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Die Abentheuer des Don Sylvio

Christoph Martin Wieland: Die Abentheuer des Don Sylvio - Kapitel 74
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva
authorChristoph Martin Wieland
year1997
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20201-4
titleDie Abentheuer des Don Sylvio
pages3-8
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1764
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Viertes Capitel.

Beschluß dieser Geschichte.

Wir haben nunmehr, geneigter Leser, die Geschichte unsers Helden bis zu dem Zeitpunct fortgeführt, wo sie aufhört wunderbar zu seyn, oder, welches eben so viel ist, wo sie in den ordentlichen und allgemeinen Weg der menschlichen Begebenheiten einzuschlagen anfängt, und also aufhört zu den Absichten geschickt zu seyn, die wir uns in diesem Werke vorgesetzt haben. Don Sylvio, der nunmehr keine andere Feen erkennt als seine angebetete Felicia, und keine andere Bezauberung als die aus ihren Augen entspringt, ist auf dem Wege, glücklich, seines Glückes würdig, und wenn er anders, (wie wir hoffen,) lange genug lebt, seiner Zeit auch so gar weise zu werden. Wir könnten ihn also in so angenehmen Umständen mit bestem Fuge seiner Liebe und seinem glücklichen Gestirn überlassen, wenn wir nicht vermuthlich einige Leser oder Leserinnen hätten, die zu träge sind, sich die gänzliche Entwicklung dieser wundervollen Geschichte, so leicht es auch ist, sie zu errathen, ohne unser Zuthun, selbsten vorzustellen. Diesen melden wir also, daß noch an eben diesem Tage Don Sylvio seiner gnädigen Tante so wohl von den Verdiensten, so sich Don Eugenio um seine wieder gefundene Schwester gemacht, und von ihrer gegenseitigen Neigung, als von dem wunderbaren Anfang und glücklichen Succeß seiner eigenen Leidenschaft für die schöne Felicia von Cardena umständliche Nachricht gab. Es kostete wenig Mühe, die Einwilligung dieser Dame (bey welcher der Stolz über eine gewisse andere Leidenschaft ordentlicher Weise die Oberhand hatte,) zu der doppelten Verbindung, die ihr von Don Eugenio und von ihrem Neffen vorgeschlagen wurde, zu erhalten. Sie erröthete nun vor sich selbst, daß hundert tausend Ducaten sie fähig gemacht hatten, einen Procurator von Xelva und seine mißgebohrne Nichte einer Verbindung mit ihrer Familie würdig zu achten; und da sie eine gute Rechnerin war, so fand sie, daß mit vierzig tausend Ducaten jährlicher Einkünfte, welche Donna Felicia ihrem geliebten Don Sylvio zubrachte, der Glanz ihres Hauses viel besser wieder hergestellt werden könne. Diese Ueberzeugung wurde nicht wenig durch einen Artickel der Ehe-Pacten ihres Neffen befördert, worinn ihr, so lange sie lebte, eine jährliche Pension von sechs tausend Ducaten angewiesen wurde; ein kleines Einkommen, mit dessen Hülfe sie im Fall der Noth den Abgang des Herrn Rodrigo Sanchez würdiglich ersetzen zu können hofte.

So grosse Ursache man auch hatte zu glauben, daß unser Held von den Würkungen, welche die Feerey auf sein Gehirn gemacht, völlig hergestellt sey, so nöthig fand man, den leeren Raum, den die Verbannung der Feen darinn gelassen hatte, nunmehr mit den Ideen würklicher Dinge anzufüllen. Er entschloß sich also, durch eine Reise, die er in die vornehmsten Theile von Europa machen wollte, sich des Besitzes der schönen Felicia würdiger zu machen; Don Eugenio trieb die Freundschaft so weit, sich zu seinem Begleiter und Führer anzubieten; und unsere beyden Schönen waren mehr als großmüthig genug, in eine Trennung von zwey Jahren einzuwilligen, welche ihnen in einem Kloster zu Valencia, so sie indeß zu ihrem Aufenthalt erwählten, durch häuffige Briefe von ihren Liebhabern versüßt wurden. Diese zwey Jahre giengen endlich vorüber, und Don Eugenio und Don Gabriel brachten ihren Freund in einer Vollkommenheit zurück, die ihn für eine jede andere Person als seine Felicia unkennbar gemacht hätte; denn sie schien nichts weniger als erstaunt, durch die grosse Welt, und alle die Gelegenheiten, die er gehabt hatte, diese glücklichen Fähigkeiten entwickelt zu sehen, die ihr von Anfang an alles, was nur liebenswürdig heißt, von ihm versprochen hatten.

Diese liebenswürdige junge Wittwe, und ihre würdige Freundin Donna Seraphina, welche sich in dem Umgang mit Felicia und andern Personen von Verdiensten gleichfalls zu der vollkommenen Liebenswürdigkeit ausgebildet hatte, deren sie fähig war, willigten nun mit Vergnügen ein, ihre Sehnsuchtsvollen Liebhaber glücklich zu machen; und der ehrliche Pedrillo, der seinen Herrn begleitet hatte, und eben so aufgeweckt, sinnreich und spaßhaft, obgleich um ein gutes Theil höflicher und artiger als vorher zurück gekommen war, erhielt, zur Belohnung der Leiden, die er um seines Herrn willen auf der ehmaligen Wanderschaft nach dem bezauberten Schmetterling ausgestanden, und zur Vergeltung der getreuen Dienste, die er ihm auf seinen Reisen durch Europa geleistet, die schöne und kluge Laura, mit der Stelle eines Haußhofmeisters, die er vermuthlich noch jetzo, da wir dieses schreiben, in der liebenswürdigsten und glücklichsten Familie von ganz Spanien bekleidet.

ENDE.

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