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Die Abentheuer des Don Sylvio

Christoph Martin Wieland: Die Abentheuer des Don Sylvio - Kapitel 54
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva
authorChristoph Martin Wieland
year1997
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20201-4
titleDie Abentheuer des Don Sylvio
pages3-8
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1764
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Zwölftes Capitel.

Fortsetzung der Geschichte der Hyacinthe.

Meine ehmaligen Gespielen, die ich seit einiger Zeit selten zu sehen bekam, hatten sich, wie ich in der Folge merkte, gelehriger finden lassen, die Absichten der Alten zu begünstigen. Man hatte bisher Sorge getragen, alles, was im Hause vorgieng, vor mir zu verheelen; aber jetzt fand die Alte für gut, den Vorhang aufzuziehen. Die armen jungen Geschöpfe, die von ihrer neuen Lebensart nur die angenehme Seite sahen, schienen ganz davon bezaubert zu seyn; sie konnten nicht Worte genug finden, mir ihre Glückseligkeit anzupreisen, und die älteste hatte es schon so weit gebracht, daß sie meine Sprödigkeit, wie sie es nannte, sehr beissend zu verspotten wußte. Ich machte eine ziemlich alberne Figur unter diesen Mädchen; aber meine Verwirrung nahm nicht wenig zu, wie ich nach und nach eine Anzahl junger Mannsleute ankommen sah, die beym ersten Eintritt in ein abgelegenes Zimmer, wo wir waren, so bekannt thaten, als ob sie da zu Hause wären. Weil ihnen mein Gesicht neu war, so hatte ich gleich den ganzen Schwarm um mich her, und sie schienen es abgeredt zu haben, mich durch ausschweiffende Lobsprüche in Verlegenheit zu setzen. Die Alte merkte meine Bestürtzung; sie nahm mich bey Seite, und sagte mir, daß es Leute vom Stande wären, welche ihr die Ehre thäten, den Abend zuweilen bey ihr zuzubringen; sie versicherte mich, daß es sehr wohlgesittete junge Herren seyen, deren Absicht nicht weiter als auf eine unschuldige Ergötzung gehe; ein aufgewecktes Gespräch, ein Spiel, eine Collation, und ein Tanz sey alles, was sie bey uns suchten; sie bezahlten dafür wie Prinzen, und da ihr Hauß eine Caffe-Schenke sey, so könne es niemand in der Welt übel finden, daß sie so gute Gesellschaft bey sich sehe. Ich mußte mich hiemit befriedigen lassen, und in der That führten sie sich bis zum Nachtessen so anständig auf, daß die Furcht, die ich anfangs vor ihnen gehabt hatte, allmählich meiner gewöhnlichen Munterkeit Platz machte. Ich ließ mich nicht lange bitten, ihnen so viel Romanzen zu singen, als sie nur wollten, und ich gestehe ihnen, daß meine kleine Eitelkeit nicht ganz unempfindlich gegen die Schmeicheleyen war, die mir vorgesagt wurden. Allein unter dem Nachtessen, und nachdem ihnen der Wein zu Kopfe gestiegen war, fiengen sie an, sich für den Zwang, den sie sich bisher angethan hatten, schadloß zu halten. Die unbesonnene Lebhaftigkeit meiner ehmaligen Gespielen schien sie zu den Freyheiten heraus zu fordern, die sie sich mit ihnen heraus nahmen; Zungen, Augen und Hände wurden immer freyer, und ehe man sichs versah, hatte die trunckene Ausgelassenheit eines Bacchanals die Stelle der anständigen Fröhlichkeit eingenommen. Ich würde vergeblich Worte suchen, um ihnen eine Beschreibung von dem Zustande zu machen, worinn mich dasjenige, was ich sah und hörte, setzte. Mein Erröthen, meine Verwirrung wurde der Gegenstand ihrer Spötterey; ein paar Gecken von unsrer edlen Gesellschaft nahmen es auf sich, mich, wie sie sagten, zahm zu machen, und ihre Nymphen, die man gewiß der Sprödigkeit nicht beschuldigen konnte, munterten sie selbst dazu auf. Ich wollte entfliehen, aber ein paar andere verrannten mir die Thüre; ich lief zu der Alten, warf mich zu ihren Füssen, und bat sie, mich zu retten; aber sie lachte nur über mich. Meynst du denn, sagte sie, daß es dir das Leben kosten werde; Fi! wie unartig du bist! wer verlangt dir dann was zu Leyde zu thun? du solltest dir es zur Ehre rechnen, daß so artige junge Cavaliers mit dir scherzen mögen, und du weinst und zitterst und schlotterst wie eine kleine Närrin. Kommen sie Don Fernand, und trösten sie das gute Kind – – Diese Reden verwandelten meine Angst in eine Art von Verzweiflung; ich stund auf, lief wie eine Unsinnige zum Tisch, bemächtigte mich eines Messers, und drohte mich zu ermorden, wenn jemand sich unterstünde mich anzurühren. O! das fangt an tragisch zu werden, rief einer von unsern Gecken; hat man jemals so was gesehen? Das ist noch mehr als Lucretia, denn die wollte doch erst versuchen, ob es der Mühe werth wäre sich zu erstechen – – Dieser vermeynte witzige Einfall zog eine unendliche Menge anderer nach sich, worinn immer einer den andern übertreffen wollte, und es erhob sich ein grosser Streit, wer, wie sie sagten, das Abentheuer mit dem kleinen feuerspeienden Drachen bestehen sollte, bis zuletzt einer den Vorschlag that, es durch Würfel auszumachen. Eine so niederträchtige Begegnung schmerzte mich so sehr, daß ich ganz athemloß in einen Lehnstuhl sank, und alle Augenblick dachte, das Herz würde mir zerbersten. Ich weiß nicht, was in diesem Zustand aus mir geworden wäre, wenn nicht einer aus der Gesellschaft, vor dem die übrigen eine Art von Ehrerbietung zu haben schienen, und der diesen ganzen Abend sehr aufmerksam auf mich gewesen war, sich auf einmal zu meinem Beschützer aufgeworfen hätte. Er sagte den übrigen mit einem Ton, der seine Würkung that, daß ich keine solche Begegnung verdiene; und zu gleicher Zeit gab er der Alten einen Wink mich wegzuführen. Sie brachte mich in ein kleines Zimmer, wo ich mich auf ein Ruhbette warf, und durch einen Strom von Thränen meinem Herzen leichter machte. Die Alte ließ mich hier über eine Stunde allein, und so bald ich wieder zu mir selbst gekommen war, fieng ich wieder an, auf meine Flucht zu denken. Alles, was mir vormals unüberwindliche Hindernisse geschienen hatte, war jetzt nichts in meinen Augen; die Fragen, wohin ich fliehen, oder wie ich ohne Geld, unter lauter unbekannten Leuten, und so jung als ich war, fortkommen wollte, fielen mir nur nicht einmal ein. Wenn ich nur aus diesem Hause wäre, dachte ich, so möchte der Himmel für das übrige sorgen. Meine Ungedult wurde so groß, daß ich keinen Augenblick länger warten wollte, mein Vorhaben, was auch daraus entstehen möchte, ins Werk zu setzen. Aber wie groß war mein Schmerz, da ich die Thür verschlossen fand! Ich lief nach den Fenstern, aber sie waren so hoch, daß ich sie nicht erreichen konnte, und zum Ueberfluß mit eisernen Gittern verwahrt. Ich schrie so laut als ich konnte, damit man mich auf der Strasse hören möchte; aber das Zimmer war weit von der Strasse entfernt, und niemand hörte mich. Ich warf mich wieder auf mein Ruhbette, raufte mir die Haare aus, schrie und winselte wie eine Unsinnige, und klagte den Himmel an, daß er mich mit einem Herzen, das für meine Umstände zu edel war, die Tochter einer Zigäunerin hätte werden lassen, oder wenn ich es nicht seye, daß er mich in Umstände hätte gerathen lassen, die mich so unerträglichen Beschimpfungen aussetzten. O! gewiß bin ich für einen so schmählichen Stand nicht gebohren, dachte ich: Wenn es auch meine Gestalt und Farbe nicht zu verrathen schiene, so sagt mirs mein Herz, daß ich keine Enkelin dieser schändlichen Kuplerin bin, die mich, der Himmel weißt durch was für Mittel in ihre Gewalt bekommen hat. Ach! ich bin vielleicht von edeln Eltern gebohren, und die zärtliche Mutter, die mich gebahr, beweint vielleicht noch jetzt den Verlust einer Tochter, welche sie liebenswürdig und glücklich zu machen hofte. – – – –

Meine erregte Phantasie setzte diesen Gedancken lange fort, ob es gleich nicht das erstemal war, daß er mir zu gleicher Zeit meinen Zustand unerträglich machte, und einen gewissen Muth einflößte, mich durch meine Gesinnungen über ihn zu erheben; ich bestrebte mich, so tiefe Blicke in meine Kindheit zu thun, als mir möglich war, um in den schwachen Spuren erloschener Erinnerungen eine Bekräftigung meiner Wünsche zu runden; und so eitel und ungewiß auch die Einbildungen waren, womit ich mich selbst zu betrügen suchte, so dienten sie doch dazu, mich in dem Vorsatz zu bestärken, in was für Umstände ich auch kommen möchte, meine Ehre eben so sorgfältig in Acht zu nehmen, als ob das edelste Blut von Castilien in meinen Adern flöße. Ich war noch in diese Gedanken vertieft, als die Alte wieder kam, und mir mit ungemeiner Freundlichkeit sagte, daß ich mich fertig machen sollte, ihr in eine andere Wohnung zu folgen, weil mir, dem Ansehen nach, die ihrige so übel gefalle. Sie setzte hinzu, daß ich dort, an statt von jemand abzuhängen, ganz allein zu befehlen haben würde, und noch viel anders, was mir eine grosse Meynung von dem Glücke, das mir bevor stehe, geben sollte. Sie wollte mich bereden, ihre Absicht sey diesen Abend nur gewesen, mich auf eine Probe zu setzen; sie lobte mein Betragen, und sagte, daß ich demselben die glückliche Veränderung zu danken habe, worinn ich noch in dieser Nacht mich sehen würde. Der junge Cavalier fiel mir so gleich ein, der sich meiner angenommen hatte; ich fragte die Alte, aber sie gab mir lauter unbestimmte Antworten auf meine Fragen. Meine Begierde, aus einem so schändlichen Hause zu kommen, verkleinerte die neue Gefahren, worein ich gerathen konnte, zu sehr, als daß eine ungewisse Furcht den Abscheu vor einem Schicksal, das in diesem Hause fast unvermeidlich schien, hätte überwiegen können; und zudem, so hätte mir, da ich nun einmal in ihren Händen war, die Weigerung mit ihr zu gehen, wenig helfen können. Ich ließ es mir also gefallen; sie putzte mich so gut auf, als es in der Eile möglich war, warf einen Schleyer über mich und sich selbst, und führte mich aus dem Hause. Es war um Mitternacht, und der Mond schien unter einem leichten Gewölk hervor. Nachdem wir einige kleine Gassen durchkrochen hatten, fanden wir eine Kutsche, die auf uns wartete. Wir stiegen ein, und ich war ein wenig bestürzt, wie ich eine von meinen vormaligen Gespielen zu uns einsteigen sah, die, wie mir die Alte sagte, mein Aufwartmädchen vorstellen sollte, bis ich ein anders hätte. Indeß war es mir doch angenehm, daß sie Sorge getragen hatte, diejenige auszuwählen, die mir immer die liebste gewesen, und die in der That, eine einzige Schwachheit ausgenommen, das beste Ding von der Welt war. Wir wurden eine ziemliche Zeit hin und wieder geführt, bis endlich unser Wagen vor einem kleinen Hause still hielt, das kein sonderliches Ansehen hatte. Die Thüre öfnete sich, wir giengen hinein, und wurden von einer etwas bejahrten Frau empfangen, die uns mit Lichtern entgegen kam. Sie war in schlechtem grauen Zeug gekleidet, hatte eine von den grösten Brillen auf der Nase, und einen Rosenkranz an ihrem Gürtel, der ihr bis auf die Füsse herab hieng; dieser Aufzug, und ein rundes röthliches Gesicht, das aus einer alt-modischen Schleyer-Haube hervor guckte, mit einem paar kleinen Augen, die sie auf eine andächtige Art im Kopf herum drehte, gab ihr so völlig das Ansehen einer Beate, daß ich anfangs in ein Kloster zu kommen meynte. Aber diese Vorstellung verlohr sich bald, da sie mich in ein Gemach von vier in einander gehenden Zimmern führte, welches, wie sie sagte, meine künftige Wohnung seyn sollte.

Diese Zimmer waren immer eines prächtiger als das andere; Tapeten, Spiegel, Porcellan, Gemählde, Schnitzwerk, Vergoldungen, alles war so schön, daß ich etliche Augenblicke davon verblendet wurde. Die Alte, die mich bis hieher begleitet hatte, wartete nicht, bis ich mich aus der ersten Bestürtzung, worinn (die Wahrheit zu sagen) Furcht und Vergnügen zu gleichen Theilen vermischt war, erhohlen konnte. Ich überlasse dich nun dir selbst, meine liebe Hyacinthe, sagte sie zu mir, nachdem sie mich auf die Seite genommen hatte; du bist liebenswürdig, und hast dir in den Kopf gesetzt, auch tugendhaft zu seyn; der Einfall ist gut, und wenn du dich dessen zu bedienen weißst, so kan dir deine Tugend hundertmal so viel werth seyn, als mir deine Jugend und Schönheit. Mit diesen Worten verließ sie mich, ohne eine Antwort zu erwarten. Die Beate folgte ihr, nachdem sie mir mit einer tiefen Verbeugung eine gute Nacht gewünscht hatte. So bald ich allein war, fieng ich an diesem Abentheuer nachzudenken. Ich fragte die kleine Stella, die bey mir geblieben war, und ob sie mir gleich nichts anders sagen konnte, als daß der Marquis von Villa Hermosa, (eben derjenige, der sich diesen Abend meiner angenommen hatte) sich bald nach meiner Entfernung mit der Alten weg begeben, und erst nach einer Stunde wieder gekommen sey; so schien es mir doch genug, mich in der Vermuthung zu bestärken, daß ich von der alten Kuplerin diesem jungen Herrn ausgeliefert worden sey. Ich brachte den Rest der Nacht in einer unruhigen Verwirrung hin und wieder laufender Gedanken auf einem Sopha zu. Ich stellte mir vor, wie ich mich gegen den Marquis bezeugen wollte, meine Einbildung mahlte mir eine Menge von Abentheuern vor, die ich in alten Romanen gelesen hatte, und meine kleine Eitelkeit fand sich durch den Gedanken geschmeichelt, daß ich vermuthlich selbst die Heldin eines Romans werden könnte. Ohne Zweifel, dachte ich, liebt mich der Marquis; und wenn er mich liebt, so bin ich wenigstens gewiß, daß er mir anständig begegnen wird. Vielleicht denkt er, mich durch Geschenke, Juwelen, reiche Kleider und eine wollüstige Lebensart zu gewinnen; aber er wird es anders finden. Der blosse Gedanke, daß ein Preiß in der Welt seyn sollte, um den Hyacinthe sich selbst dahin gäbe, empört mein ganzes Wesen. Von dieser Seite hab ich nichts zu besorgen. – – Aber wie wenn er liebenswürdig wäre? Wenn mein eigenes Herz mich unvermerkt verführte, oder wenn es wahr wäre, daß die Liebe nicht in unsrer Gewalt ist? – – So ist es doch in meiner Gewalt, es ihm zu verbergen, – – und wenn ers auch zuletzt entdeckte, so werd ichs ihm dennoch weder eingestehen, noch seinen Anträgen Gehör geben, bis ich entdeckt habe, wem ich mein Daseyn schuldig bin. O! ihr, deren Blut dieses Herz belebt, rief ich, wer ihr auch seyn möget, mein Herz sagt mir, daß ihr einer Tochter würdig seyd, die ihr einst ohne zu erröthen dafür erkennen dürfet.

Unter allen den Gedanken, die diese Zeit über in meinem Kopf herum schwärmten, war dieser ohne Zweifel der beste; er entsprang aus meinem Herzen, ich fand ein unbeschreibliches Vergnügen, ihm nachzuhängen, und fühlte, daß er mir eine gewisse Stärke mittheilte, die mich über mein Alter und die Niedrigkeit meiner Umstände erhob.

In einer solchen Verfassung fand mich der Marquis, da er bey seinem ersten Besuch mir seine Absichten eröfnete. Ich hatte ihn des Abends zuvor, anfangs gar nicht von den übrigen unterschieden, und hernach nur mit einem zerstreuten Blick und in einer ängstlichen Unruhe, worinn ich keiner Aufmerksamkeit fähig war, angesehen. Jetzt, da ich ihn genauer betrachtete, fand ich ihn vollkommen schön; aber mein Herz blieb gleichgültig, und sagte mir kein Wörtchen zu seinem Vortheil. Er schien sich so viel mit seiner Figur zu wissen, daß es ihm nur nicht einfiel, daß man ihm sollte widerstehen können. Dieser Stolz beleidigte den meinigen, und freylich konnte der Marquis nicht vermuthen, bey einem kleinen Zigäuner-Mädchen Stolz zu finden. Ich will ihre Gedult durch keine umständliche Erzählung der Erklärungen, die er mir machte, und der Antworten, die ich ihm gab, ermüden. Die Offenherzigkeit, womit ich ihm meine Gleichgültigkeit gegen seine Reitzungen zu erkennen gab, und die stolze Bescheidenheit, womit ich einen schönen Schmuck von Diamanten ausschlug, welche (wie er sehr sinnreich sagte) nur dazu dienen sollten, von dem Glanz meiner schönen Augen verdunkelt zu werden – – schien ihn ganz aus seiner Fassung zu bringen. Ich sagte ihm, daß er mich durch nichts in der Welt verpflichten könne, als wenn er mich einer Dame von seinen Verwandten oder Freundinnen empfehlen wollte, um in ihre Dienste aufgenommen zu werden. Er konnte eine so niederträchtige Bitte mit dem Stolz, den er in meinen übrigen Gesinnungen fand, nicht zusammen reimen; und nachdem er viele vergebliche Mühe gehabt hatte, mich auf andere Gedanken zu bringen, so verließ er mich endlich, in der Hofnung, wie er sagte, daß die Abgeneigtheit, die seine Figur das Unglück habe mir einzuflössen, nicht unüberwindlich seyn werde. Allein seine Hofnung betrog ihn diesesmal. Er fand nach etlichen andern Besuchen, die er mir machte, daß ich würklich keine Seele haben müsse. Ich bestund schlechterdings darauf, daß er mir meine Freyheit wieder geben sollte. Und was willt du denn mit deiner Freyheit anfangen, kleine Närrin, sagte er? Gnädiger Herr, antwortete ich, es ist mir unmöglich, ihnen Hofnungen zu machen, die mein Herz verläugnet. Ich weiß es gewiß, daß ich sie in acht Tagen, oder in acht Wochen, wenn sie wollen, eben so wenig lieben werde als jetzt. Darauf können sie sich verlassen, und das ist alles, was sie jemals von mir zu erwarten haben. Ist das alles, erwiederte der Marquis hönisch? Du bist sehr offenherzig, Hyacinthe, und ich kan mich wenigstens nicht beklagen, daß du mich in Ungewißheit schmachten lassest. Eine andere an deinem Platz würde mich bereden, daß sie mich liebe, wenn es auch nicht wahr wäre.

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