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Die Ansiedler in Kanada

Frederick Marryat: Die Ansiedler in Kanada - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
authorFrederick Marryat
titleDie Ansiedler in Kanada
publisherA. H. Payne Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Fünftes Kapitel

Die zweite Winterhälfte verging recht langsam. Zwar kamen Malachi und John, von der Erdbeere begleitet, beinahe jeden Sonntag und blieben manchmal gar bis zum Dienstag; aber in der übrigen Zeit war die Langeweile groß.

Doch Februar und März vergingen. Mitte April wurde der See vom Eise frei; das Auftauen begann und vollzog sich so rasch, daß das Flüßchen ein reißender Strom wurde und ein großer Teil des Prärielandes unter Wasser stand. Wenige Tage genügten indessen, das Bild zu verändern. Der Schnee, der monatelang den Erdboden bedeckt hatte, war ganz verschwunden; die Vögel, die während des Winters verstummt oder fortgezogen waren, erschienen wieder und zwitscherten um das Haus. Das wohltuende Grün der Prärie zeigte sich von neuem dem Blick, und die Natur begann wieder zu lächeln. Nach weiteren zehn Tagen hatten die Bäume ihre Blätter entfaltet, und nach einigen Stürmen wurde das Wetter warm und der Himmel heiter.

Wie groß war das Entzücken aller über diesen Wechsel! Jetzt, wo die Kühe auf die Weide hinausgetrieben waren, gingen Emma und Mary wie zuvor zum Melken und brauchten eine Begegnung mit Wölfen nicht mehr zu fürchten. Der Kahn wurde zum See gebracht, und Percival und John fuhren wieder aus, um Fische zu fangen. Alfred, Henry und Martin waren sehr beschäftigt, das gelichtete Land für die Aussaat vorzubereiten. Mr. Campbell arbeitete den ganzen Tag im Garten. Das Hühnervolk gackerte und scharrte und lieferte bald einen großen Vorrat an Eiern. Da die Jagdzeit vorüber war, kamen Malachi und die Erdbeere sehr häufig zum Besuch.

»O Mary«, rief Emma aus, als sie eines Tages auf der Brücke standen und auf den großen blauen See blickten, »ist es nicht entzückend, dies zu sehen, nachdem man so viele langweilige Monate eingesperrt war?«

»Ja, Emma, das ist es wirklich, ich fühle mich wie ein anderer Mensch.«

»Ich finde es ganz eigentümlich, daß Hauptmann Sinclair uns noch nicht besucht hat. Du nicht auch, Mary?«

»Ich habe ihn schon seit einiger Zeit erwartet«, entgegnete Mary, »doch ist anzunehmen, daß sein Dienst ihm den Besuch nicht gestattet.«

»Sicherlich könnte er bei dem jetzigen schönen Wetter Urlaub bekommen, während im Winter wohl Grund vorhanden war, daß er nicht kam. Hoffentlich ist er nicht krank.«

»Das will ich auch von ganzem Herzen wünschen«, erwiderte Mary, »aber komm, Schwester, wir dürfen nicht verweilen. Horch, wie die Kälber nach uns blöken, damit sie ihr Frühstück bekommen. Sehr bald werden wir noch mehr Kälber haben, ja, und sehr viel Milch, und dann werden wir viel buttern müssen. Aber ich liebe die Arbeit, wenn das Wetter so schön ist.«

Nach dem Frühstück sprach Emma zu Alfred ihr Befremden darüber aus, daß Hauptmann Sinclair noch nicht erschienen sei und äußerte ihre Besorgnis, er könne vielleicht krank sein. Alfred versprach auf ihre Bitte, am Nachmittag zum Fort hinüberzugehen, um zu hören, wie sich die Sache verhielte.

John, der Malachis Rat nicht vergessen hatte, brachte täglich einen Korb mit schönen Forellen aus dem Flüßchen; die Versorgung mit Fischen und Eiern kam sehr gelegen, da alles Rindfleisch verzehrt war, und man sich anderenfalls auf Pökelschweinefleisch hätte beschränken müssen. Alfred ging, wie er Emma versprochen hatte, von Martin begleitet, nach der Festung, von wo er am nächsten Morgen mit allerlei Neuigkeiten zurückkehrte. Sinclair war, wie Emma vermutet hatte, nicht imstande, herüberzukommen, denn er hatte einen bösen Fall getan, wobei er sich das Knie verletzt hatte, so daß er einige Zeit liegen mußte. Er war jedoch sonst guter Dinge, und der Regimentsarzt hatte verheißen, er werde in vierzehn Tagen wiederhergestellt sein. Sinclair ließ der Familie seinen Gruß melden, und auch der Kommandant sandte Mr. Campbell eine Empfehlung und ließ ihm sagen, er beabsichtige innerhalb acht bis vierzehn Tagen ein Boot nach Montreal abgehen zu lassen. Falls Mr. Campbell Einkäufe zu machen habe oder jemand bei dieser Gelegenheit zur Stadt mitschicken wolle, so möge er dies tun; das Boot könne die gewünschten Sachen mit zurückbringen. Eine weitere Verbindung mit Quebec hätten sie im Fort noch nicht gehabt, doch erwarteten sie jeden Tag einen Boten mit Briefen und Zeitungen aus England; ferner hoffe er, bald in eigener Person seine Aufwartung machen zu können.

Dies waren die von Alfred überbrachten Nachrichten. Emma tat in Marys Abwesenheit viele Fragen in bezug auf Hauptmann Sinclair; Alfred lachte über ihre außerordentliche Neugierde. Hierauf wurde der Vorschlag des Kommandanten in betreff der Fahrt nach Montreal erörtert. Der alte Malachi hatte viele Pakete mit Pelzen zu verkaufen. Martin besaß deren fünf, Alfred drei und Henry zwei. Bei ihren Jagdausflügen hatte nämlich immer derjenige Anspruch auf die Haut, der das Tier tötete. Malachis Pakete waren jedoch von höherem Werte, da er Biber- und andere kostbare Häute besaß, während Martin und die übrigen hauptsächlich Hirschhäute hatten. Es entstand die Frage, wer damit nach Montreal geschickt werden sollte. Malachi spürte keine Neigung dazu; Martin konnte nicht gut entbehrt werden und würde vor allem auf irgendeine Art in der Stadt in die Klemme geraten, während Henry und Alfred nichts von dem Wert der Häute verstanden; anderenfalls hätte Mr. Campbell am liebsten einen der beiden letzteren geschickt, da er Mehl, Schweinefleisch und verschiedene andere Dinge besorgt haben wollte. Die Schwierigkeit wurde indessen durch den alten Malachi bald beseitigt; er sagte, er habe seine Felle bereits abgeschätzt, und mit den anderen könnte das ebenfalls vor der Verpackung geschehen. Sollten sie sich dann für einen gleichen oder ähnlichen Verkaufspreis nicht veräußern lassen, so sollten sie lieber zurückgebracht werden. Mr. Campbell war mit dieser Anordnung zufrieden, und es wurde bestimmt, daß Henry die Reise mache. Mr. Campbell fertigte ein Verzeichnis der von ihm gewünschten Gegenstände an, zu welchem Mrs. Campbell ihre Liste hinzufügte, und man setzte alles für den Zeitpunkt in Bereitschaft, wo die Meldung von der Abfahrt des Bootes eintreffen würde. Martin schien durchaus nicht böse darüber zu sein, daß man ihn nicht für die Reise gewählt hatte. Seit Malachi Bone mitgeteilt hatte, daß die Erdbeere nicht seine Frau sei, war Martin beständig an ihrer Seite. Sie fing an, einige Worte englisch zu sprechen, und war bei jedermann sehr beliebt.

Sobald Mr. Campbell gewahrte, daß Malachi Bone die Gesellschaft nicht mehr mied, hielt er es für seine Pflicht, ihm anzubieten, ob er sein Land nicht zurückzunehmen wünsche; doch wollte Malachi dies nicht annehmen. Er sagte, er brauche kein Land; doch könnte er seine Hütte vielleicht etwas mehr in ihrer Nähe aufschlagen; gegenwärtig bliebe wohl am besten alles beim alten. Hierauf berührte Mr. Campbell den Gegenstand nicht von neuem. Malachi handelte bald nach seiner Bemerkung, denn wenige Tage darauf erschien er mit der Erdbeere und John. Alle drei waren mit Haushaltungsgegenständen beladen, und binnen kurzem hatten sie am westlichen Ende von Mr. Campbells Prärie einen neuen Wigwam aufgebaut, der vom Hause aus sichtbar war. Dies erfüllte Mrs. Campbell mit großer Befriedigung, da John doch nun immer in ihrer Nähe blieb. Er schlief auch wirklich nicht mehr in der Jägerwohnung, sondern in dem Zimmer bei seinen Brüdern. Den größten Teil des Tages brachte er im Wigwam oder in der Gesellschaft des alten Jägers zu. Durch diese neue Einrichtung verschmolzen nach und nach beide Familien in eine, und kein Tag verging, wo die Erdbeere nicht ins Haus kam, um sich nützlich zu machen. Sie half bei allem, wovon sie etwas verstand, und lernte schnell, was sie noch nicht kannte.

Einige Abende nach der Nachricht vom Fort stellte Mrs. Campbell an Malachi einige Fragen in bezug auf die Gewohnheiten des Bibers, da sie bereits viel von der Klugheit dieser Tiere gehört hatte.

»Ja, Madam«, sagte Malachi, »es sind höchst verständige Tiere, und ich kann wohl sagen, daß ich nie müde ward, sie zu betrachten. Bisweilen habe ich im Sommer sogar vergessen, weshalb ich hinausgekommen war, wenn ich sie bei ihren Arbeiten überraschte.«

»So ist's mir auch gegangen«, sagte Martin. »Ich lag einmal unter einem Busch am Ufer des Flusses, da sah ich, wie sich eine ganze Versammlung von Bibern einfand; auf ihre Art redeten sie so ernsthaft miteinander, daß ich wirklich glauben muß, sie haben so gut eine Sprache wie wir. Die alten Biber sind's immer, die da reden, und die jungen hören zu.«

»Das ist wahr«, versetzte Malachi, »ich sah sie auch einmal eine Versammlung abhalten, worauf sie sich alle trennten, um an die Arbeit zu gehen; denn sie waren dabei, einen Strom aufzudämmen und ihre Wohnungen zu bauen.«

»Aber was taten sie denn, Malachi?«

»Nun, Madam, sie taten ganz das nämliche, was Menschen getan hätten. Die Indianer sagen, daß die Biber so gut ihre Seele haben, wie sie selbst, und wenn der gesunde Verstand eine Seele schüfe, so müßten die Indianer recht haben. Das erste war, daß sie ihre Schildwache aufstellten, die sie im Falle einer Gefahr benachrichtigen sollte, denn in dem Augenblick, wo jemand in ihre Nähe kommt, geben diese Schildwachen ein Zeichen, worauf alle sofort untertauchen und so lange unsichtbar bleiben, bis die Gefahr vorüber ist.«

»Viele Vierfüßler, sowie auch einige Vögel, tun dasselbe«, bemerkte Mr. Campbell, »doch leben freilich die meisten derselben in Herden oder Scharen beisammen.«

»Das ist wahr, Sir«, entgegnete Martin.

»Also, Madam, die Biber wählen einen Platz aus, der für ihre Arbeit paßt. Was sie bedürfen, ist ein Fluß, der durch eine Niederung oder eine Strecke flachen Landes fließt und wo sie so viel aufzudämmen vermögen, daß ein großer Teich entsteht, dessen Wasser übertritt und die Niederung mehrere Fuß breit bedeckt. Sobald sie einen hierfür geeigneten Platz gefunden haben, beginnen sie ihre Arbeit.«

»Vielleicht«, bemerkte Mr. Campbell, »erfordert diese Auswahl mehr Klugheit als der Rest ihrer Arbeit, denn die Biber müssen etwas Ingenieurtalent besitzen, um das Richtige zu treffen. Sie müssen ebenso genau berechnen können, als wenn sie ihre Messungsinstrumente hätten, um den nötigen Umfang oder die Tiefe des Teiches zu ermitteln. Dies ist vielleicht der wunderbarste aller ihrer Instinkte.«

»Das ist es, Sir, ich habe das auch oft gedacht«, entgegnete Malachi. »Und wenn man dann beobachtet, wie sie alle ihre Werkzeuge an sich haben; der Kasten eines Zimmermannes könnte nicht besser versehen sein. Ihre starken Zähne dienen ihnen als Äxte, um die Bäume zu fällen, die Schwänze als Kellen bei ihrer Maurerarbeit, die Vorderfüße gebrauchen sie gerade so, wie wir unsere Hände, und die Schwänze werden auch als kleine Wagen oder Schubkarren benutzt.«

»Bitte, fahrt fort, Malachi«, sagte Mary, »mich interessiert dies sehr.«

»Gut, Miß. Ich habe diese kleinen Geschöpfe schon Dämme errichten sehen, die vier- bis fünfhundert Schritte lang, stellenweise zwanzig Fuß hoch und außerdem sieben bis acht Fuß dick waren, und zwar in einem Sommer, in einer Zeit von fünf bis sechs Monaten.«

»Wie viele Biber rechnen sie aber, die bei der Arbeit beschäftigt sind?«

»Ich würde etwa hundert schätzen, aber nicht mehr.«

»Aber, wie errichten sie denn diese Dämme, Malachi?« fragte Emma.

»Dabei zeigen sie, wieviel Verstand sie besitzen. Ich habe oft beobachtet, wie sie mit den Vorderzähnen so dicke Baumstämme durchsägten, daß sie dieselben nicht hätten tragen können, selbst wenn sie alle miteinander daran gegangen wären. Darum suchen sie sich Bäume am Ufer des Flusses aus und prüfen, nach welcher Richtung sie sich neigen, um zu wissen, ob sie in das Wasser fallen würden; anderenfalls gehen sie nicht daran. Sind sie nun mit dem Durchsägen so weit, daß der Baum nahe am Stürzen ist, so geben sie acht, ob der Wind in der Richtung des Falles eine Änderung bewirken könnte, und wenn dies zutrifft, so lassen sie von ihrer Arbeit so lange ab, bis der Wind ihnen wieder günstig ist. Sobald die Bäume herunter sind, sägen sie die Äste und Zweige ab und flößen dann die Stämme zu der Stelle hinab, wo der Damm gemacht werden soll. Hier legen sie dieselben kreuzweise, und da ein Stamm über den anderen gepackt wird, steigt das Wasser natürlich und setzt sie instand, unterzutauchen und die oberen Stämme anzubringen. Ehe dies jedoch geschieht, holen die Tiere, sobald nur die unteren Stämme auf ihrem Platz liegen, auf ihren flachen Schwänzen Gras und Tonerde herbei, womit sie die Löcher und Ritzen zwischen dem Holz ausfüllen, bis das Ganze eine starke Mauer bildet, durch die das Wasser völlig gestaut wird.«

»Ja«, sagte Martin, »ich habe sie des Nachts so stark mit den Schwänzen darauf losschlagen und klopfen hören, daß ich hätte glauben können, fünfzig Männer seien bei der Arbeit, statt hundert dieser kleinen Tiere; sie sind aber Tag und Nacht geschäftig und scheinen nicht müde zu werden, bis der Damm fest und ihre Arbeit vollendet ist.«

»Aber das Errichten des Dammes dient nur als Vorarbeit für den Bau ihrer Häuser, nicht wahr?« bemerkte Mrs. Campbell.

»Zu weiter nichts, Madam; ich halte den übrigen Teil ihrer Arbeit für ebenso wunderbar.«

»Aber es ist Zeit, zu Bett zu gehen«, mahnte Mr. Campbell, »wir müssen daher das Ende von Malachis Erzählung auf einen anderen Abend verschieben.«

»Ich bin überzeugt, daß keiner von uns gespannter ist, das Weitere zu hören, als ich«, erwiderte Mrs. Campbell, indem sie sich erhob; »aber, wie du sagst, es ist zehn Uhr vorbei, und Malachi und die Erdbeere müssen nach Hause gehen; darum gute Nacht.«

»O wie schade«, rief Percival. »Ganz gewiß, ich träume die ganze Nacht von den Bibern.«

Zwei bis drei Tage hindurch war Mr. Campbell beschäftigt, die Liste der von ihm gewünschten Gegenstände anzufertigen. Sein Guthaben in Quebec war nur noch gering. Doch, da ihm sein Agent mitgeteilt hatte, daß Mr. Douglas Campbell die Pflanzen der Gewächs- und Treibhäuser zu bezahlen beabsichtige, war er nach dieser Richtung hin außer Sorge. Er entschloß sich jetzt, eine kleine Schafherde sowie ein oder zwei kanadische Ponys anzuschaffen, die er bald für die Farm nötig hatte, nebst zwei Karren oder leichten Wagen, wie sie hierzulande im Gebrauch waren. Inzwischen waren Alfred, Henry und Martin sehr geschäftig, das Saatkorn zwischen die Stümpfe der gefällten Bäume zu bringen, wobei es nur erforderlich war, daß die Erde zuvor aufgelockert und nachher mit der Harke wieder geebnet wurde. Das urbar gemachte Land betrug etwa zwölf Acres, wovon die eine Hälfte mit Hafer, die andere mit Weizen besät wurde. Der jenseits des Flusses von Malachi Bone gelichtete und eingefriedigte Landstrich wurde mit Mais bestellt. Sobald das Korn in der Erde war, gingen alle ans Werk, einen hohen Zaun um das gewonnene Ackerland zu errichten, der aus Latten der weißen Zedern gemacht wurde, welche in einem etwas entfernten Sumpfe wuchsen. Die Soldaten hatten solche Latten bereits in großer Anzahl angefertigt.

Um das Prärieland diesseits des Flusses in der Nähe des Hauses zu schonen und daselbst eine frühe Heuernte zu erzielen, sollten die Kühe, sobald es anging, in das Gehölz getrieben werden, um sich dort zu nähren. Dann konnte man auch von der anderen, ehemals Malachi gehörenden Seite Heu gewinnen; doch dieses Prärieland bedurfte der Einzäunung, sobald das Korn gesät war.

»Wenn der Oberst herüberkommt«, äußerte Martin gegen Alfred, »so werden wir ihn hoffentlich überreden können, daß er uns im Sommer wieder einige Soldaten überläßt, denn wir brauchen sie sowohl zur Hilfe bei dem Zaun, als auch, um die Heuernte einzubringen. Unsere Sommer sind nicht lang, und wir haben Arbeit die Fülle.«

»Ich glaube, Vater beabsichtigt, ihn darum zu bitten«, erwiderte Alfred.

»Ach, Sir, jetzt wird er einsehen, was das Stück Prärieland für einen neuen Ansiedler wert ist; statt weit und breit nach Heu herumsuchen zu müssen, wozu die Leute in der Festung jetzt genötigt sind, haben wir Heu und Futter in Menge. Wie ich höre, sollen wir ja auch einige Schafe bekommen?«

»Ja, und für diese müssen wir vermutlich einen Winterstall bauen.«

»Das müssen wir sicher, denn die Wölfe fressen gern Schaffleisch. Jedoch glaube ich, daß sie die Schweine noch mehr lieben. Ich wünschte, wir könnten den Zaun um die ganze Prärie machen, aber das bringen wir nicht fertig, außer, wenn wir Hilfe von der Festung bekommen.«

»Werden die Kühe denn aber sicher sein, wenn wir sie ins Gehölz treiben?«

»O ja, Sir, im Sommer geschieht ihnen dort nichts; manchmal wird es Mühe kosten, sie zu finden, aber nicht zu der Zeit, wo sie ihre Kälber haben, da kommen sie ganz sicher jeden Abend zu ihren Jungen nach Hause.«

»Wir werden bald eine ganze Herde Rindvieh haben, acht Kühe und acht Kälber.«

»Wir müssen nur die Kuhkälber aufziehen, wofern Ihr Vater nicht Ochsen für das Joch haben möchte. Zu der Zeit, wo man diese anspannen könnte, das ist in zwei bis drei Jahren, würden wir sie gerade gebrauchen.«

»Ja, wir werden mit der Zeit großartige Farmer werden«, erwiderte Alfred mit einem Seufzer, denn er dachte in diesem Augenblick an Kapitän Lumley und seinen Seemannsberuf.

Am Abend des Tages, an welchem dies Gespräch stattfand, wurde Malachi Bone gebeten, in seinen Bemerkungen über die Biber fortzufahren.

»Ach, Madam, wie ich neulich abends sagte, sobald sie den Fluß aufgedämmt und den Teich gemacht haben, bauen sie ihre Häuser. Wie sie es aber anstellen, unter dem Wasser zu arbeiten und die Pfähle in den Grund zu treiben, bleibt mir ein Rätsel. Erst rammen sie sechs Pfähle ein, und zwar ganz fest, und darauf bauen sie in seltsamer Weise ihr Haus auf. Dasselbe hat die Form eines großen Backofens und wird aus Lehm und fetter Erde, untermischt mit Baumzweigen und allerlei Grassorten gemacht; es enthält drei Zimmerreihen übereinander, damit die Biber, wenn infolge plötzlichen Tauwetters Oberwasser eintritt, höher hinaufsteigen und sich im Trockenen halten können. Jeder Biber hat sein eigenes kleines Zimmer, dessen Eingang sich unter dem Wasser befindet, so daß er, um hineinzugelangen, untertauchen muß, und ihm kein Schaden geschehen kann.«

»Wie eigentümlich! Und wovon leben denn die Biber, Malachi?«

»Von der Rinde der sogenannten Espe, Madam. Hiervon speichern sie im Herbst einen großen Vorrat für den Winter auf, weil sie dann für einige Monate einfrieren.«

»Aber wie fangt Ihr denn die Biber, Malachi?«

»Es gibt verschiedene Arten, Madam. Die Indianer brechen bisweilen den Damm durch, lassen das Wasser ab und töten alle Biber, bis auf ein Dutzend weibliche und ein halbes Dutzend männliche, damit die Tiere sich wieder vermehren können, darauf stellen sie den Damm von neuem her. Bisweilen, wenn der Biberteich hart gefroren ist, brechen sie von oben in das Biberhaus ein, dessen Bewohner dann alle untertauchen und entfliehen; doch da sie wieder hervorkommen müssen, um in den Löchern des Eises Atem zu schöpfen, so legen sie hier Netze und fangen sie auf diese Weise. Immer aber lassen sie eine genügende Anzahl am Leben, damit die Gattung erhalten bleibt. Es kommt auch vor, daß sie durch Fallen gefangen werden, deren Köder aus Espenrinde besteht; aber das ist schwieriger.«

»Es gibt aber noch eine andere Sorte, Madam, die sogenannten Landbiber, die viel leichter zu fangen sind«, bemerkte Martin, »diese machen sich Löcher in die Erde wie die Kaninchen. Die Indianer sagen, daß diese Biber die Trägen und Faulen sind, die von den anderen vertrieben wurden, weil sie nicht arbeiten wollten.«

»Nun erzählt uns, wie Ihr es anfangt, wenn Ihr im Winter auf die Biberjagd geht.«

»Wir gehen nie allein auf die Biberjagd, wir ziehen aus, um alles Wild zu jagen. Wir gehen zu den Biberseen und stellen dort unsere Fallen von verschiedener Größe für Biber, Ottern, Marder, Wiesel, Katzen, Füchse und alles andere Wild auf. Wir bauen unsere Hütten, in deren Nähe sich die Fallen befinden, welche wir alle Tage nachsehen. Dann beschäftigen wir uns damit, die gefangenen Tiere abzuhäuten und diejenigen, deren Fleisch eßbar ist, zu zerlegen.«

»Ist das Biberfleisch gut?«

»Ja, Madam, es ist ein recht erträgliches Essen, vielleicht das beste, was wir zu der Zeit finden.«

»Aber, was für ein elendes Leben muß das sein!« sagte Mrs. Campbell.

»Nun, Madam, das denken Sie so; aber wir Jäger denken anders«, entgegnete Malachi. »Wir sind daran gewöhnt, mit unseren Gedanken allein zu sein.«

»Das ist wahr«, bemerkte Martin. »Ich will lieber den Winter auf der Biberjagd als in Quebec zubringen, so jammervoll Ihnen das Leben auch dünkt.«

»Es muß ein gewisser Reiz in diesem Leben liegen, das ist klar«, sagte Mr. Campbell, »denn wie viele führen es und ziehen Jahr für Jahr in die Wälder, ohne daran zu denken, von ihrem Verdienst etwas zu sparen.«

»Sehr wahr, Sir«, entgegnete Martin. »Was sie aus ihren Häuten herausschlagen, wird durchgebracht, sobald sie Quebec erreichen, und dann ziehen sie von neuem aus.«

»Nun, sie sind wie die Seeleute«, bemerkte Alfred, »die nach langer Kreuzfahrt all ihren Lohn und die Prisengelder in wenigen Tagen verbringen und dann wieder zur See gehen, um von neuem zu erwerben.«

»Genau so«, erwiderte Malachi, »und wozu nützt Ihnen auch das Geld, wenn sie es aufheben. Ein Trapper kann immer soviel Pulver und Kugeln, wie er haben will, auf Borg bekommen und es bei seiner Rückkehr mit einem Teil seiner Felle bezahlen. Wozu braucht er das übrige? Es kann ihm nichts nützen, und darum vergeudet er es natürlich.«

»Wäre es denn aber nicht besser, es zu sparen, bis er soviel hat, um eine Farm zu kaufen und ein behagliches Leben zu führen?«

»Aber, führt er denn dann ein behagliches Leben, Madam?« fragte Malachi. »Hat er nicht bei einer Farm mehr Arbeit zu verrichten und um mehr Dinge zu sorgen, als wenn er nichts besäße?«

»Bei alledem ist dies eine sehr richtige Denkweise«, bemerkte Mr. Campbell. »Glücklich ist der Mensch, der mit seiner Arbeit zufrieden ist. Wenn der Mensch ganz von Fleisch lebt, wie die Jäger es tun, liegt kein Grund vor, warum er hart arbeiten und den Erdboden bestellen sollte, damit er ihm Brot liefere. Sind seine Bedürfnisse gering, so ist dasselbe mit seinen Sorgen der Fall. Aber trotzdem, selbst der Wilde muß die Notwendigkeit der Arbeit fühlen, wenn er Frau und Kind hat.«

»Ja, Herr, das fühlt er sicherlich und arbeitet auch auf seine Weise hart, um den Seinigen die Nahrung zu verschaffen; aber die Trapper haben selten Frauen, die würden ihnen in den Wäldern nichts nützen, und daher haben sie für niemand als sich selbst zu sorgen.«

»Es kommt mir wie ein Wildenleben vor, doch ist es jedenfalls sehr ungebunden«, sagte Mrs. Campbell; »vermutlich verleiht diese Unabhängigkeit ihm einen derartigen Reiz.«

»Das ist es, verlassen Sie sich darauf, Madam«, entgegnete Martin.

»Aber was tut Ihr die ganze Sommerzeit hindurch, Malachi?«

»Nun, Madam, dann nehmen wir unsere Büchsen. Da ist das Rotwild und der Luchs, da sind die wilden Katzen, die Eichhörnchen, die Bären und viele andere Tiere, nach denen wir zu sehen haben; bisweilen gehen wir auch auf die Bienenjagd, des Honigs wegen.«

»Bitte erzählt uns doch, wie Ihr den Honig nehmt, Malachi.«

»Nun, Madam, die Bienen leben immer in der Höhlung alter Bäume, und es ist sehr schwer, diese im Walde herauszufinden, denn das Loch, durch welches die Bienen hineingelangen, ist sehr klein und manchmal hoch oben. Aber wenn wir eine Führung erhalten, gelingt es uns gewöhnlich.«

»Erklärt uns, wie Ihr das meint, Malachi.«

»Wir fangen die Bienen, während sie auf den Blumen sitzen, um Honig zu sammeln, und lassen sie dann wieder fliegen. Sobald man eine Biene entrinnen läßt, fliegt sie geradewegs zu ihrem Stock; wir beobachten sie nun so lange, bis wir sie nicht mehr sehen können, dann folgen wir in gleicher Richtung und fangen eine andere Biene. So treiben wir es weiter, bis wir sehen, daß sich die Bienen auf einen Baum setzen, dann wissen wir, daß der Stock mit dem Honig sich darin befinden muß und schlagen den Stamm nieder.«

»Ei, wie klug!« sagte Percival.

»Es ist aber ein gutes Auge nötig«, sagte Martin, »um die Bienen weithin beobachten zu können. Einige Trapper fangen die Bienen, indem sie ihnen Zucker mit Branntwein geben. Davon werden sie taumelig und können nicht so geschwind fliegen; dadurch entdecken sie den Stock früher, da sie beinahe so schnell laufen können, wie die Bienen fliegen.«

»Das ist vorzüglich«, rief Percival, »aber erzählt mir, Martin, wie tötet Ihr die Bären?«

»Ei, Master Percival, natürlich mit unseren Büchsen. Am leichtesten sind sie zu töten, wenn sie sich in den Öffnungen hohler Bäume aufhalten.«

»Wie bekommt Ihr sie denn heraus?«

»Nun, wir schlagen mit der Axt gegen die Bäume, dann kommen die Bären heraus, um zu sehen, was es gibt, und sobald sie nur den Kopf herausstrecken, schießen wir.«

»Sprecht Ihr im Ernst, Martin?«

»Ja, Madam, ganz im Ernst«, versetzte Martin.

»Es ist alles wahr, Madam«, sagte der Jäger. »Die Bären sind hier in der Gegend nicht sehr wild. Unten in Maine hatten wir weit schlimmere. Ich sah einmal, wie Indianer auf einem Flusse im Kanu den Bären auflauerten, die über das Wasser schwammen, und an einem Tage sechs bis sieben töteten.«

»Aber die Bären sind trotzdem schreckliche Tiere, wenn sie hungrig sind«, erwiderte Martin, »und da wir sie im Herbst vielleicht hier haben könnten, ist es besser, wir denken nicht zu leicht über sie.«

»Das ist wohl nicht zu befürchten«, sagte Emma. »Malachi freilich hält nichts für gefährlich, aber ich spüre keine Lust, Bären zu sehen. Ihr sagt, wir könnten sie erwarten, Martin. Wieso?«

»Weil sie den Mais sehr lieben, und wir ein Feld damit bestellt haben, das sie leicht reizen kann.«

»Nun, wenn sie kommen, so verlasse ich mich auf meine Büchse«, entgegnete Emma lachend; »jedenfalls fürchte ich mich nicht mehr so vor ihnen, wie damals, als wir erst herkamen.«

»Schießen sie nicht, Miß, wenn Sie nicht sicher sind, daß Sie auch töten«, sagte Malachi. »Verwundet sind diese Tiere sehr gefährlich.«

»Deswegen habt keine Sorge, ich schieße nur aus Notwehr, Malachi; das heißt, wenn mir keine andere Wahl bleibt. Im übrigen verlasse ich mich lieber auf meine Füße, als auf meine Büchse. Seid Ihr jemals von einem Bären umarmt worden?«

»Nein, ich bin niemals umarmt worden, doch war ich einmal einem Bären näher, als ich mir je wieder wünschen möchte.«

»Oh, wann war das? Bitte, teilt es uns mit«, sagte Emma.

»Als ich noch jung war, schlug ich eines Tages mit meiner Axt gegen einen Baum im Walde, in der festen Überzeugung, daß ein Bär darin sei; aber das Tier zeigte sich nicht. Daher kletterte ich auf den Baum, um von oben herab in das Loch zu schauen, ob der Bär zu Hause sei, denn in diesem Falle war ich auch entschlossen, ihn herauszubringen. Nun, Miß, befand ich mich auf der Spitze des hohlen Stammes und steckte meinen Kopf gerade in das Loch, als ganz plötzlich der Rand des Baumes, auf dem ich kniete, nachgab, und ich in die Höhlung hinunterrutschte. Zu meinem Glück war ich nicht mit dem Kopf voran, sonst steckte ich heutigentags noch darin, denn, wie ich nachher sah, war das Loch in der Mitte des Baumes zu eng, als daß ich mich hätte umdrehen können, und ich wäre sitzengeblieben. So aber rutschte ich mit dem Staub und dem morschen Gebröckel; das mich zu ersticken drohte, hinab, bis ich richtig auf den Bären stieß, was mit solcher Gewalt geschah, daß ich seinen Kopf tief niederdrückte und es ihm daher unmöglich machte, mich mit den Zähnen zu packen. Der Bär war ebenso erstaunt wie ich und lag ganz still unter mir, bis ich mich ein wenig erholt hatte. Wie sie sich denken können, trachtete ich nun danach, so schnell wie möglich wieder hinauszukommen. Zu meinem Glück war die Höhlung so eng, daß ich mich mit dem Rücken auf der einen und den Knien auf der anderen Seite wieder emporarbeiten konnte. Auf diese Weise kam ich allmählich wieder bis zu der Stelle hinauf, von wo ich hineingefallen war, und setzte mich quer auf den Baum, um Atem zu schöpfen. Dort wollte ich mich eine Weile ausruhen, doch noch saß ich nicht eine Minute, als ich plötzlich den Kopf des Bären kaum einen Fuß breit unter mir gewahrte. Das Tier war mir nachgeklettert, und ich sah, daß es sehr zornig war. Im Augenblick schwang ich mich von meinem Sitz und sauste nun nahezu zwanzig Fuß bis zum Erdboden noch schneller hinunter, als ich innerhalb des Baumes gerutscht war. Ich war tüchtig durchgeschüttelt von dem Fall, aber meine Knochen waren heil, und ich war mehr erschrocken als verletzt. Eine Weile lag ich ganz still, bis mich ein Grunzen an den Bären erinnerte; ich sprang auf meine Beine und entdeckte, daß er mir den Baum hinab folgte und nur noch sechs Fuß vom Erdboden entfernt war. Da gab es keine Zeit zu verlieren. Ich ergriff meine Büchse und konnte sie noch gerade gegen sein Ohr legen, um ihm den Garaus zu machen, während er schon seinen Vorderfuß auf den Boden setzte.«

»Das war ein knappes Entrinnen.«

»Ja, das war es wohl, aber es läßt sich, ehe der Kampf vorüber ist, nie sagen, wer die Oberhand gewinnt.« –

Von der Festung traf die Nachricht ein, daß am nächsten Morgen das Boot nach Montreal abfahren würde. Als dasselbe heraufkam, brachte es Hauptmann Sinclair mit, zur großen Freude der ganzen Familie, die sehr besorgt um ihn gewesen war, da sie schon so lange mit ihm im vertrauten Verkehr gestanden, und er ihnen so viel Güte erwiesen hatte. Sein Knie war beinahe heil, und nachdem die Begrüßungsfragen ausgetauscht waren, teilte er ihnen mit, daß er einen sechswöchentlichen Urlaub erhalten habe und im Begriff sei, nach Quebec zu fahren.

»Nach Quebec?« rief Emma. »Und warum gehen Sie dorthin?«

»Um die Wahrheit zu bekennen, Emma«, erwiderte Hauptmann Sinclair, »so ist meine Reise nach Quebec nur der vorbereitende Schritt zu meiner Rückkehr nach England auf etwa zwei bis drei Monate.«

»Nach England! Oh, wie wünschte ich« – doch hier hielt Emma inne. Sie wollte sagen, wie sehr sie auch dorthin zu gehen wünsche, aber es fiel ihr ein, daß diese Äußerung ihren Onkel und ihre Tante, die zugegen waren, schmerzen könne, und sie von ihnen für unzufrieden gehalten werden möchte; daher fügte sie hinzu: »Oh, wie wünschte ich, daß Sie mir alle neuen Moden mitbrächten.«

»Alle neuen Moden, liebe Emma?« fragte Henry. »Warum möchtest du denn in den Wäldern Kanadas modisch gekleidet gehen?«

»Warum denn nicht«, rief Emma aus, die wohl empfand, für wie töricht man sie halten mußte, aber aus ihrer Verlegenheit keinen rechten Ausweg wußte. »Ich kann mich auf jeden Fall auch hier im Spiegel besehen.«

»Ich werde mir Mühe geben, Ihnen etwas mitzubringen, das Ihnen Vergnügen bereitet«, versetzte Hauptmann Sinclair. »Was jedoch die Moden anbetrifft, so weiß ich, daß Sie nur scherzen, denn Sie würden sonst die Auswahl nicht einer so unberufenen Person anvertrauen, wie ich es bin.«

»Nun, ich glaube allerdings nicht, daß Sie meine Aufträge sehr gut besorgen würden, darum will ich Sie nicht bemühen«, versetzte Emma. »Jetzt aber teilen Sie uns mit, warum Sie nach England gehen.«

»Liebe Emma«, sagte Mr. Campbell, »dergleichen Fragen solltest du nicht tun; zweifellos hat Hauptmann Sinclair seine Gründe dazu.«

»Es ist sehr richtig, daß ich meine Gründe habe«, versetzte Hauptmann Sinclair, »aber da ich keine Geheimnisse besitze, will ich Emmas Neugierde mit Vergnügen befriedigen. Ich weiß nicht, ob es Ihnen bekannt ist, daß ich schon in frühester Jugend Waise wurde und unter die Obhut eines Vormundes kam. Als mein Vater starb, hinterließ er in seinem Testament die Bestimmung, daß ich mein Eigentum nicht vor dem fünfundzwanzigsten Jahr in Besitz nehmen dürfe. Im vergangenen Jahre erreichte ich dieses Alter, und mein Vormund hat nun an mich geschrieben und mich gebeten, nach Hause zu kommen, damit er mir das ihm anvertraute Gut übergeben könne und der ferneren Verantwortlichkeit enthoben sei.«

»Wird Sie das lange aufhalten?« fragte Mr. Campbell.

»Das darf es nicht. Es ist in Kriegszeiten sehr schwer, von einem Regiment Urlaub zu erhalten, und ich verdanke denselben nur besonderer Fürsprache. Bei meiner Ankunft in Quebec will mich der Gouverneur in seinen Stab versetzen und mir dann den Urlaub erteilen. Ich werde nicht länger bleiben, als nötig ist, da ich selbst Verlangen trage, wieder bei meinem Regiment zu sein. Sie können daher darauf rechnen, daß, wenn ich am Leben bleibe, ich jedenfalls vor dem Winter, wenn nicht bereits früher, wieder bei Ihnen sein werde. Sollten Sie daher einige Aufträge für mich haben, so kann ich nur versichern, daß ich mich glücklich schätzen werde, Ihre Wünsche nach besten Kräften zu erfüllen.«

»Ei«, bemerkte Emma, »wir haben nicht geahnt, daß Hauptmann Sinclair ein vermögender Mann ist. Sie denken jetzt, daß Sie zurückkehren wollen«, fuhr sie ernsthaft fort, »aber, wenn Sie einmal in England sind, werden Sie dort bleiben und Kanada mit allem, was darum und daran hängt, vergessen.«

»Mein Vermögen ist nicht sehr groß«, entgegnete Hauptmann Sinclair, »in England kaum ausreichend, daß eine junge Dame mich ihrer Aufmerksamkeit für wert hält, obwohl es vielleicht genug ist, um ein verständiges Mädchen damit glücklich zu machen. Mein Vermögen wird mich daher in England nicht festhalten, und wie ich bereits sagte, ist es mein größter Wunsch, zu meinem Regiment zurückzukehren.«

»Ob Sie wiederkommen oder dort bleiben, Hauptmann Sinclair«, bemerkte Mr. Campbell, »wir werden Ihnen immer das Beste wünschen. Wir sind nicht undankbar für all Ihre Güte gegen uns.«

»Ebenso werde ich die vielen glücklichen Stunden nie vergessen, die ich in Ihrer Gesellschaft verlebt habe«, entgegnete Hauptmann Sinclair; »aber wir werden ganz trübsinnig werden, wenn wir zu lange bei diesem Thema verweilen. Das Boot darf nicht länger als zwei Stunden hierbleiben, und Henry muß zu der Zeit bereit sein. Der Kommandant wünscht, daß es noch heute abend nach Montreal abgeht.«

»Dann haben wir keine Zeit zu verlieren«, bemerkte Mr. Campbell. »Henry, mach deinen Koffer fertig, damit ihn Martin zum Boot hinuntertragen kann. Es wird lange Zeit dauern, ehe Sie wieder mit uns speisen werden«, fuhr Mr. Campbell zu Hauptmann Sinclair fort, »aber ich wünsche Ihnen beste Gesundheit und viel Glück bis zu Ihrer Rückkehr. Kommt, Mädchen, bekümmert euch um das Mittagessen. Mary! Wo ist Mary?«

»Sie ging vor wenigen Minuten ins Zimmer«, sagte Emma, »aber ich bin hier und kann auch ohne sie oder die Tante alles nötige besorgen. Komm, Percival, decke das Tischtuch auf. Alfred, komm du und hilf mir, dies ist beinahe zu schwer für mich. Oh, da ist die Tante! Jetzt kannst du wieder fortgehen, Alfred; wir kommen ohne dich besser vorwärts.«

»Das heißt Dankbarkeit!« sagte Alfred lachend.

Da Henry die Aufforderung zur Fahrt bereits täglich erwartet hatte, so währten seine Vorbereitungen nicht lange, und er erschien nach wenigen Minuten, von Percival begleitet. Darauf setzten sie sich zu Tisch, in nicht gerade froher Stimmung, denn Hauptmann Sinclairs unerwartete Abreise hatte alle mit Betrübnis erfüllt. Erst gegen Ende des Mahles wurden sie heiterer, und Mr. Campbell gab eine Flasche Wein zum besten, um auf Glück und Erfolg der Reisenden zu trinken. Es war Zeit zum Aufbruch. Hauptmann Sinclair und Henry schüttelten Mrs. Campbell und den jungen Damen die Hand und gingen in Begleitung der übrigen Herren zum Ufer hinab.

»Ich kann den Abschied von einem Menschen, mit dem ich so gut bekannt war, gar nicht ertragen«, sagte Emma, als sie allein waren. »Ich gestehe, ich könnte mich hinsetzen und über Hauptmann Sinclairs Abreise in herzhaftes Schluchzen ausbrechen.«

Mary seufzte, gab aber keine Antwort.

»Ich wundere mich nicht, daß du das sagst, Emma«, erwiderte Mrs. Campbell. »Selbst in England, wo wir von vielen Freunden umgeben waren, berührte uns ein Abschied immer schmerzlich, hier aber, wo wir so wenige besitzen, ja, ich möchte sagen, beinahe nur Hauptmann Sinclair, ist die Trennung natürlich sehr schwer. Ich hoffe indessen, daß sie nur eine zeitweilige ist.«

»Es muß aber sehr langweilig sein, auf der Festung im Dienst zu stehen«, sagte Mary. »Ich wäre nicht überrascht, wenn Hauptmann Sinclair nicht wiederkehrte.«

»Mich würde es außerordentlich wundern«, erwiderte Emma. »Ich bin fest überzeugt, daß er wiederkommt, wenn er nicht durch unvermeidliche Gründe verhindert wird.«

»Da er so lebhaft den Wunsch ausspricht, zu seinem Regiment zurückzukehren, würde es mich ebenso wie dich, Emma, in Erstaunen setzen«, sagte Mrs. Campbell, »denn er ist kein flatterhafter junger Mann. Aber kommt, wir müssen den Mittagstisch abräumen.«

Mr. Campbell, Alfred, Percival und Martin kehrten bald zurück, denn Hauptmann Sinclair hatte sofort abfahren müssen, um dem Befehl gemäß wieder zur rechten Zeit beim Fort zu sein. Malachi und John waren auf einem Jagdausflug, und die Erdbeere befand sich in ihrer Hütte. Die Gesellschaft, die am Abend in der Küche saß, war daher sehr zusammengeschmolzen und infolge des Abschieds von Hauptmann Sinclair nicht gerade angeregt. Sie gingen heute früh zu Bett.

Nach zwei Tagen kehrten Malachi und John mit den Häuten dreier Bären zurück, die sie getötet hatten. Die Tiere waren in dieser Jahreszeit so dünn und mager, daß es sich nicht lohnte, ihr Fleisch mit nach Hause zu bringen. Überhaupt war es jetzt kaum angebracht, auf die Jagd zu gehen, daher blieben Malachi und John viel daheim, fischten im See oder fingen Forellen im Fluß. Alfred und Martin waren noch mit der Landwirtschaft beschäftigt. Die Saat war aufgegangen, und sie spalteten nun Latten zum Präriezaun. Etwa vierzehn Tage nach Hauptmann Sinclairs Abreise kam Oberst Forster in einem Boot von der Festung herüber, um die Familie zu besuchen.

»Ich versichere Ihnen, Mr. Campbell«, sagte er, »ich habe mich den Winter über sehr um Sie geängstigt, und ich freue mich, daß Sie ihn mit so geringen Unbequemlichkeiten überstanden haben. Eine Zeitlang hegten wir der Indianer halber Befürchtungen; aber diese sind gegenwärtig geschwunden. Sie werden sich zwar in diesem Sommer wieder versammeln, aber die Regierung in Quebec ist auf der Hut, und ich zweifle nicht daran, daß einige Zugeständnisse aller Feindseligkeit ein Ende machen werden. Wir erwarten, daß eine große Anzahl Decken und andere Gegenstände in diesem Frühjahr den Stämmen zum Geschenk gemacht werden und hoffen, dadurch ihre Zuneigung zu gewinnen; auch haben wir mehrere französische Aufwiegler aufgegriffen, die Unheil stifteten.«

»Trotzdem werden wir aber den Angriffen der herumziehenden Kriegsbanden ausgesetzt sein«, sagte Mr. Campbell.

»Das ist wahr«, entgegnete der Oberst, »aber denen gegenüber haben Sie Ihre eigenen Verteidigungsmittel. Befänden Sie sich in England in einer so abgeschiedenen Lage, so wären Sie dort ebensowenig vor Einbrechern sicher. – Es besteht nur der Unterschied, daß Sie in England das Gesetz anrufen könnten, während Sie hier das Gesetz selbst handhaben müssen.«

»Es ist keineswegs angenehm, sich beständig in dem Zustand der Besorgnis zu befinden«, bemerkte Mr. Campbell, »aber wir wußten, was uns bevorstand, ehe wir hierherkamen, und müssen nun alles von der besten Seite nehmen. Sie haben nun Hauptmann Sinclair verloren, Oberst; für uns ist dadurch eine große Lücke entstanden.«

»Ja, er geht für kurze Zeit nach England«, entgegnete der Oberst, »aber wir werden ihn bald wiederhaben.«

»Er erzählte uns, daß er ein kleines Eigentum in Besitz nehmen wolle.«

»Ein Eigentum, das jährlich beinahe 2000 Pfund bringt«, erwiderte der Oberst. »Er mag es für ein kleines Besitztum halten, aber ich würde anders denken, wenn es mir zugefallen wäre.«

»Nach dem, was er sagte, hatte ich keine Ahnung, daß es so beträchtlich ist«, erwiderte Mr. Campbell. »Nun, ich habe eine hohe Meinung von ihm und zweifle nicht, daß er es gut verwenden wird.«

»Unter allen Umständen kann er sich den Luxus einer Gattin gestatten«, sagte der Oberst lachend, »was uns Soldaten selten möglich ist.«

Der Oberst ließ sich hierauf mit Mr. Campbell in ein Gespräch über die Farm ein, und nachdem er verschiedene Fragen getan, bemerkte er:

»Ich habe daran gedacht, Mr. Campbell, daß es sowohl für die Regierung wie für Sie sehr vorteilhaft wäre, wenn Sie, nachdem Ihre Farm gelichtet und mit Vieh versehen ist, die Ihnen zu Gebote stehende Wasserkraft benutzten und eine Mehl- und Sägemühle erbauten. Sie wissen, daß die Regierung die Festung mit Mehl und allen Arten Lebensmitteln versorgen muß, deren Transport eine bedeutende Ausgabe verursacht, und daß das Rindvieh in der Festung uns jetzt, wo wir die für uns so günstig gelegene Präriefarm verloren haben, mehr kostet, als es wert ist. Andererseits wird der Ertrag Ihres Landes sonst fast nutzlos für Sie sein. Bei der Entfernung von hier bis zu irgendeinem Marktplatz werden Sie keine Gelegenheit zum Verkauf haben. Errichten Sie aber eine Mühle, mahlen Ihren eigenen Weizen, was sich bei genügenden Mitteln schon im nächsten Jahre bewerkstelligen ließe, und halten Sie dabei einen tüchtigen Viehstand, so sind Sie imstande, das Fort mit Mehl, Rind-, Schweine- und Hammelfleisch zu versorgen, das Sie mit gutem Nutzen für sich zur Hälfte des Preises abgeben könnten, den die Regierung jetzt zahlt. Ich habe über die Sache schon an den Gouverneur geschrieben, ihm mitgeteilt, daß wir nicht imstande sind, das Vieh länger zu halten, und auf das hingedeutet, was ich Ihnen jetzt auseinandersetzte. In einigen Tagen erwarte ich die Antwort, und kann für den Fall, daß er mich zum Handeln in dieser Angelegenheit ermächtigt, gleich jetzt mit Ihnen ein Übereinkommen treffen, das ohne Zweifel befriedigend ausfallen wird.«

Mr. Campbell sprach dem Oberst den besten Dank für seine Güte aus und erklärte sich natürlich bereit, seinem Rat zu folgen. Er setzte ihm dann auseinander, daß seine Mittel nicht nur zur Erbauung einer Mühle genügend wären, sondern daß er auch den Lohn für jede Anzahl von Leuten bezahlen könne, die der Kommandant den Sommer über zu entbehren vermöchte.

»Das ist ja gerade der Punkt, über den ich im klaren sein wollte, doch empfand ich einige Scheu, Sie darüber zu befragen. Jetzt, denke ich, wird unser Übereinkommen keine Schwierigkeiten machen.«

Nachdem der Oberst noch ein wenig verweilt und die Farm in Augenschein genommen hatte, verabschiedete er sich.

Mittlerweile machte Alfred mit seinen Basen einen Spaziergang. Das Wetter war prachtvoll klar, und die Hitze am Nachmittag durchaus nicht drückend. Während sie am Ufer des Flusses dahinwanderten, sagte Mary:

»Nun, Alfred, wie denkst du über den Vorschlag des Obersten?«

»Ja«, bemerkte Emma, »du bist ja sehr daran beteiligt.«

»Wieso, mein Schätzchen?«

»Nun, siehst du denn nicht ein, daß, wenn die Mühle erbaut wird, du die betreffende Person sein wirst, die die Leitung übernimmt? Welch ein Wechsel in der Berufsart. Erst Seemann, dann Müller. Im Geiste sehe ich dich schon mit deinem mehlbestäubten Rock zu Tisch erscheinen.«

»Liebe Emma, du hast sicherlich nicht die Absicht, mich zu kränken, und ahnst nicht, wie weh du mir tust. Als der Oberst den Vorschlag machte, empfand ich dessen Wichtigkeit, denn meinem Vater würde großer Vorteil daraus erwachsen; zugleich aber machte er mich sehr niedergeschlagen, denn ich weiß nicht, wie es kommt, aber ich habe stets den Gedanken gehegt, daß wir nicht für immer hierbleiben würden, und dieser Plan erscheint mir gleichbedeutend mit einer Ansiedlung auf Lebenszeit, und das macht mich kleinmütig. Ich weiß, es ist töricht von mir, denn wir haben keine Aussicht, je von hier fortzukommen; doch selbst mit dieser Gewißheit vor Augen kann ich mich von dem Gedanken nicht losmachen, daß ich noch eines Tages zu meinem früheren Beruf zurückkehren dürfte – ich vermag den Gedanken, zeitlebens Müller zu werden, noch nicht einmal mit einer gewissen Fassung zu betrachten.«

»Ach, Alfred, glaube mir, ich wollte dich nur ein wenig necken – keineswegs dein Gefühl verletzen«, erwiderte Emma.

»Du brauchst nicht Müller zu werden, wenn du keine Lust dazu hast. Henry paßt vielleicht besser dafür als du; was aber unser Fortkommen von hier betrifft, so ahne ich nicht, ob es möglich sein wird. Ich bin darauf gefaßt, in den kanadischen Wäldern zu leben und zu sterben.«

»Murren ist nutzlos«, bemerkte Mary Percival. »Wir haben vieles, wofür wir dankbar sein müssen; wenigstens sind wir unabhängig, und wenn wir je die Güte unseres Onkels und unserer Tante abtragen wollen, die den Wechsel in den Verhältnissen so viel mehr als wir empfinden müssen, so kann es nur durch Heiterkeit und Zufriedenheit geschehen. Ich habe so gut überlegt wie du, Alfred, und ich will euch meine Gedanken mitteilen. Ich habe einige Jahre vorausgeblickt und meine, da das Land sich so schnell bevölkert, so sei es höchstwahrscheinlich, daß wir in dieser Zeit andere Ansiedler rechts wie links als Nachbarn hätten. Das wird uns Sicherheit verleihen. – Ferner habe ich mir vorgestellt, daß Onkels Farm und Besitztum Wert und Bedeutung erhalten, er selbst in diesem Distrikt die leitende Persönlichkeit würde und überdies nicht nur behaglich zu leben hätte, sondern für einen Kolonisten sogar reich würde. Und dann dachte ich, wenn wir von Nachbarn umgeben, in völliger Sicherheit und in guten und unabhängigen Verhältnissen wären, so würde auch Onkel nicht das Opfer vergessen, das Vetter Alfred so edelmütig gebracht hat, und würde darauf bestehen, daß er zu dem Berufe zurückkehrt, an dem er so hängt, und in dem er sich zweifellos noch auszeichnen wird.«

»Schön gesprochen, meine süße Prophetin«, sagte Alfred, seine Base küssend, »du hast mehr Verstand als wir beiden anderen zusammen.«

»Antworte gefälligst für dich allein, Alfred«, rief Emma und warf den Kopf zurück, als wenn sie beleidigt wäre. »Ich werde diese Bemerkung von dir nicht vergessen, davon kannst du überzeugt sein. Nun werde ich das gerade Gegenteil prophezeien. Alfred wird nie wieder zur See gehen, er wird von den Reizen irgendeiner schottischen Ansiedlerstochter gefesselt werden, wird sich als kanadischer Farmer festsetzen und auf einem langbeinigen, schwarzen Pony reiten.«

»Und ich prophezeie«, entgegnete Alfred, »daß zu derselben Zeit, wo ich mich auf diese Art verheirate und ansiedle, wie du es beschrieben hast, Miß Emma ihre Reize irgendeinem langbeinigen, schwarzen, unbeschreiblichen Menschen schenkt, der einen Schnapsladen aufmacht und seine Frau als Schenkmamsell einstellt, um seine Kunden zu bedienen und herbeizulocken.«

»Ei, ich glaube, du kommst bei diesem Ausblick in die Zukunft am schlechtesten weg«, sagte Mary lachend.

»Ja, wenn Alfred nicht zu den falschen Propheten gehört, deren immer eine Menge herumlaufen«, versetzte Emma; »doch ich hoffe, deine Prophezeiung wird die richtige sein, Mary, und dann werden wir ihn los.«

»Ich schmeichle mir, daß du sehr betrübt sein würdest, wenn ich fortginge, du hättest dann jedenfalls niemand mehr zum Necken«, entgegnete Alfred, »und das wäre für dich ein harter Verlust.«

»In dieser Bemerkung liegt etwas Wahres«, sagte Emma, »aber die Kühe warten auf das Melken, und darum, Alfred, wenn du ein feines Benehmen zeigen willst, so tust du besser, uns jetzt unsere Eimer zu holen.«

»Mir tut Alfred wirklich leid«, sagte Mary, sobald er außer Hörweite war, »sein Opfer war ein sehr großes – das empfindet er tief – wie kämpft er aber dagegen!«

»Er ist ein edler Mensch«, rief Emma, »ich liebe ihn sehr, obwohl ich es nicht lassen kann, ihn zu necken.«

»Aber nach mancher Richtung hin solltest du vorsichtiger sein«, versetzte Mary, »du weißt nicht, wie weh du ihm tust.«

»Ja, ich weiß es, und wenn es geschehen ist, tut es mir immer leid; aber das kommt erst später, wenn ich darüber nachdenke, und dann bin ich auf mich selbst böse. Schilt mich nicht, liebe Mary, ich will versuchen, verständiger zu werden. Ich bin aber begierig, ob das geschieht, was du prophezeit hast, und wir Nachbarn haben werden; ich wünschte es sehr, schon allein der Indianer wegen.«

»Ich halte es für sehr wahrscheinlich«, erwiderte Mary, »doch die Zeit wird es lehren.«

Alfred kam mit den Eimern zurück, und das Gespräch nahm eine andere Wendung.

Einige Tage darauf traf ein Korporal vom Fort ein, der Briefe und Zeitungen brachte, die ersten, die sie seit dem Ende des Winters empfingen. Die ganze Familie geriet in Aufregung, als die Kunde mitgeteilt wurde. Mary und Emma verließen ihre Hühner, die sie gerade fütterten, Percival warf den Eimer fort, mit dem er die Schweine versorgte, Alfred eilte von dorther, wo er mit Martin Latten schnitt, und alle umdrängten Mr. Campbell, während dieser das Paket öffnete. Briefe waren nur wenige vorhanden, drei von Miß Paterson und zwei anderen Freunden aus England, die viele Neuigkeiten enthielten; einer kam von Kapitän Lumley, der sich nach dem Ergehen der Familie erkundigte und mitteilte, daß er seinen Freunden an Bord Alfreds Lage erklärt habe, und dieser nun fürs erste nicht zum Dienst beordert werden könne. Mr. Campbell erhielt einen Brief von seinem englischen Agenten, der ihn benachrichtigte, er habe die von Mr. Douglas Campbell für die Pflanzen bezahlte Summe seinem Agenten in Quebec übermittelt. Ein Schreiben von letzterem kündigte den Empfang des Geldes an und enthielt außerdem die Abrechnung. Zuerst wurden die Briefe durchflogen, dann die Zeitungen verteilt, worauf alle bald sehr eifrig mit Lesen beschäftigt waren.

Nach einer Weile rief Emma: »Lieber Onkel, höre nur dies – wie leid mir das tut!«

»Was ist denn, meine Liebe?« fragte Mr. Campbell.

»Mrs. Douglas Campbell auf Wexton-Hall wurde von einem Sohn entbunden, der wenige Stunden nach seiner Geburt starb.«

»Das tut mir auch sehr leid, liebe Emma«, erwiderte Mr. Campbell. »Mr. Douglas Campbell hat sich gegen uns so gütig gezeigt, daß wir jedes ihn treffende Unglück mitempfinden und uns wiederum auch jedes Segens freuen müssen, der ihm zuteil wird.«

»Das muß eine bittere Enttäuschung gewesen sein«, sagte Mrs. Campbell. »Hoffen wir, daß ihre jetzt zerstörten Erwartungen sich bei späterer Gelegenheit erfüllen.«

»Hier ist ein Brief von Oberst Forster, den ich übersah«, sagte Mr. Campbell; »er steckte im Umschlag. Er teilt mir mit, daß er eine Antwort vom Gouverneur habe. Derselbe stimme mit seinen Ansichten bezüglich der neulich besprochenen Angelegenheit völlig überein und erlaube ihm, alle Schritte zu tun, die er für rätlich halte. Der Oberst beabsichtigt, mich in den nächsten Tagen wieder zu besuchen, und will, falls ich ihn inzwischen wissen lassen kann, wie viele Soldaten ich zu beschäftigen gedenke, alle Anordnungen treffen, um meinen Wünschen, soweit es in seiner Macht steht, entgegenzukommen. – Wir können dem Himmel nur danken, daß er uns überall Freunde schickt!« –

Beinahe fünf Wochen waren vergangen, ehe Henry von seiner Reise nach Montreal zurückkehrte. Während dieser Zeit hatte der Oberst seinen Besuch wiederholt und die nötigen Vereinbarungen mit Mr. Campbell getroffen. Eine Abteilung von zwanzig Soldaten war zur Arbeit geschickt worden, um Holz zu fällen und Latten zu schneiden. Das Winterhaus und der Palisadenzaun für die Schafe wurden in Angriff genommen, und jetzt, wo so viele Leute dabei tätig waren, machten die Bauten in kurzer Zeit große Fortschritte. Auch der Fluß war bis zu gewisser Entfernung untersucht worden, um zu erfahren, welches der günstigste Platz für die Wassermühle wäre. Sie wählten denselben beinahe eine halbe Meile vom Ufer des Sees entfernt, dort, wo der Fluß einen beträchtlichen Fall bildete und mit großer Geschwindigkeit dahinschoß. Man dachte indessen nicht daran, die Mühle vor dem nächsten Jahre zu errichten, da man hierzu einen Mühlenbaumeister und die Maschinen aus Montreal oder Quebec kommen lassen mußte. Man beabsichtigte jedoch, noch während des Herbstes den Kostenanschlag zu machen, sowie die nötigen Anordnungen zu treffen, damit für den Frühling des kommenden Jahres alles in Bereitschaft wäre.

An einem Montagmorgen kehrte Henry von der Festung zurück, wo er spät in der Nacht eingetroffen war. Das Boot mit dem Vieh und den Vorräten hatte er beim Fort gelassen, es sollte noch im Laufe des Tages von dort herüberkommen. Henrys Ungeduld, die Seinen wiederzusehen, hatte ihm nicht erlaubt, darauf zu warten. Er wurde freudig empfangen, und sobald die ersten Begrüßungen vorüber waren, teilte er seinem Vater alles mit, was er ausgerichtet hatte.

Von einem kanadischen Farmer hatte er vierzig Mutterschafe von sehr schöner Zucht erhalten, obwohl dieselben den englischen nicht gleichkamen. Indessen hatte der Agent wacker für ihn gewirkt und ihm, damit die Zucht verbessert würde, noch zwanzig englische Schafe und zwei Böcke bester Ordnung verschafft. Letztere hatte er allerdings ziemlich teuer bezahlen müssen, aber sie schienen Mr. Campbell, der über diese Erwerbung hocherfreut war, jeden Preis wert. Bei der Auswahl der Schafe hatte sich Henry natürlich ganz auf den Agenten und dessen Händler verlassen müssen, da er selbst kein Urteil darüber besaß. Auf eigene Verantwortung hatte er indessen zwei kanadische Pferde gekauft, denn er war lange genug in Oxford gewesen, um zu wissen, worauf es bei einem Pferde ankommt. Wie sich später herausstellte, hatte er einen sehr guten Handel gemacht. Außerdem hatte er noch eine Sau und einige Ferkel erstanden und daneben alle übrigen Besorgungen gewissenhaft ausgeführt. Auch die Fellpakete hatten den für sie bestimmten Preis ergeben. Er brachte auch viele Neuigkeiten mit und wußte manches zu erzählen von Montreal, den dortigen Gesellschaften, zu denen man ihn geladen, und den Leuten, die er kennengelernt hatte. Auch hatte er nicht vergessen, für seine Basen einige Bücher zu kaufen, sowie verschiedene Putzartikel, die ihm für ihre gegenwärtige Lage nicht zu glänzend dünkten.

Henry sprach noch und hätte wahrscheinlich, da er so viele Fragen beantworten mußte, stundenlang weitererzählt, wäre nicht Martin erschienen, um die Ankunft des Bootes mit dem Vieh und den Vorräten zu melden. Hierauf gingen alle zum Gestade hinab, um das Ausladen und Heraufschaffen mit anzusehen, das durch die Soldaten geschah. Die Vorräte wurden bis vor die Tür des Wirtschaftshauses gebracht, und Schafe und Pferde zu den Kühen auf die Prärie getrieben. Auch eine Wochenration für die Soldaten war vom Fort mitgekommen. Die Leute waren sehr geschäftig, dieselbe zu verteilen und in die kleinen Hütten zu tragen, die sie sich zu ihrer Bequemlichkeit für die Dauer ihrer Arbeit bei Mr. Campbell aus Baumzweigen hergestellt hatten. Ehe der Abend hereinbrach, war alles in Ordnung gebracht, und Henry saß wieder im Kreise der Seinigen und beantwortete die Fragen, die noch nicht erledigt waren. Er erzählte ihnen, daß der Gouverneur von Montreal sie eingeladen habe, den Winter im Gouvernementsgebäude zuzubringen. Den jungen Damen ließ er sagen, daß sich dort kein Wolf in ihre Nähe wagen würde und seine Adjutanten schon jetzt um die Ehre bäten, sie auf dem ersten Ball, der gleich nach ihrer Ankunft stattfinden solle, zum Tanz führen zu dürfen. Hierüber mußten alle herzlich lachen.

Es schien überhaupt, daß man Henry mit einer Freundlichkeit und Gastfreundschaft ohnegleichen begegnet war, die sich zweifellos auch auf die übrigen Familienmitglieder erstrecken würde, falls diese sich entschlössen, nach Montreal zu kommen.

In einer Pause des Gespräches wandte sich Malachi an Mr. Campbell und sagte:

»Martin wünscht, daß ich etwas mit Ihnen bespreche, Sir.«

»Martin?« fragte Mr. Campbell, indem er sich umsah und gewahrte, daß dieser nicht im Zimmer war. »Ich sehe, er ist hinausgegangen. Was kann es nur sein, daß er es nicht selbst sagen mag?«

»Gerade das habe ich ihm auch gesagt«, versetzte Malachi, »aber er hält es für besser, daß Sie es durch mich erfahren. Die Sache ist die, Sir, er hat eine Neigung für die Erdbeere gefaßt und wünscht sie zu seiner Frau zu machen.«

»Wirklich?«

»Ja, Sir, ich glaubte nicht, daß er jetzt schon davon sprechen würde, aber sehen Sie nur, es sind die vielen Soldaten hier, und unter ihnen haben zwei oder drei den gleichen Gedanken wie Martin, und deswegen hat er keine Ruhe, bis die Sache nicht fest abgemacht ist. Da er nun, während er in Ihrem Dienst steht, nicht gut ohne Ihre Erlaubnis heiraten kann, bat er mich, mit Ihnen darüber zu sprechen.«

»Gut, aber die Erdbeere gehört Euch, und nicht mir, Malachi.«

»Ja, nach indianischer Sitte bin ich ihr Vater; aber ich habe nichts dagegen und bin entschlossen, daß Martin die Erdbeere haben soll, weil ich weiß, daß er ein tüchtiger Jäger ist und sie gut behandeln wird; doch sei dem, wie ihm wolle, mir wird wohler zumute sein, wenn er sie zu seiner Frau gemacht hat. Ich werde bei ihnen hier in der Nähe wohnen, und Martin dient wie bisher, ja, wenn er ein Weib hat, wird er nicht so leicht geneigt sein, den Dienst zu verlassen und in die Wälder zu gehen.«

»Ich finde den Vorschlag vorzüglich, Malachi, und es gefällt mir sehr, daß wir euch nun alle beisammen haben werden«, sagte Mrs. Campbell.

»Ja, Madam, das werden Sie, und ich kann mich dann immer um den Jungen bekümmern; Sie wissen auch stets, wo wir sind, und brauchen sich nicht zu ängstigen.«

»Sehr wahr, Malachi«, sagte Mr. Campbell, »ich halte die Einrichtung auch für vortrefflich. Wir müssen Euch aber eine bessere Wohnung bauen als Eure jetzige.«

»Nein, Sir, keine bessere, denn wenn man alles hat, was man braucht, kann man nicht mehr gebrauchen. – Sie ist groß genug, nur vielleicht nicht nahe genug. Ich habe gedacht, wenn die Schafhürde fertig ist, so möchte es besser sein, wenn wir unsere Wohnung innerhalb der Palisaden aufschlügen, dann wären wir eine Art Schutzwehr für die Tiere.«

»Ein ganz vortrefflicher Gedanke, Malachi! Gut denn, soweit ich in Betracht komme, hat Martin meine volle Einwilligung, sich zu verheiraten, sobald es ihm gefällt.«

»Und die meinige auch, wenn die überhaupt nötig ist«, bemerkte Mrs. Campbell.

»Aber, wer wird sie denn trauen?« fragte Emma. »In der Festung ist kein Kaplan mehr, denn er ist letztes Jahr fortgegangen.«

»Nun, Miß, sie brauchen keinen Kaplan, sie ist ja ein indianisches Mädchen, und er kann sie nach indianischer Sitte heiraten.«

»Aber, was für eine Sitte ist denn das?«

»Nun, Miß, er kommt in ihre Wohnung und holt sie fort nach seinem eigenen Hause.«

Alfred brach in ein lautes Lachen aus. »Das heißt kurzen Prozeß machen«, sagte er.

»Ja, etwas zu kurz, um meinen Beifall zu finden«, sagte Mrs. Campbell. »Malachi, es ist ja wohl wahr, daß die Erdbeere ein indianisches Mädchen ist, aber wir sind doch keine Indianer, und ebensowenig Martin und Ihr, der Ihr Vaterstelle bei ihr vertretet; wirklich, zu einer solchen Heirat kann ich meinen Segen nicht geben.«

»Nun, Madam, wie es Ihnen beliebt; aber mir scheint alles in Ordnung zu sein. Wenn Sie in ein anderes Land gehen und dort ein Mädchen heiraten wollen, so heiraten Sie sie nach den Gesetzen des Landes. Da Martin sich eine indianische Squaw erwählt, warum soll er sie da nicht nach indianischer Sitte heiraten?«

»Ihr mögt mit Eurer Begründung recht haben«, sagte Mrs. Campbell, »doch müßt Ihr unseren Vorurteilen auch einige Zugeständnisse machen. Wir könnten die Erdbeere nicht für eine verheiratete Frau ansehen, wenn keine weitere Handlung stattfände als die von Euch vorgeschlagene.«

»Nun, Madam, ganz wie Sie meinen, aber denken Sie nur, wenn Sie sie nach einer anderen Sitte verheiraten, so versteht das Mädchen nicht ein Wort von dem, was gesagt wird. Was für einen Nutzen hat es also?«

»Augenblicklich keinen für sie, Malachi, aber bedenkt nur, wenn sie jetzt auch noch nicht Christin ist, so kann sie es doch später werden. Ich habe oft hierüber nachgedacht, und obwohl ich es für nutzlos halte, jetzt schon mit ihr zu sprechen, so hoffe ich doch, sobald sie genügend englisch versteht, daß ich sie zur Christin bekehren werde. Und sollte dies geschehen, so wird sie merken, daß sie nicht auf richtige Weise geheiratet hat, und wird wünschen, daß die Trauung noch einmal in gebührender Art stattfindet. Warum also nicht gleich jetzt?«

»Gut, Madam, wenn es Ihnen lieb ist; ich mache keine Einwendung, und Martin sicherlich auch nicht.«

»Es wird mir sehr lieb sein, Malachi«, erwiderte Mrs. Campbell.

»Und da kein Kaplan in der Festung ist«, bemerkte Mr. Campbell, »so kann der Oberst in seiner Abwesenheit die Heirat vollziehen. Eine Trauung durch einen kommandierenden Offizier ist durchaus gesetzgültig.«

»Ja«, versetzte Alfred, »ebenso, wie wenn der Kapitän eines Kriegsschiffes sie vollzieht.«

»So mag es denn sein«, erwiderte Malachi, »und je eher, je besser, denn die Soldaten sind sehr lästig; ich kann sie gar nicht von unserer Wohnung fernhalten.«

Martin, der draußen vor der Tür geblieben war und alles, was vorging, mit angehört hatte, kam jetzt herein. Die Sache wurde von neuem besprochen, und Martin dankte für die ihm erteilte Erlaubnis.

»Nun«, sagte Emma, »das habe ich nicht geglaubt, daß wir sobald eine Hochzeit in der Familie haben würden; dies ist wirklich ein Ereignis. Martin, ich wünsche Euch Glück – Ihr bekommt eine sehr hübsche und sehr gute Frau.«

»Das denke ich auch, Miß«, erwiderte Martin.

»Wo ist sie denn?« fragte Mary.

»Sie ist im Garten, Miß«, sagte Malachi, »damit sie den Soldaten nicht in den Weg kommt, die sie am Abend, nachdem die Arbeit getan ist, nicht wenig zu quälen pflegen, weshalb sie froh ist, wenn sie ihnen entrinnen kann. Ich mag ihnen aber dreist befehlen, fortzugehen, sie kehren sich doch nicht daran, denn sie wissen, daß ich meine Büchse nicht gegen sie gebrauchen darf.«

»Das möchte ich auch nicht hoffen«, entgegnete Mrs. Campbell. »Es wäre arg, einen Menschen nur deswegen zu erschießen, weil er Eure Tochter heiraten will.«

»Ja, Madam, das wäre es freilich«, erwiderte Malachi, »darum, je eher sie Martin übergeben wird, desto eher bekommen wir Frieden.«

Da das Boot jetzt beständig zwischen der Festung und der Farm hin- und herging, schrieb Mr. Campbell an den Oberst und setzte ihm auseinander, was sie von ihm wünschten, worauf derselbe bestimmte, daß er in acht Tagen herüberkommen und die Trauung vollziehen wolle. Das gab nun ein kleines Fest auf der Farm. Mrs. Campbell und die Misses Percival kleideten sich schöner als sonst, und die Männer taten dasselbe; auch wurde ein besseres Mittagessen als gewöhnlich bereitet, da der Oberst und einige Offiziere zu Tisch erscheinen und den Tag bei ihnen verleben wollten. Martin war festlich gekleidet und in sehr gehobener Stimmung. Die Erdbeere trug ein neues, aus jungen Hirschfellen gefertigtes Festgewand und einige Blumen in ihrem langen schwarzen Haar; so erschien sie sehr niedlich, sehr bescheiden und durchaus nicht verlegen. Die Eheschließung wurde ihr durch Malachi erklärt, und sie willigte fröhlich ein. Die Trauung fand vor zwölf Uhr mittags statt, und einige Stunden später setzte man sich an die wohlbesetzte Tafel. Die ganze Gesellschaft war sehr fröhlich, besonders als der Oberst, der sich ganz ungewöhnlich heiter zeigte, darauf bestand, daß die Erdbeere sich mit an den Tisch setzte, was sie noch nie zuvor getan hatte. Sie benahm sich indessen ohne alle Verlegenheit und lachte, wenn die anderen lachten, obgleich sie nur wenig von dem verstand, was gesprochen wurde. Mr. Campbell öffnete zu Ehren des Tages zwei Flaschen Wein, und die Feier verlief sehr glücklich. Die einzigen Unzufriedenen waren an diesem Tage drei oder vier Soldaten, die die Erdbeere gern selbst hatten heiraten wollen; aber da der Oberst zugegen war, so unterblieb von ihrer Seite alles Störende. Mit Sonnenuntergang brachen der Oberst und die Offiziere nach der Festung auf, während die übrigen bis nach zehn Uhr im Hause blieben, zu welcher Zeit die Soldaten alle zur Ruhe gegangen waren. Dann küßten alle die Erdbeere und wünschten ihr gute Nacht. Sie wurde von Martin zu ihrer Wohnung geführt; Alfred, Henry, Malachi, Percival und John geleiteten sie bis dorthin als Schutzwache gegen irgendeine Überraschung von seiten ihrer enttäuschten Bewerber.

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