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Die Abentheuer des Don Sylvio

Christoph Martin Wieland: Die Abentheuer des Don Sylvio - Kapitel 53
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva
authorChristoph Martin Wieland
year1997
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20201-4
titleDie Abentheuer des Don Sylvio
pages3-8
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1764
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Eilftes Capitel.

Geschichte der Hyacinthe

Wenn es richtig ist, wie ich zu glauben geneigt bin, fieng die schöne Hyacinthe ihre Erzählung an, daß ein Frauenzimmer desto schätzbarer ist, je weniger sie von sich zu reden macht, so bin ich unglücklich genug, daß ich in einem Alter, worinn die meisten kaum angefangen haben unter den Flügeln einer zärtlichen Mutter schüchtern hervor zu schleichen, eine Erzählung meiner Begebenheiten zu machen habe; und ich werde in der That untröstbar deßwegen seyn, wenn ich die Schuld davon mir selbst beyzumessen hätte.

Alles was ich Ihnen von meiner Abkunft sagen kan, ist, daß ich nichts davon weiß. Ich erinnere mich zwar, wiewohl nur ganz dunkel, der Zeit, da mich eine schon bejahrte Zigäunerin, von der ich erzogen worden bin, in ihre Gewalt bekam; ich war noch sehr klein, und mich däucht, daß ich in einem grossen Hause gewesen war, und etliche Weibsleute und einen kleinen Bruder um mich gehabt hatte, den ich sehr zärtlich liebte. Aber auch diese wenigen Erinnerungen sind so schwach und erloschen, daß ich mir nicht getraue Sie zu versichern, daß es würklich so gewesen sey.

Die Zigäunerin, die sich für meine Groß-Mutter ausgab, ohne daß sich mein Herz jemals überreden lassen wollte es zu glauben, wandte allen nur möglichen Fleiß an, mich zu den Absichten, die sie mit mir hatte, zu erziehen. Ich war kaum sieben Jahr alt, da die gute Art, wie ich zu meiner kleinen Biscayer-Trommel tanzte, die naiven Antworten, die ich gab, und tausend kleine Gauckeleyen, die ich zu machen wußte, mir allenthalben, wo wir hinkamen, die Gunst der Leute erwarben, und meiner alten Pfleg-Mutter ihre Realen zufliegen machten. Dieser Succeß munterte sie auf, daß sie nichts ermangeln ließ, die Talente, die sie in mir zu finden glaubte, zu entwickeln. In meinem zwölften Jahre spielte ich die Cither und die Theorbe, sang eine unendliche Menge von Liedern und Romanzen, und prophezeyte aus der Hand und aus dem Caffee-Satz, so gut als irgend eine Zigäunerin in der Welt.

Die Aufmerksamkeit, die ich ungeachtet meiner anscheinenden Flatterhaftigkeit auf alles hatte, was ich sah und hörte, machte mich einsmal, da wir auf einem Feste zu Toledo waren, bemerken, daß unter einem Hauffen von Zuschauern, die ich nebst etlichen andern jungen Mädchen, zum Vortheil unsrer Alten, durch Tänze und Balladen belustigen mußte, ein paar Männer von ernsthaftem Ansehen stunden, die mich mit mitleidigen Augen anzusehen schienen, wie Schade, sagte einer, daß sie eine Zigäunerin ist! Wie bald wird diese sich selbst noch unbewußte Anmuth die Beute der Verführung werden. Glaubet mir, sagte der andere, sie hat mir eher die Mine andre zu verführen, als sich verführen zu lassen. Desto mehr ist sie zu bedauren, erwiederte der erste, in ihrem Stand ist die Tugend, die in jedem andern ein Verdienst ist, ein Fehler, der sie nur desto unglücklicher machen würde. – – Diese Reden, die ich, ohne daß sie es merkten, auffaßte, machten einen tiefen Eindruck auf mein Gemüth, und je weniger ich ihren Sinn verstehen konnte, desto mehr bemühte ich mich ihn auszugrübeln.

Die alte Zigäunerin, die nur darauf dachte, wie sie mich reitzend machen wollte, hatte sich wenig bekümmert, mich die Tugend kennen zu lehren; und wie hätte sie es sollen, da sie selbst weder Begriff noch Gefühl davon hatte. Dem ungeachtet war ich nicht gänzlich ohne moralische Begriffe. Ein gewisser Instinct, der sich durch meine Aufmerksamkeit auf die Handlungen unserer kleinen Gesellschaft und auf die Bewegungen meines eigenen Herzens nach und nach entwickelte, sagte mir, daß dieses oder jenes schön oder häßlich sey, ohne daß ich eine andere Ursache hätte angeben können, als meine Empfindung. Die Romanzen und Mährchen, von denen ich eine grosse Menge auswendig wußte, waren eine andere Quelle, aus der ich mir eine Art von Sittenlehre zog, die vielleicht nicht die sicherste war; aber sie war doch immer besser als gar keine. Dieser Instinct, diese verworrene Begriffe von sittlicher Schönheit, und die obigen Reden der beyden Toledaner, die mir immer wieder einfielen, flößten mir endlich einen lebhaften Abscheu vor meinem Stand und der Lebensart, die wir führten, ein, so unschuldig sie immer in gewissem Sinne genennt werden konnte. Ich muß unglücklich seyn, sagte ich zu mir selbst, weil man mich bedaurenswürdig findt, und bin ich es nicht, da ich für einen kleinen elenden Gewinnst mich allenthalben zur Schau aussetzen, mich von jeden unverschämten Auge begaffen lassen, und Leuten die ich nicht kenne, zum Spielzeug dienen muß? Dieser Gedanke machte mich nach und nach in meinen eigenen Augen so verächtlich, daß ich den Geschmack an den kleinen Ergötzlichkeiten, aus denen bisher mein Leben zusammen gewebt gewesen war, gänzlich verlohr.

Ich war eben in dieser Gemüths-Verfassung, als uns einst die Alte in ein schönes Schloß führte, wo sie durch die Talente ihrer vorgeblichen Töchter, (denn sie hatte unser fünfe, oder sechse, von denen die älteste kaum vierzehn Jahr alt war,) einige Ducaten zu erschleichen hofte. Die Dame des Schlosses war eine Wittwe von dreyßig Jahren, die ihr vornehmstes Geschäfte daraus machte, eine sehr artige Tochter zu erziehen, die ungefehr in meinem Alter war. Diese Dame schien von meiner Unschuld, und von dem stillen Kummer, der in meinen Augen schmachtete, gerührt zu werden. Sie nahm mich beyseite, that verschiedene Fragen an mich, und schien mit meinen Antworten sehr vergnügt zu seyn. Zuletzt fragte sie mich, ob ich nicht Lust hätte, bey ihr zu bleiben. Ihr edles Ansehen und ihre leutselige Mine bezauberte mich so sehr, daß sie meine Antwort in meinem Gesichte lesen konnte, eh ich Worte fand, ihr meine Freude darüber auszudrücken. Sie wiederhohlte diesen Antrag gegen die alte Zigäunerin, und vergaß nichts, was sie hätte überreden können, mich aufs beste bey ihr versorgt zu glauben. Aber die Alte, welche ganz andere Absichten mit mir hatte, war unerbittlich. Endlich sagte sie, daß ich ihr zu nützlich wäre, als daß sie sich entschliessen könnte, mich ohne einen beträchtlichen Ersatz von sich zu lassen. Zum Unglück war die großmüthige Dame, die bereits mein ganzes Herz eingenommen hatte, nicht reich genug, die ausschweiffende Forderung der Alten zu befriedigen, und diese bemerkte es kaum, so eilte sie, was sie konnte, bis wir wieder aus dem Hause waren. Meine Thränen rührten die gütige Dame so sehr, daß sie sich bey nahe entschlossen hätte Gewalt zu brauchen; allein die Alte berief sich auf ihre mütterliche Rechte, die ich nicht widersprechen konnte, so wenig sie auch mein Herz bestättigte. Kurz, wir mußten scheiden, und die Besorgniß, daß man uns nachsetzen möchte, machte die Alte so behutsam, daß sie uns durch lauter Wälder, Umwege und abgelegene Oerter führte, bis wir endlich zu Sevilla anlangten. Ich war untröstbar, und die Alte sahe sich genöthiget, meinen Schmerz austoben zu lassen, ehe sie es versuchen wollte mir mein Schicksal in einem angenehmen Lichte vorzustellen. Ich war zu jung und zu sehr zur Fröhlichkeit geneigt, als daß die Traurigkeit, der ich mich ohne Maaß überlassen hatte, von langer Dauer hätte seyn können. Unsre Ankunft zu Sevilla veränderte die Scene unsrer Lebens-Art; die Alte miethete ein geraumiges Hauß, räumte mir ein eigenes Zimmer ein, und verdoppelte die Freundlichkeit, mit der sie mir immer begegnet war. Sie gab mir Meister, die mich in der Musik vollkommen machen sollten, und machte mir alle Tage Geschenke von Bändern und andern artigen Kleinigkeiten.

Endlich da sie mich eines Morgens aufgeräumter sah als gewöhnlich, hielt sie mir, nachdem sie sich den Weg zu meinem Herzen durch Liebkosungen und Schmeicheleyen eröfnet zu haben glaubte, eine lange Rede, worinn sie mir sagte: daß die Zeit nun herbey rücke, da sie die Früchte der Bemühungen, so sie auf mich gewandt, zu sehen hofte. Sie erhob meine Reitzungen, und versicherte mich, daß die Glückseligkeit meines Lebens bloß von dem klugen Gebrauch abhangen werde, den ich davon zu machen lernen würde. Du siehst an mir, mein Töchterchen, sagte sie, daß man alle Tage älter wird; die Blühte der Jugend ist die Zeit, die man sich zu nutze machen muß, wenn sie einmal versäumt ist, so ist der Schade unersetzlich. Ich kan dir keine Reichthümer hinterlassen, deine Gestalt und deine Gaben sind alles, was du hast; aber sey unbesorgt, sie werden dich, wenn du klug bist, in einen goldnen Regen setzen. Nach dieser viel versprechenden Vorrede fieng sie einen Discours von der Liebe an, wobey sie den Vortheil zu haben glaubte, mich desto leichter zu überreden, je unerfahrner ich war. Sie erschöpfte ihre eigene Einbildungs-Kraft um die meinige zu erhitzen; aber die kalte Gleichgültigkeit, worinn ich blieb, versicherte sie, daß ihre Schildereyen nicht den mindesten Eindruck auf mich machten. Vermuthlich dachte sie, daß dieser Kaltsinn mehr meiner vollkommenen Unwissenheit in solchen Sachen als einer absoluten Unempfindlichkeit zuzuschreiben sey. Sie glaubte, ein artiger junger Lehrmeister würde geschickter seyn als sie selbst, mir die neue Kunst, wozu sie mich anführen wollte, angenehm zu machen; und es währte nicht lange, so brachte sie einen jungen Cavallier von Sevilla in mein Zimmer, der, wie er sagte, das Vergnügen haben wollte mit mir bekannt zu werden. Bald darauf gab sie, ich weiß nicht was für Geschäfte vor, und ließ uns allein. Der junge Herr fieng die Conversation mit einigen Complimenten an, die er aus einem alten Ritterbuch gelernt haben mochte; auf diese folgte eine überaus feurige Liebes-Erklärung, und aus Besorgniß, ich möchte ihn nicht recht verstanden haben, endigte er damit, daß er sich einige kleine Freyheiten heraus nehmen wollte. Ich erschrack anfangs und stieß ihn ziemlich unhöflich zurück; aber ein Augenblick von Ueberlegung, oder vielmehr der besagte Instinct, der wenigstens bey mir (denn ich getraue mir nicht von mir auf unser ganzes Geschlecht zu schliessen) sehr oft die Stelle der Ueberlegung vertritt, zeigte mir so gleich, daß Ernst und Unwille mir hier wenig helfen würde. Ich sagte ihm also mit einer angenommenen Munterkeit: Sie sind allzu voreilig, mein Herr; ich will nicht mit ihnen darüber disputiren, ob es wahr ist, daß sie mich lieben; es mag wahr seyn oder nicht, so werden sie mir doch eingestehen müssen, daß es nun darauf ankommt, ob ich sie wieder lieben will, und wenn ich auch wollte, ob ich es kan, denn das hängt nicht allemal von unserer Willkühr ab. Sie verlieben sich, wie es scheint, sehr eilfertig, das ist ihre Manier; ich, bin um ein ziemliches langsamer, das ist die meinige; meine Gunstbezeugungen gehen mit meinem Herzen, und dieses ist nicht so leicht zu gewinnen als sie denken; es ergibt sich, mit ihrer Erlaubniß, nicht auf die erste Aufforderung. Wenn sie mich aber so sehr lieben, als sie mich bereden wollen, so kan es sie nicht viel kosten, so viel Gefälligkeit für mich zu haben, und in Gedult abzuwarten, wozu sich mein eigensinniges Herz mit Zeit und Weile entschliessen wird. Kommen sie, mein schöner Herr, fuhr ich fort, ich will ihnen indessen, zu Linderung ihrer Qual eine Romanze vorsingen, von der sie gewiß gestehen sollen, daß sie die schönste ist, die sie jemals gehört haben. Indem ich dieses sagte, hüpfte ich ohne ihm Zeit zur Antwort zu lassen, zu meiner Theorbe, leyrte indeß, daß ich sie stimmte, ein Präludium, und sang ihm darauf eine altfränckische Ballade von mehr als hundert und fünfzig Strophen, die eine so einschläfernde Melodie hatte, daß die Lebhaftigkeit eines Franzosen nicht zugereicht hätte, dagegen auszuhalten. Mein junger Herr saß da, sah mich mit einer Art von dummer Verwunderung an, und rief von Zeit zu Zeit gähnend: schön! rührend; unvergleichlich! Allein endlich kriegte ers doch genug, und wie er sah, daß die Romanze kein Ende nehmen wollte, so nahm er seinen Hut, machte seinen Reverenz, und zog mit der tröstlichen Versicherung ab, daß er bald wieder kommen wollte.

Sie werden denken, daß ich bey diesem Anlaß keine unfeine Anlage zur Coquetterie gezeigt habe; allein meine Absicht ist, ihnen die Wahrheit zu erzählen, sie mag zu meinem Vortheil gereichen oder nicht.

Bald darauf kam die Alte, und ich merkte aus ihren Reden, daß der junge Herr nicht ganz vergnügt mit mir hinweg gegangen war. Sie war es hingegen desto mehr, da ich ihr erzählte, auf was Art ich seine kleine Lebhaftigkeit gedämpft hatte. Sie lobte mich, und hofte mit solchen Dispositionen noch Freude an mir zu erleben. Es ist eben nicht nöthig, sagte sie mir, daß man alle, die uns lieben, wieder liebe; im Gegentheil, es ist nichts in der Welt, wovon eine junge Person, die ihr Glück durch sich selbst machen soll, sich mehr in Acht nehmen muß, als eine ernsthafte Leidenschaft. Gefälligkeit, mein Töchterchen, ist alles, was man von dir verlangt. Indessen thust du wohl, daß du auf deine gleichgültigsten Gunstbezeugungen einen hohen Preiß setzest; ein Mädchen ist wehrt was sie sich gelten macht; es ist jetzt deine Zeit, mein Kind, und man ist nicht immer vierzehen Jahr alt, – – In diesem Ton fuhr die Alte noch eine gute Weile fort.

Aus euren Reden (unterbrach ich sie endlich) muß ich schliessen, daß ihr meynet, ich solle diesen jungen Menschen noch öfter sehen? Warum nicht? versetzte die Alte, und noch zwanzig andere dazu, die dir vielleicht besser gefallen werden. Man sieht alle, und weißt niemand ab; man wählt sich einen aus, und amusirt indeß die andern, bis die Reyhe an sie kommt. An statt diese Reden zu beantworten, brach ich in einen Strom von Thränen aus; ich sagte der Alten schluchzend, daß ich keine Neigung zu einer solchen Lebens-Art hätte, und machte ihr bittere Vorwürfe, daß sie mich nicht bey der guten Dame gelassen hatte, die mich so gerne bey sich behalten hätte. Wenn ich euch zur Last bin, sagte ich – – O! das sollst du nicht, unterbrach mich die Alte, du sollst mir und dir nützlich seyn – – Aber wie soll das zugehen, fragte ich? Wir singen und tanzen nicht mehr, weder in den Häusern, noch auf den Märkten, oder an den Festtagen; und wenn ich euch sagen soll, wie ich denke, so wollte ich auch lieber sterben, als in dem Alter, worinn ich bin, länger herum ziehen, und wie ein kleiner Affe die Leute für Geld durch meine Sprünge belustigen; Ich würde mich zu Tode schämen, und ich sage euch, es ist nichts in der Welt, das ich nicht lieber – – Sey nur unbekümmert, fiel mir die Alte ein, du sollst auch nicht. Wie du noch ein Kind warest, da war das alles schön und gut; jetzt da du groß bist, und wie ein junges Rosenknöspchen aufzugehen anfangst; jetzt taugst du zu was besserm; eine Rose ist nur dazu da, daß man sie pflücke, und die Rosen von deiner Art haben das besondere, daß sie nur desto schöner blühen, wenn sie gepflückt sind. Wie du noch selbst ein Kind warest, war es dir ganz anständig, andere durch Kinderspiele zu ergötzen; jetzt ist es Zeit zu einer andern Art von Spielen. Deine Jugend, deine Figur, und deine Gaben werden dir so viele Liebhaber verschaffen, als du nur willst. – – Ich will aber keine Liebhaber, sag ich euch, und wills euch tausendmal hinter einander sagen, wenn ihr mirs dann glauben wollt – – Du willt keine Liebhaber, versetzte die Alte, und lachte überlaut, du albernes, einfältiges Ding! du willt keine Liebhaber? das wollen wir einmal sehen. Ich kenne dich besser als du selbst; wir wollen in acht Tagen wieder davon reden; du glaubst, weil dir der erste, den du gesehen hast, gleichgültig war – – Aber wie ich sagte, wenn du, ehe acht Tage in die Welt gekommen sind, nicht einen Liebhaber hast, in den du so verliebt bist, wie ein junges Kätzchen, so will ich mein Handwerk aufgeben. Mit diesen Worten gieng sie fort, ohne darauf acht zu geben, daß ich vor Schaam und Unwillen bis aufs Weisse im Auge roth war. Ich war ausser mir selbst, ich warf mich auf einen Stuhl, ich stand wieder auf, rang die Hände, weinte, schrie, und dachte in einer Verwirrung, worinn es unmöglich war zu denken, auf ein Mittel, wie ich aus der Gewalt des bösen alten Weibes entkommen wollte. Die gute liebenswürdige Dame fiel mir immer ein; sie würde mich gewiß aufnehmen, dachte ich, wenn ich nur ein Mittel finde zu entwischen. Das schlimmste, meiner Einbildung nach, war, daß ich ihren Namen nicht wußte, noch wie der Ort hieß, wo sie wohnte; denn die Alte hat mir ihn niemals sagen wollen. Allein ich erinnerte mich doch so viel, daß das Schloß nur wenige Meilen von Calatrava liege, und ich zweifelte nicht, daß ich sie erfragen würde, wenn ich nur einmal wieder zu Calatrava wäre. Diese Gedanken beruhigten mich wieder in etwas, und da ich nun meine Flucht fest bey mir beschlossen hatte, so nahm ich mir vor, sie bey der ersten Gelegenheit ins Werk zu setzen.

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