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Die Ahnen

Gustav Freytag: Die Ahnen - Kapitel 68
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Ahnen
authorGustav Freytag
yearca. 1925
publisherVerlag von Th. Knaur Nachf.
addressBerlin
titleDie Ahnen
created20020523
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1872
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13. Bei den Augustinern

In der Schreibstube des Doktor Martinus Luther zu Wittenberg standen der Magister und Anna mit dem Knaben und vernahmen die Worte des verehrten Mannes: »Mir ist durch Magister Philippus Gutes über Euch und Euer Kind berichtet, und ich will es an mir nicht fehlen lassen, damit der Zweifel und die Unsicherheit ein Ende nehmen, welche jetzt Euer Leben verstören. Denn in Gewissensnöten schlägt an den Zweifel gern der leidige Teufel seine Krallen, und jede Sicherheit, selbst wenn sie schmerzlich ist, hilft eher zur Gesundheit der Seele und des Leibes.« Und gegen Anna fuhr er gütig fort: »Es ist ein seltsamer Handel, um den Ihr mit Eurem Sohne die weite Reise unternommen habt, möge sie auch dem vaterlosen Kinde frommen.« Er strich dem Kleinen über das Haar. »Ich denke, dieser hat dazu geholfen, daß Ihr die traurige Verlassenheit tapfer ertrugt; er nächst Eurem Gottvertrauen, denn auch davon ist mir Kunde zugegangen.«

Romulus sah zu dem Doktor auf und verstand, daß der Herr es gut zu ihm meinte und hier zu befehlen hatte. Aber der Handel, welcher die Großen bekümmerte, machte ihm heut wenig Sorge. Denn noch erfüllt von der Reise, dachte er vielmehr darauf, wieder in die Welt zu fahren, und achtete begehrlich auf zwei schwarze Filzschuhe hinter dem Ofen, um diese als Gäule anzuschirren.

Ein junger Mann, in der Tracht eines Schülers, öffnete leise die Tür. »Euer Verlobter ist zur Stelle,« sagte der Doktor, »laßt euch beide gefallen, daß ich euch in dieser Stube bewahre, denn ich will den Junker zuerst allein sehen.«

Mit pochendem Herzen öffnete Georg die Pforte zum Kloster, die Scheu vor dem mächtigen Manne und schwere Ahnung bedrückten ihm die Seele, auch ein Rest des alten Trotzes, daß der Priester über das Glück seines Lebens entscheiden sollte. Auf der Bank vor dem Hause saß ein Jüngling über einem großen Buche. Als Georg grüßend seinen Namen nannte, erhob sich der andere: »Der Herr Doktor ist noch beschäftigt, Ihr mögt hier niedersitzen und seiner harren.«

Georg saß allein und sah sich in dem Hofe um. Trotz seiner Not dachte er, wie unscheinbar und dürftig die Stätte erschien, aus welcher ein so helles Licht über das ganze deutsche Land leuchtete. Ein Baum in voller Blätterpracht war die einzige Zierde des stillen Raumes; auf dem Boden vor ihm flatterten die Vögel, ein Fink schritt dicht vor seinen Füßen, die Sperlinge als klügere Weltkinder hüpften in größerer Entfernung und sahen ihn mit ihren runden Augen von der Seite mißtrauisch an. Ihre Geschlechter lebten hier seit Jahrhunderten im Besitz der Mauerritzen und immer hatten die Mönche ihnen Krumen gestreut. Jetzt war das Kloster im Schwinden, nur die Kleinen saßen dick und stolz wie Prälaten. Das dachte auch Georg, und unter den vertrauten Gesellen wurde ihm leichter ums Herz. Endlich flog der Fink gar auf die schöne Laute, welche an der Bank lehnte, und sang in kunstvollem Schlag den Fremden an, während die Saiten von der Erschütterung leise klangen. Da konnte Georg der Versuchung nicht widerstehen, mit dem Finger prüfend über die Saiten zu fahren, aber er setzte die Laute sogleich wieder hin, betroffen über das Getön, welches er verursacht hatte.

»Ihr seid des Saitenspiels mächtig?« fragte eine helle Stimme neben ihm. Georg fuhr empor und stand dem Herrn gegenüber, den er noch nie leibhaftig gesehen hatte und dessen Angesicht doch durch die Holzschnitte fast jedem Deutschen bekannt war. Er sah einen Mann von stattlicher Mittelgröße, mit großem Haupt, in welchem zwei tiefliegende Augen wie dunkle Sterne blitzten. »Ihr seid der Junker aus Thorn, welcher bei mir sein Eheweib begehrt?« fuhr der Doktor fort. »Auch in Eurer Vaterstadt weicht jetzt die Finsternis dem Lichte. Ist mir recht berichtet, so hattet Ihr vor einigen Jahren Tumult, weil die Päpstlichen ein Bild des Luthers verbrannten. Ich denke, sie hätten lieber den Luther selbst in die Flamme geworfen; doch ich hoffe, sie sollen noch manchmal durch ihn erzürnt werden, bevor sie ihren Mut an ihm kühlen. In Thorn widersprach der Magister Fabricius dem Beginnen der Mönche und wurde deshalb aus der Stadt verbannt. War's nicht so?«

Georg bestätigte und der Doktor fragte weiter: »Damals geriet noch ein anderer in Streit mit den Papisten, wer war dieser und was ist aus ihm geworden?«

»Es war ein Schüler des Herrn Magisters, auch er mußte die Stadt verlassen und lebt seitdem in der Fremde.«

»Und verlor seitdem, wie ich sehe, die Hand, mit welcher er sonst die Laute spielte«, setzte der Doktor, auf den Handschuh blickend, die Rede fort. »Was trieb Euch dazu, den Mönchen das Ketzerfeuer zu verstören?«

»Herr, ich sah meinen Lehrer in Gefahr und hatte außerdem einen alten Handel mit dem Polen, welcher die Hand gegen ihn ausstreckte.«

»Ihr seid für Eure Gewalttat mit Recht gestraft worden«, versetzte der Doktor kurz. »Aber mich freut's, daß Ihr so ehrlich seid und Euren wilden Streich nicht mir auf die Seele reden wollt.« Und abbrechend sagte er in gütigem Ton wie zu einem alten Bekannten: »Setzt Euch zu mir auf die Bank, Junker.« Georg rückte sich bescheiden in die Ecke. »Dieser Platz ist mir lieber als jeder andere, wenn ich meditiere und wenn ich mit guten Freunden ein vertrauliches Wort rede. Ich sah vorhin, wie Ihr meinen kleinen Flattergeistern zulachtet, auch ich achte gern auf sie, denn in ihrem bunten Kleide sind sie die kleinen Närrchen unseres Herrgotts, und sie haben mich manchmal getröstet, wenn mir der Papst und der Teufel Not machten. Ihnen ist gesetzt, sorglos dahinzuleben, wir Menschen freilich haben besseren Witz empfangen, damit wir mit größeren Sorgen ringen. Uns Thüringern vorab ist die Freude an diesen Federhelden gemein. Eure Vorfahren haben immer in Thorn gewohnt?«

»Es geht die Sage,« antwortete Georg bescheiden, »daß auch meine Voreltern aus Thüringen stammen.«

»Ihr seid vom Adel?«

»Mein Vater gehört zu den Ältesten des Artushofes und einer von unserm Geschlecht war vor Zeiten Hochmeister von Preußen.«

»So?« sagte der Doktor. »Euer Vater also ist reich und stolz auf seine Vorfahren. Wie hält er sich im Glauben?«

»Er ist eifrig für die alte Kirche.«

»Und Ihr habt die Frau, welche er Euch verweigert, von Herzen lieb?«

Georg stand auf: »Herr, so lieb, daß mir alles auf Erden wenig gilt gegen sie.«

Auch der Doktor erhob sich und sprach feierlich: »Dann erwartet mit Demut gegen den Herrn, was Euch die nächste Stunde bringt.« Er winkte dem Schüler, welcher an der Tür harrte, der Magister und Anna traten mit dem Knaben in den Hof. Als Georg Weib und Kind wiedersah, eilte er auf sie zu, küßte sein Gemahl auf die Stirn und hob seinen Sohn zu sich auf, dann legte er die Hand des Kleinen in die der Mutter, trat zurück und begrüßte den Magister von weitem. Der Doktor sah aufmerksam zu, wie das Kind dem Vater sein Händchen reichte und dabei »lieber Vater« sagte, mit so zarter und verschämter Liebe, als käme der Gruß aus der Seele seiner Mutter. Aber gleich darauf war Romulus wieder mit eigenen Angelegenheiten beschäftigt. Er hatte sich im Hofe sofort einer Gerte bemächtigt und damit nach einem jungen Sperling des Doktors geschlagen. Auf diese Kriegserklärung flog das ganze geflügelte Volk zur Höhe und die beiden Parteien saßen lauersam gegeneinander.

»Ich flehe, ehrwürdiger Herr,« bat Georg, »daß Ihr mir gestattet, die Zeugen vor Euer Angesicht zu führen, welche für mich aussagen können. Sie warten vor dem Tor.«

»Ich bin kein Schöffe und kein Romanist,« antwortete der Doktor, »und das Zeugnis anderer wird Euch in dieser Stunde wenig helfen. Doch habt Ihr sie hergeführt, so laßt sie ein.«

Georg eilte zur Pforte und herein trat Wuz mit zweien seiner Gesellen und hinter ihnen ein alter Mann in der Tracht eines Wallfahrers. Die Männer blieben an der Tür, die Landsknechte nahmen ehrerbietig ihre Hüte ab und standen steif bei ihren Hellebarden.

Der Doktor sah unzufrieden auf die wilden Gestalten. »Was sollen die fahrenden Hansen und Jakobsbrüder in Eurer Sache?«

»Die Landsknechte waren Zeugen, als ich mit meinem Weibe vermählt wurde,« erklärte Georg bittend, »und sie haben in guter Meinung für mich die Reise gemacht.«

»Tretet näher,« gebot der Doktor, »da ihr einmal gekommen seid. Ihr also wart zugegen, als der Mann die Magd zur Ehe nahm. Habt ihr in eurem Orden besonderes Gesetz für die Vermählung?«

Wuz dachte nach: »Wir haben keine besondere Ordnung, sondern wir üben denselben Brauch, welchen im deutschen Oberlande die Bürger und Bauern anwenden, nur daß wir die Fahne darüberhalten.«

»Und wie empfing dieser das Weib?«

»Säuberlich, es ging zu wie vor einer Kirche,« versetzte Wuz, »das Fähnlein trat zum Ringe, ich gab die Braut und Benz Streitenberg stand hinter dem Bräutigam.«

»Wer tat die Fragen, und mit welchen Worten?«

»Der Hauptmann fragte: Fähnrich, wollt Ihr diese zu Eurem Ehegemahl nehmen? Der Fähnrich sagte ja. Dann fragte der Hauptmann die Jungfer, und da diese nicht vernehmlich wurde, so sprach ich das Ja, was ebensogut war; und hernach erinnerte der Hauptmann den Fähnrich, daß er der Braut auf den Fuß treten müsse, denn dieser hatte nicht daran gedacht.«

Der Doktor wandte sich zu Anna. »Habt Ihr auf die Frage ja gesagt?«

»Ich wollte ein Ja sagen«, antwortete Anna. Der Doktor nickte und sprach zum Landsknecht: »Und wie haltet ihr es bei euren Ehen mit dem Priester?«

»Wenn sich eine Gelegenheit bietet, so läßt auch der fromme Landsknecht seine Ehe an der Kirchtür weihen, obgleich das Fähnlein solches nicht begehrt.«

»Mich wundert diese Ordnung; denn ich höre, ihr lebt zuchtlos mit euren Weibsen?«

»Es ist ganz wie der Herr Doktor gehört hat«, bestätigte Wuz ehrerbietig. »Die meisten wirtschaften mit ihren Dirnen, jedoch treten auch zuweilen zwei miteinander in den Ring. Nämlich eine Ehefrau sitzt vor den andern auf dem Karren, und wenn es an Fuhrwerk fehlt, müssen die Dirnen zu Fuß laufen, auch darf der Troßweibel keine Ehefrau mit dem Stock schlagen. Und es würde wohl jede am liebsten Frau sein, jedoch ist ihnen wieder hinderlich, daß die Ehefrau nicht wechseln darf, solange das Fähnlein fliegt.«

Martinus winkte finster mit der Hand. »Es ist genug, tretet zurück.« Die Knechte wichen rückwärts zu dem Baum, in dessen Schatten der Wallfahrer lehnte.

Der Doktor wandte sich wieder zu Anna. »Habt Ihr nach eurer Vermählung den Segen eines Priesters empfangen?«

»Nein«, antwortete Anna unsicher.

»Wie kam das? Da Ihr, wie ich vernehme, eine gottesfürchtige Frau seid.«

»Zuerst fürchtete ich mich, trotz der Vermählung sein eheliches Weib zu werden«, sprach Anna mit stockender Stimme. »Dann las ich in Eurem Buche, daß nicht des Priesters Dienst eine rechte Ehe bewirkt, sondern fromme Liebe und christliche Gesinnung der Verlobten, und ich wurde ruhiger darüber, daß kein Priester in der Nähe war. Denn die Knechte waren widerwärtig gegen alle Pfaffen und hatten diese verscheucht. Als sich endlich ein Predigermönch aus Thorn zu uns fand, lag mein Hausherr diesem hoch an, daß er uns trauen möge. Da erbot sich der Mönch, da er mit dem Vater meines Hausherrn wohlbekannt sei, vorher um die Einwilligung des Vaters zu werben und uns bei seiner nahen Rückkehr zu segnen. Bevor er wiederkam, wurden wir getrennt.«

»Wohlan,« sprach der Doktor, »höret zu, ihr, die ihr meine Entscheidung angerufen habt. Ich bin kein weltlicher Richter, sondern ein Diener unseres himmlischen Vaters. Die Ehe der Christen aber ist ebensowohl nach göttlicher als nach menschlicher Ordnung eingesetzt. Darum liegt mir vor allem ob, zu erforschen, ob euer Verlöbnis zu einer rechten Ehe vor dem Herrn geworden ist. Das Wohlgefallen unseres Vaters im Himmel wird gewonnen durch christliche Gesinnung der Gatten, wenn sie in dem Gedanken an Gott die Ehe eingehen, und sein Wohlgefallen wird erhalten durch ehrbare und fromme Liebe, in welcher die Verlobten fest beharren mit dem Willen, ihr lebelang beisammen auszuhalten. Daß euch beiden eure Liebe zueinander hoher Ernst war und nicht nur ein leichtfertiges Spiel übermütiger Jugend, das erkenne ich aus der Not, in welcher ihr euch verbunden habt, und aus der Angst, in welcher ihr jetzt vor mir steht. Ob ihr aber auch als gute Kinder eures himmlischen Vaters im Glauben und Vertrauen auf ihn euren Bund geschlossen habt, das müßt ihr mir jetzt selbst bekennen, und ihr müßt die Worte auf euer Gewissen nehmen, damit nicht Unwahrheit eurer Seele und Seligkeit schade. Darum frage ich zuerst Euch, Junker, nach Gesinnung und Glauben dieses Weibes vor, bei und nach der Vermählung.«

»Ach Herr«, antwortete Georg mit gefalteten Händen. »Jedermann, der mein Weib gekannt hat, muß bezeugen, daß sie schon als Jungfrau gottseliger war, als andere ihresgleichen. Mich hat sie lange durch hohen Ernst und Strenge verschüchtert. Und in der Ehe habe ich täglich Ehrfurcht gefühlt vor der Innigkeit, in welcher sie mit dem lieben Gott verkehrte. Auch die Kriegsleute, unter denen sie leben mußte, erkannten das und ehrten sie darum.« Wuz unter dem Baume nickte heftig mit dem Kopfe.

»Das dachte ich wohl«, sagte der Doktor freundlich. »Und Ihr, junge Frau, vermögt Ihr Ähnliches von Eurem Gatten zu sagen?«

Da Anna schwieg, fuhr er ermunternd fort: »Denn Ihr müßt doch gemerkt haben, wie es mit seiner Gottesfurcht stand schon vor der Ehe und sicher in der Ehe.«

Leise antwortete die Frau: »Er hatte mich von Herzen lieb und war bereit, sein Leben für mich hinzugeben.«

»Für Euch, das Geschöpf, doch ob für seinen Schöpfer? Auch der Hirsch kämpft zuzeiten für die Hindin. Solch heißer Drang hat mit dem Glauben nichts zu schaffen.«

Anna schwieg. »Wie?« fragte der Doktor, »hatte er, als Ihr mit ihm in den Kreis der Kriegsknechte tratet, kein Wort, keinen Blick für den Vater im Himmel, der Euer Bündnis segnen sollte? Besinnt Euch,« mahnte er dringend, »denn es handelt sich hier um Großes für euch beide.«

»Herr, ich war damals kaum meiner Sinne mächtig.«

Da nahm ihr Georg die Sorge ab. »Ehrwürdiger Herr, ich stehe hier wie in der Beichte, und obwohl es meines Lebens Glück gilt, so will ich doch nicht täuschen. Als ich ihr zugesprochen wurde, sah ich nichts, als sie, und dachte an nichts, als an ihre Gefahr und daß ich sie für mich gewinnen wollte.«

»Und nachher?« forschte der Richter unruhig.

»Herr, ich fühlte nur Schmerz und Zorn, daß sie sich mir versagte; und um Euch die ganze Wahrheit zu bekennen, lange Zeit war mir ihre Frömmigkeit verleidet, weil sie sich in solcher Gesinnung von mir entfernt hielt.«

Da blitzten die Augen des Doktors zornig auf das Weltkind und er sprach rauh: »Sie tat recht, Euch zu meiden, denn Ihr waret nicht der Mann, der ihrer Seele heilsam werden konnte. Doch als Ihr sie endlich wegen ihrer weiblichen Schwäche gewannet und mit ihr in Gemeinschaft lebtet, kam Euch niemals der Gedanke, daß Ihr verdammt sein werdet, und daß Eure Ehe eine wilde Buhlschaft sein werde ohne Gottes Gnade? Und kam Euch niemals der Schrecken vor dem Richter?«

»Ich kann's nicht sagen«, antwortete der ehrliche Georg in seiner Bedrängnis. »Ich habe, obgleich wir im Elend waren, doch am liebsten fröhlich vor mich hingelebt, meines Herzens Freude war immer mein gutes Weib, und ich habe sorglos darauf vertraut, daß ihr Gebet auch mir zugute kommen werde. Bis ich einst an einem kalten Wintertage spät in unsere Behausung zurückkehrte. Dort fand ich ein Geschenk Gottes, das nicht gewesen war, als ich wegfuhr. Draußen heulte der Schneesturm, als sie es mir entgegentrugen, es war nackt und winzig, und ich hatte dergleichen niemals gesehen; oben sah es aus wie ein altes Männlein und unten ähnlich einem Frosch, der im Wasser steuert. Und es war mein lieber Sohn. Da erschrak ich vor Gottes Wunder und mir erbebte das Herz.«

»Endlich«, rief der Doktor aufatmend.

»Seit der Zeit, ehrwürdiger Herr, lernte ich den großen Gott anflehen. Oft, wenn ich den Knaben ansah, riß es mich nieder auf die Knie; denn ich bedachte, daß ich für ihn zu leben und zu sorgen hätte und wieviel unser Vater im Himmel noch dazu tun müßte, bevor das Kind seine Locken bekäme, feste Beinchen und einen verständigen Sinn. Auch mein eigenes Leben erschien mir weit anders als früher, gleich einem Amte, das mir übergeben war, damit ich sein Wunder ehrlich großzöge. Und als ich meinen Sohn verloren glaubte, stand er immer so in meinem Gemüt, wie ich ihn das erstemal sah, und wenn sein Bild erschien, trieb es mich, die Hände aufzuheben und zu bitten, daß ich bald dorthin erhoben werde, wo nach meinen Gedanken er und seine Mutter auf mich warteten.«

Der Doktor sah auf die Mutter, und in seinem Antlitz leuchtete die Freude. »Nun, dieser ist kein verzweifelter Kunde, und er vermöchte wohl neben einer guten Frau ein frommer Hauswirt und Vater zu sein; zumal wenn die Frau, welche im Glauben stärker ist, ihn nicht durch Mahnungen quält, sondern die Zeit abwartet und ihm herzlich zuredet.« Und näher an beide tretend, begann er feierlich: »Soweit ich als kurzsichtiger Mensch den Willen des Herrn zu deuten vermag, sage ich euch, euer Bündnis ist vor Gott eine rechte Ehe. Und wenn der Herr euch beiden die Gnade erwiese, euch aus dieser sündigen Welt in das Reich des Lichtes abzurufen, so vertraue ich, daß euch, ihr armen Kinder, im Himmel eure Stühlchen nebeneinander gerückt werden.«

Da umfaßte Georg glücklich die weinende Frau; und der Doktor fuhr fort: »Auch bin ich jede Stunde bereit, eurer Ehe durch Priestersegen nachträglich die Bekräftigung zu geben, welche ihr noch fehlt, wenn ich von denen geladen werde, die das Recht dazu haben.« Er löste die Hände der beiden voneinander. »Denn die Ehe ist nicht allein nach göttlicher Ordnung eingerichtet, sondern auch nach menschlicher. Und obgleich die Bräuche, durch welche eine Ehe vor den Menschen gültig wird, nicht in jeder Landschaft dieselben sind, so ist doch unter Deutschen überall Gesetz, daß der Haussohn und die Tochter sich nicht vermählen dürfen ohne Einwilligung der Eltern oder derer, welche an Eltern Statt über sie zu gebieten haben. Euch aber, Junker, lebt der Vater, und dieser hat die Erlaubnis nicht gegeben, sondern er hat sie ausdrücklich verweigert. Darum muß ich euch sagen, fürwahr mit schwerem Herzen, vor den Menschen, in dieser sündigen Welt, ist euer Bündnis eine rechte Ehe nicht.«

So schrecklich war für zwei Seelen der Sturz aus hoher Freude zum Elend, daß die Verlobten fassungslos standen. Der erschrockene Magister zog die Tochter an sich und hielt die Unglückliche umschlungen. Der Doktor aber sah unzufrieden auf das Entsetzen der Geschiedenen, denn ihn erfreute zumeist ihre gute Aussicht für jenes Leben, sie aber fühlten stärker das Elend der irdischen Trennung. Doch sprach er schonend zu Georg, welcher mit gefurchter Stirn und geschlossener Faust vor ihm stand: »Da Ihr im höchsten Vertrauen zu mir gekommen seid und mich wider meinen Willen zum Meister Eures Geschickes machen wolltet, so vernehmt den besten Rat, den ich Euch geben kann: Eilt von hier zu den Füßen Eures Vaters, und fleht inständig, daß er Euch den Segen nicht länger vorenthalte. Denn Liebe der Eltern flackert nicht umher wie Liebe junger Herzen, sie sitzt tief und bleibt beständig, und wenn sie auch einmal in den Winkel gestampft wird, so bricht sie immer wieder hervor.«

»Ich habe zu den Füßen meines Vaters gefleht, ehrwürdiger Herr,« antwortete Georg, »und er hat seine Einwilligung verweigert. Da habe ich ihm bekannt, daß ich mit dem Vater meines Weibes vereinbart habe, uns unter Euren Richterspruch zu stellen. Er aber hat gefordert, selbst ein Zeuge Eures Ausspruches zu sein, um sein Recht als Vater gegen Euch zu behaupten, wenn Ihr ihm die Herrschaft über seinen Sohn absprechen wolltet. Und ich gab ihm zur Antwort, wenn er mich begleite, so sei auch ich durch mein Gewissen gedrungen, mein Recht unter Euren Augen gegen ihn selbst zu vertreten. Darüber vertrugen wir uns. Und ich bitte, gestattet mir, daß ich ihn vor Euch führe, denn ich erkenne, daß die schwerste Stunde meines Lebens gekommen ist.« Er wies auf den Wallfahrer, welcher herantrat: »Dies ist mein Vater.«

Die Gestalt des Doktors hob sich gebietend: »Ihr tatet klug, Euch in dem Schatten zu bergen, Herr. Hättet Ihr mir sofort Euren Namen genannt, so würde ich auch Euch gesagt haben, was Euch unlieb zu hören ist.«

»Dennoch zürnt nicht,« begann Marcus mit gleichem Stolze, »daß ich ein Zeuge Eures Urteils war; denn, was ich niemals für möglich gehalten, habt Ihr bewirkt: ich bin Euch dankbar geworden für Eure Rede.«

»Vermögt Ihr nach allem, was Ihr hier gesehen und gehört habt, Eure Einwilligung noch ferner zu versagen?«

»Ich versage sie«, antwortete Marcus.

»Dann habe ich mit Euch nichts mehr zu schaffen«, sagte Martinus. »Ich sehe wohl, Ihr seid einer von den Hochmütigen, welche sich in der Stille ihrer guten Werke berühmen und den Willen unseres Herrgotts zu meistern hoffen, weil sie fasten, opfern und zu den Altären der Heiligen fahren. Ich aber sage Euch, Ihr werbt um die Gunst Eurer Heiligen so, wie ein schlechter Verwalter durch Bestechung um die Gunst der Hofleute wirbt, damit sie ihm bei ihrem Gebieter zu weltlichem Vorteil helfen. Eure kalte Frömmigkeit ist eigennützig und gottlos, sie macht Euren Sinn nicht demütig, sondern stolz und hart. Und Ihr und Euresgleichen, die dem Herrn nur dienen wollen, damit er Euch wieder dienstbar sei, Ihr sollt erfahren, daß Euer Hoffen eitel und Euer Wille ohnmächtig sind, gerade dann, wenn Ihr am stolzesten auf Euer Recht vertraut.«

Marcus zuckte unter diesen Worten, aber er legte seinem Sohn die Hand auf und gebot: »Komm.«

Da sprang Georg zu seinem Kinde, riß es an sich und rief: »Fordert Ihr Euer Recht an mir, so bin auch ich Vater und fordere mein Anrecht an meinem Sohn. Diesen hat mir der Herr durch seine Mutter zugeteilt für mein Leben, und er hat auf mein Gewissen gelegt, daß ich dem Kinde und seiner Mutter ihre Tage behüte als Wirt und Herr.«

»Sprich nicht weiter, Georg,« rief Marcus heftig, »denn wie du den Knaben hältst, so hielt ich dich in meinen Armen.«

Doch Georg warf sich, den Knaben festhaltend, auf die Knie. »Im Angesicht des Himmels klage ich mein bitteres Leid. Zwingt mich dein harter Wille, Vater, zu wählen zwischen deiner Liebe und der Treue gegen Weib und Kind, so muß ich deine Liebe missen, damit ich die Liebe meines Kindes verdiene.«

Marcus hob drohend den Arm: »Wahre dich, daß nicht der Fluch des Vaters dein Haus niederreiße.«

Da ermahnte der Doktor: »Ich höre zwei, welche allzuhart auf ihrem Recht bestehen. Euer Recht, Kniender, ist nach dem Evangelium das bessere, nach Brauch und Ordnung dieser Welt ist es das schwächere. Stürmt in Eurer Seele eine hohe Pflicht gegen die andere, so hütet Euch, daß Ihr nicht allzuschnell die eine verachtet, um die andere zu erfüllen. Denn was dem Menschen unversöhnlich scheint, weiß einer, der die Herzen lenkt, in Liebe zu vergleichen über alles Hoffen. Darum sage ich Euch zum zweiten Male, weichet um Eurer Geliebten willen nicht von Eurem alten Vater, wie hart er auch gegen Euch poche. Wisset, ich selbst habe erfahren in langem Herzeleid, wie es schmerzt, mit seinem Vater in Unfrieden zu leben, und ich habe ihn nicht um irdischer Liebe willen verlassen, sondern um meines Gottes willen, weil ich damals wahrhaftig nicht anders konnte. Aber den rechten Frohsinn habe ich in meinem Herzen erst gefühlt, seit ich aus der Möncherei erlöst wurde und mein alter Vater mich wieder freundlich anlachte. Seid Ihr ein solcher Gesell, wie Ihr mir heut erschienen seid, so fühlt Ihr in stillem Herzen denselben Stein, der mich im Kloster drückte. Sprecht aber nicht etwa: Herr, mein Gott, ich will zu meinem irdischen Vater gehen und ihn bitten, und wenn er meinen Wunsch nicht erfüllt, so tue ich dies und das. Solcher Vorsatz ist eitle Vermessenheit, er nimmt Eurem Flehen die Kraft und hindert Euch, den Willen Eures himmlischen Vaters zu erkennen; sondern geht und sprecht so: Ich will als ein guter Sohn gegen meinen irdischen Vater handeln. Und wenn dann Euer Herr Vater Euch ferner widersteht, so wendet Euch wieder zu Eurem Gott und sorget unablässig, daß Ihr mit diesem in Frieden bleibt und seinen rechten Willen erkennt. Dann wird auch er Euch zur Zeit eingeben, was für Euch das Rechte sein wird; und ich hoffe, lieber Junker, er wird's mit Euch wohlmachen.«

Georg hielt schweigend den Sohn an seinem Herzen. Martinus nahm ihm den Knaben aus der Hand und stellte ihn vor den Großvater: »Bitte du, Kleiner, denn unsere Stimme dringt nicht an sein Ohr.«

Doch Romulus, welcher wußte, daß die armen Pilger seine Mutter um Almosen baten, sah zu dem Doktor auf und antwortete: »Er muß bitten.«

»Wahrlich,« rief Martinus, »du hast in deiner Einfalt das Richtige gesagt. Dennoch flehe, denn du stehst vor dem Ahn deines Geschlechts.« – Da streifte das Kind seinen Ärmel zurück und wies einen braunen Fleck auf der Haut, welchen die Mutter seinem Vater im Turme als ein Zeichen des Geschlechts gewiesen hatte, und es sprach: »Ich habe auch ein Mal.«

Als Marcus das Zeichen sah, welches er selbst auf dem Arm hatte, wollte die weiche Regung seiner Herr werden; doch wieder zog sich sein Antlitz zusammen und er rief seinen Sohn nochmals an: »Komm!« »Fahrt dahin in Eurem Hochmut«, gebot der Doktor in heiligem Zorn. »Seht zu, was Euch von dem Sohne bleibt, wenn Ihr seinen getreuen Willen zerbrecht. Für diese hier zu leben hat er gelobt, was Ihr aber aus ihm machen wollt, ist ein ehrloser, eidbrüchiger Mann.«

Wie ein Blitzstrahl schlug das strenge Wort in das verdüsterte Gemüt des Vaters. Langsam trat er auf Anna zu, faßte die Schaudernde bei der Hand und führte sie zu Georg. »Nehmt ihn von mir, junge Frau, er war mein einziger Sohn.«

Anna sank neben dem Geliebten auf die Knie, und Marcus begann mit hartem Stolze zum Doktor: »Ihr wart bereit, zu segnen, Herr. Helft, daß er seinen Eid gegen diese halte, der Vater ist nicht dawider.«

Da sprach Martinus Luther feierlich den Segen über die knienden Gatten. Als die Vermählten sich erhoben, ergriff Marcus den Stab: »Lebe wohl, mein Sohn.«

»Vater«, schrie Georg.

»Während du im Kerkerturme lagst, dem Tode verfallen, gelobte ich den Heiligen, damit sie dich bewahrten, die Betfahrt nach Compostella. Zwingt dich dein Eid, für deinen Sohn zu leben, auch ich halte den Eid, den ich für meinen Sohn getan.« Er winkte mit der Hand und wandte sich zur Klostertür.

Wie Romulus sah, daß der Wallbruder unzufrieden und ohne Gabe entweichen sollte, tat ihm der Alte leid, er lief ihm nach und sagte: »Da hast du meine Gerte.«

Marcus fuhr zurück, wie vor einem unsichtbaren Schrecken, und rief: »Der Tote sah den Enkel des Alten, und seine letzten Worte haben ihn verkündigt.« Und den Knaben aufhebend, trug er ihn zu der Mutter: »Nehmt meinen Enkel, liebe Tochter, mit meinem Segen.« Er rührte ihr mit der Hand das Haupt, dann schritt er aus der Pforte.

Georg wollte dem Vater nacheilen, der Doktor hielt ihn zurück: »Was unsere Mahnung nicht vermochte, hat der Herr durch die Einfalt des Kindes getan. Widersteht ihm nicht, wenn er auch im Irrtum dahinwandelt. Ich kenne diese trotzige Art; in seiner Seele kämpft ein starker Engel mit dem Teufel. Ihr dürft hoffen, daß er Euch wiederkehrt.« Er wandte sich zu dem Magister. »Ihr habt einst vor dem Scheiterhaufen der Mönche für den Luther Zeugnis abgelegt, heut dankt er Euch dafür, Herr Magister.«

»Wieder Fabricius«, antwortete unter Freudentränen der Gelehrte.

Da trat Wuz herzu, entblößte sein Haupt, strich das spärliche Kopfhaar mit der Hand zurecht, und sein runzliges Gesicht rötete sich. »Dies ist die Gelegenheit, welche wir lange gesucht haben, ehrwürdiger Vater, denn wir erkennen, daß Ihr als ein Feldhauptmann vor uns steht im Streite gegen den Teufel.«

»Ängstigt Euch der alte Bösewicht?« fragte Martinus, die narbigen Gesichter musternd.

»Wir Landsknechte haben eine Verheißung wegen der Hölle, und wir möchten wohl wissen, ob wir darauf bauen dürfen.«

»Nein«, versetzte der Doktor.

»Derselben Meinung war zu ihrer Zeit die junge Frau Anna«, fuhr Wuz unsicher fort. »Auch würde uns das wenig frommen wegen alter Abneigung des heiligen Petrus. Nun ist uns von der erwähnten Fähnrichin verlesen worden und auch anderweitig zu Ohren gekommen Eure Lehre von den zehn Geboten, welche man gewissermaßen als Christ beachten soll.«

»Es sind nicht meine Gebote,« unterbrach ihn der Doktor, »sondern die Gebote deines himmlischen Vaters.«

Wuz verneigte sich aufs neue demütig: »Es wird uns gesagt, daß sie notwendig sind für unserer Seele Seligkeit, jedoch meinen wir aus vielen Gründen, daß sie nicht für uns Knechte gegeben sind. Denn, hochwürdiger Herr, sie sind uns bei weitem zu schwer und ganz unmöglich zu beachten. Darum kommen wir, um Euch flehentlich zu bitten, ob wir nicht mit einem Teil, etwa mit der Hälfte, genug hätten, weil wir keine hohe Würde im Himmel begehren, nur daß wir dort einen ehrlichen Ruhesitz finden.«

»Hinweg, du Narr,« versetzte Martinus, »meinst du, daß der große Gott mit zweierlei Maß mißt? Dasselbe Gesetz ist gegeben für den König wie für den Landsknecht.«

Wuz sah sehr bekümmert aus, als er erwiderte: »Aber, lieber Herr Doktor, übt Nachsicht mit uns, denn die zehn sind mit dem Amt eines Landsknechts unverträglich.«

»Ich weiß, daß ihr Spieler seid, Flucher, Räuber, voll von Unzucht, und daß euch der Teufel beim Kragen hat, ohne daß ihr ihn merkt.«

Wuz bestätigte durch Kopfnicken jede Eigenschaft, die ihm der Doktor zuteilte. »Alles ist, wie Ihr sagt, jedoch wie sollen wir anders sein, denn wir bestehen ohne Geld, nur durch Gewalttat, und leben in einem Notstande.«

»Wenn eure Herren auch zur Sünde verlocken, so werden sie dafür büßen wie ihr, euch aber vermag das nicht zu entschuldigen.«

Wuz drehte ängstlich seinen Hut: »Nichts für ungut, ehrwürdiger Herr, wir möchten aber doch auch selig werden.«

Als der Doktor die Angst des Mannes sah, trat er ihm näher. »Ihr habt allerlei Zauberei und geschriebenen Segen, auf den ihr euch gern verlaßt, wenn ihr ins Treffen geht.« Das gab der zerknirschte Wuz zu. »Wohlan, ich will euch einen besseren Segen lehren, der euch vielleicht helfen mag, wenn ihr ihn fleißig gebraucht. Kennt ihr das Vaterunser?« Das kannte Wuz ganz gut. »Aber die Worte allein tun's nicht,« belehrte der Doktor, »sie wirken nur dann, wenn ihr sie in der Weise gebraucht, welche ich euch jetzt lehren will. Bevor ihr sie sprecht, hebt die Augen zum Himmel und denket daran, daß auch euch armen Schelmen ein Vater im Himmel lebt, der euch liebhat und für euch sorgt, und der euch gar zu gern gnädig sein möchte, wenn ihr nur nicht so arge Unfläter wäret. Denkt an den Vater mit herzlichem Vertrauen, dann faltet die Hände, wie ich jetzt tue, und sprecht leise, was ich euch vorsage.« Er sagte ihnen langsam und mit heißer Andacht die Bitten vor, und die Landsknechte murmelten sie nach. »Diesen Segen«, fuhr er fort, »gebe ich euch auf den Weg, sprecht ihn jeden Abend und jeden Morgen und wenn ihr sonst einmal mit guten Gedanken allein seid, und ich sage euch, er wird euch aus eurem Elend helfen; denn es liegt eine wunderbare Kraft in ihm, er weckt das Gewissen und widersteht der Hölle.«

Wuz sah fröhlich aus, aber noch stand er zögernd, griff in seine Tasche, zog die Ohren eines schwarzen Lederbeutels und zählte drei Goldstücke in seine Hand. »Jeder von uns hat eins geopfert für die arme Seele des starken Hans, welcher unser Hauptmann war, bis eine Hellebarde seinen Schädel traf. Dies möchten wir gern anwenden, um unserem guten Gesellen noch etwas Günstiges zu erweisen für den Einmarsch bei Sankt Peter, und wir flehen, ob Ihr uns auch dazu helfen könnt.«

»Hinweg, ihr Leute,« gebot der Doktor, »ihr seid hier nicht im Papsttum; euer Hauptmann hat seinen Richter gefunden. – Möge der Herr euch allen gnädig sein.« Er grüßte und trat in das Haus zurück.

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