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Die Atriden-Tetralogie

Gerhart Hauptmann: Die Atriden-Tetralogie - Kapitel 4
Quellenangabe
authorGerhart Hauptmann
titleDie Atriden-Tetralogie
publisherVerlag Ullstein GmbH
year1971
isbn3549051437
editorHans-Egon Hass
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20171130
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Zweiter Akt

Gasthaus am Kithairon: düsterer und primitiver Bretterbau. Eingänge an der Fassade. Ein niedriger Zugang an der rechten Wand.

Noch ist die Sonne über den Bergen, aber auch – blaß wie eine Oblate – die Scheibe der Artemis.

Erster Auftritt

Peitho, eine Taurierin, ein zigeunerisch aussehendes Weib, hockt neben dem Seiteneingang und wirft trockene Äste in ein Feuer, das in einer niedrigen Umfassung von Steinen brennt.

Peitho

Wes Seele blind ist, den besucht das Glück –
wes Seele auch nur blinzelt in die Welt,
besucht das Schaudern! Wessen Seele aber
das Nahe deutlich sieht, das Ferne nicht,
vermag des Lebens Krume umzupflügen
mit harter Faust: er jagt das wilde Tier,
beugt zahmer Stiere Nacken unters Joch
und sucht die zornigen Götter zu versöhnen,
indem er ihnen blutige Opfer schenkt.
Wes Auge Nahes und auch Fernes sieht,
der irrt umher und sucht nach einem Ufer
und findet's nicht und schwebt im weiten All,
und wie er namenlose Ängste fühlt
und ewiges Leben grauenvoll empfindet,
heult er in wildem Wahnsinn nach dem Tod.
Ich ward geraubt in Tauris; meine Mutter
dient der verruchten Göttin Hekate,
der Himmelshündin, der man Hunde schlachtet.
Mein Herz bewegt der Mutter schwarzes Blut:
es rollt in ihm der Allessehenden,
der Schwester Pythons, fürchterliche Kraft
und seine! Meine Augen deckt kein Schlaf;
starr aufgerissen glotzen sie ins Nichts,
und im lebendigen Tode so allsehend,
sind sie verflucht. Nie naht die liebe Hand
der Toten, ihre Lider zuzudrücken.
Ich diene den Atriden: meine Herrin

ist Klytämnestra. Doch da naht sich mir,
vorüberfliegend wie ein seliger Duft
des Hesperidenbaums, ein liebliches
Gefühl, unwirklich-fremd und doch vertraut:
allein, schon haucht's mich an wie Aasgeruch
aus Schlangenrachen, was den Baum umgeilt,
des giftigen Drachens Atem.
Was soll ich ansehn, wohin soll ich blicken,
wo keine Schranke ist und alles schon
geschehn ist, was geschieht?
Ein und dasselbe Grausen fällt mich an
im Blick auf meine Herrin, Schrecken lähmt
im Blick auf König Agamemnon mich.
Der Blick auf Iphianassa macht mich weinen.
Doch dort, dort naht sie selber: still, nur still!

Zweiter Auftritt

Iphigenie kommt.

Iphigenie

Was tust du, ewig Wunderliche, dort?

Peitho

Dir dies erklären wollen, süße Tochter,
ein Frevel wär's am Letzten, was mir blieb.

Iphigenie

Sag an: du nennst dich meine Amme, Peitho?

Peitho

So ist's. Ich nährte dich an meiner Brust
ein Jahr und länger.

Iphigenie

Und dein eigenes Kind?

Peitho

War tot.

Iphigenie

Hast du es tot geboren oder ...

Peitho

Es war gesund: allein, ich wollte nicht,
daß es des Lebens steinigen Pfad beschreite
und endlos wandere in Müh und Not.

Iphigenie

Du wolltest nicht? Was soll das heißen, Peitho?

Peitho

Es starb.

Iphigenie

An einer Krankheit?

Peitho

Ja: am Leben.

Iphigenie

Ich weiß nicht, was du meinst.

Peitho

Ich gab statt Milch
den Charonsgroschen ihm in seinen Mund.

Iphigenie

Dies spricht aus dir dein Wahnsinn!

Peitho

Er ist mehr
als Wahrheit. Zwischen deinen Brüsten hängt
der gleiche Charonsgroschen eingenäht!
Auch mich verläßt er nie.

Iphigenie

Was tust du hier?

Peitho

Der Himmelshündin, die dort oben lauert
und unersättlich ist, wie sie unsterblich,
bracht' ich ein Opfer.

Iphigenie

Ein lebendiges?

Peitho

Ja.

Iphigenie

Peitho, wie bang ist alles um mich her!

Peitho

Ares regiert – was Wunder? Blutiger Dunst
verhüllt Apollens Glanz: es hat der Gott
sein Lächeln abgelegt und brennt in Wut.
Die Seelenschiffe ziehn wie Geier sich
schon allenthalben nach dem blutigen Fraß.
Und eines lauert in der Bucht zu Aulis.

Iphigenie

Was sprichst du, Peitho! Deine Worte sind
wie Blei, das sich mit meinem Blut vermischt.
Bin ich am Ende krank: du kennst den Dienst
der heiligen Schlange – nimm dich meiner an,
gib mir ein Heilkraut des Asklepios!
Seit wir den Vater sahen, bin ich krank.

Peitho

Worüber klagst du, Kind?

Iphigenie

Bis tief ins Mark
durchdringen Eisesschauer mich, sooft –
es sei von ungefähr – auch meine Augen
die Scheibe treffen, welche Artemis
am nächtigen oder Morgenhimmel rollt.
Noch ist sie sichtbar trotz des Dämmerlichts
und macht im Frost mir meine Kiefer klappern.

Peitho

So tut die Göttin denen, die sie liebt
und würdig achtet ihres heiligen Diensts.
Auch ich vermeide, zu ihr aufzublicken.

Iphigenie

Was tust du? Nochmals frag' ich dich.

Peitho

Ich opfre
den Unterirdischen.

Iphigenie

Du ängstigst mich,
Peitho, von je mit deiner Zauberei.

Peitho

Still! Sie ist da: ich sehe meine Mutter.
Sie spricht!

Iphigenie

Was offenbart sie uns?

Peitho

Dir – nichts.

Iphigenie

Peitho, wir wurden schmachvoll fortgejagt!

Peitho

Zu deinem Glück. Nur still: die Mutter spricht!
Doch nicht so fern wie sonst. Die Mutter sagt,
sie sei nun hundert Jahr und müd am Leben.

Iphigenie

Peitho, wie ich, so jung ich bin.
Noch gestern hab' ich in den Tag gejauchzt,
heut aber hass' ich meinen eigenen Atem,
weil irgend etwas schrecklich mich mißbraucht.

Peitho

Und woran denkst du?

Iphigenie

Kann ich andres denken
als ihn? Achill! Achill! Ich will zurück.

Peitho

Wohin?

Iphigenie

Nach Aulis: mit dem Peleussohn,
dem Gott, die gleiche Götterluft zu trinken!

Peitho

Gestank von Leichen, faulem Atem, mord-
und fluchgeschwängert! – Still: die Mutter spricht.

Iphigenie

Du greifst dir nach dem Herzen, Peitho, sprich,
was ist?

Peitho

Das Unvermeidliche erblicken macht
zu Stein.

Iphigenie

Ich höre Stimmen!

Peitho

Ja, Flugmäuse kommen
vom Stimmenheiligtum hier nahebei.
Verschließe deine Ohren!

Iphigenie

Wache auf!
Du schläfst.

Peitho

Der Schläfer nur
im Traum erschließt den Abgrund. Tritt zurück
von seinem Rand, daß nicht endloser Sturz
dir ewige Marter bringe.

Iphigenie

Sturz und Marter?
Hast du nicht beßre Worte für dein Kind?

Peitho

Vielleicht, ich suche sie bei Tag und Nacht.

Iphigenie

Du bist gesprungen, hast gelacht mit mir,
solang ich denken kann. Warum nun bist
auf einmal du so fürchterlich verwandelt?

Peitho

Vergessen hatt' ich, daß der goldne Glanz
von deinen Kinderlocken grauses Blond
der Tantaliden war und Atreus' Stamm
der ist, des du ein Zweig.

Iphigenie

Schweig, Närrin, laß
die blutigen Märchen ruhn von Atreus' Stamm!
Wach auf und laß uns wieder sehn, was ist!
Gewiß, die blaue Glut, die uns umbrennt,
verwandelt sich auch mir in jähe Nacht
von Zeit zu Zeit, seit ich in Aulis stand –
und des Euripos tückische Gewässer
mit düstrem Brüten schweigend mich erschreckten.
Ich weiß nun, wer regiert: des Ares Wutschrei,
so scheint mir, macht selbst den Kroniden kleinlaut,
und andre von den Zwölfen steckt er an.

Peitho

Wer gab dir solche Lehren, holdes Kind?

Iphigenie

Eros! Er stellt mich in Achillens Schutz!
Man nennt ihn den Peliden, doch er ist
des Ares Bruder und ein Sohn des Zeus
wie er.

Peitho

Allein, du weißt: selbst seinem Vater
verhaßt ist Ares, so wie allen Göttern.

Iphigenie

Doch seinen Bruder lieben Erd' und Himmel!

Peitho

Unselige!

Iphigenie

Unselige? Ich bin's,
solange über meinem Scheitel nicht
des Thetissohnes goldner Helmbusch nickt.
O nimm das Leben von mir, Zauberin,
mit deiner stygischen Kunst, wenn du mir nicht –
das alte ist verbraucht! – das neue schenkst
im Arm Achills.

Peitho

Noch seh' ich trüb. Sei des
jedoch gewiß: von deinem Schicksal trennt
mich weder Gott noch Mensch. Was dir verhängt,
ist mein Verhängnis. Wahrheit fällt mich an,
seit wir zurück von Aulis sind: die Kere
hat eisig ihren Spruch mir zugeraunt.
Nun weiß ich es, warum ich – siebenjährig,
ein Kind – geraubt ward aus der blutigen Göttin
blutgierigem Tempel. Angst- und Wutgeheul
der Opfer unterm Schlächtermesser war
der Heimat letzter Gruß. Ich höre ihn
seit damals jede Nacht. Der Mutter Blick –
ich schrie in Angst – traf meine nackte Brust.
Gleich einem Messer stieß in meine Seele
das grauenvolle Wort: Du hast die Wahl,
das Schlächtermesser gnadenlos zu führen
oder an seinem Stoße zu verbluten.
Da wich mir das Bewußtsein – und erwacht,
gab ich mich gern in meines Räubers Hand.

Iphigenie

Bin ich verwandelt, Peitho, bist du's mehr.

Peitho

Das macht der hundertjährigen Mutter Nähe,
die mich, gerettet hier ins lichte Hellas,
nun doch zu finden wußte: sind dem Tode
doch alle Wege offen, und es ist
mit ihm als Vater die Geburt vereint.

Iphigenie

Wie soll ich das verstehn?

Peitho

Es tut nicht not, der Offenbarung gnadenlosen Blitzstrahl
zu früh herbeizuwünschen. Laß es gut sein!
Die holde Täuschung weiter dir zu retten,
darauf, Geliebte, steht mein ganzer Sinn.
Wie kurz, wie lang ich's kann: ich frage nicht,
da hierin die Minute golden lohnt.

Iphigenie

Vergib, wenn ich dich etwas frage, Peitho!
Wir andern haben blaue Augensterne,
in deinen aber glimmt ein rötlich Licht.
Du selber sagst: schon als du an die Brust
mich legtest, war dein Haar so weiß wie Schnee,
und weiß wie Milch sind deine Hände noch,
wenn auch dein ganzer Körper Farbe zeigt.

Peitho

Laß dir genügen, Kind, es ist ein Erbteil.
Doch mögest du nie meine Mutter sehen,
die alles Blut der Welt nicht röten kann.

Iphigenie

Warum denn opfert sie die Menschen, Peitho?

Peitho

Ja, frage nur, da gibt es keine Antwort.
Wem aber auch die Götter Leben schenkten,
Mensch oder Tier, du wirst kein Wesen finden,
das nicht – nun sage! – auf der Götter Altar
Heller für Pfennig das geschenkte Gut
in grauenvollem Todeskampf zurückgibt.
Du sprichst mit mir: der Gott bewahre dich,
daß Hekate dich so wie mich besucht
im Traum und ihrer ganzen Weisheit würdigt.

Iphigenie

So sucht sie ihre Tochter, sucht sie dich?

Peitho

Nicht mich, nicht mich – doch leider eine andre.
Den Fisch zu fangen, hängt das schwarze Netz
schon lange lauernd von dem schwarzen Schiffe.

Iphigenie fährt in einem starken Schreck zusammen und wendet sich um.

Was hast du?

Iphigenie

Nichts! Mir war, als hätte sich
ein Grauen aufgerichtet hinter mir.

Peitho

Nein, nein! Hinweg das unsichtbare Netz
von dieser! Willst du diese zum Ersatz
für meine Starrheit? Ebenso wie ich
verwünscht sie und verachtet deinen Dienst.
Doch nun genug! Die Wagen stehn bereit,
und morgen geht die Fahrt zurück nach Argos.

Iphigenie

Niemals! Zurück nach Aulis geht der Weg.
Ich weiß, ich fühl's: des Königs schnelle Renner
sind auf dem Weg hierher.

Peitho

Kam' unser Herr uns nachgeeilt, um euch zurückzuschleppen,
so möcht' ich Räuber dingen, Klytämnestra
und dich zu rauben und euch irgendwo
in Lakedaimons Höhlen zu verstecken.

Iphigenie

Heißt dies sich fügen in der Kere Spruch?

Peitho

Unselige, wozu denn bin ich Mensch?!

Iphigenie

Mich aber zieht der Kere Strudel an,
ob er auch enden mag im tiefsten Abgrund.
Es treibt mich zu den Wassern des Euripos
und ihren Wirbeln, die berüchtigt sind.
Sie mögen mich im Todestanz verschlingen:
Tanz bleibt doch Tanz. Was ist es anders, wenn
der todgeweihte Held dem Tod sich weiht?
Achill, er strebt dem Schlachtgetümmel zu,
dem schnellen, jähen Tod, anstatt in Phthia
das Feld zu bauen, wo ein langes Leben
ihm blühen würde durch der Parze Spruch.

Peitho

Doch du bist eine Jungfrau, bist ein Kind,
blühst in der Ledatochter Helena
unseligem Liebreiz. Denk des goldnen Friedens
der Blütengärten um die Heimatburg,
der Nachtigallen in den dunklen Hainen,
der lieblichen Altäre im Gebüsch,
die du mit Blumen schmückst, der heiligen Quellen,
aus denen süße Wasser köstlich tropfen
und deren Nymphen deinem Glücke lächeln
und deines Opfers golden-süßer Frucht!
Gedenk der bunten Schmetterlinge, die
ins blasse Gold sich deiner Locken drängen,
es schmückend wie geflügelte Juwelen,
so daß Apoll die Rosse innehält
und lächelt über dein gekröntes Haupt!

Klytämnestra wird in der Haupttür des Herbergshauses sichtbar.

Iphigenie

schluchzt

Du machst mich weinen!

Peitho

Weine, weine, Kind!
Die Träne, heißt's, kann selbst die Kere rühren,
wenn sie aus süßer Unschuld Auge dringt.
Doch nun genug! Dort kommt die Königin.

Iphigenie

Peitho, ich kann sie jetzt nicht sehn, leb wohl!

Sie geht schnell ab.

Dritter Auftritt

Klytämnestra tritt aus dem Innern des Hauses, erblickt Peitho und geht mit heftigen Schritten zu ihr.

Klytemnästra

In welche Wirren stürzt der König mich!
Er jagt uns jählings fort, mich und die Kinder,
nach diesem Gasthaus im Kithairon, hier
von ihm die weitre Nachricht zu erwarten.
Du weißt es, welch ein Zwiespalt mich erfüllt:
soll ich gehorchen oder ungehorsam
den Aufenthalt in dieser Ödenei
abbrechen und, so schnell der Rosse Hufe
es nur vermögen, mit den Meinen weiter,
der Heimat zu, von Aulis mich entfernen?
In Ungewißheit liegen wir nun still
bereits den fünften Tag. Kein Schlaf berührt
seitdem mir meine Augenlider. Und
gespannt zum Reißen, qualvoll angefesselt,
verwünsch' ich diese fürchterliche Reise,
zu der man uns leichtfertig hat mißbraucht.

Peitho

Mein Rat ist: zögert keinen Augenblick!
Flieht, Königin, als würdet ihr gehetzt
von einer wilden Meute!

Klytemnästra

Wiederholst du immer wieder dieses Wort, o Peitho?
Warum? Allein, nach dem Warum gefragt,
schweigst du dich aus. Soll ich die Treue brechen,
Verrat am Vater meiner Kinder üben,
den ich zurückließ auf einsamem Gipfel,
den nie ein Grieche, kaum ein Mensch erstieg?
Es hat die Moira ihn dorthin gestellt.
Wozu? Damit ein Schritt von dort ihn unter
die Sterne trage oder niederschmettre
zum finstren Abgrund?

Peitho

Der Moira Beschluß ist allen, selbst den Göttern, unabwendbar.

Klytemnästra

Man birgt trotzdem die Hände nicht im Schoß.
Und als sein Weib gehör' ich neben ihn –
sei's Flug, sei's Sturz, was immer ihm begegne.

Peitho

So höre denn: dein Gatte wollte nicht
von dir getan sehn, was dir deine Treue
nun eingibt – und so, Herrin, sag' ich dir:
Gehorsam ist der Gattin erste Pflicht.

Klytemnästra

Was brütet über uns? Sag es mir, Peitho!

Peitho

Ich weiß es nicht und will's nicht wissen: und
was mir von Mutterleib im Blute rollt –
erstickt ein steinern Schweigen. Doch kurzum,
das eine rät mein Wissen stündlich dir:
flieh! flieh, so schnell du magst, mit deinen Kindern!

Klytämnestra

Was hätt' ich zu befürchten? Weshalb fliehn?

Peitho

O Königin, nichts sprach in meinem Leben
so schwer sich aus als eine Antwort auf
das, was du fragst. Flieh! sag' ich wiederum
deshalb und sonst nichts mehr.

Klytämnestra

Du machst dir's leicht,
o Peitho, und das Schwere läßt du mir.

Peitho

Ja, wenn du meinem guten Rate taub bist:
verhülle dir auf immer das Geschick,
was mir in Aulis jüngst zu Ohren kam.
Des Palamedes jammervoller Tod,
des besten Mannes unter den Hellenen,
noch eben allverehrt, ist dir bekannt.
Man zieh das Vorbild edler Lauterkeit
des niedrigsten Verrats an seinem Volke
aus Goldgier, und er ward darauf gesteinigt.
Dein Gatte liebte mehr ihn als sich selbst.
Noch steht die Wut vor Agamemnon still:
doch wie ein Stier, blutunterlaufnen Auges,
zum Stoß gesenkt das Haupt! – Frag mich nicht mehr!

Klytämnestra

O Griechen, Griechen, die ihr doch allein
die wahren Götter fürchtet und sie ehrt!
O Hellas, Hellas du, das Weihrauchduft
umhüllt, andächtigen Gewölkes fast
Apollons Tag verdunkelnd! Der Kroniden
allein geliebtes, heiliges Volk und Land
und höchster Reichtum: warum säen sie
der ewigen Zwietracht Martern rastlos aus,
ihr schönstes Eigentum damit vergiftend?
Sind mehr Altäre nicht in unsrem Land
beinah als Beter? Welcher böse Gott,
Kroniden, treibt sein Wesen unter euch,
tückisch verborgen und zu eurem Unheil
und eurer sowie unsrer Schmach und Scham?

Peitho

O miß die Götter nicht mit unsrem Maß,
geliebte Herrin, einst geliebtes Kind:
frag nicht nach dem, was ich bis jetzt verschwieg!

Klytämnestra

Nein! Und warum auch? Was du sprichst, genügt mir
für den Beschluß, zu dem zurückzukehren,
der meiner wie kein anderer bedarf:
zu meinem Gatten, meinem Herrn und König!

Peitho

Noch hoff ich, Herrin, daß er dir zuvorkommt,
das Heer verläßt und hier bei dir erscheint,
um in sein Reich mit euch zurückzukehren.

Klytämnestra

Das mir zu sagen, warst du ausersehn,
um fester in mir den Entschluß zu gründen,
an meines Gatten Seite auszuharren.
Verkenne nicht des Atrionen Macht!
Wer schreitet unter allen Griechen heut
einher wie Agamemnon? Sein Gedanke
ist weithin leuchtend wie der Blitz des Zeus.
Die Erde zittert unter seinen Sohlen.
Wer unter allen Fürsten hält ihm stand,
wenn Zorn sich unter seiner Braue sammelt?
Odysseus zittert, Aias, selbst Achill.
Zeus' Ratschluß zuckt aus seinen schwarzen Augen,
der Wort und Tat unwidersprechlich eint.
Donner ist's, wenn er spricht – urmächtiger!
Vergeblich ist's, dawider sich zu setzen.
Zersprengt, zerrissen war das Griechenvolk;
zu einer Tat hat's der Atrid' geeint:
was keiner je vermocht hat außer ihm.
Und diese große Tat – so oder so –,
als Herr von Hellas wird er sie vollenden.

Peitho

Kein Schwert, kein Speer, kein noch so starker Arm
vermöchte Agamemnon dran zu hindern,
und Ares selber schützt ihn. Doch er wird
plötzlich und unerwartet dort bedroht,
wo Rüstung ihn und Schwert nicht schützen kann.
Und schon ist er verwundet, ja vergiftet!

Klytämnestra

Du sprichst in Rätseln. Nenne mir den Feind!

Peitho

Erinnre dich, wie dich des Kalchas Blick
getroffen und erbeben machte, Herrin.

Klytämnestra

Oh, hätte Agamemnons Vater nie
des dreisten Bettelknaben sich erbarmt,
nie ihn ernährt, gekleidet und beherbergt!
Er geilte wie ein giftiges Kraut empor,
das uns in Haus und Hof die Luft verdarb.
Der Bube kannte keine Dankbarkeit;
Wohltat, an ihm geübt vom ganzen Hause,
nahm er für Schmach und sann dafür auf Rache.
Und da den Unhold niemand gerne sah,
die Mägde im Palaste ihn verlachten
und Iphigenie stets ihn von sich wies,
warf er sich plötzlich auf den Dienst der Götter.
Nichts andres gab es nun fortan für ihn,
als Lämmer überm Feuer auszubluten,
in ihren lauen Eingeweiden wühlend,
und zu den Göttern heuchelnd sich verzücken,
teilhaftig sich zu lügen ihrer Macht.

Peitho

Und es gelang ihm. Kein verächtlich Wort,
womit dein Gatte ihn ernüchtern wollte,
traf ihn fortan als Mensch: er stand nur mehr
in Gottes Dienst! Und heute überstrahlt
der Ruhm des Sehers Kalchas den der andern
in Hellas, wie der Tag das Lampenlicht.

Klytämnestra

Und Kalchas wäre Agamemnons Feind
vor allem?

Peitho

Ja, sofern sich der Atrid'
nicht seinem Willen beugt.

Klytämnestra

Du machst mich lachen!

Peitho

O Herrin, fürchte dieses Priesters Macht!
Das Blut von Priesterahnen rollt in mir,
und so erkenn' ich, wie sie sich verzweigt
und bis wohin sie reicht. Geheimes Wissen
ward ihm vom Rat der Götter zuerkannt.
Man weiß es in Eleusis und verehrt
den höchsten aller Mysten voller Demut,
und so geschieht's in Delphi. Was in Aulis sich
begibt, des ist er der geheime Herr;
denn er allein hält in dem Heiligtum
der Artemis mit dieser Göttin Zwiesprach'!
Die Ruderbänke und der Krieger Waffen
sind ohne ihn nur mehr ein nutzlos Spielzeug;
wie er des Trojazuges Stillstand jetzt
bewirkt – er schenkt mit einem Wink den Sieg!

Klytämnestra

Der Gassenbub, den ich am Ohre nahm,
der Schmutzfink – ihn versetzt ihr unter Götter?

Peitho

Was heut zu Aulis vorgeht, ist sein Werk.
Er ist das ungenannte Oberhaupt
des heiligen Bundes von Thermopylä
und Delphi: dessen Rechte wahrt er stark
und unnachsichtig als die Satzungen
der ewigen Götter, keineswegs der Menschen!
Des Bunds geheimste Weihen schützen und
erleuchten ihn, und eifersüchtig wacht
er überm Tempeldienst und seinen Rechten.
Es wühlt in ihm versteckt ein tiefer Groll,
weil Agamemnon, Herrin, dein Gemahl,
die Priester seiner Art der Herrschsucht zeiht
sowie der Goldgier und sie Wühler nennt,
die um gemeinen Vorteils willen mit
den Göttern Mißbrauch treiben und der Völker
einfältige Gläubigkeit ruchlos mißbrauchen.

Klytämnestra

Auf denn nach Aulis! Und ich will dem Fant
es laut ins Antlitz schleudern, wer er ist.

Peitho

Tu's nicht: er ist auf jeden Fall gefaßt!
Verzeih, wenn ich es sage: und du stammst
mit Helena von einer Mutter ab,
nennst Helena, die allverhaßte, Schwester –
sie, der in Hellas alle Flüche gelten
für unausdenkbar scheußlichen Verrat
des heiligen Vaterlands an seinen Erbfeind.
Er möchte drauf verfallen, Königin,
auf rauchendem Altar mit gleichem Blut
die schauerliche Übeltat zu sühnen.

Klytemnästra

begreift erbleichend

Was hast du da gesprochen, Peitho, wie?

Peitho

Ich sprach, was nicht verschwiegen werden kann,
o Königin! Der Herr des Griechenheers
und auch der deine, Herrin, dein Gemahl,
drang frevelnd in den heiligen Bezirk
der Göttin. Ungezähmter Jagdwut jäh
erliegend, mordete sein spitzer Pfeil
ihr eine Hirschkuh; tragend war das Tier,
so daß der Göttin mütterliches Auge
mit großer Liebe sorgend auf ihm lag.
Unsterblich sind die Götter, doch empfinden
gleich Menschen Lust und Schmerz, und also brennt
die Wunde, die des Königs Speer gemacht,
die Göttin, die unsterbliche, weit mehr
als jene heilige Hinde, der sie galt,
die tote, den empfindungslosen Leichnam.
So spüren alle, daß sie Rache schnaubt
trotz ihres unverbrüchlich-grausen Schweigens,
und so der Pythontöter neben ihr,
der seiner Schwester Qual mit Schrecken sieht.
Er brennt in gnadenloser Wut vom Himmel,
statt Regentropfen Feuerbrände schleudernd:
kein Hälmchen sprießt, der Wälder Mark verdorrt.
Und die Sibylle, die zu Delphi thront,
hieß er die blutige Sühnung nun verkünden,
die grausam Menschenrachsucht übersteigt,
wie alle Göttertaten die der Menschen.

Klytemnästra

Und wer hat sein Orakel kundgemacht?

Peitho

Kalchas, wer sonst?

Klytemnästra

So ist es also wahr,
dies Schandgerücht, das die Zyklopenmauern
Mykenes selbst durchfraß mit seinem Gift,
wonach sich Kalchas nun nicht ferner mehr
genügen läßt, den Göttern Hekatomben
von Rindern und von Widdern zu verbrennen,
sondern den grausig-überlebten Brauch
vertierter Völker zu erneuern strebt,
das Menschenopfer, das in Tauris geilt
im grausen Tempel wüster Kannibalen!
Weh uns und Hellas, wenn ihm das gelingt!
Nur eine Antwort gibt's, die ihm gebührt:
als erster sei er selber hingeschlachtet –
ich eigenhändig will ihn niederstoßen,
die Brust ihm spalten, das verruchte Herz
im Namen aller Mütter von ganz Hellas,
noch schlagend, ihm entreißen. Zweifle nicht:
mich packt des wilden Tieres Raserei,
besinnungslos macht mich die Wut der Rache.
Einbeißen könnt' ich mich, dem Tiger gleich,
in seine Leber und sie roh verschlingen!

Peitho

O Königin, komm zu dir!

Klytämnestra

Sag mir nun alles, was ich hören muß!
Wen nennt der Delphi-Spruch als erstes Opfer ?

Peitho

Es auszusprechen, hab' ich nicht die Kraft.
Dir, Herrin, fehlt die Kraft, es anzuhören:
so forsche nicht nach dem, was er enthält!
Kehr heim im Augenblick mit deinen Kindern!

Vierter Auftritt

Iphigenie kommt eiligst und umarmt die Mutter.

Iphigenie

O Mutter, Mutter! Aus der Ferne klingt
Anruf von Lenkern, Peitschenknall und Hufschlag.
Ich weiß: es ist der Vater, ist der König.
Er holt uns, wie ich sicher weiß, zurück.

Klytämnestra

sieht unwillkürlich im überraschenden Erscheinen Iphigeniens die Antwort auf ihre Frage; der Schrecken lähmt sie. Nachdem sie sich mühsam ermannt

Wer hat der Gorgo Antlitz je gesehn?
Von Menschen keiner, die im Lichte leben:
nur ich im Teilchen eines Augenblicks.

Fünfter Auftritt

Agamemnon erscheint in vollem Kriegsschmuck. Hinter ihm zwei Waffenträger. Iphigenie fliegt ihm an die Brust.

Iphigenie

Vater!

Agamemnon

Mein liebes Kind!

Iphigenie

O daß du kamst,
so heiß ersehnt! Wie selig machst du mich:
ich weiß es sicher, daß du uns zurückrufst.

Agamemnon

weich

Geduld, mein Kind, mein liebes Kind, Geduld!
Doch dort ist deine Mutter.

Klytämnestra

So wie immer:
willkommen deiner Gattin, mein Gemahl
und allzeit königlicher Herr! Allein,
vergib, wenn mich des Kindes Freudensturm
nicht ganz im gleichen Sinne zu dir hinreißt:
zu sehr umwittert uns der Ernst der Zeit.
Geh, Mädchen, geh mit Peitho! Und du, Herr,
schick dein Gefolge fort, daß wir allein
in beiderseitig-herzlichem Verstehn
zwei-einig werden wie in alter Zeit.

Die Waffenträger nehmen Agamemnon Speer und Schild ab. Iphigenie und Peitho haben sich entfernt.

Agamemnon

Die Stuten, meine Rappen, wurden Schimmel,
so überzog im Lauf sie weißer Schaum:
schnellfüßiger sind Poseidons Rosse nicht!
Durch des Kithairons Schluchten hinzurasen,
begleitet von der Echo nimmermüden,
schlaflosen Rufen, die des herrlichen
Geschirrs Hufschläge mit der Bäche Rauschen
vermischt mir wiedergaben: alles das
erfrischte mich und stählte meine Kraft. –
Je ferner Menschen, um so näher Götter!
Von ihnen trennt kein Fels, kein Wall, kein Sturz
von Wasser, das zu Tale tosend rennt.
Und zeigt der Äther gar sein Diadem,
so wird der Mensch im Menschen selbst zum Gott.
Und wisse, Klytämnestra: die man mir
zur Feindin lügt, ihr schwebt' ich immer zu
übet dem Donner meiner Wagenräder.
Sie rollte ihren goldnen Diskus sanft
und still, wie nur ein liebreich Weib. Du bist
nicht grausam, süße Fackelträgerin –
so sprach's in mir –, du bist die Güte, die
erlösend-lockende, o Artemis,
und setzest liebreich uns das letzte Ziel.

Klytämnestra

Mag sein! Der Schicksalswagen Agamemnons
kennt keinen Stillstand: unter seinen Rädern
gibt es ein Funkenstäuben jederzeit.
Und seiner Pferde Hufe sind hierin
Hephästens Schmiedehämmern zu vergleichen.
Ja, wenn ich euren Zug gen Ilion
bedenke, rast er wirklich in den Tod.

Agamemnon

Wie anders klingt dein Wort, wie hart, wie fremd!
Nie warst du diesem Trojazuge hold.
Ich bin Herakles nicht, doch im Betracht
der Omphale weit stärker, als er war.
Ich weiß, du sähst es, Liebste, herzlich gern,
säß' ich an deinem Herde, Wolle spinnend
wie er, brächt' euch den Hasen für die Mahlzeit
geschultert, den ich heldenhaft erlegt.
Allein, dazu ist meiner Knochen Mark
und meiner Muskeln Kraft sowie mein Kopf
noch allzu fern von weichlich-trägem Alter.

Klytämnestra

O weh, das alte Lied! Kaum Aug in Aug
allein, erklingt es schon zum Überdruß.
Gewiß, ich bin die Mutter deiner Kinder,
ich bin dein Weib. Armseliges Witwentum
war freilich von der Schwester Helenas
nicht sonderlich begehrt, als sie den Mann
in dir und deinem Herrschertum erkor.
Den Mann in dir entmannen aber war
nie das, was sie gesucht. Im Gegenteil
warst du zu weich mir oftmals und zu schwach,
wenn falsche Freunde schleichend dich umstrickten.
Ich widerriet den Zug nach Ilion
schon um Helenens willen, meiner Schwester,
die nun jedweder Wicht in Griechenland
nackt durch der Schmähung giftige Jauche ziehn,
das Weibsvolk ungestraft besudeln durfte.
Und dies zu fürchten und vorauszusehn
war dem gesunden Sinn natürlich. Mehr
des Schrecklichen hat sich daran geknüpft,
ja unausdenkbar Schlimmes, mußt du wissen!

Agamemnon

Ich weiß nicht, was du meinst.

Klytämnestra

Wir sind allein:
nicht mehr wie jüngst vor deinem Feldherrnzelt,
wo ein Empfang uns ward, der mich gelehrt,
daß Ungeahntes selbst in engster Sippe –
sag' ich Unmögliches? – doch möglich wird.
Wer war der dumpfe Fremde, der, von Wut
und Angst betäubt, verworren drohend stand,
entstellt, mir schien, von Wahnsinn? Als ich einst
von dem Atriden Agamemnon hörte,
dacht' ich ihn ähnlich mir: blutunterlaufen
gleichsam sein Blick, die Faust nie anders als
geklammert um die Blutaxt. Agamemnon,
du wardst und bist mein Gatte, liebreich teiltest du
mit mir das Lager, und wir zeugten Kinder.
Du warst als Vater fromm und mild und liebreich,
dein herzlich Wesen bannte jede Furcht
aus Iphigeniens und Elektrens Seele;
Orestes ritt vergnügt auf deinem Knie.
Nun also: ich muß wissen, mein Gemahl,
was dich so fürchterlich verwandeln konnte;
denn dies erscheint mir eures Rachezugs
furchtbarste Folge schon im Anbeginn.

Agamemnon

Frag nicht! Dein Gatte Agamemnon starb,
der Vater deiner Kinder lebt nicht mehr:
gewöhne dich daran, ein Witwenleben
zu führen ohne ihn! Vergeblich wär's,
wollt' ich die Gründe seines Todes dir
erklären.

Klytämnestra

Mann, du lebst! Wirf ab den Wahn,
fühl deiner Sinne Sinn, spür deinen Pulsschlag!
Du lebst, wenn je ein Mann gelebt: du lebst!

Agamemnon

Leb' ich, so doch nicht dir und deinen Kindern
und auch nicht mir: mir selber bin ich tot,
so gut wie dir. Du magst auf meinem Grabe
mir Totenopfer bringen! Lege mir
den unbegrabenen Palamedes bei,
den man am Strand von Aulis jüngst gesteinigt.
Im Ernst: ich bin nur noch der fremde Mann,
ohnmächtiges Spielzeug grauenvoller Götter
und Menschen, jener, dessen Anblick jüngst
zu Aulis vor dem Zelte dich entsetzt.
Was mich umgibt, nenn meinethalben Traum –
nur denke nicht daran, mich aufzuwecken;
denn anders nicht als einst Prometheus bin
ich dran, vom Ätnagotte angeschmiedet.

Klytämnestra

Wär' es mein eigner Tod: ich wecke dich!
Auch tret' ich selber wohl in deinen Traum,
von innen seine Eisenwände brechend!
Und so: steh Red' und Antwort, Agamemnon!
Ist's wahr, daß euer kläglicher Beginn
zu Aulis diesen Buben, diesen Kalchas,
bewogen hat, Nichtswürdiges zu tun
und einen Spruch von Delphi zu erlügen,
der grause Bräuche der Vergangenheit
in Hellas wiederaufzunehmen fordert?

Agamemnon

Was nennst du solche Bräuche?

Klytämnestra

Pfui der Schmach!
Daran zu denken schon besudelt: er
will Kinder schlachten und verbrennen auf
den heiligen Altären unsrer Götter:
Gebt diesem Bluthund kurzerhand den Tod!

Agamemnon

Dein »kurzerhand« ist leicht gesagt, o Tochter
der Leda. Auch mein Bruder Menelaos
gab deinen Rat: allein, der Priester ist
des Griechenheeres Seele, Halt und Hort,
sein letzter gleichsam! Fürstenrat und Schiffsvolk,
herunter bis zum letzten Ruderknecht,
nimmt seine Worte blinden Glaubens hin
wie Worte aus dem Munde des Kronion.

Klytämnestra

So ist es wahr, was Peitho mir erzählt?
Dann: wehe uns, weh dir, daß du das Giftkraut
hast wachsen lassen in der Väterburg!
Gib acht! Was so gewuchert und in euch,
betäubend, jenen hirnverwirrten Plan
entstehen ließ, des Phryger-Rachezugs,
wird binnen kurzem deine Väterburg
Mykene – dann nur noch ein Trümmerberg –
in einer geilen Wüstenei begraben.

Agamemnon

Schweig! Nutzlos hauchst du deine Worte aus.
Die Zeit, in der mich Weibermärlein schreckten –
in welchen Fernen liegt sie hinter mir!
Nenn mich ein Stäubchen in dem Wüstensand,
ein Wasserteilchen nenne mich im Meer:
so wenig hab' ich einen Willen noch
im Schicksalssturme, der mit beiden spielt.
Am besten, du nimmst an, ich sei bewußtlos.

Klytämnestra

Dann laß uns beten zu Asklepios
und eine Fahrt nach Epidauros tun!
Denn was du Rasender bewußtlos nennst,
ist eine stille Wut, vor der mir graust,
verderblich deiner Sippe, deinem Hause:
du sinnst auf unser aller Untergang!

Agamemnon

Wer sagt, daß Ares gern zur Laute singt?
Dies tut vielleicht der süßliche Pelid'.
Des Krieges Körper aber ist das Erz;
geschliffner Stahl, nichts andres, seine Zunge.

Klytämnestra

rasend

Nie wird geschehn, was dir im Auge droht:
nie wird des Kalchas blutbegieriger Stahl,
auch nicht in deiner Hand, mein Kind berühren,
nach dessen Blut ihr lechzt! Es ist mein Kind,
nicht deines oder irgendeines Mannes,
und wär's der fußgewandte Geck Achill.
Kein noch so großer Held lebt in der Welt,
den ich auch nur entfernt für würdig hielte,
das Bette Iphigeniens zu berühren,
der Heiligtümer höchstes Heiligtum.
Nein, niemals soll sie leiden, was ich litt
und irgendein vom Mann mißbrauchtes Weib.
Eh das geschieht: ich morde um mich her,
sinnlos wie eine rasende Harpyie!

Agamemnon

Armselige! Die Kriegeswagen donnern,
die Speere sausen, und die Schwerter blitzen,
der Pferde Hufe schmettern in das Erdreich,
alles zerstampfend! Stelle dich nur hin
und hebe deine Weiberarme auf,
entpresse Schreie deiner Weibergurgel
und arme Worte, die kein Mensch versteht:
»Kehrt um, ihr Rasenden! hört mein Gebot
als Mutter, schonet, schonet meiner Kinder,
schont meiner, schonet meine arme Tochter!«
Die Götter hör' ich ihr olympisch Lachen
anstimmen, Törin!

Klytämnestra

Oder aber es
erhebt sich übermenschlich neben mir
die mütterliche Hera, jene, die
zu Argos ihren Tempeldienst empfängt
und die im Bunde steht von je und je
mit Tyndareus und seinen beiden Töchtern.

Agamemnon

Um so viel mehr ist sie der Griechen Feind,
Helenens Räubern hold. So heißt es denn
erst recht, die Himmelsfrau, die ich erzürnt,
zurückgewinnen und mir neu versöhnen.

Klytämnestra

Du lügst, Unseliger: es sind in dir
Gigantenkraft und Knabensinn vereint,
der sich nicht trennen mag von seinem Spielzeug.
Die Pfeile kann er nicht im Köcher halten:
wo nur ein Ferkel quiekt, ein Zicklein hüpft,
der Fisch im Teich, das Fröschlein wird ihr Ziel.
So kam es, daß du dich gedankenlos
vergangen hast an einer schwangren Hinde
der Aulis-Göttin, die in ihrem Hain,
friedsam wie eine Kuh, das Gras gerupft:
du jagtest ihr den Pfeil ins Eingeweide.
So willst du wirklich diesem Knabenstreich
nun Folge geben gegen deine Sippe?
Soll der verirrte Pfeil nun mich, dein Kind,
dein Haus, Geschlecht, zuletzt dich selbst durchbohren?

Agamemnon

Du sprichst von weither, und so laut du rufst,
nur unklar dringt die Stimme an mein Ohr.
Nicht unwahr darf ich nennen, was du sagst;
doch sprichst du deine Wahrheit und nicht meine.
Die meine ist ein Felsen im Gebirg,
die deine eines kleinen Vogels Schnäblein,
das ängstlich zirpt und sich am Felsen wetzt:
es wird der Moira Klippe nicht bewegen.

Klytämnestra

Entsetzlicher! Zwar sind die Felsen stumm,
doch um so mehr beschwör' ich dich, Atrid',
mag deine Wahrheit noch so steinern sein,
mir nicht zu schweigen. Nahe steh' ich dir,
zu nah vielleicht, um deiner Worte Macht
und Donner starken Herzens zu ertragen.
Vermag ich's nicht, nun wohl, so sterb' ich denn;
denn besser sterben unter deinem Wort,
erschlagen von dem Felsen deiner Wahrheit,
als aufgerißnen Blickes sehen müssen,
was nackt mir zu enthüllen du nicht wagst.

Agamemnon

Genug der Worte: kann man Worte sprechen
und hören, wenn Allvaters Donner tobt,
Hephästens Schmiedehämmer krachend sich
im glutversengten Erdreich hören lassen?
Die Erde – Weib, begreif's! – wogt unter uns.
Die Uranionen haben wiederum
allein das Wort, da sich im Abgrund, nie
ganz überwunden, die Titanen regen.
Der Phryger, der Achäer, ja der Mensch
sind nichts, ein schwaches Staubgewölke nur
die Sprache: Tod ist Wahrheit – Leben nicht!
's ist, was ein wenig flackert, wenn du willst,
ein Irrwisch. Weib, das Chaos brach herein!
Nichts Festes ist um mich ...
Wer bin ich?
Ein Stein, den jemand warf, ein Schall, ein Blitz ...
Weib, Weib, mich schwindelt's, schaff mir eine Stütze

Klytämnestra

geleitet Agamemnon auf einen Sitz

Die Luft ist still und friedlich, Agamemnon.
Dein schlaflos Sorgen übermüdet dich.
Ruh aus: schaff neue Kraft dir aus der Schwäche!

Agamemnon wird bewußtlos.

Sechster Auftritt

Kritolaos erscheint im Reiseanzug.

Klytämnestra

Freund, du erscheinst im rechten Augenblick:
sein altes Leiden überfiel den König,
die Ohnmacht den Giganten.

Kritolaos

Königin,
dies Leiden, wahrlich, ist ein Glück für ihn;
denn wenn er draus erwacht, ist er verjüngt.
Er spricht es selber aus: es sei ihm dann
zumut, als hab' er hundert Jahr geschlafen.
Er hat es nötig – oh, es tut ihm not.
Ich hoffte längst auf diesen Augenblick.
Erlaub, daß ich bequem ihn bette! So!

Er tut es.

Klytämnestra

So wünsch' ich mir die gleiche Wohltat, die
ihm hier zuteil wird: auch ich brauche Kraft.

Kritolaos

Ja, Königin, du brauchst sie wie wir alle.

Klytämnestra

Ich nenne dich des Königs linke Hand,
nicht selten auch die rechte. Niemand kennt ihn
wie du. Vielleicht ist niemand ihm so treu,
selbst ich nicht. – Sage mir: was hat den Sinn
euch allen, scheint mir, plötzlich so verrückt,
daß euer Denken, sonst mir so bekannt,
mir fremd und gänzlich unbegreiflich wird?

Kritolaos

Auch mir mein eignes Denken, hohe Frau,
wie Euch.

Klytämnestra

Wie soll ich das mir nun erklären?

Kritolaos

Die Erde hat gebebt. Der Menschen Städte
erzittern, fürchten ihren Untergang.
Was für die Ewigkeit gemauert schien,
zerbröckelt knisternd, knirscht und wankt im Grund.
Die Sterne werfen sich aus ihren Bahnen,
die Erde fiebert und der Mensch mit ihr.
Die Götter kommen wiederum zu Ansehn,
die man im Wohlergehen fast vergaß:
sie zeigen drohend sich allüberall
dem Menschenvolk, das nun voll jähen Schrecks
allüberall auf seine Götter stößt.
Es geht nicht mehr um Wohlsein, Königin,
ein Weniger, ein Mehr davon, o nein:
es geht um alles! – Sitte, schöner Schein,
der hohe Adel köstlicher Gewöhnung
ward losgebundener Dämonen Raub.
Vertrocknet und zersprungen glüht die Erde.
Der Würger Hunger mordet Mensch und Tier,
die Pest, wie eine Wölfin, neben ihm.
Es wird der Mensch sogar des Menschen Wolf
und stillt mit seinesgleichen seinen Hunger.
Vertrocknet sind die Quellen: statt des Wassers
hütet der Stromgott brennendes Gestein.
Was ist der Aufruhr anders denn im Heer
als todesangstgenährte Raserei?
Damit man gierig Speise wiederum
einschlingen könne, eifert jeder Mann,
den Göttern – die man für gefräßig hält
und dankbar – in Verzweiflung Weib und Kind
auf blutigen Altären hinzuschlachten.
Dies ist mein Wissen, große Königin;
mit einem beßren kann ich dir nicht dienen.

Klytämnestra

Mir graust's! So rate mir, was soll ich tun?

Kritolaos

Ich darf nicht raten, hohe Königin;
mein Wille ist der Wille meines Herrn,
und wo er abweicht, bleibt er stumm: Verrat
ist alles andre.

Klytämnestra

Nun, so laß es gut sein!
Betreue deinen Herrn, führ ihn ins Haus!
Und wenn er nach mir fragt und mich nicht findet
mitsamt den Kindern, sag ihm, daß ich mich
als seines Hauses Retterin erweise
und mit dem höchsten Gut, das er besitzt
– nicht etwa Gold, wonach die Griechen gieren –,
gerettet in die Heimat nach Mykene!

Sie geht ab.

Siebenter Auftritt

Kritolaos hat sich zur Wache bei dem bewußtlosen Agamemnon aufgestellt. Suchend, in Angst und Eile, kommt Iphigenie durch die Dämmerung, weiße Lilien im Arm. Sie entdeckt Kritolaos und spricht halblaut.

Iphigenie

Du bist von Aulis, kamst du mit dem König?

Kritolaos

So ist's, Prinzessin.

Iphigenie

Woher kennst du mich?

Kritolaos

Von deiner goldnen Wiege an, Prinzessin.
Ach, oftmals hab' ich dich in Schlaf gewiegt.

Iphigenie

Nicht unbekannt klingt deine Stimme mir.
Wer bist du?

Kritolaos

Bis man anders dich belehrt,
nenn mich getrost nur immer Kritolaos.

Iphigenie

Du, ganz in Waffen starrend, fürchterlich,
wärst Kritolaos, der mit mir gespielt,
mir Zicklein vor den Kinderwagen spannte
und keiner Fliege was zuleide tat?

Kritolaos

Derselbe bin ich.

Iphigenie

Und was tust du hier?

Kritolaos

Den Schlaf des müdesten von allen Menschen
und wohl des größten, der da lebt, bewach' ich.

Iphigenie

In Rätseln sprichst du.

Kritolaos

Was ist Atlas? Nichts!
Die Schulter mag ihm schmerzen; diesem hier
zerbricht das Haupt fast und verbrennt das Herz.

Iphigenie

Wer ist es?

Kritolaos

Jungfrau, du erkennst ihn nicht?

Iphigenie

Ist er verwundet? Ist er tot? Mir scheint,
es rollt kein Blut mehr in des Schläfers Adern.

Kritolaos

Der Mensch ist tot in ihm, doch nicht der Gott!
Wär' dir bekannt, wie dieser Gott dich liebt,
unmenschlich, übermenschlich hängt an dir,
weit mehr als deine Mutter und dein Vater,
du brauchtest eine Leda nicht beneiden:
du bist jedweder Puls, der ihn belebt.

Iphigenie

Mit Rätseln überlastet bin ich schon,
o Kritolaos! Wenn du's wirklich bist,
so steh mir bei, wie oft in meiner Not!

Kritolaos

Still! Leise! Wer ihn weckt, tut weniger kaum
an ihm, als wie sein Mörder täte. Doch
sprich immerhin!

Iphigenie

Wo ist mein Vater? Wo
der König? Meine Mutter-Königin
läßt alle Stuten vor die Wagen spannen,
sie treibt die Sklaven an mit hartem Wort,
und Peitho steht ihr bei. Sie riß Orest
und ebenso Elektren aus dem Schlaf.
Mich fuhr sie an mit einem solchen Laut,
wie ich bisher ihn nicht gekannt an ihr,
zur Reise unverzüglich mich zu rüsten –
ich aber will den Vater sehn vorher.

Kritolaos

Und deine Mutter widerrät es?

Iphigenie

Mehr!
Sie mag davon nichts wissen, sie verweigert's.

Kritolaos

So hat ihr Wille sich ins Gegenteil
von dem verkehrt, was ihm zu Aulis oblag.

Iphigenie

Doch meiner nicht! Erst wenn mein Vater mich
zurückstößt wiederum, mag meine Mutter
mich mit gebundenen Händen heimwärts schleppen.

Agamemnon

erwacht

Wer spricht dort, Kritolaos?

Kritolaos

Iphianassa,
o König, deine Tochter.

Agamemnon

Iphianassa!

Iphigenie

Mein Vater!

Mit diesem Ruf fällt sie vor ihm nieder.

Agamemnon

So sehen wir uns wieder, süßes Kind!

Iphigenie

Verzeih mir, daß ich dich nicht gleich erkannt!
Doch was bedeutet dieses dunkle Wort?

Agamemnon

Noch herrscht um mich die Wirrnis, und so weiß
ich deiner Frage keine klare Antwort.
Wie lebst du, Kind, seit wir uns nicht gesehn?

Iphigenie

Mein Vater, was seit Tagen mich umgibt,
ist selbst im Lichte trübe Hadesluft.
Doch nun ist alles gut: ich bin bei dir!

Agamemnon

Komm näher! Blumen, Kind, trägst du im Arm?

Iphigenie

Ich fand ein Feld von Asphodeloslilien.

Sie läßt die Blumen vor Agamemnon niederfallen.

Agamemnon

Recht so – ein übles Zeichen! –, wirf sie fort!
Und nun komm her, nimm Platz an meiner Seite,
und laß uns plaudern wie in alter Zeit!
Was ist dies für ein Stein ?

Er weist auf einen behauenen Stein mit Inschrift.

Iphigenie

Es ist ein Grabmal.

Agamemnon

Ein Grabmal, scheint mir, ist die ganze Welt!
Was tut's?

Zu Kritolaos

Bring einen Krug uns her voll Wein!
Ich bin verschmachtet, und ich möchte trinken.

Kritolaos geht ab. Agamemnon, da Iphigenie seine Schulter streichelt

Nein: laß, mein armes Kind, rühr mich nicht an!

Iphigenie

Warum nicht, Vater?

Agamemnon

Weil du mich nicht kennst:
nichts weniger als dein Tod ist's, den du anrührst.

Iphigenie

Was ist mit euch, mit mir? Wo soll ich hin?
Ich war des Vaters Liebling, und die Mutter
nahm liebreich immer wieder mich ans Herz,
und plötzlich ist's, als wär' ich eine Waise
und allen ringsum nur noch eine Last.
Womit verdien' ich das? Was tat ich Böses?

Agamemnon

Mit Recht tust du die Frage, armes Kind;
doch wen die Keren einmal angeblickt –
sei's noch so flüchtig im Vorübergehen –,
erregt ein Grauen im Verein der Menschen.

Iphigenie

Hat denn ein Blick der Keren mich gestreift,
so lasset mich darüber nicht in Blindheit!

Agamemnon

Denk weiter nicht darüber nach, mein Kind!

Iphigenie

Was du befiehlst, geschieht: ich bin ja hilflos.

Agamemnon

Du bist so hilflos, wie dein Vater ist.

Iphigenie

Du bist des Griechenvolkes höchster Herr!

Agamemnon

Doch mehr als das: weitaus sein letzter Knecht!

Kritolaos bringt Wein im Krug und ein Trinkgefäß.

Wein! Wein!

Iphigenie

Laß mich den Göttern spenden, Herr
und Vater, und alsdann den Trunk dir reichen!

Agamemnon

Ich kenne niemand in der ganzen Welt
der Götter und Titanen, den ich lieber
hätte denn dich als Schenkin, liebstes Kind.

Iphigenie erhebt den Krug mit edler Gebärde. Der Wein fällt in rotem Strahl in das Gefäß.

Nicht so! Nicht so!

Iphigenie

Wie anders, Herr? Befiehl!

Agamemnon

Was tust du? Nein, nicht so: es schoß der Wein
schwarz nieder durch Selenens Silber wie
ein Blutstrahl. Doch vergib!

Er nimmt die Schale, versucht zu trinken und schleudert sie fort.

Nein, nimmermehr –
ein Vater trinkt nicht seiner Tochter Blut!

Kritolaos

Ich bin dein Höriger, doch auch dein Arzt.
Du machtest mich dazu und gabst mir Rechte
als einem alten Jünger Äskulaps.
So gib dich folgsam jetzt in meine Hand:
benütze dieser Täler Einsamkeit,
gesunden Frieden in dich einzuatmen!
Du siehst, wie du das gute Kind erschreckst
und mehr: verwirrst.

Agamemnon

Das ist mein Schicksal wie
das ihre: mich wie sie verfemt der Keren Blick.
Genug! Wir wenden um, doch ohne sie.
Bring sie zu ihrer Mutter! Hinter ihr
laßt fest die Eisentore von Mykene
in ihre Schlösser donnern! Lebe wohl!

Iphigenie

Nein, Vater, nein! Nimm lieber gleich dein Schwert,
hab Mitleid, drück es tief in meine Brust:
wenn du mich von dir stößt, kann ich nicht leben!

Agamemnon

Komm mir nicht nah, Unselige! Gesellst
du dich nun selbst zu jenen Wölfen, die
nach dem Atridenblute gierig lechzen:
es ist das deine, Mädchen, spürst du's nicht?

Iphigenie

Nur eines spür' ich, daß ich sterben muß,
wenn du nach Aulis rückkehrst ohne mich.

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