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Die Akten von St. Avit

Arthur de Gobineau: Die Akten von St. Avit - Kapitel 8
Quellenangabe
authorArthur Gobineau
titleDie Akten von St. Avit
publisherrich Matthes
year1924
firstpub1923
translatorHans von Wolzogen
illustratorKarl Mahr
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20161021
projectided5d8725
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Bild: Karl Mahr

Gedeon de Lansac de Perigrode, Kapitän eines Fähnleins von 100 Arkebusieren zu Pferde im Dienste des Königs von Navarra. Sechsunddreißigster Abt. Kommandator 1592

Welch Schauspiel für den Mann, den die erhab'nen Leuchten
des Evangeliums aufgeklärt:
o diese Röm'schen, die von frechem Wahn durchseuchten!
Hör' ich die Litanei'n, seh ich die Baalsaltäre,
die Götzen all' von Stein, geschnitz'ter Heil'gen Heere,
vom Aberglauben stumpf verehrt:
vor Ekel fühl' ich mir das Herz im Leibe zucken,
von mörderischem Zorn mir alle Finger jucken –
ein wenig räumt' ich schon den alten Saustall aus:
ich warf's aus St. Avit hinaus!

Wer weiß, woher er kam, ein Haufen alter Knochen –
hinein in einen offnen Trog!
Ein morsch' Gerippe war's, davor das Volk gekrochen.
Die Kapsel rund herum von Gold – ein fetter Bissen! –
Hab' ich mit eigner Hand zerrissen und zerschmissen,
daß alles Gold in Stücke flog!
Das kam uns gut zupaß, das können wir gebrauchen,
doch einen Bücherstoß ließ ich im Hofe rauchen,
die Alten greinten erst – ein Wink von meiner Hand:
die dumme Liebe hielt nicht stand!

Die alte Kirche soll mir bald vom Boden schwinden.
An ihre Stelle bau' ich mir
ein Schloß – die Steine sind ja leicht dafür zu finden! –
Doktoren auch von Genf will ich mir herberufen,
die Wahrheit, der sie dort die freien Wege schufen,
das Manna nähre dann uns hier,
verbreiten werden wir die Wohltat allerorten,
mit Güte, mit Gewalt, wir öffnen hier die Pforten.
»Wer einen Wildling pfropft und in die Rinde schneid't,
der Bauer preist die Grausamkeit.«

Ich habe doppelt Haß auf diese Messesänger,
weil sie ein wenig mich verführt.
Den dummen Jungen fing die List der Vogelfänger.
Seit meinem zwölften Jahr ist mir dies Kloster eigen –
nun, der Ertrag ist gut, doch sollt' ich mich auch zeigen
als »Vater Abt«, wie sich's gebührt.
Sie sperrten bald genug mich in ihr Luggehege,
und ohne große Müh'n war ich auf bestem Wege,
daß unter'm Zeichen ich des heil'gen Kreuzes ward
ein kleiner Heuchler ihrer Art. –

Da kam der Herr de Mornay, der machte mirs zuwider,
noch höre seine Stimme ich!
Seit zwanzig Jahren fiel – dank ihm! – die Kutte nieder
und machte Platz dem Helm, dem Harnisch, guten Waffen;
der Degen hing nicht still, der kriegte viel zu schaffen,
und auch mein Bärtchen lockte sich.
Wo immer man im Land zum Ritterkampf sich rührte,
da sang ich meinen Psalm, der uns zum Siege führte.
Ein Schrecken weit und breit ist St. Avit's Abtei
dem Papste und der Möncherei! –
Holla! Daher mit dir, mein alter Kellermeister!
Sandalen an, und hör auf mich!
Gleich rüst' im Saal das Mahl, doch mach' es etwas – feister,
verstehst du, reichlicher als an gemeinen Tagen,
Zum Donnerwetter, mach! Schaff Wildpret aufzutragen,
Truthahnen, Schinken, was weiß ich!
Bring' edlen Wein herauf, nicht etwa sauren Krätzer,
den stell' vor meinen Platz! Darin bin ich kein Ketzer,
dann kommentier' ich Euch fein das Kapitel. – Hei!
Das wird ein Tag der Schlemmerei! –

Auf! – Halt! – Du fürchtest wohl, ich laß' dich gleich mitschmoren?
Wenn irgend etwas fehlt am Mahl!
nimm dich in Acht, sag' ich, für deine Eselsohren!
Paß auf! sag dem Trior, er hat darauf zu sehen,
daß mir die Stiefel gleich bereit zum Anzieh'n stehen.
Wenn alles fertig ist im Saal,
führt ein Sergeant den Gast herein, den Herrn Baron
Assolant de Rapeille. Ein lustiger Patron!
– Lauf Kerl! – wenn dieses Volk zum Beißen Zähne
hätt', ich wär durchlocht wie ein Rakett! –
Ordnung muß sein, potz Blitz, in meinem Bataillon. –

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