrer Hand, öffnete und trat ein. Es hatte tatsächlich eine Art Explosion hier stattgefunden, denn er konnte noch den Pulverdampf riechen. Er entdeckte ein rotglimmendes Papier vor dem Ofen, nahm es auf und steckte es ohne weiteres in ein Glas Wasser, das auf dem Waschtisch stand.

»Was ist denn geschehen?« fragte sie bestürzt.

»Nichts Besonderes. Wollen Sie hier bleiben?«

Im nächsten Augenblick war er schon wieder auf dem Gang und eilte die Treppe hinauf. Er hatte Mr. Cravel in Monkfords Zimmer allein zurückgelassen, und jetzt begegnete er ihm draußen auf dem Gang. Die Tür war verschlossen.

»Ich hielt es für gut, abzusperren, bis Sie wiederkamen.«

Der Wetter nickte.

Der Telephonhörer lag jetzt auf dem Boden in einer Blutlache. Monkford war aus allernächster Nähe durch die Stirne geschossen worden. Der Anblick erinnerte Long an den Ulanen-Harry.

Die Detektive, die den Hoteldienst versahen, waren inzwischen auch herbeigekommen. Sie führten Mr. Cravel aus dem Zimmer, verschlossen die Tür und nahmen dann eine sorgfältige Durchsuchung des Zimmers vor.

Niemand befand sich in dem Raum, als Long die Tür zuerst geöffnet hatte. Diese Tatsache stand fest. Und es war auch kein Platz in dem Zimmer, wo sich ein Mann hätte verbergen können. Zoll für Zoll klopfte der Wetter das Paneel an den Wänden ab. Die Decke war geputzt. Er nahm das Telephon, wischte es mit einem Handtuch ab und rief die Zentrale an. Miß Cravel meldete sich, und er hörte an dem Klang ihrer Stimme, daß sie die schreckliche Nachricht bereits kannte.

»Sind Sie es, Mr. Long?« fragte sie. »Ist es wahr?« Sie sprach leise, wahrscheinlich wollte sie andere Hotelgäste nicht beunruhigen.

»Wer hat Mr. Monkford vor fünf Minuten angerufen?«

»Niemand – er selbst hat telephoniert. Ich sah, wie seine Nummer am Klappenschrank herunterfiel, und dann hörte ich am Telephon einen Schuß.«

Der Wetter legte den Hörer hin, als jemand an der Tür klopfte. Es war ein Arzt, einer von den Gästen, den man eilig herbeigerufen hatte. Er sah auf die Gestalt, die leblos auf dem Boden lag, und schüttelte den Kopf.

»Ich kann Ihnen auch weiter nichts sagen, als daß er tot ist.«

Er beugte sich nieder, um eine oberflächliche Untersuchung vorzunehmen.

»Mitten durch den Kopf geschossen, und zwar aus unmittelbarer Nähe. Sie sehen es an dem Pulverschleim und an der verbrannten Haut. Der Tod ist wohl sofort eingetreten.«

Der Wetter nickte.

»Die Leute haben augenscheinlich mit einer automatischen Pistole gearbeitet.«

»Haben Sie den Täter gefaßt?«

»Nein, wir haben ihn nicht, denn es ist niemand hier gewesen. Als wir in das Zimmer kamen, war es vollkommen leer.«

»Sollte es sich vielleicht um einen Selbstmord handeln?« fragte der Doktor erstaunt.

Der Gedanke war Wetter Long auch schon gekommen, aber er hatte keine Waffe irgendwelcher Art finden können. Mr. Monkford trug zwar sonst zu seinem eigenen Schutz eine Browningpistole bei sich, aber die lag in einer Schublade seines Waschtisches, war vollständig sauber und nicht einmal geladen.

Nachdem er seine Untersuchung beendet hatte, suchte er Crayley auf. Er brauchte kein großer Psychologe zu sein, um sofort zu erkennen, daß der Mann bereits über den Vorfall unterrichtet war.

»Oh, es ist entsetzlich, einfach entsetzlich. Warum hat sich Monkford nur erschossen? Er war doch heute nachmittag noch in der besten Stimmung, als wir mit ihm sprachen –«

»Hören Sie, Crayley, ich muß einige Fragen an Sie richten. Rechtsanwalt Henry und Sie waren heute nachmittag mit Monkford zusammen, und Sie haben ihm etwas erzählt, das ihn sehr deprimiert haben muß –«

»Im Gegenteil, er hat mir etwas gesagt, was mich sehr verstimmte«, erklärte Crayley unnötig laut. »Und ich lasse mich von Ihnen nicht irgendwie ausfragen oder belästigen, Long. Ich bin durch den Unglücksfall schon nervös und aufgeregt genug.«

»Dann ziehen Sie es wohl vor, daß der Vorsitzende der Mordkommission Sie morgen ausfragt?«

Crayley kniff die Augen zusammen.

»Was, Sie wollen mir drohen? Und ich habe Ihnen das Leben in Colchester gerettet!«

»Seien Sie doch vernünftig, Crayley. Ich bedrohe Sie durchaus nicht. Ich stelle nur ein paar Fragen an Sie, die jeder Polizeibeamte an einen anständigen Mann stellen, und die jeder anständige Mann auch sofort beantworten würde. Worüber haben Sie sich heute abend mit Monkford unterhalten?«

Crayley zuckte die Schultern.

»Das kann ich Ihnen nicht sagen. Fragen Sie doch Henry. Es betraf ihn mehr als mich. Außerdem müßte ich erst mit meinem Rechtsanwalt sprechen, bevor ich irgendeine Äußerung tue nach dieser entsetzlichen Tragödie.«

Long suchte den Rechtsanwalt, erfuhr aber, daß er das Hotel sofort nach dem Abendessen verlassen hatte und bereits auf dem Wege nach London sein mußte.

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